Livereview/Nachbericht vom RockHarz Open Air, 12.07.2012 – 14-07.2012, Ballenstedt

Seit nunmehr 19 Jahren gehört das RockHarz Open Air, das auf dem Flugplatz Ballenstedt am Rande Nieder-Sachsens stattfindet, zu den ganz besonderen Events der alljährlichen Festivalsaison. Mitte Juni versammeln sich in dem beschaulichen Ort im Harz um die 10.000 meist schwarz gekleidete Anhänger harter bzw. düsterer musikalischer Darbietungen, um an drei Tagen die Auftritte von ca. 50 Bands aus den Gefilden des Metal und Gothics zu bestaunen und zu den Klängen ihrer Lieblingsgruppen zu tanzen, zu headbangen und vor allem zu feiern.

Auch in diesem Jahr strömten somit im Zeitraum zwischen dem 12. und 14. Juli zahlreiche Besucher in Richtung des Ballenstedter Flugplatzes, um dort ein einmaliges Wochenende mit guter Musik und vielen Gleichgesinnten zu erleben. Leider war der Wettergott den Festivalbesuchern in diesem Jahr nicht sonderlich gut gesonnen und bedachte das erstmalig ausverkaufte RockHarz Open Air immer wieder mit kräftigen Regenschauern.

So startete das Festival am Donnerstag den 12.07. gleich mit einer Unwetterwarnung, die das Schlimmste zu befürchten versprach, zumal sich der Himmel gegen 14:00 Uhr in ein bedrohliches Schwarz zu hüllen begann. Damit mussten die gerade Angereisten ihre Festivaltauglichkeit direkt unter Beweis stellen, was wirklichen Metalheads in der Regel jedoch keine besonderen Probleme bereitet. Zum Glück erwies sich das erwartete Unwetter lediglich als kurzer, wenn auch heftiger Regenschauer, der nach einigen Minuten vorübergezogen war und einem blauen Himmel Platz machte, unter dem es sich gut feiern ließ.

 

Eine der Besonderheiten beim RockHarz Open Air stellt die äußerst praktische Anordnung der beiden Bühnen dar, welche sich Rock Stage und Dark Stage nennen. Diese befinden sich nebeneinander und werden im Wechsel bespielt. Der Vorteil dieses Arrangements liegt darin, dass in der Regel maximal fünf Minuten zwischen den Auftritten der verschiedenen Bands verstreichen und dem Publikum somit lange Wartepausen erspart bleiben. Außerdem entfallen auf diese Weise mögliche Überschneidungen der Spielzeiten, sodass es möglich ist, sämtliche Shows aller auftretenden Künstler zu besuchen.

 

Als Tanzwut gegen 18:00 Uhr bei inzwischen nur noch leicht bewölktem Himmel die Dark Stage betraten, um mit ihrem energiegeladenen Mittelalterrock dem Publikum ordentlich einzuheizen, zeigte sich dieses bereits bester Stimmung und begrüßte die acht Mann starke Combo freudig, indem es bereits beim Intro ausgelassen mitklatschte. Auch die dargebotenen Stücke, zu denen „Weiße Nächte“, „Ihr wolltet Spaß“, „Merseburger Zaubersprüche“ oder „Der Wächter“ zählten, wurden überschwänglich abgefeiert und auch die Band selbst trug viel dazu bei, dass die gute Stimmung in der Menge weiterhin angeheizt wurde, indem sowohl Teufel, der gehörnte Sänger der Spielmannstruppe, als auch seine Mitstreiter das Publikum immer wieder zum Klatschen oder Schreien aufforderten. Darüber hinaus richtete der Frontmann regelmäßige Ansprachen an seine Anhänger. Nach dem starken Regen am Mittag freute sich das Publikum somit besonders, als Teufel glaubhaft behauptete: „Wir sind mit Sonne gekommen und werden die Wolken davonjagen!“ Neben den mitreißenden Stücken der Truppe gab es auch besondere Showeinlagen zu bestaunen. So wurde beispielsweise bei „Rückgratreißer“ ein Galgen auf der Bühne platziert, an dem mehrere Wirbelsäulen aufgehangen waren. Besonders erfreut zeigte sich der Sänger, als er Opfergaben aus den Reihen vor der Dark Stage erhielt, zumal es sich bei diesen um schwarze BHs handelte, mit denen Teufel offensichtlich recht viel Spaß zu haben schien. Als die Band schließlich erklärte, dass ihnen der Auftritt ein Vergnügen gewesen wäre, und daraufhin die Bühne verließ, brandeten sofort Forderungen nach weiteren Darbietungen auf. Aber auch das RockHarz Open Air unterlag dem Fluch, der (fast) alle Festivals befällt und der verhindert, dass die meisten Bands diesem Wunsch des Publikums nachkommen dürfen. Somit blieb denn auch die Dark Stage vorläufig leer, bis schließlich eine knappe Stunde später die Schweden von Pain zu ihrem Auftritt luden.

 

Obwohl die Mannen um den in eine Zwangsjacke gehüllten Frontmann Peter Tägtgren von der ersten Sekunde an ordentlich die Bretter der Dark Stage rockten, blieb die Stimmung vor der Bühne zunächst sehr verhalten. Davon ließen sich die Skandinavier jedoch nicht beeindrucken und zogen alle Register, um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Indem sich die Band selbst permanent in Bewegung befand, der Sänger immer wieder die Menge zum Mitklatschen animierte und das Stück „Dirty Woman“ den anwesenden Damen widmete, gelang es dem Quartett schließlich die Menge auf ihre Seite zu ziehen. Im Resultat wurden Hits wie „The Great Pretender“ und „Same Old Song“ lautstark vom Publikum mitgesungen. Durch diesen Einsatz der stimmgewaltigen Metalheads vor der Dark Stage konnte somit zumindest in Ansätzen kaschiert werden, dass der Gesang Peter Tägtgrens teilweise recht leise von der Bühne herüber schallte. Als dann die ersten Töne von „Shut Your Mouth“ erklangen, rasteten die Anhänger der Schweden endgültig aus, was mit „Thank you very much people“ quittiert wurde. Pain gelang es im Endeffekt, innerhalb ihrer 50-minütigen Show ihr Publikum vollauf zu begeistern, obwohl auf großartige Ansagen oder Ähnliches weitgehend verzichtet wurde. Die starke Bühnenpräsenz Tägtgrens jedoch wirkte dermaßen mitreißend, dass die Schweden nach einigen Anlaufschwierigkeiten schließlich als klare Gewinner von der Dark Stage gingen.

 

Setlist:

01)             Crashed
02)             Moneky Business
03)             Dirty Woman
04)             Don’t Care
05)             I’m Going In
06)             Dark Fields Of Pain
07)             The Great Pretender
08)             Same Old Song
09)             On And On
10)             Shut Your Mouth

 

Wer das Braunschweiger Trio von Oomph! (das bei Liveauftritten inzwischen auf eine sechsköpfige Truppe angewachsen ist) bereits erleben durfte, weiß, dass er einer provokanten, nichtsdestotrotz aber mitreißenden und stimmungsgeladenen Show entgegenblickt. Diese Erwartungen wurden auch auf dem RockHarz Open Air nicht enttäuscht. Die Band um den leicht irre wirkenden Frontmann Dero betrat die Rock Stage in Matrosenoutfits und wusste von der ersten Minute an, zu überzeugen. Das Publikum sang sämtliche Songs, zu denen ganz aktuelle Stücke wie „Unzerstörbar“, bis hin zu alten Nummern, zu denen „Mitten ins Herz“ zählte, aus vollem Halse mit. Aber Frontsau Dero ließ auch nicht zu, dass sich die Stimmung in der Menge auch nur für einen Moment hätte abkühlen können. Selbst permanent über die Bühne wirbelnd und mit seiner meist ein wenig wahnsinnig wirkenden Gestik und vor allem Mimik faszinierend, schlug der Sänger die Anwesenden in seinen Bann, aus dem es kein Entrinnen gab. Zudem wusste er das Publikum durch Anstimmen von bandfremden Songs wie „We Will Rock You“ ordentlich mitzureißen. Besonders stachelte er die Menge jedoch an, indem er auf seine provokante Art fragte: „Könnt ihr lauter als der verkappte Rock am Ring?“ Dass diese Frage eindeutig bejaht wurde, bedarf kaum einer Erwähnung. Und auch die Reaktion auf die sich anschließende Frage „Könnt ihr auch lauter als Wacken?“ war beachtlich. Trotz dieser Leistung verlangte Dero weiteren Einsatz von der Menge und forderte die Massen auf, zu dem folgenden „Niemand“ wie die Wilden zu springen. Der Anblick, der sich daraufhin bot, als sich die Menge vor der Rock Stage in Bewegung setzte, war einfach nur gigantisch. Ganz im Sinne echter Rockstars stürzte sich der Sänger schließlich selbst für eine Runde Crowdsurfen von der Bühne, bevor er die Menge für „Seemannsrose“ zum Schunkeln aufforderte. Weitere Songs an diesem Abend widmete Dero auf seine provozierende Art Justin Bieber („Gott ist ein Popstar“) sowie Angela Merkel („Sandmann“), während er für „Träumst du“ die Anwesenden vor der Rock Stage zu einer Wall Of Death aufforderte. Dass natürlich „Augen Auf“ der größte Hit der Truppe nicht fehlen durfte, war selbstverständlich und somit sorgten bereits die ersten Klänge dieser Wahnsinnsnummer für frenetische Reaktionen, sodass der Frontmann einfach feststellen musste, dass das Publikum „der Hammer“ sei. Im Anschluss an dieses eindeutige Highlight des Auftritts verabschiedeten sich Oomph! mit einem kleinen, für Metalfestivals untypischen Experiment: Sie ließen ihre Anhänger „Always Look On The Bride Side Of Life“ pfeifen.

 

Durch technische Pannen bei den zuvor auftretenden Hatebreed verschob sich der mit kurz nach Mitternacht an sich schon spät angesetzte Auftritt des Heavy Metal Urgesteins Rage um eine weitere halbe Stunde. Zwar versammelte sich eine noch immer nicht unbeachtliche Menge an Nachtschwärmern vor der Dark Stage, im direkten Vergleich zu den Deathstars oder Moonsorrow, die an den folgenden Tagen den gleichen, offiziell „After Headliner Late Night Special“ betitelten Slot belegen sollten, zogen Rage jedoch deutlich den Kürzeren.

Die Anwesenden hingegen durften sich auf eine druckvoll vorgetragene Portion Heavy Metal mit Anleihen aus dem Thrash und gelegentlichen Ausflügen in Richtung Symphonic Metal erfreuen. Gleich nach dem vom aktuellen Album „Twenty One“ entliehenen Intro und gleichnamigem Titelsong wurde klar, dass sich die Herren um Frontmann „Peavy“ Wagner nicht wirklich um die späte Stunde scherten und bis unter die Zähne mit Energie bewaffnet, einen Kracher nach dem Anderen aus dem Ärmel schüttelten. Songs des aktuellen Albums wie „Forever Dead“, „Feel My Pain“ oder „Serial Killer“ bewiesen ebenso ihre absolute Livetauglichkeit wie länger nicht auf der Setlist aufgetauchten Evergreens der Marke „Refuge“ oder „Paint The Devil On The Wall“. Bei dem symphonischen „Empty Hollow“ und dem Teilstück „No Regrets“ aus der 2006 veröffentlichten Suite Lingua Mortis wurde eine Gastsängerin zur Unterstützung mit auf die Bühne geholt, was dem Dargebotenen (noch) ein wenig mehr Gänsehautatmosphäre verlieh. Mit den abschließenden Klassikern „Soundchaser“ und „Higher Than The Sky“, bei dem auch das erschöpfte Publikum beim Mitsingteil nochmal alles geben durfte, endete ein erstklassiger Gig einer Band, auf deren Performances man sich seit mehr als 25 Jahren verlassen kann, auch wenn dieses Mal die absoluten Übersongs „Down“ und „Set This World On Fire“ in der Setlist fehlten.

 

Setlist:

01) Twenty One
02) Forever
03) Paint the Devil on the Wall
04) Feel My Pain
05) Serial Killer
06) Suite Lingua Mortis V – No Regrets
07) Empty Hollow
08) Refuge
09) Great Old Ones
10) Higher Than the Sky
11) Soundchaser

 

Nachdem es in den frühen Morgenstunden des Freitags wieder zu regnen begonnen hatte, klärte sich der Himmel pünktlich zum Einlass, der auf 11:00 Uhr terminiert war, auf. Durch Verzögerungen, die beim Öffnen der Tore zum Festivalgelände entstanden, kamen The Foreshadowing, die erste Band des Tages, in die Verlegenheit, lediglich vor einer zunächst sehr geringen Publikumszahl auftreten zu müssen, da sie bereits fünf Minuten, nach Einlassbeginn die Rock Stage betraten. Davon ließen sich die Italiener jedoch nicht irritieren und machten das Beste aus dieser Situation, indem sie das anwesende Publikum unermüdlich versuchten, auf ihre Seite zu bringen. Trotz der schwereren Klänge, die das Markenzeichen von The Foreshadowing sind, gelang es ihnen, die wenigen Reihen vor der Bühne mit hypnotischen Songs wie „Outsiders“ und „The Forsaken Son“ in ihren Bann zu ziehen. Während der Rest der Band beständig das Publikum zum Klatschen animierte und sich recht bewegungsfreudig zeigte, verhielt sich Sänger Marco Benevento eher zurückhaltend. Dieses Auftreten ergänzte sich jedoch perfekt mit den eher getragenen, atmosphärischen Klängen der Italiener. Seine sehr ernst wirkende Art sorgte allerdings auch für ein kleines Schmunzeln beim Publikum, als Benevento zufällig an der Bühne vorbeiziehende Seifenblasen mit einem trockenen „Special effects!“ kommentierte. Als der letzte Song für das sehr kurze Set, angekündigt wurde, kommentierte die inzwischen doch um Einiges angewachsene Menge vor der Bühne dies mit einem mitleidigen „Ohhh!“. Trotz dieser Beileidsbekundung endete die Show von The Foreshadowing mit dem abschließenden „Havoc“ nach nur 30 Minuten, welche aufgrund der organisatorischen Schwierigkeiten beim Einlass für die meisten Anwesenden noch wesentlich kürzer waren.

 

Für diejenigen unter den Festivalbesuchern, die zuvor noch nichts von Engel gehört haben, dürfte der Auftritt dieser Formation eine besondere Überraschung gewesen sein, klingt der Name des Quartetts doch ein wenig irreführend. Im Gegensatz zu den Assoziationen, die bei diesem Bandnamen geweckt werden, handelte es sich bei der Truppe um eine schwedische Deathmetalband, die in die Fußstapfen von In Flames und Konsorten tritt. Der Auftritt der Schweden sorgte somit auch schnell für eine bombastisch gute Stimmung in der Menge, in welcher sich innerhalb recht kurzer Zeit einige Moshpits bildeten, angestachelt auch von Sänger Magnus „Mangan“ Klavborn, der das Publikum mit Aussagen wie „Everyone who stands still, is the enemy!“ natürlich noch weiter anheizte. In der Folge lösten „Frontline“ oder „Six Feet Deep“ ein regelrechtes Inferno vor der Rock Stage aus. Damit aber nicht genug forderte der stark behaarte Frontmann die Menge für „Numb“ zum Springen auf, wozu sich das Publikum nicht zweimal bitten ließ. Aber auch auf der Bühne selbst herrschte viel Bewegung. Die Spielfreude stand der gesamten Band regelrecht ins Gesicht geschrieben. Und auch der beständige Publikumskontakt, in dem sich Klavborn, befand, trug dazu bei, die Freude an den Melodic Death-Klängen der Musiker auf das Publikum zu übertragen. Besondere Sympathie jedoch gewann der Frontmann, indem er den Anwesenden zugestand, ihre Bedürfnisse frei auszuleben: „This is a metalfestival! If you want to fight, fight! If you want to scream, scream! If you want a beer, take two!” Mit dieser Ansage hatte er selbstverständlich alle Metalheads vor der Bühne für sich gewonnen, die es ihm mit einem weiteren Moshpit zu „Elbow And Knives“ dankten. Somit hinterließen Engel trotz einer recht kurzen Spielzeit ein (zumindest für’s Erste) ausgepowertes Publikum.

 

Als Coppelius die Dark Stage betraten, herrschte schon beinahe Headlinerandrang. Wenig überraschend bekam doch der geneigte Festivalgänger hier eine Show geboten, die die Grenzen zwischen einer normalen Bandperformance und aufwendigem Cabaret bzw. klassischem Theater verschwinden ließ. Wenn auch die ansonsten übliche opulente Kulisse fehlte, passte das Stageacting der ständig wechselnden Leadsänger (einen wirklichen Frontmann gibt es bei Coppelius nicht) auf jede Musicalbühne, während der Rest des Sextetts mit einstudierten Choreografien das Geschehen unterstrich. Butler Bastille führte dabei durch das einwandfrei auf Cello, Kontrabass und Klarinette vorgetragene Musikprogramm, bestehend aus eingängigen eigenen Stücken sowie zweier Iron Maiden Coversongs („Murders In The Rue Morgue“ und „Running Free“). Wenn dieser nicht grade damit beschäftigt war, mit Staubwedel die Instrumente seiner „Herren“ zu entstauben, durfte er, dank praktisch befestigtem Mikro, Backingvocals leisten, Champagner ans Publikum verteilen oder mit einigen glücklichen Auserwählten aus der Menge um die Wette headbangen. Auch die verbale Kommunikation mit dem Publikum übernahm Bastille, dies allerdings seiner Rolle geschuldet nicht sehr souverän. Leider gingen seine Ansagen durch seine hektische Art des Öfteren am Mikrofon vorbei und waren somit sehr schwer verständlich – ein Problem, was nicht auf die Technik zurückzuführen war, sondern leider häufiger auf Konzerten der Band auftaucht. Die Meute verzieh ihm dies jedoch und feiert die Coppelianische Zusammenkunft lautstark und mit vielen Crowdsurfern.

 

In eine musikalisch etwas andere Kerbe schlugen die Symphonic-Metaler von Epica, die am frühen Abend die Dark Stage enterten und direkt mit den ersten Klängen von „Monopoly On Truth“ ordentlich losrockten. Nicht nur die recht große Ansammlung an Metalheads vor der Bühne fand schnell großen Gefallen an den bombastischen Klängen, die Sängerin Simone Simons und ihre männlichen Mitstreiter von der Bühne schmetterten, auch der Wettergott spielte inzwischen mit. Nachdem es den größten Teil des Tages bewölkt war, stellte die Sängerin der niederländischen Formation recht schnell fest, dass die Sonne rauskommen würde. Und tatsächlich zeigte ein kurzer Blick nach oben, dass sich der Himmel zur Abwechslung einmal blau färbte. Bei einem solchen Wetter machten die dargebotenen Songs „Unleashed“, „Santa Terra“, „Cry For The Moon“ und so manche mehr, gleich doppelt so viel Spaß. Hätte man die Menge der Crowdsurfer als Stimmungsbarometer verwendet, wäre man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Atmosphäre im Publikum einfach gigantisch gewesen wäre. Nichtsdestotrotz stachelte das Sextett die Mengen noch immer weiter an und sparte auch selbst nicht an eigenem Körpereinsatz. So ließen sich überall, wo man hinschaute, fliegende Haare auf der Bühne registrieren. Für einen weiteren besonderen visuellen Effekt sorgte darüber hinaus das Keyboard von Coen Janssen, welches sich drehen ließ und dieser Effekt wurde von dem Musiker natürlich ausgiebig genutzt. Bei der aktuellen Single „Storm The Sorrow“ wurde die Freude jedoch ein wenig getrübt, als sich kleine technische Probleme einstellten und der Klang von Simones Stimme von Störgeräuschen beeinträchtigt wurde. Davon ließ sich die rothaarige Sängerin jedoch nicht aus dem Konzept bringen und performte den Song professionell bis zum Ende. Die Probleme konnten dann auch schnell reguliert werden, sodass bei „Consign To Oblivion“ alles wieder in bester Ordnung war und der Song ohne weitere Vorfälle dargeboten werden konnte. Als die Spielzeit der Niederländer schließlich mit einem bombastischen Finale endete, brandeten selbstverständlich sofort laute Forderungen nach weiteren Darbietungen auf, welche aber leider unerhört verhallen mussten.

 

Setlist:

01) Karma
02) Monopoly on Truth
03) Sensorium
04) Unleashed
05) Sancta Terra
06) Cry for the Moon
07) Storm the Sorrow
08) Consign to Oblivion

 

Mit dem Auftritt von ASP schlug die Stunde der Gothics beim RockHarz Open Air. Obwohl das Festival im Grunde von Metal dominiert wurde, war die Schar derjenigen, die Interesse an den nun erklingenden nicht ganz so harten Klängen zeigten, dennoch sehr groß. Neben feiertauglichen Songs wartete ASP mit einer unglaublichen Pyro-Show auf. Somit beeindruckten gigantische Nebelfontainen das Publikum bereits während des Intros, wodurch die Spannung auf die nun folgende 60-minütige Show ordentlich gesteigert wurde. Schon beim Opener „Wechselbalg“ herrschte ausgelassene Stimmung in der Menge, worüber sich Frontmann Alexander Spreng sehr freute: „Schön, dass ihr auch noch Gehör für eine kleine Gothicband aus Frankfurt findet!“ Während dem folgenden Set wurde somit im Publikum zu den verschiedenen Hits wie „Und wir tanzten“ „Ich bin ein wahrer Satan“ oder „Kokon“ nicht nur ordentlich geheadbangt, sondern auch getanzt, wie es bei Gothic-Klängen häufig üblich ist. Und auch auf der Bühne gab es so einiges zu sehen. Bei „Krabat“ hielt der Sänger schwarze Federn in den Händen, mit denen er den Text passend untermalte. Darüber hinaus wurden immer wieder weitere Pyro-Effekte, wie Schaum- und Feuerfontainen oder brennende Feuerschalen eingesetzt. Aber auch das Publikum musste aktiv werden, als ASP diesem verschiedene Tonfolgen vorgab, die dieses nachsingen sollte. Dies geschah zunächst noch nicht ganz zufriedenstellend, was mit einem mahnenden „RockHarz, wir müssen reden!“, kommentiert wurde. Diese Rüge verfehlte ihre Wirkung nicht, sodass die Menge im Folgenden lautstark die vorgegebenen Tonfolgen losschmetterte. Zu „Rücken an Rücken“ forderte ASP die Menge auf, sich mit dem Rücken zur Bühne zu drehen. Dieser zunächst ein wenig seltsam anmutenden Aufforderung kamen alle Anwesenden gerne nach und konnten ganz nebenbei auf diese Weise sogar für kurze Zeit einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. Das Highlight des Sets jedoch bestand in dem Hit „Ich will brennen“, zu dem riesige Flammen in den Himmel schossen und das Publikum selbst endgültig vor lauter Begeisterung entflammte. Als die letzten Töne verklungen waren, kniete der überwältigte Frontmann vor der Menge nieder, und da auch in diesem Fall keine Zugabe gewährt wurde, sang das Publikum einfach selbst, nachdem ASP die Bühne verlassen hatte, die zuvor vorgegebenen Tonfolgen noch ein Weilchen nach.

 

Den Besuchern des RockHarz Open Airs gebührte die Ehre, dem allerletzte Konzert der über zwei Jahre dauernden Blind Guardian-Tour zum letzten Album „At The Edge Of Time“ beizuwohnen. Und doch wirkte der dargebotene Auftritt recht beliebig, brav und unspontan. Nichtsdestotrotz suchte die Qualität des Songmaterials Ihresgleichen und die technisch einwandfreie Darbietung, welche ebenfalls als ein Markenzeichen der Band gilt, wusste das Publikum zu überzeugen. Somit herrschte auch bei diesem Auftritt erneut die für Blind Guardian typische Gänsehautatmosphäre. Frontmann Hansi Kürsch stellte erneut sein Talent als begnadeter Sänger unter Beweis, aber auch seine mangelnden Fähigkeiten als Entertainer, an die sich ein wahrer Anhänger der Formation inzwischen gewöhnt hat, wurden an diesem Abend wieder offensichtlich. Im Gegensatz zu den unmittelbar zuvor aufspielenden ASP, überraschten die Power-Metal-Barden mit fehlender Pyrotechnik, die diese Combo in der Regel auszeichnet. Bei der Setlist hingegen gingen Hansi Kürsch und seine Mitstreiter auf Nummer sicher und spielten keinen Song, der auf Tour nicht auch schon mehrfach gespielt wurde. Und auch das Mitsingspielchen am Ende von „Valhalla“ wurde durch künstliches In-Die-Länge-Ziehen jeder Spontanität beraubt. Darüber hinaus gab sich Hansi Kürsch noch nicht einmal die Mühe, seine Ansagen im Vergleich zu den Konzerten der Tour abzuändern und benutzte sogar die gleichen Formulierungen wie bereits im Herbst 2010, wodurch sich der eine oder andere Anhänger Blind Guardians eventuell leicht veräppelt gefühlt haben mag. Nichtsdestotrotz zeigte sich der größte Teil der Menge begeistert von der Show, sodass die entstehende Stimmung absolut großartig war. Nach „Mirror Mirror“ verschwand die Band dann jedoch ohne Verabschiedung hinter der Bühne und ins Songwriting-Exil, welches bis 2014 andauern soll.

 

Setlist:

01) Sacred Worlds
02) Welcome To Dying
03) Nightfall
04) Fly
05) Time Stands Still (At The Iron Hill)
06) A Voice In The Dark
07) The Last Candle
08) A Past And Future Secret
09) Imaginations From The Other Side
10) Majesty
11) The Bard’s Song – In The Forest
12) Mirror Mirror

 

Als Late Night Special rockten am Freitagabend die Deathstars die Dark Stage. Mit „Mark Of The Gun“ betraten die Schweden die Bühne und feuerten das Publikum umgehend an, mitzuklatschen und abzugehen. Gleichzeitig lieferte die Band selbst eine bombastische Show ab. Sänger Wiplasher Bernadotte stand kaum eine Minute still und lief stattdessen unablässig von einer Seite der Bühne zur anderen. Die beiden Gitarristen Cat und Nightmare Industries sowie Bassist Skinny taten es ihm gleich und auch fliegende Haare gab es massig zu bewundern. Diese Energie übertrug sich selbstverständlich auch auf die Menge vor der Bühne, sodass diese sich schnell in Feierlaune befand, obwohl es während der Show leider wieder zu regnen begann. Nichtsdestotrotz sorgten „Night Electric Night“, „Tongues“ sowie sämtliche anderen Darbietungen der Deathstars für Partylaune. Die gesamte Band befand sich dabei in beständiger Kommunikation mit der Menge, wobei allerdings die Ansagen des Frontmannes nicht immer so ganz verständlich ausfielen. Dagegen sorgte es für einige Überraschung, dass Wiplasher selbst einige Passagen der dargebotenen Songs keifte, was in der Vergangenheit allein Bassist Skinny übernommen hatte. Dies stand dem Sänger jedoch recht gut zu Gesicht. Für endgültige Begeisterung der Anwesenden allerdings sorgte „Blitzkrieg“, bei dessen ersten Tönen das Publikum vollends ausrastete. Gegen Ende der Show verschlechterte sich das Wetter leider weiterhin und aus dem bis dahin eher schwachen Regen wurde ein fester Dauerregen. Daraufhin verließen einige der Anwesenden das Festivalgelände vorzeitig, um in ihren Zelten Schutz zu suchen. Die Deathstars hingegen ließen sich von dem Wetter nicht irritieren und gaben bis zum Ende ihrer Spielzeit richtig Gas und schafften es sogar, das Publikum trotz der widrigen Umstände zu Zugabe-Rufen zu bewegen.

 

Den letzten Festivaltag eröffneten die Taiwanesen von Cthonic. Als diese mit ihrem Set loslegten, war im Vergleich zum Vortag schon relativ viel los, was auch den Securitys zu verdanken gewesen war, die es am dritten Tag schafften, den Einlass reibungslos zu steuern. Und auch der Band gelang es, trotz der frühen Stunde, die Headbanger aufzuwecken und recht schnell auf ihre Seite zu ziehen, was nicht zuletzt daran lag, dass das Quintett diese ordentlich anstachelte und selbst mit gutem Beispiel und kraftvollem Synchron-Headbangen voranging. Generell zeichnete sich die kraftvolle Show von Cthonic durch viel Bewegung auf der Bühne aus, sodass die dargebotenen Songs, zu denen „Broken Jade“ und „Takao“ zählten, in einen passenden Rahmen gehüllt wurden und somit gut ankamen. Leider sparte die Band an Ansagen und Sänger Freddy beschränkte sich in erster Linie darauf, die Songtitel zu verkündigen. Eine Ausnahme stellt der Hinweis auf die Autogrammstunde dar, zu der die Band ihre Anhänger einlud. Auf jeden Fall gelang es Cthonic, die noch müden Festivalbesucher angemessen zu wecken und ihnen ordentlich einzuheizen.

 

Obwohl bei Cthonic noch die Sonne geschienen hatte, zeichnete sich der Samstag durch sehr wechselhaftes Wetter aus, das zwischen strahlendem Sonnenschein und heftigstens Regenschauern wechselte. Týr zählten leider zu den Bands, die ihren Auftritt im Regen beginnen mussten. Der Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch, was nicht zuletzt an den mitreißenden Folkmetalhymnen gelegen hat. So ließ sich das Publikum dazu hinreißen, beständig mitzuklatschen – selbst dann, wenn die Band die Menge gar nicht dazu animierte. Aber die Darbietungen von „Evening Star“, „Hold The Heathen Hammer High“, „By The Sword In My Hand“ und einigen mehr ließ den Anwesenden auch kaum eine andere Wahl. Darüber hinaus entfaltete die Weise, in der die Songs präsentiert wurden, einfach einen mitreißenden Eindruck und fesselte das Publikum an die Rock Stage. Die gesamte Band, allen voran Bassist Gunnar H. Thomsen, wirkte dabei überaus gut gelaunt. Im Laufe der 45-minütigen Show klarte schließlich der Himmel wieder auf, sodass gegen Ende des Sets sogar die Sonne zu sehen war. Bevor Týr schließlich mit „The Lay Of Thrym“ ihren letzten Song anstimmten, entschuldigte sich Frontmann Heri Joensen sogar dafür, dass nun das Ende der Show anstand. Aber daran etwas zu ändern, stand nun mal nicht in der Macht der Band und auch nicht in der des Publikums, welches sich dennoch mit lautstarken Zugabe-Rufen darum bemühte, Týr nochmals auf die Bühne zurückzulocken.

 

Freedom Call sind in den letzten Jahren von den großen Festivalbühnen verschwunden. Bei einem derart hohen Polarisierungsgrad auch nachvollziehbar. Denn außer Manowar (die von Freedom Call nicht nur einmal zitiert werden) spaltet wohl niemand derart die metallischen Gemüter.

Trotzdem versammelte sich um kurz nach 17:00 Uhr – ausgerechnet vor der Dark Stage – eine immense Menge Metalheads. Denn bei allem Kitsch im Songwriting hat sich wohl auch rumgesprochen, dass die fränkische Truppe um Front-Grinser Chris Bay eine sehr gute Liveband ist. So sprühte auch dieser Gig nur so vor guter Laune, hohen Bewegungsradien aller Mitmusiker auf der Bühne und humorvollen Ansagen des Frontmannes. Dabei hatte die Band ein ziemlich hartes Arbeitspensum an diesem Wochenende zu bewältigen, außer dem RockHarz Open Air standen noch Gigs auf dem Bang Your Head und dem Masters Of Rock in Tschechien an der Grenze zu Slowenien auf dem Programm. Daher verdienten alle vier Musiker einen Riesenrespekt, da ihre gute Laune natürlich und nicht aufgesetzt rüberkam. Auch das grade heranziehende Unwetter überlegte es sich bei Happy-Metal Hymnen der Marke „Warriors“, „United Alliance“ oder dem selbstironischen „Rockstars“ nochmal anders und verschonte Festivalgelände und den Campground. Das Freedom Call verschiedene Facetten zu bieten haben, zeigten sie mit dem düsteren Epos „The Quest“, bei dem sich harte Riffs mit melancholischen und balladesken Gesangsparts abwechselten. Die Stimmung kochte natürlich aber dann über, als bei „Power And Glory“ die „Happy Metal Party“ ausgerufen wurde. Nachdem beim abschließenden „Land Of Light“ alle unmittelbaren Teilnehmer zum kollektiven Mithüpfen animiert wurden, musste auch der letzte Kritiker eingestehen, dass Freedom Call seine Berechtigung auch auf den großen Bühnen unserer Festivals mehr als verdient haben.

 

Setlist:

01) We Are One
02) United Alliance
03) Tears Of Babylon
04) Rockstars
05) The Quest
06) Power And Glory
07) Warriors
08) Land Of Light

 

Wer die Italiener von Lacuna Coil in erster Linie von CD her kannte, wird wahrscheinlich ziemlich überrascht gewesen sein, welch druckvollen Sound die Combo live entfaltet. Die Kraft, die die Band bei ihrem Auftritt ausstrahlte, übertrug sich innerhalb kürzester Zeit auf ihr Publikum, sodass bereits während den ersten Stücken „I Don’t Believe In Tomorrow“, „I Won’t Tell You“ oder „Kill The Light“ bereits eine bombastisch gute Stimmung vorherrschte – und dass, obwohl Lacuna Coil diesen Gig ohne Bassisten absolvierten. Sängerin Christina Scabbia und ihr männlicher Duettpartner Andrea Ferro fegten wie die Derwische über die Bretter der Rock Stage und zeigten sich dabei erstaunlich stimmgewaltig. Und obwohl sich niemand in der Menge der somit entstehenden Magie entziehen konnte, legte es Christina Scabbia darauf an, festzustellen, ob das Publikum müde sei. Somit forderte sie die Metalheads vor der Bühne auf, mitzuklatschen und mitzusingen. Beim folgenden „Fragile“ gingen Lacuna Coil sogar noch einen Schritt weiter und verlangten von der Menge, mit den Italienern zusammen zu springen. Dieser Aufforderung kamen die Anwesenden gerne nach, sodass vor der Rock Stage eine auf- und niederwogende Menschenmasse entstand. Bevor mit „Spellbound“ der letzte Song des mitreißenden Gigs angestimmt wurde, betonten Lacuna Coil, dass es für sie ein Privileg gewesen sei, auf dem RockHarz Open Air zu spielen. Diese Aussage nahm man der gesamten Band sofort ab und feierte mit den auf diesem Event als Quintett auftretenden Italienern die letzten Momente dieser großartigen Show.

 

Bereits als das Intro „Khaos Overture“, zu dem Arch Enemy die Rock Stage enterten, erklang, tobte die Menge vor der Bühne vor lauter Begeisterung. Als dann Frontröhre Angela Gossow zu „Yesterday Is Dead And Gone“ ihre aggressiven Growls in den Tag schickte, gab es dann absolut kein Halten mehr. Von den ersten Takten an dirigierte die mit Nieten gespickte Sängerin das Publikum und stachelte es mit ihrer eigenen Power immer weiter an, sodass dieses der (fast schon unnötigen) Aufforderung von Bassist Sharlee D’Angelo, ein Circlepit zu bilden, nur zu gerne nachkam. Als das auf diese Weise angeheizte Publikum schließlich ein wenig übermütig wurde und Angela Gossow mit lauten „Ausziehen!“-Rufen herausforderte, reagierte diese ziemlich cool, in dem sie mit dem Kommentar „Ich kann es mir leisten“ ihren Waschbrettbauch entblößte, gleichzeitig aber betonte: „Zum Glück kann ich mit Brüllen mein Geld verdienen!“, woraufhin sie mit den Worten „Blut spritzt, Knochen fliegen“ den folgenden Song „Blood Staind Cross“ einleitete. Zu „Under Black Flags We March“ ergriff die Frontfrau eine Flagge mit dem Bandlogo und trug diese erhaben über die Bühne, nur um in Anschluss zu verkünden, dass die Band jetzt zu viele „Midtempo“-Songs gespielt hätte und nun „eine Harke zulegen“ müsse, was mit „In This Shallow Grave“ und „Dead Eyes See No Future“ auch eindrücklich gelang. Die Rückseite der Bühne wurde von einer Leinwand gespickt, auf der einige zu den Songs passende Szenen abgespielt wurden. Leider war es während des Auftritts der schwedisch-deutschen Combo noch zu hell, um wirklich etwas zu erkennen. Als Arch Enemy sich mit „We Will Rise“ und „Nemesis“ von der Rock Stage verabschiedeten, blieb den Metalheads vor der Bühne nichts anderes übrig, als fasziniert festzustellen, dass die kleine, zierliche Frontfrau die meisten ihrer männlichen Kollegen sowohl stimmlich als auch showtechnisch bei Weitem in den Schatten stellte.

 

Setlist:

01) Khaos Overture
02) Yesterday is Dead and Gone
03) Ravenous
04) My Apocalypse
05) Bloodstained Cross
06) The Day You Died
07) Under Black Flags We March
08) In This Shallow Grave
09) Dead Eyes See No Future
10) Dead Bury Their Dead
11) We Will Rise
12) Nemesis

 

Als Knorkator die Dark Stage betraten, war es mit dem guten Geschmack vorbei. Sänger Stumpen performte „Der ultimative Mann“ komplett in einen Bodysuit gehüllt, während Keyboarder Alf Ator in einem Rhönrad stand, an welchem seine Instrumente befestigt waren. Schon nach kurzer Zeit schien es dem Frontmann in seinem ausgefallenen Outfit zu warm zu werden, sodass er sich des Bodysuits entledigte. Was darunter zum Vorschein kam, war jedoch kaum ansprechender: Stumpen trug nämlich einen Badeanzug! Da Knorkator unbedingt beweisen wollten, dass das RockHarz Open Air das geilste Festival der Welt sei, befahl der Frontmann sämtlichen Fotografen im Bühnengraben, auf die Dark Stage zu kommen, um das Publikum zu fotografieren. Im Anschluss an diese Aktion wurde das Ace Of Base-Cover „All That She Wants“ performt. Obwohl die Stimmung in der Menge wirklich ausgelassen war, zeigte sich Stumpen, der seinen Badeanzug zwischenzeitlich ebenfalls fast abgelegt hatte und diesen nur noch als Badehose trug, nicht zufrieden. Somit musste das Publikum ganz viel Leistung bringen und wie die Wilden bei Songs wie „Du bist schuld“ oder „Alter Mann“ mitklatschen. Zu den Besonderheiten von Knorkator-Shows gehören seit jeher die verrückten Aktionen, die die Band (teilweise mit dem Publikum zusammen) durchführt. Beim RockHarz Open Air zählte dazu das Crowdsurfen weg von der Bühne, sowie das „Dicke Männer Jumping“. Hierzu wurden sieben dicke Männer auf die Bühne gebeten, die sich auf den Rücken legen mussten, sodass Stumpen diesen auf die dicken Bäuche springen konnte. Als sich die Spielzeit von Knorkator dem Ende zuneigte, betonte der Sänger, dass die Band, obwohl sie bereits aufgefordert wurde, die Bühne zu verlassen, einfach noch drei Songs spielen würde – obwohl jeder Song, mit dem überzogen würde, 5.000 Euro Strafe kosten würde. Das Publikum freute sich natürlich über diesen Großmut und feierte mit dem verrückten Quintett die letzten Stücke, bevor Knorkator nach „Wir werden alle sterben“ und zwei weiteren Ohrwürmern schließlich endgültig die Dark Stage verlassen mussten.

 

Setlist:

01) Der ultimative Mann
02) All That She Wants (Ace of Base-Cover)
03) Ma Baker (Boney M.-Cover)
04) Eigentum
05) Du bist schuld
06) Du nich
07) Alter Mann
08) Klonen
09) Böse
10) Kurz und klein
11) Wir werden
12) Für meine Fans
13) A

 

Bevor der Headliner die Rock Stage entern konnte, versammelten sich die Organisatoren des RockHarz Open Airs auf der Bühne und bedankten sich beim Publikum, den Bands und so weiter für das tolle Festival.

Im Anschluss an diese Ansprache gebührten Amon Amarth die Ehre, das Event mit einer gigantischen 80-minütigen Viking-Metal Show zu krönen und auf diese Weise dem Ende entgegenzuführen. Und die Schweden machten schnell klar, dass es kaum einen würdigeren Headliner für ein solches Festival geben konnte. Bereits die Feuershow, die die Band bei ihrem Opener auffuhr, ließ erwarten, dass dem Publikum ein heißer Auftritt bevorstehen würde. Das häufig synchron ausgeführte Headbangen der Wikinger strahlte dabei eine unglaubliche Kraft und Macht aus, die bei sämtlichen Metalheads eine Gänsehaut verursachen musste. Für weitere Sympathiepunkte sorgte Sänger Johan Hegg, der das Publikum beständig anfeuerte und häufig zu diesem sprach, was er teilweise sogar in recht gutem Deutsch tat. Die Menge dankte es dem sympathischen Frontmann, indem sich zu „Destroyer Of The Universe“, dem sehr früh dargebotenen Hit „Death In Fire“, „Live For The Kill“ und vielen weiteren Songgranaten einen absoluten Hexenkessel bildete. Als zu „War Of Gods“ die Aufforderung zum gemeinsamen Springen erging, gab es für niemanden mehr ein Halten, sodass sich der Band ein wahrlich unglaublicher Anblick bieten musste. Die häufig eingesetzten Feuereffekte untermalten die an sich schon gigantischen Songs der Schweden in perfekter Weise und auch die unglaubliche Bühnenpräsenz, die Johan Hegg und seine Mitstreiter ausstrahlten, sorgten für eine unglaubliche Faszination, der man sich nicht entziehen konnte. Mit einem großen Dankeschön an alle Metalheads, die das Wochenende bei schlechtem Wetter ausgeharrt hatten, um dieses Festival mit den Wikingern von Amon Amarth abzuschließen, leitete Hegg die Show ihrem Ende entgegen, und als der letzte Song mit einem hellen Funkenregen endete, konnte dies wirklich niemanden mehr kalt lassen. Sofort brandeten laute Zugabe-Rufe auf, sodass Amon Amarth schon nach wenigen Augenblicken auf die Bretter der Rock Stage zurückkehrten und ihr Viking-Metal-Feuerwerk mit „Guardians Of Asgaard“ einem würdigen Abschluss entgegen führten.

 

Setlist:

01) War of the Gods
02) Runes to My Memory
03) Destroyer of the Universe
04) Death in Fire
05) The Pursuit of Vikings
06) Cry of the Black Birds
07) Varyags of Miklagaard
08) For Victory or Death
09) Victorious March
10) Twilight of the Thunder God
11) Guardians of Asgaard

 

Obwohl das diesjährig RockHarz Open Air von vielen Regenfällen beeinträchtigt wurde, bleibt rückblickend festzuhalten, dass es sich trotz aller Widrigkeiten um ein einmaliges Festival handelte. Die angereisten Metalheads ließen sich ihre gute Laune von dem schlechten Wetter nicht vermiesen und legten fast durchgängig eine grandiose Stimmung an den Tag, sodass das gesamte Event von einer einzigartigen guten Stimmung dominiert wurde. Auch die Auswahl an auftretenden Bands erwies sich als sehr abwechslungsreich und gelungen, sodass davon ausgegangen werden kann, dass im nächsten Jahr, wenn das RockHarz Open Air sein 20-jähriges Bestehen feiert, wieder ein großartiges Festival aufgezogen wird, dessen Besuch sich mehr als lohnen wird.

 

Kerstin Tschöpe / V. U.  

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