Live Nachbericht zum 3. Ragnaröck Festival 2006 – Stadthalle Lichtenfels

Wir schreiben Freitag den 7. April 2006. Heute um 16.00 Uhr wird der Startschuss für das 3. Ragnaröck Festival fallen. Zu dumm nur für uns, dass wir zum einen ein ganzes Stück von Lichtenfels entfernt wohnen und wir zum anderen nicht mit eingerechnet haben, dass an eben diesem Freitag die Osterferien beginnen. D.h. natürlich Stau ohne Ende auf Deutschlands Autobahnen. Das Fazit ist, dass wir relativ entnervt erst um 19.30 Uhr an der Halle ankommen. Wir haben zwar vier Bands verpasst, aber der Tag ist ja noch lange nicht vorbei. Nachdem wir uns etwas weiter abgelegt einen Parkplatz suchen müssen, da der offizielle Park- und zum Teil auch inoffizielle Campingbereich schon restlos vollgestopft ist, machen wir uns auf den Weg zur Halle. Die meisten Leute, die uns entgegenkommen, sind auch schon ganz „gut gelaunt“, woran die Metstände in den Hallen mit Sicherheit eine nicht geringe Mitschuld haben.
Als wir die Stadthalle betreten, ist es erstmal schwer sich zu orientieren. Der Eingangsbereich sowie die Halle selbst platzen aus allen Nähten. Wir kommen pünktlich zum Umbau und können uns so erstmal ein paar weitere Schlücke aus unseren Hörnern gönnen, bevor Equilibrium die Bühne betreten.

Dass Equilibrium eindeutig Heimvorteil haben, sieht man allein an den Massen, die sich pünktlich zu Beginn der Show vor der Bühne versammeln. Hörner werden geschwungen, es wird lautstark nach Helge verlangt und alles wäre perfekt, würde nicht die Technik den bayrischen Pagan-Helden einen Strich durch die Rechnung machen. Nach erster Verwirrung und viel Nebel zur Ablenkung bekommt man das Problem dann aber auch in den Griff und endlich läutet das Intro den Gig ein. Das Publikum feiert ihre Lokalmatadoren fanatisch, Helge belohnt die sabbernden Mädels mit entblößter Brust und Kultlieder wie „Der Sturm“, „Prophezeiung“, „Unter der Eiche“ und „Turis Fraytr“ verbreiten genau die Stimmung, die dieses Festival haben sollte. Der neue Mann in den Reihen der Wikinger wird auch vorgestellt und darf sein Trommelspiel demonstrieren und die Matten werden weiterhin gekreist. Doch ungefähr in der Mitte des Sets passiert es noch einmal – die Technik streikt. Zum Glück nicht lange, und so können Equilibrium mit einer Premiere überraschen – zum allerersten Mal spielen sie den Bonus – Song ihres Debüts, „Shingo Murata“, und werden mit viel Applaus belohnt. Und beim absoluten Party – Lied „Met“ gibt es sowieso kein Halten mehr und auch die Götter müssen in diesem Moment stolz auf ihre Musikgruppe sein. So darf die Band auch als erste an diesem Abend eine Zugabe spielen und wird von einer Humpen schwingenden Meute verabschiedet. Auch wenn die Gruppe schon in besserer Verfassung gewesen sein mag und Helge bei vergangenen Konzerten mehr aus seiner Stimme heraus geholt hat als an diesem Abend , ist dieser Gig doch eindeutig ein Highlight dieses Tages gewesen.

Ragnaröck Festival: Korpiklaani
Korpiklaani beeindruckten vollends…..

Nach erneuter Umbaupause ist es Zeit für die nächste Band: Korpiklaani betreten nach einem Happy-Humppa Intro die Bühne und lassen es direkt krachen. Wie gewohnt sieht man Sänger Jonne fast hinter dem den Mikroständer zierenden Elchgeweih verschwinden, wenn er denn mal hinter dem Mikro steht und nicht wie ein verrückt Gewordener über die Bühne fegt. Songtechnisch ist von allen Alben etwas dabei. Die Auswahl ist gut gelungen, denn neben vielen Songs der neusten CD „Tales Along This Road“ gibt es auch die Klassiker „Wooden Pints“, den „Hunting Song“, „Cottages And Saunas“ und natürlich als passenden Abschluss den perfekten Mitgröhlsong „Beer Beer“,die absolute Saufhymne, bei dem Jonne selbiges quer über die ganze Bühne spuckt- na, dazu ist es doch viel zu schade!! Auch einige rein instrumentale Stücke sind wieder fester Bestandteil der Setlist, sowie einige Songs in Korpiklaanis Landessprache Finnisch. Apropos „Finnisch“: Einer der Stagediver hält während des Konzerts unermüdlich eine überdimensionale Finnlandflagge in die Höhe, das dürfte auch den Jungs auf der Bühne nicht entgangen sein. Alles in Allem aber eine gute, kurzweilige Show, die in nicht unbeträchtlicher Weise zum Trinken animiert….wieso bloß ?…..

Ragnaröck Festival: Primordial
Primordial luden die Maniacs zum
Bangen ein

Nach den fröhlichen Korpiklaani geht es nun mit Primordial wieder düsterer weiter. Die melodischen Black Metaller aus Irland ergreifen das Publikum sofort, denn Sänger Nemtheanga weiß es, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Unermüdlich läuft er von einer Seite der Bühne zur anderen und zeigt sich in absoluter Bestform. Seine stimmliche Qualität stellt er mit seinem variationsreichen Gesang unter Beweis und läßt zumindest bei mir keine Zweifel an seinem Talent mehr offen. Die Setlist beinhaltet neben Songs des aktuellen Albums „The Gathering Wilderness“ auch viele ältere Songs und bietet somit einen gut gewählten Einblick in ihr gesamtes Material, sodass selbst das Debütalbum „Imrama“ zur Geltung kommt. Einen Sympathiebonus erhaschen Primordial bei mir dadurch, dass sie die ehemaligen Mitstreiter des Genres längst nicht vergessen haben und in Ehren halten, indem sie dem 2004 verstorbenen Sänger Quorthon von BATHORY einen Song widmen. Außerdem verschafft Nemtheanga durch seine zahlreichen Ansagen dem unwissenden Zuschauer einen Einblick in die textliche Thematik der Band, indem er auf historische Ereignisse zwischen 1300-1800 zurückgreift. Primordial wissen auf jeden Fall zu überzeugen, da man merkt, dass sie für ihre Musik und mit ihr leben und die Leidenschaft für die historische Thematik ihrer Heimat mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit aus ihrem Innersten kommt, was sich natürlich auch auf die gesamte Atmosphäre ihrer Darbietung auswirkt. Leider ist die Halle nach einiger Zeit weitaus leerer als zuvor bei Korpiklaani, doch ich sehe sie mir von Anfang bis Ende an und bin von dem überzeugenden Auftritt sehr positiv überrascht.

Als Headliner des ersten Tages werden die Finnen von Moonsorrow gegen 1:30 Uhr auf die Bühne gebeten, um dem Publikum mit ihrem Folk Metal die Zeit ihrer Ahnen näherzubringen. Ihre Songs sind jedoch in finnisch gehalten, sodaß der Großteil des Publikums den inhaltlichen Aspekt ihrer Stücke wohl kaum verstanden hat. Egal, denn ihr epischer Pagan Metal reicht als vermittelndes Medium aus. So auch ihr Bühenoutfit, das aus reichlich viel Kunstblut besteht und auf jeden Fall ein Hingucker ist. Entsprechend seiner äußeren Erscheinung kotzt Bassist und Sänger Ville Sorvali die Songs gekonnt aggressiv ins Publikum, doch dieses leert sich leider immer mehr in Folge des mittlerweile doch recht späten Abends und des somit einhergehenden Alkoholpegels. Viele schauen den Gig nur noch von den Rängen aus an und die Masse vor der Bühne wird immer spärlicher. Obwohl die Finnen einen guten Querschnitt ihrer Alben darbieten und nicht nur Songs vom neuen Album „Verisäkeet“, sondern auch zu meiner großen Freude überraschenderweise sehr viele ältere Songs spielen, sind ihre musikalischen Kompositionen doch etwas zu langatmig und teilweise auch zu langsam und episch um den Festivalgänger zu dieser fortgeschrittenen Uhrzeit noch mitzureißen. Es kommt einfach nicht genügend Energie rüber, und so bin ich insgeheim froh, dass ich nach dem letzten Song (und auch noch meinem Lieblingslied) „Pakanajuhla“ endlich ins Auto fallen und schlafen darf. Trotzdem kann man den Finnen nicht absprechen, dass sie einen gelungenen Auftritt hingelegt haben, aber eine frühere Spielzeit hätte ihnen weitaus besser getan und man hätte ihnen das Headbanging und die Party erweisen können, die sie verdient hätten!!

Am Samstag schaffen wir es aufgrund von Hangover und dem tollen Wetter nicht direkt zu Anfang in die Halle, ist es doch viel erholsamer, es sich erstmal auf dem Parkplatz gemütlich zu machen und ein paar Frühstücksbierchen zu trinken. Ausserdem gibt es viele illustere Gestalten zu beobachten, z.B. zwei in Fell gekleidete Wesen, die perfekt ins Bühnenbild von Turisas passen können, imitieren sie doch nicht nur deren Outfit, sondern auch die Kriegsbemalung. Oder zwei ältere Leute, die sich das ganze Treiben kopfschüttelnd, und wie wir erfahren haben, nicht nur von aussen sondern auch in der Halle zu Gemüte geführt hatten. Doch diese beiden sind nicht die einzig belustigten Gestalten. Auch die im Minutentakt vorbeifahrenden Polizisten scheinen ihren Spass am Geschehen zu haben, sitzen sie doch teilweise breit grinsend in ihren Autos.
Als wir dann aber letztendlich doch mal die Halle betreten sehen wir, dass der gesamte Zeitplan umgestellt wurde. Der Turisas Manager hatte Stress gemacht und die Band ein paar Stunden vorverlegt, da sie am nächsten Tag um 6 Uhr aus der Kiste müssen, um ihren Flug zu kriegen. Das heisst wiederrum, dass Black Messiah nicht spielen werden. Zu ärgerlich !

Nomans Land aus Russland sind somit also die für uns erste Band des Tages. 1996 in St. Petersburg gegründet hat sich diese Band merklich hörbar auch voll und ganz dem Viking Metal verschrieben. Die Show beinhaltet einige Songs des Debuts „The Last Son Of The Fjord“ sowie deutlich mehr Songs ihrer letzten CD „Hammerfrost“. Ganz wie es sich im Viking Metier gehört wechseln sich cleane Vocals mit bösen Growls ab und textlich gesehen dreht sich natürlich auch alles um Odin und Consorten. Diese Band passt definitiv perfekt ins Ragnaröck Konzept. Ihre Schlachthymnen kommen auch beim Publikum gut an, obwohl die Halle leider nicht gerade voll ist. Pech für alle, die Nomans Land verpasst haben, denn trotz der relativ unverständlichen Ansagen seitens des Sängers liefern die Jungs eine gute Show ab !

Schon bei den Umräumarbeiten zu Menhir schlägt das Herz höher: Überlebensgroße Kriegerstatuen, von denen vor allem eine aus einem Baumstamm Geschnitzte ins Auge sticht, werden auf die Bühne geschleppt um den passenden Hintergrund zu der epischen Musik des deutschen Pagan – Urgesteins zu liefern. Die Musiker aus Thüringen singen nicht nur über die Liebe zu ihrer Heimat und zum Heidentum, sie leben diese auch. Und so fällt es ihnen nicht schwer, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Mit der Songauswahl haben die Mannen um Sänger und Gitarrist Heiko alles richtig gemacht und geben Lieder wie „Menhir“ „die Kelten“ und „Das verborgene Reich“ zum Besten. Mit ihren vielen melodischen Passagen verbreiten sie noch einmal viel Atmosphäre und legen einen souveränen Auftritt hin. Das Publikum dankt es ihnen und vor allem das letzte Lied „Zuwari“ wird gebührend gefeiert.


Ragnaröck Festival: Menhir
out of the Dark…… Menhir

Turisas sollten eigentlich als letzte Band spielen, sind aber, wie oben schon erwähnt, Dank ihres Managers ein paar Stunden früher dran. Eine perfekte Strategie, denn zu dieser Zeit ist die Halle am vollsten. Die beste Zeit also, um so richtig abzufeiern- und das tun sie auch. Denn wenn man der Band etwas nachsagen kann dann, dass sie es wirklich beherrscht das Publikum zu animieren und anzuheizen. Dazu kommt auch noch der optische Effekt, denn die aufwendige Aufmachung der total in Fell eingekleideten und mit Blut-und Dreck beschmierten Nordmänner ist etwas für’s Auge. Zu Songs ihres Debuts wie dem obligatorischen „Battle Metal“, „Sahti-Waari“, dem Party Song schlechthin, „The Land Of Hope And Glory“ oder „Rex Regi Rebellis“ kommen zudem noch ein Song ihres Demos, „These Were The Days“ und ein wahnwitziges Medley aus
der Lambada, Bonanza und Euro Melodie und ein Dschingis Khan Cover. Alles wird von der abgehenden Meute gebührlich abgefeiert. Natürlich darf auch das obligatorische Geigensolo nicht fehlen und auch der Mann hinterm Akkordeon hat dieses Mal einen Soloauftritt mit „Reign In Blood“ von Slayer. Melancholisch wird’s als Warlord die Zugabe „One More“ dem kürzlich schwer verunglückten Gitarristen Georg widmet. Hoffen wir, dass er bald wieder auf die Beine kommt !! Die Band jedenfalls feiert in seinem Sinne auf der Bühne weiter und Warlord kippt seine Bierflasche mehrmals grosszügig über den Köpfen in den ersten Reihen aus. Eine weitere perfekt-energetische Show in der Laufbahn der Finnen.

 

Aufgrund des Chaos in der Spielfolge betritt als letzte Band des Abends Helheim die Bühne. Die Norweger wären über eine frühere Spielzeit garantiert glücklicher gewesen, da mittlerweile die meisten Besucher schon im Alkoholrausch im Auto / Zelt oder auf dem Boden liegen. Und so finden nur noch wenige schwankende Krieger ihren Weg vor die Bühne um dem nordischen Viking Metal zu lauschen. Die Band, welche sich nach dem Reich der germanischen Totengöttin Hel benannt hat, gibt trotzdem ihr Bestes und spielt sich professionell durch Songs wie „Jormundgand“ aus dem gleichnamigen Album, welches vor bereits elf Jahren veröffentlicht wurde. Doch auch neue Lieder dürfen natürlich nicht fehlen und so präsentieren die mit Kettenhemd bestückten Mannen ihren neusten Longplayer „The Journeys And The Experiences Of Death“. Daumen hoch für einen dunklen, harten und grandios gespielten Gig, dem leider viel zu wenige Zuschauer beiwohnten.

Fazit: Der weite Weg hat sich in jedem Fall gelohnt, denn das Line-up war wirklich genial ! Organisatorisch hätte so einiges zwar besser laufen können, aber das Festival ist ja noch jung….vielleicht bessert sich das ja in den nächsten Jahren. Von der Homepage ist zu entnehmen, dass pro Tag ca. 2800 Besucher anwesend waren und das Festival somit fast ausverkauft gewesen ist. Respekt ! Und abgesehen von ein paar Nazis, die es ja leider auf jedem Festival gibt, sind auch die Besucher nicht wirklich negativ aufgefallen. Als netter Nebeneffekt hat auch das Wetter mitgespielt, was natürlich zugegebenermassen bei einem Indoor Festival nicht wirklich wichtig ist, trotzdem aber die Laune verbessert hat. Nächstes Jahr kann man also ziemlich sicher wieder mit uns rechnen !!

Nadine S./ Daniela S./ Julia K./ V.U.

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