ACFAMF (A CHANCE FOR A METAL FESTIVAL) – Rüsselsheim, 11.10.08

Im letzten Jahr fand das A CHANCE FOR A METAL FESTIVAL erstmals statt, wo sich lediglich drei Bands die Bühne teilten: Bliss, Abandoned und Dragonsfire. Da das Feedback auf das erste ACFAMF akzeptabel war, sollte die Veranstaltung nun in ihre zweite Runde gehen. Dank der Tatsache, dass ab Mannheim nahezu nur Stop and Go war – der Verkehr war einfach an diesem Samstag die Hölle. Dennoch traf ich pünktlich im FZH-Dicker Busch in Rüsselsheim ein. Ob es lediglich nun am Programm oder am Namen lag, jedenfalls war das Jugendhaus nicht prall gefüllt und auch nicht wohl den Erwartungen des Veranstalters entsprach. Also wie gesagt, ein paar mehr hätten es schon sein können.

Stormrider
Stimmung machten Sie, die Herren von Stormrider

Zunächst legten Stormrider mit bombastischen Klängen los und machten genauso statisch weiter. Ein Gitarrensolo jagte das nächste, aber für meine Begriffe, eindeutig zuviel Gitarrengefrickel. Auch der Gesang von Frontnase Stefan konnte mich keineswegs überzeugen. Keinerlei Abwechslung in der Stimme und jeder Song in einer ebenso gleichen Tonlage gesungen. Alles in allem war es schon so überladen, dass es dann schon wieder zu einem Einheitsbrei verkam und somit langweilig wurde. Die Band besteht mit Sicherheit aus guten Musikern, aber immer nur den Beweis, wie schön man Gitarre spielen kann und damit noch so im Ansatz jede Melodie zu zerspielen, bringt leider nicht viel. Wenigstens fand eine coole Bühnenshow statt.

Palace
Palace überzeugten durch außergewöhnliche Momente

Bühne frei für Palace, die relativ pünktlich auf den Brettern standen. Sie spielten anstelle von Ivory Night. Die Band musste kurzfristig absagen, da sich Drummer Volker Schick bei einer Probe den linken Daumen brach. Sänger HP Piller tobte in einer ungewohnten Art über die Bühne, als gäbe es kein morgen mehr. Auch stimmlich wusste der gute Herr zu überzeugen. Es überraschte mich doch sehr, was für eine Stimme aus dem Kerl kam, und vor allem was für eine Bandbreite er damit abdeckt. Aber nicht nur der Gesang wusste zu überzeugen, nein, auch der druckvolle und ebenfalls vielschichtige Sound der Band. Trotzdem verlief sich alles ein wenig, nichtsdestotrotz haben Palace wieder ein Mal bewiesen, dass Sie sich live definitiv lohnen.

Dragonsfire
Dragonsfire: Thassilo in unbestechender Form

Weiter ging es mit Dragonsfire. Derweil liefen die ersten Biere über den Tresen, die für eine wohlhabende Stimmung sorgten. Es wurde gemoscht und es wurde gerangelt. Vor allem Sänger und Basser Thassilo überzeugte mich mit seinem Gesang, und zeigte, dass er die Clean-Vocals nahezu beherrscht. Die Band spielte außerdem einige Tracks des aktuellen Albums „Visions Of Fire“ an, die sie eindrucksvoll und mit viel Elan rüber preschten. An sich war der Auftritt handwerklich kompetent und solide, keine Frage, die Fanreaktionen waren auch okay. Ein Überfliegerauftritt war es beileibe jedoch auch nicht.

Armageddon
Armageddon: Der Wirbelwind aus Nordrhein-Westfalen

Armageddon boten danach gute Kost, die ebenfalls gut reinlief, angenehm Dampf hatte und bewegungstechnisch wurde dies dabei noch ordentlich umgesetzt. Vor allem Shouter Dugi beeindruckte mit außergewöhnlichen Einlagen, wurden vom Publikum sofort angenommen und mit teils extravaganten Crowsurfing belohnt. Und es kam noch besser: Dank der perfekten Vertonung lassen sich die Texte einwandfrei dementsprechend in Bewegung umsetzen. Also wie gesagt, der Funke sprang jedenfalls bei mir über.

Custard
Custard: Starke Performance, einfach genial !!!

Manchmal ist es echt hart, der Headliner zu sein, so hatten sich einige Leute vor der Bühne bereits verflüchtigt. Denn Custard waren gewohnt geil. Die Jungs machten meines Erachtens Spaß und nutzten die Bühne in der vollen Breite. Was einem der Genuß jedoch verhagelte, war der undifferenzierte Sound, der sämtliche Durchschlagskraft bei einigen Songs raubte. Aber richtig derb wurde es im Schlussteil – es scheint nochmal heavier zu werden, also kann ich schon mal allen Power Metal Fans die neue Langrille „Forces Remain“ ans Herz legen.

Fazit: Ein durchwegs gelungener Festivalabend mit durchaus beachtlichen Bands, die stets wissen, wie man die Scheiße zum Kochen bringt. Insgesamt war das Festival gut organisiert und geplant, vor allem das man für Ivory Night mit Palace einen Ersatz gefunden hat, die Ihre Aufgabe gut meisterten.
Das Band Line-up war abwechslungsreich und ich würde behaupten, dass für jeden Geschmack etwas dabei war. Wirklich eine positive Erfahrung, und wenn es ein nächstes Mal gibt, empfehle ich jedem im kommenden Jahr einen Trip auf das ACFAMF zu wagen. Also ich jedenfalls würde mich auf ein Wiedersehen anno 2009 freuen!

Markus / V.U.