Yearning – Interview mit Juhani Palomäki

Yearning InterviewKlassische Eifersüchteleien!!!

Die finnischen Doom Gothic Metaller von Yearning, die bereits seit 1997 im Underground aktiv sind, konnten mit Ihren bisherigen Veröffentlichungen schon einige Aufmerksamkeit erregen. Ihre vor allem durch das beeindruckende Songwriting und die technische Vielfältigkeit aufwartende Musik, hat schon so manchen an den Rande des Suizids getrieben, denn eine Yearning CD ist nicht irgendein Release, sondern die klassisch vollendete Form von musikalischer Genialität gemischt mit der typischen finnischen Lebensform, der Melancholie. Yearning verstehen es wie kaum eine andere Band, den Zuhörer an Ihrem Leiden teilhaben zu lassen und auf Ihrem mittlerweile 4. Longplayer „Evershade“ weichen sie keinen Millimeter von Ihrem eingeschlagenen Weg ab, wirken aber trotzdem frisch und unverbraucht. Ein guter Grund für uns also,dem Bandkopf und Wundergitarristen Juhani Palomäki auf den Zahn zu fühlen und ihn nach den Aktivitäten im Yearning Lager zu befragen:

-Juhani,was sind deine musikalischen Einflüsse und woher nimmst Du die Inspiration um Lyrics zu verfassen? Bitte beschreibe uns den genauen musikalischen Stil von Yearning….

„Wir haben damals als Death Metal Band begonnen und als wir uns in Yearning umbenannten, kamen die Grundsounds eindeutig aus dem Metal Bereich, das haben wir bis heute beibehalten. Die Drums, sowie die Gitarrenarbeit verdeutlichen dies, denke ich. Desweiteren sind sinfonische Elemente ein großer Bestandteil unserer Musik. In den letzten Jahren haben wir uns zudem viel mit klassischem und progressivem Material auseinandergesetzt und in unsere Songs mit einbezogen. Der orchestrale Hintergrund in vielen Stücken von uns ist wohl ein eindeutiger Einfluss aus der Klassik, mit der Ich mich sehr intensiv beschäftige und sie beim Songwriting schon gar nicht mehr außer Acht lassen kann, selbst wenn Ich versuche mich auf andere Dinge zu konzentrieren, verliere Ich nicht das Gefühl, einen bestimmten Part im Song zu finden, wo klassische Elemente zum Einsatz kommen. Es ist sehr schwer,uns in irgendeine Schublade zu packen, gerade hier in Finnland diskutieren viele Leute darüber,ob wir nun Gothic Doom Metal, klassisch beeinflussten Metal oder gar progressiven Metal spielen. Das ist lustig, wenn man hört worüber sich die Leute den Kopf zerbrechen, hah. Unser Label, Holy Records beschreibt unsere Musik ebenfalls als Gothic Metal. Das kann Ich nicht unbedingt sagen, dass dem so ist. Jedenfalls nicht mehr zum momentanen Zeitpunkt. Als wir unser Debut Album „With Tragedies Adorned“ veröffentlichten, waren Vergleiche mit Bands wie My Dying Bride oder Anathema wohl zutreffender, jetzt liegen die prägnanten Punkte eindeutig im klassischen Breich,somit trifft Gothic Metal nur bedingt zu. Ich würde es eher als klassischen Metal bezeichnen. Literatur und das Leben im allgemeinen, sowie verschiedene andere Dinge inspirieren mich beim verfassen von Lyrics für unsere Songs. Alles kann ein Einfluss sein, gerade unterbewusste Ebenen, sind für mich von enormer Bedeutung und liefern mir ein großes Maß an Inspiration. Es gibt aber auch Lyrics, die unter unmittelbarem Einfluß dem gegenüber stehen, was hauptsächliche Bedeutungen in meinem Leben angeht. Auf „Evershade“ habe Ich meine Gefühle beschrieben, über meinen Freund der sich im letzten Herbst das Leben genommen hat. Das hat mich dazu gebracht, richtig in mich zu gehen und über Dinge nachzudenken, an die man ansonsten nicht denkt. Trotzdem sind die Lyrics im allgemeinen Sinne „fröhlich“ gehalten“.

-Auf euren ersten beiden Alben hattet Ihr ein festes und komplettes Line – up. Dies änderte sich nach dem Release von „Plaintive Scenes“. Nun hast Du mittlerweile alle Instrumente bis auf das Schlagzeug übernommen, ist das ein großer Unterschied für Dich und was war überhaupt der Grund für den Ausstieg der anderen Bandmitglieder?

„Damals gab es eine Menge Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Bandmitgliedern. Es waren viele Kleinigkeiten, die nicht einmal mehr so sehr im musikalischen Bereich lagen. Vielmehr waren es persönliche Gründe, die ausschlaggebend waren – die damalige Freundin von Toni, unserem Schlagzeuger, gehörte auch zum Line – up. Als die beiden nicht mehr zusammen waren, führte dies zu argen Streitigkeiten. Die Chemie zwischen allen Bandmitgliedern stimmte überhaupt nicht mehr und wir gerieten in die fatale Situation, dass erst Toni und dann Ich die Band verlassen wollten. Den entgültigen Split konnten wir dann glücklicherweise vermeiden und es lief darauf hinaus, dass Toni und Ich, die beiden waren, die als Yearning weitermachten. Schon damals komponierte Ich alle Songs und musste den anderen zeigen,was sie zu spielen hatten.I m Studio sah das so aus, dass Ich bis auf die von Toni eingespielten Drums, rund um die Uhr arbeitete. Deswegen macht es mir nichts aus, alle Instrumente alleine einzuspielen. Natürlich muss Ich öfter und intensiver proben, aber sonst komme ich sehr gut damit zurecht. Manchmal ist es sogar etwas langweilig, he-he“.

-Was macht Ihr beide in eurem privaten Leben,habt Ihr einen Ganztagsjob und was sind eure Hobbys,neben der Band?

„Unser Alltag verläuft eigentlich ganz normal.Wir haben beide eine feste Arbeit,der wir nachgehen und nebenbei studiere Ich noch,das beansprucht mich neben der Musik doch sehr. Jedoch bleibt die nötige Zeit,die wir brauchen um zu proben. In Kürze haben wir einige Live Auftritte, da ist ausgiebiges Proben vorher absolut notwendig. Einige lokale Bands hier, sind sehr interessiert, Toni als Schlagzeuger zu verpflichten und so wie es aussieht wird sich Toni wohl in Kürze einer Black Metal Band anschließen. Er hat dennoch die nötige Zeit für Yearning. Musik ist unser einziges Hobby,mich beanspruchen Side Projekte aber nicht so sehr. Die Band unseres Aushilfsbassisten, Nocturnal Winds, war eine Zeit lang ein Projekt an dem Ich gesanglich mitwirkte, aber Ich konzentriere mich nun voll und ganz auf Yearning„.

-Legt Ihr es darauf an,eines Tages wieder mit einem kompletten Line -up an den Start zu gehen oder wollt Ihr zukünftig mit der aktuellen Besetzung, also Du & Toni weitermachen?

„Zur Zeit haben wir einige Session Musiker mit denen wir Live Shows absolvieren. Das sind alles sehr gute Freunde von uns, auch die Proben miteinander verlaufen super, so das wir in der Lage sind uns live gut zu präsentieren. Auf „Evershade“ hat unser neuer Gitarrist in einem Song die Soli eingespielt und es kann durchaus möglich sein, dass wir alle fest ins Line – up integrieren. Eine Entscheidung diesbezüglich gibt es zwar noch nicht, aber Ich denke das es wohl das beste wäre.So we´ll see“….

-„Evershade ist ja das mittlerweile 4. Album von von euch. Hast Du eine konkrete Vorstellung, inwieweit man in den nächsten Jahren noch von Yearning hören wird?Ich meine, habt Ihr Träume,vielleicht sogar schon Pläne?
Eine größere Tour als Support von Sentenced oder Amorphis könnte eines eurer Anliegen sein…….?

„Konkrete Pläne haben wir noch nicht,da wir erst einmal sehen wollen wie es im allgemeinen weitergeht und lassen alles auf uns zukommen. Es stehen wie schon gesagt, einige Live Shows an, auf die wir uns intensiv vorbereiten. In der Vergangenheit waren wir ziemlich nachlässig, was Live Auftritte anging, das wollen wir nun ändern und uns öfter Live präsentieren um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Über eine Tour als Support haben wir uns bisher noch keine Gedanken gemacht, aber das kann ja noch werden. Keine Sorge,auf jeden Fall wird von Yearning in den nächsten Jahren zu hören sein“.

-Es kusieren Gerüchte, euch dieses Jahr auf dem Tuska Festival in Helsinki live bewundern zu können. Was ist da dran und wie sehen eure Pläne für dieses Jahr aus?

„Vor 2 Jahren haben wir schon einmal auf dem Tuska Festival gespielt und in diesem Jahr läuft es wohl darauf hinaus, dass wir dort wiederum auftreten. Wir haben bis zu diesem Termin genügend Zeit zum Proben und freuen uns dort spielen zu können, denn es ist eine besondere Atmosphäre und ein tolles Publikum auf dem Tuska, wir sind gerne dort. Die weiteren Pläne für dieses Jahr sehen so aus, daß wir einige kleinere Konzerte hier in Finnland spielen werden und weiter an neuen Songs arbeiten“.

-Was ist dein favorisiertes Yearning Album / Song?

„Oh,das ist eine schwierige Frage. Ich denke das „Evershade“ unser bestes Album ist, da wir uns gegenüber den vorhergehenden Alben weiterentwickelt haben und vor allem die Produktion sehr druckvoll ist und die orchestralen Parts sehr gut zum Ausdruck gebracht werden. Das gesamte Packet war diesmal einfach besser. „Evershade“ ist ein rundum gelungenes Album – wir sind zufrieden damit. Hm, bester Yearning Song? Das ist echt schwer, ich mag eigentlich alle Stücke von uns und kann wirklich jetzt gerade keinen besonders hervorheben“.

-Es gibt viele Bands,die mit der Arbeit ihrer Plattenfirma nicht zufrieden sind und mit einem Wechsel dieser liebäugeln. Wie sieht es mit der Arbeit und Unterstützung von Seiten eures Labels aus, seid Ihr zufrieden mit dem Support von Seiten der Zuständigen von Holy Records?

„Hier in Finnland passiert nicht allzu viel, zumindest was die Promotion angeht. Wir organisieren hier eigentlich alles selbst. Ich denke, dass sich die Arbeit unserer Plattenfirma mehr auf den mitteleuropäischen Markt konzentriert. Speziell in Frankreich, da Holy Records dort ansässig sind. Ich habe keinen genauen Überblick bezüglich deren Arbeit. Alles in allem sind wir aber zufrieden, es gibt für uns keine Kritikpunkte“.

-Auch für eine kleinere Band wie euch,dürfte es interessant sein, zu erfahren, wie viele CD´s denn bisher an den Mann oder die Frau gebracht werden konnten. Vor allem in Finnland. Habt Ihr Informationen darüber?

„Nun,bisher haben wir darüber noch keine Informationen erhalten. „Evershade“ kam im September 2003 auf den Markt und nachdem jetzt fast ein halbes Jahr vergangen ist, werden wir bestimmt bald einige Infos über die Verkaufszahlen bekommen. Ich hoffe, dass sich einige Fans „Evershade“ zugelegt haben. Unsere bisherigen CD´s haben sich auch gut verkauft. Unser Debut Album „With Tragedies Adorned“ verkaufte sich am meisten. Jedoch hoffen wir, dass wir mit „Evershade“ das ganze toppen können“.

-Auf all euren Releases ist der Sound eurer Musik sehr traurig und melancholisch, ja schon fast selbstzerstörerisch. Ist das die typisch finnische Art, so Gefühle & Emotionen auszudrücken? Habt Ihr eine spezielle Message in euren Songs, vielleicht gerade in den Lyrics?

„Nein,wir haben keine spezielle Message in unseren Lyrics. Der typisch melancholische Touch unserer Songs resultiert aus den sehr starken Gefühlen die das Leben bzw. der Alltag mit sich bringt. In Finnland gibt es einen sehr sehr langen Winter und es ist über ein halbes Jahr lang dunkel. Da wird man leicht depressiv und labil. Andererseits ist es eine gute Zeit um Lyrics & Songs zu schreiben, es hilft, wenn man sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzt. Unsere Musik sowie die Lyrics werden dadurch natürlich enorm beeinflusst, das ist klar. Ich finde es genial, traditionelle finnische Musik mit Metal und orchestralem Elementen zu vermischen. Das birgt eine tiefbedrückende Stimmung in sich und ist sehr effektiv“.

-Was sind deine 5 favorisierten Metal Alben?

„Meine 5 favorisierten CD´s? Oh je, lass mich mal überlegen – das ist sehr schwierig. Ich würde sagen, daß das Paradise Lost Album „Gothic“ zur damaligen Zeit ein absolutes Highlight war. My Dying Bride finde ich ebenfalls sehr gut. Ihre „Turn loose the Swans“ CD ist ein Hammer, zwar schon lange her aber in unseren Anfangstagen waren sie ein erheblicher Einfluss für uns. Dann noch „Masquerade Infernale“ von den Norwegern Acturus. Die CD habe ich bis zum Abwinken gehört, ein sehr gutes Album. Ein weiteres Highlight für mich waren Katatonia mit Ihrem „Brave Murder Day“ Album, was für mich den Höhepunkt in deren Bandgeschichte darstellt. Geniales Album!!! Das war jetzt die 4. CD,richtig? Dann vielleicht mal eine finnische Band. Yeah,auf jeden Fall Amorphis – Karelian… nein, die 2. CD von den Jungs – wie heißt die noch schnell?? Ah ja, „Tales from the thousand Lakes“. Als wir noch Teenager waren, haben wir diese CD den ganzen Tag gehört. Wahnsinn diese Scheibe, sehr melodisch und atmosphärisch“.

-Zum Abschluss noch eine Frage bezüglich eures Studio Aufenthaltes. Bis auf „Evershade“ habt Ihr alle andern Platten im legendären Tico-Tico Studio aufgenommen. Was war der Grund für den Wechsel? Unzufriedenheit wohl nicht, denke ich. Ein jeder kennt die Qualitäten von Ahti Kortelainen…..

„Bis auf „Evershade haben wir dort alle Alben aufgenommen und waren auch immer sehr zufrieden mit der Arbeit von Ahti. Alles lief immer reibungslos ab und wir hatten neben den Aufnahmen auch eine Menge Spaß. Es gibt eingentlich keinen richtigen Grund für den Studiowechsel. Diesmal waren wir in den Astia Studios in Lapeenranta und waren etwas unter Zeitdruck, da die Astia Studios ziemlich teuer sind. Wir mussten „Evershade“ in 2 Wochen aufnehmen, haben das ganze aber sehr gut hin bekommen. Trotz des Zeitdrucks hatten wir keine Probleme, alles lief echt super. Wir sind, wie gesagt, sehr zufrieden mit dem Ergebnis – trotzdem kann ich es nicht ausschließen, dass wir eines Tages wieder im Tico-Tico Studio aufnehmen…wer weiß das schon….


Nun,da bleibt dann nur noch den Jungs von Yearning auf Ihrem weiteren Weg viel Glück zu wünschen. Ich denke das der Sprung unter die Top 50 mit einem Album wie „Evershade“ nicht weit entfernt sein dürfte und freue mich, mir auf dem Tuska Festival dann auch mal ein Bild von Ihren Live Qualitäten machen zu können. Klassik rules – really…..

Hanzi / V.U.

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