Arnheim Metal Meeting 2006

Im Gegensatz zum letzten Jahr herrscht dieses Jahr kein Schneechaos auf den Strassen, im Gegenteil: die Temperaturen sind immer noch herbstlich-mild. So kommen wir also dieses Mal ohne grössere Verkehrsprobleme beim Musis Sacrum an und betreten eine schon volle Halle.

Ancient Rites

Nach der ersten Bier-Erfrischung machen wir uns gegen vier Uhr auf den Weg zur „Van Wijen“ Bühne, wo Ancient Rites die Wände des poshen Musis Sacrum erzittern lassen sollen… Nachdem die Belgier auf der zweiten Auflage des „Ultima Ratio“- Festivals im Mai diesen Jahres mit Zeitverzögerung und einem spärlichen Publikum zu kämpfen hatten und auch wir weniger von ihnen mitkriegten als geplant, hoffen wir nun auf einen besseren Gig für beide Seiten. Ein frischeres und zahlreicheres Publikum ist auf jeden Fall schon einmal garantiert, und als die Band beim Intro „Crusade“ eingehüllt in blaues Licht auf der Bühne erscheint, sehe ich meine Hoffnungen als erfüllt an. Los geht’s mit „Templar“ von der neuesten Platte der Belgier, und die sechs Szene-Veteranen (die Band existiert schließlich schon seit 18 Jahren!) zeigen, dass sie immer noch wissen, was Metal ist. Alte und neue Songs drücken sich die Klinke in die Hand und werden überzeugend und in gewohnter Härte zum Besten gegeben. Vor allem die melodischen „Mother Europe“ und „And The Horns Called For War“ finden uneingeschränkte Zustimmung, doch auch die neueren Lieder „Rubicon“ und „Invictus“ bekommen viel gerechtfertigten Applaus.
So überzeugend der Auftritt auch ist, ein negatives Element sollte doch erwähnt werden: Sänger Gunther’s Wahl, uneingeschränkt klar zu singen. Auch die alten Stücke, auf denen er damals noch schrie, trägt er nun in einer clean voice vor. Das ist ein wenig nervig, dazu kommt die Tatsache, dass er ab und zu den Ton nicht trifft. Das Publikum verzeiht ihm diesen Fehler großzügig und feiert die Black Metaller enthusiastisch, und auch wir sind zufrieden mit der „Wiedergutmachung“.

Melechesh

Weiter geht´s zu Melechesh. Die Halle ist trotz der noch frühen Stunde mehr als gut gefüllt und die Leute gehen nicht schlecht ab. Neben älteren Songs gibt´s auch zwei Songs des neuen Albums „Emmissaries“, die beim Publikum sehr gut ankommen. Danach geht´s weiter mit Material von „Spynx“ aus dem Jahr 2003. Alles in allem eine nette, powervolle Show, die Jungs heizten der begeisterten Meute mächtig ein.

Antaeus

Danach stehen Antaeus auf dem Plan. Die Black Metaller aus Frankreich betreten heute zum letzten Mal in ihrer Karriere die Bretter, die die Welt bedeuten. Wie es sich für eine waschechte Black Metal Band gehört, wurde auch hier am Corpsepaint nicht gespart. Ausserdem sind die vier Herren plus Dame am Bass natürlich auch ganz in schwarz gekleidet und mit Nieten behangen. Doch es kommt noch böser: Jesus daselbst wird blasphemisch auf einem Banner als Bühnendeko „verwendet“. Musikalisch gibt es passend zum typischen Outfit und gehörig headbangen auch den typischen Black Metal: roh, schnell und böööse. Ab und an sind dem Publikum auch Verschnaufpausen in Form von ruhigen Passagen gegönnt.
Gespielt werden u.a. Songs wie „Gates To The Outside“ vom aktuellen Album als auch „De Principii“, „Seventh Ceremony“ und „Inner War“ von früheren Releases. Mit „Blood War III“ gibt es den letzten Live Song der Band ever. Eine wirklich fiese Show !

Moonsorrow

Moonsorrow sind die nächste Band, die wir zu sehen bekommen. Die Finnen haben sich wieder einmal einen Eimer Blut über den Kopf gegossen, was ihren Mix aus Folk und Black Metal, von ihnen am liebsten als Heathen Metal bezeichnet, optisch gut unterstützt, da es doch perfekt ins bluuutige Konzept passt. Gitarrist Henri, der sich schon bei den Auftritten seiner anderen Band Finntroll sehr rar gemacht hat in letzter Zeit, ist auch hier wieder nicht dabei und wird durch einen Aushilfsgitarristen ersetzt.
Man sieht, dass viele Moonsorrow Fans im Publikum sind, denn in den ersten Reihen wird gebangt was das Zeug hält. Vom demnächst erscheinenden Album wird zwar nichts gespielt, da das bei durchschnittlicher Songlänge von fast 30 Minuten wohl auch etwas schwer sein dürfte, dafür aber die Klassiker der anderen Alben mit finnischen Namen, die sich kein Mensch merken kann. Egal, es macht trotzdem Spass !
Und je mehr das begeisterte Publikum abgeht, desto mehr bangt auch die Band. In grünes Licht getaucht wirkt der Auftritt auch optisch noch einen Tick mystischer, passend zum Flair, den Moonsorrow versprühen.
Sichtlich erfreut von guten Reaktionen des Publikums verlässt die Band nach Ablauf ihrer Spielzeit zufrieden die Bühne.

Necrophobic

Böse, gemein und anti-christlich geht es kurz nach sechs mit Necrophobic auf der „Van Wijen“- Stage weiter. Schon beim „Hellflame“- Festival im September konnte diese Band absolut überzeugen, und so sind wir auch diesmal voller positiver Erwartungen in Hinsicht auf den Auftritt der vier Schweden. Stilecht marschiert die Band zum Intro ihres neuesten Meisterwerks „Hrimthursum“ namens „The Slaughter of Baby Jesus“ auf. Und mal ganz ehrlich: Wer sich „Metal“ auf den Bauch tätowieren lässt, der verkörpert die Trueness ja geradezu. Losgeballert wird mit „Blinded by light, enlightened by darkness“, eine exzellente Wahl, da dieses Lied jeden erbarmungslos auf die Seite der Schweden zieht und, wenn auch nicht ganz klar, nun brutalst aus den Boxen dröhnt. Auf die Frage, ob die Crowd bereit für etwas „Real Metal“ sei, folgt die erbarmungslose Probe in Form von „Into Armageddon“ vom Klassiker „The Third Antichrist“. Spätestens hier wird allen klar, dass dieser Auftritt Death Metal von der feinsten Sorte ist. Doch wie andere Bands vor ihnen sind auch Necrophobic vor Soundproblemen nicht geschützt, und so spielt ihnen die Technik nach diesem Lied einen Streich. Zum Glück ist eine Flasche Jack Daniels zur Hand, und Tobias weiß die Menge auch so zu unterhalten. Zum Glück geht’s bald darauf weiter, und zwar mit dem frisch gepressten „I Strike With Wrath“, welches klar aus den Boxen kommt. Nun, da die Band auch die Technik auf ihrer Seite hat, wird dieser Gig zu einem wahren Freudenfest. Durch das perfekte Zusammenspiel der vier Schweden und die geniale Zusammenstellung der Songs sind die kurzen 45 Spielzeit angefüllt mit Hits aus allen Studioalben. Mit „The Nocturnal Silence“ beenden Tobias, Sebastian, Johan und Joakim einen kurzweiligen, dafür umso schwärzeren Auftritt und hinterlassen ein zufriedenes Publikum.

Anathema

Nun ist es so weit: Anathema, neben Moonsorrow mein persönliches Highlight des heutigen Festivals, werden ihren Auftritt beginnen. Anstelle der sonst sechsköpfigen Band betreten heute nur die drei Cavanagh Brüder und Drummer John die „Van Wijen“- Bühne des Musis Sacrum. Dass sie trotz dieser Restriktion am Ende des Sets das Publikum komplett in ihren Bann zu ziehen vermocht hatten, sei hier schon mal vorweg genommen. Ein anderes „Problem“ vor dem die vier Walisen heute stehen, ist die Tatsache, dass ihre Musik mit derjenigen der heute dargebotenen Kapellen nichts mehr gemein hat. Somit ist auch das Publikum nicht von Anfang an begeistert von dem atmosphärisch-zerbrechlichen Sound, der ihm gegen neun Uhr aus den Boxen entgegendröhnt. Die Reaktion ist sehr gemischt, da augenscheinlich viele Besucher extra für Anathema angereist sind, welche sich nun in den ersten Reihen befinden. Die restlichen Zuschauer stehen stocksteif da, lassen sich jedoch nach kurzer Zeit ebenfalls mitreißen. Für mich ist es das erste Zusammentreffen mit dieser so schwer in eine Schublade zu steckenden Band, aber mir wird erzählt, dass die heute gespielte Setlist die härtere sei, eine Tatsache, die kaum verwundert. Ich bin mit der Auswahl mehr als zufrieden, sind doch Lieder wie „Flying“ „Forgotten Hopes“ und „Lost Control“ darunter. Auch die Show ist wunderbar, selbst wenn Vincent ein wenig gestresst die Keyboarder-Funktion übernehmen muss. Trotzdem sprüht er vor Energie und ist so charismatisch wie man sich einen Frontmann nur wünscht. Doch auch seine Brüder an Gitarre und Bass, ebenso wie John an den Drums stehen ihm in nichts nach und ein jeder trägt dazu bei, diesen Auftritt zu einem Erlebnis der besonderen Art zu machen. Ein paar Soundprobleme und der sowieso schlechte Hall des Raumes können hier nicht viel zerstören und so bin nicht nur ich nach dem Konzert wunschlos glücklich.

Arch Enemy

Arch Enemy stehen als nächste Band auf dem Programm. Der Saal platzt fast aus allen Nähten, keine Frage, wer heute der heimliche Headliner ist. Professionell wie sie sind gelingt es den Schweden die Halle zum kochen zu bringen. Angela röhrt sich die Kehle bei Songs wie „Enemy Within“, „Silent Wars“ oder „The Immortal“ aus dem Leib, doch auch die Klassiker „Dead Eyes See No Future“ und der letzte Song „We Will Rise“ dürfen nicht fehlen. Live immer wieder ein powervolles Erlebnis. Kommerzieller Schweden-Tod vom feinsten !

Immolation

Immolation dürfen das Festival abschliessen und betreten als letzte Band des Abends die Bretter. Die Band aus New York, die schon an die zwanzig Jahre auf dem Buckel hat, ist exklusiv fürs Metal Meeting nach Europa gekommen. Ihr Death Metal findet trotz später Stunde und erschöpftem Publikum noch Anklang, obwohl sich die Reihen schon etwas gelichtet haben. So werden brutale Kracher wie „Challenge The Storm“, „Unpardonable Sin“ oder „Crown The Liar“ zum Besten gegeben und sogar ein neuer Song des demnächst erscheinenden Albums „World Agony“ ist mit dabei.
Wir persönlich sind aber so langsam ziemlich platt nach diesem langen Tag. Das von uns vertilgte Bier tut sein Übriges und so schauen wir uns Immolation nicht mehr ganz bis zum Schluss an….

Fazit: Das Festival an sich war mal wieder gelungen. Aufgrund dessen, dass es ausverkauft war, herrschte jedoch ein etwas ZU reges Treiben, sodass man teilweise in den Gängen kaum Platz hatte, sich in irgend einer Weise zu bewegen. Etwas zu hektisch und zu eng für meinen Geschmack. Ausserdem müssen wir noch eine Beschwerde über den sogenannten „Essstand“ dalassen: Wahrscheinlich hatten die Fleischesser unter uns keine Probleme damit, doch wenn man etwas Vegetarisches bekommen wollte, kriegte man einen kleinen, fettigen Backkäse in wabbeligem Milchbrötchen ( mit Extra-Aufschlag ) hingeknallt und das für, wenn ich mich recht erinnere, fast 3 Euro. Von der Portion her eine sprichwörtliche „Füllung für den hohlen Zahn“. Grenzt an Unverschämtheit. Ansonsten aber von der Bandauswahl her wieder ein nettes Festival auch wenn wir wissen, dass wir 2007 mit Sicherheit nach draussen verschwinden werden, wenn wir etwas Essbares bekommen wollen. In diesem Sinne: bis 2007, Arnheim!

Nadine S., Julia K./ V.U.

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