Obituary – Interview mit Donald Tardy

VU: Angefangen haben Obituary 1984 mit dem Namen Xecutioner. Ihr seid nach wie vor eine der wichtigsten Death Metal Bands aus Florida und habt den Death Metal wesentlich geprägt. Auf eurem ersten Album „Slowly We Rot“ hatte John Tardy mit seinem Gesang das Hauptmerkmal gesetzt und es gab meines Wissens nach keine Lyrics. Was denkst Du heute über eurer ersten Album ? Ich persönlich halte deinen Gesangsstil neben BOLT THROWER mit zu dem besten was dieses Genre je hevorgebracht hat und hoffe das wir nachher in eurem Set einige Stücke von „Slowly We Rot“ zu hören bekommen….


Obituary: Die Death Metal Götter aus Florida
Obituary : Die Death Metal Götter aus Florida…..

DONALD TARDY: Man kannte uns, denn wir waren anders als die meisten Leute. Niemand hatte bis dato Johns Stimme, etwas so Brutales, jemals vor „ Slowly we rot“ gehört. Es war also ein sehr wichtiges Album für die Metal Geschichte. Wenn ich jetzt zurück blicke war es der Wahnsinn, dass wir als Teenager in einem A-Track Studio aufgenommen haben. 1986 war das, das ist jetzt schon 20 Jahre her.

VU: Was denkst du heutzutage über die Qualität?

DONALD: Ich denke es ist der Wahnsinn, es hört sich genauso gut an wie Alben, die 20 Jahre später eingespielt worden sind. Ich denke wir haben immer schon Alben mit gutem Sound produziert, denn wir sind einfach eine Band, die sich gut anhört, da wir uns so gut kennen, dass die Musik einfach sehr tight ist.

VU: Wenn ich mich recht erinnere, habt ihr einige CDs im Morrisound aufgenommen, stimmt das ?

DONALD: Yeah, die ersten vier Alben, „Back from the dead“ haben wir unten in Miami, Florida aufgenommen, dann sind wir mit dem Album zurück geflogen und mixten es im Morrisound Studio.

VU: Wann habt Ihr zum ersten Mal Texte verwendet und gibt es eventuell ein lyrisches Konzept bei Obituary ?

DONALD: John hatte schon immer Lyrics parat. Er hat sich nie absichtlich Texte zusammen gebastelt um zu versuchen zu predigen oder eine Geschichte zu erzählen oder so. Er hat sich mehr darum gekümmert, dass seine Stimme auch gut klingt als darum, wovon er in seinen Texten erzählte. Und uns anderen leuchtete das auch ein, denn wir sind eine so emotional fitte Band und manchmal ist es einfach nur langsam, manchmal dramatisch und dann wieder ist es schnell und verrückt. Und mit Johns Stimme hat einfach alles Sinn gemacht, sie passte einfach zur Musik. Wir machen uns keine großen Gedanken um Lyrics, wir machen uns Gedanken um die Vocals, wenn das irgendwie Sinn macht.

VU: Donald Tardy spielte bei Andrew W.K´s Tour Band und
Allen AllenWest arbeitete an seinen zwei Projekten, Lowbrow und Six Feet Under. Trevor Peres gründete im Jahr 2001 die Band Catastrophic. Sind die Obituary Members noch immer in anderen Musikprojekten tätig?

DONALD: Ich denke, dass Trevor immer noch Zeug mit seiner Band produziert. Ich bin im Moment an Obituary gefesselt, da ich mit Obituary so viel zu tun hatte und so beschäftigt damit bin, dass ich Andrew nicht mehr machen kann. Wir sind alle im Moment hauptsächlich auf Obituary fokussiert und das ist auch offensichtlich. Wir müssen auf der Tour unser Ziel im Auge behalten, welches ist Shows zu machen und mehr Musik zu spielen.

VU: Im August 2005 verließ Gründungsmitglied Allen West zum zweiten Mal die Band. Grund dafür sollen Streitigkeiten gewesen sein, die durch seine angebliche Trunkenheit bei einem Auftritt ausgelöst wurden. Kannst Du uns Einzelheiten darüber berichten?
Wie macht Ihr das nun bei Gigs? Ein zweiter Gitarrist wäre zumindest live schon notwendig, oder?

DONALD: Es ist so, dass sich alles schon wieder normalisiert hat und wie du sehen kannst ist Alan immer noch bei uns. Viele Bandmitglieder in der Geschichte des Rock’n’Roll haben mit Suchtkrankheiten zu kämpfen. Das passiert schon, wenn du einmal ein bisschen zu viel getrunken hast in manchen Nächten, zum Beispiel Bier. Ich bin dann derjenige, ich bin wie die Band Mama, ich bin jedermanns Führer, ich musste ihm sagen:“ Hey, wir müssen uns wieder auf ein Ziel konzentrieren. Wir sind eine der besten Bands der Welt.“ Das war alles, was ich ihm sagen musste, sodass er antwortete: „Hey, du hast Recht!“ „Krieg deinen verdammten Hintern hoch!!“ Und das hat er getan, ganz einfach. Ich bin sein bester Freund. Ich und Alan kennen uns jetzt seit 25 Jahren. Wir sind nach Hause gegangen, haben drüber geredet und alles war geritzt. Und hier sind wir, weißt du. Es ist echt gut, dass diese Band sich nicht verändert. Wir sind, wer wir sind, wir sind beste Freunde.


Donald Tardy / Obituary und Hanzi / Visions Underground
netter Plausch mit dem Obituary Drummer: Donald Tardy & Hanzi/V.U.

VU: Ihr habt es im Gegensatz zu anderen Death Metal Bands über Jahre hinweg geschafft, euren Stil beizubehalten. Und auch mit „Frozen in Time“ habt Ihr ein Hammer Album am Start mit dem wahrscheinlich nur wenige gerechnet hatten. Immerhin ist es hier in Deutschland unter die Top 100 Alben gekommen….
Habt Ihr auch schon einmal den Gedanken in Erwägung gezogen andere musikalische Elemente in euer Songwriting mit einzubeziehen oder ist gerade das das typische Merkmal und Zeichen an Obituary?

DONALD: Es ist ein sehr natürlicher, organisierter Prozess mit Obituary und der Art, wie wir jetzt Musik schreiben, denn wir machen das nun seit… das ist unser 28stes Jahr zusammen. Es ist also ein sehr natürliches, witziges Gefühl Musik zu schreiben. Ich denke, dass viele Bands Druck verspüren und sich denken: „ Was sollen wir bloss als nächstes machen und was würde den Fans gefallen?“ Obituary konzentriert sich auf nichts anderes als auf das, was wir lieben. Was will ich spielen? Denn ich liebe es so sehr Schlagzeug zu spielen, dass das, was mich glücklich macht, auch die Fans glücklich macht. Also achte ich nicht auf den Druck, ich achte nur auf diese immense, kraftvolle Spannung und auf das Bewusstsein der Erkenntnis „ Wir leben von der Musik und wir sind ziemlich gut darin.“
Denn „Frozen in Time“ ist mein Favorit unter unseren Alben im Moment. Die Zukunft ist also sehr, sehr hell für uns zur Zeit, was das Songwriting betrifft.

VU: Man konnte auch anhand der Publikumsreaktionen sehen, dass ihr viel Spass beim Zusammenspiel habt.

DONALD: Yeah, yeah haben wir. Ich meine, du hast das heute gehört, es ist einfach nur Spass, super Mann.

VU: Ihr kennt die Wurzeln….

DONALD: Yeah, das ist es ! So energiegeladen! Ich kann davon nicht genug kriegen.

VU: Was haltet Ihr persönlich von Bands die Death Metal mit anderen Elementen kombinieren?
Ist das eurer Meinung nach in eine konsequente Weiterentwicklung oder würdet Ihr dies als Stilbruch bezeichnen?

DONALD: Ich persönlich mag es nicht. Ich will nicht schlecht über diese Bands reden, denn es gibt viele Bands mit Bandmitgliedern, die Wahnsinns Songwriter sind, Wahnsinns Musiker. Aber es ist nicht mein Ding, wirklich nicht. Ich mag diesen Wechsel nicht –imitiert cleane Vocals, die in grunzende Vocals übergehen und fängt dann wieder an zu singen-.

VU: Weibliche Vocals mit Death Metal Vocals zu vermischen….

DONALD: Yeah, ich denke man muss darauf gefasst sein, dass das passiert, jeder will ein Stück vom Kuchen abbekommen, jeder versucht es und da ist immer ein Label, das um jeden Preis versucht Alben zu verkaufen and Kids die nicht…… soviel zuhören wie sie sehen. Kids sehen ein Video und gucken es sich an, das ist es, wie sich heutzutage meiner Meinung nach die populären Platten verkaufen. Obituary ist nichts anderes als nur wir selbst: Eine Death Metal-in-die-Fresse-Heavy-ass-Band. Und das ist es, worum wir uns kümmern, wir kümmern uns nicht ums Radio. Der Name Obituary wird niemals unsere Style verändern, denn ich denke, wir haben hier etwas wirklich Gutes, was wir beibehalten werden.

VU: Ja, klar. Welche Erwartungen verbindet Ihr mit dieser Tour und wie sieht die Zukunft von OBITUARY aus?

DONALD: Ich habe mich gefragt, wie das wohl werden wird, denn Bolt Thrower ist zur selben Zeit rausgekommen, da laufen noch andere Tourneen parallel, also hat sich die Band, als der Booking Agent anfing uns zu buchen, gefragt: “Wow, die Vorverkäufe laufen ja nicht so super.“ Und dann, 2 Wochen bevor es losging, waren die Vorverkäufe auf einmal der Wahnsinn. Die Clubs sind randvoll. Und wir machen jede Nacht ausverkaufte Shows. So unglaublich und die Erwartung jetzt ist einfach zu sehen, dass die Kids nach Obituary live lechzen und das macht die Zukunft für uns sehr viel heller und wir sind ambitionierter noch ein Album rauszubringen, einen neuen Killer zu kreieren.

VU: Inwieweit kannst Du das Thema musikalische Vielfältigkeit auf OBITUARY beziehen? Gibt es bei euch noch Dinge die ihr gerne ausprobieren würdet in musikalischer Hinsicht versteht sich :-)……..

DONALD: Mit Obituary nicht. Wir sind wie ein Rennfahrer Team, wie in einem Autorennen. Und wir alle sind die Pit Crew. Und wir haben eine verdammt gut laufende Karre im Moment. Wir müssen auf der Spur bleiben, wir werden nicht liegen bleiben. Wir müssen auf der Spur bleiben und wir machen das gut, wir sind jetzt genau da, wo wir sein wollen. Die Band ist absolut fokussiert darauf, was wir machen müssen, was ist mehr Musik zu schreiben und zu touren.

VU: Alle aus der Band stehen dahinter?

DONALD: Yeah. Wirklich jeder ist aufgekratzt, als wären wir wieder 20 Jahre alt. Wirklich, es ist der Hammer für mich. Alles, was ich will ist Schlagzeug spielen, ich will einfach Musik machen, dann bin Ich glücklich. Das ist es, was ich machen muss.

VU: Bitte beschreibe die einzelnen Bandmitglieder von ihrer Art her und beginne mit Dir!

Obituary: Trevor Peres
Das „Gehirn“ von Obituary : Trevor Peres

DONALD: Ich wäre wohl wie eine Katze, denn ich bleibe normalerweise im Schatten, ich bin sehr ruhig, sehr anpassungsfähig. Mein Bruder wäre ein Löwe. Er wäre ein männlicher Löwe in der Seringeti, weißt du. Ich weiß nicht, Frank wäre der Bär, auf jeden Fall, sein Charakter ist der Grizzly Bär. Und Alan ist wie die kluge Eule, die einfach da sitzt und alles und jeden beobachtet und weiss, was vor sich geht. Und Trevor ist das Gehirn, der Tintenfisch im Meer. Er hat das größte Gehirn von den meisten Leuten, die ich kenne, wirklich. Wenn es um so ’nen verrückten Scheiss geht wie Chemie und Rechnerei und diesen ganzen Gehirn und Gedächtnis Kram. Ich sehe uns als Tiere, das ist meine Art die Band zu charakterisieren.

VU: Was ist deine Definition von Death Metal und welche Bands sind die wichtigsten Repräsentanten dieses Genres für Dich?

DONALD: Ich denke Death Metal für mich, als ich aufgewachsen bin waren die ersten Sachen, die ich gehört habe, Venom, Hellhammer, Slayer, die Leute sagen es ist Speed Metal. Für mich war es brutal, so schnell und hart wie man nur spielen oder Schreien konnte. Und der Inhalt in den Album Covern, das ist Death Metal für mich. Natürlich ist es Obituary und Deicide, Morbid Angel aber für mich waren es Venom und Hellhammer und Celtic Frost, Slayer. Als ich ein Kid war, war das für mich Death Metal.

VU: Vielleicht einige aktuelle Bands?

DONALD: Death Metal? Obituary !! Ich weiss nicht, Mann, denn meine Lieblingsband aus dem Heavy Bereich sind Full Blown Chaos, Hatebreed.
Es ist nicht Death Metal, es ist das, was ich mehr mag als das meiste, was heutzutage aus dem Death Metal Bereich kommt. Ich denke Obituary haben gezeigt, dass wir im Moment die Könige im Death Metal Bereich sind, denn Bolt Thrower ist so heavy wie nur möglich, es ist unglaublich. Das ist Death Metal.

VU: Zum Abschluss dieses Interviews, deine Botschaft an eure Fans…..

DONALD: Mit Obituary wird noch viel passieren. Neue Musik ist schon geschrieben, wir denken schon über unser nächstes Release nach, wir werden uns mit „Frozen in Time“ jetzt ein bisschen mehr auf Amerika konzentrieren. Und dann gehen wir nach Hause und schreiben das neue Album. Also haben wir hoffentlich gegen Ende des Jahres ein neues Album fertig zum Aufnehmen. Und das wird nicht das letzte von Obituary sein. Here we come!

Hanzi/V.U.