Interview von Papa Mike mit Markus Steffen (Gitarre) und Arno Menses (Gesang) von Subsignal, Colos Saal, Aschaffenburg, 30.4.2012

„Unser Übungsraum ist das Internet“
Interview von Papa Mike mit Markus Steffen (Gitarre) und Arno Menses (Gesang) von Subsignal im Colos Saal in Aschaffenburg am 30.4.2012

Mike: Wenn ich das richtig sehe, beginnt ihr heute eine Kurztournee. Wie verlief denn eure letzte Tournee im Herbst, was erwartet ihr auf dieser?

Markus: Die Tournee im Herbst war als Anschubtournee für die neue Platte gedacht und war insgesamt sehr erfolgreich. Bei den neuen Shows spielen wir mehr Material vom neuen Album. Das ist für uns aus musikalischem Standpunkt deshalb auch besonders spannend.

Mike: Habt ihr noch Kontakt zu euren Ex-Bandkollegen von Sieges Even?

Beide: Kaum
Markus:
Kurz nach der Trennung hatten wir nur über unsere Anwälte Kontakt. Mittlerweile haben sich die Wogen ein wenig geglättet, es gibt ja noch ein paar Dinge zu verwalten, Tantiemen usw., das funktioniert recht entspannt. Richtig Kontakt haben wir nicht, das ein großer Austausch stattfindet, ist nicht mehr.

Mike: Was hat sich im Bandgefüge und der Herangehensweise an die Musik für euch seit damals besonders geändert?

Arno: Dass wir machen können, was wir selber wollen. Bei Sieges Even gab es übertrieben Demokratie. Da musste jeder 25% in einem Song schreiben und das geht einfach nicht. Jetzt ist es egal, wer den Song geschrieben hat, wenn er gut ist, dann ist er gut.
Markus:
Das war damals überhaupt nicht möglich. So gut es war, ich will auch nicht alles schlecht machen. Wir spielen ja auch noch Sieges Even Songs und wir haben auch mit Alex und Oliver ne super Zeit gehabt und tolle Konzerte gehabt.
Arno:
Auf jeden Fall!
Markus:
Für mich gibt‘s jetzt auch kein böses Blut. Aber durch dieses strenge Demokratiesystem, das wir natürlich auch mitgetragen haben, hat man doch Arnos Kreativität ausgebremst. Er hat nie ein Song für Sieges Even abliefern können. In dem Moment, wo wir gesagt haben, wir machen jetzt Subsignal, hat er Songs geschrieben und eingebracht die meines Erachtens genial sind. Das wäre in der Form damals  nicht möglich gewesen.

Mike: Wie funktioniert euer Songwriting, mit welchen Ideen startet ihr, oder lasst ihr euch einfach jeweils von der spontanen Inspiration treiben?

Markus: Wir schicken uns halt Files zu, unser Übungsraum ist das Internet. Das funktioniert wunderbar, wir sind ja auch räumlich etwas auseinander. Jeder hat die Möglichkeit Songs oder Parts abzuliefern und dann wird entschieden, welcher Song genommen wird. Wenn jemand Probleme mit einem Song hat, geht es natürlich nicht so weit, das wir als faschistische Diktatoren auftreten und das zerschmettern. Nein, jeder hat die Möglichkeit sich da einzubringen.

Mike: Euer letztes Album habt ihr Touchstones genannt, ist dies DER Prüfstein für die Band? Was hat dieser Titel für eine Bewandtnis?

Markus: So kann man es natürlich auch interpretieren. Die Geschichte hängt eigentlich mit dem Song Touchstones zusammen. Wir hatten mit Sieges Even, Arno war noch nicht dabei, 1991 auf dem „A Sense Of Change Album“ den Opener „The Waking Hours“. In diesem Song ging es textlich um den Mythos von Sisyphos und ich fand es spannend einmal diesen Bezug zu dieser Sieges Even Platte herzustellen und ich wollte auch einfach mal sehen, wie ich mich in den letzten 20 Jahren oder mehr, doch verändert habe. Er war aber nicht von Anfang an als Titelsong geplant, der Titelsong wäre normalerweise „The Size Of Light On Earth“ gewesen. Bei „The Size Of Light On Earth“ haben alle die Hände übern Kopf zusammengeschlagen, das sind einfach zu viele Silben und dann hätten wir auch das Problem gehabt, ein griffiges Motiv für das Cover zu haben. Und dann haben wir gesagt „warum nicht den längsten Song?“ als Titelsong und das war „Touchstones“.

Mike: Ist das Album auch so etwas systematisch aufgebaut, die härteren Songs wie „Touchstones“ am Ende und am Anfang eher Arnos Songs oder?

Arno: Ja, nein eigentlich nicht.
Markus
: Die Mischung planen wir nicht im Vorfeld. Nachdem die Platte aufgenommen wurde, ist das eher Tetris: zusammenschieben was um besten zusammenpasst. Was wir bewusst geplant haben: wir wollten nicht mit dem Song „Touchstones“ enden. Das ist ein ziemlicher Monolith, auch von der Stimmung her. Wir wollten am Ende einen Song stehen haben, der mit einem positiveren Vibe rüberkommt.

Mike: Mich persönlich hat besonders das Ende des Albums angesprochen und hier besonders ein Song mit einem Duett von Arno mit einer weiblichen Sängerin. Wer war das und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Arno: Das ist Isabel Flössel. Meine Freundin arbeitete in einer Musical-Schule. Ein Abend bin ich da vorbeigegangen und da habe ich gesagt, mit ihr möchte ich gerne zusammenarbeiten.

Mike: Für mich ist dieser Song, „The Lifespan Of The Glimpse“, der Beste des Albums! Vielleicht sollten ihr sie mit in die Band nehmen!

Arno&Markus: Sie ist schon, die letzte Tour war sie mit dabei.
Markus
: Auf dieser Tour kann sie leider nicht dabei sein. Da haben wir Ersatz dabei. Und eine zukünftige Zusammenarbeit ist durchaus nicht ausgeschlossen.

Mike: Ihr wart mit Touchstones in den Charts? Habt ihr damit erreicht, was ihr euch erhofft habt?

Arno: Wir haben damit gar nicht gerechnet oder?
Markus
: Als wir damals das erste Mal die Trends gehört haben, eine Woche vorher, das könnte jetzt passieren, das ist natürlich schon Klasse. Das haben wir mit Sieges Even, zumindest in Deutschland, eigentlich noch nicht geschafft. Wir waren einmal in Griechenland in den Charts. Aber das wir das in Deutschland schaffen, das ist für uns auch so was wie eine Bestätigung, dass wir das Richtige gemacht haben und dass wir mit dieser Band mehr Leute erreichen können. Ganz ehrlich: mit Sieges Even hätten wir das nicht geschafft!

Mike: Progressive Rock und Postrock-Bands spielen in den normalen Medien kaum eine Rolle. Ist das für euch ein Anlass gewesen, mehr in die AOR Richtung zu gehen?

Arno: Ich denke, dass Prog-Rock heut zu Tage noch mehr lebt als AOR. AOR ist echt ganz verschwunden. Im Airplay vielleicht.
Markus
: Der Punkt ist, Arno und ich haben uns nach dem Sieges Even Split nicht hingesetzt: wir müssen jetzt die Musik verändern. Der erste Song den wir geschrieben haben, war „Eyes Wide Open“. Das war ein Sieges Even Song, der war damals für Subsignal, das schon als Sideprojekt existierte, gedacht. Das war die Ausgangsbasis. Dann kam eine anderer Song, das ist der Bonustrack der ersten Platte „Rain Is The Most Beautiful Color“, der eigentlich ein Sieges Even Song hätte werden sollen, dann kam Arno mit „Where Angels Fear To Tread“. Das sind Sachen, die sich einfach so entwickelt haben. Wir haben nicht strategisch gedacht wie: „wir müssen jetzt da mehr AOR und da weniger Prog und da weniger Härte…“.  Ich glaub das kannste nicht planen. Ich denke mal, wenn du anfängst das zu planen, dann geht das meistens in die Hose.

Mike: Das denke ich auch!

Markus: Du kannst nur vernünftig und erdig bleiben und wenn du tust, was du tun must, was du fühlst. Alles andere macht wirklich keinen Sinn.

Mike: Was erhofft ihr euch in nächster Zukunft? Gibt es irgendwas ganz Besonderes was ihr unbedingt mal erreichen wollt?

Markus: Wir wollen halt kontinuierlich weiter nach oben gehen. Wir haben erst zwei Platten gemacht und sind mit der aktuellen jetzt in die Charts gekommen und werden garantiert mit der dritten auch in die Charts einsteigen, das ist einfach das Gesetz des Marktes. Das einfach jetzt kontinuierlich weiterführen, mit den Bandmitgliedern und den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann mal sehen, wo es hingeht. Die Zeichen stehen im Moment wirklich super für uns, wir haben Angebote in Brasilien zu spielen, wir spielen am Montag in England, zum ersten Mal. Das sind alles Möglichkeiten, die wir vorher mit der Band nicht hatten. Klar, wir hatten auch Möglichkeiten, wir haben in Russland und Griechenland spielen können, aber insgesamt, was wir jetzt an Feedback bekommen, das ist viel größer!

Mike: Was war euer tollster Gänsehaut-Moment als Musiker?

Markus: Für mich der tollste, ich hab wirklich Tränen in den Augen gehabt, das war unsere erste Show, unser erster Gig mit Subsignal auf der Loreley. Uns kannte niemand, wir hatten noch keine Platte draußen, die war zwar aufgenommen…
Arno
: Wir waren ja eigentlich ‘ne Demo-Band.
Markus
: Ja, wir hatten zwar einen Plattenvertrag, aber wir hatten die Platte noch nicht draußen. Wir sind da ins kalte Wasser gesprungen, haben mit dieser Band da zum ersten Mal gespielt, das war am Schluss schon sehr emotional gewesen. Hey, wir können das auch ohne die Anderen.
Arno:
Wir hatten zwar in Ludwigshafen schon gespielt, aber das Publikum auf der Loreley war der Hammer!

Mike: Das glaube ich gerne. Was steht als nächstes an in Zukunft? Seid ihr im Sommer auch auf Festivals zu sehen?

Arno: Ich weis nicht…
Markus: Es ist noch nicht ganz ausgegoren, ein paar Pläne gibt es. Im Winter wird auf jeden Fall noch etwas folgen und im Januar, wenn es hin haut, Brasilien. Letztlich müssen wir natürlich auch an das Songwriting denken, nächstes Jahr soll die neue Platte dann wieder rauskommen. Wir wollen das wirklich im 2-Jahres Turnus weiterführen. Arno arbeitet an einer Solo-Platte.
Arno:
Markus arbeitet an einer Solo-Platte. Der David arbeitet an einer Solo-Platte.
Markus:
Also wir sind eigentlich kontinuierlich dabei.

Mike: Eigentlich habt ihr ja auch genug Zeit, weil so viele Auftritte habt ihr ja nicht oder?

Markus: Das ist zwar richtig, aber wir zwei sind Väter…
Arno:
… wir haben wenig Zeit!
Markus:
Aber letztlich schaffen wir es trotzdem, wir nehmen uns halt die Zeit zwischendrin.

Mike: Aber letztlich muss ja auch Kohle reinkommen, gerade wenn man Vater ist, dann muss man ja nicht nur für sich sorgen.

Arno: Deswegen haben wir nen Job. Von Musik leben ist echt schwierig.

Mike: Ihr habt noch einen anderen Job?

Arno: Ja, nen Fulltime-Job, er auch!
Markus:
Ich arbeite als Gitarrenlehrer. Momentan kümmere ich mich um meine Kinder. Ich wohne ja in Wien und in Österreich gibt es dafür Karenzzeit (Elternzeit). Jetzt unterrichte ich etwas weniger und bin mehr so für die Kids da.

Mike: Und Arno, wo kommst du her?

Arno: Ich komme aus Holland und jetzt wohne ich in Idstein.

Mike: In IDSTEIN! Direkt um die Ecke, ich wohne im Nachbarort, in Niedernhausen. Dann können wir uns ja mal treffen!

Arno: AHA, warum nicht, wenn ich Zeit habe.

Mike (zu Markus): Wäre München, deine ehemalige Heimat, nicht etwas näher gewesen?

Markus: Ich gehe eventuell wieder zurück nach München.
Arno:
Ich gehe nicht nach München!
Markus:
Aber David und Ralf sind ja aus München. Aber die räumliche Distanz ist kein Problem.

Mike: Ja, dann bedanke ich mich fürs Interview und wünsche euch ein tolles Konzert heute Abend.

Kurzbericht zum Konzert im Colos-Saal

Der Colos-Saal war schon besser gefüllt gewesen, jedoch reichte es locker, um die Bands ordentlich zu feiern. Der Altersschnitt war vergleichsweise hoch, so waren die meisten um die 50 und vorwiegend männlich. Diese schwärmten sachkundig über alte Zeiten des Hardrocks, AOR und Heavy Metals und wussten auch über Subsignal bereits bestens Bescheid.

Die erste Band – Flaming Row – kannten nur die wenigsten.
Der Inhalt ihrer Songtexte wurde vor jedem Song erläutert, so wurde der rote Faden, der sich durch die gesamte Show spannte, offensichtlich. Es ging im Wesentlichen um die Geschichte eines Mädchens dessen Mutter bei der Geburt starb und vom Vater zunächst abgelehnt wurde. Die Charaktere dieser Geschichte wurden von mehreren Sängerinnen und Sängern interpretiert. So standen insgesamt bis zu 9 Künstler auf der Bühne! Der Kern der Band ist der Gitarrist und Sänger Martin Schnella und die Sängerin Kiri Geile – bei beiden erlebt man die Begeisterung an ihrer Musik besonders: Martin strahlte meist über beide Backen und Kiri fegte derart wie ein Derwisch über die Bühne, das sie mit der Kamera kaum einzufangen war! Solch eine große Besetzung auf die Bühne zu bekommen wird Flaming Row auf Dauer nicht leicht fallen, aber es ist ihnen ein großes Potential zu bescheinigen, welches sie an diesem Abend schon prima umgesetzt haben.

Zu Subsignal ist das meiste bereits im Interview erwähnt worden.
Ich war sehr gespannt wie sie „Touchstones“ live umsetzen. Ich kann vorwegnehmen: es war ein Genuss diese bestens aufgelegten Musiker live zu erleben. Die Songs kamen für mich viel eindrucksvoller und mit mehr Power rüber als auf dem Album. Und wie gefühl- und druckvoll und mit welchem körperlichen Einsatz Arno Menses die Vocals auf der Bühne darbot – Chapeau, das war allererste Sahne, das hätte ich kaum für möglich gehalten. Man merkte Subsignal an, das im Moment einfach alles passt, besonders die Harmonie innerhalb der Band.  Das lässt alle Bandmitglieder strahlen und ihre Spielfreude steckte das Publikum an, welches trotz des Alters richtig mitging! Für mich der Höhepunkt, wie bereits auf dem Album, das Duett von Arno mit einer mir nicht bekannten Sängerin – sensationell! Ich kann mich nur wiederholen: holt die Backgroundsängerin öfter nach vorne, das puscht den Sound Subsignal‘s nochmals in eine neue Liga! Und was fürs Auge ist es obendrein! 😉
Die 2 Zugaben („Touchstones“ und „The Trick“) hatten sich die frenetisch feiernden Fans redlich verdient und am Ende war wohl jeder restlos zufrieden.

Papa Mike

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