Bericht und Fotos zum Summer’s End Open Air 2011 JUZ Andernach 27.08.2011

Wenn der Sommer sich dem Ende entgegen neigt, wird dies häufig von heftigen Unwettern begleitet. So leider auch in diesem Jahr. Fast als wollte die dahinschwindende Jahreszeit mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln darauf hinweisen, dass es an der Zeit ist, sich zum alljährlich stattfindenden Summer’s End Open Air im Andernacher JUZ zu versammeln, um dort ihr Ableben nochmals richtig zu feiern, fegte am Tage zuvor ein heftiges Unwetter über das Gelände. Dieses richtete allerdings so heftige Verwüstungen an, dass das traditionell unter freiem Himmel stattfindende Event kurzerhand in die sich an das Open Air-Gelände anschließende Halle verlegt werden musste. Dies ging leider mit einigen Einschränkungen einher, fasst der Saal doch nicht mal annähernd so viele Besucher, wie das Areal im Freien. Somit wurde es nicht nur zeitweise recht eng in den Räumlichkeiten des JUZ Live Clubs, auch das noch vorhandene Kartenkontingent an der Tageskasse musste eingeschränkt werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte aber dennoch ein Teil des Geländes vor der Halle mitgenutzt werden, und somit befanden sich dort immerhin eine Ess- sowie Getränkebuden. Auch ein Zelt mit Merchandising-Artikeln sowie einige Sitzgelegenheiten wurden im Freien belassen, auch wenn sie dort dem einen oder anderen Regenschauer ausgesetzt blieben. Aber richtigen Metalheads ist schon lange bekannt, dass ein Festival ohne Regen kein Festival ist und somit ließen sich diese auch nicht davon abhalten, das Festival angemessen zu zelebrieren.

Die heikle Position des Openers hatten in diesem Jahr die jungen Rocker von The Clinch inne. Für diese war es ein ganz besonderer Auftritt, stammen die vier Jungs doch selbst aus Andernach und waren, wie Sänger Kevin Welter erzählte, bei den Summer’s End Open Airs der vergangenen Jahre ebenfalls vor Ort, haben dort aber, anstatt die Bühne zu rocken, Bier verkauft. Trotz des Heimvorteils der Jungspunde war die Halle bei ihrem Auftritt nur mäßig gefüllt und, da zur gleichen Zeit draußen ein heftiger Platzregen das Gelände unter Wasser setzte, blieb zu vermuten, dass ein paar der anwesenden Leute sich lediglich in die Halle geflüchtet hatten, um trockene Füße zu behalten. Die Stimmung jedenfalls ließ zur wünschen übrig, obwohl sich The Clinch merklich in Zeug legten.

Dennoch, ein paar der Anwesenden freuten sich durchaus über den Alternative Rock des Quartetts, sodass immerhin die ersten Reihen vor der Bühne mit interessierten Beobachtern gefüllt waren. Mit einem sympathischen „Guten Abend Jungs!“, begrüßte der Frontmann die Menge – obwohl es gerade mal kurz nach drei Uhr nachmittags war – und stellte somit die Kernqualität von The Clinch unter Beweis: Ihr sympathisches Auftreten. Auch wenn die Musiker durchaus bemüht waren, eine gute Show zu liefern und das JUZ zu rocken, fehlte es ein wenig an Bewegung auf der Bühne, sodass der Funke bei Stücken wie „Run Away“ leider kaum übersprang. Dennoch wurden The Clinch regelmäßig mit anständigem Applaus bedacht und die Darbietung weiterer Songs aus ihrem Repertoire, bei denen die Jungs auf der Bühne schon ein wenig abrockten und sogar headbangten, bewiesen den Spaß, den das Quartett offensichtlich an ihrem Auftritt hatte. Obwohl die Gitarristen sowie der Bassist öfters mal ihre Instrumente nachstimmen mussten, kam es hierdurch zu keiner störenden Unterbrechung des Gesamtflusses der Show. Für den Applaus, der der Band (in erster Linie aus den vorderen Reihen) entgegenbrandete, bedankte sich Bassist Marcel Bastian schließlich freundlich, woraufhin Sänger Kevin Welter dem Publikum erklärte: „Wir spielen noch einen letzten Song!“ Dem setzte er hinzu, dass nun diejenigen, die „Bock zu tanzen“ hätten, dies jetzt tun sollten, da das folgende Stück dafür genau richtig wäre. Dieser Aufforderung kamen ein paar der jüngeren Anwesenden gerne nach, die daraufhin den großräumigen freien Platz vor der Bühne für ein paar wilde Tanz- und Mosheinlagen nutzten. Als die letzten Takte dieses Songs verklungen waren, endete denn auch die recht kurze Spielzeit von The Clinch, die gerade mal 30 Minuten betrug.

Ihren eigenen Fanclub mitgebracht zu haben, schienen die ebenfalls aus Andernach stammenden Ruler, die sich im Folgenden anschickten, mit ihren rockigen Klängen das JUZ zu erfreuen und schon bevor das Quartett die Bühne enterte, wurden bereits in regelmäßigen Abständen „Ruler“-Rufe aus den Reihen des Publikums laut. Dann endlich, pünktlich um 15:50 Uhr, stürmten die Rocker, die offensichtlich keine Minute ihrer begrenzten Spielzeit verschwenden wollten, die Halle, und ließen, bereits bevor die Band vollständig auf der Bühne angelangt war, den Ruf „Zeit für Rock’n’Roll!“ erklingen, welchem Ruler dann auch in ihrer 45-minütigen Spielzeit vollauf gerecht wurden. Bei diesem zweiten Konzert des noch recht jungen Festivaltages war die Halle bereits ein wenig gefüllter als noch einen Auftritt zuvor. Auch ließen sich recht schnell ein paar Headbanger im Publikum ausmachen, die offensichtlich einigen Gefallen an den Stücken der Jungs fanden.

Auch Sänger Sven Jordan ließ es sich nicht nehmen, seine lange Matte ein wenig zu schütteln. Aber auch darüber hinaus war dieser im Grunde ständig in Bewegung, was sich auch auf das Publikum übertrug, welches sich inzwischen ein wenig besserer Stimmung zeigte. „Guten Tag Andernach. Wir sind Ruler und haben nicht viel Zeit!“, erklärte der Frontmann den anwesenden Metalheads und stellte damit nicht nur seine Band vor, sondern machte auch klar, dass man richtig Gas geben würde, um die gegebene Spielzeit vollends auszunutzen. Somit animierte er dann auch das Publikum mit den Worten „Ich will eure Hände sehen!“ dazu, diese in die Luft zu recken und zu klatschen. Dies gelang ihm recht gut, sodass so manche Hand über die Köpfe erhoben wurde. Auch ertönten immer wieder erneut „Ruler“-Rufe vor der Bühne, was selbstverständlich nur mit einem „Ihr seid die Besten!“ kommentiert werden konnte. Auch ließ sich Sven Jordan dazu hinreißen, sich mit einem „Scheiße, geht’s euch gut?“, nach dem Wohlbefinden des Publikums zu erkundigen, welches daraufhin durchaus zu verstehen gab, dass es ihm alles andere als schlecht ging. Im Folgenden lenkte der Frontmann die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf den „Aushilfebassisten“, der auf den Namen Danny hörte und der einen durchaus guten Job ablieferte. Während den sich anschießenden Stücken erging die Aufforderung, einen Circle Pit zu bilden, an das Publikum, der dieses gerne nachkam, auch wenn im Endeffekt nur Wenige mitmachten. Als erneut „Ruler“-Rufe laut wurden, unterstützte die Band diese mit anfeuernden Drumschlägen und Gitarrenklängen. Inzwischen war die Stimmung in der Halle so gut, dass bei den letzten Stücken, die das Quartett zum Besten gaben, auch ohne Zutun der Band kleinere Circle Pits gebildet wurden. Dementsprechend bedankte sich Sven Jordan nach Ablauf der vorgegebenen Spielzeit freundlich bei seinem Publikum, wünschte diesem noch „viel Spaß mit den anderen Bands!“ und fügte ein begeistertes „Ihr ward spitze!“ hinzu, bevor die Andernacher Rocker die Bühne verließen. Kaum war das Quartett verschwunden, wurden sogar ein paar „We want more!“-Rufe laut, denen aber, wie dies bei Festivals so üblich ist, nicht stattgeben wurde.

Erstmalig recht voll wurde die Halle gegen 17:00 Uhr, als die Glam Rocker von Adam Bomb ihr buntes Set begannen. Dabei überraschte das Trio aus New York mit einigen unerwarteten Specialeffekten. So sprühten z. B. bereits beim Opener grelle Funkenflammen vom Kopf der Gitarre des Sängers und Gitarristen Adam Bomb. Auch die Dekoration der Bühne zog so manches Auges auf sich, wurde der Mikrofonständer des Sängers doch von einer knallgelben Leuchtröhre geschmückt. Das Schlagzeug wurde von Federboas und LED-Ketten verziert und Letztere erleuchteten darüber hinaus sogar die Verstärker auf der Bühne sowie den Gitarrengurt von Adam Bomb. Auch waren die Glam Rocker die Ersten, die mit einem eigenen Bühnen-Banner aufwarten konnten. Zu Beginn der Show war die Stimmung eher verhalten und somit waren die Bemühungen von Bassist Paul Del Bello, das Publikum zum Mitklatschen zu bringen, zunächst von nur mäßigem Erfolg gekrönt. Leider herrschte auch recht wenig Bewegung auf der Bühne selbst, was nach den Feuerwerkseffekten zu Beginn, die die Erwartungen recht hochgeschraubt hatten, ein wenig ernüchternd wirkte. Darüber hinaus zeigte sich die Band allerdings recht bemüht, die Stimmung in der Halle zu verbessern. So erwies sich Drummerin Violet the Cannibal als regelrechtes Energiebündel, das hin und wieder ein wenig den Kopf schüttelte sowie auch mal den einen oder anderen Beckenwirbel im Stehen spielte und auch Del Bello ließ häufiger seine dicke Matte kreisen. Somit kamen dann auch der Aufforderung „Let me see your hands“ schließlich wesentlich mehr Personen nach und auch der Applaus, der dem Trio dargebracht wurde, wurde mit der Zeit lauter. Die Lightshow der New Yorker fiel ebenfalls sehr farbenfroh aus und wurde von rotem, grünen und lilafarbenen Licht dominiert. Obwohl sich die Halle mit der Zeit doch ein wenig leerte, erfolgten auf Adam Bombs Forderung „Make some fucking noise!“ stimmgewaltige Reaktionen und auch erneute Versuche von Paul Del Bello, das Publikum zum Mitklatschen zu animieren, erwiesen sich inzwischen als sehr erfolgreich.

In der zweiten Hälfte der Show wurden dann endlich einige weitere heiße Showeinlagen dargeboten, auf die die Zuschauer schon von Beginn an gewartet hatten: Nachdem Adam Bomb dem JUZ seine Drummerin vorgestellt hatte, griff diese beherzt zu den Stöcken und gab ein beeindruckendes Drumsolo zum besten und obwohl diese Einlage eigentlich schon schwierig genug sein sollte, schaffte sie es dennoch, in Interaktion mit dem Publikum dieses beständig zum Mitklatschen aufzufordern. Als Highlight dieser Nummer (im wahrsten Sinne des Wortes) schüttete der Sänger schließlich eine Flüssigkeit auf eines der Becken und zündete diese an. Als Violet the Cannibal daraufhin auf das entsprechende Becken schlug, schoss sofort eine kräftige Stichflamme in Richtung Decke und ohne Unterbrechung ging es weiter im Programm. Hierbei fiel im Folgenden besonders die rechte Seite der Menge dadurch auf, dass sie die verbleibenden Stücke ordentlich mitfeierte, indem sie zu z. B. besonders basslastigen Parts mitklatschte oder bei von der Bass-Drum dominierten Teilen „Hey“-Rufe anstimmte. Wer nun aber meinte, die Band hätte ihr Pulver inzwischen verschossen, irrte sich gewaltig, denn plötzlich stoben gewaltige Feuerwerksfunken vom Kopf von Adams Gitarre. Zum krönenden Abschluss dann tauschte dieser schließlich seine Klampfe gegen eine andere, ein wenig verrußt aussehende Gitarre ein. Woher diese seltsamen Spuren rührten, zeigte sich im Folgenden, nachdem auch dieses Instrument zunächst einmal mit Feuerwerkseffekten aufwartete. Nachdem der Bandkopf sich letztendlich mit den Worten „Good Night“ von seinem Publikum verabschiedet hatte, zündete er schließlich die Klampfe an. Diese Aktion wurde begleitet von einem feuerspukenden Paul Del Bello und endete mit einem erneuten, abschließenden Gitarrenfeuerwerk, auf welches hin sich die Menge mit einem ziemlich fetten Abschiedsapplaus für diese heiße Show bedankte.

Als erste Metalband des Festivals spielten Orden Ogan auf, bei deren Intro die Bühne zunächst einmal in sehr viel Nebel gehüllt wurde. Die Halle war inzwischen richtig voll und direkt mit den ersten Akkorden, die das Quintett anschlug, ließen sich so einige Headbanger in der Menge ausmachen. Mit den Worten „Hallo Publikum“ begrüßte Sänger und Gitarrist Seeb die Anwesenden und den, aufgrund der seltsamen Ansprache Verwunderten, erklärte er nun, da Orden Ogan generell auf Festivals die „Pussys im Line-Up“ seien, wäre es bei ihnen üblich, dass die Menge auf diese Ansprache hin mit „Fuck you, Pussy!“ antworten würde. Das wurde dann im Folgenden auch direkt mal ausprobiert und auf die nächsten „Hallo Publikum“-Ansprachen folgten laute „Fuck you, Pussy!“-Rufe. Dies zelebrierte die Band einige Durchgänge lang, bis Seeb schließlich das „Hallo Publikum“ durch „I want to“ ersetzte, woraufhin die Antwort „Fuck you, Pussy!“ eine etwas andere Bedeutung erhielt … Der Stimmung in der Halle war diese selbstironische Aktion jedenfalls sehr zuträglich, sodass die folgenden Songs vom Publikum begeistert aufgenommen und gefeiert wurden. Dann lenkte der Frontmann die Aufmerksamkeit auf den „Aushilfsschlagzeuger“ Felix und bat um einen ganz großen Applaus für diesen, welcher auch mehr als verdient war. Mit der Frage, wer denn das neue Album von Orden Ogan besitzen würde und der Feststellung, dass es zu wenige Personen seien, die sich daraufhin meldeten, verwies Seeb darauf, dass die Band später noch am Merchandising-Stand sei.

Ob mit diesem Hinweis die Verkaufszahlen gesteigert werden sollten, bleibt Spekulation. Der nachfolgende Song mit dem Titel „Welcome Liberty“ jedoch wurde nicht nur von Besitzern dieses Albums zelebriert sondern wirklich von dem größten Teil der Halle. Besonders als der Frontmann seine Hand zum Metalgruß erhob, blickte man in den Reihen des Publikums auf ein Meer von ebenfalls erhobenen Händen, welches diesen erwiderte. Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei dem nachfolgenden Stück zu dessen Beginn „Hey“-Rufe aus vielen Kehlen erschallten. Seebs Aufforderung „Schüttelt euer Haar!“ erwies sich bei einer solchen Stimmung fast schon als überflüssig, da die meisten Metalheads im Publikum dies sowieso bereits taten. Auch wenn der Schlagzeuger die Jungs lediglich aushilfsweise unterstützte, wusste er schließlich dennoch mit einer kurzen Drum-Einlage bestens zu überzeugen. Nachdem das „Hallo Publikum“-Spielchen in seine zweite Runde ging, wurde es etwas kniffliger für die Anwesenden, denn sie sollten nun den Namen des nächsten Songs schreien, was sich mangels vollständiger Ansage für diejenigen, die nicht so sehr mit dem Songgut des Quintetts vertraut waren, als ein wenig schwierig erwies. Dennoch erschallte der folgende Titel „We Are Pirates“ aus etlichen Kehlen. Auch eine Crowd-Surferin ließ sich bei diesem Stück blicken und sogar ein Mosh Pit bildete sich in der Mitte der Halle. Von diesen positiven Resonanzen des Publikums schien die Band sehr begeistert zu sein, denn Gitarrist Tobi zückte plötzlich eine Kamera und filmte die klatschende Menge, was mit den Worten „Ihr seid so gut drauf, das will ich auf Video! Hallo Publikum!“ kommentiert wurde. Im Anschluss daran forderte Seeb alle Anwesenden, die eine Kamera dabei hatten, auf, das folgende „Angel’s War“ zu filmen und die Aufnahmen bei YouTube hochzuladen und wies gleichzeitig darauf hin, dass dieser Song für diejenigen, die keine Kamera hätten, „die letzte Chance mit uns heute Abend zu headbangen“ darstellte. Sofort wurden zahlreiche Kameras in die Höhe gestreckt und auch nochmals viele Langhaarige schüttelten ihre Köpfe im Takt der letzten Klänge von Orden Ogan, welche mit augenblicklichen, aber vergeblichen „Zugabe“-Rufen bedacht wurden, als sie die Bühne verließen.

Den Zeitplan etwas durcheinander brachte der Soundcheck von Amorphis, welcher sich über geschlagene 40 Minuten erstreckte. Begleitet wurde dieser von immer wieder aufkeimenden „Amorphis“-Rufen in der ordentlich gefüllten Halle. Als die Finnen die Bühne endlich betreten konnten, wurden sie mit tosendem Applaus und lauten „Hey“-Rufen empfangen. Trotz der Verspätung, war die Stimmung im JUZ von den ersten Takten des Openers „My Enemy“ an super, sodass das Publikum bei Songs wie „Sky Is Mine“ kräftig mitklatschte und wohin das Auge blickte, zeigten sich viele Headbanger in der Menge.

Ein Blickfang auf der Bühne stellte Sänger Tomi Joutsen dar, der seine extrem langen Dreadlocks regelmäßig im Takt der Musik fliegen ließ und auch sein Mikrofon sorgte für einige verwunderte Blicke, denn dieses besaß drei Griffe, von denen sich zwei an seinen Seiten befanden, was ihm ein ziemlich futuristisches Aussehen verlieh. Sichtlich erfreut über die härteren Klänge, die nun die Location erfüllte, ging das Publikum völlig in der Musik der Finnen auf, was sich nicht nur bei schnellen Headbanger-Parts zeigte, sondern auch bei ruhigeren Passagen, bei denen man in der gesamten Halle Hände sah, die sich völlig ohne Aufforderung durch die Band nach oben reckten, um im Takt mitzuklatschen. Wo so fett gerockt wird, wird aber auch geschwitzt und so blieb es nicht aus, dass sich Tomi Joutsen, der teilweise stimmliche Unterstützung von Bassist Niclas Etelävuori erhielt, zwischendurch mal das Gesicht mit einem Handtuch abwischen musste. Ein solches hätte sich der eine oder andere im Publikum sicher auch gewünscht, denn als der Sänger die Menge durch wiederholtes in die Höhe Recken der Faust zum Springen aufforderte, kam diese seinem Anliegen begeistert nach, sodass schließlich nicht nur der Band der Schweiß auf der Stirn stand. Darüber hinaus ließ sich sogar auch ein vereinzelter Crowd Surfer während dieser Show blicken. Für dieses Engagement bedankte sich der Frontmann natürlich mit einem freudigen „Thank you!“ Ab und an forderte die Band selbst das Publikum zum Klatschen auf, was meist aber gar nicht nötig war. Dennoch förderte dies die Kommunikation zwischen beiden und heizte die Stimmung noch ein wenig mehr an. Nach dem etwas älteren Stück „Castaway“ bedankte sich Tomi Joutsen mit einer Geste für die frenetischen Resonanzen des Publikums und kündigte an, dass es nun „time for the last song“ sei, bei welchem es sich um „House Of Sleep“ handelte. Hierbei erhielt die Menge die Gelegenheit, selber zu singen – und dies nicht gerade leise! Als dieses Stück schließlich endete, bedankte sich die Band nochmals bei ihren Anhängern und verließ nach einer kurzen Verbeugung die Halle.

Setlist:

01)  My Enemy

02)  Sky Is Mine

03)  Mermaid

04)  Against Widows

05)  You I Need

06)  Weaving The Incantation

07)  My Kantele

08)  Silver Bride

09)  The Smoke

10)  Crack In A Stone

11)  The Castaway

12)  House Of Sleep

Auch der nun folgende Soundcheck für den anstehenden Auftritt der schwedischen Power Metaler von Sabaton erstreckte sich über 45 Minuten. Dies tat der guten Stimmung in der Halle jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, das JUZ füllte sich von Minute zu Minute mit immer mehr Metalheads, die sich das bevorstehende Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Regelmäßig erklingende „Sabaton“-Rufe ließen erahnen, dass für viele der Anwesenden nun das Highlight des diesjährigen Summer’s End bevorstand. Als schließlich die Klänge von Europe’s „The Final Countdown“ ertönten, zu denen die Bühne in dichten Nebel gehüllt wurde, ließ es sich nicht vermeiden, dass dieser Song ausnahmslos vom gesamten Publikum inbrünstig mitgesungen wurde. Sobald dann endlich das bandeigene Intro erklang, erschallten erneute „Sabaton“-Rufe, welche bereits erahnen ließen, dass es während der folgenden anderthalb Stunden ordentlich Grund zum Feiern geben würde. So war es denn auch und nachdem die Band die Anwesenden mit den Worten „We are Sabaton und this is ‚Ghost Division’“ begrüßte, ging es in der Halle richtig ab. Wohin man blickte, ließen sich headbangende und tanzende Metalheads beobachten. Dies war jedoch auch nicht verwunderlich, denn Frontmann Joakim Brodén, der, obwohl es in der Halle nicht sonderlich hell war, eine Sonnenbrille trug, ging diesen mit gutem Beispiel voran und sprang wie ein wilder Derwisch über die Bühne, wobei er das sowieso schon ausgelassene Publikum beständig weiter anstachelte. Aber auch der Rest der Band, allen voran Bassist Pär Sundström, ging übelst ab und lieferte eine energiegeladene Show. Die Resonanzen, die den Schweden entgegengebracht wurden, schienen diese regelrecht zu überwältigen. Dies wurde sehr deutlich, als Joakim Brodén erklärte: „Guten Abend Deutschland! I’m so happy that I don’t know what to say!” Dennoch hatte es ihm die Sprache nicht ganz verschlagen, denn im Folgenden schien es ihm wichtig zu sein, zu erläutern, warum er so komisch aussähe. So erklärte er z. B. das fehlende Sixpack mit „too much beer“, woraufhin sofortige „Noch ein Bier“-Rufe aus den Reihen des Publikums erklangen. Eine ganz besondere Freude jedoch bereiteten die Schweden ihren Anhängern, als der Sänger erklärte, dass die Band ihre E-Mails regelmäßig lesen würde, die sie von ihren Fans erhielte, und dass in diesen ein besonderer Song immer wieder gewünscht worden wäre, der nun auch, im Gegensatz zu den vergangenen Konzerten der Tour, gespielt würde. Bei diesem handelte es sich um das fette „Screaming Eagles“, bei welchem wirklich die gesamte Halle vor Begeisterung ausrastete. Bei dem sich anschließenden „Cliffs Of Gallipoli“ gab es dann auch für das Publikum einige Passagen, bei denen es selbstständig singen konnte. Ebenfalls Gelegenheit zum Singen bot das Intro des Songs „The Final Solution“, das Joakim Brodén extra auf Deutsch anzählte. Besonders beeindruckten die Band durch die häufigere Darbietung mehrstimmiger Gesangsparts mit vier Sängern, welche allesamt äußerst sauber dargebracht wurden. Als zum wiederholten Male laute „Sabaton“-Rufe erklangen, zeigte sich der Sänger total überwältigt und bedankte sich im Namen der gesamten Band für diese gigantischen Resonanzen. Da ein solch energiegeladener Auftritt Durst macht, ließ sich Brodén schließlich eine 0,5-Liter-Bierflasche reichen, welche er tatsächlich in einem Zug leerte, um daraufhin ins Mikrofon zu rülpsen. Im Folgenden durften sich die Anhänger der Schweden über eine Premiere freuen: Mit „Into The Attero“ präsentierten Sabaton einen Song, den sie noch niemals zuvor live gespielt hatten. Selbstverständlich durfte auch ein Dankeschön an den Fanclub der Schweden nicht fehlen, welcher offensichtlich zahlreich vertreten war. Dann verkündete der Sänger, dass es Zeit für ein Experiment sei. Dies bedeutete, dass er den nächsten Song nicht ankündigen, sondern lediglich anzählen wollte, woraufhin die Menge diesen singen sollte.

Obwohl er dieses Experiment bisher angeblich noch nie durchgeführt hatte, funktionierte es sehr gut und das Publikum war sich erstaunlich einig, dass es den Text von „Primo Victoria“ zu singen habe. Auch der Aufforderung zum Springen kam die Menge gerne nach. Schließlich setzte Joakim Brodén seine Sonnenbrille ab und, nachdem „Primo Victoria“ verklungen war, begann er ein kurzes Gespräch mit einem achtjährigen Mädchen, das in der ersten Reihe stand, und schenkte ihm schließlich die Sonnenbrille, eine Setlist sowie diverse andere bandeigene Utensilien wie Drumsticks. Auf vielfachen Wunsch des Publikums hin zeigte man sich flexibel und stimmte das nicht auf der Setlist stehende Stück „Panzerkampf“ an, was mit lautem Jubel gedankt wurde, bevor der grandiose Auftritt der Schweden mit „Metal Machine“ endete und diese nach einer gemeinsamen Verbeugung die Bühne verließen.

Setlist:

01)  Intro

02)  Ghost Division

03)  Uprising

04)  White Death

05)  Screaming Eagles

06)  Cliffs Of Gallipoli

07)  Swedish Pagans

08)  The Final Solution

09)  40:1

10)  Attero Dominatus

11)  The Price Of A Mile

12)  Saboteurs

13)  Coat Of Arms

14)  Primo Victoria

15)  Panzerkampf

16)  Metal Machine

17)  Outro

Der Headliner des Abends betrat schließlich mit einer vollen Stunde Verzögerung die Bühne. In der Zwischenzeit hatte sich auch die Halle bereits ziemlich geleert, sodass Kreator nur vor einem halb vollen JUZ spielten. Der Stimmung indessen tat dies keinen Abbruch und so wurde das Quartett von dem verbliebenen Rest mit lautstarken Rufen begrüßt, als das Licht in der Halle erlosch und die ersten Klänge des Intros ertönten. Bereits bei dem erstes Stück „Hordes Of Chaos“, das die Deutschen anstimmten, rastete die Menge förmlich aus und sang aus vollen Hälsen mit. Gitarrist Sami Yli-Sirniö animierte diese zudem zum intensiven Mitklatschen und erwies sich dabei als sehr erfolgreich. Eine ganz besondere Atmosphäre wurde durch die Lightshow auf der Bühne geschaffen. So bestand diese zunächst lediglich aus rotem Licht, welches sich bei dem zweiten Stück der Show, das auf den Titel „Warcurse“ hörte, in Grün verwandelte. Generell blieb das Publikum während des gesamten Auftritts vor hektischen Lichteffekten verschont, da stets eine Farbe – meist Rot – die Lightshow dominierte. „Andernach, wie geht es euch?“, erkundigte sich Sänger Mille schließlich bei seinem Publikum und als dieses zu verstehen gab, dass es ihm sehr gut ginge, fügte der Frontmann hinzu, dass es schön sei, wieder im Andernacher Jugendzentrum zu spielen. Diese Freude war der gesamten Band während ihres Auftritts deutlich anzumerken. Aber nicht nur diese hatte Spaß sondern auch die noch verbliebenen Metalheads im Publikum. Somit kamen jene Milles Aufforderung, einen Circle Pit zu bilden, zu gerne nach. Hierbei erwies sich der inzwischen frei gewordene Platz in der Halle als äußerst praktisch. Die Band selbst zeigte sich ebenfalls sehr energiegeladen und nutzte jede Gelegenheit zum ausgiebigen Headbangen. Die hierdurch immer stärker angeheizte Stimmung bewirkte, dass es zu „Destroy What Destoys You“ einen ordentlichen Mosh Pit gab, der im Verhältnis zu der relativ kleinen Halle recht groß geriet. Auch ertönten, sobald es auf der Bühne ein wenig leiser wurde, laute „Kreator“-Rufe aus den Reihen des sehr aktiven Publikums. Trotz dieser Feierstimmung, schnitt Mille jedoch ein etwas ernsteres Thema an und verwies auf das Unwetter am vorherigen Tag. Dabei sprach er einen besonderen Dank an die Organisatoren aus, die es so kurzfristig ermöglicht hatten, das Summer’s End-Festival in der Halle stattfinden zu lassen und es somit vor dem Ausfall bewahrt haben. In diesem Zusammenhang erklärte er außerdem: „Das Jugendzentrum in Andernach ist eines der Besten in Deutschland! Ich wünschte, es gäbe mehr solche!“

Nach diesen Worten stimmte die Band „Enemy Of God“ an, bei welchem sich erneut ein sehr großes Mosh Pit bildete. Um die Stimmung noch ein wenig mehr anzuheizen – falls dies möglich gewesen sein sollte – animierte Mille die Menge dazu, ihre Hände in die Luft zu strecken und im Takt „Hey!“ zu rufen. Bei „Phobia“ erhielt das Publikum zudem die Gelegenheit, ganz viel selber zu singen. Daraufhin forderte die so angestachelte Menge nach einer Wall Of Death, Mille aber bevorzugte ein anständiges Circle Pit, welches optimal zu dem folgenden Song „Extreme Aggression“ passte. Hieran schloss sich die Aufforderung zu einem weiteren Mosh Pit an, das „von hinten bis vorne und von rechts nach links“ gehen sollte und so unglaublich es schien, dem Andernacher Publikum gelang dies wirklich. Auf einmal jedoch fielen die Blicke auf eine leere Bühne. Damit diese aber nicht lange ohne Band bliebe, wurden sofort wieder „Kreator“-Rufe angestimmt, woraufhin eine Gitarre von hinter der Bühne erklang und mit „Violent Revolution“ kehrte das Quartett zurück. Dabei forderte Mille die Menge auf, ihre letzten Kraftreserven anzuzapfen. Als Antwort darauf wurde ein erneuter Circle Pit veranstaltet. Schließlich bemerkte der Frontmann, dass diese Show die Letzte sei, die Kreator mit ihrem aktuellen „Hordes Of Chaos“-Album spielen würden. Damit wies er ebenfalls darauf hin, dass im kommenden Jahr ein neues Kreator-Album veröffentlicht würde, und dass dies das letzte Album sei, da ja bekanntermaßen 2012 die Welt untergehe. Von diesen düsteren Aussichten aber eher unbeeindruckt, forderte er das Publikum auf: „Ich will euch alle ‚Hate’ sagen hören!“ Mit diesen Worten stimmt er das folgende Stück „Flag Of Hate“ an, zu welchem er passenderweise eine Flagge hoch über seinem Kopf schwang. Schließlich endete auch die Spielzeit der letzten Band des diesjährigen Summer’s End-Festivals und als wolle er dieses Ende besonders betonen, hob Mille seine Gitarre zu einer majestätische Abschlusspose  in die Höhe. Mit den Worten „Kommt gut nach Hause. We’re Kreator. We’ll return!“ verabschiedete sich der Sänger von der Menge und gemeinsam verließ das deutsche Quartett die Bühne und beendeten somit das Summer’s End.

Setlist:

01)  Intro – Choir Of The Damned

02)  Hordes Of Chaos

03)  Warcurse

04)  Coma Of Souls (Intro)

05)  Endless Pain

06)  Pleasure To Kill

07)  Destroy What Destroys You

08)  Voices Of The Dead

09)  Enemy Of God

10)  Phobia

11)  Extreme Aggression

12)  People Of The Lie

13)  Terrible Certainty (Intro)

14)  Reconquering The Throne

15)  The Patriach (Intro)

16)  Violent Revolution

17)  Betrayer

18)  Flag Of Hate

19)  Tormentor

Rückblickend muss man feststellen, dass den Veranstaltern des Summer’s End etwas gelungen ist, das man in der Regel als unmöglich betrachtet: Die Verlegung eines Open Air-Festivals in eine Halle. Für diese Wahnsinnsleistung gebührt diesen ein ganz besonderes Lob, da sich erst durch ihren Einsatz, aller ungewöhnlichen und widrigen Umstände zum Trotz, das diesjährige S:I:D – Summer’s End Indoor – sich als würdiger Abschluss der Festivalsaison 2011 erwies. Aber nicht allein die Tatsache, dass diese nun verstrichen ist, gilt es zu betrauern. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass das diesjährige Summer’s End-Festival voraussichtlich das Letzte seiner Art war, da die Stadt Andernach, durch deren Gelder dieses Event bisher ermöglicht wurde, ihre Zuschüsse in Zukunft streichen möchte, was das Ende des Summer’s End bedeuten würde. Dies stellt einen großen Schlag nicht nur für die Szene dieser (ländlichen und somit in Bezug auf entsprechende Veranstaltungen unterversorgte) Region dar, hat sich dieses Festival doch zu einem wertvollen kulturellen Ereignis gemausert, welches sogar Besucher aus entfernteren Ländern wie z. B. Kanada anzieht. Selbst der Headliner des Events, Kreator, verwies auf die Wichtigkeit dieses Festivals und wiesen extra darauf hin, dass das Summer’s End weiterhin Bestand haben sollte! In diesem Sinne bleibt all denjenigen, denen es wichtig ist, sich Ende August im Andernacher JUZ zu einer besonderen kulturellen Veranstaltung zu versammeln, zu hoffen und zu bangen, dass es sich die Verantwortlichen noch einmal durch den Kopf gehen lassen und die Wichtigkeit und Bedeutung des Summer’s End Open Airs doch noch würdigen und das Festival nicht zu Grabe tragen werden.

Bericht: Kerstin / V.U.
Fotos: Michael Mai / V.U.

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