Zita Rock Festival 2012 – Festivalbericht 15. und 16.06.2012

Bereits im sechsten Jahr in Folge versammelten sich 7.000 Anhänger der dunklen Rockszene auf dem wirklich wunderschönen Gelände der Spandauer Zitadelle und feierten mit einer gelungenen deutschen und internationalen Bandauswahl.

Anderthalb Tage, neun Bands, volles Auditorium und weitgehend Glück mit dem Wetter, wenn man einmal von diesen paar fiesen Regenschauern am Samstagnachmittag absieht…

Andererseits freut sich die so genannte „schwarze Szene“ bekanntlich über Sonnen-Abstinenz. Bräunungs- und Sonnenbrandgefahr bestanden jedenfalls nicht… Und dank der Feinkiesschicht vor der Bühne gab es auch keinen Schlamm-Alarm. Gut organisiert, so soll es sein!

Aber auch ansonsten muss man den Organisatoren an dieser Stelle einmal ein dickes Lob aussprechen: Disziplinierte, zügige Abwicklung am Einlass, freundliche, stets hilfsbereite und sogar gut informierte Mitarbeiter, sogar nach der Hälfte des zweiten Tages noch Klopapier auf den Dixies, wenn das mal alles immer selbstverständlich wäre…

Aber kommen wir zu den musikalischen Attraktionen:

Freitag

Den Auftakt machten die Hamburger von Lord of the Lost, die sowohl bei ihrem Auftritt, als auch bei der späteren Autogrammstunde merklich gerührt von ihrem eigenen Erfolg wirkten.

So gelang es der pausenlos tourenden Formation um Bandleader Chris Harms bereits zu früher freitagabendlicher Stunde, die Freifläche vor der Bühne zu großen Teilen zu füllen.

Dementsprechend groß war dann auch der Mitsingfaktor im Publikum, das nicht nur bei den bereits bekannteren Songs, sondern auch dem ein oder anderen neuen Track schon erstaunlich textsicher war.

Spätestens bei der sich anschließenden Autogrammstunde, die in puncto Publikumsauf-merksamkeit denjenigen der etablierten Bands in nichts nachstand, wurde mehr als deutlich, dass sich diese Band eindeutig auf der Überholspur befindet…

Als nächstes waren Oomph! an der Reihe, die in der Maskerade einer Horde wahnsinnig gewordener Matrosen das Schiff, pardon: die Bühne enterten.

Bühnenpräsenz und Titel des neuen Albums „des Wahnsinns fette Beute“ passten damit wie die Faust aufs Auge…

Kraftvoll und vor einem begeisterten Publikum spielten sich Dero und Co. durch die mittlerweile mehr als eindrucksvolle 20 Jahre andauernde Bandgeschichte. So blieben denn bei Hits wie „Gott ist ein Popstar“ oder dem sogar in den Media Control Charts erstplazierten „Augen auf!“ eben diese bei keinem mehr trocken.

Es bleibt absolut keinen Zweifel daran, dass dieser Vorgeschmack auf die Tour im Herbst eine Menge Spaß erwarten lässt…

Headliner des Tages Nummer 1 waren sodann Evanescence, denen als Combo von wahrhaft weltweitem Ruhm die Ehre zukam, den Abend in der perfekten Atmosphäre der aufziehenden Dämmerung ausklingen zu lassen.

Mit sämtlichen altbekannten und bewährten Tracks wie „bring me to life“ oder „call me when you´re sober“ und auch den neueren Nummern, wie dem aktuellen Hit „my heart is broken“ im Gepäck brachte Frontfrau Amy Lee das Publikum zum Tanzen und Feiern.

Mir persönlich mit einem Schmunzeln in Erinnerung bleiben wird die sympathische, sehr sehr junge Gruppe männlicher Amy-Fans, die sich nicht davon abbringen ließen, mich für ein Mitglied ihrer Tourcrew zu halten. Sorry, dass ich nicht weiterhelfen konnte 😉

Passender als mit „my immortal“ hätte der Abend sodann wahrlich nicht ausklingen können…

Wer allerdings glaubte, damit bereits zur Nachtruhe gezwungen zu werden, wurde auf der Aftershowparty eines besseren belehrt.

Sehr gelungener erster Tag!

Samstag

Schon am Vormittag zogen immer einmal wieder düstere Wolken auf. Leider waren die dementsprechenden Befürchtungen dann auch berechtigt: Kurz bevor Staubkind den Tag eröffnen sollten, öffnete erst einmal jemand anderes. Nämlich der Himmel seine Pforten…

Tapfer kämpften Louis Manke und sein Trupp dann am frühen Nachmittag gegen die widrigen Umstände an… und wurden belohnt! Zum einen war das Gelände bereits von Anfang an gut gefüllt, zum anderen sahen die Naturgewalten irgendwann ein, dass die musikalischen Gewalten in der Zitadelle mehr Macht hatten.

Und so kam das Publikum dann beim inzwischen erfreulich bekannten „Kannst Du mich seh´n“ auch erstmals an diesem zweiten Tag in Fahrt. Auch das neue Album samt neuer Single „so nah bei mir“ im kam gut an. Bleibt nur, der Band für das in wenigen Tagen anstehende Release und die in den nächsten Monaten massig anstehenden Gigs viel Erfolg zu wünschen!

Musikalisch einen perfekten Anschluss boten sodann die genreverwandten Zeraphine, die sich in den letzten Jahren durch unermüdliche Live-Präsenz auf Festivals, als Support, aber auch auf eigenen Headlinershows einen wirklich beachtlichen Bekanntheitsgrad erspielt haben.

Und so wurde Sven Friedrich bei – ja man muss es fast schon so benennen – Klassikern wie „die Wirklichkeit“ auch durchaus textsicher von der anwesenden Menschenschar begleitet.

Das Wetter in die Schranken gewiesen, die Müdigkeit der letzten Nacht allmählich abgeschüttelt, war der Bann im Publikum endgültig gebrochen.

Mit Mono Inc. betrat dann eine Formation die Bühne, die es zwar, wenn auch nicht in der aktuellen Besetzung, schon seit 12 Jahren gibt, die aber erst in den letzten vier Jahren so richtig durchgestartet ist. Das dann allerdings umso erfolgreicher…

Deutlich zu bemerken war dies an den Reaktionen der Besucher, die offensichtlich sehnsüchtig auf Mono Inc. gewartet haben und dementsprechend mitfeierten. Und wirklich: Fronter Martin Engler machte das mit seiner erfrischenden Art als Entertainer auch besonders einfach. Ebenso frenetisch gefeiert wurden Drummerin Katha Mia und ihr Solo.

Man hatte eindeutig nicht den Eindruck, dass irgendjemand der anwesenden Zuschauer die großen Hits „get some sleep“ oder „voices of doom“ nicht mitsingen konnte und dies auch lautstark tat…

Der frühe Abend hielt Einzug und mit ihm die Mittelalterrocker von Saltatio Mortis. Wie immer mit einem bemerkenswerten musikalischen Spektrum zwischen historisch anmutenden (wenn auch von der Band selbst stammenden) Spielmannsweisen und rockigeren Tönen, stets mit sehr tanzbaren Rhythmen unterlegt, machten sie ihrem Namen schließlich alle Ehre: Die Menge feierte tanzend einen der ganz großen Vertreter seines Genres.

Mit gleich zwei aktuellen Longplayern im Gepäck – nämlich dem Konzertalbum „10 Jahre wild und frei“ sowie „Sturm auf´s Paradies“, beide aus 2011 – steuerte die Menge in einem musikalischen Feuerwerk allmählich auf das Finale des Abends zu.

Spätestens bei den beiden Single-Hits „falsche Freunde“ und „Salz der Erde“ wurde das Geschehen auf der Bühne dann wieder tatkräftig durch Chöre im Publikum unterstützt…

An den Co-Headlinern des Tages, The 69 Eyes wird in den letzten 10 Jahren wohl kaum ein geneigter Festivalbesucher der so genannten „schwarzen Szene“ in Deutschland ernsthaft vorbeigekommen sein.

Und so waren die „Helsinki Vampires“ um Frontsänger Jyrki Linnankivi auch auf dem diesjährigen Zita Rock Festival wieder einmal eines der Highlights.

Mit sämtlichen Klassikern von „Gothic Girl“ über „the chair“ bis hin zu „lost boys“ boten die Finnen eine souveräne Best Of Show, die allerdings wenige herausragende Höhepunkte aufwies.

Zu ihrer Ehrenrettung sei allerdings angemerkt, dass die Band sich gerade nach längerer Pause seit dem letzten Studioalbum „back in blood“ aus dem Jahre 2009 aktuell in der „heißen Phase“ der Vorbereitungen für das Nachfolgewerk befindet, das für Herbst diesen Jahres angekündigt ist.

Und so durfte sich Berlin allemal über die Ehre freuen, inmitten des Produktionsstresses den Schauplatz der einzigen diesjährigen Festivalpräsenz der Finnen bieten zu dürfen.

Der Abend, und damit auch das diesjährige Zita Rock Festival klangen sodann mit den tief melancholischen Klängen der Headliner von ASP aus. Das Festival hatte merklich darauf gewartet, „ich will brennen“ zu hören. Zugegebener Maßen wird dies wohl auch auf ewig ein Krachersong bleiben…

Merkwürdig divenhaft muteten jedoch die strikten Fotovorgaben der Band an, die selbst die Fans bei der Autogrammstunde davon abhalten sollten, Bilder von und/ oder mit der Band zu machen. Enttäuschte Gesichter bei den Anhängern der Formation gab es genügend.

Aber am Ende hat nur der Erfolg Recht! Und dieser letzte Auftritt auf dem Zita Rock Festival 2012 stellte in jedem Fall eindrucksvoll unter Beweis, wie es aussieht, wenn eine Menge auf einem Festival – wie immer – gefühlt viel zu früh seinem unausweichlichen Ende entgegen feiert.

Und so nimmt es denn auch nicht weiter Wunder, dass nicht unerhebliche Anteile der Besucher sich über weite Teile Berlins in die einschlägigen Clubs verteilten, um schließlich den frühen Sonntagmorgen, im nebulösesten aller Zustände, dem Aftershow-Partyrausch, zu begrüßen…

Wieder einmal ist ein Festivalwochenende wie im Fluge vergangen. Obwohl man in diesem Falle fairer Weise sagen muss, dass es eher ein halbes bis ein dreiviertel Wochenende war…

Vielen lieben Dank an die Amphi Festival GmbH und das Organisationsteam vor Ort, dickes Lob und bis zum nächsten Jahr!

Bericht & Fotos:

Daniela D. Fritsch/VU

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