Live Review Summer Breeze Open Air 2010 Dinkelsbühl 18.08.2010 – 21.08.2010

Wie in jedem Jahr wurde am Mittwoch, dem 18.August 2010 sowie an den darauffolgenden drei Tagen im bayrischen Dinkelsbühl wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Bayern nicht nur Oktoberfeste feiern sondern auch richtig rocken können An diesen Tagen fand nämlich das Summer Breeze Open Air in seiner 13. Auflage statt, bei dem sich ca. 100 Rock- und Metalbands aus aller Welt vier Tage lang die Klinkenstecker in die Hand gaben. Bereits einige Wochen vor Beginn ausverkauft, versammelten sich rund 40.000 meist schwarz gekleidete Metalheads in dem beschaulichen Städtchen im Süden Deutschlands. Diese sollten auch vollends auf ihre Kosten kommen, immerhin zeichnete sich das Festival durch eine gut durchdachte und geregelte Organisation aus. Nicht nur, dass der Anfahrtsweg von Dinkelsbühl zum Festivalgelände auf dem Flugplatz des Aeroclubs Dinkelsbühl, welcher ein wenig außerhalb des eigentlichen Ortes liegt, so gut ausgeschildert war, dass ein Verfahren fast unmöglich wurde, auch die Auftritte der Bands wurden beim Summer Breeze auf ganz besondere Weise koordiniert. So befanden sich auf dem Gelände quasi zwei Hauptbühnen namens Main Stage und Pain Stage, welche direkt nebeneinander standen und auf denen ab Donnerstag Mittag die unterschiedlichsten Künstler, welche hauptsächlich aus den Bereichen Metal und Rock stammten, für fliegende Haare sorgten. Das Besondere hierbei war, dass, während auf der einen Bühne gerockt wurde, auf der anderen bereits alles für den nächsten Act vorbereitet wurde, sodass lange Umbaupausen, wie sie sonst bei Festivals an der Tagesordnung sind, geschickt vermieden wurden. Auf einer weiteren Bühne namens Party Stage, welche in einem Zelt untergebracht wurde, begann das Programm schon mittwochs. So auch auf der neuen kleinen Camel Stage, welche zwar ein recht begrenztes, aber deshalb nicht unerwähnenswertes Programm darbot. Aber nicht nur auf der Bühne konnte man die Bands bewundern. Am Metalhammer- und Metal.de-Stand konnte man zusätzlich noch Autogramme ergattern, weshalb sich vor diesen regelmäßig meterlange Schlangen sammelten. Natürlich war auch für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt und wer gerne Geld in neue Kleidungsstücke, Tonträger oder Ähnlichem investieren wollte, kam ebenfalls bestens auf seine Kosten und konnte sich an zahlreichen Kaufständen erfreuen.

Zu Beginn des Festivals am Mittwoch sah das Wetter noch eher nach Autumn Rain denn nach Summer Breeze aus, aber bereits am darauffolgenden Tag strahlte die Sonne heiß vom (fast) wolkenfreien Himmel herab. Ob die Klänge von Rage, Equilibirium, Milking The Goat Machine etc. am Mittwoch die Regenwolken vertrieben oder die Sonne herausgelockt haben, lässt sich nicht eindeutig feststellen, fest steht aber, dass ab Donnerstag das Event seinem Namen alle Ehre machte und die Rocker unter ihren langen Matten ganz schön schwitzen ließ.

Ganz schön geschwitzt haben sicher auch die Goth’n’Roller von The 69 Eyes in ihrer Lederkluft, als sie am Donnerstag Nachmittag die Pain Stage betraten. Ihre düster-rockigen Klänge sorgten dabei für einen starken Kontrast zu dem Metal von Ill Nino, welche zuvor auf der gleichen Bühne ihr Haupthaar schüttelten. Das sich nun die stilistische Marschrichtung ordentlich änderte, wurde schon beim ersten Stück „Back In Blood“, das die „Helsinki-Vampires“ anstimmten, deutlich. Dennoch war die Stimmung anfangs ziemlich gut. Mit den Worten „Good to see you guys! Let’s rock with The 69 Eyes“ begrüßte Sänger Jyrki 69 die Rocker, die der prallen Sonne vor der Bühne trotzten. Weiter ging es mit „Never Say Die“. Bei diesem Song konnte die gute Stimmung aber nicht vollends aufrecht erhalten werden. Wahrscheinlich war dieses Lied für die härtere Klänge gewohnten Summer Breeze-Besucher ein wenig zu soft geraten. Davon ließ sich die Band aber nicht beirren und mit einem „Danke schön!“, der Auforderung „Keep your hand up in the air!“ und dem Song „The Good, The Bad & The Undead“ ging es weiter. Schließlich musste Jyrki 69 einfach feststellen: „You guys fucking rock!“ Ebenfalls ordentlich rockte Drummer Jussi 69, welcher häufig bewies, dass man stehend mindestens genauso gut auf die Drums eindreschen kann wie im Sitzen. Ein bisschen Werbung darf natürlich auch nicht fehlen und somit kündigte der Jyrki 69 wahrscheinlich nicht nur zur Freude seiner Fans an, dass die Band eine neue Single namens „Kiss Me Undead“ veröffentlich hat, welche natürlich unmittelbar darauf dargeboten wurde. Aber nicht nur neue Stücke hatten einen Platz im Programm der Finnen, auch ältere Songs wie „Wasting The Dawn“ oder „Framed In Blood“ wurden zum Besten gegeben. Besonders angetan schien Jyrki 69 von einem Gerücht gewesen zu sein, welches ihm vor dem Auftritt zu Ohren gekommen war. Angeblich waren vor der Pain Stage noch niemals zuvor so viele Mädels versammelt, wie bei dem Set der 69 Eyes. Bevor die Jungs schließlich endgültig zum Ende ihres Programms kamen, versicherte sich der Sänger „Do you wanna rock?“ Da die Menge dies eindeutig bejahte, fetzten The 69 Eyes abschließend mit „Lost Boys“ nochmal ordentlich los. Bei diesem Stück kochte die zuvor trotz der sehr energiegeladenen Performance der Finnen etwas abgefallene Stimmung wieder auf das Anfangs-Niveau hoch, bevor sich die Helsinki-Vampires mit den Worten „You guys rock“ von ihrem Publikum verabschiedeten.

Setlist The 69 Eyes:

01.  Back In Blood

02.  Never Say Die

03.  The Good, The Bad & The Undead

04.  Devils

05.  Kiss Me Undead

06.  Wasting The Dawn

07.  We Own The Night

08.  Framed In Blood

09.  Dead Girls Are Easy

10.  Brandon Lee

11.  Lost Boys

Dass Die Apokalyptischen Reiter nicht umsonst für ihre ausgefallenen Live-Shows gefeiert werden, bewiesen die Weimarer gleich mit ihrem Eröffnungsstück „Wir sind das Licht“. Die Stimmung befand sich von Anfang an auf dem Siedepunkt, denn was sich auf der Bühne abspielte, stellte nicht nur die Entertainer-Qualitäten der Rocker unter Beweis sondern auch deren Wahnsinn. So rannte beispielsweise ein völlig irre wirkender Keyboarder namens Dr. Pest lediglich mit Latex-Short und Latex-Maske im feinsten Fetisch-Style wild die Peitsche schwingend wie ein wahnsinniger von einer Seite der Bühne zur anderen, bevor er sich zwischendurch auf seine hinter seinem Instrument befindenden Schaukel niederließ, um ein wenig zu schaukeln, wenn er nicht gerade anderweitig in Aktion war. Bei dem sich unmittelbar anschließenden Stück „Revolution“ schwang Sänger Fuchs, auf einer nach oben ausfahrenden Hydraulik-Bühne stehend, eine Fahne. „Herzlich willkommen! Wir sind die Apokalyptischen Reiter! Friede sei mit Euch in Ewigkeit!“, begrüßte der Frontmann danach die Menge, um mit dem entsprechenden Song „Friede Sei Mit Dir“ die Masse zu begeistern. Während dem einstündigen Set nahmen die Reiter ihre Anhänger mit auf eine wilde Zeitreise in die Vergangenheit und beglückten das Volk mit „Unter Der Asche“. Aber auch in die Zukunft blickte man und zeigte sich als „Boten Einer Neuen Zeit“. Schließlich verkündete Fuchs: „So ihr Lieben, habt ihr Bock zu tanzen? Dann kämpft oder flieht!“ Daraufhin bildeten sich vor der Bühne wilde Circle Pits, die sich letztendlich sogar zu einer Wall Of Death auswuchsen. „Seid ihr noch ganz?“, erkundigte sich der Sänger, bevor er „Nach Der Ebbe“ anstimmte, bei welchem zwei Feuer am Schlagzeug brannten. Auf einmal wurden drei Trommeln auf die Bühne gebracht, die im Folgenden von der gesamten Band, mit Ausnahme von Dr. Pest, der stattdessen eine Pauke schlug, heftigst bearbeitet wurden. Danach betrat der Admiral die Bühne und feuerte mit Hilfe einer Kanone zwei Superman-Kostüme ins Publikum. Mit den Worten „Ich möchte, dass ihr springt!“ feuerte Fuchs im Anschluss die Menge für das folgende „Der Adler“ an, was sich diese natürlich nicht zweimal gesagt sein ließ und das Stück wild abfeierte. Nach „Roll My Heart“ verkündeten die Reiter, dass sie nun zum letzten Song kommen würden. „Das hat grad der Typ neben der Bühne gesagt. ,Verpisst euch!’ Ich glaube, er hat sich gerade zum Arschloch der Nation gemacht!“ Sofort wurden „Arschloch“-Chöre im Publikum laut. Woraufhin sich besagte Person anscheinend – nicht ganz freiwillig – nochmals anders besann, denn Fuchs verkündete die frohe Botschaft „Ok, er hat gesagt, wir dürfen noch. Sonst hätte er auch ein paar auf die Fresse bekommen.“ Somit ging es mit „We Will Never Die“ weiter im Programm, woraufhin plötzlich der Admiral wieder auf die Bühne kam. „Oh, der Admiral ist sehr schussfreudig“, stellte der Frontmann der Reitertruppe fest, denn es flogen auf’s Neue Superman-Kostüme in die Menge. Aber auch, wenn man mit Prügeln droht, irgendwann geht ein jeder Auftritt zu Ende und somit bekamen schließlich alle Leute, die „mindestens zwei Brüste haben“ die Erlaubnis, die Bühne zu entern und dort zum letzten Stück „Seemann“ zu tanzen. Diese Gelegenheit ließen vielen Mädels und auch ein paar Männer nicht ungenutzt verstreichen und sprangen auf die Bretter der Main Stage, um dort mit den Reitern ein grandioses Finale zu feiern. „Vielen vielen Dank. Macht’s gut! Auch vielen Dank an unsere Seemannsbräute!“ Mit diesen Worten beendeten die Apokalyptischen Reiter letztendlich eine wahnsinnig stimmungsvolle Show.

Setlist Die Apokalyptischen Reiter:

01.  Intro

02.  Wir sind das Licht

03.  Revolution

04.  Friede Sei Mit Dir

05.  Unter Der Asche

06.  Es Wird Schlimmer

07.  Boten Einer Neuen Zeit

08.  Adrenalin

09.  Nach Der Ebbe

10.  Der Adler

11.  Der Weg

12.  Roll My Heart

13.  We Will Never Die

14.  Seemann

Zu bereits recht vorgerückter Stunde schickten sich die Schweden von Dark Tranquillity an, die Bretter der Pain Stage zu betreten. „At The Point Of Ignition“ riss das noch lange nicht müde Publikum vom ersten Takt an ordentlich mit. Aber auch die Band um Sänger Mikael Stanne lieferte eine energiegeladene Show, der man sich nur schwerlich entziehen konnte. Diese wurde perfekt untermalt von Videoprojektionen, welche die Atmosphäre der Songs aufgriff und auf wundersame Weise verstärkte. So war es nicht verwunderlich, dass schon nach kurzer Zeit viele Crowdsurfer die Gunst der Stunde nutzten, um sich auf den Händen der übrigen Zuschauer Richtung Bühne tragen zu lassen. Nach „Focus Shift“ bedankte sich Mikael für die großartige Publikumsresonanz: „Vielen Dank, Damen und Herren! This is all I know. Thank you very much!“ Vor dem Stück „Final Restistance” wies der Frontmann darauf hin, dass es vielleicht das letzte Mal für lange Zeit sein wird, dass sie diesen Song spielen würden. Dementsprechend wurde er vom Publikum ordentlich abgefeiert, was selbstverständlich nicht unkommentiert bleiben konnte: „Holy shit! How beautiful! Germany is the place to be for fucking metal!“ Berührungsängste schienen dem Wirbelwind am Mikro ein Fremdwort zu sein, denn er verließ sogar die Bühne, um sich von der Menge auf Händen tragen zu lassen. Und natürlich kann ein richtiger Rocker, auch während er eigentlich mit Crowdsurfen beschäftigt ist, unbeirrt weitersingen. Da die Schweden vor Kurzem ihr neues Album „We Are The Void“ veröffentlich hatten, stammten viele Songs des Sets aus diesem Werk. So auch „Dream Oblivion“, welches der, von der Stimmung im Publikum begeisterte, Mikael mit den Worten „You guys are amazing!“ einleitete. Bei diesem Stück handelte es sich definitiv um eines der Härtesten des gesamten Auftritts der Death Metaller, welches dementsprechend speziell den Headbangern vor der Bühne gewidmet wurde. Als Dark Tranquillity die Pain Stage nach „Terminus (Where Death Is Most Alive)“ verließen, brandeten sofort laute „Zugabe“-Rufe auf, die aber leider aus zeitlichen Gründen nicht erhört werden konnten.

Setlist Dark Tranquillity

01.  At The Point Of Ignition

02.  The Fatalist

03.  Focus Shift

04.  The Wonders At Your Feet

05.  Final Resistance

06.  Therein

07.  Lost To Apathy

08.  Misery’s Crown

09.  Punish My Heaven

10.  Iridium

11.  Dream Oblivion

12.  Terminus (Where Death Is Most Alive)

Obwohl die Jungs von der Letzten Instanz am Freitag bereits um 13.35 Uhr – also für Festivalverhältnisse zu sehr früher Stunde – die Pain Stage betraten, hatte sich dort schon eine beachtliche Menschenmenge versammelt, die, trotz der heißen Sonne, die am dritten Festivaltag noch brennender vom Himmel schien, als am Vortag, mächtig in Feierlaune war. Aufgrund der Hitze bedurften die Feierwilligen der regelmäßigen Abkühlung in Form von Wasser, welches die Security-Leute vor der Pain Stage mit Hilfe von Feuerwehrschläuchen reichlich in die Menge spritzten, sodass Stücke wie „Finsternis“ oder „Komm!“ frenetisch abgefeiert werden konnten. Auch Crowdsurfer gab es reichlich zu beobachten. Das Publikum kam darüber hinaus bereitwillig sämtlichen Aufforderungen von Sänger Holly nach, welcher alles daransetzte, die Menge zum Mitsingen, Mitklatschen und Mittanzen zu animieren. So formte er seinen Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis, welcher einen Lautstärkeregler symbolisieren sollte.

Dann hob und senkte er seine Hand und forderte das Publikum auf, entsprechend dieser Bewegungen lauter oder leiser zu schreien, was auch sehr gut funktionierte. Schließlich erkundigte sich Holly: „Gibt es hier Männer unter euch? Und gibt es Frauen?“ Letzteres wollte er nicht ganz ohne Hintergedanken wissen, denn er fügte hinzu: „Wir haben gleich Schluss. Frauen, ihr wisst, wo ihr uns findet! Wir haben gleich Autogrammstunde!“ Daraufhin ließ er Männer und Frauen noch ein wenig im Wechsel schreien. Nach dem absoluten Live-Knaller „Stimmlein“ verkündete der Sänger dann: „Meine Freunde, ein letztes Lied von der Letzten Instanz! Hände hoch, manche kennen das Prozedere ja schon, haltet euch an den Händen, wenn’s gefällt, Nummern tauschen! Wegen der Hitze geht das nächste Lied nur vier Minuten. Wer es schafft, die Hände vier Minuten hochzuhalten, darf uns gleich bei der Autogrammstunde ein Bier ausgeben!“ Dieser Ansage folgte das obligatorische „Wir Sind Allein“, bei dem Holly in den Fotograben sprang und von dort aus das Publikum singen ließ. Sobald die letzten Takte dieses Songs verklungen waren, brandeten laute „Zugabe“-Rufe auf, die sogar mit einem Medley aus „Rapunzel“ und „Song 2“ (welches im Original von Blur stammt) erhört wurden. Cellist Benni Cellini und Violinist M. Stolz nutzten die Gunst der Stunde, um selbst ein wenig Crowdsurfing zu beitreiben. Bevor die Letzte Instanz dann die Bühne endgültig verließ, verkündete Holly noch abschließend: „Vielen Dank Summer Breeze! Es war uns eine Ehre!“ Den darauf folgenden Rufen nach einer erneuten Zugabe, konnte leider nicht stattgegeben werden.

Wahnsinnig ausgelassene Stimmung herrschte bei Ensiferum von den ersten Takten an. Dies mochte aber kaum jemanden verwundern, denn die Männer mit den entblößten Oberkörpern, den langen Haaren und Röcken rockten sich wie die wilden Vandalen durch ihr Set. So flogen eine geschlagene Stunde lang lange Männer-Mähnen im Kreise, es wurde gesungen, gegrölt und einfach nur gefeiert.

Das Publikum musste gar nicht großartig animiert werden, es rockte von sich aus kräftig mit und es schien, als würden sich Band und Zuschauer bei Stücken wie „Twilight Tavern“ gegenseitig immer weiter aufputschen. „Guten Tag Summer Breeze! How is everyone doing today?“, begrüße Sänger Petri Lindroos schließlich die wilde Menge vor der Main Stage. Auch bei diesem Auftritt kam der Wasserschlauch der Security-Leute kaum zur Ruhe. Immerhin galt es, erhitzte Metaller zu kühlen, damit diese den Aufforderungen des Frontmannes nachkommen konnten, welcher forderte „Let me see those hands in the air!“ und schließlich sogar wissen wollte, ob man bereit für ein Moshpit sei. Aber was ein wahrer Metaller ist, ist natürlich immer bereit zum Moshen. Neben ganz alten Songs vom ersten Album bot die Band auch Nummern vom aktuellen Release „From Afar“ dar. So unter anderem das wild rockende „Stone Cold Metal“. Immer wieder wurden erneute Rufe nach Wasser laut, obwohl eigentlich niemand vor der Bühne noch einen trockenen Fleck am Körper hatte. Aber wer tanzt, braucht auch Abkühlung. Bei „Blood Is The Price Of Glory“ zeigte sich erneut, dass ein richtiges Publikum nicht erst durch die Band zum Mitklatschen gebracht werden muss, sondern dass es auch von ganz allein Stimmung verbreiten kann. Aber auch noch so viel Feierlaune kann das unweigerliche Ende eines Auftrittes nicht vermeiden und so verließen Ensiferum die Main Stage nach einer Stunde, aber nicht, ohne sich richtig verabschiedet zu haben: „Thank you! Have a good day, a good night, what ever! Danke schön!“ Trotz lang anhaltender „Zugabe”-Rufe gab es leider kein Wiedersehen mit den Finnen.

Etwas ruhigere Klänge schlugen die Gothic-Rocker von End Of Green an. Bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es für die Jungs und ihre Fans etwas zu feiern. Nämlich den Release ihres neuen Studio-Albums „High Hopes In Low Places“, welches ab Mitternacht am Metal.de-Stand erhältlich war.

Obwohl somit die Nacht für End Of Green wahrscheinlich recht lang war, zeigte sich das Quintett recht ausgeschlafen und so begrüßte Sänger Michelle Darkness das Publikum vor der Pain Stage mit einem tiefen „Oh yeah!“ und ließ dieses dann eintauchen in seine Welt der düsteren Klänge. Mit Ausnahme des Frontmannes, der eher unbeweglich hinter seinem Mikro stand, rockten End Of Green ordentlich ab und fanden somit auch ziemliche gute Ansprache im Publikum. Leider hätte der Gesang ein wenig lauter sein können, aber nichtsdestotrotz wurden Stücke wie „Dead City Lights“ begeistert aufgenommen. Natürlich aber bildete die Singles „Kill Honey“ eines der Highlights, bei dem sich sehr viele Crowdsurfer zeigten. Besorgt um das Wohlergehen der Menge forderte Michelle Darkness diese auf: „Drink …Water!“ Leider konnte man ihn öfters, obwohl er meist Deutsch sprach, nicht allzu gut zu verstehen, da seine Aussprache ein wenig undeutlich erklang, wodurch leider einige Ansagen untergingen. Stattdessen nahm er sich die Freiheit, während der gesamten Show einige Zigaretten zu rauchen. Und das, obwohl er gleichzeitig Gitarre spielte. Das muss man erstmal hinbekommen … Mit der Frage „Wollt ihr noch einen?“ wurde dann der letzte Song der Düsterrocker eingeleitet, bei welchem es sich um „Death In Veins“ handelte. Unter nicht stattgegebenen „Zugabe“-Forderungen verließen End Of Green anschließend die Bühne.

Einen sehr direkten Einstieg lieferten Hypocrisy. Ohne groß zu zögern, fackelten sie auf der Main Stage von der ersten Sekunde an ein Death-Metal-Feuerwerk vom Feinsten ab.

Dabei tummelten sich nicht nur auf der Bühne so einige Headbanger, die gemeinsam ihre Mähne schüttelten. „Summer Breeze how your fucking doing?”, erkundigte sich Sänger Peter Tägtgren und wunderte sich über die Reaktionen der Menge. „Oh, we got feedback!“ Jedenfalls stellte er fest “I think it’s time to go insane!” Das ließ sich natürlich keiner zweimal sagen und somit wurde „Pleasure of Molestation“ zu einem wahren Headbanger-Fest. Kein Wunder also, dass sich die Band sehr wohl fühlte und sich darüber freute wieder zurück beim Summer Breeze zu sein. Insgesamt vier Mal legte die Band zwischendurch eine kurze Pause ein, in der sie allem Anschein nach die Gitarren stimmen musste. Dies aber tat weiteren Killergranaten wie „Adjusting The Sun“ und „Killing Art“ keinen Abbruch. „Take care of yourself, alright?“, wies Peter Tägtgren die erhitzte Menge schließlich an. Selbstverständlich soll es bei solch einem Event auch keine Verletzten geben. „Let’s see, if we can get a fire in the sky“, wurde daraufhin der folgende Song mit gleichnamigem Titel angekündigt. Während die Schweden ihre Show zelebrierten, brach die Dunkelheit über das Summer Breeze herein. Dadurch kam die Lightshow von Hypocrisy besonders zur Geltung. Nebelmaschinen sorgen für reichlich Dunst auf der Main Stage, welcher in die Nacht hinaus entwisch. Gleichzeitig hüllten Scheinwerfer Bühne mit ihren Strahlen in buntes Licht, welches aufgrund des Nebels sogar recht weit über die Bühnengrenze hinausgetragen wurde und dem ganzen Spektakel eine gigantische Wirkung verlieh. Mit den Worten „Thank you! Got one last for you!“ wurde das Ende der recht langen Spielzeit von 75 Minuten eingeleitet. Im Anschluss an die letzte Nummer bedankte sich Peter Tägtgren nochmals: „Thank you very much! We love you! Let’s take a fucking picture!“ Daraufhin wurden natürlich sofort tausende Hände in die Luft gereckt, was die Band mit einer Kamera festhielt. Unter „Zugabe“-Rufen verließen Hypocrisy im Anschluss daran die Bühne, um nochmals zurückzukommen und Plektren und Drum-Sticks in die Menge zu werfen.

Zu schon recht vorgerückter Stunde betraten Watain die Bretter der im Zelt gelegenen Party Stage. Brennende, auf dem Kopf stehende Kreuze am Rand der Bühne, sowie ebenfalls brennende Dreizacke an der hinteren Bühnenwand ließen bereits, bevor die ersten schwarzen Klänge aus den Boxen rollten, erahnen, dass nun eine schwarze Messe vom Feinsten zelebriert werden sollte. Zunächst wurde die Bühne in dichten Nebel gehüllt, der sich lange über der Band hielt und nur ihre Silhouetten erkennen ließ. Zusammen mit dem schnell flackernden Licht der Bühnenscheinwerfer wurde so der Eindruck vermittelt, sich in einem bösen Albtraum zu befinden. Die Schwarzen Jünger unmittelbar vor der Bühne schienen sich davon auf jeden Fall sehr angesprochen zu fühlen, sah man dort doch beständig Haare fliegen. Wieder andere schienen eher verschreckt und verließen, von den Black Metal-Klängen der Schweden in die Flucht geschlagen, das Zelt. Die Ansagen von Sänger Erik Danielsson waren meist schlecht zu verstehen, da auch Watain unter dem Phänomen litten, dass in Zelten oft der Sound der besonders harten Bands schnell etwas matschig daher kommt. Aber trotz aller Widrigkeiten feierten die wahren Black Metal-Jünger im Publik um ihre Band und deren Songs wie beispielsweise „Wolves Curse“ ab. Leider war trotz der späten Spielzeit die Dauer dieses faszinierenden Spektakels auf gerade mal 45 Minuten begrenzt.

Für Festivalverhältnisse quasi in den frühen Morgenstunden betraten die Italiener von The Foreshadowing die Bretter der Main Stage, um mit ihren schweren Klängen das Summer Breeze aufzuwecken und auf den letzten Festivaltag einzuläuten.

Tatsächlich versammelten sich bereits um 11.35 Uhr einige Leute vor der Bühne, um sich in die düsteren Klanggefilde des Quintetts entführen zu lassen. Davon abgesehen, dass die Menge insgesamt noch recht überschaubar blieb, war die Stimmung schon ganz anständig und so wurden zu den Klängen von „Outsiders“ und „Chant Of Widows“ schon ordentlich die Köpfe kreisen gelassen.

Da die Sonne besonders in den Mittagsstunden erneut erbarmungslos vom Himmel brannte, erklangen vor dem Auftritt der A Capella-Metaler Van Canto laute „Wasser“-Rufe vor der Main Stage. Daraufhin betrat mit Ross einer der zahlreichen Sänger die Bühne und warf dem Publikum einige Wasserflaschen zu. Da diese aber natürlich nicht ausreichten, um jeden der Anwesenden zu erfrischen, griffen die Security-Leute auch an diesem Tag zu ihren Feuerwehrschläuchen, um die Menge nass zu spritzen.

Als sie die Wasserzufuhr abstellten, wurden augenblicklich „Zugabe“-Rufe laut. Zunächst aber begannen Van Canto mit ihrer faszinierenden und mitreißenden Show. Dabei bemerkte Lead-Sänger Sly: „Es ist so geil, hier zu sein! Macht mal Krach!“ Und Lead-Sängerin Inga ergänzte: „Wir werden euch die nächsten Minuten mit gitarrenloser Musik unterhalten. Hier ist eine Anleitung, wie man einen Metal-Song singt.“ Dieser Ankündigung folgte das Stück „To Sing A Metal Song“. Obwohl sich keine einzige Gitarre auf der Main Stage befand, hatten die Metalheads vor der Bühne wahnsinnig viel Spaß. Keiner schien die Saiteninstrumente zu vermissen. Aber kein Wunder, immerhin sind Van Canto in der Lage, allein mit ihren Stimmen Klänge zu erzeugen, die Metal-Bands mit „echten“ Instrumenten in nichts nachstehen. Und so musste Sly feststellen, dass es zwar noch früh am Morgen war, aber sich dennoch, soweit die Augen reichten, wahnsinnig viele Leute vor der Main Stage versammelten. „Das ist großartig! Vielen Dank!“, gab er seiner Begeisterung Ausdruck. Fast schon entschuldigend fügte er hinzu, dass er festgestellt hatte, dass das Banner der Band zu klein für die Bühne des Summer Breeze war. Aber immerhin sind Van Canto es bisher auch „nicht gewohnt, auf großen Bühnen zu stehen!“ Dafür lieferten sie allerdings eine absolut professionelle Show, während der sie neben eigenen Songs wie „The Mission“ auch Coverversionen bekannter Metal-Bands darboten. Unter diesen fanden sich „The Bard’s Song“ von Blind Guardian, mit denen die Band demnächst auf Tour gehen wird sowie ein Stück von Grave Digger oder ein kurzer Ausschnitt von „Master Of Puppets“, welches im Original von Metallica stammt. Aber auch das Publikum wurde in die Pflicht genommen: „Wer sich eine Metal-A Capella-Band anguckt, hat prinzipiell Lust zum Singen!“ Die überwältigenden Reaktionen der Menge beeindruckten die Band offensichtlich und so bemerkte Sly „Geiles Wetter, geile Fans! Großartig!“ um hinterher hinzuzufügen „Wir müssen euch was gestehen: Wir sind voll die eitlen Poser und weil der Ausblick so geil ist, müssen wir ein Foto davon machen! Rückt mal bitte was zusammen und nicht blinzeln! Das sieht doof aus!“ Auch wenn es mit dem Zusammenrücken aus Platzgründen nicht so klappte und bestimmt doch der ein oder andere geblinzelt hat, wird es sicherlich ein sehr beeindruckendes Bild geworden sein. Nach dem letzten Song, bei dem es sich um „Fear Of The Dark“ von Iron Maiden handelte, bedankte sich die Band mit den großzügigen Worten „Vielen dank Summer Breeze. Ihr ward großartig und jetzt dürft ihr euch wieder ins Bett legen!“ Darauf hatte aber keiner mehr so richtig Lust und sofort wurden Forderungen nach weiteren Songs laut, auf welche aber nicht mehr eingegangen werden konnte.

Zu harten Trommelklängen betrat eine der wenigen Frontfrauen des diesjährigen Summer Breeze mit Leaves’ Eyes die Bretter der Pain Stage. Sängerin Liv Kristin und ihre Mannen verstanden es, das Publikum von Anfang an mitzureißen. Besonders Schreihals Alexander Krull befand sich beständig in Kommunikation mit der Menge: „Wo sind eure Hände? Alle nach oben!“ Diese dankte es ihm mit ausgelassener Stimmung. Daher kam der Frontmann nicht drum herum, zu bemerken „Es ist super, hier zu sein!“ Beständig verlangte das schwer rockende Publikum nach Wasser. Daraufhin stellte Liv fest: „Also heute wird es nicht mehr regnen. Ich hoffe, ihr haltet es noch aus in der Hitze. Also ich hab mich schon eingecremt. Diese nordische Haut …“ Die Security-Leute dagegen kamen den „Wasser“-Wünschen auf effektivere Weise nach, indem sie regelmäßig den Wasserschlauch auspackten und die erhitzten Rocker nass spritzten. Die Band hatte auf ihrer gerade beendeten Europa-Tour einen kleinen Wettbewerb gestartet, der natürlich auch beim Summer Breeze fortgesetzt werden sollte. Dabei ging es darum, welches Publikum das Lauteste in Europa ist. „Letztens waren wir in England. Im Fußball haben wir sie schon platt gemacht. Wir können doch nicht zulassen, dass England jetzt gewinnt!“, spornte Alexander Krull die Menge an, die selbstverständlich mit so lautem Geschrei antwortete, dass die Engländer dagegen bestimmt alt ausgesehen hätten.

Aber auch die Songs trugen nicht wenig zur guten Stimmung bei. So gaben Leaves’ Eyes unter anderem „My Destiny“ sowie „Take The Devil In Me“ zum Besten und auch auf der Bühne selbst stand niemand still. Besonders der männliche Teil der Band headbangte, was das Zeug hielt. Da das Verlangen nach Erfrischung, trotz beständiger Bemühungen der Security-Leute, nicht abriss, warf Liv schließlich mit den Worten „Vielen Dank, ihr seid super! Hier ist Wasser!“ dem Publikum einige Flaschen zu. Eines der Highlights der Show bildete der Hit “My Elegy”, nach welchem Liv begeistert feststellen musste: „Breeze, wir lieben euch! We love you!“ Nach einer dreiviertel Stunde mussten Leaves’ Eyes schließlich die Pain Stage räumen. Dies taten sie aber nicht, ohne dass Alex dem Publikum die  Worte „Ich danke euch meine Freunde von ganzen Herzen!“ mit auf den Weg gab und Liv noch hinzufügte: „Vielen Dank! Es war ein wunderbares Heimspiel!“

Auf der Main Stage brach trotz brennender Sonne mitten am Nachmittag eine „Eiszeit“ herein, als Eisbrecher mit Eispickeln bewaffnet die Bühne betraten. Mit ihrem Industrial-Rock stellten sie einen recht großen Kontrast zu den meisten anderen Bands des Summer Breeze dar, aber nichtsdestotrotz kam ihr nicht ganz so harter Sound auch bei den harten Rockern sehr gut an. Es schien, als seien einige Leute im Publikum, die die Band bereits länger kannten, denn Sänger Alexx (der als zweites Standbein eine Serie bei DMAX namens „Der Checker“ hat) las ein Schild vor, welches ein weiblicher Fan hochhielt, und auf dem stand: „Checker, ich will ein Kind von dir!“ Dies konnte natürlich nicht unkommentiert bleiben: „Ich habe Tschernobyl miterlebt, im Sand gespielt und Sand gegessen. Daraus wird nichts. Hab ich ein Glück und ihr ein Pech!“, erklärte der absolut nicht auf den Mund gefallene Frontmann. Weiter ging es mit „Angst“, nachdem Alexx feststellen musste, dass „der Süden rockt. Wir sind in Bayern. Ich hoffe, das macht nichts.“, womit er sich eindeutig gegen das in Bayern herrschende strenge Rauchverbot aussprach. Die Überleitung von „Willkommen Im Nichts“ zum nächsten Song geriet dem Sänger etwas eigenwillig, aber wer ihn kennt, wundert sich nicht über Kommentare wie „Gwar (Headliner der Pain Stage am Vortag) hab ich auch mal gesehen. Die haben größere Schwänze als wir. Leider!“ Da man sich auf einem Metal-Festival befand, warnte der glatzköpfige Frontmann die ganzen harten Rocker vorsorglich vor, als er „Schwarze Witwe“ anstimmen wollte, denn angeblich sollte dieser Song ein Pop-Song sein. Schließlich können Eisbrecher „alles“ spielen: „Rock und Pop!“ Allerdings konnte man kaum sagen, dass dieses Stück wesentlich poppiger war als der Rest des Sets. Dementsprechend gut kam es dann auch an, was Alexx „ja nett“ fand. Immerhin „haben wir schon ganz andere Sachen erlebt. Wir wurden verspottet – manchmal zu Recht …“ Aber Selbsterkenntnis soll ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung sein. Auch missionarische Arbeit ließ sich der Checker nicht verwehren und somit erkundigte er sich: „Wer ist noch in der katholischen Kirche?“ Zu denen, die sich daraufhin meldeten (ja, es gibt auch Metaller, die noch in die Kirche gehen!!!) sagte er: „Ihr müsst austreten!“ Nach dem folgenden „Heilig“ stellte der Sänger das Crew-Mitglied Dodo vor. „Ohne eine Crew ist eine Band nichts wert. So, das waren jetzt deine 15 Sekunden Fame. Jetzt musst du wieder leiden. Aber für seine vier Euro die Stunde macht er das gern. Ihr seht, ich bin gegen Mindestlöhne. Also wählt mich bloß nicht!“ Das sich anschließende „This Is Deutsch“ wurde in einem „typisch Bayrischen“ Outfit mit Lederweste und dazu gehörigem Lodenhut vorgetragen. Für „Amok“ musste die Bühne etwas umgeräumt werden, denn bei diesem Stück trommelte die gesamte Band mit Ausnahme des Sängers auf vier Blechtrommeln. Dieser besondere Einsatz hinterließ aber seine Spuren bei den Musikern, denn einer der Bandmitglieder verletzte sich an der Stirn, als er seine Trommel auf ihren Platz bringen wollte. „Das ist echtes Blut bei ihm auf der Stirn!“, erklärte Alexx, damit auch ja niemand auf die Idee kommen konnte, dass es sich um Kunstblut handelte, welches bekanntermaßen bei manch anderen Bands ganz gerne mal verwendet wird. „Ein letztes Lied. Habt ihr Lust?“, wollte der Checker schließlich wissen. Natürlich hatte das Publikum Lust und somit gab es als Finale der kalten Jungs „Miststück“ auf die Ohren, bei welchem der Sänger von der Bühne sprang und einige Leute aus der ersten Reihe ins Mikro singen ließ. Bei so viel persönlichem Einsatz müssen ja zwangsläufig Rufe nach einer Zugabe laut werden. Aber auch in diesem Fall gab es keine zusätzlichen Songs mehr. Der Fluch der Festivals …

Setlist Eisbrecher:

  1. Eiszeit
  2. Angst
  3. Phosphor
  4. Willkommen Im Nichts
  5. Leider
  6. Schwarze Witwe
  7. Heilig
  8. This Is Deutsch
  9. Amok
  10. Miststück

Dass Sepultura bereits sehnsüchtig erwartet wurden, war unverkennbar, denn, bereits bevor die Brasilianer die Bühne betraten, erschollen laute Chöre, die den Namen der Band ausriefen. Ebenfalls sah man einige Brasilienflaggen im Publikum, welche in freudiger Erwartung geschwenkt wurden. Die Band ließ sich dann auch nicht lange bitten und betrat um 18 Uhr zu den Klängen eines instrumentalen Intros die Main Stage. Auch bei dem ersten Stück, das die Mannen um Frontmann Derrick Leon Green auf ihren Instrumenten spielten, handelte es sich um einen Instrumental-Song, nach welchem schließlich ein Trash-Metal-Feuerwerk der Extraklasse abgefeuert wurde, wie es eben nur Sepultura vermögen. Zu Beginn legte die Band dabei besonderen Wert darauf, die Stimmung im Publikum immer weiter anzuheizen, indem sie exzessiv einen Song nach dem anderen aus den Boxen feuerten und zunächst auf Interaktion mit der Menge relativ verzichteten. Als sich vor der Bühne nur noch eine tobende Menschenmasse befand, begrüßte Gitarrist Andreas Kisser diese schließlich: „Hallo Summer Breeze! This is a wonderful day! I see the Brasilien Flags!“ Diesen Worten fügte er noch etwas auf Brasilianisch hinzu, was aber die meisten Anwesenden wahrscheinlich nicht verstanden haben. Nach der Erklärung der Band, dass der nächste Song mit einem Circle Pit sei, stand fast niemand im unmittelbaren Bereich vor der Main Stage still. Dass ein solches Publikums-Feedback nicht unkommentiert bleiben darf, ist klar. „Danke schön Summer Breeze! Wie geht es dir? Alles gut? Nein, alles sehr gut? Do you like my German? I’m working on it!“ Mit diesen Worten zog Schreihals Derrick Leon Green die Sympathien der Anwesenden ganz klar auf seine Seite. Auch Crowdsurfer dürfen bei solch einem stimmungsvollen Set natürlich nicht fehlen und so zitierte der Frontmann passend zum Festival einen alten Song von Seals & Crofts: „Summer Breeze makes me feel fine, blowin’ through the jasmine in my mind.” Für die positive Publikumsresonanz bedankte er sich schließlich mit den Worten: „Danke schön! You guys are still there and not tired! We make an experiment that you move a bit more, ok?” Auf diese Weise forderte er die Menge zu erneuten Moshpits auf. Einigen Anwesenden aber schien die Sache so langsam etwas zu heftig zu werden, denn man konnte beständig beobachten, dass einige Leute die wilde Meute verließen. Der größte Teil der Anwesenden hatte aber dennoch jede Menge Spaß, sodass Derrick letztendlich verkündete: „Alright people. We have one more song for you.“ Aber bevor die Band mit diesem loslegte, wollte man erst sichergehen, dass die Menge vor der Main Stage auch lauthals mitsingen würde. Um das zu erreichen, ließ Derrick die Anwesenden ganz laut schreien. Mit dem Ergebnis schien er sehr zufrieden zu sein und somit folgte der Kracher „Roots Bloody Roots“, bei dem wirklich niemand mehr stillstand. „Danke schön für alles! You guys are the best!“ Mit diesem Ausruf verabschiedeten sich Sepultura von ihren Anhängern. Sobald die Brasilianer die Bühne verlassen hatten, erhoben sich „Olé oléoléolé Sepultura olé“-Gesänge.

Für 20:10 Uhr war ein mysteriöser Surprise Act in der Running Order vorgesehen. War zunächst das Rätselraten noch groß, wer dies denn sein könnte, sprach sich doch recht bald rum, dass es sich hierbei um einen Künstler der etwas anderen Sorte handeln sollte: Bülent Ceylan, deutsch-türkischer Comedian und selbst bekennender Headbanger. Sollten einige Leute daran gezweifelt haben, ob Comedy auf einem Metal-Festival wie dem Summer Breeze überhaupt funktionieren würde, wurden deren Bedenken bereits zerstreut, bevor Bülent Ceylan die Main Stage betrat, denn es erschollen wenige Minuten vor Beginn seiner Show lautstarke „Wir woll’n den Türken sehn“-Chöre. Als dann die ersten Takte seiner metal-lastigen Auftrittsmusik erklangen, gab es kein Halten mehr und fast jeder im Publikum schüttelte seine Mähne, als würde es sich bei dem Auftritt dieses Künstler ebenfalls um den Auftritt einer Metal-Band handeln. Der Comedian selbst, der ein Shirt mit der Aufschrift „Headbanger“ trug, stellte direkt mal unter Beweis, dass auch Türken wissen, was man mit langen Haaren zu machen hat, bevor er mit den Worten „Dinkelsbühl, ihr seid geil!“ die Menge begrüßte. Obwohl eigentlich jedem bereits klar gewesen sein muss, welche musikalische Vorlieben Bülent Ceylan so pflegt, erklärte dieser vorsichtshalber nochmal: „Ich muss euch warnen, ich bin Rocker und kein Hip-Hopper!“ Dieser Aussage wurde verständlicherweise schallender Applaus gespendet. Daraufhin schlüpfte der Comedian in die Rolle von „Hausmeeschder“ Mompfred Bockenauer, welcher, trotz der guten Publikumsresonanz, „so aggressiv“ war. Aber so kennt man ihn schließlich auch den Mompfred. In seiner zwanzigminütigen Show, zu der er „ohne Band, nur mit CD-Player“ gekommen war, erklärte der „Monnemer“ allen, die es nicht wussten, warum eine Wasserpumpenzange in Wirklichkeit „Pumpenwasserzang“ heißt, dass die Türken bereits vor den Ossis in Deutschland gewesen sind und vor allem stellte er fest, dass „Dinkelbülent“, wie er den Ort des Geschehens spontan umbenannte, eigentlich Hauptstadt von Deutschland werden müsste, da die anwesenden Leute „so geil“ seien. Dabei steigerte sich Mompfred teilweise so sehr in seinen Vortrag, dass er immer mal wieder erschrocken innehielt und zugeben musste, dass „die Tabletten nicht immer wirken“(, die er angeblich gegen seine Aggressionen nimmt). Dennoch war das Publikum wahnsinnig begeistert und forderte plötzlich lautstark im Chor „Wall of Death! Wall of Death!“, was der „Hausmeeschder“ aber mit einem „Halt die Gosch!“ schnell abschmettert, der Menge aber zugestand: „Mir doch scheißegal, wer hier nach kommt, ich mach so lang, bis ich verreck!“ Außerdem verkündete er, dass Bülent Ceylan der erste Türke ist, der ab Februar in seine eigenen Metal-Comedy-Show zeigen wird, dass „ihr Metaller nicht, wie die da draußen denken, aggressiv seid und schlagt die Leut sondern, dass ihr geil seid!“ Diese Aussage gipfelte selbstverständlich in lauten Jubel, der in „Bülent! Bülent!“-Rufe überging, in die Mopfred natürlich reinbrüllte „Ich bin der Mompfred!“, woraufhin, die Rufe sofort in „Mompfred! Mompfred!“ umschlugen. Mit den Worten „Ich hab ein Lied“ und an seinen Techniker gewandt „Hey Pole, ist das mein Mikro?“ schickte sich der „Monnemer“ an, nochmal ausdrücklich zu beweisen, dass er auf einem Metal-Festival definitiv nicht fehlplatziert ist. Und so schmetterte er seinen, teilweise an Rammstein erinnernden Song „Hausordnung“ von der Bühne, womit er eindrucksvoll zur Show stellte, dass Bülent Ceylan, in den er sich nach und nach wieder zurückverwandelte, nicht nur wahnsinnig lustig ist sondern dass er auch singen kann. Für das Publikum war das eine einmalige Gelegenheit, während einer Comedy-Nummer zu headbangen und zu moshen und sogar ein Crowdsurfer ließ sich blicken. Die überwältigenden Reaktionen des Publikums auf seine außergewöhnliche Show, schienen den Comedian immer mehr aus der Fassung zu bringen, sodass aus Mompfred immer wieder ungewollt Bülent Ceylan wurde und dieser schließlich eingestehen musste: „Ihr seid so geil, dass es mir schwer fällt, in der Rolle zu bleiben!“ Zumal er zunächst, wie er zugab, Bedenken hatte, ob eine Comedy-Show auf einem Metal-Festival überhaupt ankommen würde. Als Abschluss seiner Nummer erklärte Bülent, dass er noch einen neuen Charakter entwickelt habe und sich nicht sicher ist, ob er eine Nummer daraus machen soll. Daher wollte er sich dazu gerne eine Rückmeldung vom Summer Breeze einholen. Dieser neue Charakter trägt die langen Haare vor dem Gesicht und eine Brille auf der, durch die Haare nicht sichtbaren, Nase, heißt Günther und hat einen deutschen Vater und einen Yeti als Mutter. Das Urteil des Publikums war jedenfalls eindeutig: „Mach ne Nummer draus! Mach ne Nummer draus!“, erschallte es aus tausenden Kehlen. Bevor der Deutsch-Türke sich schließlich anschickte, die Bühne zu verlassen, überlegte er, dass er doch eigentlich auch mal crowdsurfen müsste, da er dies noch nie ausprobiert habe und das Summer Breeze eine einmalige Gelegenheit dafür bot. Das sah die Menge ganz genauso. Ein wenig ängstlich, da er fürchtete, fallen gelassen zu werden, kletterte Bülent Ceylan aber schließlich wirklich über die Absperrung und ließ sich auf Händen tragen. Das funktionierte auch sehr gut. Zumindest ließ ihn niemand fallen. Aber als er zur Bühne zurück wollte, wurde es etwas schwierig, da ihn niemand in Richtung Main Stage zurückreichen wollte, obwohl er wild in deren Richtung gestikulierte. Daher musste er letztlich selbst die Initiative ergreifen, drehte sich auf den Bauch und schaffte es so, sich zurück zur Bühne zu steuern. Danach verließ er völlig geplättet von der gigantischen Publikumsresonanz die Main Stage.

Ganz ohne Umbaupause kehrt man mit Sick Of It All und ihren Hardcore-Klängen zum normalen Festival-Programm zurück Von Anfang an herrschte gute Stimmung, was aber kaum verwunderlich wahr, immerhin hatte Bülent Ceylan der Meute schon ordentlich eingeheizt. Sofort bildeten sich einige kleine Moshpits und viele Crowsurfer nutzten noch einmal die Gunst der Stunde, um sich auf Händen tragen zu lassen. „Who sees Sick Of It All for the first time?”, wollte Sänger Lou Koller wissen, wobei sich herausstellte, dass es für viele der Anwesenden das erste Mal war, dass sie das Vergnügen hatten, die New Yorker Jungs live zu erleben, was mit „Oh shit, so many!“ kommentiert wurde. Dafür wurden diejenigen, die die Band bereits besser kannten in die Pflicht genommen und dazu aufgefordert, ordentlich mitzusingen, was aber nicht immer so gut funktionierte. Dagegen wurde der Aufruf zum Circle Pit um so begeisterter aufgenommen, sodass die Menge bei „Step Down“ einem wilden Hexenkessel glich. Aber so ganz zufrieden war Lou Koller immer noch nicht, denn er verkündete, dass er mit Sick Of It All bereits seit 1992  auf Festivals spielen würde und dass er es vermisse, dass die gesamte Menge gemeinsam springen würde. Diese kam dem Appell dann auch weitestgehend nach. Abschließend verkündete der Frontmann noch, dass die Band im kommenden Jahr 25-jähriges Bandjubliäum habe und sie die gesamte Zeit bis dahin ohne Unterbrechung aktiv gewesen sei. Diese wahnsinnige Leistung wurde denn auch ordentlich mit einem fetten Applaus honoriert. Als Sick Of It All schließlich die Bühne verließ, hinterließen sie somit ein gut gelauntes Publikum, das sich schon voller Anspannung auf den Headliner der Main Stage freute.

Bei dem Headliner handelte es sich um die Finnen von Children Of Bodom. Diese wurden stilgerecht mit „Bodom“-Rufen frenetisch begrüßt. Mit Melodic Death Metal-Granaten wie „Hatebreeder“ oder „Kissing The Shadows“ brachten sie die Menge zum Toben, sodass die Security-Leute im Sekundentakt Crowdsurfer in Empfang nehmen mussten. Dennoch fragte Alexi Laiho: „Are you having a good time? I can’t hear you!” Dies schien aber dennoch der Fall gewesen zu sein, denn schließlich musste der Finne feststellen: “Thank you so much! You’re amazing, Jesus fucking Christ!“ Vor der Bühne herrschte aber auch der absolute Ausnahmezustand. Hatten sich die Leute bei Sepultura und Sick Of It All noch zurückhalten können, war dies nun absolut nicht mehr möglich und jeder, dem noch ein winziges bisschen Platz blieb tanzte, bangte und pogte. Somit war die Frage „Summer Breeze, wie geht es euch?“, die Keyboarder Janne stellte, eigentlich überflüssig. Aber wenn Finnen Deutsch sprechen, erfüllt das an sich schon das Metaller-Herz mit Freuden. Mit den Worten „I’m fucking happy to play for you!“ erklärte Alexi auf einmal, dass sie nun einen Song spielen würden, den Children Of Bodom normalerweise nicht live spielen. Dabei handelte es sich um „Needled 24/7“, welches entsprechend euphorisch aufgenommen wurde. Eine weitere Überraschung sorgte das plötzlich erklingende Intro des berühmten „Jump“, das aus der Feder von Van Halen stammt. Aber leider wurde dieses nicht weiter ausgeführt, da es stattdessen mit „some old school Children Of Bodom“ weiter gehen sollte. Um die Menge abschließend noch ein wenig zu motivieren, erklärte der Frontschreihals: „ I wanna see you motherfuckers in the motherfucking sky!“ Daraufhin reckte jeder, dem dies noch möglich war, seine Hände in die Luft, was einen wirklich gigantischen Anblick bot. Mit den Worten: „Thank you motherfucking much!“ verließen die Finnen schließlich die Bühne und beendeten damit das Programm auf der Main Stage.

Dies aber bedeutete nicht, dass das Summer Breeze nun zu Ende gewesen wäre. Im Gegenteil. Auf der Pain Stage ging es noch eine Stunde lang mit My Dying Bride weiter während auf der Party Stage im Zelt gerade Eisregen spielten. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, wie schwachsinnig es ist, bei Open Air-Festivals einzelne Bühnen in Zelte zu packen, denn die Location war vollkommen überfüllt. Um das Zelt herum stand eine große Masse an Menschen, die sich wahrscheinlich gerne Eisregen angesehen hätten und sich so lediglich mit den Klängen von Stücken wie „1000 Tote Nutten“ zufrieden geben mussten, welche aber leider auch wieder von der Musik verschiedener Einkaufs- und Essensständen in unmittelbarer Nähe übertönt wurden. Für viele war dies sehr ärgerlich, aber dennoch kein Grund, bereits auf den Zeltplatz zurückzukehren, denn auf der Party Stage wurde schließlich noch bis 4:00 Uhr morgens gerockt. Erst danach ging ein grandioses Festival endgültig zu Ende, welches seinem Namen alle Ehre machte – Summer Breeze!

Bericht:
Kerstin Tschöpe / V.U.

Fotos:
Markus Horne / V.U.

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