Live-Bericht zum Bang Your Head Festival – Balingen, 26. bis 27. Juni 2009

Wir befinden uns im Jahre 2009 im schwäbischen Balingen. Hier findet zum x-ten Mal das „BYH-Festival“ statt. Dank eines hochkarätigen Line-Ups verspricht es ein interessantes Wochenende zu werden. Aber fangen wir am Anfang an:

Es ist Donnerstagnachmittag, die Sonne lacht vom Himmel herab und ich mache mich mit meinem Kumpel/Kollege voller Vorfreude auf den Weg ins ca. 120 km entfernt gelegene Balingen, um das BYH-Festival zum erneuten Mal zu besuchen. Der Wetterbericht verheißt für dieses Wochenende strahlenden Sonnenschein und auch das Billing verspricht mit BLIND GUARDIAN und JOURNEY als Headliner die volle Breitseite zu werden. Nach einer Dreiviertelstunde gemütlichen Fahrens über die Dörfer erreichte ich um 18.00 Uhr das Festivalgelände, das malerisch innerhalb der Stadt liegt. Das BYH ist aufgrund der idyllischen Landschaft, der fairen Preise und der familiären Atmosphäre ein Kleinod unter den Festivals in den Regionen Stuttgart/Schwäbisch. Am Campingplatz angekommen, gilt es erstmal, die üblichen Rituale wie Auspacken, Kumpels suchen und begrüßen, das erste Bierchen zischen, die Akkreditierung regeln etc. zu absolvieren. Danach feierte ich mit paar Freunden noch ausgiebig im Partyzelt, und legte mich rechtzeitig hin, um am nächsten Morgen frühzeitig am Festivalgelände zu sein.

Bang Your Head Flyer

Freitag, 26.07.2009

Die Reutlinger von HATSTIK waren dann die erste Band, die wir uns anschauen konnten. Die Jungs ließen nichts anbrennen und feuerten ihren energiegeladenen Trash Metal ins hungrige Publikum. Die ziemlich vertrackten Songs wurden fehlerfrei und extrem tight dargeboten, so dass man nach einer halben Stunde kein Zweifel mehr daran hatte, eine Band gesehen zu haben, die man als Geheimtipp zählen darf. All denen die mehr wollen, sei empfohlen, eines ihrer Gigs zu besuchen.

Einer der Hauptgründe für mich, das BYH 2009 zu besuchen, waren ALESTORM. Die Band gilt als absoluter Geheimtipp und ist eher noch dem tiefsten Underground zuzuordnen. Trotzdem war es wesentlich besser gefüllt als bei anderen bekannteren Acts wie z.B. EXODUS. Schon einige Minuten vor Beginn der eigentlichen Spielzeit wurde die Bühne mit nautischen Klängen aus der Konserve bestrahlt, so dass man gleich in die richtige Stimmung kam. Als es dann tatsächlich losging gabs kein Zurück mehr. Einsam treibend auf dem riesigen, eiskalten Ozean, keine Rettung in Sicht, den verhassten Meeresriesen um sich kreisend, fühlte man sich während der intensivsten vierzig Minuten des Festivals. Die Band verzichtete auf jegliche Synthies oder Einspieler, die im Studio ja reichlich verwendet werden. Trotzdem hatten die Songs eine unglaubliche Dichte, waren tonnenschwer und schienen doch irgendwie zu schweben. Stark !!!

Kissin Dynamite

Um 11.40Uhr gingen die Schwaben KISSIN´ DYNAMITE auf die Bühne. In bester Laune rockte die Band das Festival. Jedoch kommen viele Songs live langatmig und wenig abwechslungsreich rüber. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen streiten.

Ross The Boss

ROSS THE BOSS schafften es wie ALESTORM, den Bereich vor der Bühne über alle Maßen zu füllen. Ich freute mich für die Jungs, aber eigentlich fieberte ich VOIVOD entgegen. Gewohnt professionell agierten die Kanadier und bewiesen, dass sie immer noch eine gestandene Band sind. Die mitreißende Bühnenshow von Sänger Demis Belanger ließ den Ärger um das reichlich dämliche Banner schnell vergessen. VOIVOD funktionierten das Publikum kurzerhand zu einem einzigen mächtigen Headbangen um, was prima ankam. Die Setlist enthielt keine nennenswerten Überraschungen. Zudem wurden alle wichtigen Hits gespielt. VOIVOD beeindruckten mit einer einhundert Prozent glaubwürdigen Metal-Performance und empfahlen sich für die bevorstehenden Gigs. Gleichwertige Bands können sich davon eine Scheibe abschneiden.

Weiter gings mit den Iren von PRIMORDIAL, deren Black Metal für irische Verhältnisse ganz schön ungehobelt daherkommt. Hinzu kommt, dass PRIMORDIAL in der Lage sind, astreine Gigs zu fahren – so auch an diesem Tag. Einziger Kritikpunkt an dieser Stelle ist der abstrakte Gesang während des letzten Songs. Zuvor allerdings schaffte es die Combo, das zahlreich anwesende Publikum mitzureißen und so zum ersten Mal an diesem Tag die typische Festival-Atmosphäre aufkommen zu lassen. Guter Gig.

SACRED REICH waren danach schon heftiges Kontrastprogramm. Trash Metal, der auch bei diesem Gig keinerlei Kompromisse einging. Ein dauerrotierender Sänger, der dabei ein wenig an den Crowbar Sänger Kirk Windstein erinnert, und auch die Matten wurden hübsch geschwungen. Dazu gab´s Highspeed-Gebolze en Masse, immer wieder gespickt mit geilen Riffs, welche in dieser Geschwindigkeit schon beeindruckend waren. Und trotzdem: So richtig konnte man damit in Balingen nicht landen. Die Resonanz war auch im Gegensatz zu anderen Bands des Festivals eher verhalten. Grund könnten insbesondere die langen Pausen zwischen den einzelnen Songs gewesen sein, die so die ohnehin schon magere Stimmung immer wieder auf Null zurückfallen ließen. Alles in allem also kein Gig, der sich in die Annalen des Festivals gespielt hat.

Sodom

Kruzifix nochamal ist das geil! Spätnachmittags um fünf schon betrunken sein, ohne einen einzigen Tropfen Alkohol, berauscht von ozeanbreiten 15/16-Stakkato-Riffsalven, untermalt von einem flexenden Sekundär-Schlagzeuger (Bobby: Cheerz!) und göttlich in Szene gesetzt von einem extrem junkie-sicken Sänger, der alle Wut, allen Hass und was es sonst noch so an Scheiß-Gefühlen unter Wasser gibt, in die Welt der über Land lebenden Kreaturen brüllt. Vielseitige Setlist, vor allem Songs, die deine Seele rein waschen, eine Stunde, nach der es dir besser geht. [Passender bekommt man eine Beschreibung von SODOM nicht in einen Satz, Respekt!]

Ich bin ja nicht so der Hard Rocker. Von daher kenne ich LITA FORD relativ wenig. Und genau jene werde ich mir aufgrund massiver Empfehlungen jetzt reinziehen. Soweit ich mitbekommen habe, ist das Mädel schon lange im Geschäft. Ha! Soll sie mich mal überzeugen. Ich bin ganz Ohr.

U.D.O.

Die Jungs von U.D.O. sind auch immer wieder schick anzusehen, auch wenn manchmal das Timing leicht versaut wurde. Letztendlich ist das aber nur eine minimale Beanstandung an einem sonst recht gut verlaufenden Gig. Natürlich ist damit noch nicht Schluss, auch ´Balls To The Wall´ und ´Princess Of The Dawn´ wird ins Volk gepfeffert, bevor uns mit ´Metal Heart´ wieder ein totaler Smash-Hit das Fell über die Ohren ziehen soll.

JOURNEY legen einen guten Auftritt hin, das Publikum hat allerdings nach viel feiern und bangen nicht mehr viele Reserve übrig, um unter den ständigen Schlägen in den Nacken weiter durchzuhalten. Trotzdem kann die Performance des Headliners am Freitagabend als durchaus gelungen bezeichnet werden.

Samstag, 27.06.2009

Der Samstag ist wohl nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Besucher der eigentliche Haupttag des Festivals, denn heute sollen die richtigen Headliner die Bühne rocken. Zunächst beginnt der Tag für mich aber mit den Mannen von CLOVEN HOOF. Die Herren versuchen mit ihrem aggressiven Heavy Metal sowohl Leute vor die Bühne zu locken, als auch den Schlaf aus den Augen zu blasen. Nun ja, eigentlich ist es ja erst 10 Uhr, und viele Besucher liegen schnarchend im Zelt und futtern gerade ihr Frühstück, denn eine gewisse Bewegung Richtung Bühne macht sich erst bei den folgenden LÄÄZ ROCKIT bemerkbar.

Qualitativ hochwertiger wird es im Anschluss mit POWERWOLF. Mit Spaß und Können bieten die Mannen ihr abwechslungsreiches Set dar und wissen das anwesende Publikum, trotz Regen, zu begeistern. Die Gläser werden erhoben, die Menge feiert, und der zweistimmige Gesang begeistert ebenso wie die wundervollen Melodien. Nach mehr als einer Dreiviertelstunde stampft die Band schon wieder von dannen und hinterlässt Sehnsucht nach mehr.

Nach dieser Feier gibt es eine kleine Stärkungspause, so dass der Auftritt von DRIVER für mich größtenteils nur nebenher herläuft. Die Amis kommen aber gut an und liefern einen vernünftigen Eindruck ihres infernalischen Metals ab.

WARRIOR aus Deutschland machen mit ihrem rohen Sound dem Power Metal nun wieder alle Ehre und bieten eine solide Vorstellung ohne aber wirklich zu glänzen. Ein Achtungserfolg, welcher in punkto Eigenständigkeit im musikalischen Sinne in Zukunft ruhig noch untermauert werden darf.

Pink Cream 69

Nach diesem Rock-Gewitter betreten PINK CREAM 69 die Szenerie. Hierbei handelt es sich um die Band von David Readman, der nun auch mit Soloalben glänzt. Wie dem auch sei, variabler Hard Rock steht nun auf dem Programm. Davidr & Co. können die Zuschauer auf ihre Seite ziehen und werden nach 45 Minuten mit wohlwollendem Applaus verabschiedet.

Hardcore Superstar

Die Schweden von HARDCORE SUPERSTAR spielten am Nachmittag 50 Minuten ihre Hits und waren mit ihren rockigen Outfits eine Attraktion zum hingucken und hinhören. Ihr Sleazerock ist seit der Nominierung für einen Grammy nicht nur in Schweden, sondern weltweit bekannt.

Völlig vorahnungslos watschelte ich spät nachmittags bei bestem Wetter zur Bühne um mir EXODUS zu Gemüte zu führen. Selber tituliert der Fünfer seine Musik als Death/Trash Metal. Beim ersten Hören war das interessant und verwirrend zugleich. Der sehr agile Fronter versuchte mit zahllosen Anfeuerungsversuchen die recht überschaubare Menge vor der Bühne anzuheizen, was zum Teil auch gelang. Nach dem 54. Versuch war das dann aber echt nervig, auch wenn gut gemeint und gut gemacht. Abseits dieser Elemente wusste die Musik durchaus zu begeistern, auch wenn die Songs sehr wirr klangen. Zu ihrer extrem aggressiven Mischung wütete dazu Sänger Rob Dukes über die Bühne. Mir persönlich hat das Ganze nicht unbedingt gefallen, aber es war definitiv was anderes als der Rest des Billings an diesem Tag…

Nach den Wachmachern von EXODUS gab es auch schon die nächsten Hiebe in die Flanken, die dann vollends dafür sorgen sollten, dass die Anhängerschaft den Kater der letzten Tage vergessen sollte. Y&T rockten die Bühne und verstanden es hervorragend, ihren recht innovativen Hard Rock und sehr viel eigenen Ideen mit fast hymnenhaften cleanen Vocals zu paaren. Zwar ist seit Jahren kein neues Material mehr dazu gekommen, aber heute werden Hits wie „Black Tiger“, „I Believe In You“ oder „Rescue Me“ noch genauso begeistert aufgenommen, wie vor Jahren. Kurz gesagt, die Jungs traten richtig in den Arsch und dürften mit dieser Performance vor allem junge Metalheads hinzugewonnen haben. Für mich eine der ganz großen positiven Überraschungen in diesem Jahr.

W.A.S.P.

Endlich ist es nun Zeit für eins der Highlights des BYH. W.A.S.P. betreten zu viert die Bühne und zeigen mit ordentlichem Sound versehen, wo der Hammer hängt. W.A.S.P. spielten einen guten Schnitt durch ihr gesamtes musikalisches Schaffen, wobei der Schwerpunkt natürlich ganz leicht auf den neueren CD-Veröffentlichungen lag.

Blind Guardian

Okay, ich gebe es ja zu. BLIND GUARDIAN gehören live zu meinen Lieblingsbands aus dem Power Metal-Bereich. Und auch heute Abend haben die Mannen um Sänger Hansi Kürsch den Fans eine massive Breitseite vor den Latz geknallt. Kein Wunder, wenn man Granaten wie „The Bards Song“ oder „Time What is Time“ im Rohr hat. Spätestens bei „Traveler in Time“ tobten die meisten Fans, so dass ihnen zum Ende hin noch ein Song gewidmet wird. Geil wie immer, beide Daumen hoch!

Das Billing war phantastisch, die Umgebung malerisch, das Wetter hat mitgespielt, die Leute waren friedlich und nett. Natürlich läuft nicht immer alles glatt, und „jedem alles recht machen“ kann man es sowieso nie. Zusammengefasst ist aus den Gegebenheiten wohl einfach das Beste gemacht worden. Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Kartenausgabe im nächsten Jahr limitiert wird. Das BYH war definitiv schon besser besucht, und einen weiteren Zuwachs könnte es auf demselben Gelände wahrlich verkraften.

Dennoch – das BANG YOUR HEAD hat sich für mich und meinen Kollegen auf jeden Fall gelohnt (wie ihr den Berichten entnehmen könnt), und mich nicht nur viel Arbeit, sondern in erster Linie viel Spaß gemacht.

Markus & Gregor/V.U.

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