Festivalbilanz Open Flair 2011 (Nachbericht und Fotogalerie)

Festivalbilanz Open Flair 2011

–          6 Tage Open Flair in Eschwege
–          5 Nächte mit Party bis in den Morgengrauen
–          4 Festivaltage mit unzähligen Bands
–          3 Interviews mit Donots, Schandmaul, Boppin‘ B
–          2 Tausend Fotos geschossen (mindestens!)
–          1 mal Baden im See (und das bei Regen und gefühlten 2cm Wassertemperatur!)

und natürlich unzählige verschiedenster Highlights und besondere Ereignisse auf dem Festivalgelände, Campingplatz und dem gesamten Eschwege.

Ich war dieses Jahr mit einer riesigen Truppe am Start, wobei ich die meisten noch nicht kannte. Da die Anreise sich zwischen Mittwochmittags und Freitagsabends erstreckte, wuchs unser Camp nach und nach derart zu, dass wir zum Schluss wir kaum mehr raus kamen.  Ist halt blöd, wenn auch noch Bands sehen will.  😉

Gleich meine erste Dose Bier brachte mich ins Krankenhaus, da eine Dreckswespe von meinem Bier was abhaben wollte, sie sich im Mund wehrte und mir dabei in die Unterlippe stach, die deshalb riesig anschwoll. Der uralte Arzt rammte mir irgendwie sehr komisch eine Spritze in den Arm.  Als aber der Schmerz nachließ, war auch die Lippe etwas besser. Auf dem Rückweg lernte ich Zwangsweise Eschwege etwas kennen. Echt sehenswert und generell gab’s überall moderate Preise.

Der Organisator des Campingplatzes hatte den Ground prima im Griff:
– es gab genug Ausweichflächen für die jedes Jahr anwachsende Zahl an Campern,
– das Erdwespennest, welches ca. 5 Meter von meinem Zelt entfernt in der Wiese war, wurde fachmännisch ausgehoben,
– lediglich die in den letzten Jahren recht sauberen Dixies stanken in diesem Jahr erbärmlich, da man diese Jahr ein biologisch abbaubares Mittel zur Geruchsbindung einsetzte. Hoffentlich bleibt dies bei dem einmaligen Versuch.

Die ersten Bands begannen wieder bereits am Donnerstag auf der Seebühne. Ich ging es zunächst gelassen an, da ich mir an den weiteren Tagen ein enormes Programm ausgewählt hatte.

Da donnerstags auf dem Hauptgelände noch nichts läuft, ist an diesem Tag an der Seebühne besonders viel los. So brauchte ich einige Zeit bis ich aufs Gelände kam, konnte jedoch noch einige Songs von 5BUGS erleben.  Die Jungs legten sich ordentlich ins Zeug und es kam auch bereits ordentlich Stimmung auf. Unterstütz wurde die Show durch die 4,7m große kunstvolle Figur Dundu, die durch das Publikum ging. 5Bugs haben sich mit unzähligen Festival-Shows in den letzten Jahren den Erfolg hart erarbeitet und konnten an diesen Abend die eindrucksvolle Zuschauermenge sichtlich genießen und doch auch ordentlich einheizen. Und das mit dem einheizen war beim diesjährigen Open Flair, wie bei den meisten Festivals in diesem Jahr, bitter nötig: es gab häufig Regen und nachts blieb das Bier immer kühl.

Bei ROYAL REPUBLIK wurde es noch mal deutlich voller und das vollkommen zu Recht. Die Schweden haben innerhalb kürzester Zeit (sie haben erst ein Album veröffentlicht) einen sensationellen Erfolg erreicht. Mit welcher Energie diese Newcomer die Bühne rocken ist echt der Hammer: echt sehens- und hörenswert. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte dies endlich nachholen.  Die tolle und druckvolle Stimme von Adam Grahn, verbunden mit seinem coolen Äußeren – das hat was. Und der Rest der Band rockt wie bescheuert, besonders enthusiastisch der Gitarrist Hannes Irengård – da blitzt der Wahnsinn auf! Ganz anders wirkt er, wenn man ihn abseits der Bühne erlebt: nett, freundlich und immer viel Zeit für seine Fans!

Danach kam der geheimnisvolle Special Guest auf die Seebühne! Es war CLUESO mit seinem neuen Projekt welches sich DISCOSTRESS nennt. Auch diese hatten ihre Zuhörer, wenn auch bei dieser Art Musik gewiss mehr erstauntes Zuhören als erbarmungsloses Abrocken normal ist. Deshalb ist hier schwer die Begeisterung festzustellen. Zumindest gingen aufgrund dieses heftigen musikalischen Breaks relativ viele Zuhörer zurück auf den Campingplatz um dort weiter zu feiern. Ich gab der Band noch ein paar Songs, kam dann aber letztlich zur gleichen Entscheidung. Nach Mitternacht war mir das Ganze `ne Nummer zu ruhig und zum hinsetzen war’s zu nass.

Am Freitag ging’s dann auch mit der großen HR3-Bühne und der Freibühne auf dem Hauptgelände los. Obwohl es erst kurz vor 14Uhr war, gab’s ein Riesengedränge vor dem Eingang. Die Ordner kontrollierten sehr gründlich und so verpasste ich einen guten Teil der Show von The Busters.  Aber was ich noch sah, hatte sich 100% gelohnt. Während des gesamten Festivals hatte ich kein abwechslungsreicheres Set gehört als dieses. Wer nur Ska, vielleicht mit etwas Punk erwartete, wurde eines Besseren belehrt: es gab nebenbei diverse Jazz-Richtungen, Rock und keine Ahnung was da noch alles drin steckte – einfach super gute Laune Musik für alle Altersklassen!

Auf der Nachbarbühne ging’s fast nahtlos weiter mit MONTREAL. Die waren zwar auch richtig gut aufgelegt, aber nach dem Busters-Gig hatten sie bei mir leider echt schlechte Karten. Die Show und Musik war wie gewohnt gut, aber es zündete diesmal bei mir nicht. Lediglich beim „Pullover“ war ich richtig dabei. Egal, den Fans gefiel es und dies ist die Hauptsache.

Die nächste Band hatte ziemlich viele Leute angezogen: es war CULCHA CANDELA. Ok, das ist musikalisch sicher nicht gerade das, was ich normalerweise höre. Und auch die Bühnenshow, die mich an eine Boygroup erinnerte, ist auch nicht unbedingt mein Ding. Aber die Musik puschte und die Show hatte eine ungemein positive Ausstrahlung, so kam eine allgemein super Laune auf und das Party-Volk feierte seine Helden.

Und ich war eigentlich froh über jede Band, die ich mir nicht unbedingt bis zum Ende ansehen musste. Und so machte ich mich zusammen mit Sarah gutgelaunt auf den Weg was zu essen sowie zum Interview mit Guido Knollmann von den Donots an der Seebühne. Die Interwiews gibt’s dann hier im Nachgang.

Auf der Hauptbühne gab’s als nächstes ITCHY POOPZKID, die ja schon seit Jahren einen besonders treuen Fankreis besitzen. Der Spaß kam nicht zu kurz, so surfte Sibbi Gitarre spielend auf einem Board über die Menge. Ihre Show wirkt jedoch insgesamt deutlich gereifter und sie haben zu Recht viele neue Fans gewonnen.

Für die Alternative-Fans war FRANK TURNER gewiss ein Höhepunkt des Tages. Er bot mit seiner erstklassigen Band eine Mischung aus Singer/Songwriter, Folk und der Power des Punkrock ein mehr als sehenswertes Programm.

Mit THE SUBWAYS gab’s gleich darauf eine legendäre Indie/Alternative Band die mit ihren 2 Ohrwürmern „Rock & Roll Queen“ und „Oh Yeah“ zu Weltruhm kamen. Neben diesen Knallern, gab’s aber auch mehrere neue Titel  des unveröffentlichen Albums „Money And Celebrity“ und weniger bekannte die genauso zündeten. Die Show war ebenfalls gewohnt super, so rockte die zuckersüße Charlotte wie ein Derwisch über die Bühne.

Selbst THE LOCOS vom Ska-P Sänger und Showman Pipi sind beim Open Flair keine Unbekannten. Hier ging’s gleich richtig zur Sache: auf und vor der Bühne – es wurde nahezu alles geboten was man bei dieser Truppe erwarten durfte, sehr kurzweilig das Ganze! Ob einem die politischen Aussagen dabei passen, ist allerdings eine andere Geschichte. Wobei die wenigsten (ich eingeschlossen) die spanischen Texte verstanden, aber die Verkleidungen von Pipi sind sehr eindeutig, so versteht jeder um was es geht.

Der Headliner des Abends waren DIE FANTASTISCHEN VIER. Ihre 19 Songs umfassende Setlist enthält so viele Hits (Gebt uns ruhig die Schuld, Danke, Sie ist weg, Einfach sein, MfG, Ernten was wir säen, Troy, Populär) dass selbst ein „Altrocker“ wie ich sie zumindest  teilweise mitgrölen kann. Ganz großes Kino! Trotz des zu Beginn ihrer Show einsetzenden Regens, wurden sie von einem riesigen, begeisternden Publikum abgefeiert.

Nach dem Interview mit Guido war mein persönlicher Headliner aber natürlich DIE DONOTS an der Seebühne, die sich leider zum Teil mit Fanta 4 überschnitten. Sie legten sich derart ins Zeug, dass ich auch nach Mitternacht noch meinen alten Arsch hochbekam und richtig meinen Spaß hatte.
Setlist Donots:


  1. 1.       Changes
  2. 2.       Calling
  3. 3.       Big Mouth
  4. 4.       Pick Up The Pieces
  5. 5.       Today
  6. 6.       To Hell With Love
  7. 7.       Room With A View
  8. 8.       Hello Knife
  9. 9.       Duck & Cover
  10. 10.    Stop The Clocks
  11. 11.    Whatever Happened To The 80s
  12. 12.    Dead Man Walking

Zugabe:
13.  We’re Not Gonna Take It

2. Zugabe:

14.  Good-bye Routine


Spätestens nach dem Speed-Knaller „To Hell With Love“ und dem nachfolgenden Break mit dem hymnischen Liebeslied „Room With A VieW (Give Me Shelter) war es um dem Letzten in der Menge geschehen: Emotion pur! Bei „Whatever Happened to the 80s“ hat man das Gefühl den Song bereits Ewigkeiten zu kennen (aber auch Ihr erster Hit feiert in diesem Jahr erst sein 10jähriges Jubiläum!): alle kennen ihn, alle grölen ihn und alle feiern ihn. Das gleiche bei der ersten Zugabe, dem Twisted Sister Cover „We’re Not Gonna Take it“!!! Dann war eigentlich Schluss, ein paar gingen, auf der Bühne sah es nach Abbau aus, aber die Meisten feierten unentwegt weiter. Mit Erfolg: die Donots kamen noch mal auf die Bühne und es gab noch das wunderbare „Good-Bye Routine“, das einen solchen Abend perfekt abschließt … Woo-hooo, Yeah-yeah …. Gänsehaut!

Am Samstag war ich gleich beim ersten Act, den Jungs von MIDAS INC. am Start. Diese junge Band hat zweifellos ein tolles Potential, welches sie aber leider nicht voll ausreizen konnte, da ihr Bassist deutlich zu viel gesoffen hatte, sich ständig in den Vordergrund drängte und dabei unangenehm auffiel. Der Sänger machte dagegen einen prima Job und der Gitarrist unternahm einen Ausflug in die kleine Fangruppe.

Vor dem Ende des Midas Inc. Sets, bot sich mir kurzfristig die Möglichkeit Thomas, den Sänger von Schandmaul in dessen Nightliner zu Interviewen.  Obwohl ich unvorbereitet war, konnte ich da natürlich nicht Nein sagen! Trotz der fehlenden Vorbereitung gab’s ein schönes, kleines Interview mit Thomas, der selbst auf Standardfragen freundlich und kompetent antwortete.

Nach dem Interview ging ich gleich zur Hauptbühne, denn da hatten schon LA VELA PUERCA begonnen. Die Ska-Rocker aus Uruquay hatten ein ganz anderes Format und trotz der frühen Zeit zog die Stimmung gleich kräftig an.

Auch aufn Campingplatz gab’s  gleichzeitig einiges zu sehen: neben diversen Typen, bei den man sich fragt ob sie jemals den Weg zu den Bühnen geschafft haben, auch die WOHNRAUMHELDEN, die als Walking Act auch auf dem Campingplatz eine Konzert gaben. Dies ist dort um einiges schwieriger, denn dort haben die Fans nicht nur Glasflaschen, sondern auch Megaphone in der Hand und sie versuchen aktiv mitzumachen!

Nach einer kurzen persönlichen Pause, ging’s für mich erst wieder mit THE BOSSHOSS weiter. Diese Band erwies sich mal wieder als Glücksgriff. Ich kannte sie zwar schon, hatte aber zuletzt die hohen Eintrittspreise für Clubkonzerte dieser Band gescheut. Deshalb war ich mir etwas Unsicher, wie das laufen würde, ob da sich vielleicht mittlerweile eine gewisse Arroganz breit gemacht hat. Aber weit gefehlt, die Band war vollständig bodenständig geblieben, holte sich kurzfristig gleich mehrere Mädels auf die Bühne und bewies was sie als Kollektiv und auch einzeln alles drauf haben. Und wow, das war echt viel! Das war deutlich mehr, als bloß ein prima Mix-Tape von Klassikern im Country-Look, das war in jeder Hinsicht richtig klasse!

Der SCHANDMAUL Auftritt war dann natürlich wieder ein Pflichttermin für mich, den ich jedoch sehr gerne wahrnahm. Das war schon etwas Besonderes, nicht nur auf dem Open Flair. Hier macht es ganz klar die bunte Mischung von aggressiver Metal-Energie bis hin zu liebevollen Rock-Balladen reicht und durch die Mittelalter-Thematik in Form der Texte und einiger Instrumente verbunden wird. So auch das Ende des Sets, welches Alles bot: zunächst die Schandmaul-Hymne „Walpurgisnacht“, dann das druckvolle metalartige „Krieger“ und zum Abschluss die Ballade „Dein Anblick“. Und wer fühlt sich bei dem charmanten Blick von Anna, dem netten Lächeln von Thomas oder dem druckvollen Gitarrenspiel von Martin nicht in den Bann gezogen?

Bei den DROPKICK MURPHYS drehten die Fans wieder richtig am Rad. Ich hatte mich auch sehr auf deren Auftritt gefreut, die Jungs machten richtig Druck, kannten kein Erbarmen, aber irgendwie erwischten sie mich auf den falschen Fuß. Ok, ich fand das Konzert richtig gut, grundsolide, aber begeistert war ich merkwürdigerweise nicht. Vielleicht fehlte mir etwas die musikalische Abwechslung, aber die Anwesenden Fans sahen es wohl anders. Egal, der Abend war noch lang.

Und es stand schon wieder ein Interview an, diesmal mit Boppin’ B. Zunächst musste ich warten, bis ich dran war und wunderte mich schon, weshalb die alle so lang für ihre Interviews brauchten. Die Zeit konnte ich mir mit dem Betrachten der Konzertvorbereitungen von H-Blockx vertreiben.  Sehr Interessant: während die meisten sich richtig puschten und ganz heiß auf den Auftritt waren, stand Henning, die coole Socke, ganz lässig rum und schwätze mit Jemand. Als ich endlich im Backstage-Container von Boppin’ B landete wurde es prompt sehr laut, da die H-Blockx starteten. Und schnell wurde mir auch klar, weshalb die Interviews länger dauerten: es waren ALLE Bandmitglieder anwesend, sie saßen praktisch um den Interviewer herum, waren bestens gelaunt und sahen die Interviews auch als großen Spaß an. Natürlich musste ich hier auch aus dem Stegreif improvisieren die Fragen schreiend stellen, ein paar Meter entfernt spielten ja die H-Blockx. Wenn ich länger als eine Sekunde mit der nächsten Frage brauchte, wurde jedes mal sofort geschrien, ob mir die Fragen schon ausgegangen sind? Egal, sooo wichtig waren mir die Fragen nicht, ich wollte eher ein nettes Gespräch – und auch das wurde mir gleich aufs Butterbrot geschmiert! Lol! Klar, waren die Jungs trotzdem nett, aber es war halt hauptsächlich lustig und laut und für mich doch etwas anstrengend.

Nach dem Interview ging’s gleich zu den H-BLOCKX, um sie auch mal von vorne auf der Bühne zu sehen. Es ging schon gut ab und die Fans hatten ihren Spaß. Aber irgendwie hatte das nichts mit dem zu tun, was ich früher von den H-Blockx kannte und für was sie standen. Von der früheren Explosivität war nur noch wenig übrig. Zumindest die Musik ist noch gut, was ja eigentlich die Hauptsache ist.

Jetzt ging’s zum Top-Act des Tages: das Punk-Rock Urgestein IGGY & THE STOOGES. Obwohl, Iggy und seine Kumpels machten schon Punk-Rock, da gab es ihn eigentlich noch gar nicht. Ob es aus ästhetischen Gründen besser wäre, wenn Iggy sich mit 64 Jahren nicht lieber ein T-Shirt überziehen sollte, ist schlichtweg sein Ding. Allerdings sollte er sich auch nicht aus Imagegründen dazu genötigt fühlen es nicht zu tun. Das Gemeckere über den „alten Mann“, auch in der örtlichen Presse, kann ich jedoch überhaupt nicht nachvollziehen. Die Show war klasse, da brauche ich keine aufwendige Bühnentechnik, was Iggy und die Stooges da oben zusammen rockten, sprangen und auf ihre Instrumente eindroschen, das war schlicht der Hammer – und das nicht wegen ihren Alters! Ich war mir mehr als unsicher, was mir da musikalisch geboten wird. Eine in meinem Besitz befindliche Live-CD ist schlichtweg Mist, auf dem selbst seine großen Hits „1969“ und „I Wanna Be Your Dog“ wegen der schlechten Produktion kaum zu erkennen sind. In Eschwege war das jedoch komplett anders, der Sound war klasse und diese beiden Songs, wie auch die meisten Anderen gingen derart ab, dass mir die Kinnlade runter klappte und ich derbe mitging! Sensationell, das MUSS man einfach Live erleben um es glauben! Für mich DER Höhepunkt des diesjährigen Open Flairs. Zu seinem größten Hit „The Passenger“: mir ist kein Festival oder Konzert bekannt. bei er ihn gespielt hätte, weshalb bleibt sein Geheimnis und blieb es auch beim Open Flair.

Eigentlich war ich glücklich und zufrieden und wäre in dem idealen Gemütszustand gewesen, um zum Campingplatz zurück zu gehen. Aber nun kamen BOPPIN’ B auf die Bühne. Hehe, auf ihre Standardfrage „Do You Feel Allright“ kam mir diesmal die Boppin’B typische Standardantwort „Scheisskapelle“ sehr leicht über die Lippen! Ihre tollen Rockabilly-Songs zünden immer und ihre Show mit den akrobatischen Showeinlagen ist immer wieder sehenswert.

Zu guter Letzt ging’s um 1Uhr jetzt noch zur Humppa-Party mit ELÄKELÄISET an die Seebühne. Wer sie zuvor noch nie gesehen hatte, kommt dann aus dem Staunen nicht heraus. Die Fragen sind dann meist folgende: „wie kann mit so etwas Erfolg haben?“, „Den Song kenn ich, ich komm aber nicht drauf, weist du welcher es ist?“, „Wenn der immer sein Keyboard kaputt haut, wie rechnet sich das?“. Die Antworten darauf sind meist schwierig, aber in Anbetracht der mächtig steigenden Laune aller Anwesenden ist zumindest die erste Frage geklärt! Eläkeläiset haben mit Sicherheit viele Fans dazu gewonnen, was sind da schon 2 von Onni Varis zerstörte Keyboards? Noch eine Band die man Live erleben MUSS!

Nach dem heftigen Vortag, musste ich es am Sonntag etwas ruhiger angehen lassen und lies FIDDLER’S GREEN bewusst sausen. Ein schwerwiegender Fehler wie sich herausstellen sollte, als wir wegen den Monsters auf dem Festivalgelände eintrafen. Ich habe die Fiddler’s in den letzten paar Jahren nicht gesehen, die Jahre zuvor jedoch umso häufiger. Was ich jetzt ich sah, verschlug mir zunächst die Sprache. Das war richtig geil, unglaublich. Aber der Hammer war dann der Song „Rocky Road To Dublin“, den ich das erste Mal hörte und sah: hier kam es zu insgesamt 8 Wall of Death, die typisch für diesen Song sind und sich hier eigentlich Wall Of Folk nennt, da es mehr ein aufeinander zu tanzen, statt umrennen ist. Unbeschreiblich, diese tolle Stimmung dabei. Ich schrie zu meinen Freunden „könnt ihr meinen Fotorucksack nehmen?“ und „Scheiss auf die Monsters!“ (Sorry, liebe Freunde von den Monsters) und rannte wie ein Besessener zu den Fiddler’s um die letzten Minuten mitten drin tanzend genießen zu dürfen.

Glücklich und doch etwas unzufrieden die Fiddler’s  nicht komplett gesehen zu haben, suchte ich schnell die Freunde um natürlich die MONSTERS OF LIEDERMACHING nicht zu verpassen. Es sollte ja ein ganz großer Auftritt meiner Lieblingsband von Radio Papa-Mike auf deren Lieblingsfestival sein. Die Monster verbindet eine lange Tradition von Auftritten auf den Open Air, oft traten sie 2mal auf, oft traten Mitglieder der Monsters mit weiteren Bands auf, so auch dieses Jahr. Was jedoch einmalig war, war der erstmalige Auftritt auf der großen HR3-Bühne. Und der Platz davor war richtig voll, total Irre! Monsters Of Liedermaching auf den Open Flair ist einfach eine alljährliche Institution, eine nicht zu toppende Konstellation. Die Monsters waren aufgrund der unüberschaubaren Menschenmenge sichtlich gerührt, sie rangen immer wieder um Fassung. Das Konzert war ein einziges Fest, bei dem natürlich Alle mitmachten, mitsangen und zwar ALLE Songs. Die wenigen die nicht mitsangen, kannten die Monsters und ihre Gags noch nicht, was durch ihre ständigen Lacher deutlich wurde. Setlist Monsters Of Liedermaching, Open Flair 2011:


  1. Tod in der Nordsee
  2. Die Zwerge
  3. Professionelle Hilfe
  4. Heidi und Seal
  5. Punkermädchen
  6. Auflaufform
  7. Au ja
  8. Sexkranker Expunker
  9. Superkackwurst
  10. Weltklassemelodie
  11. Die Marion (Oh oh oh)
  12. Blasenschwäche
  13. Moti
  14. Türen
  15. Die reine Poesie
  16. SuSuSu (Zugabe)
  17. Marzipan (im Schlauchboot)


Obwohl die Setlist erste Sahne war, hat man als beinharter Monsters-Fan natürlich immer mindestens einen Song zu beklagen, der einem fehlt. Mir fehlt meist mein Lieblingslied „Trinkt mit mir“. Egal, der Auftritt war sensationell und zum Schluss trieben die Monsters gemeinsam mit 3 Schlauchbooten und „Marzipan“ im Gepäck über die Menge zur Freibühne und dem Auftritt von das Pack.

Zum Auftritt von DAS PACK wartete Flozze bereits auf Pensen, der mit den übrigen Monsters mit den Schlauchbooten unterwegs war. Der Ausflug mit den Schlauchbooten dauerte nur wenige Minuten, man selbst brauchte selbst ähnlich lange um vor die Freibühne zu gelangen. Als alle auf der Bühne waren, wurde das von Das Pack und den Monsters gemeinsam in Auftritten verwendete „Schlittschuh-Lied“ von Pensen angestimmt: es war eine einzige Party, bei den die Monsters feierten und im Freudenrausch über die Bühne tanzten. Die meisten Songs über spielten Pensen und Flozze dann wieder in normaler Besetzung. Ihre Songs mit ihrer typischen Mischung aus ruhigen Parts und explosiven Metal-Riffs, die meist in heftigen, extremen Breaks ineinander übergehen, wie z.B. bei „Heavy Metal Kind“, muss man live erleben. Das Publikum war natürlich außer Rand und Band und total begeistert. Zum Abschluss mit „Fass mir an die Füße“ kamen die Monsters zum Feiern noch mal auf die Bühne.

Nach meiner für mich typischen Nachmittagspause zum Mittagessen ging’s um 18 Uhr mit BULLETS FOR MY VALLENTINE weiter. Für mich eine Band die klassischen Metal mit aktuellem Metalcore perfekt verbindet: tolle Melodien, Clean-Vocals und schnelle Gitarrensoli neben Doublebass-Gewitter, harten Riffs und tiefen Growls verbunden in genialen Tempowechsel. Genau mein Ding! Ok, der Gig ging 100% in Ordnung, aber ich hatte trotzdem schon bessere von ihnen erlebt – aber das kann auch an mir liegen.

BOY HITS CAR aus Los Angeles sind für mich die Entdeckung des Sommers! Diese fast schon selbstzerstörerisch wirkende Explosivität der Band auf der Bühne mit ihrem charismatischen Sänger Craig Rondell ist der schiere Wahnsinn! Dazu die ruhigen Momente mit der 12-saitigen Akkustikgitarre – genial! Musik hat was mit Gefühlen und Leidenschaft zu tun und genau dies spürt man hier, die Band selbst nennt ihren Stil „Lovcore“.

Und nun sollte der Headliner des Abends und für die Meisten DER Headliner des gesamten Festivals folgen: RISE AGAINST! Es ist schon unheimlich, welch rasanten Aufstieg diese Band hingelegt hat. Die Begeisterung im Publikum war gleich im ersten Moment riesig und dabei blieb es auch! Rise Against rissen zehntausende Fans mit ihrer guten Laune und ihrer Power, sowie den starken Texten und Melodien mit. 90 Minuten lang performten sie Songs von ihrem neuen Album „Endgame“ und viele ihrer bekanntesten Songs wie „Hero Of War“ oder „Like The Angel“. Und genau diese waren die Gänsehaut-Songs, bei denen wirklich jeder mitsang. So befreit und vor positiver Energie strotzend, hat man sie lange nicht auf der Bühne gesehen. Kurz gesagt, Rise Against war ein würdiger Headliner eines großartigen Open Flair’s 2011.  Ein dickes Lob für die Security an den Bühnen muss ich noch loswerden: die machten nicht nur einen tollen Job, nein sie waren auch superfreundlich, versorgten die vorderen Fans mit Wasser und wenn die Situation es zu lies, hatten sie auch ihren Spaß und rockten oder sprangen sogar zum Crowdsurven in die Menge.

Zum Abschluss schaute ich mir THE SOUNDS an. Diese Band mit ihrer Sängerin Maja Ivarsson versprüht bewusst immer eine Dosis Erotik, die perfekt zu den treibenden Elektro-Ryhtmen und den Indie-Klängen passt. Eine gute Abwechslung zu Rise Against, die allerdings auch Energie von ihren Fans abverlangt.

Ich war nach `ner knappen halben Stunde The Sounds kräftemäßig ziemlich am Ende, Pendelum hätte ich mir zwar auch gerne angesehen, aber es war die Zeit des Abschieds gekommen. Einige von unserem Camp hatten bereits gepackt und wollten nun los. Ich fand’s besser, mich noch mal etwas zu regenerieren und machte mich am nächsten Morgen gemütlich vom Acker: das leider relativ nasse Zeug zusammenpacken, Müllabgabe, Flaschenpfand zum Supermarkt und zum traditionellen Abschluss noch mit dem verbliebenen Rest der Campingtruppe zum Mäckes.

Innerhalb 40 Minuten waren in der Nacht bereits die 1000 besonders reduzierten Frühbuchertickets für 2012 ausverkauft. So toll das Open Flair Festival 2011 auch war, aber für so was, wie Festival-Ticketkauf, habe ich persönlich frühestens im Frühjahr wieder Interesse.

Bericht und Fotos: Papa-Mike

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