Nachbericht und Fotogalerie zum Metalfest 2013, Loreley 20.-22.06.2013

Bei dem Sommer 2013 handelt es sich wirklich um ein Phänomen. Lange wurde die warme Zeit herbeigesehnt, und wenige Tage, bevor die Loreley zum zweiten Mal in ihrer Geschichte zum Metalfest lud, schnellte das Thermometer tatsächlich in die Höhe und schien ein warmes und sonniges Festival zu verheißen. Aber der Sommer 2013 wäre nicht der Sommer 2013, wenn er sich nicht im letzten Moment doch wieder von seiner heimtückischen Seite gezeigt hätte.

So öffneten am Donnerstag den 20.06. nicht nur die Tore zur Freilichtbühne hoch oben auf dem sagenumwobenen Felsen im Rhein, nein, auch der Himmel öffnete seine Pforten und schickte – selbstverständlich pünktlich zum Festivalbeginn – ein Gewitter mit lange anhaltendem Platzregen über das Gelände hinweg und unterzog die hartgesottenen Metalheads und ihr Festivalequipment einem ersten Härtetest, in dem sie ihre tatsächliche Festivaltauglichkeit direkt unter Beweis stellen konnten. Kurz bevor schließlich sämtliche Zelte und Pavillons Gefahr liefen, hinwegzuschwimmen, riss die Wolkendecke jedoch wieder auf und die Temperaturen kletterten rapide auf über 30°C  und lockten somit die Anhänger härterer Klänge schließlich runter von den Zeltplätzen vor eine der bekanntesten Bühnen der Region.

Dabei zeigte sich sehr bald, dass sich das Freilichtgelände der Loreley durch eine spezielle Eigenart auszeichnete: Von der Bühne aus stiegen zahlreiche Ränge amphitheaterartig nach hinten an. Dies verschaffte zwar auch den in den hinteren Reihen stehenden Besuchern einen optimalen Blick auf das Geschehen auf der Bühne und sorgte für eine unglaublich gute Akustik, jedoch gingen mit dieser Beschaffenheit des Areals auch kleine Einschränkungen einher, die gerade auf einem Metalfestival sehr schnell spürbar werden: Moshpits und Wall of Deaths sind in diesem Ambiente leider nur sehr schwer ausführbar …

 

 

Von dem inzwischen wieder äußerst sommerlichen Wetter profitierten nicht zuletzt die Pagan Metaler von Equilibrium, welche passend zum Auftakt ihrer Show um 14:50 Uhr ihre Hymne „Der ewige Sieg“ von der Bühne schmetterten, um mit dem gut gelaunten Publikum in die Schlacht zu ziehen. Von der ersten Minute ihres Auftritts an legte das Quintett eine energiegeladene Show hin, die die Menge trotz der nun herrschenden Hitze vollkommen mitriss. Auch kleinere technische Probleme konnten Sänger Robse und seine Mannen nicht lange ausbremsen. Im Gegenteil! Mit der gewagten Verkündigung „Ich will euch riechen!“ stachelte dieser die Menge lediglich zu weiteren schweißtreibenden Höchstleistungen an. Nicht nur dem Publikum, auch den Künstlern fielen die Nachteile des Areals recht schnell ins Auge, sodass Robse feststellen musste, dass das Gelände „bisschen schlecht für eine Wall of Death“ sei. Aber richtige Metalheads lassen sich von solchen widrigen Begebenheiten nicht so schnell beeindrucken, sodass der Fronthüne seine Anhänger getrost auffordern konnte, es dennoch zu versuchen. Dabei gingen Equilibrium mit gutem Beispiel voran und fegten selbst wie die Wilden über die Bretter. Nichtsdestotrotz bemerkte der Sänger schließlich, dass seine Anhänger ein wenig schwächelten. Damit sich dies änderte, schmetterten die Pagan Metaler „Blut im Auge“ sowie ein starkes Instrumental in die Menge. Aber nicht nur die fetten Klänge schafften es, das Publikum schließlich doch wachzuhalten, auch der Frontmann stachelte die Meute unter Höchstleistungen immer weiter an. So auch bei dem das Set abschließenden Song, zu dem Robse seine Anhänger zum wilden Springen aufforderte, woraufhin sich eine auf- und niederwogende schwarze Masse vor der Bühne bildete. Dementsprechend hinterließen Equilibrium, als sie nach 45 Minuten ihr Set beendeten, eine Menge, die nicht nur allein von der Sonne angeheizt und somit äußerst guter Stimmung war.

Voll auf die Zwölf gab es bei dem folgenden Set von Six Feet Under, die die Bretter vollkommen ohne Intro enterten und dem Publikum direkt ihre gnadenlosen Death Metal-Salven um die Ohren schmetterten. Trotz der brutalen Riffs, die die US-Amerikaner in den sonnigen Nachmittag prügelten, zeigte sich das Publikum etwas müder, woran auch Frontgrunzer Chris Barnes nicht allzu viel ändern konnte, sodass die Stimmung während der 50-minütigen Show unter dem Niveau blieb, welches bei den Vorgängern herrschte. Eine mögliche Ursache mag dabei evtl. in der etwas statischen Bühnenpräsenz des Fünfers gelegen haben. Nichtsdestotrotz konstatierte der Sänger, es sei „good to be here“. Das Quintett, das nach Aussage Chris Barnes’ Deutschland liebte, bot seinen Anhängern ein abwechslungsreiches Set bestehend aus Songs des ersten Albums der Band („Human Target“) sowie neueren Stücken. Dass es bei solchen Shows aber nicht immer ganz ernst zugehen muss, zeigte sich, als plötzlich die Aufmerksamkeit der Amerikaner von einem Einhorn abgelenkt wurde, welches auf einmal im Publikum auftauchte. Ein wenig irritiert stellte der Frontmann fest: „I see a unicorn out there!“ Davon letztlich aber nicht weiter aus dem Konzept gebracht ging es mit einem „Fuck you, unicorn!“ und Songgranaten wie „Deathklaat“ und „The Day The Dead Walked“ weiter im energiegeladenen Set, bevor schließlich das Cannibal Corpse-Cover „Hammer Smashed Face“ das Ende der Show einleitete.

Auch wenn die folgende Band zumindest rein namentlich nicht ganz zum heißen Wetter passte, auf die Bühne der Loreley passte sie, wie die Faust auf’s Auge: Iced Earth rockten den Felsen von den ersten Takten ihres Openers „Dystopia“ und wussten ihr Publikum gleich mitzureißen, sodass sich bereits bei den ersten Songs „Dark Saga“ oder „Pure Evil“ unzählige Hände mitklatschend zum Himmel erhoben. Nicht zuletzte die starke Bühnenpräsenz von Sänger Stu Block sorgte dafür, dass sich die Menge dem Bann der Amerikaner nicht entziehen konnte, schließlich interagierte der Hüne permanent mit seinem Publikum, welches somit nicht umhin kam, ordentlich mitzufeiern. Für weitere Sympathiepunkte sorgte zudem, dass Block Deutschland direkt mal zu seinem „second home“ erklärte und daraufhin passenderweise „I Died For You“ anstimmte. Zu „Watching Over Me“ forderte der Sänger schließlich sein Publikum auf, den gesamten Song mitzusingen, da dieser für die Band sehr wichtig und persönlich sei. Darum musste die Menge natürlich nicht zweimal gebeten werden, sodass der emotionale Titel aus tausenden Kehlen erschallte, was regelrecht für Gänsehautatmosphäre sorgte. Für keine besondere Überraschung sorgte bei den wahren Iced Earth-Anhängern schließlich die Wahl des letzten Songs des Sets, da es sich bei diesem um den obligatorischen Abschlusstitel des Quintetts handelte, mit dem die Amerikaner ihre Shows in der Regel abschließen: „Iced Earth“. Als schließlich die letzten Akkorde verklungen waren, wurden Stu Block und seine Mannen von lauten „Iced motherfucking Earth“-Chören, die von den Rängen vor der Bühne erschallten, verabschiedet. Für Enttäuschung bei manch einem Anhänger der Band sorgte dabei der Umstand, dass sich die Spielzeit des Fünfers ordentlich verkürzte, da die Band erst nach einer Umbaupause, die ca. 20 Minuten länger dauerte, als vorgesehen, die Bühne betrat, der straffe Zeitplan der Running Order jedoch keinen Spielraum hergab, den Gig um diese verlorene Zeit zu verlängern.

Auch Testament betraten die Bühne mit 30-minütiger Verspätung, was beim Publikum nicht nur für Ungeduld sorgte, sondern den einen oder anderen auch recht verärgerte. Davon war jedoch nicht mehr viel zu spüren, als die amerikanischen Thrash Metaler die Bühne endlich betraten und der Menge mit „Rise Up“ und „More Than Meets The Eye“ fetteste Riffs um die Ohren schmetterten. Sänger Chuck Billy wusste dabei, seine Anhänger trotz der vorhergehenden Unannehmlichkeiten vollauf in seinen Bann zu ziehen, da er permanent mit seinem Publikum interagierte. Dabei erwies es sich als überaus hilfreich, dass Billy sich nicht durch einen fest platzierten Mikroständer an einen Platz auf der Bühne fesseln ließ, sondern mit einer verkürzten, tragbaren Halterung für sein Mikrofon völlig frei über die Bretter wirbeln konnte. Auch für zahlreiche kleine Luftgitarreneinlagen eignete sich diese Konstruktion besonders gut. Mit der Verkündigung, der nächste Song „goes out to my brothers and sisters“ leitete der Frontmann nicht nur „Native Blood“ ein, sondern gewann direkt noch ein paar Sympathiepunkte für sich. Die ebenfalls beeindruckende Lightshow, die aufgrund der inzwischen hereinbrechenden Dunkelheit vollauf zur Geltung kommen konnte, setzte das Geschehen auf der Bühne ebenfalls passend in Szene. Leider wurde die Stimmung schließlich doch wieder von einem massiven Wolkenbruch gedämpft, der in der zweiten Hälfte der Show letztlich für ziemlich ausgedünnte Reihen vor der Bühne sorgte. Auch Songs wie „Agony“ oder „Dark Roots of Earth“ konnten nur einen Teil der Testment-Anhänger überzeugen, im Nassen auszuharren. Diejenigen, die aber bis zum Ende blieben, wurden mit einem wirklich überzeugenden Auftritt der Thrash Metal-Titanen für ihre Tapferkeit belohnt.

Bei wiederum strahlendem Sonnenschein eröffneten die niederländischen Symphonic Metaler von Delain den zweiten Festivaltag. Mit „Mother Machine“ gaben Charlotte Wessels und ihre Mitstreiter direkt das Tempo vor und bewiesen dem zunächst noch ein wenig müden Publikum mit kraftvollen Synchronheadbangeinlagen, dass man bereits um 12.00 Uhr morgens ziemlich ausgeschlafen sein kann. Die zierliche Frontfrau kannte dabei auch keine Gnade mit ihren Anhängern: „I know it’s early, but I want some movement!“ Mit diesen Worten forderte sie die Anwesenden gleich zum Mitspringen auf, wobei sie selbst mit gutem Beispiel voranging. Generell befand sich die vor lauter Energie strotzende Sängerin in ständiger Bewegung, was sich zunehmend auf das Publikum übertrug, sodass es diesem schließlich gelang, die Trägheit abzuschütteln und ordentlich mit dem Quintett zu rocken. Auch Bassist Otto Schimmelpenninck van der Oije suchte die Kommunikation mit den Anwesenden und unterstützte Charlotte beim Animieren des Publikums, indem er dieses immer wieder zum Klatschen aufforderte und sogar den Song „Sleepwalkers Dream“ ansagte. Den Einsatz, den Delain selbst an den Tag legten, verlangten die Niederländer auch ihrem Publikum ab, das immer wieder dazu aufgefordert wurde, Stücke wie „Not Enough“ lautstark mitzusingen. Mit einer Überraschung endete schließlich der Hit „The Gathering“, als plötzlich silberne Konfettischlangen mit einem lauten Knall in die Menge flogen. Bevor nun der letzte Song des Sets angestimmt werden konnte, bei dem es sich um „We Are The Others“ handelte, musste Charlotte Wessels zunächst einmal ein fettes Lob an ihre Anhänger loswerden: „You guys rock!“ Als dann schließlich die letzten Töne verklungen waren, wurden sofortige „Zugabe“-Rufe laut. Delain lieferten somit einen Einstand in den Festivaltag, der zu so früher Uhrzeit nicht besser gelingen konnte.

Um einiges heftiger ging es zur Sache, als Hypocrisy um 15:50 Uhr zur Show luden. Peter Tägtgren und seine Mitstreiter zündeten von der ersten Sekunde an mit „End Of Disclosure“ ein Death Metal-Feuerwerk, dass es nur so krachte. Hierzu trug neben Riffgranaten wie „Left To Rot“ nicht zuletzt die starke Bühnenpräsenz Tägtgren bei, der sich auf der Showbühne der Loreley merklich wohlfühlte („Good to be back in Germany!“) und das Publikum kontinuierlich zum Abgehen anfeuerte – und das, obwohl er sehr an verbalen Ansagen sparte. Aber auch der Rest der Band zeigte ordentlichen Körpereinsatz und headbangte, was die Nackenmuskeln nur hergaben. Diese Power steckte auch das Publikum, in welchem sich ebenfalls innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Headbanger wiederfanden, recht schnell an. Da dieses, aufgrund der heißen Show, die die Schweden ablieferten, sowie der vom Himmel brennenden Sonne, ordentlich erhitzt war, gab es für die vorderen Reihen zwischendurch eine kleine Abkühlung, als die Securitys ihre Wasserschläuche auspackten und den Anwesenden eine kräftige Dusche verpassten – sehr zur Freude der Menge. Auf der Bühne wurden unterdessen „The Eye“, „Fire In The Sky“ und Konsorten zelebriert, was von der wilden Meute gut gelaunt gefeiert wurde. Sogar ein Crowdsurfer traute sich, in einem waghalsigen Manöver, sich auf Händen die steilen Ränge hinuntertragen zu lassen. Und selbst eine Zugabe wurde während dieses Sets möglich, die Tägtgren nutzte, um im Bühnengraben auf Tuchfühlung mit seinen Anhängern zu gehen. Insgesamt lieferten Hypocrisy eine beeindruckende Show ab und der dementsprechend guten Stimmung auf den Rängen dankte der Frontmann mit den Worten: „Thank you very much, people! We love you!“

Einen direkten Angriff auf die Lachmuskeln sowie ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Programm lieferte der nächste Act: J.B.O. tauchten die Freilichtbühne der Loreley in ein knalliges Pink, als sie die Bretter enterten und mit „Bolle“ und „Ein Fest“ für heitere Laune sorgten. Schlechte Stimmung konnte dabei gar nicht erst aufkommen, da die Herren recht schnell klarstellten, wie der Hase so läuft: „Wenn das Publikum bei J.B.O. zu leise mitsingt, muss irgendwo auf der Welt ein kleiner Eisbär sterben!“ Naja, unter diesen Umständen blieb der Menge auch keine andere Wahl, als einfach ordentlich Lärm zu machen und den pinken Wahnsinn zu feiern. Lediglich der aufblasbare J.B.O.-Schriftzug im Hintergrund der Bühne spielte nicht richtig mit und wollte zu Beginn der Show einfach nicht stehen bleiben. Aber auch das bekamen die Herren in den Griff. Dies war jedoch nicht alles, was auf der Bühne geschah und die Aufmerksamkeit des Publikums fesselte. So bekam Sänger Vito bei „Jetzt isser drin“ „weibliche“ Unterstützung bei der (Gesangs-) Performance, während zu „Dr. Met“ eine Kranken-„Schwester“ eine offensichtlich dem Hip-Hop-verfallene Person heilte und diese zum Metaler bekehrte. Mit „Gänseblümchen“ wurde sogar den Frauen im Publikum ein „reinrassiges Liebeslied“ gewidmet. Auch Überlegungen, die die Band hinsichtlich der Vergrößerung der eigenen Brüste hin zu „Mördermöpsen“ anstellte, sorgten für Gelächter in der Menge. Bevor J.B.O. ihren Hit „Geh mer halt zu Slayer“ anstimmten, leitete Vito ein kurzes Gedenken an Jeff Hanneman, den kürzlich verstorbenen Gitarristen der Thrash Metaler, indem er diesem ein „Hallo, da oben oder da unten – wo er auch sein mag“ sandte. Das Publikum konnte bei soviel Humor selbstverständlich nicht anders, als guter Stimmung sein, sodass der Sänger sich regelmäßig bei der Loreley für die positiven Resonanzen bedankte. Dabei lernte die Menge schnell, dass auf ein „Danke Loreley!“ stets ein „Bitte Vito!“ zu folgen hatte. Zu „Verteidiger des wahren Blödsinns“ wurden die Anwesenden auf den Rängen schließlich mit großen, pinken Bällen bespaßt, die J.B.O. in die Menge katapultierten. Nach einer Stunde Spielzeit, neigte sich der Auftritt der pinken Rocker dann dem Ende entgegen. Der letzte Song „Ein guter Tag zum Sterben“, den Vito auf der Akustikgitarre begleitete, wurde dabei größtenteils vom Publikum intoniert und erschallte einstimmig und beeindruckend aus tausenden Kehlen, was dem Quartett einen wirklich passenden Abgang bereitete.

Wieder härtere Klänge erfüllten die Loreley, als Down ihr Set eröffneten und der Menge Songs wie „Witchtripper“ oder „Hail The Leaf“ um die Ohren schmetterten. Phil Anselmo und der Rest der Truppe zeigten dabei vollkommenen Körpereinsatz. Die gesamte Band sprang permanent über die Bretter und verursachte dabei ein wildes Durcheinander, bei dem es fast schon verwunderlich erschien, dass sich die Musiker nicht ständig gegenseitig anrempelten. Stattdessen forderte der Frontmann jedoch das Publikum trotz des widrigen Geländes zum Moshen auf und die Horde unmittelbar vor der Bühne kam dieser Aufforderung auch weitgehend nach. Zu „Losing All“ suchte Anselmo den Kontakt zu der Menge und begab sich in den Bühnengraben. Dort schien sich der Frontmann generell recht wohl zu fühlen, denn er verließ die Bühne des Öfteren in diese Richtung. Die Interaktion mit dem Publikum beherrschte der Sänger äußerst gut und ließ sich ordentlich feiern. Auf die Frage, wie viele echte Down-Fans denn vor Ort seien, war die Resonanz wirklich beachtlich. Die Energie, die die Amerikaner ausstrahlten, übertrug sich dabei dermaßen auf das Publikum, dass sich sogar erneut ein Crowdsurfer blicken ließ. Offensichtlich begeistert von so viel Mut, versuchte Phil Anselmo, diesem die Hand zu reichen, als er vor der Bühne landete. Mit den Worten „There’s a spam coming up next! Who many Slayer-motherfuckers are here?“ und vor allem mit dem Anstimmen von “Slayer”-Chören bereitete der Frontmann die Menge schon ein wenig auf den Headliner des Abends vor, bevor Down mit „Bury Me In Smoke“ den letzten Song des Sets darboten. Während diesem übergaben die Musiker ihre Instrumente an Crewmitglieder – dabei unbeeindruckt weitermusizierend! Dies verschaffte dem Quintett die Gelegenheit, sich nochmal richtig frei von ihren Anhängern feiern zu lassen und ausgiebig zu verabschieden. Zum Abschluss stellte Gitarrist Kirk Windstein sogar noch sein Gesangstalent unter Beweis, indem er Phil am Mikro ablöste und besagten Song zu Ende sang. Mit diesem speziellen Abgang bewiesen Down, was für geniale Musiker sie sind und dass sie ihre Show ordentlich in Szene zu setzen wissen. Vor allem aber unterschied sich dieses Finale von den Auftritten sämtlicher anderer Bands, die die Bühne in der Regel weniger spektakulär verließen.

Um 23:00 Uhr war es dann endlich soweit: Mit Slayer betraten die lang erwarteten Headliner des zweiten Festivaltages die Bühne. Der Auftritt des Quartetts wurde bereits mit großer Spannung erwartet, die sich immer wieder in im Publikum aufkeimenden „Slayer“-Chören niederschlug. Wie würde sich die Band, deren Gitarrist Jeff Hanneman vor einigen Wochen unerwartet verstorben war, auf der Bühne geben? In welcher Form würden Slayer ihrem Weggefährten gedenken? Wie würde sich der neue Gitarrist in die Band einfügen? Und wie würde Paul Bostaph, der erneut den Platz Dave Lombardos hinter den Drums eingenommen hat, seine Sache machen? Sämtliche dargebotene Thrash-Granaten, zu denen nicht zuletzt „World Painted Blood“, „War Ensemble“ und viele weitere Hits zählten, wurden gewohnt souverän dargeboten. Auch der Neue an der Gitarre machte seine Sache ziemlich gut. Die Lockerheit, mit der er seine Riffs abfeuerte und dabei selbst über die Bühne wirbelte und mit dem Publikum interagierte, erweckten den Eindruck, als wäre er schon länger ein Teil dieser Formation. Frontmann Tom Araya hingegen gestaltete seine Ansagen recht schlicht, dafür aber sympathisch und gut in Szene gesetzt: So wurde beispielsweise „Bloodline“ mit den Worten eingeleitet: „This song is about the ban, that holds us together, that makes us equal!“ Auch die Lightshow, die die Amerikaner auffuhren, wusste zu beeindrucken und die Blicke des Publikums an die Bühne zu fesseln. Darüber hinaus sorgten weitere Songs wie „Mandatory Suicide“, „The Antichrist“ oder „Dead Skin Mask“ bei den Anhängern Slayers für ausgelassene Stimmung. Zur Zugabe schließlich wurde das bisher die Bühne zierende Slayer-Banner durch ein Neues ersetzt, auf dem ein Logo prangte, das sehr an das Logo der Biermarke Becks erinnerte, jedoch den Namen Hannemans sowie die Jahreszahlen seiner Geburt und seines Todes trug, umrahmt von dem Schriftzug: „Angel Of Death, Hanneman, Still Reigning“. Als nächster Song stand dann auch „Angel Of Death“ auf der Setlist des Vierers. Als das Ende der Spielzeit schließlich erreicht war, verabschiedeten sich Slayer auf sehr schlichte Weise von ihren Anhängern, indem sich Araya lediglich beim Publikum für die gute Stimmung bedankte und um Applaus für die neuen Musiker bat.

Recht früh am letzten Festivaltag standen Krisiun vor der nicht ganz leichten Aufgabe, das noch recht müde Publikum mir ihrem sehr sympathischen Auftritt mitzureißen. Mit den Worten „Good afternoon Metalfest“ begrüßte Sänger Alex Camargo das um 13:45 Uhr selbstverständlicherweise noch sehr überschaubare Publikum, welches mit „The Will To Potency“ und sonstigen fetten Death Metal-Hymnen aus der Müdigkeit gerissen wurde. Auch die Stimmung war zunächst noch sehr verhalten. Davon aber eher unbeeindruckt wirkend, gab das Trio wirklich alles und feuerte die müde Meute ordentlich an. Camargo bedankte sich auch mehrfach dafür, dass die Anwesenden den Weg zur Bühne gefunden hatten, und gab sich größte Mühe, das Publikum zum Mitklatschen und Abrocken zu animieren. Gitarrist Moyses Kolesne tat es dem Sänger gleich und trat ebenfalls nicht zuletzt bei „Vicious Wrath“ in Interaktion mit der stetig anwachsenden Zuschauerzahl. Der Einsatz, den Krisiun an den Tag legten, wurde schließlich auch belohnt und das Publikum wurde im Laufe der Show zusehends wacher, sodass es sogar zu einem Circle-Pit aufgefordert werden konnte – allerdings nicht allzu erfolgreich, was jedoch eher der Location geschuldet war. Dafür ertönten immer wieder „Krisiun“-Rufe von den Rängen, für welche sich Camargo herzlich, unter anderem mit einer kleinen Verbeugung, bedankte. Zwischendurch erging dann auch die konkrete Aufforderung zum Headbangen an die Menge, der diese nur zu gerne nachkam. Auch kleine technische Probleme, mit denen die Brasilianer zwischendurch zu kämpfen hatten, konnten die Stimmung nicht trüben, sodass „Ravager“, „Slain Fate“ oder „Blood Of Lions“ schließlich richtig abgefeiert wurden. Die Band zeigte sich ob der zumal für diese frühe Uhrzeit äußerst positiven Resonanzen überwältigt und bedankte sich überschwänglich bei den Anhängern – nicht zuletzt mit einer Liebeserklärung an Deutschland. Als dann die recht kurze Spielzeit des Trios endete, wurden die Brasilianer schließlich mit lauten „Krisiun“-Chören verabschiedet.

Als sich Suicidal Angels wenig später anschickten, das Publikum mit griechischen Thrash Metal-Riffs zu erfreuen, war die Menge vor der Bühne bereits um Einiges angewachsen. Songs wie „Bloodbath“ wurden direkt mit Begeisterung aufgenommen und vom Publikum mit wilden Headbangeinlagen begleitet. Dass bereits ein großer Teil der Anwesenden mit den Stücken des Quartetts vertraut war, zeigte sich, als Sänger und Gitarrist Nick Melissourgos den Song „Bleeding Holocaust“ ansagte und das Publikum ihn dabei unterstützen sollte, indem es dazu aufgefordert wurde, den zweiten Teil des Titels mitzubrüllen und die Anwesenden diesem Wunsch auch lautstark nachkamen. Während „Morbid Intention To Kill“ begann es leider wieder ein wenig zu regnen, was jedoch weder die Band noch ihr Publikum sonderlich beeindruckte. Wie schon einige seiner Kollegen suchte auch Melissourgos den direkten Kontakt zum Publikum und nutzte den Bühnengraben, um mit der Menge auf Tuchfühlung zu gehen – selbstverständlich unbeirrt weiterspielend. Als er wieder auf die Bühne zurückgekehrt war, gab Drummer Orpheas Tzortzopoulos eine kleine Soloeinlage zum Besten, während Bassist Angel Kritsotakis in der Zwischenzeit das Publikum zum Zujubeln animierte, indem er einen Drumstick in seiner Hand kreisen ließ, welchen er schließlich, als ihm der Applaus laut genug erschien, den Anhängern der Band zuwarf. Während der gesamten Spielzeit von 45 Minuten rockten Suicidal Angels selbst wie die Wilden über die Bühne. Kein Wunder also, dass sie das Gleiche schließlich auch von ihrem Publikum verlangten und dieses zu einer Wall Of Death aufforderten. Diesem Wunsch kamen sogar einige der Anwesenden nach, obwohl die gestuften Ränge nicht gerade günstig für solche Aktionen waren. Schließlich wurde mit „Apokathilosis“ der letzte Song des Sets angesagt, und sobald dieser verklungen war, ertönten laute „Hey“-Rufe aus der Menge. Auf diese reagierte Nick Melissourgos mit der Aufforderung: „Scream for Krisiun!“ Und mit den Worten „We are Suicidal fucking Angels!“ verabschiedete sich die Band von ihrem Publikum. Als „Zugabe“-Rufe laut wurden, begab sich der Frontmann ein letztes Mal in den Bühnengraben und ging an der ersten Reihe vorbei, um seine Anhänger abzuklatschen.

Die Loreley zum Kochen brachten die Finnen von Turisas, die am Nachmittg mit rot-schwarzer Kriegsbemahlung die Bühne enterten und ein wildes Feuerwerk aus Viking Metal-Hymnen abbrannten. Schon zu Beginn stellte Sänger Mathias Warlord Nygard fest, dass es sich bei der Location um den schönsten Platz für ein Festival handelte, an dem er seit einer langen Zeit gewesen sei. Entsprechend stimmungsgeladen gestaltete sich auch die Show, bei der Stücke wie „To Holmgard And Beyond“ oder „The Great Escape“ regelrecht zelebriert wurden. Warlord fegte dabei permanent wie ein Derwisch über die Bühne und stachelte die Menge an, es ihm gleichzutun. Innerhalb kürzester Zeit herrschte somit vor der Bühne der reinste Hexenkessel. In typisch finnischer Manier besorgte sich der Frontmann zwischendurch ein Bier und forderte auch seine Anhänger zum Trinken auf, um diese auf den Song „One More“ einzustimmen. Auch das Publikum zeigte sehr viel Einsatz und trotz der inzwischen wieder herrschenden Hitze kam es jeder Aufforderung zum Mitspringen, Mitklatschen und Mitsingen tatkräftig nach. Vor allem der etablierte „Lai Lai Lai“-Mitsingpart erschallte in einer atemberaubenden Lautstärke aus tausenden Kehlen, was Warlord mit einem „Fucking beautiful“ kommentierte. Auch ein neuer Song von dem im August erscheinenden neuen Album wurde präsentiert: „Into The Free“. Wie sehr die wilden Finnen in ihrer Show aufgingen, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass der Sänger plötzlich sein Bier suchte, dass er scheinbar unbewusst hinter seinem Monitor platziert hatte: „ I have a beer and hide it from myself!“ Dass diese Situation jedoch nicht allzu problematisch für den äußerst redseligen Frontmann war, wurde offensichtlich, als dieser erklärte, er habe noch ein zweites Bier. Die Konsequenz, die er aus diesem Umstand zog, war, dass er zu viel getrunken hätte und dass das Publikum somit an seiner statt Einsatz bringen müsste: „I get drunk and you do the work!“ Bei dem folgenden „Battle Metal“, das auch schon das Set der Finnen abschloss, ging es dann auch nochmal richtig hoch her. Band und Publikum gaben zum Abschluss wirklich nochmal alles, sodass die Loreley, als das Quintett aus dem hohen Norden die Bühne räumte, kurz vor dem absoluten Ausrasten stand.

Mit einem majestätischen Einzug betraten schließlich Wintersun die Bühne der Loreley. Das ebenfalls aus Finnland stammende Quartett wusste die Menge auch schnell in seinen Bann zu ziehen. Dementsprechend wurden die dargebotenen Songs, zu denen unter anderem „Land Of Snow And Sorrow“ zählte und bei dem das Publikum in spontane „Hey“-Rufe ausbrach, mit Hingabe gefeiert. Generell machte die Menge sehr gut mit und zelebrierte den Auftritt der Finnen mit großer Begeisterung. Und das, obwohl die Show, die die Mannen von Wintersun an den Tag legten, sehr verhalten war. Aber die stimmungsvollen Melodic Death Metal-Hymnen „Winter Madness“, „Time“ und so einige mehr, die das Quartett präsentierte, rissen die Masse absolut mit. Am Rande der Ränge bildete sich sogar ein kleiner Circle-Pit. Diesen Einsatz kommentierte Jari Mäenpää mit: „Thank you! You guys are fucking amazing!“ Dann wollte der Frontmann von seinen Anhängern wissen: „ What do you wanna hear! One more? Two more?s Ten more?” Wäre es nach der zahlreichen Meute auf den Rängen gegangen, hätten Wintersun noch lockerer zehn weitere Songs spielen können. Und die im Folgenden präsentierten Stücke „Beyond The Dark Sun“ und „Starchild“ wurden mit entsprechender Begeisterung aufgenommen, sodass der Versuch von Bassist Jukka Koskinen, die Anwesenden zum Klatschen aufzufordern, sich als kaum notwendig erwies. Trotz der an sich eher dezenten Bühnenshow, die Wintersun boten, war die Stunde Spielzeit, die dem Quartett eingeräumt wurde, sehr schnell vorüber und die letzten Takte, die die Finnen zum Besten gaben, verklangen unter einem Meer von Händen, das das Publikum dem Himmel entgegen reckte. Diese spektakuläre Kulisse nutzten Wintersun selbstverständlich noch schnell aus, um ein Erinnerungsfoto an diesen genialen Abend zu machen.

So großartig das Metalfest 2013 wieder einmal war, eine kleine Veränderung fiel doch etwas unangenehm auf: Im Vorjahr gab es noch zwei Bühnen, auf denen sich die Künstler die Klinke in die Hand gaben. In diesem Jahr jedoch fand das Geschehen einzig und allein auf der Hauptbühne statt. Dies ist insofern schade, als dass mehrere Bühnen natürlich auch einer größeren Anzahl Bands die Möglichkeit geben, aufzutreten. Und auch der Umstand, dass die Zeltplätze am Sonntag morgen bereits um 10:00 Uhr weitestgehend geräumt sein sollten, da am Abend Peter Maffay auf der Freilichtbühne stehen sollte, sorgte nicht gerade für sonnige Gemüter am Abreisetag. Aber auch trotz dieser nicht ganz so günstigen Gegebenheiten und einigen äußerst unangenehmen Wettereskapaden wird das Metalfest West 2013 wohl den Meisten Anwesenden in positiver Erinnerung bleiben. Neben einem großartigen Line-Up beeindruckte auch die Loreley als traumhafte Location für ein Metalfestival. Und somit werden wohl auch 2014 wieder zahlreiche Metalheads zu diesem sagenumwobenen Felsen im Rhein pilgern, wenn das Metalfest wieder seine Tore öffnen wird.

Bericht: Kerstin Tschöpe // V.U.
Fotos: Markus Horne // V.U.

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