Nachbericht zum Wave Gotik Treffen, Leipzig, 09.06.2011 – 13.06.2011

Alle Jahre wieder verwandelt sich Leipzig über das Pfingstwochenende in eine Hochburg der Schwarzen Szene, denn seit 1992 strömen jedes Jahr Gothics aus der ganzen Welt in diese Stadt, um vier Tage lang eines der größten Szene-Events, das Wave Gotik Treffen, zu zelebrieren. In diesem Jahr nun feierte das WGT sein 20-jähriges Jubiläum und zur Feier dieses runden Geburtstages wurde das Event sogar noch um einen Tag verlängert und begann somit bereits am Donnerstag. Die Idee hinter diesem zusätzlichen Tag bestand darin, Bands auftreten zu lassen, die bereits beim allerersten WGT aufgespielt hatten. Somit gaben sich an diesem Tag sechs der damaligen acht Bands die Ehre, ein großes Jubiläum mit einem nostalgischen Rückblick in die alten Zeiten zu eröffnen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Das Ich, Sweet William, Henke (bzw. Goethes Erben), Age Of Heaven, The Eternal Afflict sowie Love Like Blood.

Wenn man sich das WGT heute anschaut, fällt es schwer, zu glauben, dass dieses große Event wirklich einmal so klein angefangen haben mag – als Ein-Tages-Festival mit lediglich acht Bands. Inzwischen ist aus diesem kleinen Treffen ein Ereignis geworden, das sich über mehrere Tage und über das gesamte Leipzig erstreckt sowie eine Besucherzahl von ca. 20.000 Anhängern der Schwarzen Szene umfasst. Das Festival bietet den von weit her Angereisten selbstverständlich die Möglichkeit, ein eigenes Zelt aufzuschlagen. Der sicherlich bald größte Teil der Besucher jedoch bevorzugt die Unterkunft in einem der zahlreichen Leipziger Hotel, weshalb um Pfingsten rum sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten in und um Leipzig an Schwarzes Volk vermietet sind.

Praktischerweise kann während dieser Tage jeder, der ein Festivalbändchen am Arm trägt, sämtliche öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzen, was das Erreichen der Festivallocations um ein Vielfaches vereinfacht. Andererseits ist diese Vergünstigung aber auch dringend notwendig, da das WGT nicht, wie bei herkömmlichen Festivals, nur auf einen einzigen Ort in Leipzig beschränkt ist, sondern sich im Grunde in der ganzen Stadt abspielt. Die Veranstaltungsorte verteilen sich über etliche Stadtteile, sodass es teilweise einer halbstündige Fahrt mit der Straßenbahn bedarf, um die Wunschlocation zu erreichen. Auch wenn dies teilweise mit einigen Umständen verbunden sein mag, macht genau dieses Arrangement einen gewissen Teil der Faszination aus, die das WGT umgibt.

Erstaunlich ist auch das Festivalprogramm in seinen gesamten Ausmaßen: allein die Bühnen, auf denen sich weit über 100 Musiker sämtlicher Sub-Genres wie z. B. Elektro, Mittelalter, Gothic-Rock oder Metal, um nur ein paar zu nennen, die Ehre geben, belaufen sich auf ca. 10 an der Zahl. Als Beispiel seien die Agra-Halle, die Parkbühne oder die Alte Messe–Halle 15 genannt. Zum Glück gelingt es den Veranstaltern meist, das Programm dort so zu gestalten, dass Musiker eines ähnlichen Genres möglichst in einer Halle spielen, um den Besuchern somit unnötig viele Wege zu ersparen. Darüber hinaus ist das Rahmenprogramm so gigantisch und aufwendig, dass man selbst bei vollstem Terminkalender nur einen kleinen Teil davon mitnehmen kann. Neben Autogrammstunden im CineStar, diversen klassischen Konzerten und Gottesdiensten in der Peters- als auch in der Lutherkirche bot das WGT die Möglichkeit, sich verschiedene Kinofilme (so vor allem die Filme aus der Twilight-Saga) sowie unterschiedliche Lesungen (z. B. von Christian von Aster) zu Gemüte zu führen. Auch der Besuch der Oper oder des Grassi-Museums für Angewandte Kunst sowie vieles weitere mehr war in dem Festivalticket enthalten. Für die Nachtschwärmer unter den WGTariern gab es darüber hinaus ein ausgedehntes Angebot an Locations, in denen die unterschiedlichsten DJs auflegten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang exemplarisch das Agra 4.2, das Darkflower oder auch die Moritzbastei. Für den einen oder anderen Festivalbesucher wird ein ganz besonderes Highlight das alljährlich stattfindende Obsession Bizarr Fetischtreffen, welches im Pantheon (das früher den Namen Volkspalast trug) stattfand, gewesen sein. Bei diesem Event gilt ein strenger Dresscode, welcher Lack, Leder, Latex, Uniform oder auch Erotic etc. vorschreibt und bei dem der Einlass erst ab 18 Jahren erlaubt ist … Diese sehr umfangreich anmutende Beschreibung jedoch ist lediglich ein kleiner Überblick über das gesamte WGT-Programm. Mit einer vollständigen Auflistung aller Veranstaltungen könnte man wahrscheinlich Bücher füllen.

Der Hauptschauplatz des WGTs war das Agra-Gelände im Süden von Leipzig. Dort gab es im Grunde alles, was das Herz eines Festivalbesuchers braucht, um glücklich zu sein. Zunächst einmal war auf dem relativ großen Außengelände bestens für das leibliche Wohl der WGTarier gesorgt. Es reihten sich zahlreiche Essens- und Getränkestände aneinander, sodass wirklich jeder auf seine Kosten kam. Außerdem konnte man von dort aus direkt den Zeltplatz betreten. An das Außengelände reihte sich die große Agra-Halle an, welche quasi aus mehreren Teil-Hallen bestand. In einer von diesen befand sich die eigentlich größte Bühne des WGTs, auf der etliche Musiker die Besucher mit ihren Shows begeisterten. In der daran anschießenden Halle befand sich ein gigantischer Gothicmarkt, bei dem sich wirklich jeder alle seine Wünsche erfüllen konnte und der so groß war, dass man durchaus den Überblick darüber verlieren konnte, welche Stände man bereits besucht hatte. Dort konnte das schwarze Herz wirklich alles erwerben, was es benötigt: Neben Kleidungsstücken und Accessoires gab es dort viele Musikstände, an denen man CDs, DVDs sowie LPs erstehen konnte. Aber auch mit Einrichtungsgegenständen und vielem mehr konnte man sich dort eindecken. Des Weiteren befand sich in der Agra-Halle ein Bistro, in dem man ebenfalls Speisen und Getränke erstehen oder sich auch einfach mal gemütlich niederlassen konnte, wenn die müden Beine wehtaten. In unmittelbarem Anschluss an dieses befand sich die Agra-Halle 4.2, in der jeden Abend Diskoveranstaltungen stattfanden und zahlreiche DJs auflegen.

Als Headliner, welcher am Freitagabend in Form eines Mitternachtsspecial für einen würdigen Abschluss des zweiten Festivaltages in der Agra-Halle sorgte, gaben sich Deine Lakaien die Ehre. Diese bestachen mit ihrem ungewöhnlichen Instrumentarium, bestehend aus Cello, Piano, Geige und Gitarren, mit welchem sie ihren verträumten, melancholischen Dark Wave präsentierten. Die Halle war bis zum Anschlag gefüllt, als Sänger Alexander Veljanov die Show mit „Into My Arms“ eröffnete. Passend zu den melancholischen Klängen war die Bühne häufig in Nebel gehüllt, während die Lightshow hauptsächlich zwischen rotem, blauen und weißen Licht wechselte. Veljanov, der beständig elegant über die Bühne stolzierte, beeindruckte mit seiner kräftigen Stimme, die bei so manchem Song von seinen weiblichen Mitmusikerinnen unterstützt wurde. Dabei zeigte er sich auch recht kommunikativ und animierte das Publikum häufig zum Mitsingen und Mitklatschen. Dieses reagierte durchweg positiv auf seine Aufforderungen und dankte der Band ihr Engagement mit einer wahnsinnig guten Stimmung. Wohin man auch blickte, überall sah man die Menge bei den verschiedensten Stücken, zu denen u. a. „Where You Are“ und „Gone“ zählten, Mittanzen und Mitsingen. Selbstverständlich wurde auch das neue Album von Deine Lakaien vorgestellt, welches auf den Namen „Indicator“ hört. Der daraus präsentierte Song „Who Saves Our World“ wurde vom Publikum sehr euphorisch aufgenommen. Das Highlight der Show allerdings stellte für die Anwesenden aber unzweifelhaft die Hymne „Over And Done“ dar. Als die ersten Töne dieses Stückes erklangen, brandeten der Band unverzüglich frenetische Freudenrufe entgegen. Als Veljanov plötzlich verkündete, dass die Spielzeit von Deine Lakaien vorüber sei, konnte und wollte das noch niemand so wirklich glauben. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass die Anwesenden sofort nach einer Zugabe verlangten, als die letzten Töne verklungen waren. Selbstverständlich kamen die Musiker diesem Wunsch unverzüglich nach und erfreuten das Publikum noch mit einer abschließenden dunkelromantischen Songperle. Dieses dankte es der Band mit lautem Jubel und feierte diesen finalen Song nochmals ordentlich, bevor Deine Lakaien ihre Anhänger nach vollen 90 Minuten Spielzeit müde und verschwitzt in die Nacht entließen.

Eine der beliebtesten und einzigartigsten Location des WGTs ist seit Jahren das Heidnische Dorf, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Agra-Gelände und dem Campingground befindet. Hierbei handelt es sich um ein mittelalterliches Dorf, das durch sein gemütliches Flair besticht und die Besucher gerne zum Verweilen einlädt. Für das leibliche Wohl war dort auch in diesem Jahr wieder bestens gesorgt. So gab es im Heidnischen Dorf verschiedenste Brot- und Gebäckspeisen sowie frisches Fleisch direkt vom Spanferkel, nur um ein paar der kulinarischen Genüsse zu nennen. Darüber hinaus beherbergte das Heidnische Dorf einen großen Markt, in dem man sich mit mittelalterlichen Accessoires wie z. B. Schmuck aber auch mit Gewandungen oder Gebrauchsgegenständen wie Trinkhörner etc. eindecken konnte. Neben einem Geschichtenerzähler, der ebenfalls mit einem eigenen kleinen Zelt vor Ort vertreten war, wurde den Besuchern mit verschiedenen Spektakeln die Zeit vertrieben. So galt es, bei Wikinger-Kampfspektakeln mitzufiebern, bei „Feuergaukeleyen“ den Atem anzuhalten oder auch bei Jungfrauenversteigerungen kräftig mitzubieten. Zudem gaben sich auf der Heiden- und der Brunnenbühne verschiedene Musiker aus mittelalterlichen Klanggefilden die Ehre, für musikalische Unterhaltung zu sorgen. Ein paar wenige Namen, der in regelmäßigen Abständen aufspielenden Barden waren Los Dilettantos, Vroudenspîl, The Moon And The Nightspirit oder auch Las Fuegas. Somit war durchgängig für gute Unterhaltung gesorgt. Eine weitere Besonderheit des Heidnisches Dorfes lag darin, dass dieses auch von Nicht-WGTarien gegen ein kleines Wegegeld besucht werden durfte.

Ein ganz besonderes Event ereignete sich am Samstag Nachmittag auf der Wiese am Parkschlösschen, welche man am besten vom Heidnischen Dorf aus erreicht. Dort fand das „Blaue Stunde“-Wave-Gotik-Picknick statt.Ausgerichtet wurde dieses von den Organisatoren der „Blauen Stunde“. Diese werden getragen von dem Gedanken, anderen „Träumern, Reisenden, Romantikern und Lebenskünstlern“ zu begegnen und gemeinsam, inspiriert durch die Epoche der Romantik, dem modernen Zeitgeist die Stirn zu bieten. Der Begriff der „Blauen Stunde“ ist der Kunstwelt entnommen und beschreibt die Zeit zwischen Tag und Nacht, den Zustand zwischen Licht und Dunkel. Diese Treffen sind unkommerziell und in dem Grundgedanken des Gebens verwurzelt. Dabei geht es auch um die Bewahrung der Ursprünge der Schwarzen Szene. Dies wurde auch bei dem Picknick am Samstag deutlich. Die Initiatoren legten großen Wert darauf, jeden Neuankömmling persönlich zu begrüßen. Hierdurch stellte sich schnell ein Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit ein. Dies wurde darüber hinaus auch dadurch gefördert, dass jeder etwas zu diesem Picknick beitragen und beisteuern konnte. Generell war der gesamten Veranstaltung ein privates Flair inne, was auch von den Initiatoren beabsichtigt war, denn auch, wenn dieses Picknick im Rahmen des WGTs stattfand, war es dennoch von diesem im Grunde unabhängig. Jedoch hatte so mancher Festivalbesucher diese Gelegenheit zur Begegnung Gleichgesinnter gerne genutzt sowie auch die Möglichkeit, dem stressigen Festivalalltag und dem Hin- und Hergehetze zwischen den verschiedenen Veranstaltungen für eine Weile zu entkommen. Auch die Dekoration der Picknickwiese lud dazu ein, sich in eine romantische Erlebniswelt zu begeben und dem Trubel drum herum für eine kurze Zeit zu entfliehen. Durch Kerzenständer, kunstvoll gestaltete Bilder, die den Neuankömmlingen die Grundgedanken der „Blauen Stunde“ darlegten sowie geschmackvoll drapierte Speisen wurde ein besonderes Ambiente geschaffen, welches zum Verweilen einlud. Aber dieses Picknick stellte nicht das einzige Event dar, das im Rahmen des WGTs von der „Blauen Stunde“ durchgeführt wurde. Bereits am Donnerstag Abend luden die Initiatoren zu einem Dunkelromantischen Tanz bei Fackelschein auf der nächtlichen Wiese am Parkschlösschen ein. Darüber hinaus wurde am Montag Abend eine, das diesjährige WGT abschließende, Romantische Tanznacht im Licht von Kerzen, Fackeln und Feuer in einem alten Gebäude in der Bornaischen Straße, welches Anfang des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurde, durchgeführt.

Die Alte Messe-Halle 15 stand am Samstag ganz im Zeichen härterer Metalklänge. Um 18:15 Uhr betraten die Schweden von Vinterland die Bühne zu den Klängen eines Intros, welches bereits düstere Vorahnungen in der noch relativ überschaubaren Schar der Metaljünger in der Halle weckte. Sofort stach das Mikrofon von Sänger und Gitarrist D. F. Bragmann ins Auge, welches optisch sofort Assoziationen an Elvis Presley weckte und so hoch platziert war, dass der Sänger seinen Kopf leicht in den Nacken legen musste, um es zu erreichen. Die schwarz-metallischen Klänge des Quartetts riefen schnell erste Headbanger auf den Plan, welche sich bereits nach dem zweiten Song „A Castle So Crystal Clear“ zu einer – für Gothic-Festival-Verhältnisse – recht akzeptablen Menge ausweiteten. Nachdem die letzten Takte dieses Krachers verklungen waren, erklärte der biertrinkende Bragman, dass die Band seit 15 Jahren endlich wieder aus der Versenkung erstanden sei – eine Botschaft, die auf erfreute Resonanzen stieß. Als kleinen Wermutstropfen zeichnete sich die Bühnenshow der Schweden aus, da diese leider recht verhalten wirkte. Sämtliche Bandmitglieder hielten sich größtenteils an dem für sie vorgesehenen Platz auf der Bühne auf und verließen diesen lediglich um ein paar Schritte. Nichtsdestotrotz blieb Bragman im beständigen Kontakt mit dem Publikum und animierte dieses durch „Hey“-Rufe, zu denen er seine Faust in die Luft reckte, ihm dieses gleichzutun und somit bei guter Stimmung zu bleiben. Dies gelang ihm auch recht erfolgreich – zumindest bei den Metalheads in den ersten Reihen. Weiter hinten blieben die Reaktionen verhaltener. Mit den Worten „Time is up!“ und dem Stück „Wings Of Sorrow“ verabschiedeten sich die Schweden nach nur 40 Minuten Spielzeit und räumten somit die Bühne für die ihnen nachfolgenden Helheim.

Setlist Vinterland:

1)      A Winter Breeze
2)      A Castle So Crystal Clear
3)      As I Behold The Dying Sun
4)      Vinterskogen
5)      I’m Another In The Night
6)      Our Dawn Of Glory
7)      Wings Of Sorrow

Die vier Norweger betraten die Bühne der Alten Messe-Halle 15 (mit Ausnahme des Schlagzeugers, der seinen nackten Oberkörper zur Schau trug) mit Kettenhemden bekleidet. Nachdem das Intro verklungen war, fegte das wilde Quartett ohne Vorankündigung abrupt mit seinem fetten Viking Metal los und sofort rollten Köpfe, in besonderem Maße auf der Bühne, aber auch davor. Zu Beginn gab es noch einige kleine Probleme mit dem Sound. So war Lead-Gitarrist Noralf bei seinem ersten Solo kaum zu hören. Diese Schwierigkeiten konnten jedoch schnell behoben werden, sodass von soundtechnischer Seite einer wilden Metalparty nichts mehr im Wege stand. Dennoch blieb das Publikum sehr zurückhaltend, was Sänger und Bassist V’gandr mit den Worten „Too quiet! Did you sleep well yesterday?“ kommentierte. Tatsächlich konnte eine Übermüdung des Publikums am immerhin bereits dritten Festivaltag eigentlich nur der einzige Grund für diese verhaltene Stimmung sein, denn die Band gab während Viking Metal-Hymnen wie „Northern Forces“ wirklich alles. Ebenfalls sehr bedauerlich war es, dass es in der Halle um 19:15 Uhr, also zu der Zeit, als Helheim die Bretter rockten, noch taghell war, wodurch die Leinwandprojektionen der Norweger im Hintergrund leider kaum zu erkennen waren. Lediglich ein paar zu erahnende Schemen ließen darauf schließen, dass diese durchaus aufwendig gestaltet und somit höchst sehenswert gewesen wären. Neben älteren Songs (u. a. vom ersten Album) wurde aber auch ganz neuer Stoff von der aktuellen Platte präsentiert, wie V’gandr erklärte. „I hope you like!“, fügte er abschließend hinzu. So langsam schien die müde Menge ein wenig von ihrer Trägheit zu erwachen, denn man konnte verstärkt headbangende und mitfeiernde Menschen in der Halle ausmachen. Auf der Bühne schienen derweil die Temperaturen ordentlich angestiegen zu sein, denn plötzlich schüttete der Frontmann sich eine Flasche Wasser über den Kopf, um sich offensichtlich zu erfrischen. Die Flasche selbst landete daraufhin im Publikum. Beim letzten Song des Sets sprang der Sänger zusammen mit seinem Bass von der Bühne, kletterte über den Wellenbrecher ins Publikum und lief durch die Halle – natürlich immer weiterspielend. Als er schließlich die Bretter wieder erklommen hatte, verabschiedete er sich mit einem „Thank you!“ und verließ zusammen mit den restlichen Mannen von Helheim nach recht kurzen 50 Minuten die Alte Messe.

Im Folgenden wurde es zunächst einmal erstaunlich ruhig in der Alten Messe-Halle 15, denn Dornenreich begannen ihr Set mit akustischen Darbietungen, bei welchen Evigas Stimme lediglich von den Klängen seiner Gitarre und Inves Violine begleitet wurde. Ein Blick in die Runde bestätigte, dass sich die Halle zwischenzeitlich sehr gut gefüllt hatte. Dies spürte man auch eindeutig an der Lautstärke des Applauses, der dem Duo entgegenbrandete. „Guten Abend WGT. Es ist sehr schön, zum dritten Mal hier zu sein, nach 2002 und 2007.“, begrüßt der Sänger das Publikum, welches gebannt den Klängen von „Meer“ lauscht. Zum dritten Stück tauschten Dornenreich die Akustik- gegen eine E-Gitarre und  Drummer Gilvan begab sich ebenfalls auf die Bühne. Diese Konstellation schuf nun die Gelegenheit, die besinnlichen Klänge gegen härteren Black Metal einzutauschen, was auch unter Jubel der Dornenreich-Anhänger geschah. Sofort ließen sich bei Songs wie „Jagd“ einige Headbanger in der Masse vor der Bühne ausmachen und Eviga ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, seine beachtliche Matte im Takt kreisen zu lassen. Dornenreich wurden von der Menge ordentlich gefeiert und stellten schnell unter Beweis, dass sie für viele der Anwesenden (der erste?) Höhepunkt des Tages waren. Natürlich ließ es sich der Frontmann nicht nehmen, sich herzlich für diese Reaktionen zu bedanken und mit „Hey!“-Rufen, das Publikum weiter anzufeuern. Dieses erfreute sich offensichtlich an den folgenden Stücken, zu denen „Flammenmensch“ oder auch „Erst eine Träne“ zählten. Kurze Unterbrechungen im Ablauf gab es dadurch, dass die Musiker häufiger mal ihre Instrumente stimmen mussten, diese kurzen Momente aber wurden dabei allerdings nicht als Störung empfunden sondern wirkten eher als kurze Verschnaufpausen. Alle Ansagen, die Sänger Eviga machte, waren eher leise gehalten, was durchaus zu der, trotz aller Härte der musikalischen Darbietung, getragenen, mystischen Atmosphäre der Songs passte. Auch der Nebel, der die Musiker häufig umspielte, fügte sich perfekt ins Gesamtbild ein. Bei „Zu Träumen wecke sich, wer kann“, wurde nochmals ordentlich gerockt und die Künstler hinterher mit einem sehr lauten Applaus und „Dornenreich!“-Rufen bedacht. „Das letzte Stück trägt den Titel „Wer hat Angst vor Einsamkeit!““, verkündete Eviga plötzlich und leitete somit das Ende eines schwarz-metallischen, dabei aber dennoch atmosphärisch entrückten Auftrittes an, welcher durch beständige Steigerung des Vortragstempos im Set bestach. Mit den Worten „Ihr seid fantastisch! Vielen Dank!“ verließen Dornenreich unter Zugabe-Rufen die Bühne. Leider ließ die straffe Running Order keinen Raum für die Musiker, den Wünschen des Publikums zu entsprechen und diesem noch einen weiteren Song zu präsentieren.

Die schwedischen Künstler, die im Folgenden die Halle betraten, trugen den Namen Lake Of Tears. Leider mussten sich diese nun mit einer nicht mehr ganz so gut gefüllten, aber dennoch alles andere als leeren Halle zufrieden geben. Schnell schafften es die Schweden, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, welches das Quartett mit ordentlichem Beifall bedachte und bald stellte sich heraus, dass Bassist Mikeal Larsson diesem Auftritt sehr genoss, denn er stellte dies durch ordentliche Headbang-Einlagen ausdrücklich unter Beweis. „Can you hear me friends? Are you there?“, wollte Frontmann Daniel Brennare plötzlich von den Anwesenden wissen und um einen überzeugenden Beweis ihrer Anwesenheit zu erhalten, animierte er das Publikum sehr erfolgreich zum Klatschen. Auch Gitarrist Magnus Sahlgren tat es ihm häufiger gleich. Generell zeigten sich die Musiker stets um Interaktion mit der Menge bemüht. So wiesen sie die Anwesenden auch darauf hin, dass vor Kurzem ein neues Album mit dem Titel „Illwill“ herausgekommen ist, aus dem die Band natürlich auch Stücke zum Besten gab. In den vorderen Reihen herrschte eine gute, ausgelassene Stimmung, leider erfüllte diese jedoch nicht die ganze Halle, sodass sich die hinteren Reihen mit der Zeit ein wenig lichteten. Diejenigen aber, die offensichtlich Gefallen an dem Gothic Metal der Schweden fanden, stellten dies durch beständiges Mitklatschen, gerade auch bei ruhigeren Parts, unter Beweis. Um das Wohl seiner Anhänger bemüht, erkundigte sich Brennare: „Are you doing good? Are you drinking?“ Diese Frage konnte größtenteils mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Auch ließ der Frontmann es sich nicht nehmen, die Band der Reihe nach mit Namen vorzustellen: Magnus Sahlgren an der Gitarre, Mikael Larsson am Bass sowie Johan Oudhuis an den Drums. Daraufhin wurde die gesamte Band mit ordentlichem Applaus bedacht. Auch die folgenden Stücke „Out Of Control“ und „Demon You / Lily Anne“ kamen nochmals recht gut an, sodass die Brennares Frage, ob die Band noch einen weiteren Song spielen solle, eindeutig mit positiven Reaktionen beantwortet wurde. Nach dem nun dargebotenen Abschiedsstück bedankte sich der Sänger mit den Worten „Danke schön. See you next time!“ bei dem Publikum und mit einem kleinen Instrumentalteil, bei dem es sich der Gitarrist nicht nehmen ließ, abschließend noch ein wenig für die Menge zu posen, ließen Lake Of Tears die Alte Messe-Halle 15 hinter sich.

Die ehrenvolle Position des Headliners gebührte an diesem Abend den Schweden von Tiamat. Pünktlich zu Beginn ihrer Gothic Metal-Show um 23:05 Uhr hatte sich die Alte Messe-Halle 15 wieder  fast bis zum Anschlag gefüllt. Das Set des düsteren Quartetts bestand in erster Linie aus recht getragenen Stücken. Infolgedessen war auch die Stimmung im Publikum zunächst eher verhalten. „Leipzig, how are you doing? We are Tiamat from Sweden!“, begrüßte Sänger Johan Edlund die Anwesenden, welche sich an Songperlen wie „Children Of The Underground“ erfreuten. Dabei schien es, als habe das WGT auch für die Band eine ganz besondere Bedeutung, da der Frontmann zwischendurch einen Fotoapparat auspackte und das Publikum fotografierte. Leider stellte sich während dieser Show auch heraus, dass selbst Headliner nicht vor technischen Problemen gefeit sind, gab doch ein Verstärker auf der Bühne plötzlich seinen Geist auf. Um die dadurch entstehende Unterbrechung zu überbrücken, gaben die Schweden ein kleines (höchstwahrscheinlich spontan improvisiertes) Reggae-Stück zum besten und nutzen die kleine Panne somit idealerweise, um erfolgreich die Stimmung in der Halle ein wenig zu pushen. Das Ableben des Verstärkers wurde, nachdem das Problem soweit behoben war, von Edlund natürlich ein wenig ironisch kommentiert: „If anyone sees a fucked up amplifier, let us know!“ Ein Höhepunkt der Show war zweifelsohne der Hit „Cain“, welcher leider recht früh im Set platziert war. Dennoch spürte man bereits bei den ersten Takten dieser Nummer, wie die Stimmung in der Halle sofort hochkochte. Aber auch bei den folgenden Songs, zu denen u. a. „Whatever That Hurts“ gehörte, stieg die Stimmung weiterhin an und das Publikum ließ es sich nicht nehmen, aus vollem Halse mitzusingen. Irgendwann im Laufe der 75 Minuten Spielzeit, die den Schweden zur Verfügung standen, begannen sich die Reihen vor der Bühne allerdings etwas zu lichten. Dies mag aber auch nicht verwunderlich sein, handelte es doch für so manchen WGTarier inzwischen um den dritten Festivaltag, was durchaus zu diversen Erschöpfungszuständen führen mochte. Nichtsdestotrotz bedankte sich Edlund immer wieder für die nach wie vor positiven Reaktionen des Publikums auf seine Songs. Besonders bei den schnelleren Stücken konnte man sogar den einen oder anderen Headbanger beobachten. Als der Frontmann den Durchhaltewilligen plötzlich noch einen schönen Abend wünschte und mit der restlichen Band die Bühne verließ, war die Verwunderung groß, dass das Set schon rum sein sollte. Dementsprechend war es auch nicht anders zu erwarten, als dass sofort „Zugabe“-Rufe laut wurden und selbstverständlich ließen Tiamat sich nicht zweimal bitten und kamen recht zügig für drei Zugaben wieder in die Halle zurück. Zum zweiten Bonusstück gab es dann noch eine kleine Überraschung: Fernando Ribeiro von Moonspell enterte die Bühne und performte mit den Schweden zusammen „The Sleeping Beauty“ und sorgte somit für Begeisterungsstürme. Leider war dennoch schließlich die Spielzeit für den Headliner abgelaufen und Edlung verabschiedete sich herzlich mit den Worten „Thank you! Good night!“ von der müden Menge.

Für diejenigen unter den Festivalbesuchern, denen ein anständiger Start in den Tag wichtig war, bot die La Petite Absintherie die Möglichkeit eines Absinthfrühstücks an, welches man täglich ab 9:00 Uhr (mit Ausnahme von Sonntag, da erst ab 10:00 Uhr) bis 17:00 Uhr zu sich nehmen konnte. Das Angebot umfasste ein ausgiebiges Frühstücksbuffet mit Brötchen, Broten, allen möglichen Sorten an Belag und vielem mehr sowie auch verschiedenste heiße Getränke von Kaffee bis Tee und Kakao, an dem man sich nach Herzenslust bedienen konnte. Das Besondere allerdings war, dass man selbstverständlich die Möglichkeit besaß, sich zu alledem einen von über 200 verschiedenen Absinthsorten dazu zu bestellen. Leider erwies sich der Platz in den Räumlichkeiten der Absintherie, aufgrund der großen Beliebtheit des Absinthfrühstücks, als ein wenig beengt, sodass Neuankömmlinge sich teilweise zunächst ein wenig gedulden mussten, bis sie einen Platz erhaschen konnten. Dennoch mag es wohl kaum einen besseren Start in einen neuen Festivaltag geben, als ein ausgiebiges Frühstück mit einer grünen Fee.

Die erste Band, die am Sonntag im Pantheon auftrat, war The Foreshadowing. Diese gab sich um 17:00 Uhr die Ehre, die kleine Bühne in dieser edlen Location zu betreten. Die Zuschauer, die sich direkt vor der Bühne aufhielten, kamen in den folgenden 60 Minuten in den Genuss eines düster-atmosphärischen Gothic Doom Metal-Klangerlebnisses. Diejenigen dagegen, die sich eher seitlich der Bühne oder auch an den Tischen, welche die Seiten des runden Konzertsaales schmückten, aufhielten, hatten mit eher schlechtem Sound zu kämpfen, der dort viel zu laut ankam und somit leider in einem fetten Soundmatsch verging. Die Band dagegen überraschte mit Videoprojektionen, welche die Endzeitatmosphäre der Songs optimal einfing und untermauerte. Zu Beginn der Show waren die Sitzgelegenheiten (vor allem die, die sich weiter in der Mitte des Konzertsaales befanden) gut gefüllt, während sich auf der freien Fläche unmittelbar vor der Bühne nur wenig Leute aufhielten. Dies ließ sich Sänger Marco Benevento natürlich nicht gefallen und animierte das Publikum, wenigstens ein wenig mitzuklatschen: „We need you, play with us! Come on!“ Und damit auch wirklich klar wurde, was genau die Band mit den Anwesenden spielen wollte, hob Benevento die Hände in die Höhe und demonstrierte somit dem Publikum, was es machen solle. Dass er aber nicht nur singen und klatschen konnte, stellte der Frontmann bei ein paar Songs unter Beweis, indem er selbst eine eigens für ihn vor dem eigentlichen Schlagzeug aufgestellte Trommel rhythmisch malträtierte. Generell lieferten The Foreshadowing eine gute Show ab. Vor allem Benevento war im Grunde ständig in Bewegung, obwohl die Klänge der Italiener eher schwerfälligerer Natur waren. Nichtsdestotrotz färbte die Spielfreunde der Band auf das Publikum ab, sodass man dort mit der Zeit auch einige Headbanger entdecken konnte. Passend zum düsteren Klang der Italiener wurde die Band häufig in viel Nebel gehüllt und auch die Lightshow bestach durch den Einsatz eher dunkleren, v. a. blauen, Lichtes. Neben etwas älteren Stücken wie „Death Is Our Freedem“ vom 2007er Debut, wurden auch Songs vom aktuellen Album dargeboten, darunter u. a. das Titelstück „Oionos“ und „Fallen Reign“. Obwohl die Stimmung leider generell etwas verhalten blieb, ließ es sich Benevento nicht nehmen, dem Publikum mit „We love this country!“ seine Liebe für Deutschland zu erklären. Auch bedankte er sich regelmäßig für den Applaus, den die Anwesenden reichlich spendeten. Mit den Worten „The next song ist a song about hope“ kündete der Sänger die einzige Ballade des Sets an: „Hope, She’s In The Water“. Mit der Zeit füllte sich der Raum vor der Bühne dann doch noch recht ordentlich. Fast schien es, als brauchte die Musik der Italiener einfach etwas länger, bis sie so richtig zündete. Immerhin konnten somit „Cold Waste“ sowie der „final song“ mit dem klangvollen Namen „Chant Of Widows“ von einer anständigen Schar nochmal richtig abgefeiert werden. Dies unterstützte Benevento auch durch laute „Hey“-Rufe, mit denen er das Publikum animierte, die Hände in die Höhe zu recken und somit ein bombastisches, druckvolles Finale einzuleiten, bei dem die Band durch ein eindrucksvolles Synchronheadbanging bestach. Mit den Worten „Thank you! See you next time!“ verabschiedeten sich die Italiener nach einer vollen Stunde und hinterließen eine bedrückende Endzeitstimmung im Leipziger Pantheon.

Als Sonntagsheadliner im Pantheon traten die Schweden von Katatonia auf. Ihnen gebührte die Ehre, vor einem richtig vollen Saal zu spielen. Kaum verwunderlich, dass Sänger Jonas P. Renske, nachdem er die Anwesenden mit den Worten „Hallo Leipzig! How are you?“ begrüßte, direkt einmal verkündete, dass die Band sich freuen würde, auf diesem Festival zu spielen. Dies stellte das Quintett mit seiner energiegeladenen Show auch ausdrücklich unter Beweis. Fast während der gesamten Spielzeit gab es fliegende Haare in Massen auf der Bühne zu bestaunen. Dies fand auch einen super Anklang beim Publikum, welches ebenfalls offensichtlich seinen Spaß mit den düsteren und schweren Klängen der Schweden hatte, was die vielen Headbanger in den ersten Reihen auf überzeugende Art und Weise kundtaten. Somit erübrigte sich Renskes Frage, ob die Anwesenden denn eine gute Zeit bei diesem Festival hätten, im Grunde bereits von selbst. Dennoch animierte der Frontmann sein Publikum zum Mitklatschen, wozu sich dieses natürlich nicht zweimal auffordern ließ. Für die positiven Resonanzen bedankte sich die Band immer wieder und hinterließ somit einen sehr sympathischen Eindruck. Auch bei diesem Auftritt kamen wieder sehr viel Nebel sowie dunkle Scheinwerfer zum Einsatz. Ein besonders interessanter Effekt ergab sich zusätzlich dadurch, dass die Bühne von den Seiten des Saales mit Schwarzlicht angeschienen wurde. Hierdurch wurde die perfekte Atmosphäre für Stücke wie „Sweet Nurse“ oder das vom neuen Album stammende „Nephilim“ kreiert. Immer wieder erkundigte sich Renske, dessen Mikro recht hoch hing, sodass er sich beständig ein wenig nach diesem recken musste, nach dem Wohlbefinden seiner Anhänger: „I hope, you’re doing ok?“ Die Band jedenfalls hatte nach seiner Aussage eine großartige Zeit, was man allen Beteiligten auch unzweifelhaft anmerkte und um das Publikum an ihrer Spielfreude teilhaben zu lassen, animierten die Schweden dieses zum Headbangen. Weiteres neues Songmaterial gab es in Form von „New Night“ sowie „Day And Then The Shade“, welches auch sofort großartigen Anklang fand. Generell hatten Katatonia das Publikum voll und ganz auf ihrer Seite, was wohl auch daran gelegen haben mag, dass Sänger Renske viel mit diesem kommunizierte und sich äußerst gesprächig zeigte. Somit dürften die 70 Minuten Spielzeit den meisten Anhängern der Schweden wohl viel zu schnell vergangen sein, sodass die Verwunderung groß war, als sich der Frontmann mit den Worten: „Thank you Leipzig! See you next time!“ sowie einer anständigen Verbeugung von seinem Publikum verabschiedete. Einer der Gitarristen fügte noch ein begeistertes „You’re beautiful“ hinzu und gemeinsam verließen Katatonia die Bühne des Pantheons.

Eine weitere sehr beliebte Location befand sich direkt in der Innenstadt. Sie trug den Namen Moritzbastei. Dort befand sich zunächst einmal ein weiterer kleiner Mittelaltermarkt. Im Gegensatz zum Heidnischen Dorf war dieser jedoch recht überschaubar, deshalb aber nicht minder besuchenswert. Auch dort war für vorzügliche Speisen und Getränke gesorgt, sowie auch für allerlei Möglichkeiten, neue Gewandung, Räucherwerk oder Dekorations- und Einrichtungsgegenstände etc. zu erwerben. Daneben befand sich ebenfalls eine kleine Bühne, auf der so mancher mittelalterliche Musiker auftrat, darunter u. a. Nachtwindheim, Capud Draconis oder Eviamara. Des Weiteren fanden dort täglich Ritterkämpfe sowie (mit Ausnahme von Montag) Feuerspektakel statt. Auch diesen Mittelaltermarkt konnte man ohne den vorigen Erwerb eines Festivalbändchens gegen Bezahlung eines Wegegeldes besuchen.

Dies war aber noch nicht alles, was die Moritzbastei ihren Besuchern zu bieten hatte. Unter dem Mittelaltermarkt befand sich eine Art Kellergewölbe, in das man hinabsteigen konnte. Dort wurden die WGTarier mit verschiedenen Dancefloors erfreut, auf denen jeweils unterschiedliche DJs auflegten und die Mengen somit zum Tanzen brachten. Zwischen den verschiedenen Floors gab es zahlreiche, leider meist überfüllte, Sitzgelegenheiten sowie die Möglichkeit, sich mit warmen Speisen und verschiedenen Getränken einzudecken. Durch den Gewölbecharakter der Moritzbastei herrschte dort eine ganz besondere, fast schon gemütliche Atmosphäre vor, in der man gerne verweilte, um noch ein wenig zu feiern, besonders, wenn sich der Tag dem Ende zuneigte und die meisten Konzerte bereits verklungen waren.

Am Montag, dem letzten Tag des WGTs stand die Agra-Halle (fast) ganz im Zeichen folkig harter Metalklänge. Um 17:30 Uhr stürmten die jungen Spanier von Northland die Bühne, um dem zunächst noch etwas spärlichen Publikum mit ihrem, teilweise an Children Of Bodom erinnernden, keltisch angehauchten Death Metal ordentlich einzuheizen. Nachdem die letzten Klänge des Intros verstrichen waren, brannte die wilde Horde ein Klangfeuerwerk sondergleichen ab, das sofort für Stimmung im Publikum sorgte. Ein besonderer Farbtupfer im Sound der Spanier stellte die Geige dar, die Violinist Pau perfekt in die ansonsten rauen Klänge einzuflechten wusste. Einen ebenfalls erstaunlich guten Job lieferte der Sänger, der ebenfalls den Namen Pau trug, ab und überraschte mit abwechslungsreichen Stimmkünsten, die sauber zwischen cleanen Gesang und bösen Growls wechselten. „Guten Abend, wir sind Northland aus Spanien!“, begrüßte der Frontmann die ob der deutschen Ansprache ein wenig überraschte Menge. Während der gesamten Spielzeit von gerade mal 40 Minuten zeigte sich die Band überaus kommunikativ und animierte das Publikum beständig zum Mitklatschen, so z. B. mit Aufforderungen wie „Once again!“ oder Feststellungen im Sinne von „I can’t hear you! How are you?“ sowie Kommentaren wie „Lovely!“, wenn sich viele Hände in die Höhe reckten. Der Song „Everything Becomes Dust“ wurde dann auch dem Leipziger Publikum gewidmet. Paus anschließende Frage, ob die Anwesenden das Stück mochten, erübrigte sich eigentlich schon im Vorfeld, ebenso wie die Aufforderung „Let’s start a party!“ denn zwischenzeitlich hatte sich die Menge vor der Bühne bereits in einen wild feiernden Haufen verwandelt. Dennoch wurde Paus Aufforderung zum Springen bei „Ancient Tales“ nur bedingt angenommen, da das Publikum ordentliches Headbangen zu bevorzugen schien. Die Verkündung, dass nun schon fast das Ende der Show erreicht sei, kam viel zu schnell und für die meisten Anwesenden auch extrem überraschend. Paus Zusatz, dass Northland das Publikum nicht langweilen wollten, wirkte dabei etwas seltsam in Anbetracht der Tatsache, dass der größte Teil der inzwischen doch recht gut gefüllten Agra-Halle ganz offensichtlich seinen Spaß hatte. Die Feststellung „You’re Wonderful!“ leitete über zu dem vermeintlich letzten Stück mit dem klangvollen Namen „Withering Rose“. Aber welch ein Wunder: Als dieses verklungen war, verkündete der Sänger, der sich selbstverständlich zunächst einmal beim Publikum für die tolle Resonanz bedankte: „This is not the end!“ Des Weiteren erzählte er, dass die Jungs einen gemeinsamen Freund mit dem Publikum hätten. Dieser sei blond und hieße „Bier“. Ihm sollte nun ein Ständchen gesungen werden. Dummerweise gab in diesem Moment die Gitarre von Gitarrist Alex den Geist auf. Die dadurch entstehende Pause nutze Pau, um die Anwesenden noch ein wenig mehr in Stimmung zu bringen (obwohl dies kaum noch nötig war), indem er die Arme in die Höhe reckte und mit lauten „Hey!“-Rufen die Menge dazu anregte, es ihm gleich zu tun. Da die Zwangspause sich etwas länger gestaltete, nutzte er schließlich die Gelegenheit, die Bandmitglieder alle mit Namen vorzustellen. Dabei gewann er einige Sympathiepunkte, indem er erklärte, das wichtigste Mitglied von Northland sei „you guys because you’re great!“ Daraufhin konnten die Spanier endlich den folgenden und letzten Song anstimmen. Hierzu allerdings brauchte die Band noch ein wenig Unterstützung von dem Publikum, welches das Wort „Revenge“ rufen sollte, das auch gleich der Titel des folgenden Stückes war. Als die letzten Akkorde verklungen waren, warf Drummer Dani noch ein paar Wasserflaschen zur Erfrischung in die Menge. Eine davon fiel dabei zunächst in den Bühnengraben, woraufhin der Spanier dieser hinterher sprang und sie erneut in Richtung Publikum warf. Danach verabschiedeten sich Northland mit einem lobenden „You’re beautiful!“ und überließen die Agra-Halle den nachfolgenden Coppelius.

Diese schlugen sowohl musikalisch als auch von ihrer Show her in eine vollkommen andere Kerbe. Bevor die sechs Herrschaften, die bereits nach eigenem Bekunden seit ca. 200 Jahren musikalisch aktiv sind, die Bühne betraten, musste diese selbstverständlich erst einmal würdig hergerichtet werde. Aber wozu hat man denn auch seinen eigenen Butler, der die Auftrittslocation u. a. mit Lampen anständig zurechtmacht? Als dieser zu dem Schluss gekommen schien, dass nun alles bereit für den Auftritt von Coppelius sei, ließ er mehrmals eine Triangel erklingen und zu jedem Ton betrat einer der Musiker die Bühne. Während der folgenden Show beeindruckte das Sextett durch seine bemerkenswerte Zusammenstellung der Instrumente: Neben einem recht herkömmlichen Schlagzeug gab es zwei Klarinetten, ein Cello sowie einen Kontrabass zu bestaunen. Leider gab es auch bei dieser Show zunächst kleine technische Mängel zu beheben. So war zu Beginn das Gesangsmikrofon nicht zu hören, was aber zum Glück schnell reguliert werden konnte, sodass einer energiegeladenen Show nichts mehr entgegen stand. Und Coppelius erwiesen sich auch von den ersten Klängen an als sehr spielfreudig und gut gelaunt. So beeindruckte Cellist Graf Lindorf nicht nur mit seinem musikalischen Können, sondern auch mit seinen Headbangkünsten. So viel Einsatz wurde vom Publikum natürlich hoch honoriert, sodass der Band tosender Applaus aus der vollen Agra-Halle entgegenbrandete. Wie es sich für anständige Musiker gehört, bedankten sich Coppelius für diese positiven Resonanzen und versprachen den Anwesenden, dass sie versuchen würde, deren „musikalische Wünsche zu erfüllen“. Dies gelang mit „Schöne Augen“ sowie diversen weiteren Stücken überaus gut. Natürlich sollte auch bei diesem Auftritt das Publikum miteinbezogen werden. Daher bat der Butler, der einen kleinen Staubwedel an seinem Mikrofon befestigt hatte, die Anwesenden, „den Anweisungen des Maestros Folge zu leisten!“ Daraufhin sang der Klarinettenspieler Le Comte Caspar dem Publikum etwas vor, das dieses lautstark wiederholte. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung, besonders in den vorderen Reihen wahnsinnig gut. Butler Bastille huschte derweil beständig über die Bühne, um auch ja alles für die werten Musiker in Ordnung zu halten. Aber auch ihm selbst gebührte die Ehre, das Mikrofon nicht nur zum Saubermachen sondern auch zur Darstellung seiner Gesangskünste zu nutzen. Hierbei ergriff er zwischendurch ein Schild mit der Aufschrift „Solo“, welches er über die Bühne trug, um das Publikum auf die musikalische Darbietung seiner Mitmusiker aufmerksam zu machen. Im Folgenden schreckte Bastille noch nicht einmal davor zurück, an den seitlichen Masten der Bühne emporzuklettern. Im Laufe der Show breitete sich die Stimmung auch im Rest des Publikums aus, sodass die Agra-Halle am Ende einem wilden Hexenkessel glich. „Am Cello für Sie Graf Lindorf!“, stellte der Butler im Folgenden seinen Mitmusiker vor, welcher dem Publikum daraufhin den Slogan „Coppelius hilft!“ zurief und dieses dazu animierte, diesen zu wiederholen, wozu es sich selbstverständlich nicht zweimal bitten ließ. Daraufhin erklangen die ersten Töne des gleichnamigen Songs. Im Anschluss an diesen verkündeten die Musiker, dass das nachfolgende Stück das letzte Lied sei. Während diesem brachte Bastille eine altertümliche kastenförmige Kamera auf die Bühne. Als er den Auslöser drückte, knallte es und aus der Kamera stoben Funken. Als die letzten Klänge des Songs verstummt waren, verbeugten sich die Musiker, während der Butler ein Schild mit der Aufschrift „Bitte Applaus“ über die Bühne trug. Sofort brandeten der Band, die zwischenzeitlich hinter der Bühne verschwunden war, laute „Zugabe“-Rufe entgegen. Daraufhin musste sich das Publikum allerdings belehren lassen, dass es den Gepflogenheiten der Herrschaften entsprechen würde, lediglich auf „Dacapo“-Rufe nochmals ein paar Stücke zu präsentieren. Darauf ließ sich die Menge selbstverständlich ein. Unter diesen Umständen kamen Coppelius natürlich augenblicklich zurück in die Halle und forderten das Publikum zunächst einmal auf, sich hinzusetzen. Als (fast) alle Anwesenden diesem Wunsch nachkamen, gaben die Musiker passenderweise zum Ende ihrer Show „Ade mein Lieb“ zum Besten. Während einer weiteren Verbeugung trug der Butler nun ein Schild mit dem Schriftzug „Danke!“ über die Bühne und verabschiedete sich abschließend mit den Worten „Coppelius hilft!“

Abschließend kann man nicht anders, als festzustellen, dass das WGT, ein ganz besonderes Festival mit einer ganz besonderen Atmosphäre ist, welche auf keinem anderen Event, sei es innerhalb der Schwarzen Szene oder auch außerhalb davon, erzielt werden kann. Bei kaum einem anderen Ereignis ist eine gesamte Stadt als Ganzes so involviert wie Leipzig es jedes Jahr über die Pfingsttage hinweg ist. Ein Wehmutstropfen bleibt somit immer wieder auf’s Neue, wenn es an die Abreise geht. Häufig erfolgt diese viel zu früh, da der Alltag meist schon am nächsten Tag ruft, sodass viele WGTarier die Headliner am Montag Abend bereits nicht mehr sehen können. Außerdem hat man sich in den vier (bzw. fünf) Tagen so sehr an den Anblick schwarz gekleideter Menschen in Fußgängerzonen und Straßenbahnen gewöhnt, dass die Rückkehr in die „normale“ Welt wie ein Schock anmutet und man nicht anders kann, als die Tage im Kalender abzustreichen, bis das nächste Wave Gotik Treffen in Leipzig ruft.

Bericht:  Kerstin // V. U.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s