Rock am Härtsfeldsee 2012 – Heavy Metal & Thunderstorm, der Livebericht!!

Rock am Härtsfeldsee ging in die 16. Runde. Die angekündigten Bands, mit Blind Guardian und Children Of Bodom als Headliner, hatten es in sich. Kein Wunder, dass das Festival früh ausverkauft war und so 6000 – 7000 Metalfans ins schwäbische Dischingen pilgerten.

Aber Rock am Härtsfeldsee hat außer beste Musik schon immer noch mehr zu bieten. Eine familiäre Atmosphäre, eine tolle Landschaft mit dem schönen, aber leider wieder ziemlich veralgten See, keinen Stress mit sich überschneidenden Bands (es gibt nur eine Bühne!) und günstige Preise.

Aufgrund der angekündigten Regenfälle und Gewitter am Samstag und Sonntag hatte ich mit meiner Frau diesmal in einem Gasthof in der Nähe ein Zimmer bezogen, was sich später als außerordentlicher Glücksfall erwies.

Das Festivalgelände am See war wieder perfekt hergerichtet. Die Bühne war wie in den Vorjahren von einem Zelt überdacht – das freut nicht nur die um ihr teures Equipment besorgten Fotografen – auch der  Boden war mit einem Kalkkies perfekt vorbereitet. Einzig der Campingplatz lag dieses Jahr ein paar Meter  weiter  entfernt, mich hat’s nicht gejuckt! 😉

Am Freitagabend um 18:00 Uhr ging‘s dann auch pünktlich mit den Bands los.

Zunächst kam die mir unbekannte Thrash Metal-Band Dust Bolt aus Landsberg auf die Bühne.
Wow, ich glaube ich habe noch nie einen solch guten Opener gesehen! Das war kein Knüppel-Thrash sondern eher im Tempo variierender, abwechslungsreicher Bay Area-Thrash der 80er im modernen Outfit. Jungs macht weiter so, mit euren 18 Jahren habt ihr euch bereits das Tor zur großen Metal-Welt weit aufgestoßen!

Als zweite Band kam Stahlmann, eine Band aus Göttingen,  ihre Stil ist klar Neue Deutsche Härte.
Die komplett silber geschminkten Musiker konnten ihren Stil auch ohne Pyroshow bestens interpretieren.  Die Jungs kommen ohne Arroganz daher und man konnte sie auch nach ihren tollen Auftritt noch den ganzen Abend sehen, teilweise einfach um zu helfen. Bei Rammstein sicherlich unvorstellbar. 😉

Die nächste Band war Freedom Call, mit ihrem typischen Melodic-Power-Metal somit auch der nächste Metal-Style. Rock am Härtsfeldsee gibt jedem Metaller die erhoffte Beschallung!
Freedom Call hatte ich bereits 2001 das erste Mal auf der Tour mit Hammerfall gesehen. Viel hat sich seitdem nicht geändert: die Band besticht noch immer vor allen durch ihre enorme Spielfreude, die einen mitreißt. Die Band versteht sich blind, und trotz einer gewissen Routine sind alle bestens aufgelegt.  Geradezu symbolisch hierzu die Songauswahl der ersten zwei Titel: „We Are One“ und „United Alliance“. Die Songs sind vielfältiger geworden, die Hälfte ihres Sets kommt von der aktuellen Scheibe „Land of the Crimson Dawn“.  Zum Abschluss gab’s ihre Hits „Warriors“, „Land Of Light“ und „Freedom Call“.

Der Co-Head des Abends war Sodom, die nunmehr seit 30 Jahren Thrashen.
Leider hatte ich für Sodom kaum Zeit, da ich zum Interview mit Marcus Siepen von Blind Guardian verabredet war und der Manager bereits wartete. Das sehr interessante Interview mit Marcus, Zitat: „ich glaube ich rede mich in Rage“, werde ich sobald ich die Freigabe habe veröffentlichen.  So war für mich bei Sodom lediglich beim ersten Song Zeit für ein paar Fotos. Leider war hierbei die Bühne vorwiegend Rot oder fast gar nicht beleuchtet. Deshalb waren die Pics eher suboptimal.
Tom Angelripper und Bernemann bestachen nicht gerade durch gerenne und gehüpfe auf der Bühne. Obs am Alter liegt oder sie etwas Zeit brauchten um warm zu werden, konnte ich leider nicht beurteilen. Zumindest hatte Tom am Ende, als ich vom Interview zurück kam, sein Shirt ausgezogen. Es muss ihm zumindest warm genug geworden sein, um seinen vom Metal und Bier geschundenen Oberkörper zu präsentieren, der im nächsten Frühjahr immerhin die 50 voll macht. Musikalisch kann ich auch nicht viel mehr sagen, es ist halt gut gemachter gradliniger Trash, nicht mehr und nicht weniger. Klar „Ausgebombt“ war auch dabei.

Das Zelt war nun voll und Alle warteten auf Blind Guardian, die sehr pünktlich um halb 12 auf die Bühne kamen. Der Opener war der, auch ohne Orchester grandiose Song „Sacred Worlds“ vom letzten Album. Gleich drauf gab’s mit „Welcome to Dying“ von 1990 einen Hammer-Hit der Band.
Es wurde fast aus jedem der 9 Blind Guardian-Alben zumindest ein Song präsentiert, ausgenommen war nur das „A Night At The Opera“ Album. Ganz kurzfristig schaffte es auch noch ein Song ihres ersten Albums „Battalions Of Fear“ auf die Setlist (beim Interview war es kurz zuvor noch nicht drauf). Wer jetzt selbstverständlich auf „Majesty“ tippt, hat sich bei Blind Guardian mal wieder verschätzt: es war überraschenderweise  „Wizard’s Crown“. Vom letzten Album „At the Edge Of Time“ gabs noch zwei weitere Songs: „Wheel Of Time“ und „Tanelorn“.  Natürlich wurden auch weitere ihrer ganz großen Hits wie „The Bard’s Song“  und „Valhalla“ präsentiert, bei denen, wie bei Blind Guardian üblich, das Publikum praktisch jede Textzeile mit grölt. Sie präsentierten in ihrem fast zweistündigen, abwechslungsreichen Programm wie gewohnt  neben Speedgranaten wie „Mirrow Mirrow“ auch eher ruhige Balladen wie „Nightfall“. Hansi Kürsch mit kurzen Haaren war für einige noch ungewohnt. Aber die Zeiten, dass zu einem Mettaler eine Matte zwingend dazu gehört, sind wohl endlich vorbei. Band und Publikum waren gleichermaßen besten aufgelegt und so war der Blind Guardian Gig der erwartete Höhepunkt des ersten Rock am Härtsfeldsee Abends.

Am Samstag ging’s wieder um die gleiche Zeit los. Endlich ein Festival bei dem man in Ruhe ausschlafen, essen und trinken kann und nicht schon mittags irgendwelche Bands reingepresst werden, bloß um eine neue irrwitzige Rekordanzahl Bands präsentieren zu können. Bei Rock am Härtsfeldsee gibt’s  10 ausgesuchte Bands die zwischen 18:00 und 1:30 auf einer Bühne auftreten, das war‘s – für mich Ideal.

Heute kam als Opener Misanthropia auf die Härtsfeldsee-Bühne. Diese stehen für anspruchsvollen, sehr abwechslungsreichen Metal. So wechseln sich z.B. Songs mit Growls und Songs mit Clear-Vocals ab und energiegeladene, druckvolle Parts mit melodiösen ab. Für die Jungs ist es ein Heimspiel, sie kommen aus dem benachbarten Aalen. Entsprechend werden sie auch vom Publikum bereits abgefeiert. Ein toller, sehr kurzweiliger Auftritt mit sehr sympathischen Jungs.

Die zweite Band des Abends war Serum114, die einzige Band des Festivals die mit ihrem deutschsprachigen Punkrock nicht in die Metal-Schublade passte. Für mich war diese Abwechslung sehr erfrischend. Die Frankfurter Punkrocker mit ihren meist sozial- und gesellschaftskritischen Texten schafften es spielend auch die Headbanger für sich zu gewinnen, indem sie das Publikum ständig mit einbezog. Ob der kleine Junge, der gegen Ende auf der Bühne sein durfte und die letzten Akkorde auf die Gitarre von Thorsten hauen durfte, ein Familienmitglied der Band war, durfte angezweifelt werden – die Jungs auf der Bühne waren einfach sehr locker und positiv drauf. Wem diese Mucke keinen Spaß macht, ist selbst schuld.

Als nächstes war deutscher Metalcore  aus dem Hause Caliban an der Reihe. Was das bedeutet war wohl jedem klar: Musik direkt in die Fresse!!! Vom letzten Album „I Am Nemesis“ kamen fast die Hälfte der Songs: gleich der Opener war „Dein R3.eich“, dann „We Are The Many“, „Davy Jones“, „The Bogeyman“ und am Ende „Sonne“ und „Memorial“. Abgeschlossen wurde das Set mit „My Time Has Come“. Der Höhepunkt war für mich mein Caliban-Lieblingssong „Ist Our Burden To Bleed“ gleich als 2.Song – ein echter Hammer! Die Jungs brachten die gewohnt körperbetonte Bühnenshow, bei der sie sich nichts schenken. Das Publikum war allerdings deutlich weniger heftig. Ok, es gab wieder einen Riesencircle, aber so lahm, da hab ich glatt überlegt mit der Fotoausrüstung reinzugehen um den Leuten etwas einzuheizen. Zur Entschuldigung muss man allerdings die Affenhitze von deutlich über 30°C im Schatten an diesem Tag anführen: da bewegt sich niemand freiwillig! Aber was heißt freiwillig, wenn ne geile Band spielt? Da muss man abgehen, bis es nicht mehr geht.

Und jetzt ging die Post auch allmählich außerhalb des Zelts ab: die dunklen Wolken nahmen nun den gesamten Himmel ein und die Security machte plötzlich hektisch die Seitenwände in das große Festzelt rein. Gleich drauf wurd‘s richtig derb, der Wind zerrte heftigst am riesigen Zelt und der Regen hämmerte gegen die Zeltwände. Auf Wunsch meiner Frau gingen wir im Gewittersturm Richtung Auto und überall holte man hektisch die Sachen ein. Das Red-Bull-Zeltdach war bereits weg, allerdings vom Sturm weggerissen. Man versuchte die Leute möglichst auf dem Festivalgelände zu halten, was ich zunächst nicht kapierte, denn die Leute wollten ja auch ihr Camping-Zeugs retten. Jedoch genau dabei gab es insgesamt 10 Verletzte und davon sogar 3 schwer. Diese wurden vorwiegend von durch die Luft fliegendes Zeugs wie Zeltstangen verletzt. Deshalb hatte man auch nicht gewarnt und das Gewitter möglich sind, hätte eigentlich jeder schon Tage vorher gewusst haben können. Nach der üblichen Umbaupause legte sich der Gewittersturm so langsam, die Einsatzkräfte von Polizei, Rettungssanitätern, THW und Feuerwehr hatten jedoch noch genug zu tun und blieben auch vor Ort.

Irgendwann hörte man am Soundcheck, dass es weiter gehen wird und irgendwann waren plötzlich auch die ersten Töne von Rage zu hören. Ich packte so schnell ich konnte meine Fotoausrüstung, raste mit meiner Frau im Schlepptau über das Festivalgelände und durch das immer noch einigermaßen gefüllte Festzelt nach vorne, um noch fast 2 Songs im Graben fotografieren zu können. Puh, das ging gerade noch einmal gut! Auch meine Kollegen waren wieder alle eingetroffen und ich freute mich sie wieder begrüßen zu können. In der Hektik kam ich nicht dazu, meine Ohrstöpsel zu verwenden – arghh, im Graben war es echt extremst laut, die Ohren begannen zu pfeiffen! Aber ich war nicht der einzige dem dies passierte. 😉

Seit dem Weggang von Mick Terrana  (Ende 2006) hatte ich Rage nicht mehr gesehen, aber das Drumset von André Hilgers war genauso Hammer! Ob André an Mick heranreicht ist mir Wurst, für das sehr hohe Niveau von Rage hat es zumindest locker gereicht – Chapeau! Der anspruchsvolle Powermetal von Rage packte die Leute und das Unwetter war fast vergessen. Jedoch war auf der Setlist doch einiges gestrichen worden! Peavy, Victor und André ließen sich davon nichts anmerken und rockten die Hütte. Vielleicht ist das Trio nach nun mehr 28 Jahren Bühnenerfahrung so abgezockt, auf jeden Fall war es ein klasse Auftritt und sie wurden gebührend gefeiert. Ihre neueste Scheibe kam zu Beginn des Sets mit dem gleichnahmigen Titeltrack „Twenty One“ zu ehren. Von dem neuen Hammer-Album gabs es gleich zu Anfang noch 3 weitere Kracher zu hören: „Forever Dead“, „Feel My Pain“ und „Serial Killer“.

Zum Abschluss des Festivals kam Children Of Bodom, was auch gleich durch das Auto auf der Bühne überdeutlich sichtbar war. Die Setlist glich einer grandiosen Best-Of Zusammenstellung:

Gleich mit „Hate Me!“ und „Silent Night, Bodom Night“ räumten sie amtlich ab. Mir fehlte etwas die Präzision, ich hatte Children Of Bodom schon in besserer Verfassung gehört. Vielleicht war es auch die Technik oder meine überstrapazierten Ohren? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, es wird wohl offen bleiben. Jedoch waren nun nach der Hitze und der Hektik des Gewittersturmes einige echt fertig und die Reihen lichteten sich etwas. Dem Wunsch meiner Partnerin nach 3 Songs ebenfalls zu gehen, kam ich letztlich auch nach.  Und so gingen wir zu den Klängen von Children Of Bodom zufrieden nach Hause. Das hätte ich vorher nie geglaubt: bei CoB vorher zu gehen und trotzdem zufrieden zu sein. Man lernt nie aus.

Draussen standen Reisebusse bereit, um die Camper, die zum Teil alles verloren hatten, aufzunehmen. Sie wurden zur Dischinger Turnhalle gebracht, um die Nacht, die noch einige Gewitter erleben sollte, geschützt zu verbringen. Um 1:30Uhr wurde das Festival offiziell beendet und die verbliebenen Camper des Campingbereiches wurden ebenfalls in die Turnhalle gebracht, da ein weiterer Gewittersturm kurz bevorstand.

Am nächsten Morgen floss das Wasser in einer Gewitterpause noch überall ab und es gab noch einiges Aufzuräumen, aber ansonsten sah es schon wieder sehr friedlich aus.

Mein Fazit: Rock am Härtsfeldsee immer wieder gerne, ein relaxtes Metal-Festival mit feinen Bands zu einem günstigen Preis – besser geht’s nicht!

Fotos und Bericht: Papa Mike // V.U.

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