Live-Review KYPCK + The Man-Eating Tree (31.03.2011 – Tavastia, Helsinki)

Welche Folgen eine Bandauflösung haben kann, sollte an diesem Abend im Tavastia in Helsinki zu sehen sein. Mit dem Split der einstigen Band Sentenced aus Oulu entstanden zwei herausragende Acts namens The Man-Eating Tree (ex-Sentenced Drummer Vesa Ranta) und KYPCK (ex-Sentenced Gitarrist Sami Lopakka). Nach vier Auftritten des Fünfers KYPCK in Russland, startete mit der heutigen Show der Auftakt zur Tour in Finnland, gemeinsam mit The Man-Eating Tree. Grund genug für V. U. dem Ganzen einen Besuch abzustatten.

The Man-Eating Tree

Der Startschuss fiel für die Gothic Band, die im vergangenen Jahr ihre Debüt-Scheibe „Vine“ auf den Markt brachten. Als die Band die Bühne betrat, waren relativ wenige Zuschauer zugegen, was möglicherweise an der traurigen Tatsache lag, dass kaum ein Finne am Monatsende noch Geld auf dem Konto hat. Davon ließen sie sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen und gingen sogleich mit „Lathing A New Man“ in die Vollen.
Von Anfang an bewiesen sie, dass sie zurecht unter den besten drei Newcomer-Bands der Finnish Metal Awards 2010 zu finden sind. Und das übertrug sich rasend schnell auf das Publikum. Ihre harmonisch-melancholisch angehauchten aber auch facettenreichen Songs sorgten bei den Fans für eine angenehm erfrischte Stimmung.


Nach „King Of July“ und „The White Plateau“ hatten The Man-Eating Tree mit dem vierten Song „Vultures“ endgültig den Schalter für ihr Publikum gefunden, und die Ausgelassenheit der Fans war bis in die letzte Ecke des Clubs zu spüren. Begleitet von eingängigen Melodien, konnte Sänger Tuomas Tuominen mit seiner klaren Gänsehautstimme auf ganzer Linie überzeugen.
Gefolgt von dem temperamentvollen „Out Of The Wind“ kehrte die Band mit „Of Birth For Passing“ ihre romantisch-düstere Seite nach außen, welches trotz der überzähligen Doom-Metal Fans im Club für eine verträumte Stimmung sorgte. Die Band steigerte mit „Instead Of Sand And Stone“ wieder kurzfristig das Tempo, ehe sie mit „The Longitude Of Sleep“ gemütlich auf das Ende ihrer Show zusteuerten. Den finalen Schlussstrich zogen The Man-Eating Tree mit dem rasanteren „Amended“ und ernteten einigen Applaus für ihre herausragende Show an diesem Abend.


Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass die Band fünfzig Minuten lang eine einwandfreie, abwechslungsreiche und lebhafte Show lieferte, die jeder einmal gesehen haben sollte. Für alle, die sich ein Bild der Jungs machen will, findet ihre Homepage auf http://www.themaneatingtree.com.

Setlist:
Lathing A New Man
King Of July
The White Plateau
Vultures
Out Of The Wind
Of Birth For Passing
Instead Of Sand And Stone
The Longitude Of Sleep
Amended

KYPCK

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es mit KYPCK weiter, die – wie der Name schon sagt – ebenfalls aus Finnland kommen ;). Zuvor jedoch hatte ich die Gelegenheit, mich noch ein paar Minuten mit ihnen zu unterhalten.
Zur Zeit konzentrieren sie sich weitestgehend darauf, sich als Band richtig zusammen zu finden, Konzerte zu geben und den ein oder anderen Auftritt auf einem Festival zu absolvieren, um ihr Album „Nizhe“, welches im Februar 2011 erschienen ist, zu promoten. Weitere Pläne werden nicht vor Herbst geschmiedet.
Nach der anstrengenden Tour, die mit Zügen durch Russland führte, kehrten KYPCK in ihr Heimatland zurück, um das Verständnis für Russland zu verbessern und den Argwohn gegenüber dem weltweit nicht sehr beliebten Volk zu brechen. Ihr Interesse für speziell dieses Land geht besonders von Frontmann Erkki Seppänen aus, der sich bereits seit 15 Jahren mit der Sprache, der Kultur und der Geschichte Russlands beschäftigte. Die Texte sind ausschließlich russisch, was KYPCK zu etwas Einzigartigem macht. Sie vertreten die Meinung, dass diese Sprache hervorragend zu ihrem düster-melodischen und lebenshassenden Stil passt. Ebenso sehen die Jungs darin eine der wenigen Gemeinsamkeiten russischer und finnischer Fans bezüglich der Band. Dafür sind die Unterschiede umso größer. Auf ihren vier Gigs in Russland waren die Fans ausgelassener, sie sangen heiter die Texte mit, und KYPCK verkauften den gesamten CD-Bestand, den sie eingepackt hatten. Außerdem bekamen sie von ihren Fans jede Menge Geschenke. In Finnland sind die Konzertbesucher im Allgemeinen recht ruhig, und aufgrund sprachlicher Differenzen eher weniger dazu in der Lage, die Songs mitzusingen :).
In ihren Songs führen KYPCK ihre Zuhörer durch Religion, Politik, Konflikte und die Geschichte Russlands. Sie schaffen damit ein Gefühl der Zugehörigkeit und Befreiung aber auch interessante Kontraste. Der Schwerpunkt ihres aktuellen Albums „Nizhe“ liegt jedoch eindeutig auf dem Russland der 80er und 90er Jahre. Ihre musikalische Ausrichtung gepaart mit der Verbindung zu Russland beschreibt für die Band Elemente der Gefahr – so, wie es eben sein soll. Sie fürchten daher gegenüber dem europäischen Publikum weniger die Antipathie, sondern fühlen sich herausgefordert, den Fans das allgemein ungern gesehene Volk Russlands in allen Bereichen näher zu bringen.

Nach diesem kleinen Ausflug war es nun an der Zeit, mich unter die Menge zu mischen, denn endlich sollte ich den schweren und druckvollen Metal-Sound der Jungs und ihre Show genießen. Anders als erwartet, war die Stimmung bereits bei dem Intro „Funeral March“ richtig gut, und mit anhaltenden Rufen wurden KYPCK förmlich auf die Bühne gebettelt. Als die Band erschien, wurden sie begeistert bejubelt, und die Band dankte es ihnen mit „Predatel“ des Vorgängeralbums „Cherno“, was das Publikum schon am Anfang auf Hochtouren brachte. Gleich darauf gab es „Posle“, einer der besten Songs der neuen Scheibe. Mit dem folgenden Song „Alleya Stalina“ kochte der Club über, und selbst die finnischen Fans sangen den Chorus lauthals mit.



Nicht nur die Zuschauer brachten den Boden zum vibrieren, auch die tiefgestimmten Gitarren der beiden Herren Sami Lopakka und der Live-Verstärkung Sami Kukkohovi (ex-Sentenced) trugen maßgeblich an der bebenden Ganzkörpermassage bei. Durch den schwerlastigen Sound entstand ein derartiger Druck in den Ohren, so dass nicht nur ich das Gefühl bekam, wie in einem Flugzeug einen Druckausgleich machen zu müssen. Das galt auch für die folgenden Songs „Chernaya Dyra“ und „Bardak“, bei denen die Fans Feuer und Flamme waren. KYPCK scheuten sich nicht vor witzigen Showeinlagen und zeigten gegenüber den Konzertgängern keine Berührungsängste. Sänger Erkki Seppänen nahm sich auch gerne die Zeit, während den kurzen Soli ein wenig zu plaudern oder reichte ein paar Pullen Bier im Publikum herum.
Schließlich war es Zeit für den längsten Song des Albums „Chuzhoi“, worauf die Fans mit Begeisterung entgegneten. Doch diese Begeisterung wurde übertroffen, als KYPCK mit „Chernyi Sabbath“ die russische Variante des Black Sabbath Songs „Black Sabbath“ anspielten. Dafür wurde die Band anschließend mit anhaltendem Applaus bedacht, ehe sie vorerst mit „Tovarischam“ das Ende der Show angingen.


Das sollte für die Zuschauer jedoch noch nicht alles gewesen sein. Lauthals riefen sie die Band zurück auf die Bühne, aber auch die anwesenden russischen Fans verlangten nach mehr. KYPCK kehrten mit zwei weiteren Songs auf die Bretter zurück. „Burlaki Na Volge“ war die erste Zugabe, mit dem sich die Band bei ihrem Publikum bedankte, gefolgt von dem Debüt-Klassiker „Demon“. Mit reichlich Händedrücken verabschiedeten sie sich bei ihren Fans, worauf erneut Zugabe-Rufe laut wurden. Im Einklang forderten finnische und russische Fans unaufhörlich nach „Stalingrad“, und einiges später wurde ihnen dieser Wunsch erfüllt. KYPCK begaben sich ein letztes Mal auf die Bühne, und der nicht enden wollende Orgasmus fand mit diesem Song seinen endgültigen Höhepunkt.
Die Band hatte sich musikalisch mehr als bewiesen, und das Publikum verließ nur ungern den Konzertsaal – ich inklusive :). An der Bar konnten die Fans bei ihren Idolen Autogramme einheimsen und mit ihnen das ein oder andere Foto schießen. Damit zeigten sich KYPCK als eine sympathische und einzigartige Doom Metal-Band, die Ihresgleichen sucht. So erhielten sie bereits begeistertes Feedback aus Deutschland und empfinden deutsche Fans als „the greatest fans in Central Europe“.
Für alle Fans und diejenigen, die ihr Kyrillisch aufbessern wollen, finden die Homepage der Band auf http://www.kypck-doom.com.

Setlist:
Gifarus (Funeral March)
Predatel (Traitor)
Posle (After)
Alleya Stalina (The Alley Of Stalin)
Chernaya Dyra (The Black Hole)
Bardak (Brothel)
Chuzhoi (Stranger)
Chernyi Sabbath (Black Sabbath)
Tovarischam (Comrades)

Burlaki Na Volge (Burlaks On The Volga)
Demon

Stalingrad

Abschließend kann ich zurecht behaupten, dieser Abend hat sich mehr als nur gelohnt. Zwar sind beide Bands noch recht unbekannt, aber auf jeden Fall empfehlenswert. Musikalisch ein absoluter Ohrenschmaus, ihre Shows sehenswert, und die Jungs waren allesamt sehr sympathisch. Daumen hoch für The Man-Eating Tree und KYPCK.

Bericht & Fotos: Alexandra Krautz / V.U.

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