Nachbericht und Fotos zum Amphi-Festival, Tanzbrunnen Köln, 16.07.2011 – 17.07.2011

In diesem Jahr war das Amphi-Festival am Kölner Tanzbrunnen, das 2011 in seine siebte Auflage ging, bereits zum dritten Mal schon etliche Wochen vor seinem Beginn ausverkauft. Das bedeutete, dass bereits einen Monat vor Auftakt der schwarzen Party bei den Kölnischen Rheinterrassen 16.000 Anhänger dieses idyllischen Events ihren Entschluss gefasst hatten, das dritte Wochenende im Juli in unmittelbarer Sichtweite des Kölner Doms zu verbringen. Dass ein so junges Festival bereits so erfolgreich ist, spricht natürlich für sich. Aber zu verwundern mag diese Erfolgsgeschichte wohl kaum jemanden, der jemals seinen Fuß zur Amphi-Zeit über die Schwelle des Tanzbrunnen-Geländes gesetzt hat. Die Location könnte traumhafter kaum sein. Direkt gegenüber des Tanzbrunnens, auf dem sich wie in jedem Jahr wieder ein Stand des szenebekannten X-tra-X-Geschäftes befand, stand die große Hauptbühne des Festivals. Um den Brunnen herum tummelten sich viele Händler mit ihren Ständen, die alle Waren verkauften, die ein schwarzes Herz begehrt. Auch wieder mit dabei war das Staatenhaus, in dem sich, wie in den letzten beiden Jahren, die zweite Bühne befand. Dies war aber nicht das Einzige, was diese Halle zu bieten hatte. Erstmalig wartete diese Location mit einem Festival-Café auf, das Sitzplätze für über 700 Besucher bot, die dort die Gelegenheit fanden, ein wenig auszuruhen und sich dabei mit Kaffee und Kuchen für eine neue Festival-Runde zu stärken. Auch eine weitere kleine Händlermeile befand sich erstmalig im Staatenhaus. Und noch eine Neuerung gab es zu entdecken: Die Autogrammstunden, die vormals in dem Eingangsbereich des Festivalgeländes stattfanden, wurden ebenfalls in die große Halle verlegt.

In der zweiten Halle, dem Theater, wurde ein ausladendes Rahmenangebot präsentiert. Neben einer Buchvorstellung von Annie Bertram konnten auch verschiedene Vorträge besucht werden, welche u. a. von Dr. Mark Benecke stammten. Auch manchen Lesungen, z. B. von Christian von Aster, konnte man dort lauschen. Ein paar wenige Konzerte von Persephone, Rome oder Classic & Depeche ließen zudem Erinnerungen an die ersten Amphi-Jahre in Köln aufflammen, in denen das Theater noch hauptsächlich für diese Art der künstlerischen Darbietungen genutzt wurde. In den Abendstunden schließlich sorgten DJs in dieser Location für die richtige Stimmung und eine Alternative zu den noch stattfindenden Konzerten bzw. für eine Möglichkeit, bis tief in die Nacht hinein zu feiern und zu tanzen. Ebenfalls aus den Vorjahren bekannt, war der amphi-eigene Beachclub, welcher, mit zahlreichen Liegestühlen auf einem wunderschönen weißen Sandstrand ausgestattet, den Besuchern die Gelegenheit bot, einmal richtig die Seele baumeln zu lassen.

Am Samstag, pünktlich um 12:00 Uhr, war es an der Mainstage jedoch vorbei mit der Ruhe. Denn dort schickten sich [X]-Rx an, den diesjährigen Reigen düsterer Klangeskunst zu eröffnen. Mit fetten Industrial-Klängen ließ das Duo der schon recht beachtlichen Zuschaueransammlung vor der Bühne gar nicht erst die Gelegenheit, sich langsam warm zu tanzen, sondern forderte direkt hundertprozentigen Körpereinsatz von dieser. Die Menge ließ sich auch nicht lange bitten und innerhalb kürzester Zeit war der Platz vor dem Tanzbrunnen von tanzenden und wogenden Körpern erfüllt, die sich rhythmisch zu Klang-Perlen wie „Push It!“ bewegten. Dabei war es schon ein wenig erstaunlich, dass bereits die allererste Band dieses Festivals so eine große, positive Resonanz erzielte. Aber Pascal Beniesch und sein Kollege gaben selbst auch vollsten Körpereinsatz und animierten das Publikum beständig, in Bewegung zu bleiben. Auch Feststellungen wie „Ich kann euch nicht hören“ sorgten für noch euphorischeren Einsatz der Industrial-Anhänger. Schließlich schienen die Musiker zufrieden mit der Lautstärke des Publikums zu sein, sodass sich Beniesch bei diesem mit einem freundlichen „Danke sehr“ erkenntlich zeigte und dann verkündete, dass der nächste Track den Titel „Tanz Schlampe“ trug. Dieser sowie das sich anschließende „Virus Infect“ wurden regelrecht abgefeiert, sodass das Publikum der Aufforderung „Amphi, make a fucking noise!“ nur zu gerne nachkam. Für die gute Stimmung sorgten aber nicht nur die musikalischen Klänge, welche eindeutig Gefallen bei den Anwesenden hervorriefen, sondern auch die Musiker selbst, die permanent in Bewegung waren und beständig über die Bühne liefen und sprangen. Auch ganz neues Songgut wurde dargeboten, wie [X]-Rx verkündeten: „Der nächste Track wird vom neuen Album sein, das nächstes Jahr rauskommt und der da heißt ‚Hard Bass Hard Soundz’. I hope you like it!“ Mit „Hey“-Rufen und mit diesen einhergehenden Aufforderungen zum Klatschen heizten die Jungs die Stimmung noch ein wenig weiter an – falls dies noch möglich gewesen sein sollte. Infolgedessen stieß auch die anschließende Ansage „Der nächste Song ist zum Tanzen“ auf freudige Reaktionen. Bei diesem Track handelte es sich um das Stück „The Doll Underground“. Schließlich hatte Beniesch noch eine kleine Aufgabe für das Publikum vorbereitet und ließ dieses immer wieder in Englisch bis vier zählen. Auf diese Weise leitete er den Hit „Stage 2“ ein. Aber auch während dieses Tracks ließ er der tanzenden Menge keine Ruhe und forderte sie immer wieder auf’s Neue zum Zählen auf. Danach waren auch schon die sehr kurzen 30 Minuten Spielzeit, die [X]-Rx aufgrund ihrer ein wenig undankbaren Position als Opener innehatten, bereits verstrichen, sodass den beiden Jungs nur übrig blieb, sich mit den Worten „Vielen Dank Amphi! Dankeschön!“ zu verabschieden.

Eine besondere Überraschung erwartete die Amphi-Besucher vor dem Auftritt von Melotron, als Alexx Wesselsky, der Sänger von Eisbrecher, die in diesem Jahr erstmalig nach 2006 nicht beim Amphi aufspielten, die Mainstage betrat. Selbst ein wenig irritiert wirkend, erklärte er den Zuschauern, dass er eigentlich als Besucher vor Ort gewesen wäre und kurzerhand vom Veranstalter aufgetragen bekommen hätte, die folgende Band anzumoderieren. Dies tat er dann auch mit dem ein wenig eigentümlich anmutenden Reim: „Bühne frei für Melotron und ich komm runter und besauf mich schon.“ Des Weiteren verkündete er mit einem kleinen Augenzwinkern, dass Eisbrecher im kommenden Jahr wieder beim Amphi auftreten würden – und dann selbstverständlich wieder vier Jahre in Folge.

Melotron, die ihre Anhänger mit den Worten „Schön, dass ihr nichts Besseres zu tun hattet!“ begrüßten, erfreuten die Menge vor der Mainstage in den ihnen zur Verfügung stehenden 40 Minuten, mit melancholischen Synthie-Pop-Stücken wie z. B. „Der Anfang“. Offensichtlich stellte sich langsam eine gewisse Mittagmüdigkeit ein, denn so ganz wach wirkte das Publikum zu Beginn dieses Sets nicht. Dementsprechend erklärte Frontmann Andy Krüger: „Ihr müsst auch mal was machen, sonst kommen wir uns albern vor!“ Trotz des Einsatzes von Pauken bei dem nächsten Song blieb die Menge immer noch ein wenig träge, sodass die Aufforderung „Ihr dürft euch auch bewegen!“ unausweichlich blieb. Bei dem nachfolgenden „Menschenfresser“ zeigte sich dann, dass das Publikum die Botschaft verstanden hatte und nun auch bereit war, ein wenig mitzutanzen, was mit einem erfreuten „Vielen Dank! Ich glaube, ihr habt verstanden, was wir meinen!“ honoriert wurde. Obwohl die Stimmung nach wie vor eher verhalten bliebt, bedankte sich Andy Krüger nach „Stuck In A Mirror“ mit den Worten „Einen großen Applaus für euch selbst!“ bei den Anwesenden. Er selber war auch stets bemüht, eine gute Show abzuliefern und befand sich somit beständig in Bewegung. Auch gab er wirklich alles, die Stimmung im Publikum weiter anzuheizen: „Diesen Rhythmus könnt ihr alle mitklatschen!“, erklärte er den Anwesenden, die sich daraufhin auch anstrengten, bei „Brüder“ ordentlich mitzumachen. Auch darüber hinausgehend animierte der Sänger die Menge beständig und erwies sich dabei auch als relativ erfolgreich, sodass gegen Ende der Show hin, die Stimmung trotz des anfänglichen Tiefs ziemlich gut war. Dementsprechend war es im Endeffekt recht schade, dass die Spielzeit so begrenzt war, aber es ist ja bekannt, dass man immer dann aufhören soll, wenn es am Schönsten ist. So verabschiedete sich das Trio bei den Amphi-Gästen mit einem ordentlichen „Vielen Dank!“ und der Ankündigung sowie der Aufforderung: „Wir kommen zurück mit einem neuen Album. Habt Spaß heute, morgen und always!“ Nach diesen Worten verließen Melotron die Bühne unter lautem Applaus.

Mit dem nächsten Konzert auf der Mainstage begann der Auftrittsmarathon von Sven Friedrich. Nach einem ausführlichen Soundcheck betrat dieser mit den restlichen Jungs von Zeraphine die Bretter, um der Menge mit einem anständigen Gothic-Rock-Set ordentlich einzuheizen. Trotz des Soundchecks war Svens Stimme zunächst leider nicht zu hören, was die Technik aber Gott sei Dank recht schnell in den Griff bekam, sodass dieser sein Publikum mit freundlichen Worten begrüßen konnte: „Hallo, schön, dass ihr da seid. Wir freuen uns, hier zu sein. Das nächste Stück ist was älter. Vielleicht habt ihr das mal gehört.“ Dieser Ansage folgte „Be My Rain“, das sehr positive Reaktionen beim Publikum auslöste. Aber nicht nur die Menge vor der Bühne schien ihren Spaß zu haben, auch die Band selbst erwies sich sehr guter Stimmung. Sven Friedrich blieb stets in Interaktion mit dem Publikum, animierte dieses beständig zum Mitklatschen und Mitsingen und bedankte sich regelmäßig für dessen positive Reaktionen. Dabei stellte er auch unter Beweis, dass er ein ziemliches Energiebündel ist, welches ständig in Bewegung sein muss. Leichte Schwierigkeiten hingegen bereitete ihm der Umgang mit dem Mikroständer, sodass er schließlich feststellen musste: „Man sollte meinen, nach drei, vier Jahren als Sänger käme ich mit einem Mikrofonständer klar. Das ist nicht der Fall!“ Aber aller Widrigkeiten zum Trotz präsentierte der Frontmann „Rain Falls“ sowie einige weitere Stücke aus dem Repertoire des Quintetts auf schwungvolle und dabei stets sympathische Weise. Die Bühne war ebenfalls, passend zu der etwas düsteren Atmosphäre der Songs, meist in recht dichten Nebel gehüllt. „Das nächste Stück ist ein wenig älter.“, erklärte Friedrich schließlich, woraufhin „Inside Your Arms“ angestimmt wurde. Aber nicht nur der Sänger erwies sich als permanent in Bewegung, auch die restliche Band ließ es sich nicht nehmen, ein wenig zu Headbangen und damit ebenfalls ihre Freude an diesem Auftritt zum Ausdruck zu bringen. Im Folgenden erzählte Sven Friedrich, dass Zeraphine bisher in dieser Festivalsaison nicht so viel Glück mit dem Wetter gehabt hätten und dass sie somit hoffen würden, von Regen verschont zu bleiben. Allerdings zeigte er sich recht optimistisch, da die Band ihren „Regensong schon gespielt“ hätte. Mit dieser kleinen Anekdote schien der Frontmann zu beabsichtigen, den nächsten Song anzukündigen, musste dann aber leider feststellen, dass die Überleitung nicht mehr so ganz gelingen würde. Dabei war es wohl auch den meisten Anwesenden ein Rätsel, wie man von Regen auf „Still“ kommen sollte. Aber im Endeffekt schien sich niemand besonders mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Stattdessen klatschte das Publikum lieber aus freien Stücken und ganz ohne Aufforderung durch die Band bei den meisten der düster-romantischen Klangperlen mit. Dementsprechend erfreut bedankte sich Sven auch bei diesem, bevor er mit „I’ll Follow You“ und „Ohne Dich“ den äußerst stimmungsvollen Auftritt der Gothic-Rocker so langsam dem Ende entgegengleiten ließ: „Damit sind wir schon fast am Schluss angekommen.“, verkündete der Sänger somit recht unerwartet und nachdem die letzten Klänge von dem sich anschließenden „Die Wirklichkeit“ verklungen waren, wies er mit einem kurzen „Vielen Dank! Bis morgen!“ auf den Auftritt der Dreadful Shadows am Sonntag Mittag hin, bei denen er ebenfalls tatkräftig mitwirkte.

Ganz ohne Intro betraten plötzlich Samsas Traum mit dem Stück „Name Im Kristall“ die Mainstage. Sänger Alexander Kaschte kam zunächst mit zusammengebundener Mähne auf die Bühne, öffnete seine Haare aber bereits während der ersten Takte, sodass er seine wallenden Locken ordentlich im Rhythmus der metallastigen Stücke kreisen lassen konnte. Nachdem der erste Song verstummt war, bedankte sich der Frontmann für den aufkommenden Applaus und verkündete dann: „Ich dachte, wir lassen die alte Unsitte wieder aufleben und werfen T-Shirts ins Publikum. Ich brauche ein mittelgroßes Mädchen.“ Bei diesen Worten hielt er ein Band-Shirt in die Höhe, welches augenblicklich in die Menge geworfen wurde, als sich von dort viele (weibliche) Hände in die Luft reckten. Weiter ging es mit dem provokanten Stück F. M. N. F., bei dem Herr Kaschte mit lauten „Hey“-Rufen versuchte, die Stimmung im Publikum mehr oder weniger erfolgreich anzuheizen. Danach gab es eine CD zu verschenken, die ohne besondere Kommentare ihren Weg in die Menge fand. „Los Köln, ich will eure Hände sehen!“, verkündete der Sänger, um daraufhin „Für Immer“ anzustimmen. Im Anschluss daran ergriff er das nächste T-Shirt und erklärte: „Wir brauchen einen extra großen Jungen. Einen extra, extra großen Jungen. Einen Jungen, den ich verabscheue.“ „Macht Platz für den Mann!“, fügte er hinzu, als sich ein etwas kräftigerer Herr der Bühne näherte, um das T-Shirt in Empfang zu nehmen. „Ich hatte die Bühne größer in Erinnerung. Liegt wohl daran, dass die Band so dick ist. Mich eingeschlossen.“, stellte Kaschte, thematisch recht gut passend, fest. Dieses angebliche Übergewicht der Band hielt diese jedoch nicht davon ab, mit „Stromausfall im Herzspital“ und wilden Headbang-Einlagen ordentlich Gas zu geben. Wie auch schon bei den Bands zuvor war die Bühne dabei wieder in recht starke Nebelschwaden gehüllt. Auch wenn dies bisher von allen Musikern toleriert wurde, zeigte sich der Frontmann von Samsas Traum nicht so begeistert davon, sodass er dem Verantwortlichen zurief: „Halb so viel Nebel! Durch den Nebel kackt mir die Stimme ab!“ Wieder an das Publikum gewandt wollte er wissen, ob dieses gerne mit dem Zug fahren würde. „Ich hasse Zugfahren wie die Pest. Im Zug gibt es immer einen Haufen Assis!“, erklärte er. Das diesem Kommentar das Stück „Endstation Eden“ folgte, bedurfte keiner weiteren Erklärung. Im Anschluss an diesen Song hielt Alexander Kaschte erneut eine CD in die Höhe, auf deren Cover ein Bildnis vom ihm selbst zu sehen war, welches ihn mit teils blutverschmiertem, teils weißem Gesicht zeigte. „Das soll ich sein. Das war nach Jochens (Gitarrist, Anm. d. R.) Geburtstagsfeier. Ich bin die Treppe runtergefallen, nachdem wir Wodka getrunken haben, bin mit dem Mund in Jochens Bücherregal gefallen und hab das Verbandszeug mit Mehl verwechselt. Wer möchte die CD?“ Natürlich fanden sich auch hierfür einige Interessenten. Bei „Heiliges Herz“ forderte der Sänger das Publikum auf, die Hände in die Luft zu strecken und mitzuklatschen. Inzwischen wurde es offensichtlich recht warm auf der Bühne, denn Kaschte ergriff schließlich ein weiteres T-Shirt und wischte sich mit diesem über’s Gesicht. „Wir brauchen ein kleines Mädchen, das auf Schweißgeruch steht!“, verkündete er, woraufhin er dieses T-Shirt unter seinem eigenen Oberteil verschwinden ließ und es sich einmal über den kompletten Oberkörper zog – inkl. Achseln. Nichtsdestotrotz fand sich auch für dieses T-Shirt eine Abnehmerin. Aufgrund der Tatsache, dass das Amphi-Festival nicht den richtigen Rahmen bieten würde, wollte die Band keine Stücke von dem neuen Album „Anleitung zum Totsein“ spielen. Nach dieser Erklärung erklang „Das vor allen Spiegeln“, welches sich durchaus auf dem neuen Album befindet. Dieses wurde auch nicht schlechter aufgenommen, als die restlichen Stücke des Sets. Dabei bleibt allerdings zu erwähnen, dass die Stimmung insgesamt nicht die Beste war, sodass Alexander Kaschte feststellte: „Köln ist ja bekannt dafür, dass es etwas gesetzt ist.“ Als darauf keine Reaktion erfolgte, fügte er hinzu: „Das ist der Punkt, an dem ihr schreien müsstet, oder die Band auf der Bühne ist scheiße.“ In einem sehr ironischen Ton kommentierte er das Gesagte mit einem sarkastischen „Das ist der Punkt, an dem es im Publikum zu heftigen Diskussionen kommt.“ Keine Diskussionen dagegen gab es auf der Bühne, stattdessen aber „Zärtlichkeit der Verdammten“. Im Anschluss an diesen Song rief der Frontmann das Publikum zu einer Wall Of Death auf. Hierzu verkündete er, dass die Menge auseinandergehen solle, da er „wie Moses das Meer“ teilen wolle. Dabei stellte der Herr Kaschte fest, dass anscheinend Leute mit Peitschen im Publikum standen. Selbstverständlich wurde auch dies angemessen kommentiert: „In Köln habt ihr Peitschen? Je mehr ihr euch da unten wehtut, desto mehr Spaß hab ich hier oben!“ Während dem nun Folgenden „Ein Fötus Wie Du“ stellte der Sänger seine Band kurz vor. Aber obwohl der Song ordentlich rockte, funktionierte die Wall Of Death, passend zu der eher mäßigen Stimmung, nicht so richtig. Das schien der Band jedenfalls nicht zu gefallen, sodass sich das Publikum anhören durfte, dass das ja gar nichts gewesen wäre, denn: „Die Mädchen in der ersten Reihe haben noch nicht gekotzt!“ Somit wurde bei „Kugel Im Gesicht“ ein erneuter Versuch einer Wall Of Death gestartet, der aber leider auch nicht so funktionierte wie geplant. Eine weitere Möglichkeit, es noch einmal erneut zu probieren, gab es daraufhin nicht mehr, da die Spielzeit der Band inzwischen abgelaufen war.

Setlist Samsas Traum:

01)  Name im Kristall

02)  F. M. N. F.

03)  Für Immer

04)  Stromausfall im Herzspital

05)  Endstation Eden

06)  Heiliges Herz

07)  Das Vor Allen Spiegeln

08)  Zärtlichkeit der Verdammten

09)  Ein Fötus Wie Du

10)  Kugel Im Gesicht

In der Folge schickten sich die Mittelalter-Rocker von Tanzwut an, die Mainstage des Amphi-Festivals ordentlich zu rocken. Mit einem Intro von Bach, dass Keyboarder Jagbird gekonnt aus seinen Tasten zauberte, enterten die sieben Spielleute die Bühne und fetzten sogleich mit den ersten Klängen ihres in lateinischer Sprache gehaltenen Opener los. Im Anschluss an diesen begrüßte Sänger Teufel die Menge vor der Bühne mit den Worten: „Einen wunderschönen Tag hier in Köln! Ihr wolltet Spaß? Den sollt ihr haben!“ Und sofort ging es mit dem gleichnamigen Song weiter im rockigen Set des Septetts. Hierbei stellte der Frontmann ausdrücklich unter Beweis, wie viel Energie in ihm steckte, denn er befand sich permanent in Bewegung und animierte das Publikum durch Klatschen und Springen, es ihm gleichzutun. Mit besorgtem Blick auf den Himmel, der sich immer weiter zuzog, forderte er die Menge auf: „Lasst uns feiern und hoffen, dass kein Wolkenbruch hereinbricht!“ Während dem folgenden „Labyrinth der Sinne“ kam das Publikum dieser Aufforderung nach und zeigte, dass es durchaus Gefallen an den Klängen der Spielleute fand. Dementsprechend erfreut reagierte es auf die Ankündigung, dass sich an dieses Stück ein weiterer Titel anschließen würde, der vielleicht einigen der Anwesenden bekannt sei. Bei diesem handelte es sich dann auch um das durchaus dem ein oder anderen nicht fremde „Wir sind das Meer“. Passend dazu forderte Teufel die Menge auf „Dazu möchten wir ein Meer von Händen sehn!“ Damit das Publikum seinem Wunsch auch entgegenkam, machte der wilde Frontmann seinen Anhängern genau vor, was er sehen wollte, nämlich in die Luft gestreckte, klatschende Hände. Nach dem sich hieran anschließenden „Zauberlehrling“ fiel Teufel vor dem Publikum auf die Knie und vorbeugte sich vor diesem, da er von den Reaktionen der Menge offensichtlich überwältigt war. Aber nicht nur der Sänger schien alles zu geben. Auch die restliche Band zeigte vollen Körpereinsatz. So schüttelte Gitarrist und Backgroundsänger Martin Ukrasvan regelmäßig seinen Kopf und verlieh darüber hinaus einigen Stücken seine Stimme. Leider war jedoch sein Mikrofon ein wenig leise eingestellt, sodass man ihn nur recht schlecht hören konnte, wenn er seine Stimme erklingen ließ. Die beiden Sackpfeifenspieler Ardor und Thrymr hielten sich die meiste Zeit eher im Hintergrund des Geschehens auf. Nun aber kamen auch sie nach vorne und unterstützten den Frontmann, der nun seinerseits zur Sackpfeife griff. Mit der Frage „Wer ist nicht schon dem einen oder anderen Lügner begegnet?“ und der sich anschließenden Aufforderung „Hände in die Höhe!“ wurde das nächste Stück, welches nicht ganz überraschend auf den Namen „Lügner“ hörte, angesagt und abgefeiert. Als dieses verklungen war, stellte Teufel seinen Gitarristen vor: „An der Gitarre aus der Sowjetunion: Martin Ukrasvan!“ Dieser wurde selbstverständlich daraufhin mit donnerndem Applaus bedacht. Weiter ging es mit „Wächter“, bei dem die Sackpfeifenbläser wiederum ihren Platz im hinteren Bühnenbereich verließen und sich stattdessen rechts und links von der Bühne platzierten, während Ukrasvan und Bassist Der Zwilling deren freigewordene Plätze unterhalb des Band-Banners bezogen. Ardor und Thrymr jedoch beließen es nicht nur dabei, still am vorderen Bühnenrand zu stehen sondern zeigten sich stets in Bewegung. Für die positiven Publikumsresonanzen bedankte sich Teufel, nachdem die letzten Takte des Songs verklungen waren, nur um daraufhin anzukündigen: „Jetzt werden wir ein Lied spielen, das hoffentlich bekannt ist und bei dem wir auch den Text gemeinsam zelebrieren können. Es geht um Sex und Perversionen, aber auch um Spaß!“ Bei diesem so vielversprechend angekündigten Stück handelte es sich um „Bitte, Bitte“, welches durchaus vom Publikum freudig aufgenommen und zelebriert wurde. Kaum mochte man es glauben, als Teufel den Anwesenden erklärte, dass die Band bereits morgens um sieben Uhr in Bayern aufgebrochen sei und dies nicht gut für deren Körper sei, wirkte doch die gesamte Spielmannsgruppe durchaus sehr fit und energiegeladen, sodass auch die folgende Nummer „Wie ein Vulkan“ auf angemessene Weise gefeiert wurde. „Dankeschön! Letzte Nacht habe ich mir die Frage gestellt, als eine schöne Maid in meinen Armen lag, was soll eigentlich der Teufel im Paradies?“, erklärte der sehr gesprächige Frontmann und kündigte mal wieder auf diese recht elegante Weise den folgenden, gleichnamigen Song an. Während diesem ließ sich im Publikum ein Stage-Diving-Versuch beobachten, welcher sich jedoch nicht als erfolgreich erwies. Dafür wurde die Menge auf andere Weise gefordert, denn Teufel hieß sie den Refrain dieses Ohrwurms lauthals mitsingen. Nachdem sich die Anwesenden ausreichend in ihren Gesangskünsten bewährt hatten und der Song verklungen war, machte der Sänger ein interessantes Geständnis: „Ich musste leider alle meine Kollegen umoperieren und bin deshalb Arzt geworden. Die sehen jetzt alle etwas komisch aus.“ Mit diesen Worten leitete er „Der Arzt“ ein. Bei diesem Song herrschte auf der Bühne wieder einmal lebhafte Action. Sänger und Gitarrist animierten gemeinsam das Publikum zum Klatschen, während die Sackpfeifenspieler erneut über die Bühne tanzten. An diese Nummer schloss sich ein Stück an, das laut Teufel „von den Streitigkeiten der Menschen untereinander“ und von den „ganzen Beklopptheiten, die damit zusammenhängen“ handelte. Der Name dieses tief greifenden Songs lautete „Nein, Nein“. Bei diesem stellte Gitarrist Martin Ukrasvan erneut seine Headbang-Künste unter beweis, während das Publikum wiederum vollsten gesanglichen Einsatz bringen musste und somit die namensgebende Textpassage „Nein, nein“ lauthals mitsang. Nach diesem Stück verkündete der Frontmann, dass der Auftritt von Tanzwut nun fast zu Ende sei, sodass es dem Titel „Schattenreiter“ zukommen sollte, das Set zu beenden. Als die letzten Takte dieses Stückes verklungen waren, stellte Teufel überrascht fest, dass Tanzwut anscheinend bei der Präsentation ihrer Lieder ordentlich Gas gegeben hatten, denn unerwarteterweise blieb noch Zeit für einen weiteren Titel. Bei diesem, nun wirklich letzten Song des mittelalterlich rockenden Auftritts, handelte es sich um „Wieder am Riff“, welches von dem Septett noch einmal ordentlich zelebriert wurde. So tanzten die Sackpfeifenspieler erneut über die Bühne und Teufel forderte das Publikum auf, mit den Händen im Takt zu winken. Aber schließlich verklangen auch diese letzten Töne, sodass dem gehörnten Frontmann nur noch Zeit blieb, sich mit wenigen Worten von seinem Publikum zu verabschieden: „Dankeschön! Das war Tanzwut. Applaus für die Herren auf der Bühne.“ Und mit einem weiteren kurzen Verweis auf das bald erscheinende Album und einem abschließenden „Bis bald!“, verschwanden er und seine Spielleute hinter der Bühne.

Der Auftritt der Krupps wurde nun mit dem Regen bedacht, vor dem sich Zeraphine und Tanzwut bereits so gefürchtet hatten. Somit wurde es unter der Überdachung vor der Mainstage auch recht schnell ziemlich kuschelig. Der Stimmung jedoch taten diese Umstände keinen Abbruch. Im Gegenteil, Sänger Jürgen Engler demonstrierte unbeirrt auf eindrucksvolle Weise, dass er sich von ein bisschen Wasser nicht abschrecken ließ, und gab somit vollsten Körpereinsatz für eine energiegeladene Show. Ständig in Bewegung, brachte er das Publikum ordentlich zum Mitklatschen, sodass man ihm die Worte „Schön, wieder hier zu sein!“ auch sofort abnahm. Bei dieser Show wurde die Bühne wieder von sehr viel Nebel beherrscht, was aber weder die Band noch das Publikum zu stören schien, kreierte dieser doch ein perfektes Ambiente für den harten Industrial-Metal der Krupps, die ordentlich das Gaspedal drückten. Für die gute Stimmung, die in der Menge vor der Bühne trotz des schlechten Wetters herrschte, sowie den regen Applaus, der auf jeden einzelnen Song folgte, bedankte sich Engler regelmäßig. Zwischendrin jedoch erklangen zwei nicht ganz so harte sondern eher langsamer gepolte Stücke. Dies hatte leider zu Folge, dass die Stimmung im Publikum auch ein wenig nachließ. Zum Glück war dieses Tief aber nicht von Dauer, und als die Band zu „Der Amboss“ ansetzte, war die Laune in der Menge auch fast wieder auf dem Niveau, auf dem sie sich ursprünglich einmal befand. Während dieses Stückes ergriff der Frontmann ein Metallrohr, mit dem er auf ein Gestell, bestehend aus weiteren Metallrohren, einprügelte. Mit jedem Schlag leuchtete die Frontseite dieses Gestelles auf, auf der ein Totenkopf abgebildet war, welcher somit im Rhythmus der Musik hell erstrahlte. Auch nach diesem Song ließ Engler ein freundliches „Vielen Dank!“ ertönen. Bei „The Great Divide“ wiederum animierte er das Publikum erneut zum Mitklatschen. Dabei hatte sich die Stimmung zwischenzeitlich wieder gefangen und war recht ausgelassen. Auch bei „Germaniac“ kamen die Metallrohre wieder zum Einsatz, die der Sänger hierbei exzessiv bearbeitete. Um die Stimmung noch ein wenig einzuheizen oder diese auch einzufangen, hielt Jürgen Engler schließlich das Mikrofon samt Ständer ins Publikum, wozu er sich am aller äußersten Bühnenrand platzierte. Dass die Band ganz eindeutig Spaß hatte, sah man den Musikern nicht nur an, auch verkündete der Frontmann: „Wir würden heute gerne länger spielen, als wir dürfen!“ Leider ist dies auf den meisten Festivals – so auch beim Amphi – nicht möglich. Zunächst einmal bestand aber noch genügend Zeit, um mit „Metal Machine Music“ und der Hilfe der Metallrohre nochmals so richtig zu rocken, woraufhin der Band donnernder Applaus entgegen schlug. Ganz besonders gefeiert aber wurde der Hit „To the Hilt“, bei welchem das Publikum (fast schon unnötigerweise) animiert von Jürgen Engler, wild im Takt mitklatschte und sich sogar zum Springen hinreißen ließ. Da es ja allgemein bekannt ist, dass auf Festivals eher selten Zugaben gespielt werden dürfen, erklärte der Sänger, der sonst nicht allzu viel mit dem Publikum sprach, sich ansonsten aber nach fast jedem Song bei diesem bedankte, schließlich: „Die Zugabe kommt gleich hintendran.“ Bei dieser handelte sich um das u. a. mit Trillerpfeife instrumentierten „The Machineries Of Joy“, bei welchem sich Jürgen Engler auf das Metallrohren-Gestell stellte und von dort aus das Publikum noch einmal zum Klatschen aufforderte. „Vielen Dank! Es war uns eine Ehre!“, erklärte der Sänger der Menge, nachdem er schließlich wieder auf den Bühnenboden hinabgestiegen war. Zum Abschied beugte er sich noch über den Bühnengraben und reichte dem Publikum die Hände, bevor er die Bretter räumen musste.

Als Samstagabend-Headliner im Staatenhaus spielten die beiden Mexikaner von Hocico auf. Unweigerlich wurden dort zunächst einmal die Blicke der Menge zu dem Mikrofonständer von Sänger Erk Aicrag hingezogen, welcher aus einem männlichen Torso mit einem Hirschkopf inkl. Hörnern gebildet wurde. Daneben schmückten eine große Leinwand sowie einige Fernseher die Bühne, auf denen, sobald die ersten Klänge des sehr langen Intros ertönten, verschiedenste Filme abgespielt wurden, welche passend zu den Industrial-Klängen des Duos, ziemlich abgefahren daher kamen. Während es in der Halle an sich stockdunkel war, flackerten von der Bühne her fast durchgängig Strobolights in die Menge. Auch diese Lightshow untermalte die Klänge der Musiker auf perfekte Weise und die Nebelmaschine des Staatenhauses bewies ebenso eindrucksvoll wie die der Mainstage, dass sie durchaus ganze Arbeit leisten konnte. Der niemals stillstehende Erk Aicrag animierte das Publikum von der ersten Sekunde an, mit ihm zu tanzen und zu klatschen, sodass sich die insgesamt ziemlich nervöse Bühnenshow der Mexikaner sehr schnell auf die Menge auswirkte, die ebenfalls, trotz der wahnsinnigen Hitze in der Halle, ausgelassen zu den elektronischen Klängen tanzte. Aicrag hingegen, permanent über die Bühne hüpfend und sich dabei drehend sowie sich ab und an gegen den Kopf schlagend, rief beständige Erinnerungen an einen Flummi hervor. Bei manch ruhigerer Stelle wurde den gehetzten Augen des Publikums gerne mal eine kurz Pause von den nervösen Strobolights gegönnt und ein helles Licht in die Halle gerichtet. Augenblicklich reckten sich dort dann viele Hände in die Höhe. Aber kurz darauf ging es wieder mit voller Power und Stücken wie „Untold Blasphemies“ weiter. Fast ein wenig neidisch starrten die Anwesenden auf die Bühne, als Erk Aicrag sich einen Schluck aus einer Wasserflasche zur Erfrischung gönnte und als diese Flasche ihre Flugbahn Richtung Publikum fand, streckten sich hunderte von Händen nach ihr. Kein Wunder, wurde es doch mit jedem Beat, den die Mexikaner abfeuerten ein wenig heißer im Staatenhaus. Entsprechend erfreut zeigten sich die Feiernden, die in unmittelbarer Reichweite der Bühne standen, als Aicrag zu einer weiteren Flasche griff und mit dieser ins Publikum spritzte. Die Frage „Who the fuck wants to rape me?“ – eine der wenigen Ansagen, die man aufgrund der starken Effekte, die auf der Stimme des Sängers lagen, halbwegs verstehen konnte – bewirkte laute Antwortrufe. Nicht nur bei dem folgenden Track zeigte sich, dass die Projektionen auf der Leinwand und den Fernsehern die Texte der Stücke thematisch unterstützten. „Are you enjoying this show?“, wollte der Frontmann schließlich von dem Publikum wissen. Dieses antworte ihm mit ganz eindeutig als „Ja“ zu wertenden Reaktionen. Obwohl die Stimmung immer weiter hochkochte, wurde es jedoch mit der Zeit ein wenig leerer im Staatenhaus. Ob dies an der späteren Uhrzeit oder der Hitze in der Halle gelegen haben mag, kann wohl nicht eindeutig beantwortet werden. Jedenfalls steht zu vermuten, dass weniger die Show der Mexikaner der Grund dafür gewesen sein mag, da diese kaum Platz für Kritikpunkte bot und so ließen sich Hocico auch etwas über achtzig Minuten lang ausgelassen von ihren Anhängern feiern. Auf einmal hob Aicrag einen Scheinwerfer von der Bühne hoch, leuchtete damit das Publikum an und ließ ihn einmal über die Köpfe der Anwesenden hinweg gleiten. Mit den Worten „Are you ready for this fucking bullshit?“ animierte er schließlich die Menge zu einer letzten Runde Industrial-Beats. Als kleine Stärkung warf er nochmals eine Wasserflasche in die Halle. Immerhin sollte dort ja niemand verdursten. Diese Geste wurde auch begeistert angenommen und das Duo startete zu einem letzten Industrial-Feuerwerk, zu dem nochmals ordentlich getanzt wurde, bevor von der Bühne des Staatenhauses die Worte erklangen, die den ersten Festivalabend beenden sollten: „Thank you very much Amphi! Gracias, Thank you!“ Damit verabschiedeten sich Hocico von ihren Anhängern. Die sofort aufkommenden „Zugabe”-Rufe blieben denn auch leider unbeantwortet.

Nachdem am Sonntag Mittag die Funkhausgruppe die Mainstage am Tanzbrunnen mit buntem Konfetti eingedeckt hatte, betraten die Gothic-Rocker von den Dreadful Shadows die Bühne. Erneut begeisterte Sven Friedrich die Menge mit Songs wie „Beyond The Maze“ und obwohl es für ihn schon der zweite Auftritt beim diesjährigen Amphi-Festival war, zeigte er keine Spuren von Müdigkeit, sondern erwies sich als energiegeladen wie eh und je. Mit freudigen Worten begrüßte er das Publikum vor der Bühne, welches zu großen Teilen bereits lange auf diesen Moment gewartet hatte: „Hallo! Schön, dass ihr da seid. Nach langen Zeiten mal wieder. Das nächste Stück ist uralt!“ Nach diesem letzten Satz lachte er kurz auf, da ihm in diesem Moment bewusst wurde, dass im Grunde sämtliche Songs der Dreadful Shadows nicht gerade die Neuesten sind … Nichtsdestotrotz erfreute sich das nun erklingende „Burning The Shrouds“ freudiger Resonanzen im Publikum. Neben Sven Friedrich, der wieder in beständigem Kontakt zum Publikum stand, bemühte sich auch der Rest der Band, die Menge zum Mitklatschen zu animieren. Diese dankte es den Jungs mit einer entsprechend guten Stimmung. „Dankeschön! Jetzt kommt ein Stück von unserem tatsächlich ersten Album!“, verkündete Sven den Anwesenden, die sich offensichtlich darüber zu freuen schienen, in alten Erinnerungen schwelgen zu können. Entsprechend überwältigend waren auch ihre Reaktionen. Dass diese die Band ebenfalls sehr erfreuten, drückte der überwältigte Frontmann mit einem ziemlich perplexen „Wow! Vielen, vielen Dank!“ aus, dem er hintenanfügte: „Ein altes Stück – Lassen wir das.“ Immerhin gibt es keine neuen Stücke von den Dreadful Shadows. Bei dem nun folgende „New Day“ jedenfalls handelte es sich um einen Song des letzten Albums „The Circle“, womit dieser vergleichsweise eher neueren Datums war. Dabei schien es auf der Bühne allerdings Probleme mit der Technik zu geben, denn als die letzten Klänge verklungen waren, entschuldigte Sven sich für evtl. schräge Töne, die daher rühren sollten, dass er sich selber nicht gehört hätte. Dies war aber kein großes Problem, denn wenn es wirklich schräge Töne gegeben haben sollte, sind diese nicht bis ins Publikum vorgedrungen. Des Weiteren aber stellte der Sänger plötzlich erstaunt fest: „Hier fliegen bunte Dinger rum!“ Damit meinte er die Reste des Funkhausgruppen-Konfettis. Weiter ging es dann mit „Dead Can Wait“, bei welchem sich erneut zeigte, wie gut die Stimmung im Publikum war, sodass sich Sven hinterher ein begeistertes „Hammer! Macht weiter!“ abringen musste. Einen Höhepunkt im Set der Dreadful Shadows jedoch stellte eine Coverversion dar, die die Jungs eingebaut hatten, damit das Publikum nicht immer dieselben alten Stücke hören musste. Diese stammte im Original von Johnny Cash und hörte auf den Namen „Hurt“. Nach diesem war auch die Spielzeit des Quintetts fast vorbei, sodass nur noch Zeit für einen inbrünstig dargebotenen Song blieb, nach dem sich Sven Friedrich mit den Worten „Vielen, vielen, vielen Dank! Ihr ward großartig! Bis nächstes Mal! Tschüss!“ verabschiedete.

Der Soundcheck von Agonoize blieb dem Publikum größtenteils verborgen, da die Mainstage während diesem von einem Vorhang verdeckt wurde. Bevor dieses große weiße Tuch schließlich gelüftet werden konnte, erging ein Hinweis an alle Amphi-Eltern, die ihre Kinder zu diesem Festival mitgenommen hatten (was nicht gerade wenige waren), diesen bei dem kommenden Auftritt von Agonoize Augen und Ohren zuzuhalten, bzw. die Kinder von der Bühne wegzudrehen, da die folgende Show nicht für diese geeignet wäre. Daraufhin erklang „The Imperial March“, bekannt aus den Star Wars-Filmen, sowie „Jetzt geht’s los“-Rufe aus dem Publikum. Zu diesen Klängen wurde der Vorhang schließlich gelüftet und offenbarte den Blick auf Sänger Chris L., der in Zwangsjacke unter der Bühnendecke aufgehangen schwebte und von dort stimmkräftig den ersten Song intonierte. Schließlich aber wurden die Seile, die ihn dort oben hielten, herabgelassen und zwei, in Mönchskutten gekleidete Herren, halfen ihm, die Zwangsjacke abzulegen. Daraufhin aber erschien eine seltsame Gestalt, welche vollkommen in Leder gehüllt war und eine dunkle Maske im Gesicht trug. Diese packte Chris L. und malträtierte ihn mit einem Messer, sodass dieser hinterher ein vollkommen blutverschmiertes Gesicht zur Show trug. Sobald sämtliche Gestalten von ihm abließen, fegte der Frontmann wie ein Derwisch über die Bühne. Dabei fiel mal ein Mikrofon zu Boden oder ein Mikrofonständer flog häufiger über die Bühne, sodass der Backliner der Jungs ordentlich damit beschäftigt war, hinter dem tobenden Sänger aufzuräumen. Bei „Opus Dei“ griff Chris L. ebenfalls zum Messer, mit dem er zunächst nur einmal wild herumfuchtelte. Plötzlich jedoch setzte er sich dieses an die Kehle, aus welcher daraufhin massenhaft Blut in langen, heftigen Fontänen spritzte. Als dieser Blutrausch schließlich beendet war, begrüßte er endlich das Publikum mit einem überaschend freundlichen „Dankeschön! Tag Köln! Geht’s euch gut?“ Die Antwort des Publikums ließ ein eindeutiges „Ja“ vernehmen, sodass das Trio getrost seine sehr spezielle Show weiterführen konnte. So flog auch im Weiteren mehrmals der Mikroständer durch die Gegend, wenn Chris L. ihn im Eifer des Gefechtes einfach mal zur Seite wegschleuderte. Dieses Randalieren jedoch störte das Publikum nicht im Geringsten, sodass man sich immer wieder mit einem netten „Vielen Dank!“ bei diesem erkenntlich zeigte. Auch eine neue Single wurde an diesem Nachmittag präsentiert. Hierbei lohnte sich nicht nur der Blick auf den inzwischen vollkommen blutüberströmten Frontmann, auch die beiden Herren an den Synthesizern – Mike J. und Olli S. – zelebrierten die Stücke in vollster Hingabe und tanzten munter vor sich hin. Inzwischen schien es auf der Bühne ziemlich heiß zu werden, sodass Chris L. sich eine Portion Wasser über den Kopf schütten musste, um sich ein wenig zu erfrischen. Die Flasche selbst landete drauf hin im Publikum. Aber nicht, dass eine aufgeschnittene Kehle genug des Guten wäre, nein, plötzlich hielt der Sänger erneut ein Messer in der Hand, welches er sich dieses Mal an die Pulsadern setzte. Die daraus spritzende meterweite Blutfontäne richtete er auf das Publikum, welches in den ersten Reihen sicherlich einiges davon abbekommen haben dürfte. Als auch diese Blutschlacht beendet war, wurde schließlich der letzte Song angekündigt. Bei diesem handelte es sich um „Chains Of Love“. Gegen Ende dieses Tracks erschien wieder die seltsame Gestalt in Leder auf der Bühne, die plötzlich eine Art Gewehr auf den Sänger richtete – und abdrückte. Dieser fiel sofort zu Boden und rührte sich nicht mehr. Darauf hin erschien ein „Arzt“ und untersuchte ihn. Als diese Prozedur abgeschlossen war, kamen erneut die beiden Mönche zu Vorschein und schleppten Chris L. hinter die Bühne. Als diese verschwunden und die letzten Töne von „Chains Of Love“ verklungen waren, verabschiedeten sich Mike J. und Olli S. noch von ihrem Publikum und verschwanden unter „Zugabe“-Rufen von der Mainstage. Der Wunsch des Publikums aber konnte leider nicht erhört werden. Schließlich kann ein Sänger, der soeben erschossen wurde, keine weiteren Stücke mehr präsentieren.

Derweil rockten Das Ich das Staatenhaus. Aufgrund einer ernsthaften Erkrankung von Sänger Stefan Ackermann stand Bandkopf Bruno Kramm lediglich zusammen mit Keyboarder Marty Söffker und Drummer Stephan Hauer auf der Bühne. Dies bedeutete aber nicht, dass Kramm, der die Haare wieder einmal zu den obligatorischen Teufelshörnern aufgerichtet trug sowie in ein langes, weites, weißes Gewand gehüllt war, den gesamten Gesang alleine hätte bestreiten müssen. Um dies zu vermeiden, hatte dieser sich eine illustre Schar an Gastsängern geladen. Zu diesen gehörte Myk Jung, Sänger von The Fair Sex, welcher Bruno Kramm bei Stücken wie  u. a. „Das dunkel Land“ oder „Kain und Abel“ stimmkräftig unterstützte. Letzterer, welcher während der gesamten Show beständig am Keyboard verweilen musste, führte fast wie ein Moderator durch das Set, indem er nach jedem Song den Gastsänger für das darauffolgende Stück anmoderierte. Aber nicht nur auf männliche Unterstützung konnten sich Das Ich verlassen, auch Sängerin Vic Anselmo gab sich die Ehre und durfte sich auf Kramms Ankündigung ihres Auftrittes hin ein „Wow, die ist scharf“ von Keyboarder Söffker anhören. Davon unbeeindruckt bereicherte sie die Show der Gruppe mit ihrem mitreißenden Vortrag von „Meine Wiege“. Nachdem sie das erste ihrer Stücke zum Besten geben hatte, erklärte der Bandkopf: „Dankeschön! Und jetzt ist nochmal Zeit für Myk Jung.“ Und an das Publikum gewandt, setzte er noch hinzu: „Ihr könntet auch ein bisschen euphorischer sein!“ Trotz dieses Hinweises und den Bemühungen des The Fair Sexes-Sänger, wollte die Stimmung zunächst nicht so richtig aufkochen. Aber Kramm zog noch einen weiteren Trumpf aus seinem Ärmel: „Ich habe noch einen Gast für euch. Ihr habt ihn heute schon bewundert: Sven Friedrich!“ Bei diesen Worten betrat der Sänger von Zeraphine und den Dreadful Shadows zum dritten Mal für das diesjährige Amphi-Festivals eine der hiesigen Bühnen und überzeugte das Publikum mit einer energiereichen Darbietung von „Schwarzes Gift“, um daraufhin die Bühne wieder einmal für Vic Anselmo zu räumen. „Meine Gäste wollen separat angekündigt werden“, erklärte Kramm schließlich, woraufhin er wiederum Myk Jung nach vorne bat, welcher darauf hin „Gott ist tot“ performte. Hierbei animierten sowohl er als auch Kramm das Publikum ein wenig zum Klatschen. Danach verabschiedete sich der Sänger zunächst einmal mit den Worten „nochmal viel Spaß und Tschüss“ von der Menge in der Halle, woraufhin Kramm ein paar ernstere Worte fand und dem Publikum erklärte, dass Myk Jung diesen Auftritt für seinen Freund Stefan bestritten hätte und er hoffe, dass dies dazu beitragen würde, dass Stefan auf dem Weg der Besserung sei. Da diese Ansprache wie das Ende der Show wirkte, wurden sofort darauf „Zugabe“-Rufe laut. „Es war wunderschön, für euch zu spielen!“, erklärte der Bandkopf und forderte das Publikum dazu auf, viel Energie zu Stefan zu schicken, um diesem zu helfen. Hierzu bot der nun folgende Das Ich-Hit „Destillat“ Gelegenheit, dem zunächst Vic Anselmo ihre Stimme lieh. Aber im Laufe des Songs kamen nochmals Myk Jung und Sven Friedrich hinzu, sodass dieses Stück zu einer würdigen Abschlusshymne mutierte, bei der die Stimmung in der Halle sichtlich euphorisch wurde. Stilecht endete das Set von Das Ich somit mit einer gemeinsamen Verbeugung der Band und ihrer Gastsänger und nochmals einem fetten Dankeschön vonseiten Bruno Kramms an das Publikum, denn dieses hat „uns so viel gegeben!“ Vor allem Energie für Stefan Ackermann, der sich hoffentlich bald von seiner Krankheit erholt hat!

Nachdem bei ihrem Auftritt 2009 die Decke des Staatenhauses über der Bühne eingestürzt war, woraufhin ihr Konzert abgebrochen werden musste, wagten sich Feindflug dieses Jahr erneut auf diese Bühne. Ob die Band die Bauarbeiterhelme, die ihre Mitglieder dieses Jahr auf den Köpfen trugen und die es auch am Merchandising-Stand zu kaufen gab, als Hommage an dieses Ereignis betrachtete, sei dahingestellt. Auch bei dieser Show wurde das Publikum starken Strobolights ausgesetzt, welche aber die Beats der Industrial-Truppe perfekt untermalten. Auch Leinwandprojektionen gab es reichlich zu betrachten, wenn es dem Auge des Zuschauers gelang, die dicken Nebelschwaden über der Bühne zu durchdringen, vor welchen die Musiker lediglich in Form ihrer Silhouetten zu erkennen waren. Im vorderen Bereich der Bühne waren drei Schlagzeuge in einer Reihe aufgebaut. Vor diesen platzierte sich Gitarrist Zero Kelvin, welcher eine Gasmaske trug, sowie ein weiterer Schlaginstrumentalist, der auf den Namen Soli hörte, mit einer weiteren, um den Hals hängenden Trommel. Die Stücke, zu denen u. a. „AK 47“ und „Roter Schnee“ zählten, wirkten in ihrer Darbietung sehr mechanisch und fast schon roboterhaft, wodurch der ganzen Show eine fesselnde Anziehungskraft innewohnte. Selbst Gesten, z. B. Solis ebenfalls mechanisch wirkendes Sich-gegen-den-Kopf-Schlagen, sowie seine wie suchend über die Menge gleitenden Blicke, fügten sich in das Gesamtbild ein. Die einzige Kommunikation mit dem Publikum erfolgte dabei über die stumme Aufforderung zum Klatschen in Form von in die Höhe gestreckten Händen. Obwohl auf der Bühne nicht allzu viel passierte, das Arrangement mit drei Schlagzeugen, ließ nicht besonders viele Freiheiten für aufwendige Showeinlagen, strahlte die Darbietung von Feindflug eine fesselnde Faszination aus, der fast das gesamte Staatenhaus unterlag. Auch die Lightshow entfaltete hierbei, in Kombination mit der stark beatlastigen Musik des Sextettes, eine fast hypnotische Wirkung auf die Anwesenden – leider auch auf Kosten der durch die Strobolights schlecht sichtbaren Leinwandprojektionen. Die Stimmung in der Halle war auch sehr gut, sodass es wenig verwunderte, dass Schlagzeuger Felix sich plötzlich als Dank hierfür vor dem Publikum verbeugte und dieses daraufhin zum Weiterklatschen animierte. Besonders in den vorderen Reihen vor der Bühne kochte die Stimmung besonders hoch. Dort ließen sich viele tanzende Menschen auf engem Raum ausmachen, die der Hitze in der Halle beständig trotzten. Als sich Frontmann Felix erneut verbeugte und der Rest der Band dem Publikum zuwinkte, womit diese signalisierte, dass das Set bereits beendet sei, erschallten augenblicklich „Zugabe“-Rufe, denen die Band sogar in Form von „Stukas im Visier“ nachkam. Im Anschluss an diesen wirklich letzten Song, zeigte sich selbst Keyboarder DJ Banane, der sich bis dahin nur in den hinteren Bereichen der Bühne aufgehalten hatte, der Menge aus nächster Nähe und die gesamte Band verbeugte sich erneut zum Abschied vor ihrem Publikum und ließ es sich nicht nehmen, über den Bühnengraben hinweg noch ein paar Hände zu schütteln. Aber trotz dieser Geste blieb die gesamte Truppe während ihrer kompletten 60 Minuten Spielzeit stumm und ließ sich zu keiner einzigen Ansage hinreißen – was sich allerdings auf seltsame Weise passend ins Gesamtbild einfügte.

Um 20:35 Uhr betrat nochmal Alexx Wesselsky die Mainstage des Tanzbrunnens, um den Headliner des diesjährigen Amphi-Festivals anzukündigen, bei dem es sich um niemand Geringeres handelte als um die Mittelalterbarden von Subway To Sally. Hierzu erzählte er eine kleine Anekdote von der ersten Tour, die er mit seiner damaligen Band Megaherz gespielt hatte und auf der sie eben Vorband der besagten Band gewesen wären. Von Sänger Eric Fish hätte er auch damals gelernt, dass er seine Fans lieben müsste. Nach einem kleinen Dank, welchen er im Namen des Veranstalters an das Publikum richtete, räumte Wesselsky schließlich die Bühne für das abschießende Highlight des Festivals.

Zu den Klängen des nun ertönenden Intros betrat das Septett die Bühne und fegte sofort mit dem Kracher „Henkersbraut“ los. Bereits bei diesem ersten Stück zeigte sich die Band in bester Stimmung und Bassist Suger Ray wusste mit wilden Headbangeinlagen zu erfreuen. Untermalt wurde dieser Song von heißen Feuerfontänen, die den Platz vor dem Tanzbrunnen in heißes, rotes Licht tauchten. Die gesamte Band zeigte sich bemüht, die Stimmung im Publikum anzuheizen, sodass dieses immer wieder auf’s Neue zum Mitklatschen animiert wurde – obwohl dies kaum noch nötig gewesen wäre. Bereits bevor der erste Song mit knallenden Explosionen zu Ende ging, kochte die Stimmung auf dem Platz vor der Mainstage regelrecht über. Sänger Eric Fish verkündete der Menge daraufhin, dass es eine Ehre für ihn sei, das Festival abschließen zu dürfen und er forderte die Anwesenden auf: „Brennt mit Subway To Sally!“ Daraufhin erklang „Feuerland“, bei welchem passenderweise heiße Feuerbälle von der Bühne emporstiegen. Dementsprechend wurde es dort wohl recht heiß, wie sich daraus schließen ließ, dass der Sänger sich während dieses Stückes seiner Jacke entledigte, was vom Publikum mit freudigen Reaktionen quittiert wurde, woraufhin kleine Flammen über den Boden der Bühne züngelten. Für die positiven Resonanzen bedankte sich Eric Fish mit „Habt Dank!“, woraufhin er die wilde Menge zum Springen animierte, indem er ihr als gutes Beispiel, „Hey, hey!“ rufend, voranging. Diesem vollen Körpereinsatz schloss sich der Song „Knochenschiff“ an, bei dem der Sänger unter Beweis stellte, dass er körperlich sehr fit zu sein schien, da er immer wieder mit dem Publikum zusammen sprang. Direkt im Anschluss folgten „Kleine Schwester“ sowie „Die Schlacht“, zu welchem Eric erklärte: „Wie auch immer eine Vita ist, wie immer sich ein Leben gestaltet haben mag, es kommt immer darauf an, die nächste Schlacht zu schlagen.“ Bei diesem Stück wurde das inzwischen sehr erhitzte Publikum zur Abwechslung einmal durch Nebelfontänen erfreut, welche zum Glück nicht so heiß waren. „Lasst uns ein Lied spielen. Zusammen würde ich mir wünschen und ich glaube, dass ihr euren Beitrag dazu leisten könnt und werdet.“, erklärte der Frontmann im Folgenden und bewirkte damit, dass das Publikum ihm tosenden Beifall spendete. Unter diesem wurde „Kleid aus Rosen“ angestimmt, bei welchem die Menge kräftig mitsingen musste. Natürlich gab es dafür auch ein ordentliches Lob vom Meister selbst: „Habt tausend Dank und noch eine Chance, eure Stimme zu erheben, um diesen Refrain zu singen, weil’s so schön ist!“ Dies ließ sich selbstverständlich niemand zweimal sagen, sodass nochmals tausende Stimmen den Platz vor dem Tanzbrunnen erfüllten. Daraufhin wurde es zunächst einmal ein wenig ruhiger, da nun ein kleines, dezentes Gitarrensolo erklang, bei dem Gitarrist Ingo Hampf zunächst allein auf der Bühne stand. Dieses ging schließlich in das Folgende Stück „Maria“ über, bei dem wiederum das Publikum ganz viel Gelegenheit zum Singen erhielt. Das sich anschließende Lied wurde erneut mit heißen Feuerbällen dargeboten und, obwohl es trotz der so langsam fortschreitenden Abendstunde vor der Mainstage eher heißer denn kühler wurde, forderte Eric Fish seinen Anhängern wirklich alles ab und ermunterte sie erneut zu wilden „Hey“-Rufen, bevor er den nächsten Song ankündigte: „Vielen Dank! Singen wir euch ein Lied über den berühmtesten Kuss der Geschichte!“ Bei diesem Kuss handelte es sich in diesem Fall um den „Judaskuss“. Auch hierbei wurde der Tanzbrunnen von heißen Feuerfontänen erhitzt. Plötzlich wollte der Sänger von seinem Publikum wissen, ob es ihn küssen wolle. Als die Reaktionen aber etwas verhaltener ausfielen, stellte er fest: „Ok, das ist überschaubar. Kann ich verstehen!“ Daraufhin war es endlich soweit und Eric Fish moderierte den, inzwischen zum Kult gewordenen ‚Schrei’ an. Zweimal ließ er das Publikum mit der Aufforderung „Der Schrei“ laut rufen, wobei er erst beim zweiten Mal richtig zufrieden war. Dies schien nach eigenem Bekunden aber auch der Normalfall zu sein. Im Anschluss erklang „Sag dem Teufel“, bei dem der Sänger nun zunächst einmal selbst zu einer Flöte griff. Kurz darauf ergriff er dann auch noch eine brennende Fackel, mit deren Hilfe er verschiedene Symbole in die Luft zeichnete. Plötzlich fing das Publikum an zu singen „Blut, Blut, Räuber saufen Blut …“ Dies unterbrach der Frontmann aber recht schnell mit einem Verweis auf die beschränkte Spielzeit, die der Band nur zur Verfügung stand. Anstelle des geforderten Songs wurde stattdessen „Besser du Rennst“ dargeboten, woraufhin von Eric nochmals „der Schrei“ gefordert wurde. Für „Falscher Heiland“ wurde das Publikum dann ermuntert, das Echo des Sängers zu sein, worum dieses sich auch stimmgewaltig bemühte. „Zum Schluss dieses Amphis möchten wir euch noch zu einem letzten Tanz einladen. Es war richtig geil, v. a. die letzte Stunde. Bewegt euch und v. a. schreit uns an!“, rief Eric Fish schließlich dem Publikum zu und verwies damit auf das bald nahende Ende der Show. Zunächst einmal gab es aber noch einen „Tanz auf dem Vulkan“, bei dem wirklich alles ausrastete und Eric selbst nun zum Dudelsack griff, während zwei weitere Bandmitglieder von Subway To Sally kleine Feuerspuckeinlagen zum Besten gaben. Danach verbeugte sich die Band und noch bevor sie richtig die Bühne verlassen hatten, erklangen bereits erste „Zugabe“-Rufe, die ziemlich schnell in erneute „Blut, Blut, Räuber saufen Blut …“-Gesänge übergingen. Daraufhin musste die Band selbstverständlich wieder nach vorne kommen und der Frontmann stellte fest: „Ihr könnt es alle dieses Lied!“ Und er forderte die Menge auf, es gemeinsam zu konzertieren. Als das Publikum diesen Song zu seiner Zufriedenheit vortrug, blieb ihm nichts anderes übrig als zuzugeben, dass dieser Leistung nichts mehr hinzuzufügen sei. „Ein Lied mit euren Händen unterstützt, ein Beweis, dass ihr bei uns seid.“ Mit diesen Worten ließ der Sänger die Menge bis sieben zählen und stimmte diese somit auf das gleichnamige nun folgende Stück ein. Als nach diesem erneut ein „Schrei“ erklang, gab die Band den Wünschen der Menge nach spielten endlich das lang ersehnte „Julia und die Räuber“, welches größtenteils vom Publikum selbst gesungen wurde. Als dieses verklungen war, verabschiedeten sich Subway To Sally erneut von ihren Anhängern, nur um beim Verlassen der Bühne wiederum mit lauten „Zugabe!“-Rufen konfrontiert zu werden. Daraufhin kam Eric Fish nochmals nach draußen und erklärte, dass die Mittelalterbarden aufgrund der Uhrzeit nicht mehr weiter spielen dürften. Nichtsdestotrotz stimmte er nochmals kurz den Refrain von „Kleid aus Rosen“ an, ließ diesen allerdings allein vom Publikum singen, verbeugte sich daraufhin vor diesem und verließ die Bühne des Amphis endgültig.

Somit endete das diesjährige insgesamt siebte Amphi-Festival. Und trotz des Regens am Samstag Nachmittag dürfte es allen Beteiligten wieder mal als ein ganz besonderes und schönes Event in Erinnerung bleiben, sodass es nun heißt, sich auf das kommende Jahr zu freuen, wenn das Amphi wieder seine Tore zum Kölner Tanzbrunnen hin öffnet.

Bericht: Kerstin // V. U.
Fotos: Maggus // V.U.

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