Interview mit Lord of the Lost beim Zita Rock Festival 2012

Lord of the Lost haben sich in den letzten Jahren klammheimlich zu einer angesagten Gothic Kapelle gemausert, verkaufen massig CD`s und blicken live stets auf volle Konzerthallen. Grund genug für Visions Underground das Ganze zu hinfragen und auf dem Zita Rock Festival in Berlin hatte VU Dame Daniela dann gleich die komplette Band als Gesrächspartner……

So, vielleicht wollt Ihr Euch erst einmal alle vorstellen und ein bisschen erläutern, was

Lord of the Lost so ausmacht?

Klaas: Ich bin Klaas und ich spiele Bass bei Lord of the Lost.

Bo: Ich bin der Bo Six. Ich spiele Gitarre.

Chris: Ich bin Chris. Ich mach all´ das, was die anderen nicht können.

Gared: Ich bin Gared und die „Allzweck-Hure“ für Keyboards, Gitarre und Percussions.

Chris: Unser Schlagzeuger ist gerade im Backstage mit irgendwelchen Leuten…

Alle: Und wir sind Lord of the Lost!

Klaas: Wir machen Gothic, Rock, Glam, Dark…

Chris: …Metal. Schublade.

„Allzweck-Hure“ ist ein gutes Stichwort: Ihr hattet ja einige personelle Veränderungen in

der Band. Wie setzt Ihr das in den neuen Songs um, gab es Probleme?

Chris: Nee… jein. Wir haben jedenfalls nicht gesagt: Okay, wir haben folgende Besetzung und jeder muss irgendwas spielen, damit er glücklich ist als Ego, sondern wir machen gute Songs und sind in der Lage, viele Instrumente zu bedienen und dann geht es an die Umsetzung. So, dass es eben um den Song und das Gefühl geht.

Bo: Der Song bekommt das, was er verdient!

Das ist auf jeden Fall eine gute Einstellung! Und was ist mit den alten Songs? Da waren ja

einige Sachen auf zwei oder gar drei Gitarren eingestellt.

Klaas: Hattest Du heute Spaß? Hast Du was vermisst?

V.U.: Nicht wirklich. Also vermisst meine ich! Ich frage mich nur, wie Ihr das umsetzt?

Chris: Die Frage ist doch: Braucht man zwingend zwei Gitarristen, oder ständig eine Sologitarre? Wir beherrschen alle unsere Instrumente so gut – ohne arrogant klingen zu wollen ! – dass wir in der Lage sind, das Ganze auch zu fünft umzusetzen, und eben keine sieben Leute zu brauchen.

Gared: Würde man jeden Song wirklich mit dem umsetzen wollen, was er auf der Platte hat, bräuchte man wahrscheinlich weitaus mehr, als nur sieben Leute!

Chris: Genau genommen 150 Leute: Symphonieorchester… Kirchenchor… Man muss live alles runterbrechen. Leider sind wir nicht Metallica, die sich mit nem Symphonieorchester hin stellen können. Deshalb müssen wir halt Rock ´n Roll machen!

Wie würdet Ihr sagen, beeinflusst Euer jeweils individueller Musikgeschmack das Ergebnis

bei Lord of the Lost, besonders wenn man bedenkt, dass es ja einen eigentlichen Hauptsongwriter gibt?

Chris: Das muss man trennen. Wer das Hobby zum Beruf macht, verliert sein Hobby. Will sagen: Musik, die ich privat höre, oder die wir privat hören, muss nicht zwangsläufig was damit zu tun haben, was im musikalischen Kosmos von Lord of the Lost passiert.

V.U.: Okay, da ist man dann wohl auch wieder bei dem Punkt mit den Egos, und wenn man die raus lässt, funktioniert es wieder.

Bo: Ganz genau.

Chris: Ja. Aber auch unabhängig davon höre ich tatsächlich inzwischen kaum noch Musik, die mit harten Gitarren ist. Die Frage ist doch: Was ist das, was man selber kreieren möchte und was ist das, womit man sich berieselt, wenn man Freizeit hat? Nur weil der eine von uns Pantera hört, Rammstein oder Lady Gaga und der nächste vielleicht – keine Ahnung – Backstreet Boys, heißt das nicht, dass wir das zwingend in Lord of the Lost unterbringen müssen. Aber natürlich ist man trotzdem nicht ganz gefeit vor persönlichen Einflüssen. Gerade meine Affinität zu Popmusik hört man ja auch relativ häufig raus.

[Disco kommt hinzu]

Gared zu Disco: Magst Du Dich vielleicht mal kurz vorstellen?

Disco: Nein! Ich will anonym bleiben… Oder muss ich? Na gut: Haallooooo! Ich bin Disco of the Lost.

Ihr seid ja ziemlich viel unterwegs gewesen in letzter Zeit, mit verschiedenen Bands und

habt Euch den Arsch aufgetourt…

Chris: *lacht* Den Arsch aufgetourt? Ist ein super Terminus, vielen Dank!

Bo: Bück Dich hoch!

Mein Gedanke war, ob man da vielleicht schon Veränderungen in der Publikumsreaktion

erkennen kann? Am Anfang total unbekannt, und dann kommt man ja auch in einem Jahr relativ häufig in dieselbe Gegend, es gibt Überschneidungen im Publikum…

Bo: Die Publikumsreaktionen werden trotzdem mehr!

Chris: Wir haben heute zum Beispiel eine Autogrammstunde gegeben, obwohl wir uns erst nicht sicher waren, ob wir das mit unserem Status überhaupt machen sollen. Es waren 60 Minuten angesetzt, ich habe mit 15 Minuten und 40 Leuten gerechnet. Am Ende waren es 75 Minuten und ungefähr 600 Leute. Ich glaube das hat gezeigt, was wir uns innerhalb der letzten 18 Monate für ein Publikum erspielen konnten. Und dass wir viele Freunde gefunden haben! Mono Inc. sind hier, Alex von Eisbrecher ist extra wegen uns gekommen und wartet Backstage jetzt auf uns! Da möchte für mich persönlich so ein bisschen von Ritterschlag sprechen, dass man einfach merkt, man ist angekommen.

Bo: Sehr schönes Gefühl, wir gehören zur Familie dazu! Auch wenn wir jetzt vielleicht nicht so groß sind wie Eisbrecher. Man wird halt akzeptiert.

V.U.: Kommt ja vielleicht noch.

Chris: Was heißt denn hier vielleicht?

V.U.: Wahrscheinlich?

Chris: In drei Jahren werden die Leute sagen: Wer ist denn der Typ da neben Chris? Ach ja! Das ist der Axel von Eisbrecher.

Alle: *lachend* Schöne Grüße an Alex! Ähem, Axel. Wir lieben Dich!

Chris: Der hat zum Glück den gleichen beschissenen Humor wie wir!

Wie sieht es mit zukünftigen Tourplänen aus?

Chris: Heute veröffentlicht! Wir machen nächstes Jahr im Januar/ Februar/ März eine 10-Städte-Tour mit Unzucht. Eine B-Tour im Herbst, zwei Hand voll Sommerfestivals und werden ein bisschen in Russland und vielleicht in England auftauchen.

Bo: Es geht voran, ja!

Wie ist das überhaupt mit Russland gekommen?

Chris: Ich hab keine Ahnung! Eine total verrückte Lady und ein paar andere verrückte Promoter aus Russland haben an unsere Bookingagentur geschrieben, und ich habe nur gesagt: Machen wir! Wir gehen da hin und alles wird gut!

Bo: Je „größer“ man wird, desto weniger Ahnung hat man von dem, was eigentlich passiert.

Chris: Aber das ist auch gut so! Wenn ich gleichzeitig Songwriter und Produzent und Tourmanager und Chef und keine Ahnung sein sollte… das würde ja gar nicht gehen. Ich weiß nicht mit wem und wie – aber es wird geil!

Ihr habt ja jetzt schon relativ viele neue Songs live ausprobiert. Wie sehen die Publikumsreaktionen aus?

Chris: Also einen Song, der besonders gut ankommt, spielen wir schon seit fast einem Jahr, das ist die Ballade „see you soon“. Wir haben eine Kollaboration mit Alex von Eisbrecher, auf die freuen sich viele Leute. Wir machen was mit Blutengel, mit Combichrist, ich hab einen Song mit Martin von Mono Inc. geschrieben, da werden also sehr viele Sachen auf dem Album drauf sein.

Bo: Wird ziemlich umfangreich, ja.

Was könnt Ihr zu dem neuen Video mit den Pyrotechnikplänen sagen?

Chris: Wir haben dieses Video tatsächlich erst gestern und heute richtig geplant. Ich will dazu noch nichts sagen… viele abgefahrene Aktionen, von denen wir noch nicht wissen, ob sie alle klappen. Und wenn ich jetzt den Mund zu weit auf mache, wäre das peinlich…

V.U.: Dann schweigen wir drüber!

Bo: Ja bitte!

Zu welchem Song wird das Video denn gedreht?

Chris: „Die tomorrow“! So wie das Album auch heißt. Den haben wir aber auch noch nicht live gespielt.

Disco: Der geht so: Düdeldüdeldüüüüü *singt*

Alle: *lachen*

Wie sieht es mit den vielen Ideen zum Cover/ Artwork für das neue Album aus, die Ihr auf Facebook eingestellt habt? Wie habt Ihr Euch da entschieden?

Chris: Das waren keine Ideen! Das war ein Versuch, eine emotionale Reise zu gestalten für die Leute, damit die eben nicht genau wissen, wo es hin gehen soll.

V.U.: Okay. Also ihr hattet von vorne herein eine Idee und wolltet die Leute nur so ein bisschen in die Irre führen?

Klaas: Jein. Wir wollten einen großen Bogen um das Ganze spannen.

Gared: Die Schönheiten unseren Welt aufzeigen und im Endeffekt da landen, wo wir eh schon hin wollten.

Klaas: Nicht so viele Worte verlieren über alles, was ins Artwork, aber nicht ins Album passt, weil wir nur so und so viele Seiten haben…

Wie sieht es mit der stilistischen Richtung des Albums aus? Irgendwelche Veränderungen?

Bo: Speedmetal!

V.U.: Das würde mich jetzt eher wundern…

Chris: Nee, also das neue Album ist so wie Du uns heute live erlebt hast. Auf jeden Fall schneller, positiver, stimmungsvoller, nicht mehr so melancholisch. Eben die Energie, die man von uns auch live kennt.

V.U.: Es steht also kein konkretes Konzept dahinter, so wie bei „Antagony“ dieses Spannungsfeld zwischen Sex und Religion zum Beispiel?

Chris: Nee, das neue Album ist weder verkopft, noch hat es einen roten Faden, oder ist konzipiert, sondern wir versuchen einfach…

Bo: Es ist herzlich! *lächelt*

Chris: Genau… Herzenssongs aneinander zu reihen. Kein Konzeptalbum.

Ihr seid ja ziemlich aktiv auf Facebook, Youtube etc. Wie seht Ihr das Thema Internet als Werbeplattform für Bands allgemein? Es gibt ja immer wieder so Diskussionen über GEMA, gesperrte Videos etc…?

Bo: Es hat positive und negative Seiten. Eine Band in unserem Status wäre nicht das, was sie ist ohne Facebook, ohne Youtube, ohne die ganzen…

Chris: … illegalen Downloads.

Bo: Illegalen Downloads. ja. Es ist ne Hassliebe. Zu hundert Prozent.

Chris: Allerdings muss ich auch sagen, ich finde es total okay, dass Youtube Videos sperrt, wenn die GEMA nicht mitmacht. Ich als Urheber weiß natürlich auch, wie viel man an Geld verliert, wenn 20.000 Leute Youtube nicht dazu benutzen, um das Video zu gucken, sondern um einen eigenen Radiosender zu kreieren. Schwierige Geschichte. Deshalb würde ich jedem empfehlen – schaut einfach die Videos auf myvideo.de, da bekommt der Künstler seine GEMA, der User kann sein Video sehen und alle sind glücklich!

Gared: Richtig!

Wo wir eben schon beim Thema musikalischer Zusammenarbeit waren: Habt Ihr da irgendwelche Träume? Egal, ob der betreffende Künstler vielleicht sagen würde: „Who the fuck is Lord of the Lost?“

Chris: Ja, Amy Lee.

V.U.: Ernsthaft jetzt? Oder war das eine spontane Idee, weil die grad gespielt haben?

Chris: Nee, das hab ich schon vorher gedacht. Aber ich glaub, ich werd gleich mal Backstage gucken, ob ich sie frage. Sie wird nein sagen, aber man kann ja mal fragen…

V.U.: Und sonst?

Bo: Freddy Mercury.

Klaas und V.U.: Das wird schwierig!

Bo: Weiß ich nicht… Manson! Rammstein! Sehr viele!

Chris: Also ganz ehrlich. Ich möchte überhaupt nicht arrogant sein und niemand vor den Karren fahren, aber ich hätte vor zehn Jahren dafür getötet, mit Marilyn Manson zusammen was zu machen. Aber nach den letzten beiden Alben hab ich daran keine weiteren musikalischen Interessen mehr…

V.U.: Was ich seit „heart shaped glasses“ nachvollziehen kann…

Gibt es eigentlich irgendwelche besonders krassen Erinnerungen an Fans, außergewöhnliche Geschenke, etwas in der Art?

Bo: Wir haben erst vor kurzem ein Konzert gehabt, wo wir eine 16 Meter lange Tapete bekommen haben! Bestückt mit Screenshots, Fotos und Sprüchen, die wir in den Folgen 1 bis 50 bei TV of the Lost gebracht haben…

V.U.: Wie damals in der Bravo?

Chris: So ähnlich, aber es ist großartig! Eine 16 Meter lange Tapete, alter Schwede!

V.U.: Ja klar, ist eine Menge Arbeit!

Bo: Mit saugeilen Zeichnungen und unfassbar viel Liebe.

Gared: Vor allem, haben die dann dementsprechend ungefähr acht Stunden damit verbracht, um die geilsten Momente rauszufinden und allein so über 400 Din A 4 Seiten ausgedruckt!

Bo: Das war echt… rührend! Wir wussten echt nicht, wohin mit der Freude und dem Respekt!

Wie wird das weitere Wochenende für Euch aussehen? Habt Ihr Pläne, Euch wen im Speziellen anzusehen?

Chris: Alex wartet auf uns, und unser Chef…

Klaas: Wir müssen trinken!

V.U.:  Dann lasse ich Euch jetzt lieber mal feiern gehen… Vielen Dank für das Gespräch!

Bo: Wir bedanken uns!

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Daniela Désirée Fritsch/VU

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