Live Review Summer’s End Open Air 2010 JUZ Andernach 28.08.2010

Wenn sich der August dem Ende neigt, nimmt auch der Sommer bald Abschied und somit findet auch die Festival-Saison so langsam ihr Ende. Und wie feiert man am besten den Abschluss einer Festival-Saison? Natürlich mit einem Festival! Unter diesem Motto findet dann auch regelmäßig am letzten August-Wochenende das inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Summer’s End Open Air im Andernacher JUZ statt. Dieses Jahr stieg die „Sommer-Abschieds-Party“ am 28.08. und sie machte ihrem Namen alle Ehre, denn es gab immer wieder kräftige Regenschauer …

Aber was ein richtiger Rocker sein will, lässt sich von ein bisschen Wasser nicht abschrecken, sodass bereits, kurz nachdem sich um 14 Uhr die Tore öffneten, einige Feierwillige das Festivalgelände besiedelten.

Schon eine halbe Stunde später betrat mit Sons Of Season die erste Band die Bühne. Die Mannen um Sänger Henning Basse rockten mit ihrem Gothic Metal ordentlich gegen den Regen an und konnten so trotz der recht widrigen Umstände der frühen Spielzeit und des nicht gerade berauschenden Wetters bereits unter dem noch recht überschaubaren Publikum für ziemlich gute Stimmung sorgen. Somit zeigt sich der Frontmann richtig begeistert und stellte fest, dass es „ja schon voll“ sei. Auch wenn dies vielleicht ein wenig übertrieben war, konnte man über die Publikumsresonanz wirklich nicht meckern. Unterstützt wurde die Band an diesem Tag von Ariën van Weesenbeek, der normalerweise bei Epica hinter den Drums sitzt. Mit „Fallen Family“ beendeten Sons Of Season ihr Set und überließen eine gut gelaunte, stetig anwachsende Menge ihren Nachfolgern von Mono Inc.

Deren Auftritt wurde von einem Intro, das von einer elfenhaften weiblichen Stimme gesungen wurde, eingeleitet. Als diese verebbte, betrat zunächst Drummerin Katha Mia die Bühne. Aber anstatt hinter ihrem Schlagzeug Platz zu nehmen, stellte sie sich zunächst an den Bühnenrand, um das Publikum zum Klatschen aufzufordern. Sobald sie mit dessen Leistung zufrieden war, ging sie hinter die Drums und der Rest der Band kam hinzu, um seine Instrumente zu ergreifen. Mit den Worten „Guten Morgen Andernach!“ begrüßte Sänger Martin Engler die inzwischen gut angewachsene Schar vor der Bühne und mit „This Is The Day“ ließen sich die Gothic Rocker, deren düstere Ohrwürmer vom ersten Moment an auf gute Resonanz stießen, schon mal ordentlich abfeiern. Um das Wohl der Anwesenden bedacht, erkundigte sich der Sänger hinterher bei der Menge: „Geht’s euch gut?“ Da die Antwort noch etwas verhalten war, wiederholte er: „Ich fragte, geht’s euch gut?“ Dieses Mal war die Reaktion schon wesentlich lauter, sodass die Band beruhigt weiterrocken konnte, was sie mit Stücken wie „Temple Of The Torn“ und „Comedown“ ordentlich taten. Aber auch einen Moment der Ruhe gönnte Martin Engler seinem Publikum, indem er zur Akustik-Gitarre griff, um, von Katha Mia gefilmt, seinen inzwischen schon obligatorischen Beitrag für das Mono Inc.-Tour-TV zu leisten. Dabei bekam das singfreudige Publikum die Gelegenheit, mal ordentlich die eigenen Stimmbänder zu trainieren. Dass diese noch einiges Training nötig hatten, fiel dem Sänger recht schnell auf, sodass er sich ungläubig erkundigte, ob die Leute ihn „verarschen“ wollten. Schließlich forderte er dann „nur die Frauen“ zum Singen auf, was aber auch keine allzu gute Idee war, wie sich schnell herausstellte. „Das tut mir Leid“, kommentierte der wasserstoffblonde Frontmann gar nicht mitleidig das Geschehen und forderte dann „alle, auch die V.I.P.s“ erneut zum Mitsingen auf. Schließlich aber erlöste er die Menge, stellte die Akustikgitarre beiseite und überließ die Bühne Katha Mia, die daraufhin ein kleines Drum-Solo zum Besten gab, bei dem aber auch sie das Publikum zu beständigen „Hey“-Rufen anfeuerte. Anschließend durfte dann aber mit „Voices Of Doom“ wieder richtig abgerockt werden. Da die Spielzeit zu so früher Stunde noch ziemlich begrenzt war, erklärte Martin Engler auf einmal ganz unerwartet: „Danke Andernach! Wir spielen einen letzten Song und nach Schelmish treffen wir uns am T-Shirt-Stand, trinken ein Bier und lernen uns kennen!“ Mit „Get Some Sleep“, bei dem nun wirklich niemand mehr vom Klatschen abzuhalten war, beendeten die Gothic Rocker ihr sehr stimmungsgeladenes Set und verabschiedeten sich mit den Worten „Vielen dank Andernach. Das war Mono Inc. Wir wünschen euch einen guten Abend mit vielen tollen Bands. Wir sehen uns nach Schelmish am Stand!“

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann weiter mit Schelmish und ihrem Dudelsack-lastigen Folk Rock. Mit den Worten „Schönen guten Tag Andernach. Seid ihr da?“ wurde das Publikum begrüßt und mit dem Stück „Die Hässlichen Kinder“ wurde dann ordentlich abgerockt. Wer die Barden bereits live gesehen hat, weiß, dass sie sich nicht so besonders ernst nehmen. Dementsprechend stellte die Band sich selbst vor: „Wir sind fett, wir sind hässlich, wir sind Schelmish. Seid ihr gut drauf?“ Die recht laute Antwort wurde mit einem erfreuten „Das ist schön“ kommentiert. Obwohl die Stimmung zunächst nicht mehr ganz auf dem gleichen Niveau war wie noch zuvor bei Mono Inc., wurde zu „Der Narr“ sowie zu weiteren Kompositionen der Dudelsackmeister dennoch gut abgefeiert. Somit kam es der wilden Schar vor der Bühne auch sehr gelegen, dass Sänger Dextro erklärte: „Unsere Zeit ist kurz bemessen, deshalb werden wir nicht viel reden!“ Auf alle Fälle ein vernünftiger Kompromiss, über den sich sicherlich niemand geärgert haben dürfte. Nach einigen Stücken steigerte sich die Stimmung auch wieder auf das zuvor herrschende Niveau, sodass sich nicht nur bei „Überladen“ und „Das Moor“ kleine Moshpits bildeten. Da auch Folk-Rocker nicht vor technischen Problemen gefeit sind, mussten Schelmish zwischendurch ein reines Dudelsack-Stück spielen, da die Gitarren nicht so richtig funktionieren wollten. Aber dadurch ließen sich die frechen Barden nicht aus der Ruhe bringen und auch das Publikum feierte unermüdlich weiter. Bevor „1212“ angestimmt wurde, erklärte Dextro noch schnell den Hintergrund des Stückes, da es bezüglich des Titels wohl wilde Spekulationen über dessen Bedeutung gegeben hatte: „Die Presse wunderte sich, ob „1212“ der Schelmish-Code für irgendwas sei. Wir sagten: „Für’s Saufen.“ Aber wir haben mal ne Doku gesehen über Kinderkreuzzüge.“ Somit wäre dann auch geklärt, dass es sich bei „1212“ nicht um einen Geheim-Code sondern um eine Jahreszahl handelte. Nach einer Dreiviertel Stunde räumten Schelmish schließlich die Bühne, um diese, den stilistisch in eine ähnliche Kerbe schlagenden, Fiddler’s Green zu überlassen.

Setlist Schelmish:

01)  Die Hässlichen Kinder

02)  Der Narr

03)  Überladen

04)  Moor

05)  For The Clansmen

06)  Chaos

07)  Aequinoctium

08)  Marionette

09)  1212

10)  Sommer

11)  Mosaik

12)  Wir Werden Sehen

Auch zu den irisch angehauchten Folk-Rockern von Fiddler’s Green wurde ordentlich abgerockt. Mit „Life Full Of Pain“ stürzte das Sextett auf die Bühne und versprühte von den ersten Takten an eine super Stimmung, sodass die tanzfreudige Menge wie wild hüpfte, mitsang und ganz schnell einige Moshpits bildete. Kennt man aus der härteren Metal-Welt Phänomene wie die Wall Of Death, gibt es bei Fiddler’s Green ebenfalls ein entsprechendes Pendent namens Wall Of Folk, welche im Grunde genommen und von außen betrachtet der Wall Of Death sehr ähnelt. Nur die Klänge, zu denen man aufeinander zurennt, sind ein wenig anders. Folkig eben. Viele konnten es wahrscheinlich kaum glauben, wie kurz fünfzig Minuten sein können, als „Bugger Off“ das Ende des Sets einläutete und Fiddler’s Green sich von der tobenden Menge verabschiedeten.

Setlist Fiddler’s Green:

01)  Life Full Of Pain

02)  Sports Day At Killaloe

03)  Highland Road

04)  Mrs. McGrath

05)  Irish Air

06)  Rose In the Heather

07)  All These Feelings

08)  Kick The Bucket Tunes

09)  Rocky Road To Dublin

10)  Folk’s Not Dead

11)  The Night Pat Murphy Dies

12)  Bugger Off

Ein wenig elektronischer wurde es mit dem Mittelalter-Industrial-Rock von Tanzwut. Zu den Klängen von „Toccata“ stürmten Sänger Teufel und seine Mannen die Bühne und ließen es zu keiner einzigen Sekunde zu, dass die Stimmung im Publikum wieder abflachen konnte.

Auch das Wetter spielte mit, sodass der gehörnte Frontmann schließlich erfreut feststellte: „Die Sonne kommt raus!“ So ganz korrekt war das zwar nicht, da während Tanzwut wieder vermehrt Wolken am Himmel zu sehen waren, als bei den Bands zuvor, aber immerhin blieb es trocken. Und sogar einige Crowdsurfer ließen sich blicken. Leider war der Sound insgesamt nicht so besonders gut, sodass Teufels Stimme recht leise klang und er somit besonders bei den Ansagen recht schlecht zu verstehen war, aber dies tat Songs wie „Meer“ oder „Vulkan“ beim besten Willen keinen Abbruch.

Wie schnell so ein stimmungsgeladener Auftritt vorbei sein kann, gemahnte der Sänger, als er darauf hinwies: „Die Meisten haben noch nicht darüber nachgedacht, es ist später als man denkt!“ Bei dem folgenden „Endlich“ ließ Teufel die Menge nochmal ordentlich mitsingen, bevor er anschließend verkündete, dass er im September ein Solo-Album mit dem  bedeutungsvollen Namen „Absinth“ veröffentlichen wird. Unter lauten „Zugabe“-Rufen, die leider nicht erhört werden konnten, verließen Tanzwut die Bühne.

Setlist Tanzwut:

01)  Toccata

02)  Ihr Wolltet Spaß

03)  Im Labyrinth

04)  Meer

05)  Wieder Am Riff

06)  Merseburger Zaubersprüche

07)  Seelenverkäufer

08)  Vulkan

09)  Endlich

10)  Teufel Im Paradies

11)  Lügner

Mit dem Auftritt der aus den Niederlanden stammenden Epica wurde das Festival nicht nur beinahe international, man bewegte sich auch recht weit weg von den folkigen Klängen, die bis dahin das Summer’s End fest in der Hand hatten, denn die Holländer widmeten sich exzessiv dem Symphonic Metal.

Dies ließ sich bereits bei den Klängen des Intros „Samadhi“ mehr als nur erahnen und mit dem folgenden „Resign To Surrender“ bestätigte sich der Verdacht endgültig, dass es nun bedeutend metallischer und härter zur Sache gehen würde. Das Publikum jedenfalls dankte es der Band und so ließen sich einige wild fliegende Matten in der Menge ausmachen. Sängerin Simone Simons begrüßte daraufhin die inzwischen recht beachtliche Menschenansammlung vor der Bühne mit den Worten: „Guten Abend Andernach! Wie geht’s euch? Heute gab es Regen und Sonnenschein. Aber egal, hier sind heute viele geile Bands und das muss gefeiert werden! Jetzt brauchen wir eure Hände!“ Das ließ sich die feierwillige Meute natürlich nicht zweimal sagen und somit erhoben sich zum folgenden „Quietus“ unzählige Hände gen Himmel. „Das ist schön, ich muss weinen“, kommentierte Simone das Geschehen im Anschluss, gab dann aber direkt zu „nein, das ist nur der blöde Wind.“ Weiter ging es mit einem der persönlichen Favoriten der Sängerin, nämlich mit „Unleashed“. Neben Simones flammend roten Haaren, welche durch einen geschickt vor ihr platzierten Ventilator beständig ihr Gesicht umwehten, wenn sie nicht gerade in bester Headbanger-Manier ihren Kopf schüttelte, stellte das drehbare Keyboard von Tastenmeister Coen Janssen einen außergewöhnlichen Blickfang dar.

Nach dem sich anschießenden „Cry For The Moon“, welches noch aus frühesten Epica-Tagen stammte, erkundigte sich die rothaarige Frontfrau beim Publikum: „Habt ihr Lust auf ein bisschen Singalong?“ Da die Reaktionen der Menge dies eindeutig bejahten, sang Simone kleine Melodien vor, die die durchaus singfreudige Schar wiederholen musste. Dabei zeigte sich allerdings ziemlich eindrucksvoll, dass die Frontfrau die wirklich bessere Sängerin war. Nochmal richtig bombastisch wurde es dann mit „The Obsessive Devotion“, nach welchem sich die Sängerin, für viele überraschend, erkundigte: „Are you ready for the last one?“ Bei diesem letzten Stück handelte es sich um „Consign To Oblivion“. Mit den Worten „Vielen Dank Andernach! Bis bald! Macht’s gut! Tschüss!“, verabschiedeten sich Epica im Anschluss von ihrem Publikum, welches sofort laute „Zugabe“-Rufe anstimmte, die aber unerhört verklangen.

Setlist Epica:

01)  Samadhi

02)  Resign To Surrender

03)  Quietus

04)  Unleashed

05)  Cry For The Moon

06)  The Obsessive Devotion

07)  Consign To Oblivion

Nachdem die Sonne gesunken war, zogen wilde Reiterscharen aus, um, über das Summer’s End-Folk hereinpreschend, wilde Metalklänge aus ihren Läufen zu feuern und alles in Grund und Boden zu rocken, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte – oder wollte. Die Apokalyptischen Reiter hatten mit Stücken wie „Unter Der Asche“ oder „Es Wird Schlimmer“ das Publikum bereits nach wenigen Takten voll und ganz auf ihrer Seite, sodass der Platz vor der Bühne recht bald einem wilden Hexenkessel glich. Keyboarder Dr. Pest trug, trotz, den inzwischen recht frischen Temperaturen, lediglich ein Lack-Shirt mit entsprechenden Shorts und einer dazugehörigen Maske – also feinster Festisch-Style. Hinter seinem Keyboard war darüber hinaus eine Schaukel errichtet worden, auf die er sich zwischendurch immer mal niederließ, um ein wenig hin und her zu schwingen. Mit „Boten Einer Neuen Zeit“ wurde sogar ein ganz neues Stück dargeboten, welches auch sofort frenetisch aufgenommen wurde. „Die Jungs hier vorne haben Bock zu tanzen. Seh ich das richtig?“, erkundigte sich der Frontmann, nachdem sich in den vorderen Reihen erste Moshpits gebildet hatten, und forderte daraufhin: „Kämpft oder flieht! Hier ist „Adrenalin“!“ Während diesem Stück deutete Sänger Fuchs mit entsprechenden Gesten an, dass die Menge sich zu einer Wall Of Death teilen sollte. Die Ankündigung „Auf dass euch niemals der Lebensmut verlässt. Hier ist „Nach Der Ebbe“!“ leitete zum nächsten Kracher über, bei welchem seitlich neben einer auf der Bühne befindlichen Pauke Fackeln brannten. Im Anschluss an diesen Song wurden drei Trommeln auf die Bühne gebracht, auf welchen nun ein sehr rhythmuslastiges Instrumentalstück dargeboten wurde. Dieses kam beim Publikum sehr gut an, sodass der Frontmann, der sich inzwischen, trotz immer weiter abfallenden Temperaturen, seines Oberteils entledigt hatte, sich anständig bei der Menge bedankte. Auch fragte er, ob die Anwesenden die Fäuste im Takt des als nächstes erklingenden „Der Adler“ in die Luft recken könnten. Natürlich konnten sie, sodass man ein Meer aus geballten Fäusten erblicken konnte, soweit das Auge in der nächtlichen Dunkelheit reichte. Auf einmal wurde eine Kanone auf die Bühne gefahren, auf welcher ein Mädel stand. „Das war nicht geplant. Bist du der neue Admiral?“, wunderte sich Fuchs. Eine Antwort bekam er zwar nicht, dennoch aber wurde die Kanone abgefeuert. Allerdings gereichte der Schuss nicht zur Zufriedenheit des Sängers, weshalb er dies mit den Worten „Das war ja gar nichts. Bitte nachladen!“ kommentierte. Und an das Publikum gewandt erklärte er: „Jetzt möchte ich, dass ihr alle mit mir springt!“ Dieses ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und so erkundigte sich der Frontmann schließlich: „Könnt  ihr noch?“ Die Antwort war natürlich ein ganz klares „Ja!“. Während „Roll My Heart“ wurden große schwarze Ballons in die Menge geworfen, welche ordentlich Spaß mit diesen hatte. Danach verkündete Fuchs zum Leidwesen der Anwesenden: „Wir kommen zum letzten Song des heutigen Abends.“ Sofort erklang ein lautes, trauriges „Oooohhhh!“ Bevor dieses letzte Stück aber vorgetragen wurde, lag es dem Sänger noch am Herzen, jemanden vorzustellen, der sich gerade ebenfalls auf der Bühne befand: „Das ist Dima, ein ukrainischer Flüchtling. Den haben wir in der Ukraine aufgelesen. Dima, sag „Hallo“ auf Russisch.“ Seltsamerweise klang das russische „Hallo“ genauso wie ein Deutsches. Nichtsdestotrotz versprach der Sänger seinen Anhängern nun: „Wir machen euch jetzt unsterblich!“ und mit diesen Worten leitete er den Song „We Will Never Die“ ein, an dessen Ende die Band sich in eine Abschlusspose schmiss, zu der sich Fuchs auf die leicht gebeugten Beinen der beiden Gitarristen stellte und gleichzeitig die Hände euphorisch in die Luft reckte. Sofort ertönten Forderungen nach einer Zugabe. „Habt ihr immer noch nicht genug?“, gab sich der Sänger verwundert und erklärte dann: „Ein Seemann sucht seine Bräute.“ Zu dem daraufhin erklingenden Song, welcher natürlich den Namen „Seemann“ trug, betraten zwei Frauen die Bühne und tanzten wild mit der Band umher. Aber selbst nach dieser ersten Zugabe war noch kein Ende in Sicht, denn Fuchs erkundigte sich beim Publikum, was es noch hören wollte. „Seid ihr bereit für die Reiter…?“  Dabei überließ er es der Menge dieses Wort mit „Mania“ zu beenden, was sie auch lautstark tat. Bei dem folgenden Stück mit dem entsprechenden Namen „Reitermania“, kam wieder das Mädel mit der Kanone auf die Bühne gefahren und feuerte diese, passend zum Schlussakkord, ab. Mit einem inbrünstigen „Vielen Dank!“ verabschiedeten sich die Apokalyptischen Reiter von ihrem Publikum und während sich die restliche Band verbeugte, untermalte Dr. Pest diese Abschiedsgeste mit einer kleinen, erstaunlich netten Melodie auf seinem Keyboard.

Setlist die Apokalyptischen Reiter:

01)  Licht

02)  Revolution

03)  Friede Sei Mit Dir

04)  Unter Der Asche

05)  Es Wird Schlimmer

06)  Boten Einer Neuen Zeit

07)  Adrenalin

08)  Nach Der Ebbe

09)  Tribal-Drum-Einlage

10)  Der Adler

11)  Der Weg

12)  Roll My Heart

13)  We Will Never Die

14)  Seemann (Zugabe)

15)  Reitermania (Zugabe)

Den krönenden Abschluss des Summer’s End Open Air 2010 lieferten die Mittelalterrocker von Subway To Sally. Mit „Henkersbraut“ betrat das Septett die Bühne und zog das Publikum von den ersten Klängen an in seinen Bann. „Hallo Freunde! Das letzte Open Air des Jahres mit allem, was dazugehört: Es ist kalt, es ist feucht, Rock’n’Roll!“ begrüßte Sänger Eric Fish die noch lange nicht müde Meute, um daraufhin ein feuriges Set zu starten, in dem, neben einer ganzen Menge mittelalterlicher Instrumente, auch so einiges an Pyrotechnik zum Einsatz kam. So wurden unter anderem immer wieder Funkenfontänen am Rande der Bühne abgefeuert. Bei dem stimmungsvollen Stück „Rosen“ sang das gut gelaunte Publikum lauthals mit und Eric Fish bedankte sich mit den Worten: „Schön gesungen! Vielen Dank!“ Und weiter erklärte er: „Wir entführen euch in ein Land, in dem es tatsächlich heiß ist.“ Bei diesem Land handelte es sich um das bekannte „Feuerland“, bei welchem passenderweise viele Feuerfontänen gezündet wurden und schließlich sogar die Bühne von vielen kleinen Feuern erleuchtet wurde und somit selbst zu brennen schien. Bei „Kleine Schwester“ animierte der Sänger das Publikum, die Hände in die Luft zu recken: „Hey! Hey! Hey! Nicht nachlassen! Folgt diesem Rhythmus!“ Dieser Aufforderung gehorchte die Schar vor der Bühne doch gerne und streckte im Rhythmus der Rufe die Hände in die Höhe. Dass sich die Band im Andernacher JUZ sehr wohl fühlte, konnte man ihr nicht nur anmerken, auch Eric Fish erklärte, dass sie seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen auf dem Summer’s End  auftreten würden. Somit dürfte auch einigen der Anwesenden der grandiose Auftritt im Jahre 2008 noch gut in Erinnerung sein. Auf jeden Fall forderte der Sänger einen extra Applaus für die gute Organisation des Festivals ein, welcher auch äußerst bereitwillig gegeben wurde. „Wir haben lange überlegt, ob wir dieses Lied mit hineinnehmen, und haben uns dafür entschieden, da vorher schon genug Krach herrschte.“, erklärte der Frontmann schließlich und stimmte daraufhin das balladeske „Maria“ an, welches trotz seiner ruhigen Klänge das Gefallen des Publikums fand, immerhin wird auch so mancher der Anwesenden froh um eine kleine Verschnaufpause gewesen sein. Dementsprechend erfreut war auch die Reaktion der Band, welche die Publikumsresonanz natürlich mit einem „Danke schön! Das war großartig!“ kommentierte und dieses nun einmal ganz alleine ohne instrumentelle Begleitung singen ließ, woraufhin ein lauter, vielstimmiger Chor erklang. Bei „Feuerkind“ erleuchteten rote Flammen die Bühne und auch Eric Fish selbst ergriff eine große Fackel, die er während diesem Song mit sich trug. Mit dem Ruf „Der Schrei!“ forderte der Frontmann das Publikum im Anschluss an dieses Stück auf, ganz laut zu schreien, wozu sich dieses auch nicht lange bitten ließ und woraufhin die Klänge von „Judaskuss“ ertönten. „Lebt ihr noch?“, gab sich Eric Fish im Anschluss an dieses Stück besorgt. Die Antwort aber war ein ganz eindeutiges „Ja“ und daher forderte der Sänger mit der Erklärung „Wir bauen uns einen Burghof“ die Menge vor der Bühne auf, einen Kreis zum Tanzen zu bilden, was bei der pogo-erfahrenen Meute wohl kaum nötig gewesen wäre. Jedenfalls lieferte das so entstehende Moshpit die perfekten Voraussetzungen für das folgende „Besser Du Rennst“ und das sich anschließende „Falscher Heiland“. „Ich denke, wir haben alle das gleiche Gefühl. Es war ein schöner Tag und jetzt sind wir wirklich beim Summer’s End angelangt. Tanzt mit uns den letzten Tanz!“ Mit diesem Hinweis auf das drohende Ende des Festivals leitete der Frontmann den letzten offiziellen Song des Sets von Subway To Sally ein, bei welchem es sich um den „Tanz Des Todes“ handelte. Dieser wurde mit Feuerspukeinlagen sowie einem Feuerwerk begleitet. Als die Band die Bühne verließ, erschallten sofort laute „Zugabe“-Rufe, die recht schnell in „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“-Chöre übergingen. Natürlich ließen sich Subway To Sally auch nicht lange bitten und kamen schon nach kurzer Zeit wieder zurück. Dabei erklärt der überwältigte Eric Fish, dass es doch eine große Auszeichnung für eine Band sei, wenn anstelle von „Zugabe“-Rufen ein Song der Band gesungen würde. Zunächst aber wurde der Hit „Sieben“ angestimmt, welcher der Sänger vom Publikum anzählen ließ. Als dieses Stück mit einem fetten Knall auf der Bühne endete, verschwanden die Musiker wieder und wurden erneut mit „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“-Chören herausgerufen, wobei Eric Fish nun selbst einen Dudelsack spielte und somit das lang ersehnte „Julia Und Die Räuber“ einleitete. Noch einmal wurde ordentlich gerockt und gefeiert, aber dann mussten die Mittelalterrocker endgültig die Bühne verlassen und somit das Summer’s End Open Air 2010 beschließen, das dieses Jahr im Gegensatz zu den Vorjahren von Kälte und Regen dominiert war . Der guten Laune der Feiernden tat dies indessen keinen Abbruch und so wurden schließlich die müden Rocker wehmütig in das Ende der Festival-Saison entlassen. Aber ein neuer Sommer kommt bestimmt und damit auch neue Festivals.

Bericht:

Kerstin / V.U.

 

Fotos:

Hanzi / V.U.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Live Review Summer’s End Open Air 2010 JUZ Andernach 28.08.2010

  1. Pingback: Summers End Open Air 27.08.2011 Andernach, Gelände vor dem JUZ Live Club « Blog of Visions Underground

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s