Grandiose Stimmung beim Trebur Open Air 2010 – trotz Ill Niño Absage

Die 3 Tage des 18. Trebur Open Air (TOA) am vergangenen Wochenende waren ein voller Erfolg.

Nach der kurzfristigen Absage von „Ill Niño“ wegen der Verletzung des Sängers Christian Machado und dem Ersatz durch „Caliban“ gab es zunächst ein paar enttäuschte Gesichter bei den Besuchern. Jedoch gaben ganze 5 Besucher deswegen ihre Eintrittskarte zurück, alle Anderen Ill Niño Fans machten genau das Richtige und blieben.

Das Besondere am Trebur Open Air sind die Bands die einen unglaublich bunten Musikstilmix bieten in einem kleinem, fast familiären Rahmen. Und so bringen Eltern ihre kleinen Kinder mit, Metalheads ihre Ska-Freunde und so weiter ….

Auf dem Festivalgelände sorgten die Profis von der Batschkapp-Security und auf dem Campingplatz Security-Jugendliche, die sich in der Ausbildung zu Sicherheitskräften befinden, für Ordnung. Jedoch nicht allein deswegen kam es zu keinen Problemen zwischen den Besuchern, es lag auch an der allgemein tollen Stimmung des Wochenendes. So konnten sich die insgesamt 3000 Besucher und die 1500 Camper ganz relaxt auf die begeisternde Musik und sonstige Vergnügen konzentrieren. Bei erstklassigem Wetter war auch das direkt zwischen dem Campingplatz und Festivalgelände gelegene Freibad sehr gut besucht. Was allerdings kein Wunder war: mit Festivalbändel kam man für 1€ rein, Benutzung der Duschen und Toiletten mit eingeschlossen und dann gab’s dort ja noch den Bauchplatscher-Wettbewerb mit der Band Elfmorgen.

Am Freitag fing es auch gleich mit dieser Lieblingsband des TOA an, allerdings mit deren Akkustik-Set als „Kapelle Ostermann“ Gleich zu Beginn schaffte es die Rampensau Andy Schmaus die für die frühe Uhrzeit relativ zahlreichen Fans mitzureißen. Es gab die ersten Crowdsurfer und die berühmte „Schubkarre Of Death“. Ja ich gebe es zu, ich musste auch mitmachen – und mein Schädel blieb (noch) heil! Besonders die Mitgröl-Klassiker wie „RiBiDiBi DUB“ und „Oberlippenbart“ begeisterten die Fans. Wer bei dieser Band keinen Spaß hat, will keinen Spaß mit Musik haben.

Für mich ging es auf dem Campingplatz mit einem Bier und für ein paar Songs bei den „Wohnraumhelden“ auf ihrem Dreiradminilaster weiter. Zwei super Typen, die einfach ein Hingucker und Hinhörer sind.

Auf dem Festivalgelände gabs dann die Band „Eternal Tango“ aus Luxemburg, die ordentlich rockten und sich zeitweise etwas nach Indie anhörten, jedoch allein optisch keinesfalls zu diesem Genre zugerechnet werden sollten.

Hierzu passte eher die anschließende Band auf der Hauptbühne „The Intersphere“, die aber auch voll überzeugten. Eigentlich sah ich das gesamte Festival keine einzige Band, die mich und schon gar nicht ihre Fans langweilte.

Und so ging es dann weiter mit „Joe Blob And The Sixtyniners“ – der wohl lustigsten Coverband überhaupt, mit der Deutschrockband „Jupiter Jones“ – richtig gute Songs die richtig abgingen und mit der Berliner Band „Budzillus“ – hier wurde es vor der kleinen Bühne zu einer „Oriental Swing Punk Polka“ Party.

Als Headliner des Freitags kamen dann „Itchy Poopzkid“ auf die Hauptbühne, die besonders von den jüngeren Fans extrem abgefeiert wurden, jedoch auch für mich eine überzeugende Show ablieferten.

Als Late-Night-Special kam dann um 1 Uhr der Liedermacher „Götz Widmann“ auf die kleine Bühne. Was dieser Mann abliefert, muss man einfach mal gehört haben: grandiose, geistreiche, lustige Texte über Hasch, Frauen, Fußball und was sonst noch wichtig ist. Songs die sehr eindrucksvoll präsentiert wurden.

Am Samstag gab’s um 12 Uhr, also quasi zum Frühstück, Handkäs! Hiervon wurden 8kg mit 50l Äppler vom „Handkäs Ede und die Brezelmänner“ unter das Volk gebracht. Natürlich mit ordentlich „Mussig“. Diese gab’s doppelt: als Essig-Öl-Zwiebel-Marinade für den Handkäs und in Form von Punk-Cover mit Texten, die fast alle was mit Handkäs zu tun hatten. Sehr köstlich, beides!

Bei „Drowning Fate“ standen ein paar Jungs auf der Bühne die irgendwie nach Schülerband aussahen. Aber als sie loslegten, konnte einen die Kinnlade nach unten klappen: feinster emotionaler Prog-Rock! Ich freue mich auf ihr erstes Album.

Anschließend waren „Flying Eyes“ aus Baltimore, USA zu sehen und man fand sich in den guten alten 70ern wieder. Tolle eigene Songs die immer an irgendwas erinnerten ohne geklaut zu klingen. Dazu das entsprechende Outfit – allererste Sahne!

Bei „Jaya The Cat“ wurde es noch chilliger.  Diese Amsterdamer Band kommt mit einer coolen Mischung aus Reggae, Punkrock und Ska daher – am tanzen kommt keiner vorbei, da sich der Körper wie von selbst bewegt. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal den Song „Closing Time“ anhören – zumindest live der Oberhammer!

Mit „Raya“ ging’s dann richtig zur Sache. Spanischer Metal-Crossover aus der Schweiz mit der zierlichen Sängerin Lore die so derb abging – wow, wo gibt’s solche Drogen? Ne, Witz – die Frau hat einfach so extrem Power, um anschließend im Backstage wieder sehr nett und witzig zu plaudern. Sie war mit dem Gig, dem Festival und der Stimmung sehr zufrieden und deshalb super gelaunt.

Und die Band-Perlen reihten sich weiter:

Der Unterschied zu Raya war gewaltig, deshalb taten sich „Boppin’ B“  zunächst mit ihrem Rock N’ Roll – Rockabilly etwas schwer beim Publikum. Aber auch sie konnten mit einem tollen Programm, welches mit artistischen Einlagen um den superfreundlichen Kontrabasser Didi Beck gespickt war, die Leute begeistern.

Für viele war „Shes All That“ überraschenderweise der geilste Act. Vier Leute mit Altherren-Masken lieferten mit ihrem Mix aus Elektro, Drums, fettem Gitarrensound und einer kraftvollen Frauenstimme allerfeinste Dance-Music und eine fantastische Stimmung.
Berührungsängste oder Hemmungen kannte die Sängerin nicht. Immer im Kontakt zu den Fans, beim Crowdsurfing zeriss dann ihre Hose. Diese wurde einfach auf der Bühne etwas am Hintern getaped – ohne jegliche Pause.

Am vollsten war es jedoch an diesem Wochenende vor der Hauptbühne bei „Caliban“. Diese gingen gewohnt druckvoll zu Werke. Die Fans waren begeistert. Im Pitt wurde gepflegt gemosht und die für Caliban übliche Wall Of Death nahm fast den gesamten Platz vor der Bühne ein.

Am Sonntag ging’s etwas später los.

Diesmal begann mit „Malcom“ eine junge einheimische Band, die auf dem Zeltplatz mit eifrigem Musizieren bereits reichlich Werbung für sich gemacht hatte. Der Funke sprang über – für eine so junge Band eine geile Erfahrung.

Skafield“ war für mich die nächste Band. Der Name war Programm und der Frontmann puschte aufs heftigste, was vom Publikum sehr gut angenommen wurde.

At The Farewell Party“ taten sich erst etwas schwer, konnten sich jedoch steigern. Ihr Indie-Pop ist vielleicht nicht jedermanns Sache, jedoch ist die Musik niemals langweilig und absolut tanzbar.

Bei den „Emil Bulls“ war wieder die härtere Fraktion der Fans am Start. Es war sicherlich nicht das beste Konzert der Bulls, aber auch nicht das schlechteste – und dies ist noch immer eine amtliche Vollbedienung! Die Stimme von Christoph von Freydorf klang zunächst etwas angegriffen, was bei den Songs jedoch praktisch nicht mehr hörbar war. Der Moshpit war heftig aber sozial, auch als ich dabei eins auf die Nase bekam.

Mit „Elfmorgen“ kam mein persönliches Highlight des Wochenendes quasi zum zweiten mal auf die Bühne. Die Musik war druckvoll, spaßig, abwechslungsreich, persönlich und auch emotional. Das Wichtigste ist jedoch die unerhöhte Spielfreude der 3 die sofort auf die Fans überspringt. Andy schwätzte aus dem Nähkästchen, forderte zu echten Stagedives (über den Fotograben) auf. Letztlich war auch erstmalig seine 8 jährige Tochter Lili am Start. Dabei wurde der sonst zu jedem Scheiss bereite Andy erstmalig ängstlich, aber der Stagedive klappte bestens, was den stolzen Vater „Pipi in die Augen“ (O-Ton Andy) trieb. Zum Abschluss gab’s wie gewohnt den Oberlippenbart. Als die Band die Bühne verlassen hatte (musste), sang die Menge „das Leben ist hart ohne Oberlippenbart“ einfach weiter und machte keine Anstalten zur Hauptbühne zu wechseln. Andy kam noch mal kurz auf die Bühne um mitzusingen und die Sache zu beenden, die Menge sang danach trotzdem weiter. Nun kam Stefan Kasseckert, der Cheforganisator des Trebur Open Air, auf die Bühne und versprach dass Elfmorgen auch 2011 wieder auftreten darf, aber man sollte doch den Headliner Theraphy? nicht noch länger warten lassen. Nun ging die Menge endlich, den Oberlippenbart weiter grölend, Richtung Hauptbühne.


Nun war der Headliner des Abends, eigentlich des ganzen Festivals, an der Reihe das Trebur Open Air abzuschließen: „Theraphy?“. Lag es an der begeisternden Vorband oder sind die Jungs etwas in die Jahre gekommen und hatten deshalb etwas Startschwierigkeiten? Auf jeden Fall brauchte es ein paar Songs, bis die Band und die Fans in Stimmung kamen. Als die Klassiker vom Troublegum-Album an der Reihe waren, war jeder von der Klasse dieser Band überzeugt und das Trebur Open Air feierte seinen würdigen Abschluss.

Es bleibt zu hoffen, dass das Trebur Open Air Team sein Weg fortsetzt und das Festival genau so belässt mit dem tollen Genremix und der familiären Stimmung.

Bericht und Fotos von Papa-Mike für V.U.

(Michael Häckl)

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Ein Kommentar zu “Grandiose Stimmung beim Trebur Open Air 2010 – trotz Ill Niño Absage

  1. Hallo Michael,

    ich finde dass dein Beitrag zum diesjährigen Trebur Open Air gut geschrieben ist und die Stimmung, die bei den jeweiligen Bands zu spüren war, gut wieder gibt.

    Jedoch vermisse ich ein gewisse Vollständigkeit bezüglich der von dir getroffenen Bandauswahl. Z.B. war das Puplikum bei Critical Load sehr begeistert von deren Show um nur eine der hier fehlenden Bands aufzulisten.

    MfG,
    Simon

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