4Lyn – Interview (mit Björn & Ron, 24.04.2008, Köln/Luxor – Tourbus)

Mit ihrem fünften Studioalbum „Hello“ melden sich 4Lyn aus Hamburg zurück. So tourten die vier Jungs auch kürzlich mit eben diesem Schaffenswerk durch unsere Clubs, um ihre neuen Songs live zu präsentieren. Zahlreiche Fans strömten zu den Konzerten, so auch am 24. April in Köln. Zum mittlerweile sechsten Mal standen 4Lyn im Luxor (ehemaliger Prime Club) auf der Bühne. Vor der Show traf sich Lea Sommerhäuser mit Sänger Ron und Bassist Björn im Tourbus der Jungs zu einem Gespräch.

Lea: Erzählt doch erst einmal: Wie war die Tour bisher?

Ron: Schweißtreibend! Die Hello-Tour war bisher wirklich schweißtreibend, aber wunderschön. Es gab eine Menge Highlights, wie man auch unserem neuen Videoblog auf unserer myspace-Seite entnehmen kann. Wir haben sehr viel Spaß und wir haben das Glück mit einer ganz genialen Band – sowohl zwischenmenschlich als auch musikalisch – unterwegs zu sein. Es gab viel zu erleben. Also ich werde von dieser Tour noch ganz, ganz lange zehren, weil wir viel Spaß gehabt haben und weiterhin haben werden.

Lea: Björn, hast du dem noch etwas hinzuzufügen?

Björn: Ich kann nur sagen, dass unsere Tour total erfolgreich ist, dass wir fast jeden Abend ausverkauft sind und dass die Leute auf unser neues Album ganz geil abgehen und dass sie fast jeden Song mitsingen können von der neuen Platte. Und Ron hört teilweise auf zu singen und lässt nur das ganze Publikum singen. Und das ist so laut, dass wir es selbst durch unseren In-ear-Monitor hören, also wir haben so Stöpsel in den Ohren und hören eigentlich gar nicht so viel von dem, was draußen passiert, und trotzdem sind es noch so laute Rufe und Schreie von den Leuten, dass das echt durch Mark und Bein geht. Wir haben eine richtig geile Show jeden Abend. Und heute Abend wird es nicht anders hier in Köln.

Lea: Ein paar der Konzerte mussten jetzt auf den April verschoben werden, weil es Renè nicht so gut ging. Was war da passiert?

Ron: Naja, eigentlich haben wir die komplette Tour verschoben. Für eine Band ist eine Tourverschiebung immer anstrengend, nicht nur für die Band, sondern auch gerade für die Leute, die sich vielleicht frei genommen haben oder ihre Freizeit um den festgelegten Termin gelegt haben. In unserem Falle war es aber so, dass wir darauf keine Rücksicht nehmen konnten, denn letztendlich ist die Gesundheit eines Menschen, gerade wenn es unser Freund ist, natürlich 1000 Mal wichtiger als irgendwelche Freizeitplanungen von Fans. Viele Leute haben gedacht, wir sagen die Tour jetzt richtig ab. Aber ganz im Gegenteil: Wir haben mal wieder das getan, wofür wir auch bekannt sind. Wir haben gleich die Booking-Agentur angerufen und gesagt „Hört zu Leute, wir haben hier echt ein ernsthaftes Problem, aber wir wollen den bestmöglichen, den schnellstmöglichen Ersatztermin haben!“ Bumm, zwei Tage später hatten wir die neue Tour geplant und here we are in Kölle. Und Renè geht es auch wieder besser.

Lea: Mittlerweile habt ihr euer fünftes Album draußen. „Hello“ heißt das gute Stück. Wenn ihr eure Alben miteinander vergleicht, kann man sagen, dass ihr musikalisch auch immer mal wieder andere Richtungen eingeschlagen habt, also dass zwischendurch auch neue Stilelemente hinzu gekommen sind?

Björn: Es ist ja einfach so, dass wir natürlich altern und das spiegelt sich auch in der Musik wieder. Aber die Musik reift im Grunde mit uns mit und deswegen klingen wir natürlich heute nicht mehr so, wie wir vor sieben Jahren geklungen haben. Das ist ganz klar, dass wir eine Entwicklung durchmachen. Und dass wir jetzt nicht mehr diese Halli-Galli-Hääääääääärrrrrrrr- Musik machen, wie wir sie früher gemacht haben…

Ron: (leicht entrüstet) Wir haben noch nie Halli-Galli-Häääääääääärrrr-Musik gemacht.

Björn: Äähh, bedingt. Aber um auf die stilistischen Elemente zurückzukommen: Wir haben auf dem neuen Album einen „Cowboy“-Song, der ist vielleicht stilistisch ein wenig anders. Also der heißt „Cowboys“. Aber eigentlich machen wir nach wie vor Rockmusik, und das seit, wie ich finde, vier Alben. Der andere mag das auch schon seit fünf Alben so sehen, aber auf jeden Fall ist es wie gesagt ganz straighte Rockmusik und das ist das, was wir seit Ewigkeiten machen. Und das werden wir auch weiterhin so tun.

Ron: Aber die Leute sollten auch nicht überrascht sein, wenn uns der Haschmich reitet und wir sagen, „Okay, Morgen machen wir was ganz anderes“, denn ich finde es blöd, wenn man sich von vorneherein, bevor man überhaupt ins Studio geht oder bevor man Songs schreibt, gleich limitiert und sagt, „das ist unser Genre, darin fühlen wir uns wohl und wir machen nichts anderes“. Also wir haben auf dem ersten Album, kann man sagen, viele Hip Hop-Einflüsse, ganz klar durch meine Hip Hop-Vergangenheit. Auf dem zweiten Album wurden die schon weniger. Da kam ein bisschen mehr Singsang rein. Beim dritten Album haben wir dann zum Beispiel auch mal orchestrale Sachen ausprobiert. Das vierte Album war ein sehr schnelles und wüstes und unaufgeräumtes Album. Ich würde sagen, 4Lyn haben einfach in den letzten knapp 10 Jahren Bandgeschichte gelernt, schneller auf den Punkt zu kommen und schneller den Hörer ins 4Lyn-Kino zu setzen. Das ist letztendlich das, was „Musik machen“ interessant macht, dieser Reifeprozess. Es macht einfach Laune zu sehen, dass man auch mit wenig Sachen oder quasi etwas aufgeräumt – der Björn sagt immer so schön aufgeräumt – schneller auf den Punkt kommen kann und dass man mit wenig viel sagt, anstatt mit viel wenig.

Lea: Wenn man lange im Studio war, ist man da nicht froh, endlich wieder auf Tour gehen zu können, um die neuen Songs zu präsentieren?

Björn: Ja klar! Das Musikerdasein besticht im Grunde durch Ausgewogenheit von verschiedenen Faktoren, also ins Studio gehen, viel Freizeit haben nebenbei, (lacht) auf Tour gehen natürlich und alles, was sonst noch so drum herum ansteht…da hinten geht übrigens unser Busfahrer. (zeigt aus dem Fenster) Sorry, dass ich das erwähne, aber ich sehe ihn grade. Also auf jeden Fall besticht das Musikerdasein einfach dadurch, dass wir ganz viele Faktoren miteinberufen. Wenn man natürlich ganz lange nicht auf Tour war, dann sehnt man sich dahin zurück, wieder auf Tour zu kommen. Wenn man neue Songs im Gepäck hat, dann will man unbedingt ins Studio und wieder aufnehmen. Und irgendwann will man wieder auf die Road, um sie vorzuspielen. Diese Sachen müssen immer passieren, damit wir einfach entspannt sind, damit wir uns wohl fühlen als Musiker und deshalb würde ich sagen „ja“. War deine Frage so gestellt, dass ich sie mit „ja“ hätte beantworten können?

Lea: Ja, war sie. (Gelächter) Gibt es denn irgendeine Anekdote von den Studioaufnahmen zum neuen Album zu erzählen?

Ron: Wir haben bei der „Hello“-Platte denselben Produzenten benutzt, den wir auch bei der „Take It As A Compliment“-Platte als Produzent hatten, nämlich den Chris Wolff, und mit diesem Mann kann man Spaß haben bis der Arzt kommt. Also dieser Mann versteht es auf den Künstler einzugehen, ohne es, glaube ich, großartig zu planen, und holt aus den Songs letztendlich das allerletzte raus. Wir waren für die Aufnahmen im übrigen auf dem Land. Und ich finde, wenn man ins Studio fährt, sollte man ein Studio nehmen, was ganz weit weg ist von zu Hause, damit du einfach nicht diese ganzen Sorgen und Ablenkungen hast. Du hast nur die Musik, um die du dich kümmern kannst.

Björn: Hei und ich hatte Geburtstag und wir haben einen schönen Pokerabend gemacht und ich bin der erste gewesen, der rausgeflogen ist und durfte dann den ganzen Abend Karten mischen. Und das an meinem Geburtstag.

Ron: Ja, aber weißt du, das Problem ist, Björn ist eigentlich so der mega Poker-Spieler und…

Björn: Das stimmt gar nicht mehr.

Lea: Spielt ihr richtig um Geld oder Strip-Poker?

Ron: Also Strip-Poker mit drei Leuten zu spielen, die ich schon seit 10 Jahren kenne, ist das Langweiligste auf der Welt. (Gelächter)

Björn: Ja, da gibt es wirklich nichts Neues. Dem ist auch nichts hinzuzufügen. Aber ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich gar nicht mehr so der Pokerman bin. Wann hast du mich das letzte Mal Poker spielen sehen? Auf meinem Geburtstag vor einem Jahr. Vor über einem Jahr, um genau zu sein. Die Platte ist ja eigentlich schon uralt für uns.

Ron: Wie dem auch sei. Wir haben viel Spaß gehabt. René kam uns noch besuchen auf Björns Geburtstag oder war es anders herum? Kamst du uns besuchen auf Renès Geburtstag? Nein, Renè kam uns besuchen.

Björn: Renè kam für Chris Wolffs Geburtstag und wir haben ihn verpackt, haben ihm ein großes Tuch übergestülpt, ihn auf einen Stuhl gestellt und er sah aus wie eine große Säule, die mitten im Raum stand und die wir dann enthüllen wollten. Sie hat ein klein wenig gewackelt und Chris, unser Produzent, hatte ein bisschen Panik sie auszupacken, weil er dachte, vielleicht ist da eine Frau drunter oder was auch immer. Und dann ging er auf dieses Laken zu und René hat ihn richtig schön erschreckt, weil er das Tuch so schnell bewegt hat und dann war die Freude groß. Es gibt allerdings von den Studioaufnahmen keine richtig geile Anekdote mit einer knallenden, fesselnden Pointe zu erzählen. Die Aufnahmen waren einfach cool und chillig und entspannt. Wir sind mit Chris Wolff einfach auf einer Wellenlänge, was unseren Humor angeht und deshalb hält man es auch wirklich Wochen oder Monate gut miteinander aus.

Lea: 4Lyn steht für 4 little young Nasties. Was habt ihr denn schon alles Schlimmes angestellt? Irgendeinen großen Fehltrip, den ihr euch geleistet habt, den ihr heutzutage bereut?

Ron: Wir hocken jetzt seit fast 10 Jahren zusammen. Wenn ich heute anfange zu erzählen, wäre ich nächstes Jahr vielleicht fertig, aber was meinst du mit Fehltritt?

Lea: Irgendeinen Schritt, den ihr bereut gegangen zu sein… Muss nicht unbedingt auf musikalischem Wege sein…

Björn: Doch! Eigentlich schon! Unsere Ära bei der letzten Plattenfirma, möchte ich ganz ehrlich sagen, die würde ich gerne rückgängig machen, wenn es irgendwie ginge. Wir haben echt viel Ärger gehabt und haben zwei Alben quasi in den Sand gesetzt, nämlich „Take it…“ und „Compadres“, was echt Schade ist, weil gerade „Take it…“ in meinen Augen ein sehr, sehr starkes Album war. Es hätte mehr verdient, als es bekommen hat und so haben wir zwei, drei Jahre lang ganz schön herumgekrebst. Und erst jetzt mit dem neuen „Hello“-Album sind wir wieder am Start. Wir sind wieder dabei und mischen mit in der Musikszene, auch richtig so, dass es Leute mitkriegen und nicht nur unsere Fanbase, was natürlich cool ist, dass die Fanbase weiterhin am Start geblieben ist, aber es ist immer interessant auch noch neue Leute kennen zu lernen. Und das geht nur dadurch, dass du viel Promo machst, dass du ein Album am Start hast, das die Leute begeistert und dann zu den Konzerten zieht.

Ron: Die Plattenfirma hatte damals einfach stumpf mal vergessen unsere Platte zu veröffentlichen. Vergessen! Ich habe einen unserer Verantwortlichen mal gefragt „Was ist eigentlich der Job einer Plattenfirma? Platten zu veröffentlichen, oder? Wie könnt ihr das vergessen? Ihr spielt mit unserem Leben, weil wir davon leben müssen. Das ist unser Job. Wenn ich Morgen jemanden aus der Lohnbuchhaltung bei euch fessle und kneble und euer Geld nehme, was ihr für eure Arbeit verdient habt, und das für Koks und Nutten ausgebe, da möchte ich mal wissen, was du dazu sagst!“ Diese Ära habe ich schon so aus meinem Kopf verbannt, weil ich so froh bin, dass wir endlich alles in eigener Hand haben. Wir sind bei einem Label, bei dem wir 100 Prozent Support, Geld und Power haben. „Don´t carry dark stuff on your heart“ – man sollte nicht mehr über die Vergangenheit nachdenken, denn jedes Mal, wenn ich drüber nachdenke, schaukel ich mich so hoch. Aber hei, solche Zeiten gehören dazu und nenne mir einen Künstler, der das nicht hatte. Jetzt sind wir wieder zurück und weltweit veröffentlichen wir diese neue Scheibe. Und diese Tour, sage ich mal, spricht auch ganz, ganz groß dafür, da die Leute, wie Björn es am Anfang schon gesagt hat, in Scharen kommen und nicht nur so ein bisschen.

Lea mit  den Jungs von  4Lyn
Lea mit den Jungs von 4Lyn

Lea: Ihr habt bekanntlich diese Pseudonyme: Just for fun oder steckt da noch irgendeine tiefgehendere Bedeutung dahinter?

Björn: Das war wirklich just for fun. Das ist aus alten Zeiten geboren und ergab sich einfach. Zu mir haben sie Big Deee gesagt, weil ich groß bin und mein Nachname nun mal mit D anfängt, also bin ich Big Deee. Bei mir hat es sich gehalten. Ich finde den Namen auch irgendwie toll. Ron hat seinen Spitznamen jetzt abgelegt. Er hat eine tolle Frau geheiratet, die einen super Nachnamen hat. Den findet er viel geiler als Braz, deswegen heißt er jetzt Ron Cazzato und sobald er in einen Raum reinkommt, sagt erst einmal seinen Namen. (lacht) Und das ist irgendwie neu. Braz ist auf jeden Fall tot.

Ron: (lacht) Cazzato steht für lebensmüde, durchgeknallt und dicker Penis. Und deswegen, jedes Mal wenn ich mit meiner Frau beim Italiener bin oder irgendwo in einem italienischem Etablissement mit Karte zahle, gucken sie auf die Karte, gucken mich an und fragen mich „Ist das wirklich ihr Nachnahme? Sie heißen wirklich dicker Penis mit Nachnamen?“ Und genau deswegen fand ich das soooo Chef. Ich wollte diesen Namen haben. Und Ron Cazzato ist einfach ein toller Name. Ron Cazzato, Ron Cazzato. (lautes Gelächter)

Lea: Wie beschäftigt ihr euch denn im Tourbus, wenn ihr von einem Venue zum nächsten fahrt?

Björn: Wir haben hier zwei ganz neue Playstation, PS 3, und damit verdaddeln wir uns die Zeit. Wir gucken auch Filmchen, oder wir schnacken. Wir sind ja mit Amerikanern an Board, das sind neue Leute und wir schließen somit grade neue Freundschaften. Und das ist echt interessant, was die so erzählen. Sie kommen aus Kalifornien, von dorther kennt man ganz viele andere Bands, unter anderem auch Papa Roach, mit denen wir damals auf Tour waren. Die Amis hier im Bus erzählen uns immer Geschichten quasi aus der Nachbarschaft. Das sind schon abendfüllende Programme, die wir hier am Start haben, das heißt, es wird bisher noch nicht langweilig. Und wir sind auch grade erst einmal sieben, acht Tage auf Tour. Und die Tour ist schon fast wieder vorbei. Langweilig wird es vielleicht langsam nach zwei Monaten werden, aber auch da würde ich noch dran zweifeln. Auf jeden Fall gibt es immer was zu tun und dann sitzt du hier abends noch, fährst los und bist am nächsten Tag irgendwo am Club und dann geht`s auch gleich wieder weiter mit dem Wagen.

Lea: Schlaft ihr hier auch?

Björn: Ja, wir haben eine Etage über uns 18 Betten. Wir sind auch 18 Leute.

Ron: (seufzt) Jetzt wird meine Bettwäsche schon wieder nicht gewaschen.

Björn: Tja, so sieht`s aus.

Lea: Auf dieser Tour kann man ein Live-Album von euch kaufen, das ihr im Februar in Hamburg aufgenommen habt. Warum kann man die Scheibe nur exklusiv auf der Tour erhalten und nicht im Geschäft kaufen?

Björn: (grinst) Das ist doch ganz klar – damit die Leute zu den Shows kommen! Wer`s haben will, muss zu den Konzerten kommen und…nein, es ist einfach nur so ein kleines Goodie, aber es findet extrem guten Anklang. Vielleicht muss man nochmals drüber nachdenken, ob man da vielleicht irgendetwas ändert. Aber auf dieser Tour ziehen wir das natürlich erst mal so durch.

Ron: Mit „ändern“ meint Björn, dass wir es vielleicht dann doch noch irgendwie veröffentlichen. Gerade die Leute in Hamburg sind echt gepisst, weil wir die Platte in Hamburg aufgenommen haben, aber Hamburg nicht auf unserem Tourplan steht, weil wir eben schon dort gespielt haben. Danach wurde die Tour verschoben und ich denke mal, ich denke mal, ich sag mal nix. Großes Fragezeichen für euch, also ihr kennt uns.

Lea: Man kann also noch hoffen?

Björn: Ja, das kann man immer.

Lea: „Musik ist…“, wie würdet ihr diesen Satz vollenden?

Björn: Musik ist Lebenserfüllung.

Ron: (denkt länger nach) …überlebenswichtig. Stelle dir ein Leben ohne Musik vor! Ich glaube, niemand kann ohne Musik Leben.

Björn: Aber es gibt tatsächlich Menschen, die komisch unterwegs sind und sagen „Musik bedeutet mir überhaupt nix“. Aber sie hören doch Musik zumindest im Radio! Irgendwo hört man doch immer Musik. Es kann doch nicht sein, dass man Musik so ablehnt, dass man sagt „Also nee, das bedeutet mir überhaupt nichts. Ich spiele lieber Schach oder so“. Nichts gegen Schachspieler, aber ich meine einfach nur, dass Musik uns überall begleitet, wenn man einen Film guckt, egal wo man ist…

Ron: Wir waren mal in Berlin, um dort einen Remix aufzunehmen und da war nebenan ein Filmschnitt-Studio für Filmmusik-Untermalung. Dort habe ich einfach mal stumpf gefragt „Könnte ich diese Szene bitte einmal ohne Musik sehen und einmal mit?“ Ey, der Unterschied war grausam. Das war im Grunde die langweiligste Szene überhaupt, aber durch die Musik wurde sie zum Oberknaller. Musik ist einfach so wie die Sonne, Vitamin B, weißt du, sie ist für deinen Körper wichtig, zum Wohl fühlen und an Musik hängt noch viel anderes dran. Durch eine Band hast du zum Beispiel ein Gesicht zur Musik und ein Movement. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es wäre, ohne Musik zu leben. Grausam. Ein Graus.

Lea: Im Mai geht es für euch nach China. Wie kam`s dazu und was macht ihr da?

Björn: Wir spielen dort auf den Deutschen Kulturwochen. Wir sind quasi vom Goetheinstitut Deutschland eingeladen worden, dort zwecks Kulturaustausch und näher kennen lernen rüber zu fahren. Eigentlich spielen wir da nur ganz kurz. Wenn man sich allerdings diesen Aufwand anguckt, für 50 Minuten drei Tage nach China zu fahren, ist es schon krass. Aber unser begehrtes Ziel ist es schon seit mehreren Jahren den asiatischen Markt irgendwann einmal ein bisschen zu überrollen. Und diese Chance nutzen wir jetzt und fahren rüber. Für uns ist das natürlich aufregend. Das ist ein Abenteuer, wenn man zum ersten Mal wieder einen anderen Kontinent betritt…

Lea: Schon einmal privat in China gewesen?

Björn: Niemals, nein. Ich konnte einmal rüber gucken nach Asien, als wir in der Türkei gespielt haben. Da haben wir direkt am Bosporus gestanden, waren noch in Europa und über den Bosporus rüber konnte man einen Blick auf Asien erhaschen, aber das ist ja nicht dasselbe. China ist eine ganz andere Mentalität, ganz andere Menschen. Wir sind letzte Jahr mit einer Band aus China auf Tour gewesen und haben auch mit denen einen Song von uns neu aufgenommen, „Nostalgia“ in einer chinesischen Version. Wir machen damit so ein bisschen Alarm, damit die Chinesen uns auch kennen lernen und damit sie wissen, worüber wir singen. Über diesen Kontakt ist auch ganz viel zustande gekommen und jetzt geht es für uns nach China und wir werden mal gucken. Ich kann dir auch echt erst mehr erzählen, wenn wir wieder zurück sind. Erst dann wissen wir, was das Ganze für Ausmaße hatte.

Ron: Björn, hast du das schon mit dem Sampler vom Goetheinstitut erzählt? Es kommt nämlich ein Sampler von diesem Institut heraus, auf dem deutsche, namhafte Bands wie Die Ärzte, Juli etc. und auch 4Lyn einen ihrer eigenen Songs in Chinesisch singen und in Return gibt es von chinesischen Bands einen Song, den sie in einer anderen Sprache singen, also in Englisch oder Deutsch or whatever. Ich denke, das wird auch ein sehr interessantes Projekt. Ich weiß noch, wie Björn und ich in unserem Homestudio saßen und mit einer chinesischen Native Speakerin einen Song von uns übersetzt haben. Das war ein Spaß.

Lea: Ist es nicht schwer auf Chinesisch zu singen?

Ron: Es kommt drauf an. Wenn man ein kleines bisschen sprachbegabt ist, dann geht das schon, aber Chinesisch ist echt eine harte Nuss. Wenn du ein Wort etwas anders betonst, kann es sein, dass es direkt was ganz anderes heißt. Das ist kaum zu meistern. Wenn du wirklich niemanden hast, der dich da unterstützt, dann kannst du es knicken.

Lea: Sprecht ihr denn irgendeine Fremdsprache fließend?

Björn: Fließend nicht, aber ich habe mal ein bisschen Spanisch-Unterricht gehabt. (lacht) Aber das ist schon lange her…

Ron: Darum beneide ich ihn auch so ein bisschen…Un poco. Das ist italienisch.

Lea: Klingt wie Spanisch.

Björn: Du, das sind diese ganzen romanischen Sprachen. Die klingen irgendwie alle ähnlich. Wir sind hier heute in Köln durch die Gegend gefahren und waren auch beim Mediapark. Dort hat die EMI ihren Sitz und da steht irgendwas mit „Gute Musik ist besser“, glaube ich. Einer von unseren Amis, der mit im Bus saß, sah das und sagte „Mm, that sounds like good music is better.“ Er hat den Satz also verstanden, weil die Worte so ähnlich wie im englischen klangen, aber ich schweife grade voll ab… (Gelächter)

Lea: Worauf könntet ihr im Leben verzichten?

Björn: Ich könnte echt gut auf Rauchen verzichten. Ich rauche selber nicht, aber ich könnte auf den Rauch verzichten. Wenn wir hier zum Beispiel abends mit dem Bus unterwegs sind, wird hier geraucht wie im Schlot…

Lea: Aber bald ist das Rauchen zumindest in Restaurants und in Clubs verboten…

Ron: Für mich als Sänger übrigens ganz toll, wenn während der Show nicht mehr geraucht wird, obwohl du eigentlich nicht nur den Rauch einatmest, sondern auch immer noch den Schweiß der Leute. Aber das ist so das kleinere Übel. (lacht) Ich denke für die Sänger weltweit, oder die Sänger, die in Deutschland touren, ist das natürlich eine gute Sache mit dem Rauchverbot. Aber ich als Nichtraucher sehe das natürlich wieder komplett anders. Doch du Björn, könntest auf Raucher verzichten?

Björn: Im Prinzip ja, aber ich kann eigentlich auf eine ganze Menge verzichten. Ich bin nicht so der Luxusmensch zum Beispiel. Ich habe kein Auto, obwohl ich gerne eines hätte, aber es geht auch ohne in Hamburg. Ich muss nicht jeden Scheiß haben, nur weil er gerade In ist.

Lea: Bald ist der 1. Mai. Wird bei euch ein Maibaum unter`m Fenster stehen? Oder kennt ihr die Tradition gar nicht?

Björn: Nö, ich kenn`s nur in den Mai zu tanzen. Das ist alles. Das haben wir aber noch nie gemacht.

Ron: Ohh, ich bin überhaupt nicht traditionsbewusst.

Björn: Den Abend vor dem 1. Mai wird immer Party gemacht und der 1. Mai ist frei. Aber ich habe bei den Feten wie gesagt noch nie mitgemacht. Die sind so wie Ü-30 Parties. Das finde ich alles öde.

Lea: Euer Schlachtruf für heute Abend?

Ron: Hosen runter!

Björn: Es gibt gar keinen. (lacht) Mensch, wir sind so unvorbereitet, so unbesonnen, was das angeht…

Ron: (gespielt entrüstet) Was??? Jetzt sei mal nicht so…unser Motto für heute Abend, wie für jeden anderen Abend, ist: „Gute Launeeee!“

Lea: Gibt es denn ein Ritual, bevor ihr auf die Bühne geht?

Björn: Klar doch, wir trinken alle einen Vodka vorher, weil er nicht schmeckt und weil alle danach kotzen (lacht) und weil sich das irgendwann mal eingebürgert hat und wir das nicht abgebrochen haben. Jetzt machen wir es immer so, auch wenn sie eigentlich keiner mehr mag.

Ron: Das ist so geil irgendwie, einfach nur ein altes Ritual durchziehen…Aber unser Schlachtruf für heute wird überleben sein, denn Köln ist bekannt für extrem heftige Temperaturen in dem Club. Wir sind hier jetzt das 6. Mal glaube ich im Ex-Prime Club, jetzt Luxor. Und ich muss immer lachen, wenn ich da reinkomme. Ich weiß noch ganz genau, wie wir das erste Mal hier reingekommen sind, als Supportband von Papa Roach damals 2000 im Oktober. Und wir kamen rein und haben gesagt „Boah, jetzt geht`s also los, jetzt haben wir offiziell einen neuen Beruf!“ Ja, das war einfach eine geile Zeit. Ich kann mich noch genau an die Fahrt hierher erinnern. Es ist einfach jedes Mal verdammt heiß in dem Club, wenn wir spielen, so dass ich mein Shirt quasi nach dem dritten oder vierten Song auswringen kann. In meinem Fall ist das vielleicht gar nicht mal so schlecht, weil wie man hört, bin ich ein bisschen erkältet. Also der Dreck muss weg!

Lea: Ihr hattet es am Anfang bereits kurz erwähnt. Ihr führt auch Tourtagebuch?

Ron: Ja, gut dass du es sagst, wir haben auf myspace.com/4lyn einen Tourblog, einen Live-Tourblog, wo mir grade auch einfällt, dass wir den heute noch machen müssen.

Björn: Was war denn die letzte Show? Stuttgart, genau, der Blog dazu fehlt noch. Und dann fehlt im Grunde auch noch einer für gestern.

Ron: Gestern war Off-Tag.

Björn: Nee, gestern haben wir in Rostock gespielt.

Ron: Stimmt! Oh Mann, Sänger! (Björn lacht) Und mit diesen Worten verabschiede ich mich auch, weil ich so dermaßen auf Toilette muss. Ich halte das schon die ganze Zeit an.

Lea: Na dann lauf mal schnell. Vielen Dank euch beiden für`s Interview.

Interview face to face: Lea Sommerhäuser (www.auroraborealis.de.tl)

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