Nachbericht Summer Breeze 2006

Alle Jahre wieder geht es für die Visions Underground Crew in den tiefen Süden des Landes zum Summer Breeze Festival. Doch dieses Jahr ist etwas anders- nämlich die Location. Man hat Abschied von Abtsgmünd genommen und das Festival kurzerhand nach Dinkelsbühl verfrachtet. Und trotz anfänglich ängstlicher Befürchtungen stellt sich heraus, dass man mit dieser neuen Location einen Glücksgriff getan hat. Das Gelände bietet mehr Raum, die Massen quetschen sich nicht wie die letzen Jahre teilweise über zu enge Wege durch die Gegend, alles ist irgendwie relaxter und kommt einem trotzdem nicht grösser vor. Also sehen wir voller Vorfreude drei Tagen Party entgegen…..

DONNERSTAG

Okay, wir sind etwas spät dran, als wir kurz nach 16 Uhr das Gelände betreten. Aber was soll´s? Die Party hat ja gerade erst angefangen. Und überhaupt soll es anfangs ein ziemliches Line-up Durcheinander gegeben haben, da Fear My Thoughts absagen mussten, die Zeiten durcheinander gewürfelt wurden und bis 16 Uhr somit leichtes Chaos herrscht.

 

Nichtsdestotrotz, die erste Band für uns ist THE HAUNTED. Irokesen-Frontmann Peter fängt erst nach einigen Songs an redseelig zu werden, was die Fans aber nicht zu stören scheint, gehen sie doch auch ohne grosse Worte gut ab. Peter tut es ihnen gleich und fegt über die Bühne wie der Leibhaftige. Auch seine zwischen den Songs eingebauten Witze, wie z.B. dass das Publikum sich die schwulste Tanzbewegung ausdenken soll, lockern die ohnehin schon gute Stimmung noch mehr. Ein kurzweiliger Auftritt.

 

Was nun mit SALTATIO MORTIS folgt, ist Mittelalter Metal für die Massen. Denn der Platz vor der Bühne ist alles andere als leer. Die siebenköpfige Band macht nicht nur optisch was her- Röcke, mittelalterliche Gewandungen und aussergewöhnliche Instrumente wie Dudelsack, Flöten und Sackpfeifen dominieren das Bühnenbild. Auch ihre Musik kommt an, wird doch lauthals mitgegrölt und mitgefeiert.

MOONSPELL im Anschluss sind jetzt nicht so sehr mein Fall. Die düster geschminkten Portugiesen können aber nichtsdestotrotz mit ihrem Dark Metal überzeugen. Sänger Fernando versucht seine Ansagen auf deutsch zu halten und führt durch eine düstere Setlist. Optisch untermalt wird das alles noch von einer Kulisse, die einen blutroten Sonnenuntergang über einem Friedhof zeigt. Schaurig-schön.

1349 treten so auf, wie sich das ein echter Black Metaller nur wünschen kann: Nietenkluft, Pandagesicht und ganz, ganz böse Miene. Die Norweger verbreiten Kälte und Dunkelheit obwohl doch noch die Sonne scheint. Hinter dem Schlagzeug sitzt übrigens kein geringerer als Tony Laureano, der Ex-Nile Drummer.

FINNTROLL kann man mittlerweile als Stammgäste auf dem Breeze bezeichnen. Kaum ein Jahr vergeht, ohne dass die Trolle uns mit einem Auftritt beehren. Einzige Neuerung an dieser Stelle ist Sänger Vreth, der als Ersatz für den gefeuerten Wilska eingestiegen ist. Doch mittlerweile hat er sich durch diverse Festivalauftritte schon so gut ins Bandgefüge eingefügt, dass man den Unterschied kaum noch spürt. Es werden, wie schon beim Wacken, zwei brandneue Songs gespielt, wobei einer von der \“Schlangen-Hexe\“ handelt, was auch immer man sich darunter vorstellen soll. Wobei Vreth sich hierbei sichtlich Mühe gibt, das Publikum durch diverse Ansagen ( \“Do you know how to cook humans?\“) und Klatschen anzuheizen, schreddern die restlichen Trolle sich wie eh und je eher lustlos wirkend durch die Songs. Das findet sich auch dadurch bestätigt, dass Gitarrist Skrymer es sich nicht nehmen lässt, ein lautes \“Fuck!\“ ins Mikro zu brüllen. Nun ja, das Publikum hat jedenfalls seinen Spass mit \“Trollhammaren\“ und Co. und feiert was das Zeug hält. Bestimmt nicht nur für mich das Highlight dieses Tages.

Was dann mit ASP folgt, ist wohl eher was für die Gothic Fraktion unter uns. Ich jedenfalls bin mit der Band alles andere als vertraut und geniesse in erster Linie die pyrotechnischen Effekte samt abschliessendem Feuerwerk. Der „The Crow“-haft angemalte Sänger kommt mit seiner Musik jedenfalls sehr gut an bei den Elektro-Fans.

KREATOR als Headliner dieses Tages fahren grosses Geschütz auf. Die Thrash Metaller aus Deutschland karren Podeste und Treppen an. Die Setlist beinhaltet einen guten Querschnitt aus alt und neu und für viele scheinen sie am Ende der Show wohl DIE Band des Festivals gewesen zu sein. Kein Wunder, wenn man schon so lange im Geschäft ist wie diese Truppe, dann weiss man ja auch, wie man der Meute so richtig einheizen kann!

KATATONIA aus Schweden beschliessen den ersten Tag auf der Pain Stage mit einer gehörigen Portion Doom und Trauer. Sänger Jonas Renkse lässt hierbei eher die Musik als sich selbst sprechen und beschränkt sich voll und ganz auf seine Songs denn auf pompöse Outfits oder grossartige Ansagen. Gespielt wird ein Querschnitt aus älteren und neuen Songs, die visuell passend zum Melo-Metal in geheimnisvollem, blauen Licht erstrahlen.

Ein gelungener, wenn auch anstrengender erster Festivaltag. Und so krabbeln wir dann nach unzähligen Absackern im Pressezelt irgendwann im Morgengrauen ins Bettchen und sammeln unsere Kräfte für das, was da in den nächsten zwei Tagen noch kommen mag.

Nadine S./ V.U.

FREITAG

Heute geht es für uns recht spät erst mit den Schweden von SCAR SYMMETRY und ihrem schaurig coolen Intro los. Der Melodic Death Metal aus Göteborg kommt gut an, was nicht zuletzt an Christian Älvestam’s Talent liegt, zwischen Wahnsinnsgebrüll und melodiösem cleanen Gesang mit Pop- note zu variieren. Letzterer könnte ein bisschen besser sein, doch das Publikum vergibt dem charismatischen Frontmann gerne so einige Schwachstellen und im Laufe des Gigs bessert sich auch dieses kleine Makel. Schwerpunkt der Show bieten Stücke des neuen Albums „Pitch-black progress“, doch auch vom Debüt „Symmetric in design“ werden zwei Stücke gespielt. Das Publikum hätte besser abgehen können, doch insgesamt boten die Schweden eine unterhaltsame Show.

Als nächstes entern REBELLION die Bühne, gegründet von niemand geringerem als den Ex-GRAVE DIGGER Mitstreitern Uwe Lulis und Tomi Göttlich. Ihrem Stil sind sie weitestgehend treu geblieben, handelt es sich bei der Musik von REBELLION auch um Power Metal, gepaart mit traditionellem deutschen Heavy Metal. Trotzdem sehen sich nicht gerade viele Fans den Auftritt an, doch diejenigen, die gekommen sind, bekommen ordentlichen Metal und damit verbundenes typisches Posing dargeboten. Abschließend wird der GRAVE DIGGER Hit „Rebellion“ noch ordentlich abgefeiert, und einen sympathischen Pluspunkt gibt’s noch obendrauf, als die Band sich rührend beim Publikum bedankt.

Danach geht’s auf der Pain Stage weiter mit dem Death Metal der ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET. Hier sind dann auch wieder etwas mehr Fans zu verzeichnen als bei der vorherigen Band. Shouter Johan Lindstrand zieht alle Blicke auf sich und sein ungeheures Energiepotential; es wird gerockt was das Zeug hält und sowohl den Fans als auch der Band ist der hohe Spaßfaktor deutlich anzusehen. Energiegeladen und sehr bewegungsfreudig werden die Songs des Debüts „21st century killing machine“ runtergebrettert und die Spielfreude der Band scheint auf die Fans überzugreifen, denn es geht ordentlich ab im Publikum und überall fliegen die Haare. Diesen Gig können beide Seiten wohl unter vollends geglückt verbuchen!

Bei den Erwartungen an EXILIA scheiden sich wohl die Geister, denn der New Metal/Crossover der Band ist auf einem Festival wie dem Summer Breeze sicherlich nicht jedermanns Sache. Umso überraschter bin ich, als ich sehe, wie gut die italienische Band vom Publikum aufgenommen wird. Hier wird gehüpft, geklatscht und abgegangen was das Zeug hält, was wohl nicht zuletzt an der energiegeladenen Performance und dem souveränen Spiel der Combo liegt. Vor allem Sängerin Masha treibt das Publikum unermüdlich an und brüllt sich bewundernswert durchs Set. Hier darf natürlich der alte Hit „Stop playing god“ genauso wenig wie die aktuelle Albumauskopplung „Kill me“ fehlen. Insgesamt eine nette Show.

Mit TURISAS ist wieder eine von den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Folk/Viking Metalbands am Start, wobei sie ihren Sound ganz nach ihrem aktuellen Album eher als Battle Metal bezeichnen. Gemäß diesem Motto besteht das Bühnenoutfit auch aus ganz viel Kunstblut, Kriegsbemalung und Fellkostüm. Eher ungewöhnlich für eine Metalshow, aber sehr amüsant zu betrachten sind die Mannen an Violine und Akkordeon, die der Show der Band eine ganz originelle Note geben. Sänger Warlord Nygard holt die letzte Energie aus sich heraus und spielt den absoluten Entertainer, was den Fans ordentlich einheizt. Hier sind weit und breit nur fliegende Haare und erhobene Fäuste zu sehen. Auch an den kürzlich schwer verunglückten Giatrristen der Band, Georg Laakso, wird wie bei jeder Show (zu recht) erinnert, bevor bei „One more“ die Gläser für ihn erhoben werden. Gespielt wird Material des aktuellen Albums inklusive Geigensolo und es herrscht absolute Partystimmung. Eine rundum gelungene Show!

 

Bei AMORPHIS handelt es sich um meine persönlichen Headliner des Tages, und sie enttäuschen mich nicht. Mit „Leaves scars“ vom neuen Album „Eclipse“ geht’s los und für mich ist es das erste Mal, dass ich den neuen Sänger Tomi Joutsen live erlebe, wobei ich mehr als positiv überrascht bin. Mit seiner wahnsinnig powervollen Stimme, die er abwechslungsreich für Grunts, Shouts und Gesang einsetzt, weiß er in jedem der Bereiche absolut zu überzeugen und auch an einer starken Bühnenpräsenz fehlt es der Band ganz und gar nicht. Der charismatische Tomi fegt über die Bühne, lässt seine eindrucksvollen Dreads wie wild kreisen und die Band spielt sich solide durch’s Set. Die Setlist ist prima ausgewählt, präsentiert sie doch die ganze musikalische Bandbreite der Band, denn sie geben mit „Into hiding“ und „Against widows“ sowohl die Deathmetal Klassiker, als auch mit „Divinity“ und „Alone“ die sanftere Seite der Band zum Besten, wobei das neue Material selbstverständlich nicht zu kurz kommt. Am Ende der Show bekommen die Fans dann natürlich noch die Single „House of sleep“ sowie „Black winter day“ als absolute Abschluß-Krönung der Show. Absoluter Wahnsinn und viel zu kurz!!

 

Richtig abgemoshed wird dann bei MORBID ANGEL, die ihre Fans mit einer ganz besonderen Überraschung verwöhnen: Sie treten erstmalig wieder im klassischen LineUp auf und zelebrieren die Wiedervereinigung mit Shouter und Bassist David Vincent, der seit 1996 nicht mehr dabei gewesen war. So gibt’s dann auch nur Songs von den ersten vier Alben zu hören, aber es dürfte kaum jemanden im Publikum geben, den das ernsthaft stört. Musikalisch und spieltechnisch gibt’s absolut nix zu meckern, scheint die gesamte Band doch in absoluter Höchstform zu sein! Walzende Kracher wie „Fall from grace“, „Rapture“ oder „Maze of torment“ dürfen natürlich nicht fehlen, und die Massen von Fans honorieren es mit entsprechender Begeisterung. Obendrauf gibt’s dann noch den Hit „Where the Slime live“. Hier ist wohl der heimliche Headliner am Start!? Eine exzellente Show allemal!

 

Ziemlich düster wird’s dann mit der letzten Band des Abends, den Industrial-Gothmetallern von den DEATHSTARS. Parallelen zu Marilyn Manson sind der Band wohl nicht abzusprechen, denn sowohl das androgyne Auftreten der gesamten Band als auch die pinke Federboa des Sängers erinnern doch stark an den Industrialmaster. Musikalisch gibt es sehr viele düster-elektronische, aber auch melodisch-eingängige und sogar rockige Töne. Das Feedback des Publikums ist jedenfalls irgendwo zwischen enthusiastisch und überschwenglich, und auch die Band ihrerseits sorgt für eine unterhaltsame Show mit viel Bewegung oder auch einem Zungenkuss zwischen Sänger Whiplasher und Gitarrist Nightmare Industries. Die eindrucksvollen Licht-und Nebeleffekte unterstreichen den Sound der Band noch zusätzlich, und mit dieser Show als Abschluß des zweiten Tages kann man den Freitag des Summer Breeze 2006 zufrieden ausklingen lassen.

Daniela S./ V.U.

Samstag, 19.08.

Der letzte Summerbreeze-Tag ist angebrochen, und wir kriechen aus unserem Zelt um noch einmal das neue Gelände, gute Bands und eine geniale Stimmung mitzuerleben.
Der heutige Opener The Other, eine aus einer Misfits-Coverband hervorgegangenen Kapelle, weckt die noch nicht allzu zahlreiche Zuschauerschar mit Horror Punk und viel Schminke um elf Uhr morgens. Während wir uns auf die Suche nach Kaffee machen, schrammeln die Jungs ihre leicht nachzuvollziehenden Songs in einem angesehenen Tempo runter und verlassen schon bald wieder die Bühne.

 

Visions of Atlantis waren mir bisher nur als „yet another“ Nightwish- Kopie ein Begriff, und leider kann mich ihr Auftritt nicht eines besseren belehren. Die Stimme der neuen Sängerin ist zwar durchaus akzeptabel, und ein Großteil des männlichen Publikums wird wohl seine Freude an ihrem Aussehen und ihrer Stage Performance haben, doch zu einer guten Band reicht das noch lange nicht. Der männliche Gegenpart, Sänger Mario, scheint ein bißchen schwach auf der Brust, und der fabrizierte Power Metal, welcher mit vielen Keyboard-Melodien unterlegt ist, hat für mich nichts eigenständiges. Eher scheint mir diese österreichische Band wie befürchtet ein schwacher Abklatsch von Bands wie Nightwish oder auch Within Temptation zu sein.

Auf der Painstage geht es weiter mit Legion of the Damned, von denen wir uns etwas mehr erwarten als von dem gerade miterlebten Auftritt.

 
Und wir werden glücklicherweise nicht enttäuscht. Die ehemaligen Occulter legen los als gäbe es keinen Morgen, und wer weiß, ob sie nicht recht haben…. Ihr thrashiger Death Metal bringt die Menge in Bewegung und die Jungs auf der Bühne machen es dem Publikum vor : Nicht eine Minute Auszeit gönnen sie ihren Nackenmuskeln, und da soll noch mal jemand behaupten, Männer würden nicht zwei Dinge auf einmal beherrschen: Hier klappt Headbangen und spielen, oder besser gesagt, Knüppeln, perfekt. Diese Spielfreude und Klangfülle überträgt sich auf die müde Meute vor der Bühne und so bringen Legion of The Damned etwas zustande, was nicht vielen Bands zu dieser Tageszeit und Anbetracht der Tatsache, dass bereits der letzte Festivaltag eingeläutet ist, schaffen: Sie bringen Bewegung auf den Platz und ich bin mir sicher, ihre großen Vorbilder Slayer würden genauso wie alle anderen da vorne stehen und abmoshen, wenn sie die Performance sehen würden. Apropos Slayer: Die hört man nicht nur raus, die werden sogar bei einem Song wortwörtlich zitiert. Trotzdem haben die Jungs ihren ganz eigenen kompromisslos schnellen Thrash-Stil und bei Liedern wie \“Werewolf corpse\“ und \“Into the eye of the storm\“ kann ich ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass meine Erwartungen voll und ganz erfüllt wurden.
Dann ist auch dieses Metal-Gewitter vorbei und der Nachmittag in vollem Gange. Schneller als gedacht stehen um kurz nach Sechs die Viking-Metaller von Thyrfing auf der Pain Stage.

 

Die sechs Viking Metal Helden von Thyrfing begrüßen das Publikum am frühen Abend mit ihrem mitreißenden Melodien.
Sänger Thomas bekommt bei dieser Show Unterstützung von Toni Kocmut, welcher der nach dem in der skandinavistischen Mythologie vorkommenden Schwert „Tyrfing“ benannten Band zu einem genialen Auftritt verhilft. Mit Dreck und, vor allem Thomas, Blut beschmiert , ansonsten jedoch in Alltagskleidung, fallen die Schweden ein wenig aus dem Nieten/Spikes/Corpse-Paint Klischee, allerdings ganz und gar nicht im negativen Sinn, zumindest meiner Meinung nach. Souverän spielt man sich durch diverse Alben, und das Publikum feiert das Sextett plus Gastsänger. Eine schöne Geste , die mit Sonderapplaus belohnt wird, ist die Widmung eines Liedes an die „verstorbenen Krieger“ Quorthon (Bathory) und Jon Nödveidt (Dissection).

 

Schon während des Thyrfing Gigs konnte man beobachten, wie mehr und mehr (minderjährige?) schwarze Gestalten, vorwiegend weiblich, ihren Weg zur Mainstage fanden. Ja haben die sich denn in der Zeit und im Ort geirrt und wollten eigentlich zum Wave Gothic Treffen? Oder gibt X-Trax einen aus? Weder noch, der Grund für das scharenweise Auftreten dieser komischen Spezies sind die Finnen um Jonne Aaron mit ihrer Band Negative. Sehr, sehr bunt präsentiert sich die Band heute der doch im Schnitt wenig farbenfrohen Menge. Schon kurz nach Beginn der Show leert sich der Platz vor der Bühne doch gewaltig, und ob es jetzt das Outfit oder die Musik sind, welche die Metaller die Flucht ergreifen lassen – man kann nur vermuten. Was man jetzt persönlich vom Äußeren der Jungs (das Wort Mann mag nicht so wirklich passen beim Anblick dieser 30-kg-Jüngelchen) auch halten mag, rocken tun sie allemal. Ein wenig Schmalz hier, ein wenig Hüftschwung da, und schon hat man einen amüsanten Auftritt entworfen. Den Göttern scheint das Ganze nicht so ganz gefallen zu haben, denn während der Show fängt es an, wie aus Eimern zu gießen. Den übriggebliebenen Fans scheint dies aber weniger auszumachen. Aus diesem Grund schenken wir uns auch die nächste Band Bloodflowerz, die mit ihrem mittelalterlich angehauchten Gothic Metal die Painstage beschallen.

So schnell vergeht die Zeit – und schon ist der letzte Summerbreeze Abend angebrochen. Dieser verspricht allerdings noch einige hochkarätige Acts, wie z.B. Gamma Ray, die um kurz vor neun die Mainstage betreten.
Powermetal ist nicht so ganz meine Lieblingsrichtung in der breitgefächerten Metalszene, und manche mögen behaupten, ich wäre zu jung für Gamma Ray. Daher habe ich zwar natürlich schon von der Band gehört, Kai Hansen und Helloween sind mir ebenfalls ein Begriff, unter einem Auftritt des Urgesteins konnte ich mir trotzdem nichts vorstellen. Bevor die Show mit Sirenengeheul eingeleitet wird, gibt es noch einen etwas seltsamen Zwischenfall, bei dem eine beachtliche Menge des Publikums einem Götzen“Bambi“ aus Alufolie oder ähnlichem Müll huldigt. Ich hab die ganze Sache nicht so ganz mitbekommen, deshalb kann ich hier weder Hintergrundinformationen noch weiteren Verlauf des Geschehens wiedergeben. Aber ich wollte ja sowieso über Gamma Ray’s fulminanten Auftritt berichten. Und atemberaubend ist er allemal. Zumindest optisch. Sowohl die Lichtshow als auch die Bühnendeko ist mit allem Pipapo versehen und verspricht so einiges. Musikalisch läuft das Ganze dann auch so ab, wie ich es mir vorgestellt habe, ein Hit jagt den Nächsten und sogar ein alter Helloween-Song wird zum Besten gegeben. Professionell, voller Energie und Spielfreude präsentieren sich die Männer um Kai Hansen dem Publikum, welches seine Powermetal-Götter frenetisch feiert. Bambi scheint vergessen. Sichtlich gerührt verabschiedet sich die Band mit Verbeugungen nach der Zugabe „Send me a Sign“ und entlässt die Menge in die Nacht zum nächsten Act.

 

Von einer Legende zur Nächsten: Als Co-Headliner der Painstage hat das Summerbreeze dieses Jahr die Mitbegründer der Viking-Metal-Bewegung verpflichten können. Das freut mich ungemein und gespannt warte ich auf den Auftritt von UNLEASHED. Und das Warten hat sich gelohnt, das wird schon nach den ersten Riffs, die aus den Boxen geschossen kommen, klar. Sie kamen, sahen und siegten, und zwar ohne Wenn und Aber. Doch es wäre falsch von „alles plattmachen“ zu reden, denn Johnny Hedlund macht das Publikum zu seinen „Warriors“ und feiert mit ihnen den Sieg des Nordens. „Death Metal Victory“ kommt hier zu seiner vollsten Entfaltung, und wirklich niemand ist vor dem Siegeszug der Schweden sicher. Songs wie „The Longships are coming“ und „Defender“ werden kräftig mitgebrüllt und ich war selten so von einer Reunion begeistert. Hier wird sich durch die komplette Bandhistorie gespielt und trotz der knappen Zeit ist die Songauswahl absolut befriedigend. Sogar ein brandneuer Song wird gespielt, der nicht nur mir gut zu gefallen scheint, und so werden Unleashed mit brandendem Applaus verabschiedet.

 

IRON MAIDEN als Samstags-Headliner? Nee, doch nicht, wie angekündigt erscheinen um kurz vor elf FEAR FACTORY auf der Mainstage und leiten ihre Show mit Maiden’s „Number of the Beast“ ein. Nach einigen Soundproblemen bessert dieser sich zum Glück und die vier Amerikaner können ihrer Headliner-Position voll und ganz gerecht werden. Ich muss gestehen, dass ich, anders als viele andere Breeze-Besucher, nicht sehnsüchtig auf den Auftritt des Quartetts gewartet habe, doch sowohl die Bühnenshow als auch die musikalische Performance der Männer um Burton C. Bell, der sich übrigens stimmlich auf höchstem Niveau präsentiert, überzeugen auch mich. Die Setlist ist sehr gekonnt zusammengestellt, von Anfang (\“540.000 Degrees Fahrenheit\“ und \“Transgression\“) über „Shock“ bis Ende (das überraschende und umjubelte „Linchpin“ und natürlich der Klassiker „Replica“) gibt es nichts zu meckern. Schnell, engergiegeladen und auch ohne Dino Cazares spielerisch grandios überzeugt die Band auf ganzer Linie. Auch die Zugabe, ein Solo-Auftritt von Bell, der „Timelessness“ zum Besten gibt, bestätigt das, was alle schon wussten: die Angstfabrik ist ein würdiger Headliner.

 

Sozusagen als Kontrastprogamm zu Fear Factory spielt als allerletzte Band des Festivals die britische Düster-Metall Kapelle MY DYING BRIDE. In ein atmosphärisches Blau getaucht bietet die Bühne den passenden Schauplatz für das depressive, emotionsgeladene Musikspektakel der sechs Engländer. Leider gibt es Probleme mit dem Sound, es ist wohl für alle ein wenig zu spät…. Doch die Band schafft es auch so, alle noch Anwesenden in ihren Bann zu ziehen. Vor allem Sänger Aaron Stainthorpe geht zu 100% in seiner Musik auf und scheint Todesqualen zu leiden. Da möchte man dem armen Mann schon fast ein wenig Trost zusprechen, doch andererseits ist das Schauspiel verdammt faszinierend mitanzusehen. Ein weiterer Hingucker sind des Frontmannes mit blutroten Ornamenten bemalte Hände, welche er wild gestikulierend einzusetzen weiß. Unterstützt wird er auf schwärzeste Art und Weise von seinen Mitmusikern, wobei man leider wenig vom Keyboard hört und sieht. Vom Death-, zum ganz eigen interpretierten Doom Metal hat sich das Sextett mittlerweile verändert, und die dreijährige Spielpause hat der Band anscheinend noch mehr Energie verliehen. Auf dem heutigen Programm stehen Songs wie „For you“, „The Cry of Mankind“, neuere Stücke wie „The Dreadful Hours“ und natürlich der Klassiker „The Forever People“, welcher den ca. 50 minütigen Auftritt beendet. Eine passendere letzte Band hätte man sich kaum an Bord holen können, denn schließlich ist das Ganze schon eine traurige Angelegenheit. Da gibt es nur einen Hoffnungsschimmer – 2007!

Julia K./ V.U.

Fazit:
Das Summerbreeze 2006 ist vorbei – und hat sich mal wieder als eins der Highlights der Festivalsaison erwiesen. Das macht das Warten auf das nächste Jahr zwar nicht einfacher, hinterlässt aber (fast) nur positive Erinnerungen an den diesjährigen Festivalsommer. Das neue Gelände hat sich als wunderschön und durchaus praktisch(er) erwiesen, da das Schlauchartige seines Vorgängers wegfällt. Das Wetter hat mitgespielt und die Besucher weder mit so brühend heißen Temperaturen wie auf dem Earthshaker noch mit so eisigen Temperaturen wie auf dem Party.San gequält. Die Organisation war größtenteils zufriedenstellend, soweit ich weiß, gab es keine größeren Vorfälle oder Beschwerden. Die Dixies waren in menschenwürdigem Zustand, die Duschkabinen waren auch okay und vor allem waren, zumindest zu den Zeiten, zu denen wir duschen waren, genügend Kabinen vorhanden, so dass man nicht warten musste. Negativ zu erwähnen wären allerdings die Cocktails in der V.I.P. Area am Samstag. Ehrlich, sowas schreckliches habe ich noch nie getrunken- Grenadine bzw.Limetten pur!
Die positiven Momente überwiegen jedoch bei weitem, es war wieder eine geniale Zeit und wir freuen uns auf das Jubiläumsfestival 2007, wo man sicherlich wieder mit uns rechnen darf !“

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