Nachbericht zum Summer Breeze Festival 2012 Dinkelsbühl und Fotogalerie

„Kam es mir nur so vor, oder sind zum diesjährigen Breeze deutlich mehr willige Headbanger gepilgert, als noch in den Vorjahren? Wie auch immer, es sah meiner Ansicht nach schon früh mittags deutlich voller aus, als im Vorjahr. Metaller sind halt ein geselliges Völkchen und immer bereit, noch eins draufzusetzen . Auch wir waren bereit zu neuen Schandtaten, nahmen unseren Platz auf dem Campingplatz ein, und nach einigen erfrischenden Schlucken aus dem mitgebrachten Gerstensaftvorrat wurde alsbald das eigentliche Festivalgelände geentert. Viel verändert hatte sich gegenüber dem letzten Jahr nicht wirklich, daher war die Orientierung einfach.“

Zunächst mal eine Übersicht, welche Bands im Jahr 2012 der geneigten Hörerschaft was auf die Ohren gaben:
Fotogalerie unter findet ihr hier!!!

Mittwoch, 15.08.2012

 BLASMUSIK ILLENSCHWANG, ARSIRIUS, WITHOUT WORDS, OBSCURE SPHINX, AMOEBA, GOODBYE TO GRAVITY, BUFFET OF FAITH, MUNICIPAL WASTE, DEVIL’S TRAIN, BULLET, RAGE, TANKARD, GRAVEWORM, TASTERS

Donnerstag,16.08.2012

 NEW BLOOD CEREMONY & OBSCURE SPHINX, BE’LAKOR, MÅNEGARM, DARKEST HOUR, GLORIOR BELLI, EVERY TIME I DIE, AGRYPNIE, STIER, EPICA, PETER PAN SPEEDROCK, NAPALM DEATH, ALCEST, ICED EARTH, BORN FROM PAIN, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, NORMA JEAN, BEHEMOTH, WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, SKI’S COUNTRY TRASH, ELUVEITIE, DIE KASSIERER, SUBWAY TO SALLY, GHOST BRIGADE, DEATHSTARS, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, IN SOLITUDE, FARSOT, THE ROTTED

Freitag,17.08.2012

THE FORESHADOWING, ROTERFELD, BLEED FROM WITHIN, DEW-SCENTED, MYSTIC PROPHECY, CROWBAR, MONO INC., ESKIMO CALLBOY, HELHEIM, UNEARTH, BLACK SHERIFF, TOXIC HOLOCAUST, NILE, BLACK SUN AEON, JASTA VS. WINDSTEIN, HEIDEVOLK, SIX FEET UNDER, BEFORE THE DAWN, WITHIN TEMPTATION, INSOMNIUM, DARK TRANQUILLITY, OHRENFEINDT, KRISIUN, IMMORTAL, TERROR, CORVUS CORAX, MORGOTH, EISREGEN, MENHIR, AHAB

 Samstag,18.08.2012

 WHILE SHE SLEEPS, NIGHT IN GALES, BETONTOD, THE UNGUIDED, TANZWUT, BEMBERS, NAGLFAR, AUDREY HORNE, UNLEASHED, DESASTER, SEPULTURA, NITROGODS, INCANTATION, LACUNA COIL, CATTLE DECAPITATION, PARADISE LOST, NIFELHEIM, OOMPH!, SHINING, SICK OF IT ALL, ASPHYX, ASP, MAMBO KURT, VALLENFYRE, AMON AMARTH, DEEZ NUTS, KATATONIA, ANAAL NATHRAKH, CIRCUS INSANE, ENTRAILS, HATESPHERE

Mittwoch, 15.08.2012

Leider können wir zu diesem Tag nur vom Hören-Sagen berichten, da unsere Schreiber erst am Folgetag, sprich am Donnerstag anreisen konnten. Laut Zeugenaussagen ist uns da durchaus das ein oder andere Highlight durch die Lappen gegangen, wie schon an der Liste der Bands unschwer zu erkennen ist.

Wie es inzwischen guter Brauch ist, wurde das Festival gewohnt gekonnt von der Blasmusik Illenschwang  eröffnet, und die bereits zahlreich anwesende Schar in Stimmung gebracht.

Stimmungsgaranten des ersten Tages waren, wie nicht anders zu erwarten Rage und natürlich Tankard, die uns aber, wie bereits erwähnt, leider durch die Lappen gingen, sehr ärgerlich!

ASP-1

Donnerstag, 16.08.2012

Kam es mir nur so vor, oder sind zum diesjährigen Breeze deutlich mehr willige Headbanger gepilgert, als noch in den Vorjahren? Wie auch immer, es sah meiner Ansicht nach schon früh mittags deutlich voller aus, als im Vorjahr. Metaller sind halt ein geselliges Völkchen und immer bereit, noch eins draufzusetzen . Auch wir waren bereit zu neuen Schandtaten, nahmen unseren Platz auf dem Campingplatz ein, und nach einigen erfrischenden Schlucken aus dem mitgebrachten Gerstensaftvorrat wurde alsbald das eigentliche Festivalgelände geentert. Viel verändert hatte sich gegenüber dem letzten Jahr nicht wirklich, daher war die Orientierung einfach.

Fulminant eröffnet wurde der Tag durch den Gewinner des diesjährigen NBAs OBSCURE SPHINX. Der Bereich vor der Painstage war natürlich zu solch früher Stunde noch eher spärlich besiedelt, obwohl die Band eindeutig mehr verdient gehabt hätte. Wobei das Wort „besiedelt“ eigentlich genau der passende Begriff ist, denn wie jeden Tag um diese Zeit, machten die Breezer eher den Eindruck, vor der Bühne sesshaft werden zu wollen, als zu feiern. Das lag allerdings definitiv nicht an der geilen Mucke, oder der ebenso heißen Frontfrau Zofia, deren rauchige Stimme sofort überzeugte. Immerhin brachte sie es fertig, zumindest die vorderen Reihen des sehr lichten Publikums zu etwas zu animieren. Stilistisch war eine gelungene Mischung aus ein bisschen melodisch, ein bisschen episch zu hören, wie es bei vielen, vergleichbaren Bands mit Frontfrau so üblich ist.

Setlist OBSCURE SPHINX (Pain Stage)

Nastiez
Paragnomen

Ach je, warum müssen die guten, etwas „speziellen“ Bands immer zu so „unchristlichen“ Zeiten spielen? Entweder viel zu spät abends/nachts oder wie im Fall von BE‘LAKOR viel zu früh. Mit dem aktuellen Album „Of Breath and Bone“ im Gepäck haben sich die Jungs aus Down Under auf den weiten Weg nach Dinkelsbühl gemacht, um den Kollegen aus Schweden mal zu zeigen, dass man auch in Australien hervorragenden Melodic-Death-Metal fabrizieren kann. Das hatte sich wohl auch unter den Besucher rumgesprochen und so war der Platz bis zum FOH-Tower schon recht ansehnlich gefüllt, wenn auch ich anscheinend nicht der Einzige etwas angeschlagene im Publikum war. Allerdings waren die 5 noch etwas schüchtern, wozu meiner Meinung nach überhaupt kein Grund bestand. Begonnen wurde nach dem Intro mit der Hymne „Venator“ vom „Stone’s Reach“ Longplayer. Da hatten die Jungs mich eigentlich schon direkt im Sack. Auch die neuen Stücke „Remnants“ und „Fraught“ konnten überzeugen und es war ein gelungener Gig. Mal sehen ob BE‘LAKOR beim nächsten Mal noch ein wenig später auf die Bretter dürfen. Verdient hätten sie es

Um kurz nach 14 Uhr hatte sich eine beachtliche Menge an Metalheads vor der Pain Stage eingefunden, denn die nordischen Wölfe von MÅNEGARM hatten geheult und die Fans waren ihren Rufen gerne gefolgt, wobei das angenehme Wetter mit Sicherheit auch das Übrige mit dazu getan hatte. Bandmitbegründer Jonas Almqvist und seine Kollegen boten eine sehr gute Best of-Show und als kleines Leckerchen gabs zur Setmitte sogar den neuen Song “ Hordes Of Hell“, welcher, nachdem das letzte Album 2009 rausgebracht wurde, auch amtlich abgefeiert wurde. Die Begeisterung der Fans schien auch auf die Musiker über zu greifen, denn diese kamen aus dem Grinsen und dem Danke sagen gar nicht mehr raus. Man kann sich sicher sein, das am Ende alle, Zuhörer und Musiker mehr als glücklich wieder von Dannen gezogen sind.

  Setlist MÅNEGARM (Pain Stage)

Intro
Eternity Awaits
Nattsjäl, Drömsjäl
Hordes Of Hel
I Mina Fäders Hall
Nattväsen
Arise
I Evig Tid

Am frühen Nachmittag fegten DARKEST HOUR aus Washington D.C. mit einer großen Menge weißer Spots und ihrem modernen Thrash/ Death Metal über die Painstage. Dabei strotzten sie nur so vor Energie und es wurden die Matten geschwungen, als ob es kein Morgen gäbe. Man merkte sofort, dass die Fünf mit Leib und Seele dabei waren. Diese Energie konnten sie ohne Umschweife auf das sehr zahlreich vertretene Publikum übertragen. Es wurde gemosht, was die Nacken hergaben. Ein geiler Gig der Amerikaner. Wer DARKEST HOUR noch nicht kennt, sollte sich das unbedingt mal anhören!

 Setlist DARKEST HOUR (Main Stage)

Intro
The World Engulfed in Flames
No God
Savor The Kill
With A Thousand Words To Say But One
Demon(s)
Violent By Nature
Love as a Weapon
The Sadist Nation
Doomsayer (The Beginning of the End)

Auf der nachmittäglich von der Sonne aufgeheizten Bühne gaben sich nun die Jungs von EVERY TIME I DIE die Ehre und rockten die Bühne mit ihrem recht mainstreamigen, aber dennoch eingängigen Metalcore, der eigentlich keine Wünsche offen lässt. Obwohl direkt nach DARKEST HOUR viele Leute von der Bühne weg und gen Partyzelt oder Bierstand gestürmt sind, so ist doch eine sehr ansehnliche Menge vor der Bühne geblieben, um den amüsanten Ansagen und dem harten Gitarrengeschrabbel zu lauschen und einfach die Show zu genießen, die hier vor allem von dem sehr bewegungsfreudigen Fronter und Gitarristen Keith Buckley getragen wurde, der sich auch nicht scheute nebenbei auf die gesamte technische Einrichtung zu klettern. Sehr sympathisch das Ganze!

 Setlist EVERY TIME I DIE (Pain Stage)

No Son
Wanderlust
Floater
Bimbos
Beast
Rushmore
Bored Stiff
Kill The Music
Diablo
Typical
Werewolf
Ebolarama

Zwischendurch ging’s kurz auf zum Partyzelt, wo die episch anmutenden Klänge von AGRYPNIE mich mit lauten Growls und einer sehr blauen Lichtshow begrüßten. Neugierig ist man dann ja doch, was sich nebenbei so auf der Partystage abspielt….Was ich hörte, war richtig guter Black-Metal, allerdings ohne übertriebene Gesichtsbemalung. Stilecht böse blieb es dennoch mit dem sympathischen und bis zum Anschlag tätowierten Fronter Torsten „der Unhold“ Hirsch. Zugegeben gab’s hier und da ein bisschen wenig Bewegung im sogenannten Partyzelt, doch für die undankbare Stunde waren eigentlich recht viele Leute vor der Bühne, sodass das Zelt immerhin halb gefüllt war und sich auch die ein oder andere Pommesgabel im Publikum sehen ließ. War definitiv den Abstecher wert, auch, wenn ich gestehen muss, dass ich mich schleunigst wieder auf zur Painstage gemacht habe, wo der Großteil des partywilligen Breezervolkes bereits versammelt war und somit leider nicht viel von diesem definitiv lohnenswerten Gig mitbekam.

Setlist AGRYPNIE (Party Stage)

Der tote Trakt
Augenblick
Gnosis
Morgen

Kam man ab 16:30 an der Camel Stage vorbei, so konnte es leicht passieren, dass man von deutschsprachigem Wasauchimmer-Metal eingelullt wurde, der verzweifelt so getan hat, als sei er RAMMSTEIN irgendwie ähnlich. Wenn man im Internet nach STIER sucht, so findet man schnell heraus, dass es sich bei Fronter Hans-Martin Stier um einen Schauspieler (unter anderem aus „Hausmeister Krause“ bekannt) handelt. Musikalisch war es irgendwie voll daneben in meinen Ohren. Nicht rein technisch, sondern mehr was den Stil betraf, denn insgesamt hat der Stier schon eine schön rauchige Singstimme, aus der man sicher was hätte machen können, wenn die Songs nicht irgendwie sehr nach „vermetalltem“ Schlager geklungen hätten. Und das fing schon an mit „Dieses Mal“, der mich komischerweise immer erwischt hat, wenn ich an der Camel Stage vorbei gegangen bin und den man, wie ich gestehen muss, leider sehr schlecht wieder aus dem Kopf bekommt. Ohrwurmpotential ist also wohl vorhanden… Vor der Bühne tummelten sich beim 16.30-Gig nur einige wenige trunkene Zuschauer, einschließlich mir, wobei man dem Ganzen auch zu Gute halten könnte, dass EPICA derweil auf der Mainstage mit ihren gothicartigen, ätherischen Klängen fast alles, was verfügbar war, zu sich gelockt hat, so dass ohnehin wenig übrigblieb. Man könnte allerdings auch weniger beschönigend sagen, dass die Band, soweit es meine Meinung betrifft, einfach schlecht ist.

 Setlist STIER (Camel Stage)

Dieses Mal
Vampire
Avatar
Rauhaar
Stalker
Mein Schatz
Übers Meer
Gier
Mein Gott
Keine Zeit
Tanzen
Nachtschicht

Wer NIGHTWISH liebt, wird EPICA mögen… diese geflügelten Worte haben auch dieses Jahr Bestand, wenngleich EPICA in meinen Augen mittlerweile ordentlich zugelegt haben und gerade in den neueren Songs einiges mehr an Eigenständigkeit beweisen. Manchmal lohnt es sich einfach, einer Band noch eine zweite Chance zu geben. Vor allem stimmtechnisch blieb auf diesem Breeze wirklich nichts zu wünschen übrig, so dass eingefleischten Fans die Herzen aufgingen und Biergläser aufgrund der Tonhöhe zu zerspringen drohten (ein Glück, dass es an den Ständen nur Plastikbecher gab, was?). Soll heißen: Ich fand den diesjährigen Auftritt wirklich gut, was nicht nur an der hübschen Frontfrau Simone Simons lag, die wie eigentlich immer alle Blicke auf sich zog und im Zentrum aller Kameraobjektive lag. In höchsten Tönen wurde davon geschwärmt, wie schön ihre lange rote Mähne durch die Ventilatoren auf der Bühne in Pose gebracht wird. Das zumindest ist bisher bei jedem EPICA-Auftritt, den ich bisher bewundern durfte, dasselbe. Zwar wurde in diesem Jahr eine Federboa, die sie trug, ordentlich kritisiert und Simone mit dem Vogelstrauß gleichgesetzt, aber so sieht man wenigstens, wo bei den Meisten die Priorität liegt, was diese Band angeht: Optik. Ansonsten war es echt unglaublich, wie viele Leute sich vor der Bühne eingefunden hatten, um nicht nur auf die weiblichen Kurven zu glotzen, sondern auch zu feiern und die Akustik zu genießen. Zwar gab’s wenig Tanzerei, dafür aber begeisterte Kopfschüttler und Händeklatscher. Wie soll man zu dieser Art von femininem Opern-Metal auch anders abgehen? Auf der Bühne gab’s immerhin auch nur coole Posen und wenig Bewegung. Mir hat die (ich zitiere) „Hupfdohle vom Summerbreeze nur ohne Gehupfe“ auch mit Federboa echt gefallen. Mal schauen, ob sie beim nächsten Mal, wenn ich sie auf dem Breeze sehen darf noch eins drauflegen!

 Setlist EPICA (Main Stage)

Karma (Intro)
Monopoly On Truth
Unleashed
Martyr Of The Free World
Storm The Sorrow
Cry For The Moon
Sancta Terra
Consign To Oblivion

Nachdem der Donnerstagmorgen traditionell mal wieder verregnet anfing, gab‘s natürlich nur eine Möglichkeit, anständig in Tag zu starten: Pegeln, Pegeln, Pegeln und den Pegel halten -und das haben wir dann auch in unserer „Basis“ eine ganze Weile gemacht. Allerdings zogen wir früh genug die Bremse und latschten früh genug los, um uns an der Painstage zu platzieren und einer der altgedienten Größen zu huldigen. Mark „Barney“ Greenway, Shane Embury, Mitch Harris und Danny Herrera – ja, für alle Ahnungslosen: NAPALM DEATH – hatten zum geselligen Köppe einschlagen geladen.

Anfangs waren die Leute vor der Stage nach etwas zurückhaltend, was aber im Laufe des Sets, welches zu meiner Freude übrigens mit jeder Menge Songs vom neuen Album „Utilitarian“ gespickt war, nachließ, bis vor der Bühne kriegsschlachtartige Verhältnisse herrschten. Und auch auf der Bühne, ging die Post ab, sodass man den Jungs kein Bisschen ansah, dass sie mittlerweile seit über dreißig Jahren, die Metalbretter dieser Welt regelmäßig in Schutt und Asche legen.

 

 Setlist NAPALM DEATH (Party Stage)

Circumspect
Errors In The Signals
Everyday Pox
Protection Racket
Silence Is Deafening
The Wolf I Feed
Practice What You Preach
Quarantined
Analysis Paralysis
Dead
Deceiver
When All Is Said And Done
Unchallanged Hate
Nom De Guerre
Suffer The Children
Nazi Punks Fuck Off
Scum
You Suffer
Instinct Of Survival

Um 18.20 Uhr hieß mich das erste Mal in diesem Jahr für mich: „Ab zur Mainstage!“  „Iced Earth“ riefen, und wir waren gespannt, wie sich der neue Fronter Stu Block auf der Bühne machen würde. Außerdem war im Oktober 2011 ja auch noch ein neues Album auf den Markt geschmissen worden. Los ging‘s direkt mit dem Titeltrack der aktuellen Rille „Dystopia“, gefolgt vom Dauerbrenner „Burning Times“, bei dem die Mannen um Band-Imperator Jon Schaffer, die Fans ganz fest bei den Eiern packten und bis zum Schluss nicht mehr los ließen. Insgesamt wurden vier neue Songs gespielt, die allesamt sehr gut ankamen beim Publikum, mich mit eingeschlossen. Beendet wurde das Konzert mit dem Mitgröhler „Watching Over Me“ und dem sebstbetitelten Song „Iced Earth“. Nun noch ein paar abschließende Wort zu Stu Block: Alter Vater, wat ne Frontsau! Mit dem Kanadier haben sich ICED EARTH einen Frontmann in die Band geholt, der es absolut versteht, mit dem Publikum zu spielen und die Stimme ist auch nicht schlecht, wie ich finde, sogar besser als die von Matthew Barlow, was ja auch nicht weiter verwunderlich ist, konnte Block doch schon in jungen Jahren in diversen NWOBHM-Cover-Bands und später bei INTO ETERNITY in seinen Stimmbändern feilen. Herzlichen Glückwunsch Jon Schaffer, endlich mal ne gute Entscheidung getroffen!

 Setlist ICED EARTH (Main Stage)

Dystopia
Burning Times
Slave To The Dark
I Died For You
V
Pure Evil
Wolf
Anthem
10.000 Strong
Boiling Point
Watching Over Me
Iced Earth

Wenn man um 19:25 an der Painstage vorbei kam, dann war man gerade richtig, um das definitiv epischste Intro des ganzen Summer Breezes zu bewundern, das direkt von „Riders on the storm“ abgelöst wurde, was bekanntlich nicht weniger episch ist. Die APOKALYPTISCHEN REITER hatten zum Angriff geblasen und ließen den Platz vor der Bühne so schnell auch nicht wieder los. Das zahlreich erschienene Publikum wurde durch die Ansagen von Frontmann Daniel (ehemals „Eumel“ jetzt „Fuchs“) Täumel ordentlich angeheizt, wobei das stilecht gerollte „r“ dem ganzen Mittelalterlichen auch noch etwas piratengleiches mitgab. Dazu gab’s auch von der Bühnenshow her mal wieder ordentlich was fürs Auge. Ich denke, die Idee ein Gummiboot mit einer holden t-shirtverteilenden Dame ins Publikum zu senden, dürfte eine der kreativsten und sympathischen Ideen des Summer Breezes gewesen sein. Musikalisch durften natürlich die Mitgröhler „Wir reiten“, „Reitermania“ und „Revolution“ nicht fehlen, wobei letzteres mich echt vom Hocker gerissen hat. Gut, dass es noch Bands gibt, die sich für ihre Fans was einfallen lassen!

 Setlist DIE APOKALYPTISCHEN REITER (Pain Stage)

Vom Ende der Welt
Riders On The Storm
Es wird schlimmer
Revolution
Der Adler
Wir reiten
Die Boten
Die Schönheit der Sklaverei
Nach der Ebbe
Komm
Seemann
Reitermania
Die Sonne scheint

Endlich! Endlich! Endlich! Nach langem Warten konnte ich mir ab halb neun auf der Mainstage BEHEMOTH zu Gemüte führen. Für Alle, die die letzten Jahre musikalisch verpennt haben: Nergal, seines Zeichens Fronter dieser einzigartigen Band, war Mitte 2010 schwer an Leukämie erkrankt, so dass es um die Osteuropäer verständlicherweise sehr ruhig geworden war. Glücklicherweise ging‘s aber nach gutem Heilungsverlauf nicht einmal ein Jahr später weiter wie gewohnt. Nur mit ordentlich gekürzten Haaren, wie das bei dieser Krankheit nun einmal sein „muss“. Nicht verwunderlich ist auch, dass ich mir darüber, die Polterpolen endlich nochmal Live und in Farbe sehen zu können, ein zweites Arschloch gefreut habe, als sie fürs Summer Breeze bestätigt wurden. Wie erwartet wurde ich nicht enttäuscht. Nergal, Seth, Orion, und Inferno gaben von Anfang alles und boten eine Show, wie sie die Metalwelt schon lange nicht mehr gesehen hatte. Nergal kam zwar etwas steif rüber, was aber mit Sicherheit seiner Krankheit zu schulden war. Stimmlich war er aber wie eh und je voll da und das ist ja wohl das Wichtigste. Gespielt wurde ein absolutes Best Of-Programm. Dazu gab‘s jede Menge Feuer, in Form einer Pyroshow, die sich gewaschen hatte. Zu „Christians To The Lions“ wurden z.B. zwei große umgedrehte Kreuze genretypisch am Bühnenrand angezündet und immer wieder schossen große Feuersäulen während der ganzen Show Richtung Bühnendecke. Am besten gefielen mir aber die brennenden Mikroständer in der zweiten Hälfte des Konzertes. Abgeschlossen wurde das Set mit „Lucifer“, wobei, die Bühne dann endgültig in Brand gesteckt wurde. Mein Fazit: BEHEMOTH sind wieder da und das besser den yeah! Bitte mehr!!!

Zurück zum Pagan-Metal, der in diesem Jahr auf dem Breeze sehr zahlreich vertreten war, und zu ELUVEITIE, die mit Flötenklängen, Keyboard-Tönen, genialen Geigeneinlagen und sehr melodiösem Sound genau meinen Geschmack getroffen haben. Dazu gab’s ne ausgeglichene Lichtshow und eigentlich alles, was das Herz begehrt. Kein Wunder also, dass das Publikum gebührend begeistert und vollzählig erschienen war, um die Band um Anna Murphy und Chrigel zu feiern. Dabei fand ich persönlich, dass Anna eigentlich die beste Frauenstimme des Tages hatte und viele ihrer weiblichen Kolleginnen auf dem Breeze ganz ordentlich in den (vielvermissten) Schatten stellte.

 Setlist ELUVEITIE (Painstage)

Intro
Helvetios
Luxtos
Neverland
Meet The Enemy
Uis Elveti
A Rose For Epona
Inis Mona
Alesia
The Uprising
Kingdom Come Undone
Havoc
The Siege
Outro

Wer kennt nicht die typische Festivalbeschallung am Campingplatz, wenn aus den Boxen obskure Textzeilen wie „Mein Glied ist zu groß, Du bist zu eng für mich“ dröhnen. Zugegeben ist das nicht was für jedermann und auch nur ab einem gewissen Alkoholpegel auf Dauer zu ertragen, aber DIE KASSIERER sind schon so etwas wie eine kleine, lebende Legende. An diesem Abend durfte ich zum ersten Mal dieses Phänomen live begutachten. Ich war ja schwer gespannt, denn schon im Vorfeld hatte ich von hanebüchenen Ausschweifungen auf KASSIERER-Konzerten berichtet bekommen, was diverse sexuelle Praktiken auf der Bühne angeht. Neben mir enterten noch etliche Partywütige das Partyzelt, so dass Selbiges aus allen Nähten platzte und ich mich fragte, ob ELUVEITIE wohl gleichzeitig vor einer leeren Partystage zocken würden. Schon als DIE KASSIERER auf die Bühne kamen, war das Gegröle groß und es wurde vom ersten Song an mitgesungen. Da ich ja vorgewarnt war, war ich dann nicht überrascht, als Sänger Wölfi schon beim zweiten Song „Mein schöner Hodensack“ nackt auf der Bühne stand. Allerdings zog er sich zumindest die Hose wieder hoch und auch weitere sexuelle Eskapaden blieben aus. Aber auch ein schöner (Bier)bauch kann entzücken und man bekam bei Songs wie „Blumenkohl am Pillemann“ „Großes Glied“ oder „Mach die Titten frei ich will wichsen“ nicht nur gute Stimmung, sondern auch irgendwie das Bedürfnis sich ebenfalls seiner Kleidung zu entledigen. Zwischendurch schaute das Niveau bei dem Song „Quantenphysik“ mal kurz vorbei, um sich bei „Das schlimmste ist wenn das Bier alle ist“ wieder an bzw. unter die Theke zu begeben.

Mit seiner höflichen Art führte Wölfi bis zu Schluss humorvoll durchs Programm („Sie“zen des Publikums und Anrede mit „Meine Damen und Herren“) und als der Gig mit der „Stinkemösenpolka“ schließlich zu seinem Ende kam, wollte man es gar nicht wahr haben. Wer also die Gelegenheit hat, DIE KASSIERER live zu sehen und mit einem kleinen Leber- und Niveauverlust zurechtkommt, sollte dies dringend tun.

 Setlist DIE KASSIERER (Party Stage)

Physikalisches Intro
Besoffen sein
Mein schöner Hodensack
Sex mit dem Sozialarbeiter
Quantenphysik
Mein Gehirn, Dein Gehirn
Blumenkohl am Pillemann
Mach die Titten frei, ich will Wichsen
Sonnenfinsternis in Lissabon
Arsch abwischen
Drillinstructor-Song
Kein Geld für Bier
Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist
Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche
Schnaps und Bier
Großes Glied
U.F.O / Smoke On The Water / tot, tot, tot
Stinkmösenpolka

SUBWAY TO SALLY sind für mich so eine Sache. Entweder finde ich sie live total gut oder ziemlich mittelmäßig. An diesem Abend fand ich sie mal wieder sehr in Ordnung. Die ganze Band war in schwarz gekleidet, atmosphärisches Licht und eine Pyroshow unterstützen (sehr zum Leidwesen der Fotografen) die emotionale Performance. Auch auf das zahlreich erschienene Publikum sprang der Funke über, so wurde zusammen getanzt und gefeiert. Eric Fish ließ sich beim „Schwarzen Meer“ sogar zu einer Minirunde Crowdsurfen hinreißen. Bei „Besser du rennst“ konnte er das Publikum folgerichtig zu mehreren Circlepits anfeuern. Lediglich bei der Songauswahl gingen die Meinungen etwas auseinander. Es wurde zum Beispiel „Sieben“ gespielt, aber „Julia und die Räuber“ fehlte gänzlich und wurde teilweise schmerzlich vermisst. Bei einem Festivalgig ist es leider immer schwierig, alle gleichermaßen zufriedenzustellen. Für mich präsentierten SUBWAY TO SALLY einen guten und emotionalen Auftritt, der Spaß beim Tanzen machte.

 Setlist SUBWAY TO SALLY (Main Stage)

Intro
Kämpfen wir!
Schlagt die Glocken
Mephisto
Das schwarze Meer
Wo Rosen Blüh’n
Eisblumen
Mir Allein
Wenn Engel hassen
Besser Du rennst
Tanz auf dem Vulkan
Kleid aus Rosen
Sieben
Ohne Liebe
Veitstanz
MMXII

Zur Geisterstunde fuhren die Jungs von DEATHSTARS in gewohnt skurriler Montur auf der Bühne auf, um den Breezern den letzten Funken Verstand aus dem Hirn zu prügeln . Leider befand ich mich zu diesem Zeitpunkt teilweise saufend mit einem mir unbekannten Franken am Zeltplatz, so dass ich einen Teil des Sets verpasst habe. Was ich allerdings mitbekam, war mit dem Wort „anbetungswürdig“ eigentlich kaum richtig zu beschreiben. Besonders sympathisch war dabei die Show von Sänger Whiplasher Bernadotte, dessen Name eigentlich das Programm dieser Band ziemlich genau vorschreibt. Das Ganze mutete stiltechnisch ein bisschen wie MARILYN MANSON an – aber auf der anderen Seite ist das ja immer der Fall, wenn ein Kerl, oder mehrere davon auf der Bühne stehen und aussehen, als wären sie Männer, die so tun, als wären sie Frauen, die gern Männer wären. Nicht fehlen durften dabei am Set natürlich der absolute Hit „Blitzkrieg“ und „Tongues“. Ein besonders gelungener Gag, der sich durch das gesamte Festival zog war, dass sich Whiplash als „Lehrer“ betitelte und die Audience kurzerhand zu seinen treu ergebenen Schülern erklärte, die nur mit seiner Erlaubnis schreiben und feiern durfte. Glücklicherweise erteilte er diese auch großzügig, so dass das nächtliche Dinkelsbühl noch einmal vorm Schlafengehen erzittern durfte.

Nach diesem Konzert endete für mich auch der musikalische Teil des Tages und ich machte mich wieder auf gen Zeltplatz, um die begonnene Sauf Challenge gebührend zu beenden, um hinterher mit mehreren Promille ins Zelt zu krabbeln und die dringend nötige Erholungsphase einzuläuten.

 Setlist DEATHSTARS

Mark Of The Gun
Motherzone
Semi-Automatic
Tongues
Night Electric Night
Chertograd
Blitzkrieg
Fuel Ignites
Metal
Blood Stains Blondes
Cyanide
Death Dies Hard
Trinity Fields
Revolution Exodus

Freitag, 17.08.2012

Nach zwei Tagen begannen sich nun doch schon erste Ausfallerscheinungen breit zu machen. Wer sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht für zwei Taler den Schmutz vom Leib gewaschen hatte, fing nun doch schon an, etwas ranziger zu riechen und selbst die nächtlichen Extremduscher, die wie ich die lange morgendliche Schlange gescheut hatten und dafür des Nachts, wenn alle anderen die Flüssigkeit lieber in, als an sich haben, geduscht hatten, klagten morgens über Bullenhitze im Zelt und, dass man ohnehin schon wieder total durchgeschwitzt sei. Doch alles Wehklagen half nichts, denn es muss ja weitergehen. So wurde der Morgen also mit dem ersten Bier und einem amtlichen Frühstück besegnet und auf ging‘s Richtung Bühne – und zur ersten positiven Überraschung des Tages!

Oh, mein Gott! Was für eine morgendliche Begrüßung! THE FORESHADOWING spielten und ich war vollkommen von den Socken bei dem geilen, doomigen Gothic Metal-Apokalypsensound, den die sehr sympathischen Jungs aus Italien da zu frühester Stunde von sich gaben. In der Tat haben mir die Römer, deren Performance ich auf dem Breeze das erste Mal sehen durfte, mit einem Schlag so gut gefallen, dass ich persönlich das Summer Breeze 2012 direkt mit ihnen in Verbindung bringen würde. Zugegeben: Gefüllt waren die Reihen vor der Bühne zu solch früher Stunde nicht, deswegen stehe ich mit meiner absoluten Euphorie vielleicht etwas einsam auf weiter Flur, doch wann ist schon ein gefüllter Bühnenvorplatz zu sehen, wenn man um die undankbare elfte Stunde als Erster ran muss, um quasi zum Aufwachen zu läuten? Wer bei dem Bass nicht direkt ein wohliges, weckendes Kribbeln im Bauch hatte, der hat vermutlich nicht nah genug an der Bühne gefeiert. Der Sound war echt der Hammer! Kein Wunder, dass sich das anwesende Publikum durch die Ansagen des Sängers, wenn auch meist nur relativ kurz, immer wieder aufs Neue anheizen ließ. Sänger Marco war dabei nicht nur außerordentlich gut bei Stimme, sondern auch mit einer „Gürtel-über-den-ganzen-Torso-verteilt“-Gewandung angetan, die den mittelalterlich angehauchteren Bands dieses Festivals teilweise die Show gestohlen hat. In meinen Augen war es etwas unpassend, dass da der Rest der Band nicht mitgezogen hat, sondern in ziemlich normaler Straßenkleidung (immerhin aber in jedem Fall mit dem Bandlogo verziert) auf der Bühne standen, sodass Marco zwischen seinen Bandkollegen ein bisschen wie der einzige, verzweifelte Assassins-Creed-Cosplayer rüberkam. Vielleicht habe ich aber auch nicht ganz begriffen, was da eigentlich genau verkörpert werden wollte. Insgesamt fand ich den Auftritt rabengeil und freue mich darauf bald mehr von ihnen zu hören.

Setlist THE FORESHADOWING (Pain Stage)

Aftermaths
The Forsaken Son
The Wandering
Ground Zero
Havoc

Oh, ich will eigentlich nicht schon wieder über ein Outfit herziehen, aber bin ich der Einzige auf dieser Welt, der einen silbrig glänzenden Mantel in Krokolederoptik irgendwie beknackt findet? Erst recht, wenn man die gleißende, unbarmherzige Sonne dabei in Betracht zieht, die sich mittlerweile schon in Ansätzen auf der Bühne und dem Bereich davor bemerkbar machen wollte? Naja. Glücklicherweise ist die Metallbühne kein Laufsteg und so lieferten uns ROTERFELD einen richtig amtlichen, wenn auch spärlich besuchten Auftritt voller eingängigem Rock, der zumindest bei mir den einen oder anderen Dauerohrwurm hinterlassen hat. Dabei war Bassist und Kiltträger Falco besonders bewegungsfreudig. Schade eigentlich, dass es zu solch früher Stunde eigentlich nie richtig Bewegung vor der Bühne gibt, denn insgesamt hätte das Ganze schon Lust auf Party gemacht.

 Setlist ROTERFELD (Main Stage)

Sick Of Being Bored
Don’t Be Afraid Of The Dark
I Would Rather Ride Into Hell
Great New Life
Blood Diamond Romance
Stop

Mit den Engländern von BLEED FROM WITHIN gab‘s dann auch das erste Mal des Tages wirklich ordentlich was aufs Maul. Das war Melodic Death Metal vom Feinsten, der da den Mittagsgong vom Breeze ertönen ließ, während die meisten der recht wenigen Anwesenden, dies wohl noch als „früher Morgen“ bezeichnet hätten. Trotzdem gab‘s schon ein paar pflichtbewusste Pommesgabelhochhalter, sowie ein wenig Bewegung, während in den hinteren Reihen und auf dem weiten Grasland noch die meisten in der Wiese hockten und sich fragten, wieso man um diese Uhrzeit eigentlich schon wach sein kann. Ich muss zugeben, dass ich es der Mehrheit gleichgetan habe und mich mit einem frischen Bier ins freie Feld gesetzt habe, wo ich bei netten Gesprächen einen sehr guten Blick auf eine typisch aggressive Show mit vielen tollen Gitarrenriffs und Geschrei hatte, das sowohl von der Bühne, als auch aus den ersten Reihen vor ihr kam. Auch der erste Moshpit des Tages ließ sich sehen, sodass kaum ein Zweifel bestehen kann, dass die Jungs auf der Bühne das Publikum, soweit es denn willens und wach war, gehörig in der Hand hatten.

 Setlist BLEED FROM WITHIN (Pain Stage)

Intro
Look
Arnie
The Novelist
Dishonour
This Is Our Legacy
Murdoch
The Healing

„Wir sind das offizielle Weckkomando!“ begrüßte Sänger Leif etwas heiser das Publikum vor der Mainstage. Fürwahr, denn ab dem ersten Song drehten DEW SCENTED ganz schön auf. Souverän und tight zockten die fünf Herrschaften ihren Thrash/ Death Metal zur Mittagszeit. Dabei wurde die Soundwand immer wieder von schönen Gitarrenläufen aufgelockert. Sehr fokussiert, aber mit sichtlichem Spaß an der Sache agierten die Instrumentalisten auf der Bühne. Spaß hatte auch das Publikum und moshte sich trotz brütender Mittagssonne den Arsch ab. Wer jetzt nicht wach war, hatte eindeutig Bierdosen auf den Ohren! So ’nen Wecker brauch ich für zu Hause!

 Setlist DEW-SCENTED (Main Stage)

Hubris
Sworn To Obey
Turn To Ash
Soul Poison
That’s Why I Despise You
Storm Within
Cities Of The Dead
Never To Return
Thrown To The Lions
Acts Of Rage

Deutschen Power Metal gab’s ab 13:35 von MYSTIC PROPHECY, deren Sänger und Frontmann Roberto ein bisschen so wirkte, als wolle er mit seiner dunklen Brille den Bono-Lookalike-Contest gewinnen. Von mir aus hätte er das auch locker geschafft, wenngleich ich ansonsten den Vergleich mit einer ungleich größeren Band aus anderem Metier scheuern würde. Naja… ein bisschen Bühnensau sein wird ja wohl erlaubt sein, wenn’s zeitgleich die Augen vor der ungnädigen Sonne schützt, richtig? Und obwohl die Band stiltechnisch nicht so ganz in meinem Geschmacksbereich unterwegs ist, so sprach doch der recht gefüllte Bühnenbereich und die gute Laune der Besetzer Bände darüber, dass man sich über Geschmäcker noch immer streiten kann, aber nicht sollte. Sänger und Frontgrieche Roberto war dabei allerdings noch deutlich bewegungsfreudiger, als sein Publikum und hat sicherlich einiges an Meilen zurückgelegt, was mir dann, angesichts des heißen Wetters doch wieder ziemlich sympathisch war. Jedenfalls muss ich in Demut meinen Hut ziehen und sagen, dass Power Metal mit ner Menge Gitarrengeschrabbel eben doch ziemlich zieht.

Setlist MYSTIC PROPHECY (Pain Stage)

Eyes Of The Devil
Savage Souls
Die Now
Sacrifice Me
Endless Fire
Ravenlord
We Kill, You Die
Satanic Curses
Evil Empires

Einen leichten, aber sehr stimmungsvollen Stilbruch zur Vorband stellten nun CROWBAR dar, die ich, – ich gebe es zu – mit einem Bier und guter Laune auf dem Display des VIP-Zeltes verfolgt habe. Das war auch die richtige Entscheidung, denn mit ihrem fast ätherischen Wohlklängen, die ich für Doom allerdings noch als recht schnell empfunden habe, sind die Jungs aus Louisiana definitiv eine Band für den entspannten Nachmittag, aber was mich betrifft, weniger etwas zum Tanzen und Abgehen, was viele Andere offenbar anders sahen und mit heftigem Kopfnicken unterstützten.

 Setlist CROWBAR (Mainstage)

Conquering
New Dawn
Lasting Dose
Sever The Wicked Hand
Self Inflicted
High Rate Extinction
All I Had I Gave
Planets Collide
The Cemetery Angels

Stiltechnisch nicht gerade ähnlich ging es fast direkt im Anschluss an CROWBAR mit MONO INC. weiter, die von einer knallvollen Pain Stage und mit ordentlich Gebrüll empfangen wurden, um uns dann alle mit einem absolut geilen Auftritt aus den Socken zu reißen. Dabei stellten sie neben den vielen härteren Bands des Tages fast eine filigrane Ausnahme dar. Fronter Martin Engler war dabei, stilecht mit Glatze und Schlagschatten unter den Augen, so richtig geil bei Stimme. Da ist natürlich klar, dass seine Bitte nach Crowdsurfern schnell und zahlreich erhört wurde. Faszinierend an dieser Band aber war für mich die erste weibliche Drummerin des Tages (und eigentlich fast überhaupt), die nicht nur was fürs Auge bot, sondern auch wieder einmal eindrucksvoll bewies, dass die Metal Familie noch viel Raum für weibliche Unterstützung hat. Und das nicht nur an der Front. Besondere Glanzstücke des Gigs stellten für mich das Akustikstück „Passenger“ sowie natürlich die ewig dauerbrennende Doomhymne „Voices of Doom“ dar, die eigentlich bei keinem MONO INC.-Konzert fehlen darf. Echt sympathisch fand ich auch, dass die Jungs nach getaner Arbeit nochmal direkt in den Fotograben gehüpft sind, um ordentlich Fankuscheln zu betreiben. Vielleicht war diese Art von Sonderbehandlung auch nicht ganz uneigennützig, denn auf dem Summer Breeze war zeitgleich auch das Releasedatum ihres neuen Albums „After The War“ von dem sie auch gleich zwei Songs gespielt haben.

 Setlist MONO INC. (Pain Stage)

This Is The Day
Temple Of The Torn
After The War
Arabia
Passenger
Drum Solo
Revenge
Voices Of Doom
Get Some Sleep

Nach so viel negativer Publicity und der Tatsache, dass mich schon DIE KASSIERER am Vortag mit ihrem schlechten Ruf und ihrer dann doch vergleichsweise zahmen Show enttäuscht haben, musste ich MONO INC. zumindest kurz verlassen, um mir ESKIMO CALLBOY nochmal anzuschauen, wobei ich zugeben muss, dass ich sie ohne diesen extrem schlechten Ruf allein aufgrund des beknackten Namens schon gemieden hätte. Was mir von der Bühne entgegenblickte, war ein rosa Häschenkostüm, etwas, das vage an ein Seemannskostüm erinnert hat und Ähnliches, das mich eigentlich umso mehr davon überzeugt hat, dass ich im Partyzelt entweder in ein Kinderfasching geraten bin oder ausnahmsweise mal total fehl am Platze war. Ich muss allerdings gestehen, dass diese Art zu polarisieren offenbar nicht auf alle so abschreckend gewirkt hat, denn das Zelt war für diese Zeit brechend voll, die Stimmung gut und die Songs, die ich gehört habe (deren angeblich soooo schlimme Texte ich nicht wirklich mitbekommen habe) dürften rein von Rhythmus und Co her mit einem sehr direkten und krassen Sound wohl ganz gut gezogen haben, wenn es auch auf mich etwas klang wie Katzengejammer. Okay. Es muss einem nicht alles gefallen, oder?

 Setlist ESKIMO CALLBOY (Party Stage)

Intro
Is Anyone Up
5$ Bitchcore
Dramaqueen
Monsieur Moustache
Muffin Purpergurk
Wonderbra Boulevard
California Girls

Um kurz vor 16 Uhr hieß es mich ab zur Party Stage, denn HELHEIM hatten sich angeschickt, in die Schlacht zu ziehen. Als am Zelt ankam, war ich doch recht überrascht, dass ich trotz meines späten Erscheinens noch einen guten Platz recht weit vorne vor der relativ rar besuchten Bühne ergattern konnte. Zählen HELHEIM doch zu den Mitbegründern des Viking-Metal, was für mich auch ausschlaggebend war, mir die Jungs endlich mal live zu Gemüte zu führen, war das für mich eher verwunderlich. Kaum hatte ich es mir in der Menge gemütlich gemacht, betraten die mit Kettenhemden behangenen Nordmänner auch schon die Bühne und stiegen direkt mit dem Kracher „Maor“ ein, gefolgt von „Warlot“. Allerdings muss ich eine frühere Aussage von mir revidieren, nämlich, dass cleaner Gesang bei dieser Art von Metal nichts zu suchen hat. Von den HELHEIMERn musste ich mich hier eines Besseren belehren lassen. Wenn‘s so gut gemacht ist, passt das absolut und bereichert die ganze Sache ungemein. Ein bisschen Kritik muss ich aber auch anbringen. Die vielen Einspieler hätten echt nicht sein müssen. Samples zerstören bei mir immer ein bisschen das Livegefühl. Mein Groll über diese Konservenstückchen war aber in dem Moment wie verflogen, als plötzlich Basser V´gandr neben mir auftauchte, der sich spielenderweise für ein Spaziergang zwischen den Fans von der Bühne verdrückt hatte. Mir hat‘s sehr gut gefallen und bei der nächsten Gelegenheit, werde ich wieder vor der Bühne stehen.

 Setlist HELHEIM (Party Stage)

Maðr
Warlot
Viten og Mot (Årvåkenhet)
Jernskogen
Nattravnens Tokt
Dualitet og Ulver

Warum ich? Warum, warum, warum? Womit hab ich das verdient? Um das kurz zu erklären: Meiner bescheidenen Meinung nach hat alles, was mit „core“ aufhört, nicht viel bis gar nix mit Metal zu tun. Leider „musste“ ich mir (entsprechend unserer Planung) trotzdem UNEARTH auf der Mainstage reinziehen. Also schnell ein kühles Blondes geholt und ab nach hinten mit dem Arsch in die Wiese. Als die fünf Amis dann loslegten, war ich ganz kurz tatsächlich überrascht. Ich fühlte mich auf einmal an guten Death Metal und ein bisschen auch an meinen geliebten Thrash Metal erinnert. Als Sänger Trevor Phipps dann ins Micro pupste, war meine Stimmung auch schon wieder im Eimer und auch der genretypische Klargesang von Rhythmusgitarrist Ken Susi verstärkte meine dunkle Stimmung noch. Wie schon erwähnt, Metalcore ist einfach nicht meine Musik. Ich möchte den Jungs hier also nicht ihr musikalisches Können absprechen.  Ist nur meine Meinung. Naja, so ist eben mit den Meinungen, sie sind wie Arschlöcher, jeder hat eins. Den Fans vor der Bühne schien es jedenfalls mehr als zu gefallen und das zeigten sie mit diversen Circlepits in der bratenden Sonne. Auf der Bühne war ebenfalls jede Menge Bewegung zu sehen und Fronter Trevor schaffte es die Meute so anzuheizen, dass die Securitys die Feuerwehrschläuche rausholen mussten, um die Fans abzukühlen.

Als ich am Donnerstag schon in weiser Voraussicht das nette Zigarettenmädel im Pressebereich mit der Frage genervt hatte, was ich tun müsse, um auf die Camel Stage zu kommen, bekam ich leider kein unmoralisches Angebot, sonder musste nur einen Gewinnspielwisch ausfüllen. Also, falsche Daten eingetragen, Feuerzeug kassiert und das kleine weiße Bändchen umgeschnallt. Schon stand einem gemütlich Freitag-Nachmittag bei sengender Sonne und guter Mucke von BLACK SHERIFF nichts mehr im Wege. Pünktlich um 16.30 Uhr enterten die schwarzen Gesetzeshüter dann auch die Camel Stage und brannten ein Feuerwerk von heißen Gitarrenriffs, wummernden Basslines, einem knackigen Schlagzeug und einer so richtig schön abgefuckten Reibeisenstimme ab. Eine schöne Mischung aus THIN LIZZY, AIRBOURNE und TURBONEGRO, irgendwas zwischen Rock und Punk, durfte ich von meinem perfekten Platz auf der Tribüne erleben. Einen Nachteil gab es allerdings dann auf der Cameltribüne doch: Ich konnte mir die köstlichen Bierduschen vor der Bühne leider nur anschauen, nicht aber kosten. Wenn die Leute zwischen den großen Bühnen hin und her wanderten, blieben viele auch mal anerkennend-Kopfnickend stehen, bevor sie weiterzogen. Nächstes Jahr würde ich die Jungs dann bitte mal auf einer der großen Bühnen sehen.

 Setlist BLACK SHERIFF (Camel Stage)

Shit
Last Night
Turn Me On
Running One
Starmageddon
Be Your Man
I Want You

Es wurde am späten Nachmittag voll vor der Pain Stage, denn die Ägypten-affinen NILE gaben sich die Ehre. Das war etwas, was man sich als Death Metal-Fan nicht entgehen lassen konnte. Unglaublich souverän zimmerten die Vier ihren anspruchsvollen technischen Todesblei in die Menge, so dass einem nicht nur vom Headbangen, sondern nur vom bloßen Zusehen/ Hören schwindelig wurde. Dabei wirkten sie so, als wäre es das normalste der Welt und ließen zu keiner Zeit Zweifel daran, dass sie ihr Fach beherrschen. Oft besteht die Gefahr bei solcher Musik das Publikum nicht „abzuholen“, NILE jedoch kreierten eine wunderbar düstere und mysteriöse Atmosphäre, mit der sie bis in die hinteren Reihen jeden einzelnen einfangen konnten.

 Setlist NILE (Party Stage)

Sacrifice Unto Sebek
Defiling the Gates of Ishtar
Ithyphallic
Supreme Humanism of Megalomania
Permitting The Noble Dead To Descend To The Underworld
4th Arra of Dagon
Sarcophagus
Lashed to the Slave Stick
Black Seeds Of Vengeance

2008, quasi aus der Not heraus, gründete Tuomas Saukkonen die Band BLACK SUN AEON, um die Lieder, die nicht so recht ins Programm seiner Hauptband BEFORE THE DAWN passen wollten, nicht der Öffentlichkeit vorenthalten zu müssen. Vier Jahre und mittlerweile drei Alben später, spielten die drei Finnen bei besten Wetter im Partyzelt, um den Metalheads zu zeigen, dass ihr Genre nicht immer nur voll auf die Fresse gehen muss, sondern durchaus auch mal melancholisch, ruhig und zähfließend sein kann. Besonders interessant fand ich, dass jeder der drei Musiker auch mal das Mikro malträtierte. Bandleader Tuomas, kam mit sehr starken Growls daher, Sänger Mynni Luukainen, begeisterte mit seinem tiefen, eindringlichen Kehlgesang und Saitenzupfer Mikko Heikkilä überzeugte mit einer klaren Stimme. Zusätzlich verstärke Janica Löhn, die nicht nur verdammt hübsch auf der Bühne anzusehen war, sondern auch mindestens genauso gut mitsang, das Trio. Vom in diesem Jahr erschienen Album „Blacklight Deliverane“ wurden die Songs „Solitude“, „Oblivion“ und „Nightfall“ gespielt, die alle drei bombisch beim Publikum ankamen.

HATEBREED und CROWBAR auf einer Bühne gibt’s nicht? Gibt’s doch! Zumindest auf dem Summer Breeze wurde es um kurz nach sechs „bittere“ Wirklichkeit und wer sich nun fragt, wieso ich so am Heulen bin, der weiß, dass ich sehr ungern über Bands schreibe, deren Können und Kunstfertigkeit ich zwar bewundere, mit deren Stil ich mich aber zumindest was Jamey Jasta (seines Zeichens Frontsau von Hatebreed) betrifft, nicht anfreunden kann. Wie dem auch sei: Ich war ebenfalls vor einer recht ansehnlich besiedelten Bühne und habe mir das Ganze dann doch mit einem Becherchen und zwei Freunden angetan, um festzustellen, dass ich mit meiner vorgefassten Meinung ins Schwarze getroffen habe und mal wieder nur sagen kann, dass hier Musik gespielt wurde, die live und betrunken ziemlich Laune macht, selbst, wenn ich mir von ihnen nie eine CD anhören würde. Dabei war der Stil des gesamten Sets natürlich unverkennbar HATEBREED-Auf-die-Fresse-Metal. Da war es für mich verwunderlich, dass der von mir erwartete und erwünschte Moshpit sich bis zum Ende des Konzertes, wenn überhaupt nur in schüchternen Ansätzen gezeigt hat, um dann direkt wieder in der Menge zu verschwinden. Was ist geschehen? War der Name verwirrend genug für alle, die was mit der Musik anfangen können, um schlichtweg nicht aufzutauchen? Egal, was es war, ich hätte mir doch ein bisschen mehr Bewegung gewünscht.

Setlist JASTA VS. WINDSTEIN (Mainstage)

Begging For The Truth

Free The Fallen

Enlightened To Extinction

Monuments Of Ash

Lead The Ghosts

Astray

Behind The Blackest Tears

Buried In Black

Leader Into Demise

Soldiers Of Hell

The Fearless Must Endure

Mourn The Illusion

Walk That Path Alone

Nothing They Say

Death Bestowed

Screams From The Sanctuary

Enslaved, Dead Or Depraved

I Will Be Heard

„Saksenland“, „Een Nieuw Begin“, „Als De Dood“, „Beest Bij Nacht“. Nein! Mir ist nicht plötzlich die deutsche Sprache abhanden gekommen, vielmehr handelt es sich hierbei um Songtitel der niederländischen Metalband HEIDEFOLK, die am frühen Freitagabend das Partyzelt rockten. Als ich den Name dieser Band das erste Mal auf meiner ToDo-Liste las, dachte ich mir: Oh Gott, bitte nicht noch so eine mittelmäßige Folk-Metal Band, die es aus dem Underground geschafft hat. Mit dem, was die sechs Herren aus dem niederländischen Gelderland mir dann aber präsentierten, hatte ich wirklich nicht gerechnet. Klarer Männergesang im Doppelpack, melodische Gitarrenläufe, Violinen und Flöten. Dieser wirklich mal originellen und sehr gut dargebotenen Mischung, hätte sich selbst Frau Antje nicht entziehen können und auch den mäßig versammelten Horden im Zelt ging es da nicht anders. Die Stimmung war großartig und man konnte jede Menge fliegender Haarschöpfe sehen. Jedem, der‘s verpasst hat, sei gesagt: Pech gehabt, selber schuld!!!

 Setlist HEIDEVOLK (Party Stage)

Nehalennia

Ostara

Saksenland

Een Nieuw Begin

De Toekomst Lonkt

Als De Dood

Beest Bij Nacht

Vulgaris Magistralis

Oh, mein Gott! Was kann man zu SIX FEET UNDER sagen? Sie kamen auch auf dem diesjährigen Summer Breeze einfach episch, böse und laut daher. Dazu gab’s – wie man es kennt – eine Lightshow, die jeden Epileptiker erfreut hätte, eine gekonnte Anheize von Frontmann Chris, dessen Dreads teilweise ziemlich chaotisch verwuschelt daherkamen, wie man es halt nicht besser kennt und auch nicht anders will. Leider brachten seine Bemühungen auf dem diesjährigen Gig teilweise recht wenig. Während die vorderen Reihen ordentlich mitgingen, schienen die Hinteren irgendwie nicht richtig abgeholt zu werden. Dabei ist es doch so einfach: Kopf rauf, Kopf runter, Kopf rauf, Kopf runter – und jetzt etwas schneller und härter! – Das nennt man“Headbangen“! Die nächste Lektion ist dann der ordentliche Mosh, den es dann gottseidank in den vorderen Reihen noch gegeben hat. Auch ein paar Crowdsurfer ließen sich vereinzelnd blicken. Insgesamt würde ich den Gig als gelungen bezeichnen, hab ihn aber nicht als besonderes Highlight des Festivals mitgenommen.

Setlist SIX FEET UNDER (Pain Stage)

Stripped, Raped And Strangled (CANNIBAL CORPSE Cover)

No Warning Shot

Revenge Of The Zombie

Feasting On The Blood Of The Insane

Victim Of The Paranoid

Human Target

Reckless

The Day The Dead Walked

Seed Of Filth

Deathklaat

Shadow Of The Reaper

Silent Violence

Torn To The Bone

Beneath A Black Sky

Hammer Smashed Face (CANNIBAL CORSPE Cover)

T.N.T. (AC/DC Cover)

Nicht kleckern! Klotzen! Wenn‘s einen Menschen auf dem Summer Breeze 2012 gab, der dieses Motto verkörperte wie kein Anderer, dann war es wohl Tuomas Saukkonen. Um kurz vor sechs stand, bzw. saß er noch mit seinem Nebenprojekt BLACK SUN AEON auf der Partystage hinter seinem Schlagwerk und um kurz vor sieben war er schon wieder mit der Klampfe in der Hand zusammen mit seinen Mannen von BEFORE THE DAWN auf demselben Arbeitsplatz wie eine Stunde zuvor. Leider honorierten diese Leistung nur wenige Leute, denn ein Blick ins Zelt ließ doch gähnende Leere in der hinteren Zelthälfte erkennen. Den Fans, die es geschafft hatten, ihre feisten Ärsche vor die Bühne zu bewegen, wurde melodisch-melancholischer Dark Metal mit starkem Death-Einschlag geboten. Außer den beiden Songs “ Wraith“ und „Fear Me“, vom Album „Deathstar Rising“, bzw. „Deadlight“, wurden nur Titel vom neuen Album „Rise Of The Phoenix“ gespielt. Alles in Allem eine nette Dreiviertel-Stunde.

Setlist BEFORE THE DAWN (Party Stage)

Intro

Pitch-Black Universe

Wraith

Fear Me

Throne Of Ice

Eclipse

Fallen World

Unbreakable

Phoenix Rising

WITHIN TEMPTATION legten für ihre Verhältnisse mit „Shot in the dark“ eigentlich direkt zu Beginn schon ein ziemliches Tempo vor, was sie allerdings trotzdem nicht davor bewahrt hat, dass sich eine hohe Anzahl der vor allem männlicheren Individuen der Schöpfung mosernd ins Partyzelt verkrochen hatten, wo baldigst INSOMNIUM ein Kontrastprogramm bieten sollten. Ich selbst war da etwas zwiegespalten: Einerseits haben es die Jungs von INSOMNIUM in sich, andererseits war ich ja zum WITHIN-TEMPTATION-Schreiben eingeteilt und mag die jodelnde Symphonic-Metallerin und ihre Mannen ganz gerne. So habe ich mich dann schließlich schweren Herzens entschlossen, meine Zeit zu teilen, um beide Bands zumindest teilweise zu sehen. Und was ich vor der Mainstage gesehen habe, hat mich ziemlich überzeugt, zumal viele Songs von der schon etwas älteren aber aktuellen Platte „The Unforgiving“ gespielt wurden, die ich (jaja… dies ist wohl dann mein Coming-Out…) gelegentlich heimlich zur Entspannung höre, wenn ich sicher bin, dass mich niemand von meinem WITHIN TEMPTATION-hassenden Umfeld dafür auslacht. Natürlich und leider darf bei einem solchen Auftritt der Dauerbrenner „Ice Queen“, den ich gar nicht mal so gut finde, fehlen. Man kann es aber nicht Allen Recht machen und die Resonanz der Menge zeigt ja doch, dass der Titel immer wieder ziemlich gut ankommt. Gerade bei diesem Song hat man natürlich Kopfstimme bis Ende und – Verdammt! – mir würde bei sowas die Puste ausgehen. Dabei war die gute Sharon auf dem Summer Breeze zwar in ein sehr gewagtes Prinzessinnen-Alufolienkleid gehüllt, dass stellenweise harsch kritisiert wurde, doch – was viel wichtiger ist – fast besser bei Stimme als auf CD, sod ass ich sagen würde: Ein unvergessliches Konzert für jeden, der auf diesen Stil steht – und das waren offenbar viele, denn der Bereich vor der Bühne war brechend voll. Dann mal schnell auf zu INSOMNIUM…

Setlist WITHIN TEMPTATION (Main Stage)

Intro-Film

Shot In The Dark

In The Middle Of The Night

Faster

Fire And Ice

Ice Queen

Our Solemn Hour

Stand My Ground

Sinéad

What Have You Done

Iron

Angels

Jillian (I’d Give My Heart)

Neverending Story

Mother Earth

Zur besten Freitagabend-Sendezeit erhöhte sich die Zuschauerquote deutlich im Partyzelt, denn der Finnenvierer INSOMNIUM schickte sich an, eine Melodic Death Metal Show par excellence darzubieten. Schon beim ersten Song „Inertia“, dem Opener des aktuellen Albums „One for Sorrow“, entfachten die Jungs ein musikalisches Feuerwerk. Folglich war der Jubel groß und alle Pommesgabeln gingen ab dem ersten Ton in die Höhe. Diese Stimmung hielt das gesamte Set über an, das ausschließlich aus Leckerbissen bestand. Beim dritten Titel „Weather the Storm“ gab sich sogar Mikael Stanne von DARK TRANQUILITY (die kurz danach auf der Painstage spielten) die Ehre als Gastsänger, was das Publikum wiederum mit einem Meer aus Pommesgabeln quittierte. Später bei „Through the Shadow“ erreichte der Gänsehautfaktor seinen Höhepunkt, bevor zwei Songs später mit „One for Sorrow“ der krönende Abschluss stattfand. Seelig und glücklich grinsend verließen schließlich alle Beteiligten den Ort des Geschehens. Für mich eindeutig DAS Konzert des Summerbreeze.

 Setlist INSOMNIUM (Party Stage)

Inertia

Only One Who Waits

Weather The Storm

The Killjoy

Unsung

Through The Shadows

Mortal Share

One For Sorrow

Eigentlich gibt es für manche Bands, manche Konzerte, manche Erlebnisse keine Worte. Ich habe DARK TRANQUILITY auf dem Summer Breeze Festival nicht nur gehört und gesehen, sondern ihren sehr melodiösen Death Metal-Sound nahezu in mich aufgesogen und ich kann kaum beschreiben, wie unglaublich fertig mich dieses Konzert gemacht hat. Allein die Show – ein riesiger Display, der LSD-Traum-artige Bilder ins Publikum geworfen hat, hat mich förmlich in sich hinein gezogen, während Teile der Songtexte fast unzusammenhängend über den Bildschirm flatterten und gnadenlos genial von einer Welle absolut perfekt darauf abgestimmter Musik unterlegt wurde. Da brauchte es kaum noch Anreize, von dem sehr souveränen Fronter Mikael Stanne, der seine Songs fast kommentarlos ins Publikum geschleudert hat. Habe ich mich zuvor noch über wenig Bewegung in der Menge geärgert, so kann man bei Bands wie dieser einfach nur verstehen, warum man da staunend einfach gar nichts tut und einfach nur mal die Klappe hält, wie das viele Leute des fast vollständig schweigenden Publikums getan haben, um zuzuhören. Klingt übertrieben? Find ich nicht! Für mich war dieses Konzert der absolute Oberhammer, dass sich mit Worten kaum richtig unterlegen lässt – und bevor man sich genau bewusst war, dass man gerade das vielleicht heidengenialste Konzert des Jahres hört, war es schon wieder vorbei. Genial, genial und genau passend.

Setlist DARK TRANQUILLITY (Pain Stage)

Terminus (Where Death Is Most Alive)

In My Absence

The Treason Wall

The Wonders At Your Feet

The Mundane And The Magic

Inside The Particle Storm

Zero Distance

The Sun Fired Blanks

Misery’s Crown

ThereIn

Final Resistance

The Fatalist

Jedes Jahr spielt auf dem Breeze mindestens eine Band wie OHRENFEINDT – und jedes Jahr sagt mir die böse Band-Verteilerfee, dass ICH darüber schreiben soll. Warum? Hab ich irgendwas Schlimmes getan?! – Ein Glück für mich war, dass ich von dem genialen Sound von DARK TRANQUILITY noch so geflasht war, dass sich meine Verärgerung in Grenzen hielt und ich tapfer und wacker mit der Miene des entspannten Zen-Mönches die ersten paar Songs durchhielt. Versteht mich nicht falsch: Ich bin tatsächlich der Ansicht, dass solcherart Musik durchaus seine Daseinsberechtigung hat, was ja auch von den relativ zahlreich hervorgetretenen Zuschauern unterstrichen wurde. Ich mag nur einfach keinen Deutschrock. Das funktioniert für mich nun wirklich nur in den seltensten Fällen – und eine Band, die dann noch mit Songtiteln à la – ach, lest euch doch einfach die Setlist durch… – einen auf unglaublich böse und verrucht macht, hat bei mir sowieso schon verloren. Immerhin ist es bei mir mittlerweile Tradition, dass ich alle Jahre wieder eine Combo sehe, die für mich nach unflätigem Schlager klingt. Sympathisch immerhin war die Mundharmonika. So ein Instrument sucht man auf dem Summer Breeze eigentlich sonst vergeblich. Nun denn, hat’s in meinen Ohren auch nicht viel besser gemacht…

Setlist OHRENFEINDT (Camel Stage)

Ich brauch nen Job in der Bank

Zu jung, zu schnell

Rock’n’Roll Mädchen

Mit Vollgas und Blaulicht

Ein aller letztes Mal

schwarz auf Weiss

Spiel mit dem Feuer

Kalter Kaffee

Kann ich dich nach Hause fahrn?

was der Doktor mir verschrieben hat

Motormädchen

Valerie

Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren

Energie

Parasit

Zum Rocken geboren

Harley-Luja

Rock’n’Roll Sexgott

Alles auf Rot

Es wird Tag auf St. Pauli

Ohrenfeindt

Um 22 Uhr war Geschwisterpower auf der Party Stage angesagt. Die drei brasilianischen Brüder von KRISIUN hatten zum geselligen Kopfschütteln und Haareschleudern geladen. Und wenn eine solche Death-Metal-Legende ruft, antworten die Fans natürlich in rauen Mengen. Alter Schwede, für das was da auf der Bühne abging, fällt mir nur ein Wort ein: PRÄZISE! Ich kenne kaum eine Band, in der die Mitglieder ihre Instrumente derart perfekt beherrschen. Zu keiner Zeit hatte man das Gefühl, dass es nur noch eintönig rumpelt, oder langweilig technisch gefrickelt würde, wie es leider so oft Old-School-Death-Metal passiert. Dem gewaltigen Moshpit vor der Bühne konnte ich jedenfalls entnehmen, dass ich nicht der Einzige war, der so dachte, und nachdem die Brüder mich zum Schluss auch noch mit „Kings Of Killing“ für das meinerseits schwer vermisste „Course Scolls“ entschädigten, konnte ich absolut zufrieden gestellt, zum Bierstand rüber, um mich mal wieder ein bisschen runter zu kühlen.

Setlist KRISIUN (Party Stage)

Ominous

Combusting Inferno

The Will To Potency

Vicious Wrath

Ravager

Descending Abomination

Hatred Inherit

Blood Of Lions

Kings Of Killing

Dunkel war nicht nur der klare Himmel über der Mainstage als die „Sons of Northern Darkness“ die Bühne betraten. Frenetisch wurden sie vom Publikum empfangen und begannen ohne Umschweife mit den beiden Hymnen „Withstand the Fall of time“ und „Solarfall“ vom grandiosen 99er Album „At the Heart of Winter“. Die sehr gut abgestimmte Licht- und Pyroshow untermalte die düstere Atmosphäre wunderbar. Abbath zeigte durch sein Gepose sowie seine Ansagen mal wieder, wo der Teufel die Hörner hat, wobei dies immer mit einem gewissen Augenzwinkern und einem guten Schuss Selbstironie geschah. Für manche beiwohnenden Kollegen war das aber doch zu viel des Bösen, wie dann auch lautstark verkündet wurde mit: „Oh Mann, noch mehr Blackmetal-Klischees und mir wächst gleich ’n Teufelshorn aus’m Arsch“. Sei’s drum… Musikalisch boten IMMORTAL einen guten Streifzug durch ihre Diskographie, welcher auch soundtechnisch sehr gut in Szene gesetzt wurde. Alles in Allem ein toller Headliner am Freitagabend, wenn auch die nicht so Black Metal-Affinen sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen konnten.

 Setlist IMMORTAL (Main Stage)

Withstand The Fall Of Time

Solarfall

Sons Of Northern Darkness

Rise Of Darkness

Damned In Black

Triumph

At The Heart Of Winter

In My Kingdom Cold

Tyrants

One By One

Beyond The Northwaves

All Shall Fall

The Sun No Longer Rises

Den Abschluss auf der Painstage machte am Freitag die Mittelalterband CORVUS CORAX und dieses Schlusskonzert hatte sich im Gegensatz zu vielen anderen mittelalterlichen Musikanten gewaschen. Punkt Mitternacht ging‘s los und weil ein Intro vom Band ja jeder kann, hatten sich die Kolkraben was ganz besonderes einfallen lassen. Die Taiko-Truppe WADOKYO aus Düsseldorf begrüßte die zahlreich erschienenen Metalheads zu Beginn des Gigs mit ihren mächtigen Trommeln. Moshpits, Cyrclepits oder Ähnliches suchte man vor der Bühne vergebens, dafür sah man jede Menge runterklappende Kinnladen, konnte man doch die Show die danach folgte nur mit einem Wort beschreiben: BOMBASTISCH!!! Aber niemand hatte wohl auch weniger erwartet. In ihren authentischen Kostümen boten die „Könige der Spielleute“, wie sie zu Recht auch genannt werden, hauptsächlich Stücke von ihrem aktuellen Album „Sverker“ feil, welche super bei den Fans ankamen. Aber auch die Klassiker kamen natürlich nicht zu kurz.“Mille Anni Passi Sunt“, „Venus Vina Musica“ und „In Taberna“ stimmten die Traditionalisten unter Fans gnädig. Zum Abschluss kamen WADOKYO nochmal auf die Bühne um die Spielmannsleute bei „Na Lame Se“ auf ihren Taikos zu begleiten, bevor das Konzert mit einem, im wahrsten Sinne der Wortes, großen Knall endete.

 Setlist CORVUS CORAX (Pain Stage)

Gjallarhorni

Sverker

Fiach Dubh

Mille Anni Passi Sunt

Venus Vina Musica

In Taberna

Bibit Aleum

Havfrue

Ragnarök

Na Lame Se

Auf das nächste Ereignis hatte ich mich gefreut wie´n Schnitzel. Es kündigte sich immerhin ein Deutsches Deathmetal-Urgestein im Partyzelt an. Wiederauferstanden von den Toten sollten MORGOTH um Mitternacht das Zelt zum Wackeln bringen. Ok, das Zelt blieb (zum Glück)standhaft, während der im Patyzelt verlegte Holzboden doch deutlich ins Schwanken geriet – oder war ich es selbst??? Ein großer Teil des Publikums ließ sich jedenfalls von den durchaus gut gelaunten Sauerländern zum Feiern überreden und wurden mit Klassikern der Morgoth- Diskographie belohnt. Huch?? Da passt man einen kurzen Moment mal nicht auf, da ist Frontmann Marc Grewe von der Bühne verschwunden…aber der Gesang tönt noch unverändert aus den Boxen…ah, da hat er sich versteckt: Offenbar war ihm die Luft in Bühnenbodennähe zu stickig geworden, und hatte sich zu einer Klettereinlage auf die Traverse in luftigere Höhen verstiegen. Für mich persönlich ein weiteres Highlight des 2012er Breeze.

 Setlist MORGOTH (Party Stage)

Body Count

Exit To Temptation

Unreal Imagination

Resistance

Suffer Life

Sold Baptism

Under The Surface

White Gallery

Pits Of Utumno

Isolated

Tja, das war wohl der berühmte Satz mit X. Zugegeben: 2.20 Uhr ist spät und nach drei Tagen Party pur kann auch mal stärkste Metaller etwas abschlaffen, aber was bei MENHIR auf der Partystage abging, spottete etlicher Beschreibung. Obwohl die fünf Thüringer sich alle Mühe gaben, schafften sie es einfach nicht, das spärlich gefüllte Zelt in Stimmung zu bringen. Zu allem Überfluss hatten die Jungs auch noch mit Soundproblemen zu kämpfen. Besonders bitter dürfte dieser Umstand wohl Keyboarderin Franzi gewesen sein, die die Bühne nach ihrem Auftritt mit EISREGEN gar nicht erst verlassen hatte. Rein vom Spielerischen gab‘s meinerseits sonst jedenfalls nichts auszusetzen.

Am frühen Samstagmorgen gab‘s für die Freunde des gepflegten Funeral-Doom, zu denen ich mich dank dieser Band mittlerweile auch zähle, noch ein ganz besonderes Betthupferl. AHAB schipperten abermals nach 2008 und 2010 zum nunmehr dritten Mal auf der Partystage umher und meine Vorfreude hätte nicht größer sein können, vor Allem, weil ja auch, aufgrund des neuen Silberlings „The Giant“, was Neues zu erwarten war. Um Punkt 3.20 Uhr konnte man, nachdem die Bühne in dunkles, blaues Licht getaucht worden war, Meeresrauschen und Seemöwengeschrei hören. Kurze Zeit später ging‘s mit „Old Thunder“ auch schon direkt rein in die musikalischen Sphären von Kapitän Christian R. Hector und seiner Mannschaft. Irgendwann während dieser Zeit, entschied ich mich dazu, aufgrund meiner doch arg schmerzenden Beine, mich lang zu machen und das Konzert einfach im Liegen zu genießen. Dieser Hochgenuss wurde mir leider durch die sehr fürsorglichen Sannis verdorben, die mich immer wieder mit einer Alkoholleiche verwechselten. Naja, im Stehen konnte ich mehr sehen, und was ich da sehen konnte, war der Oberhammer. Die vier Leichtmatrosen, zeigen ihren Fans mal ganz schwer, wo der Frosch die Locken hat und mit „Deliverance“ und „The Hunt“ ging‘s nahtlos brachial weiter im Set. Zum Schluss gaben die alten Walfischfänger dann noch „Antarctica The Polymorphes“ vom neuen Machwerk zum Besten und hinterließen eine total geflashte, übermüdete, aber glückliche Meute vor der Bühne. AHAB haben auch dieses Mal wieder trotz der späten Uhrzeit, die ganz fette Beute gemacht. Bettzeit!

 Setlist AHAB (Party Stage)

Old Thunder

Deliverance (Shouting At The Dead)

The Hunt

Antarctica The Polymorphess

Samstag, 19.08.2012

Morgens um 11:35 Uhr und in sengender Mittagssonne legten NIGHT IN GALES trotz der widrigen Umstände ein tolles Konzert hin. Musikalisch und optisch voll auf der Höhe, war den Jungs anzumerken, dass sie enorm Bock aufs Zocken haben. Leider war es vor der Bühne nicht ganz so voll. Mit ihrer Energie konnten sie aber die bereits erschienenen, noch etwas benommenen Zuhörer anstecken und so einen gelungenen und äußerst sympathischen letzten Tag auf der Mainstage einläuten. Oder um es mit den Worten von Sänger Björn zu sagen: „Viel Spaß beim Frühstück und beim Kacken!“. Die Jungs hätten eindeutig mehr Publikum verdient, aber irgendwer muss ja zum Frühschoppen einleiten.

 Setlist NIGHT IN GALES (Main Stage)

Intro: Epitaph

This Neon Grave

Days Of The Mute

Tragedians

Five Scars

Endtrip

Intruder

Void Venture

Autumn Waters

Uh! Die nächste Band des Tages war gleich so ein Klopper… mit Deutsch Rock/ Metal/ Punk konnte ich ehrlich gesagt noch nie viel anfangen, und dann musste ich mir auch noch dieses pseudopolitische „wir-hassen-Mainstream“-Geschrei von der Painstage anhören, das mich nun so wirklich gar nicht vom Hocker reißen konnte. Zugegeben bin ich auch echt nicht die richtige Person, um mir so was anzuhören, da ich alles, was in deutscher Sprache gesungen wird, fast schon von vornherein aus meiner Favoritenliste verbanne. Dementsprechend wundert es wohl nicht, dass mir BETONTOD nicht viel geben konnten. Ganz davon abgesehen, dass ich die Bandtexte nicht einmal hätte ignorieren können, wenn ich es denn gewollt hätte und die in fast jedem Song auftauchende Aussage „Wir sind ja sooo anders!“ eigentlich auch nicht bestätigen kann. Stiltechnisch ist BETONTOD in meinen Augen nun nicht wirklich gänzlich anders. Irgendwie ein bisschen auf der Schiene „FREIWILD und ONKELZ“. Vielleicht fehlt mir auch das Ohr für diese Art von Musik. Immerhin haben es die Jungs mit einer guten Portion Sauflieder und viel Gegröle geschafft, zumindest die wenigen vor der Bühne Erschienenen zu begeistern und die vielen Fan-T-Shirts der Band, die einem beim Gang über das Festivalgelände entgegengekommen sind, haben eigentlich eine deutliche Sprache darüber gesprochen, dass man sich über Geschmack wohl noch immer nicht streiten kann.

 Setlist BETONTOD (Pain Stage)

Schwarzes Blut

Feuer frei

Kinder des Zorns

Nichts

Popsongs

Glück auf

Viva Punk

Entschuldigung für nichts

Ewigkeit

Auf eine gute Zeit

Ja, ja… TANZWUT… Schön war, dass bei dieser Band der Name mal wieder Programm war und das hat das Publikum auch mit mindestens drei Metalpolonäsen und einer Menge Gehopse weidlich ausgenutzt, so dass es der gelungenen Anheize von Frontmann Teufel, der sehr darauf aus war, die Männer der Schöpfung zum Frauenanbaggern zu animieren, eigentlich gar nicht mehr bedurft hätte. Spätestens beim zweiten Song „Vulkan“ gab’s schließlich kein Halten mehr und der gesamte Platz war am Feiern. Für mich war natürlich der besondere Reiz dieser Band, dass gleich zwei Dudelsäcke auf der Bühne waren und auch das gekonnte Cover von „Bitte, Bitte“, dem in meinen Augen besten aller ÄRZTElieder, hat mich absolut mitgerissen. Ein Dudelsack macht Stimmung, gleich zwei davon machen Party! Eine Band, die sich mit dem Rest der mittelalterlicheren Stimmungsmacher des Festivals locker messen kann.

 Setlist TANZWUT (Pain Stage)

Weiße Nächte

Vulkan

Meer

Merseburger Zaubersprüche

Gift

Rückgratreißer

Der Wächter

Bitte Bitte

La Filha Dau Ladre

Ein Hoch auf die Wasserwerfer! Oder anders ausgedrückt: Habe selten ein Festival gesehen, wo die Männer von der roten Wache so viel Laune mitgebracht haben und auch bei NAGLFAR wurde wieder eine Wasserschlacht veranstaltet, die sich absolut gewaschen hatte. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass dieser fies grinsende Typ mit dem langen, dicken Schlauch ganz genau wusste, was er da tat, als er mich samt Notizblock und Kugelschreiber so durchnässte, dass an Notizen dieses Mal nicht zu denken war. Dabei war NAGLFAR nicht nur eine Band zum Tanzen und Schwitzen, sondern bei der Bullenhitze auch zum Sitzen und Unterhalten. Vermutlich war auch die frühe Stunde in Kombination mit der Bullenhitze der Grund, aus dem die Menge nicht sonderlich bewegungsgeil war und lediglich beim Kontakt mit dem kühlen Nass in euphorisches Jubeln ausgebrochen ist, während der Rest doch relativ leise und andächtig mit leichtem Kopfnicken angehört wurde. Ansonsten gab es bei NAGLFAR eine sehr poserige, aber nicht unbedingt schlechte Bühnenshow ohne viel Schnickschnack. Fazit: Musik war recht gut. Bühnenshow war recht gut. Wetter hat auch für genug Endorphine gesorgt. Aber irgendwas hat noch gefehlt, um die Zuschauer, einschließlich mir, vollends abzuholen.

 Setlist NAGLFAR (Main Stage)

Pale Horse

Spoken Words of Venom

The Darkest Road

The Perpetual Horrors

III: Death Dimension Phantasma

I Am Vengeance

The Brimstone Gate

A Swarm Of Plagues

Harvest

Wer zur Hölle ist AUDREY HORNE? Mag sich so mancher gedacht haben, der am letzten Tag des Summer Breezes einen Blick auf die Bandliste geworfen hat. Ja, AUDREY HORNE ist laut Google zunächst einmal ein weiblicher Charakter der Amiserie „Twin Peaks“ – aber die hatte natürlich auf dem Beeze nichts verloren, also haben sich die Norweger mit selbigem Bandnamen freundlicherweise bereit erklärt, ihren Platz im Partyzelt einzunehmen und haben es mit einer ordentlichen Mischung aus Melodie und Auf-die-Fresse ordentlich zum Wackeln gebracht, was nicht so viele Zuschauer mitbekommen haben, denn das Zelt war leider halb leer. (Ich als Optimist würde ja eher sagen „Halb voll!“) Sehr sympathisch war mir hierbei, dass sich Fronter und Sänger Torkiel in seinem blau-weiß gestreiften Pullover und einem sehr menschlich-normalen Auftreten zurück hielt und seinen übrigen Bandkollegen das Posen überließ. Sowas trifft man bei der Sängerdominierten Musikszene ja dann doch eher selten an, ist aber bei dieser Band vielleicht verständlich, da Gitarrist Arve ja ebenfalls bei der deutlich bekannteren Formation ENSLAVED mit von der Partie ist. Leider war der Sound im Zelt aber nicht wirklich gut. Klang alles etwas schwammig, vor allem in den hinteren Reihen, wo die hohen Zeltdecken den Sound fast zu verschlucken schienen. Ein Phänomen, das allerdings so nicht zum ersten Mal meine Ohren getroffen hat. Stiltechnisch war’s ansonsten aber sehr melodiös und eingängig, während ein dezenter Rauch aus der Nebelmaschine alles in ein irgendwie unwirkliches Halbdunkel getaucht hat.

 Setlist AUDREY HORNE (Party Stage)

Straight To Your Grave

This Ends Here

Show & Tell

Youngblood

There Goes A Lady

Bridges And Anchors

Redemption Blues

Es wurde voll vor der Painstage, als sich die schwedischen Death Metal-Urgesteine von UNLEASHED die Ehre gaben. Sie fackelten auch nicht lange und stellten von Anfang an klar, dass sie keine Gefangenen machen. Tight, voller Spielfreude und die Mähnen kreisend ballerten sie ein Todesblei-Geschoss nach dem anderen in die Menge. Bei „Wir kapitulieren Niemals“ zeigte sich dann, wie sehr die Nordmänner das Publikum im Griff hatten, als laut mitgegrölt und abgegangen wurde. Den ganzen Gig über gaben UNLEASHED das Zepter nicht aus der Hand, folglich hörte das große Moshpit vor der Bühne kaum auf zu wüten. Erst als der letzte Ton des Gigs mit „Hammer Batallion“ verklang, kehrte wieder Ruhe ein vor der Painstage.

 Setlist UNLEASHED (Pain Stage)

Destruction Of The Race Of Men

This Time We Fight

The Longships Are Coming

Fimbulwinter

To Asgaard We Fly

Wir kapitulieren niemals

Victims Of War

The Great Battle Of Odalheim

Hammer Batallion

Die Undergroundhelden von DESASTER gaben sich im Partyzelt die Ehre, um zu zeigen, dass man auch in Koblenz weiß, was Metal ist. Dazu schickten sich etliche Zuschauer an, um sich eine Portion Old-School-Thrash um die Ohren hauen zu lassen. Souverän und routiniert ließen die Pfälzer sich sogar von technischen Problemen bei Gitarrist Markus nicht aus der Ruhe bringen und zockten einfach ihren Stiefel durch. Mit Selbigem traten sie dann auch noch ihrem Gitarrenschrabbler gehörig in den Arsch und auch diese Probleme bekam man in den Griff. Ende gut, alles gut!

 Setlist DESASTER (Party Stage)

Satan’s Soldiers Syndicate

Sacrilege

Divinge Blasphemies

Splendour Of The Idols

Profanation

Hellbangers

Metalized Blood

Devil’s Sword

Es gibt leider nicht allzu viel zu sagen zu den Brasilianern an diesem Nachmittag. So gut wie ihre Landsmänner von KRISIUN konnten sie sich jedenfalls nicht präsentieren und litten etwas unter schwachem Sound, obwohl der neue, noch recht junge Drummer Eloy Casagrande wie ein Tier auf die Kessel eindrosch. Der Funke sprang auf mich an diesem Nachmittag jedenfalls nicht über. Für ein derartiges Thrash-metal Urgestein schlichtweg enttäuschend. Also flugs ins etwas schattigere VIP-Zelt, Bierchen dazu, und das Ganze über die Leinwand verfolgen…

 Setlist SEPULTURA (Main Stage)

Intro

Beneath The Remains

Refuse/Resit

Kairos

Relentless

Convicted In Life

Dialog

Choke

Mask

Substraction

Territory

Arise

Rattamahatta

Roots Bloody Roots

Mit einem ziemlich harten, knalligen Metal-Sound begrüßten uns hingegen NITROGODS auf der Camelstage und waren damit definitiv DER Lichtblick dieser Bühne – verglichen mit dem , was sich sonst so dort tummelte, wenngleich ich mit sehr wenig Erwartungen zu den drei Jungs aus Hannover ging. Publikumstechnisch war zwar nicht so extrem viel los, aber was da war schien meine Ansicht zu teilen und sich über diesen unverhofft guten Auftritt zu freuen.

Setlist NITROGODS (Camel Stage)

Black Car Driving Man

Licence To Play Loud

Take It To The Highway

Demolitian Inc.

Riptide

Rifle Down

At Least I’m Drunk

Lipsynch Starz

The Devil Delt The Deck

Medley

Back Home

Whiskey Wonderland

Going To Brazil

Zombietrain

Mercury Blues

Die italienischen Gothic-/ Alternative-Metaller des Tages, sprich LACUNA COIL,die hier zum höchsten Stand der mittäglichen Sonne ein Konzert geschmissen haben, das mir persönlich trotz einiger geringfügiger Schwierigkeiten sehr gut gefallen hat, schickten sich an diejenigen mitzureißen, die immer noch genug Kondition hatten. Nach anfänglichen Soundproblemen konnte man dann gottseidank auch Sänger Ferro hören, der zusammen mit seiner Partnerin Scabbia ein gesangliches Duett gab, das der Band ihren eigenen, unverwechselbaren Stil gibt – und nebenbei dafür Sorge trägt, dass sowohl den männlichen, als auch den weiblichen Zuschauern gehörig was fürs Auge geboten wird. Stiltechnisch ist das Ganze irgendwie in der Sparte „WITHIN TEMPTATION und NIGHTWISH in hart“ mit einer gehörigen Portion Individualität angesiedelt. Da die Sonne für mich dann doch etwas zu gleißend wurde, tat ich es vielen Festivalern gleich und verzog mich nach dem ersten Song „I don’t believe in tomorrow…“ in den Schatten der Mainstage, um das Konzert so zeitgleich von fern und vom großen Monitor zwischen den Bühnen aus zu beobachten. Wie sich für mich heraus stellte, war das genau der richtige Platz, denn die Show und die genialen Gesichtsspiele von Powerfrau Scabbia bekam man erst in den Closeups auf der Leinwand richtig mit. Stimmlich schienen die beiden Parts teilweise dann doch etwas aneinander vorbeizujodeln, aber ob das jetzt an meinem etwas seitlicheren Bühnenplatz gelegen hat, der der Akustik sicherlich nicht ganz förderlich war, oder an der Band, lasse ich mal einfach im Raum stehen. Gänzlich schlecht hat es sich in jedem Fall zu keinem Zeitpunkt angehört und sehr sympathisch war, dass die Ansagen hier eher kurz gehalten waren und so mehr Raum für die Songs an sich blieb, die mit der passenden Menge Souveränität gnadenlos ins Publikum gefeuert wurden. Etwas schade war im Endeffekt, dass das Publikum trotz der extremen Bewegungsfreude auf der Bühne – Sänger Ferro wirkte teilweise bei seinem Rumgehopse wie ein wütender Höhlentroll – nicht unbedingt gewillt war mitzugehen. Aber da ich mich ja, wie ich bereits sagte, selbst im Schatten verkrochen habe, kann ich mir gut vorstellen, woran das gelegen haben mag.

 Setlist LACUNA COIL (Pain Stage)

I Don’t Believe In Tomorrow

I Won’t Tell You

Kill The Light

Heaven’s A Lie

Our Truth

Upsidedown

To The Edge

Fragile

Swamped

Give Me Something More

Trip the Darkness

Spellbound

Von PARADISE LOST hatte ich, nachdem ich sie vor nicht allzu langer Zeit in der Frankfurter Batschkapp gesehen hatte, und ich – als Fan der ersten Stunde- höchst frustriert und enttäuscht den Heimweg antrat- nicht allzu viel erwartet. Dennoch wollte ich ihnen gerne eine Chance der Rehabilitation einräumen, und fand mich vor der Mainstage ein. Zunächst fiel mir das riesengroße Banner auf der Bühne auf, dessen Bild auch das Cover des neuesten Albums „Tragic Idol“ kürt. Aus diesem spielten sie dann auch mehrere Songs, wie „Honesty in Death“, Fear of Impending Hell“, „In This We Dwell“ und natürlich den Titelsong. Der aufmerksame Leser merkt also, dass die neuen Songs sehr gleichmäßig über das gesamte Set verteilt waren, so dass auch Fans und Freunde der älteren Stücke auf ihre Kosten kamen, was beim Publikum auch ziemlich gut gezogen hat. Und, ich muss es gestehen, sie haben es tatsächlich geschafft auch mich wieder auf ihre Seite zu holen. Hier jedenfalls hat für mich alles einfach gepasst und mit dieser Meinung stand ich wohl nicht gänzlich alleine da, wenn ich die Meute vor der Bühne bedenke, die jedoch bei Sonnenuntergang und Bullenhitze nicht extrem agil war.

 Setlist PARADISE LOST (Main Stage)

The Enemy

Honesty In Death

Erased

Forever Failure

Tragic Idol

Pity The Sadness

One Second

As I Die

Fear Of Impending Hell

Enchantment

In This We Dwell

Faith Divides Us – Death Unites Us

Say Just Words

NIFELHEIM, man muss halt drauf stehen. Ihren traditionellen Black/ Thrash Metal verkörpern die Herren allerdings mit jeder Faser. Mit Lederoutfit, Schminke und Nieten geschmückt kamen die fünf Schweden auf die Bühne. Dabei wirkte Frontmann Per „Hellbutcher“ Gustavsson allerdings oftmals eher wie eine Realsatire, wenn er mit schütterem Haar und wirrem Blick über die Bühne irrte. Auch die Musik rundete den etwas trashigen (nicht tHrashigen) Gesamteindruck ab. Auf das Konzept muss man halt stehen. Sehr roh präsentierte sich der Sound der Band auch an diesem Samstagnachmittag. Wie dem auch sei, die erschienenen Fans feierten die kultige Darbietung gehörig ab und moshten und grölten gehörig mit. Unterhaltsam ist die Show jedenfalls gewesen und so konnte man sich getrost noch ein Bier an der Theke holen und das Ganze auf sich wirken lassen.

 Setlist NIFELHEIM (Party Stage)

Evil Blasphemies

Black Evil

Possessed By Evil

Demonic Evil

Infernal Flame Of Destruction

War Of Doom

Bestial Avenger

Storm Of The Reaper

Storm Of Satans Fire

OOMPH! oder in Spötterkreisen auch „0,0 Miles Per Hour“ genannt, haben mich leider wirklich enttäuscht. Ich meine: Was war das?! Da hört man jahrelang nichts mehr von den Jungs aus Wolfsburg, nur um schließlich mit einer Hand voll Kerlen im Matrosenoutfit konfrontiert zu werden, wobei Fronter Dero Goi sogar noch roten Lippenstift à la „Joker“ aufgetragen hatte. Leider verlieh ihm das nicht wirklich das Flair eines Batman Bösewichtes, sondern gab mir eher das Gefühl, hier einer Art „Coming Out“ beizuwohnen. Auch die Rettungsringe und die maritime Aufmachung der Bühne haben irgendwie doch ziemlich an diverse Szenekneipen erinnert. In Wahrheit war es allerdings wohl eher eine Hommage an das neue, im Mai erschienene Album „Des Wahnsinns fette Beute“, dessen Titel „Seemannsrose“ sie dann auch, passend zur Klamotte, gespielt haben und der zumindest auf mich noch halbwegs Laune gemacht hat. Natürlich durften auch die üblichen Klopper wie „Augen auf“ und „Labyrinth“, das mit den Riffs von „We will Rock you“ eingeleitet wurde, nicht fehlen. Ah! Ich weiß, dass nicht jeder anwesende Fan so über die Maßen enttäuscht war, wie ich, dafür war der Platz vor der Bühne zu voll und die Stimmung zu ausgelassen – und doch war ich nach so vielen sonntäglichen Höhepunkten von diesem einen Tiefpunkt sehr erschrocken und glaube, dass die Jungs das besser können. Immerhin die Songs waren rein technisch gesehen gut gemacht, es gab Crowdsurfer und mächtig laute Party. Also muss der Auftritt wohl irgendwas gehabt haben, das ich beim besten Willen nicht sehen konnte. Hätte mir nebenbei erwähnt auch mehr Gesang und weniger Gelaber zwischen den Songs gewünscht. Solange gesungen wurde, war man immerhin vor den kreuzdämlichen Witzen und Ansagen von Dero gefeit. (Beispiel: „Wer von euch hatte schon mal Sex mit Britney Spears?“) – Ja super!

 Setlist OOMPH!

Intro

Unzerstörbar

Labyrinth

Mein Schatz

Bis der Spiegel zerbricht

Träumst Du

Kleinstadtboy

Mitten ins Herz

Gott ist ein Popstar

Seemannsrose

Niemand

Sandmann

Augen auf

Ah, eigentlich ist SICK OF IT ALL der übliche Hardcore-Punk-mit-Metal-Klamauk, macht aber doch irgendwie Laune, wenn man’s als Konzert miterlebt und es vor der Bühne richtig ordentlich aufs Maul gibt, so wie das hier der Fall war. Die New Yorker Jungs sahen zumindest Zweiteres offenbar ähnlich, also gab’s ordentlich Anheize von Sänger Lou Koller, sowie eine Aufforderung zum Circle Pit, die auch bestens erfüllt wurde – und das gleich mehrfach, wobei besonders amüsant zu beobachten war, wie die zahlreichen Crowdsurfer einer nach dem anderen in dieses unüberwindbare Hindernis vor der Bühne hineingefallen sind. Meiner Ansicht nach ist dies mal wieder ein gutes Beispiel für eine Band, die man einfach mal live erlebt haben muss.

Setlist Sick of it All:

Take the Night Off

Clobberin‘ Time

Good Lookin‘ Out

Machete

Death To Tyrants

Just Look Around

Us Vs. Them

A Month of Sundays

Injustice System

Die Alone

The Divide

Sanctuary

My Life

Friends Like You

Call to Arms

Scratch the Surface

Built to Last

Uprising Nation

Step Down

Mit ein paar Minuten Verspätung gaben sich ASPHYX um den Summer Breeze-Dauergast Martin van Drunen die Ehre. Allerdings kein Grund zur Sorge. Mit der kurzen Ansage Richtung Technik „Von uns aus kann’s jetzt losgehen“ machte man auch kurzen Prozess und entschädigte mit einem beängstigend tighten Gig. Das proppevolle Partyzelt bebte unter dem Oldschool-Deathmetal der Holländer und als das Gewitter vorüber war wollte man es gar nicht so recht wahr haben. Aber es gibt bestimmt demnächst irgendwo ein Wiedersehen. Das Warten lohnt sich.

 Setlist ASPHYX (Party Stage)

The Quest Of Absurdity

Vermin

Scorbutics

Into The Timewastes

M.S. Bismarck

Death The Brutal Way

Der Landser (German Version)

Deathhammer

Wasteland Of Terror

Forgotten War

The Rack

Wow! Hier hat wirklich alles so perfekt gesessen, dass mir echt die Spucke wegblieb. ASP rief auf zum entspannten Musikhören und Tanzen und die Menge folge bereitwillig und in Scharen. Was für ein geniales Konzert von einem genialen Musiker, dem es an Bühnenerfahrung nicht fehlt, der souverän und mit viel Sinn für szenische Darstellung ein Konzert gegeben hat, das seinesgleichen gesucht hat. Dabei war nicht nur der Galgen bemerkenswert, der ebenso schnell auf die Bühne gerollt wurde, wie er dann auch wieder verschwunden war, sondern auch diverse Publikumsspielereien, wie die zahlreichen Luftballons, die zu Anfang des Konzertes die spielfreudigen Zuschauer erfreuen konnten. Ein ganz besonderes Highlight war der Kunstschnee, der passend zum Song „Und wir tanzten“ in die Menge geblasen wurde. Eine Einlage, die zumindest mir trotz hitziger Temperaturen und trotz der Tatsache, dass Feuerwehrmänner mit Wasserschläuchen zuvor noch vergebens versuchten, die Menge abzukühlen, einen Schauer über den Rücken gejagt hat, der mir wirklich das Gefühl gab im tiefsten Winter zu sein. Wow. Einfach nur Wow! ASP ist sicherlich eine Band, die mich bisher nicht mit JEDEM Song, den sie geschrieben haben, begeistern konnte, doch griff hier einfach alles ineinander, wie ein wunderbar geöltes Uhrwerk. Besonders mir, als erklärtem „Krabat“-Fan, hat natürlich die wunderbare Performance des gleichnamigen Songs aus dem ebenso gleichnamigen Themenalbum gefallen, bei dem traditionsgemäß die schwarze Rabenfeder über das Publikum gehalten wurde, um während einer ultralangen, dramatischen Pause den letzten Refrain einzuleiten. Ernsthaft: Wer dieses Konzert verpasst hat, ist selbst schuld! Hab selten so eine überirdisch durchdachte und professionell durchgezogene Show erlebt!

 Setlist ASP (Pain Stage)

A Prayer For Sanctuary

Wechselbalg

How Far Would You Go

Eisige Wirklichkeit

Ich bin ein wahrer Satan

Krabat

Kokon

Werben

Schwarzes Blut

Und wir tanzten

Ich will brennen

Also irgendwie werde ich mit dem ganzen Hype um den seltsamen Herrn mit der Heimorgel nicht warm. Etliche Leute konnten vor der Camelstage den schiefen Tönen von heillos verwursteten Metalsongs etwas abgewinnen und dazu Party machen. Für mich bleibt MAMBO KURT jedoch unzugänglich. Manche Sachen gewinnen durch einen gewissen Trashfaktor ja an Sympathie und Komik, nicht jedoch der tonleiterquälende Orgelkurt. Wem es gefällt, bitteschön, dem möchte ich auch nicht die gute Laune und Party absprechen. Ich geh derweil woanders Bier trinken.

Der Abschluss auf der Painstage fiel mit KATATONIA sehr stimmungsvoll aus.  Mir persönlich ist der Gesang von Jonas zwar etwas zu wehleidig, aber das gehört ja zum Programm, und mein Kollege und Mitschreiber kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, und versuchte mich alle 20 Sekunden von KATATONIA zu überzeugen. Das haben sie rein musikalisch auf jeden Fall ganz alleine geschafft, und ich habe mich durchaus dabei erwischt in die tief melancholische Stimmung einzutauchen, und irgendwie mitzufühlen. Leider stach für mich trotzdem Sänger Jonas Renske etwas negativ hervor. Er wirkte für mich nicht wie ein souveräner Frontmann, sondern eher wie ein eingeschüchterter Junge mit Liebeskummer. Bei dem Song „Nephilim“ hatte er sogar mit Textaussetzern zu kämpfen. Schade, denn der Rest der Truppe konnte, wie gesagt,  durch eine gelungene Leistung überzeugen.

 Setlist KATATONIA

Forsaker

Liberation

My Twin

Longest Year

Nephilim

Soil’s Song

Teargas

Omerta

Evidence

July

Buildings

Leaders

Wie, schon wieder alles vorbei?? Ja tatsächlich! Etwas müde und von den durchaus anstrengenden letzten Tagen angeschlagen, war es schon wieder Zeit die Zelte abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Schade eigentlich!

Erfüllt von den großartigen Eindrücken des diesjährigen Breeze, blieb eigentlich nur noch ein Gedanke im Hinterkopf: Nächstes Jahr wieder, unbedingtes Pflichtprogramm!

Zu erwähnen wäre noch, dass rein organisatorisch wieder alles dermaßen perfekt durchgeplant war, dass (fast) keine Wünsche offen blieben, außer vielleicht dem einen:

Es ist uns nach wie vor unverständlich, warum es keinen separaten Eingang für die schreibende/fotografierende, und interviewende Zunft gibt, und man sich stattdessen, wie das gewöhnliche Fußvolk, am Main-Entrance einreihen muss. Oder man muss wie wir so erfindungsreich sein, und einen der Securities derart übertölpeln, dass der aus lauter Verzweiflung das Security-Gate aufreißt, weil er Angst hat, dass ihm zwei völlig irre Journalisten sonst den Bauzaun überrennen, an dem er Stellung bezogen hatte. 😉 Oder hatte er vielleicht wirklich ein Einsehen, dass wir sonst zu spät zu unserem Interview gekommen wären?

Jedenfalls freuen wir uns schon wieder unbändig auf das BREEZE 2013!

Bericht: HANZI HERRMANN/RICO SKERRA
Fotos: MARKUS HORNE

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