Livereview: Letzte Instanz – Köln (10.10.2012) und Frankfurt (24.10.2012)

„Jeder Schuldige hat eine Zukunft. Jeder Heilige hat eine Vergangenheit  …und das wird ewig so sein! „ (Oscar Wilde)

Ein paßenderes Motto zur Abschlußtour der Schuldig – Heilig – Ewig – Trilogie, die sich aus den letzten drei Alben zusammensetzt, hätte man wohl nicht finden können. Und so nimmt die Show der LETZTEN INSTANZ bereits wortgewaltig ihren Anfang mit eben jenem Zitat von Oscar Wilde, per Projektion auf die Bühne geholt.

Über 20 Songs, der Gig scheint streckenweise wirklich ewig, im besten Sinne des Wortes. Denn während das Septett sein Publikum mit auf eine die über 15-jährige Bandgeschichte repräsentierende Reise mit eindeutigem Fokus auf dem aktuellen Album nimmt, kann man streckenweise wirklich die Zeit vergessen. Und das tut man bekanntlich nur, wenn die verbrachte Zeit als positiv belegt empfunden wird…

Aber der Reihe nach. Schließlich sind zunächst einmal die Hamburger von LORD OF THE LOST an der Reihe, welche die LETZTE INSTANZ bereits einige Male haben live begleiten dürfen und die nun die Rolle des Toursupports übernehmen.

Um ganz ehrlich zu sein: Das sonst so feierfreudige Rheinland hat diesmal leichte Anlaufschwierigkeiten, ich bin erstaunt. In Hessen hingegen ist vom Opener „die tomorrow/ black lolita“ an allgemeines Feiern angesagt.

Neben tanzbaren Songs wie „break your heart“ oder „sex on legs“, die man in Zukunft wohl als „Klassiker“ der Truppe bezeichnen wird, findet die Band noch genügend Raum, die neuen Ohrwürmer zu präsentieren. So kann man etwa das bereits angesprochene „black lolita“ oder auch „blood for blood“ an den Mann, bzw. – insbesondere im Fall der in purer Melancholie schwelgenden und mit A-Gitarre vorgetragenen Ballade „see you soon“ – an die Frau bringen.

Entsprechend in die Höhe geschossen ist spätestens an diesem Punkt der Begeisterungsfaktor beim weiblichen Teil des Publikums. Eigentlich hätte man an dieser Stelle nahtlos zu dem sich neuerdings immer mal wieder in das Set der Band verirrenden Backstreet Boys – Cover „everybody“ übergehen können. Aber man hat die Position des Coversongs im Set an beiden Abenden bereits zuvor an Amy Macdonald´s „this is the live“ vergeben.

Das Kölner Publikum ist eindeutig für die LETZTE INSTANZ angereist. Umso mehr dürfen die Supporter es in Köln dementsprechend als Auszeichnung empfinden, daß die Stimmung von Minute zu Minute und Song zu Song wirklich massiv ansteigt. Der Funke springt jedenfalls über und das auch bei denjenigen in der Masse, die mit LORD OF THE LOST bis dato nichts haben anfangen können.

Jedenfalls macht sich allgemeine Zufriedenheit und gute Laune breit, als die Opener nach „Credo“, mit dem Chris Harms die bandeigene Hymne für die Zukunft geschaffen hat, die Bühne verlassen.

Illuminiert mit bereits erwähntem Wilde-Zitat wird die Bühne nach kurzer Umbauphase erneut verdunkelt. Mit den sanften Klängen zu „ewig“ schmeichelt sich Sänger Holly in die Ohren der Anwesenden und baut erst einmal eine ruhig-bedächtige Stimmung auf.

Und auch sonst geht es mit einer ganzen Menge der neueren Songs weiter, natürlich inklusive der aktuellen Single „von Anfang an“.

Aber auch der Vorgänger „schuldig“ war mit „traumlos“ und der Zugabe „Flucht ins Glück“ würdig vertreten.

Eigentlich nicht verwunderlich, dass Holly sein Publikum kurz vor Ende des „offiziellen“ Teils des Sets so gut im Griff hat, daß ein nicht unbeachtlicher Teil davon tatsächlich auf sein Kommando zu „der letzte Tag“ niederkniet.

Neben Holly schafft es natürlich auch Cellist Benni in gewohnter Weise, die Aufmerksamkeit der anwesenden Konzertbesucher mit seiner ungewöhnlichen Headbanger-Performance auf eigenem Thron zu bannen.

Bald zwei Stunden lang reißt die LETZTE INSTANZ die Anwesenden damit von Hoch nach Tief, von balladesk-verträumt hin zu rockig-treibender Stimmung. Wie im Rausch wirkt das Publikum dementsprechend, als die Band erstmals eine kurze Verschnaufpause einlegt, während die Fans ihre Arme in die Luft strecken und mit ihren Fingern die Buchstaben L und I formen, singen, weitertanzen und nach einer Fortsetzung verlangen.

Faszinierender Weise werden die frenetischen Rufe nach einer Zugabe fast sogleich und das auch noch mehrfach bedient.

Ein kurzes Verschwinden hinter der Bühne und die Jungs legen erneut los, als hätten sie gerade erst angefangen. Als die letzten Takte von „wir sind allein“ ausklingen und das Publikum auch Minuten später – und nach erneutem Verlassen der Bühne durch die Band – noch immer wie ein Mantra den Refrain summt, geht es also abermals los.

Wundervoll zu sehen, dass es auch noch Bands gibt, die wirklich hingebungsvoll und ohne erkennbare Ermüdung weiter spielen wollen. Ohne einfach nur ein Pflichtprogramm abzuspulen.

Aber ein Set der LETZTEN INSTANZ ist ohne „Rapunzel“ eben einfach nicht vollständig. Da kann man sagen, was man will!

Fazit: Zwei grandiose, stimmungs- und energiegeladene Abende liegen hinter mir. Ich habe gelernt, daß die gemütlichen Hessen ordentlich abgehen können und hatte – insbesondere nach Frankfurt – noch tagelang die Auswahl zwischen verschiedensten Ohrwürmern.

Dies übrigens sehr zur Freude der Kollegen. Es bereichert den Arbeitsalltag einfach ungemein, wenn man nicht nur mit einem Song in Dauer-Summ/ Sing-Schleife nerven muß.

Egal, wie es nach der Trilogie weiter gehen mag: Beim nächsten Mal muß und werde ich wieder dabei sein. Und ich habe den Eindruck, daß ich damit bei Weitem nicht die Einzige bin…

Setlist (Köln)

1. Aeternitas & Ewig
2. Nur für Uns
3. Blind
4. Unerreicht
5. Wieder einmal Rot
6. Morgenrot
7. Traumlos
8. Schwarzer Sand + Et in Arcadia
9. Regenbogen
10. Der Garten
11. Schlaf, Schlaf
12. Von Anfang an
13. Ohne dich
14. Kopfkino
15. Schuld
16. Der letzte Tag
17. Sing!
18. Tausendschön

Zugaben Teil 1:

19. Intro & Flucht ins Glück
20. Finsternis
21. Wir sind allein

Zugaben Teil 2:

22. Rapunzel/ Seven Nation Army
23. Silber im Stein

——————————

Daniela
für Visions Underground

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