Taubertal Festival 2011 – Die Running Order steht fest sowie ein Interview mit dem Veranstalter

Alljährlich veranstaltet Volker Hirsch, 35, das Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber. Im folgenden Interview spricht er über gute wie weniger gute Erfahrungen mit Festivals und welche Ansprüche er daraus als Veranstalter ableitet.

Wie lange bist Du schon als Veranstalter tätig?

Von 1988 bis 1996 war ich in Windelsbach bei Rothenburg ehrenamtlich in einer Gruppe der Evangelischen Landjugend aktiv, mit der wir Sommerfeste und einzelne Konzerte etwa von den Hooters oder der Spider Murphy Gang organisiert haben. Seit 1996 verdiene ich als eigenständiger Veranstalter meine Brötchen.

Welche war Deine erste eigene Veranstaltung und was war die wichtigste Erfahrung, die Du darüber gesammelt hast?

1996 habe ich gemeinsam mit meinen beiden Brüdern das erste Taubertal Festival veranstaltet, auf eigene Rechnung und ohne Jugendgruppe im Hintergrund. Die wichtigste Erfahrung war in diesem Jahr der Unterschied zwischen Vision und betriebswirtschaftlicher Realität. Wir haben uns damals über den Kopf verschuldet und konnten diese schwierige Phase nur durch bedingungslosen Zusammenhalt innerhalb der Familie meistern.

Wann und wie kam Dir die Idee für das Taubertal Festival?

Das erste Taubertal Festival entstand 1996 durch das Zusammenspiel verschiedener Entwicklungen. Zum einen hatte ich schon länger die Idee, das schöne Ambiente der nahe gelegenen Stadt Rothenburg ob der Tauber als Rahmen für Musikveranstaltungen zu nutzen. Zum anderen machte eine starke Verjüngung und Umstrukturierung unserer Jugendgruppe die Fortführung des bewährten Veranstaltungskonzeptes unmöglich. Ich stand also da und überlegte, was ich mit meinen gewonnenen Kontakten und Erfahrungen anstellen könnte. Zur der Zeit kam ein Gastronom aus Rothenburg auf mich zu und stellte mir ein kleinstadttypisches Veranstaltungskonzept vor. Es sollte ein zweitägiges Open Air Konzert im städtischen Freibad durchgeführt werden. Weil die Stadtverwaltung aber große Bedenken im Hinblick auf Sicherheit und Lärmbelästigung von Anwohnern hatte, machte sie uns einen anderen Vorschlag. Sie bot uns eine Wiese unterhalb der Altstadtmauern mitten im romantischen Taubertal an, die so genannte Eiswiese. Bei der ersten Ortsbesichtigung war mir sofort klar, dass sich hier meine Idee ideal umsetzen lässt.

 

Wie hat sich das Taubertal Open Air seitdem aus Deiner Sicht entwickelt?

Das Festival hat sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten etabliert und ist ein fester Bestandteil des deutschen Festivalkalenders. Taubertal wird trotz der vergleichbar geringen Besucherzahl in einem Atemzug mit Southside, Highfield oder Rock am See genannt. Die Vorverkaufssituation ist für ein deutsches Festival einzigartig, so ist das Festival lange ausverkauft, bevor das Programm bekannt gegeben wird. Hier spiegeln sich die Beliebtheit des Events an sich und das Vertrauen der Fans in ein ausgewogenes und qualitativ hochwertiges Band-Booking wieder.

Was erwartest Du vom Taubertal 2011?

Dass es den Erwartungen der Besucher gerecht und für viele ein weiteres unvergessliches Wochenende wird, an dem sie den tristen Alltag für ein paar Tage vergessen können.

Was ist für Dich als Veranstalter das Wichtigste an einem Festival?

Bei aller Professionalität und Wirtschaftlichkeit, die ein Event in dieser Größenordnung fordert, dürfen die Wünsche und Bedürfnisse des Publikums nicht auf der Strecke bleiben. Wichtig sind eine schöne Location, ein überschaubares Gelände, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis und Programmqualität

Was ist für Dich als Besucher das Wichtigste an einem Festival?

Dass eine gewisse Überschaubarkeit und Intimität gewahrt bleibt, die das absolute Live-Feeling zulässt. Es ist sicherlich auch ein besonderes Gefühl, gemeinsam mit 40.000 anderen Besuchern über Videoscreen eine gigantische Lightshow zu verfolgen und die neuesten technischen Errungenschaften der Veranstaltungstechnik demonstriert zu bekommen. Persönlich finde ich es jedoch wichtiger, dass es dem Künstler gelingt, durch seine Musik ein persönliches Verhältnis zum Publikum aufzubauen. Und dies ist eben bei kleineren und überschaubareren Events viel häufiger der Fall.

Wann und wo warst Du zum ersten Mal auf einem Festival? Wie war’s?

Monsters of Rock auf dem Messegelände Nürnberg, 1987 – das war kein Kindergeburtstag. Wir haben hautnah miterlebt, wie das Gelände gestürmt wurde und die Polizei den niedergedrückten Zaun dann mit Tränengas verteidigte. Direkt neben uns wurde ein Haribo-Stand zerlegt, es gab reichlich kleinere Schlägereien und verschiedene private Stripshows auf den Dächern von Imbiss- und Dönerbuden. Einfach ein unvergesslicher Tag.

Welches war das beste Festival, das Du je erlebt hast?

Das war das erste ausverkaufte Taubertal Festival im Jahr 1998, mit allen positiven, aber auch negativen Ereignissen, die der explosionsartige Publikumsanstieg mit sich brachte. Es war also zugleich auch das schlimmste Festival, das ich je erlebt habe.

Was war Dein schönstes Festivalerlebnis?

Der Auftritt von Pearl Jam bei Rock im Park vor acht Jahren hat mir privat bewiesen, dass es auch bei Megafestivals möglich ist, ein Publikum ohne Materialschlacht zu fesseln. Die haben als Headliner einen Bühnenaufbau wie bei einer Schülerband gehabt. Es ging tatsächlich nur um Musik. Aus meiner Sicht als Veranstalter war das Gefühl besonders schön, als sich nach der Publikumsexplosion 1998 die Wogen geglättet hatten und ich den Auftritt von The Cure genießen konnte. Nachdem sich alle organisatorische Last von mir gelöst hatte, kam bei mir das echte Taubertal-Feeling auf. Da wusste ich, dass die Vision, die wir mit einem Musikevent an diesem Ort verfolgten, Wirklichkeit geworden war.

Was war Dein schlimmstes Festivalerlebnis?

Als Veranstalter wie gesagt das Taubertal Open Air 1998, und zwar bis zum eben beschriebenen Zeitpunkt. Ich hatte bis dahin ständig das Gefühl, dem Besucheransturm organisatorisch nicht gewachsen zu sein. Privat war es besonders schlimm, als ich auf dem Hurricane-Festival 2002 meinen Autoschlüssel verloren hatte. Weil uns somit ein Schlafplatz fehlte, haben wir uns einfach in das Übernachtungszelt der Security geschmuggelt. Am nächsten Tag musste mein Kumpel durch ganz Deutschland fahren und mir den Ersatzschlüssel bringen. Bis er angekommen ist, war mein Auto abgeschleppt.

Gehst du immer noch zu Festivals? Wenn ja, zu welchen?

Ja. Ich finde vor allem Festivals interessant, auf denen ich noch nicht war. Von den bereits besuchten fand ich Highfield, Haldern und Hurricane recht schön.

Was sollte man auf einem Festival unbedingt tun?

Den Alltag vergessen, campen und den Zeitrahmen für einen Toilettengang so großzügig gestalten, dass man sich das Dixi-Klo in aller Ruhe aussuchen kann.

Was sollte man auf einem Festival unbedingt NICHT tun?

Man sollte nicht zwanghaft versuchen, alle Bands zu sehen. Man sollte auch nicht darauf vertrauen, dass es bei einer solch großen Veranstaltung ständig und überall genügend Toilettenpapier gibt und sich in abgelegenen Ecken nicht auf die Wiese setzen…

Wie seid ihr mit dem diesjährigen Line Up zufrieden?

Wir sind sehr glücklich mit dem diesjährigen Line-Up. Neben der lebenden Legende Iggy Pop, der mit seinen Stooges vorbeischaut, dürfen wir in diesem Jahr Rise Against, Die Fantastischen Vier, NOFX, Dropkick Murphys, Bullet For My Valentine und viele andere begrüßen. Insgesamt spielen über 40 Bands auf vier Bühnen.

Gibt es im Vergleich zu den letzten Jahren Neuerungen oder Änderungen?

Im großen und ganzen bleibt es bei dem altbewährten Konzept welches wir über die Jahre entwickelt haben.

Allerdings steht eine Überarbeitung des Besucherflusses bei der Anreise an. Hier gab es in den letzten Jahren immer wieder Probleme bei schlechtem Wetter. Dem beugen wir 2011 entsprechend vor.

Worauf freut ihr euch als Veranstalter in diesem Jahr ganz besonders?

Auf Iggy Pop! Und gutes Wetter natürlich 😉

 

Und Hier nun noch die diesjährige Running Order zum download: Programm_Taubertal_Festival

Taubertal-Festival 12.-14.08.2011 – Das Hauptprogramm ist komplett!

Mit den heutigen Bandbestätigungen ist das Hauptprogramm des diesjährigen Taubertal- Festivals komplett. Ein sensationelles Programm wurde in Rekordzeit gebucht und alles freut sich auf das 2. August-Wochenende. Details zum genauen Programmablauf, dem Steinbruch-Party-Programm und den über zwanzig noch nicht bekannten Bands vom Emergenza- Wettbewerb werden in Kürze folgen.

Zum 16. Taubertal-Festival werden folgende Bands auftreten:
Iggy & The Stooges, Rise Against, Die Fantastischen Vier, NOFX,
Dropkick Murphys, Bullet For My Valentine, Pendulum, The Subways,
Johnossi, The Locos, Donots, Schandmaul, Blumentopf,
Frank Turner, Itchy Poopzkid, La Vela Puerca, Disco Ensemble,
Ohrbooten, Eli „Paperboy“ Reed, Eläkeläiset, Talco, Wirtz, Boy Hits Car,
Monsters Of Liedermaching, K.I.Z., Jupiter Jones, Normahl,
Grossstadtgeflüster, Reste Von Gestern, Klimmstein.

Beim Taubertal-Festival gibt es drei Bühnen: seit eh und je die zwei großen Bühnen, die Hauptbühne und die „Sounds-For-Nature“- Bühne, sowie die 2008 etablierte Aftershow-Bühne im Steinbruch, für unsere besonders feierwütigen Festivalbesucher.

Die Haupt-, wie die „Sounds-For-Nature“-Bühne befinden sich auf einem großen, durchgängigen Konzertgelände.  Um von einer Bühne zur anderen zu gelangen sind also keine mehrmaligen Einlasskontrollen nötig.

Auf der „Sounds-For-Nature“-Bühne findet, neben dem Festival-Programm, das Weltfinale des Emergenza-Newcomer-Contest statt. Hier trifft sich die Auslese der weltweiten Vorentscheide und kämpft um den Titel des Newcomers des Jahres und um die Chance auf eine Karriere im großen Musikgeschäft.

Der Aftershowbereich befindet sich im Steinbruch, nahe des Zeltplatzes Berg, hier startet das Programm, wenn die großen Bühnen schlafen gehen. Außerdem findet hier von Donnerstag auf Freitag Nacht vor dem Festival eine großartige Warm-Up-Party mit tollen Live-Acts und Lichtshows statt.