Mit ‘2010’ getaggte Artikel

Wenn sich der August dem Ende neigt, nimmt auch der Sommer bald Abschied und somit findet auch die Festival-Saison so langsam ihr Ende. Und wie feiert man am besten den Abschluss einer Festival-Saison? Natürlich mit einem Festival! Unter diesem Motto findet dann auch regelmäßig am letzten August-Wochenende das inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Summer’s End Open Air im Andernacher JUZ statt. Dieses Jahr stieg die „Sommer-Abschieds-Party“ am 28.08. und sie machte ihrem Namen alle Ehre, denn es gab immer wieder kräftige Regenschauer …

Aber was ein richtiger Rocker sein will, lässt sich von ein bisschen Wasser nicht abschrecken, sodass bereits, kurz nachdem sich um 14 Uhr die Tore öffneten, einige Feierwillige das Festivalgelände besiedelten.

Schon eine halbe Stunde später betrat mit Sons Of Season die erste Band die Bühne. Die Mannen um Sänger Henning Basse rockten mit ihrem Gothic Metal ordentlich gegen den Regen an und konnten so trotz der recht widrigen Umstände der frühen Spielzeit und des nicht gerade berauschenden Wetters bereits unter dem noch recht überschaubaren Publikum für ziemlich gute Stimmung sorgen. Somit zeigt sich der Frontmann richtig begeistert und stellte fest, dass es „ja schon voll“ sei. Auch wenn dies vielleicht ein wenig übertrieben war, konnte man über die Publikumsresonanz wirklich nicht meckern. Unterstützt wurde die Band an diesem Tag von Ariën van Weesenbeek, der normalerweise bei Epica hinter den Drums sitzt. Mit „Fallen Family“ beendeten Sons Of Season ihr Set und überließen eine gut gelaunte, stetig anwachsende Menge ihren Nachfolgern von Mono Inc.

Deren Auftritt wurde von einem Intro, das von einer elfenhaften weiblichen Stimme gesungen wurde, eingeleitet. Als diese verebbte, betrat zunächst Drummerin Katha Mia die Bühne. Aber anstatt hinter ihrem Schlagzeug Platz zu nehmen, stellte sie sich zunächst an den Bühnenrand, um das Publikum zum Klatschen aufzufordern. Sobald sie mit dessen Leistung zufrieden war, ging sie hinter die Drums und der Rest der Band kam hinzu, um seine Instrumente zu ergreifen. Mit den Worten „Guten Morgen Andernach!“ begrüßte Sänger Martin Engler die inzwischen gut angewachsene Schar vor der Bühne und mit „This Is The Day“ ließen sich die Gothic Rocker, deren düstere Ohrwürmer vom ersten Moment an auf gute Resonanz stießen, schon mal ordentlich abfeiern. Um das Wohl der Anwesenden bedacht, erkundigte sich der Sänger hinterher bei der Menge: „Geht’s euch gut?“ Da die Antwort noch etwas verhalten war, wiederholte er: „Ich fragte, geht’s euch gut?“ Dieses Mal war die Reaktion schon wesentlich lauter, sodass die Band beruhigt weiterrocken konnte, was sie mit Stücken wie „Temple Of The Torn“ und „Comedown“ ordentlich taten. Aber auch einen Moment der Ruhe gönnte Martin Engler seinem Publikum, indem er zur Akustik-Gitarre griff, um, von Katha Mia gefilmt, seinen inzwischen schon obligatorischen Beitrag für das Mono Inc.-Tour-TV zu leisten. Dabei bekam das singfreudige Publikum die Gelegenheit, mal ordentlich die eigenen Stimmbänder zu trainieren. Dass diese noch einiges Training nötig hatten, fiel dem Sänger recht schnell auf, sodass er sich ungläubig erkundigte, ob die Leute ihn „verarschen“ wollten. Schließlich forderte er dann „nur die Frauen“ zum Singen auf, was aber auch keine allzu gute Idee war, wie sich schnell herausstellte. „Das tut mir Leid“, kommentierte der wasserstoffblonde Frontmann gar nicht mitleidig das Geschehen und forderte dann „alle, auch die V.I.P.s“ erneut zum Mitsingen auf. Schließlich aber erlöste er die Menge, stellte die Akustikgitarre beiseite und überließ die Bühne Katha Mia, die daraufhin ein kleines Drum-Solo zum Besten gab, bei dem aber auch sie das Publikum zu beständigen „Hey“-Rufen anfeuerte. Anschließend durfte dann aber mit „Voices Of Doom“ wieder richtig abgerockt werden. Da die Spielzeit zu so früher Stunde noch ziemlich begrenzt war, erklärte Martin Engler auf einmal ganz unerwartet: „Danke Andernach! Wir spielen einen letzten Song und nach Schelmish treffen wir uns am T-Shirt-Stand, trinken ein Bier und lernen uns kennen!“ Mit „Get Some Sleep“, bei dem nun wirklich niemand mehr vom Klatschen abzuhalten war, beendeten die Gothic Rocker ihr sehr stimmungsgeladenes Set und verabschiedeten sich mit den Worten „Vielen dank Andernach. Das war Mono Inc. Wir wünschen euch einen guten Abend mit vielen tollen Bands. Wir sehen uns nach Schelmish am Stand!“

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann weiter mit Schelmish und ihrem Dudelsack-lastigen Folk Rock. Mit den Worten „Schönen guten Tag Andernach. Seid ihr da?“ wurde das Publikum begrüßt und mit dem Stück „Die Hässlichen Kinder“ wurde dann ordentlich abgerockt. Wer die Barden bereits live gesehen hat, weiß, dass sie sich nicht so besonders ernst nehmen. Dementsprechend stellte die Band sich selbst vor: „Wir sind fett, wir sind hässlich, wir sind Schelmish. Seid ihr gut drauf?“ Die recht laute Antwort wurde mit einem erfreuten „Das ist schön“ kommentiert. Obwohl die Stimmung zunächst nicht mehr ganz auf dem gleichen Niveau war wie noch zuvor bei Mono Inc., wurde zu „Der Narr“ sowie zu weiteren Kompositionen der Dudelsackmeister dennoch gut abgefeiert. Somit kam es der wilden Schar vor der Bühne auch sehr gelegen, dass Sänger Dextro erklärte: „Unsere Zeit ist kurz bemessen, deshalb werden wir nicht viel reden!“ Auf alle Fälle ein vernünftiger Kompromiss, über den sich sicherlich niemand geärgert haben dürfte. Nach einigen Stücken steigerte sich die Stimmung auch wieder auf das zuvor herrschende Niveau, sodass sich nicht nur bei „Überladen“ und „Das Moor“ kleine Moshpits bildeten. Da auch Folk-Rocker nicht vor technischen Problemen gefeit sind, mussten Schelmish zwischendurch ein reines Dudelsack-Stück spielen, da die Gitarren nicht so richtig funktionieren wollten. Aber dadurch ließen sich die frechen Barden nicht aus der Ruhe bringen und auch das Publikum feierte unermüdlich weiter. Bevor „1212“ angestimmt wurde, erklärte Dextro noch schnell den Hintergrund des Stückes, da es bezüglich des Titels wohl wilde Spekulationen über dessen Bedeutung gegeben hatte: „Die Presse wunderte sich, ob „1212“ der Schelmish-Code für irgendwas sei. Wir sagten: „Für’s Saufen.“ Aber wir haben mal ne Doku gesehen über Kinderkreuzzüge.“ Somit wäre dann auch geklärt, dass es sich bei „1212“ nicht um einen Geheim-Code sondern um eine Jahreszahl handelte. Nach einer Dreiviertel Stunde räumten Schelmish schließlich die Bühne, um diese, den stilistisch in eine ähnliche Kerbe schlagenden, Fiddler’s Green zu überlassen.

Setlist Schelmish:

01)  Die Hässlichen Kinder

02)  Der Narr

03)  Überladen

04)  Moor

05)  For The Clansmen

06)  Chaos

07)  Aequinoctium

08)  Marionette

09)  1212

10)  Sommer

11)  Mosaik

12)  Wir Werden Sehen

Auch zu den irisch angehauchten Folk-Rockern von Fiddler’s Green wurde ordentlich abgerockt. Mit „Life Full Of Pain“ stürzte das Sextett auf die Bühne und versprühte von den ersten Takten an eine super Stimmung, sodass die tanzfreudige Menge wie wild hüpfte, mitsang und ganz schnell einige Moshpits bildete. Kennt man aus der härteren Metal-Welt Phänomene wie die Wall Of Death, gibt es bei Fiddler’s Green ebenfalls ein entsprechendes Pendent namens Wall Of Folk, welche im Grunde genommen und von außen betrachtet der Wall Of Death sehr ähnelt. Nur die Klänge, zu denen man aufeinander zurennt, sind ein wenig anders. Folkig eben. Viele konnten es wahrscheinlich kaum glauben, wie kurz fünfzig Minuten sein können, als „Bugger Off“ das Ende des Sets einläutete und Fiddler’s Green sich von der tobenden Menge verabschiedeten.

Setlist Fiddler’s Green:

01)  Life Full Of Pain

02)  Sports Day At Killaloe

03)  Highland Road

04)  Mrs. McGrath

05)  Irish Air

06)  Rose In the Heather

07)  All These Feelings

08)  Kick The Bucket Tunes

09)  Rocky Road To Dublin

10)  Folk’s Not Dead

11)  The Night Pat Murphy Dies

12)  Bugger Off

Ein wenig elektronischer wurde es mit dem Mittelalter-Industrial-Rock von Tanzwut. Zu den Klängen von „Toccata“ stürmten Sänger Teufel und seine Mannen die Bühne und ließen es zu keiner einzigen Sekunde zu, dass die Stimmung im Publikum wieder abflachen konnte.

Auch das Wetter spielte mit, sodass der gehörnte Frontmann schließlich erfreut feststellte: „Die Sonne kommt raus!“ So ganz korrekt war das zwar nicht, da während Tanzwut wieder vermehrt Wolken am Himmel zu sehen waren, als bei den Bands zuvor, aber immerhin blieb es trocken. Und sogar einige Crowdsurfer ließen sich blicken. Leider war der Sound insgesamt nicht so besonders gut, sodass Teufels Stimme recht leise klang und er somit besonders bei den Ansagen recht schlecht zu verstehen war, aber dies tat Songs wie „Meer“ oder „Vulkan“ beim besten Willen keinen Abbruch.

Wie schnell so ein stimmungsgeladener Auftritt vorbei sein kann, gemahnte der Sänger, als er darauf hinwies: „Die Meisten haben noch nicht darüber nachgedacht, es ist später als man denkt!“ Bei dem folgenden „Endlich“ ließ Teufel die Menge nochmal ordentlich mitsingen, bevor er anschließend verkündete, dass er im September ein Solo-Album mit dem  bedeutungsvollen Namen „Absinth“ veröffentlichen wird. Unter lauten „Zugabe“-Rufen, die leider nicht erhört werden konnten, verließen Tanzwut die Bühne.

Setlist Tanzwut:

01)  Toccata

02)  Ihr Wolltet Spaß

03)  Im Labyrinth

04)  Meer

05)  Wieder Am Riff

06)  Merseburger Zaubersprüche

07)  Seelenverkäufer

08)  Vulkan

09)  Endlich

10)  Teufel Im Paradies

11)  Lügner

Mit dem Auftritt der aus den Niederlanden stammenden Epica wurde das Festival nicht nur beinahe international, man bewegte sich auch recht weit weg von den folkigen Klängen, die bis dahin das Summer’s End fest in der Hand hatten, denn die Holländer widmeten sich exzessiv dem Symphonic Metal.

Dies ließ sich bereits bei den Klängen des Intros „Samadhi“ mehr als nur erahnen und mit dem folgenden „Resign To Surrender“ bestätigte sich der Verdacht endgültig, dass es nun bedeutend metallischer und härter zur Sache gehen würde. Das Publikum jedenfalls dankte es der Band und so ließen sich einige wild fliegende Matten in der Menge ausmachen. Sängerin Simone Simons begrüßte daraufhin die inzwischen recht beachtliche Menschenansammlung vor der Bühne mit den Worten: „Guten Abend Andernach! Wie geht’s euch? Heute gab es Regen und Sonnenschein. Aber egal, hier sind heute viele geile Bands und das muss gefeiert werden! Jetzt brauchen wir eure Hände!“ Das ließ sich die feierwillige Meute natürlich nicht zweimal sagen und somit erhoben sich zum folgenden „Quietus“ unzählige Hände gen Himmel. „Das ist schön, ich muss weinen“, kommentierte Simone das Geschehen im Anschluss, gab dann aber direkt zu „nein, das ist nur der blöde Wind.“ Weiter ging es mit einem der persönlichen Favoriten der Sängerin, nämlich mit „Unleashed“. Neben Simones flammend roten Haaren, welche durch einen geschickt vor ihr platzierten Ventilator beständig ihr Gesicht umwehten, wenn sie nicht gerade in bester Headbanger-Manier ihren Kopf schüttelte, stellte das drehbare Keyboard von Tastenmeister Coen Janssen einen außergewöhnlichen Blickfang dar.

Nach dem sich anschießenden „Cry For The Moon“, welches noch aus frühesten Epica-Tagen stammte, erkundigte sich die rothaarige Frontfrau beim Publikum: „Habt ihr Lust auf ein bisschen Singalong?“ Da die Reaktionen der Menge dies eindeutig bejahten, sang Simone kleine Melodien vor, die die durchaus singfreudige Schar wiederholen musste. Dabei zeigte sich allerdings ziemlich eindrucksvoll, dass die Frontfrau die wirklich bessere Sängerin war. Nochmal richtig bombastisch wurde es dann mit „The Obsessive Devotion“, nach welchem sich die Sängerin, für viele überraschend, erkundigte: „Are you ready for the last one?“ Bei diesem letzten Stück handelte es sich um „Consign To Oblivion“. Mit den Worten „Vielen Dank Andernach! Bis bald! Macht’s gut! Tschüss!“, verabschiedeten sich Epica im Anschluss von ihrem Publikum, welches sofort laute „Zugabe“-Rufe anstimmte, die aber unerhört verklangen.

Setlist Epica:

01)  Samadhi

02)  Resign To Surrender

03)  Quietus

04)  Unleashed

05)  Cry For The Moon

06)  The Obsessive Devotion

07)  Consign To Oblivion

Nachdem die Sonne gesunken war, zogen wilde Reiterscharen aus, um, über das Summer’s End-Folk hereinpreschend, wilde Metalklänge aus ihren Läufen zu feuern und alles in Grund und Boden zu rocken, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte – oder wollte. Die Apokalyptischen Reiter hatten mit Stücken wie „Unter Der Asche“ oder „Es Wird Schlimmer“ das Publikum bereits nach wenigen Takten voll und ganz auf ihrer Seite, sodass der Platz vor der Bühne recht bald einem wilden Hexenkessel glich. Keyboarder Dr. Pest trug, trotz, den inzwischen recht frischen Temperaturen, lediglich ein Lack-Shirt mit entsprechenden Shorts und einer dazugehörigen Maske – also feinster Festisch-Style. Hinter seinem Keyboard war darüber hinaus eine Schaukel errichtet worden, auf die er sich zwischendurch immer mal niederließ, um ein wenig hin und her zu schwingen. Mit „Boten Einer Neuen Zeit“ wurde sogar ein ganz neues Stück dargeboten, welches auch sofort frenetisch aufgenommen wurde. „Die Jungs hier vorne haben Bock zu tanzen. Seh ich das richtig?“, erkundigte sich der Frontmann, nachdem sich in den vorderen Reihen erste Moshpits gebildet hatten, und forderte daraufhin: „Kämpft oder flieht! Hier ist „Adrenalin“!“ Während diesem Stück deutete Sänger Fuchs mit entsprechenden Gesten an, dass die Menge sich zu einer Wall Of Death teilen sollte. Die Ankündigung „Auf dass euch niemals der Lebensmut verlässt. Hier ist „Nach Der Ebbe“!“ leitete zum nächsten Kracher über, bei welchem seitlich neben einer auf der Bühne befindlichen Pauke Fackeln brannten. Im Anschluss an diesen Song wurden drei Trommeln auf die Bühne gebracht, auf welchen nun ein sehr rhythmuslastiges Instrumentalstück dargeboten wurde. Dieses kam beim Publikum sehr gut an, sodass der Frontmann, der sich inzwischen, trotz immer weiter abfallenden Temperaturen, seines Oberteils entledigt hatte, sich anständig bei der Menge bedankte. Auch fragte er, ob die Anwesenden die Fäuste im Takt des als nächstes erklingenden „Der Adler“ in die Luft recken könnten. Natürlich konnten sie, sodass man ein Meer aus geballten Fäusten erblicken konnte, soweit das Auge in der nächtlichen Dunkelheit reichte. Auf einmal wurde eine Kanone auf die Bühne gefahren, auf welcher ein Mädel stand. „Das war nicht geplant. Bist du der neue Admiral?“, wunderte sich Fuchs. Eine Antwort bekam er zwar nicht, dennoch aber wurde die Kanone abgefeuert. Allerdings gereichte der Schuss nicht zur Zufriedenheit des Sängers, weshalb er dies mit den Worten „Das war ja gar nichts. Bitte nachladen!“ kommentierte. Und an das Publikum gewandt erklärte er: „Jetzt möchte ich, dass ihr alle mit mir springt!“ Dieses ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und so erkundigte sich der Frontmann schließlich: „Könnt  ihr noch?“ Die Antwort war natürlich ein ganz klares „Ja!“. Während „Roll My Heart“ wurden große schwarze Ballons in die Menge geworfen, welche ordentlich Spaß mit diesen hatte. Danach verkündete Fuchs zum Leidwesen der Anwesenden: „Wir kommen zum letzten Song des heutigen Abends.“ Sofort erklang ein lautes, trauriges „Oooohhhh!“ Bevor dieses letzte Stück aber vorgetragen wurde, lag es dem Sänger noch am Herzen, jemanden vorzustellen, der sich gerade ebenfalls auf der Bühne befand: „Das ist Dima, ein ukrainischer Flüchtling. Den haben wir in der Ukraine aufgelesen. Dima, sag „Hallo“ auf Russisch.“ Seltsamerweise klang das russische „Hallo“ genauso wie ein Deutsches. Nichtsdestotrotz versprach der Sänger seinen Anhängern nun: „Wir machen euch jetzt unsterblich!“ und mit diesen Worten leitete er den Song „We Will Never Die“ ein, an dessen Ende die Band sich in eine Abschlusspose schmiss, zu der sich Fuchs auf die leicht gebeugten Beinen der beiden Gitarristen stellte und gleichzeitig die Hände euphorisch in die Luft reckte. Sofort ertönten Forderungen nach einer Zugabe. „Habt ihr immer noch nicht genug?“, gab sich der Sänger verwundert und erklärte dann: „Ein Seemann sucht seine Bräute.“ Zu dem daraufhin erklingenden Song, welcher natürlich den Namen „Seemann“ trug, betraten zwei Frauen die Bühne und tanzten wild mit der Band umher. Aber selbst nach dieser ersten Zugabe war noch kein Ende in Sicht, denn Fuchs erkundigte sich beim Publikum, was es noch hören wollte. „Seid ihr bereit für die Reiter…?“  Dabei überließ er es der Menge dieses Wort mit „Mania“ zu beenden, was sie auch lautstark tat. Bei dem folgenden Stück mit dem entsprechenden Namen „Reitermania“, kam wieder das Mädel mit der Kanone auf die Bühne gefahren und feuerte diese, passend zum Schlussakkord, ab. Mit einem inbrünstigen „Vielen Dank!“ verabschiedeten sich die Apokalyptischen Reiter von ihrem Publikum und während sich die restliche Band verbeugte, untermalte Dr. Pest diese Abschiedsgeste mit einer kleinen, erstaunlich netten Melodie auf seinem Keyboard.

Setlist die Apokalyptischen Reiter:

01)  Licht

02)  Revolution

03)  Friede Sei Mit Dir

04)  Unter Der Asche

05)  Es Wird Schlimmer

06)  Boten Einer Neuen Zeit

07)  Adrenalin

08)  Nach Der Ebbe

09)  Tribal-Drum-Einlage

10)  Der Adler

11)  Der Weg

12)  Roll My Heart

13)  We Will Never Die

14)  Seemann (Zugabe)

15)  Reitermania (Zugabe)

Den krönenden Abschluss des Summer’s End Open Air 2010 lieferten die Mittelalterrocker von Subway To Sally. Mit „Henkersbraut“ betrat das Septett die Bühne und zog das Publikum von den ersten Klängen an in seinen Bann. „Hallo Freunde! Das letzte Open Air des Jahres mit allem, was dazugehört: Es ist kalt, es ist feucht, Rock’n’Roll!“ begrüßte Sänger Eric Fish die noch lange nicht müde Meute, um daraufhin ein feuriges Set zu starten, in dem, neben einer ganzen Menge mittelalterlicher Instrumente, auch so einiges an Pyrotechnik zum Einsatz kam. So wurden unter anderem immer wieder Funkenfontänen am Rande der Bühne abgefeuert. Bei dem stimmungsvollen Stück „Rosen“ sang das gut gelaunte Publikum lauthals mit und Eric Fish bedankte sich mit den Worten: „Schön gesungen! Vielen Dank!“ Und weiter erklärte er: „Wir entführen euch in ein Land, in dem es tatsächlich heiß ist.“ Bei diesem Land handelte es sich um das bekannte „Feuerland“, bei welchem passenderweise viele Feuerfontänen gezündet wurden und schließlich sogar die Bühne von vielen kleinen Feuern erleuchtet wurde und somit selbst zu brennen schien. Bei „Kleine Schwester“ animierte der Sänger das Publikum, die Hände in die Luft zu recken: „Hey! Hey! Hey! Nicht nachlassen! Folgt diesem Rhythmus!“ Dieser Aufforderung gehorchte die Schar vor der Bühne doch gerne und streckte im Rhythmus der Rufe die Hände in die Höhe. Dass sich die Band im Andernacher JUZ sehr wohl fühlte, konnte man ihr nicht nur anmerken, auch Eric Fish erklärte, dass sie seit einigen Jahren in regelmäßigen Abständen auf dem Summer’s End  auftreten würden. Somit dürfte auch einigen der Anwesenden der grandiose Auftritt im Jahre 2008 noch gut in Erinnerung sein. Auf jeden Fall forderte der Sänger einen extra Applaus für die gute Organisation des Festivals ein, welcher auch äußerst bereitwillig gegeben wurde. „Wir haben lange überlegt, ob wir dieses Lied mit hineinnehmen, und haben uns dafür entschieden, da vorher schon genug Krach herrschte.“, erklärte der Frontmann schließlich und stimmte daraufhin das balladeske „Maria“ an, welches trotz seiner ruhigen Klänge das Gefallen des Publikums fand, immerhin wird auch so mancher der Anwesenden froh um eine kleine Verschnaufpause gewesen sein. Dementsprechend erfreut war auch die Reaktion der Band, welche die Publikumsresonanz natürlich mit einem „Danke schön! Das war großartig!“ kommentierte und dieses nun einmal ganz alleine ohne instrumentelle Begleitung singen ließ, woraufhin ein lauter, vielstimmiger Chor erklang. Bei „Feuerkind“ erleuchteten rote Flammen die Bühne und auch Eric Fish selbst ergriff eine große Fackel, die er während diesem Song mit sich trug. Mit dem Ruf „Der Schrei!“ forderte der Frontmann das Publikum im Anschluss an dieses Stück auf, ganz laut zu schreien, wozu sich dieses auch nicht lange bitten ließ und woraufhin die Klänge von „Judaskuss“ ertönten. „Lebt ihr noch?“, gab sich Eric Fish im Anschluss an dieses Stück besorgt. Die Antwort aber war ein ganz eindeutiges „Ja“ und daher forderte der Sänger mit der Erklärung „Wir bauen uns einen Burghof“ die Menge vor der Bühne auf, einen Kreis zum Tanzen zu bilden, was bei der pogo-erfahrenen Meute wohl kaum nötig gewesen wäre. Jedenfalls lieferte das so entstehende Moshpit die perfekten Voraussetzungen für das folgende „Besser Du Rennst“ und das sich anschließende „Falscher Heiland“. „Ich denke, wir haben alle das gleiche Gefühl. Es war ein schöner Tag und jetzt sind wir wirklich beim Summer’s End angelangt. Tanzt mit uns den letzten Tanz!“ Mit diesem Hinweis auf das drohende Ende des Festivals leitete der Frontmann den letzten offiziellen Song des Sets von Subway To Sally ein, bei welchem es sich um den „Tanz Des Todes“ handelte. Dieser wurde mit Feuerspukeinlagen sowie einem Feuerwerk begleitet. Als die Band die Bühne verließ, erschallten sofort laute „Zugabe“-Rufe, die recht schnell in „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“-Chöre übergingen. Natürlich ließen sich Subway To Sally auch nicht lange bitten und kamen schon nach kurzer Zeit wieder zurück. Dabei erklärt der überwältigte Eric Fish, dass es doch eine große Auszeichnung für eine Band sei, wenn anstelle von „Zugabe“-Rufen ein Song der Band gesungen würde. Zunächst aber wurde der Hit „Sieben“ angestimmt, welcher der Sänger vom Publikum anzählen ließ. Als dieses Stück mit einem fetten Knall auf der Bühne endete, verschwanden die Musiker wieder und wurden erneut mit „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“-Chören herausgerufen, wobei Eric Fish nun selbst einen Dudelsack spielte und somit das lang ersehnte „Julia Und Die Räuber“ einleitete. Noch einmal wurde ordentlich gerockt und gefeiert, aber dann mussten die Mittelalterrocker endgültig die Bühne verlassen und somit das Summer’s End Open Air 2010 beschließen, das dieses Jahr im Gegensatz zu den Vorjahren von Kälte und Regen dominiert war . Der guten Laune der Feiernden tat dies indessen keinen Abbruch und so wurden schließlich die müden Rocker wehmütig in das Ende der Festival-Saison entlassen. Aber ein neuer Sommer kommt bestimmt und damit auch neue Festivals.

Bericht:

Kerstin / V.U.

 

Fotos:

Hanzi / V.U.

Wie in jedem Jahr wurde am Mittwoch, dem 18.August 2010 sowie an den darauffolgenden drei Tagen im bayrischen Dinkelsbühl wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Bayern nicht nur Oktoberfeste feiern sondern auch richtig rocken können An diesen Tagen fand nämlich das Summer Breeze Open Air in seiner 13. Auflage statt, bei dem sich ca. 100 Rock- und Metalbands aus aller Welt vier Tage lang die Klinkenstecker in die Hand gaben. Bereits einige Wochen vor Beginn ausverkauft, versammelten sich rund 40.000 meist schwarz gekleidete Metalheads in dem beschaulichen Städtchen im Süden Deutschlands. Diese sollten auch vollends auf ihre Kosten kommen, immerhin zeichnete sich das Festival durch eine gut durchdachte und geregelte Organisation aus. Nicht nur, dass der Anfahrtsweg von Dinkelsbühl zum Festivalgelände auf dem Flugplatz des Aeroclubs Dinkelsbühl, welcher ein wenig außerhalb des eigentlichen Ortes liegt, so gut ausgeschildert war, dass ein Verfahren fast unmöglich wurde, auch die Auftritte der Bands wurden beim Summer Breeze auf ganz besondere Weise koordiniert. So befanden sich auf dem Gelände quasi zwei Hauptbühnen namens Main Stage und Pain Stage, welche direkt nebeneinander standen und auf denen ab Donnerstag Mittag die unterschiedlichsten Künstler, welche hauptsächlich aus den Bereichen Metal und Rock stammten, für fliegende Haare sorgten. Das Besondere hierbei war, dass, während auf der einen Bühne gerockt wurde, auf der anderen bereits alles für den nächsten Act vorbereitet wurde, sodass lange Umbaupausen, wie sie sonst bei Festivals an der Tagesordnung sind, geschickt vermieden wurden. Auf einer weiteren Bühne namens Party Stage, welche in einem Zelt untergebracht wurde, begann das Programm schon mittwochs. So auch auf der neuen kleinen Camel Stage, welche zwar ein recht begrenztes, aber deshalb nicht unerwähnenswertes Programm darbot. Aber nicht nur auf der Bühne konnte man die Bands bewundern. Am Metalhammer- und Metal.de-Stand konnte man zusätzlich noch Autogramme ergattern, weshalb sich vor diesen regelmäßig meterlange Schlangen sammelten. Natürlich war auch für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt und wer gerne Geld in neue Kleidungsstücke, Tonträger oder Ähnlichem investieren wollte, kam ebenfalls bestens auf seine Kosten und konnte sich an zahlreichen Kaufständen erfreuen.

Zu Beginn des Festivals am Mittwoch sah das Wetter noch eher nach Autumn Rain denn nach Summer Breeze aus, aber bereits am darauffolgenden Tag strahlte die Sonne heiß vom (fast) wolkenfreien Himmel herab. Ob die Klänge von Rage, Equilibirium, Milking The Goat Machine etc. am Mittwoch die Regenwolken vertrieben oder die Sonne herausgelockt haben, lässt sich nicht eindeutig feststellen, fest steht aber, dass ab Donnerstag das Event seinem Namen alle Ehre machte und die Rocker unter ihren langen Matten ganz schön schwitzen ließ.

Ganz schön geschwitzt haben sicher auch die Goth’n’Roller von The 69 Eyes in ihrer Lederkluft, als sie am Donnerstag Nachmittag die Pain Stage betraten. Ihre düster-rockigen Klänge sorgten dabei für einen starken Kontrast zu dem Metal von Ill Nino, welche zuvor auf der gleichen Bühne ihr Haupthaar schüttelten. Das sich nun die stilistische Marschrichtung ordentlich änderte, wurde schon beim ersten Stück „Back In Blood“, das die „Helsinki-Vampires“ anstimmten, deutlich. Dennoch war die Stimmung anfangs ziemlich gut. Mit den Worten „Good to see you guys! Let’s rock with The 69 Eyes“ begrüßte Sänger Jyrki 69 die Rocker, die der prallen Sonne vor der Bühne trotzten. Weiter ging es mit „Never Say Die“. Bei diesem Song konnte die gute Stimmung aber nicht vollends aufrecht erhalten werden. Wahrscheinlich war dieses Lied für die härtere Klänge gewohnten Summer Breeze-Besucher ein wenig zu soft geraten. Davon ließ sich die Band aber nicht beirren und mit einem „Danke schön!“, der Auforderung „Keep your hand up in the air!“ und dem Song „The Good, The Bad & The Undead“ ging es weiter. Schließlich musste Jyrki 69 einfach feststellen: „You guys fucking rock!“ Ebenfalls ordentlich rockte Drummer Jussi 69, welcher häufig bewies, dass man stehend mindestens genauso gut auf die Drums eindreschen kann wie im Sitzen. Ein bisschen Werbung darf natürlich auch nicht fehlen und somit kündigte der Jyrki 69 wahrscheinlich nicht nur zur Freude seiner Fans an, dass die Band eine neue Single namens „Kiss Me Undead“ veröffentlich hat, welche natürlich unmittelbar darauf dargeboten wurde. Aber nicht nur neue Stücke hatten einen Platz im Programm der Finnen, auch ältere Songs wie „Wasting The Dawn“ oder „Framed In Blood“ wurden zum Besten gegeben. Besonders angetan schien Jyrki 69 von einem Gerücht gewesen zu sein, welches ihm vor dem Auftritt zu Ohren gekommen war. Angeblich waren vor der Pain Stage noch niemals zuvor so viele Mädels versammelt, wie bei dem Set der 69 Eyes. Bevor die Jungs schließlich endgültig zum Ende ihres Programms kamen, versicherte sich der Sänger „Do you wanna rock?“ Da die Menge dies eindeutig bejahte, fetzten The 69 Eyes abschließend mit „Lost Boys“ nochmal ordentlich los. Bei diesem Stück kochte die zuvor trotz der sehr energiegeladenen Performance der Finnen etwas abgefallene Stimmung wieder auf das Anfangs-Niveau hoch, bevor sich die Helsinki-Vampires mit den Worten „You guys rock“ von ihrem Publikum verabschiedeten.

Setlist The 69 Eyes:

01.  Back In Blood

02.  Never Say Die

03.  The Good, The Bad & The Undead

04.  Devils

05.  Kiss Me Undead

06.  Wasting The Dawn

07.  We Own The Night

08.  Framed In Blood

09.  Dead Girls Are Easy

10.  Brandon Lee

11.  Lost Boys

Dass Die Apokalyptischen Reiter nicht umsonst für ihre ausgefallenen Live-Shows gefeiert werden, bewiesen die Weimarer gleich mit ihrem Eröffnungsstück „Wir sind das Licht“. Die Stimmung befand sich von Anfang an auf dem Siedepunkt, denn was sich auf der Bühne abspielte, stellte nicht nur die Entertainer-Qualitäten der Rocker unter Beweis sondern auch deren Wahnsinn. So rannte beispielsweise ein völlig irre wirkender Keyboarder namens Dr. Pest lediglich mit Latex-Short und Latex-Maske im feinsten Fetisch-Style wild die Peitsche schwingend wie ein wahnsinniger von einer Seite der Bühne zur anderen, bevor er sich zwischendurch auf seine hinter seinem Instrument befindenden Schaukel niederließ, um ein wenig zu schaukeln, wenn er nicht gerade anderweitig in Aktion war. Bei dem sich unmittelbar anschließenden Stück „Revolution“ schwang Sänger Fuchs, auf einer nach oben ausfahrenden Hydraulik-Bühne stehend, eine Fahne. „Herzlich willkommen! Wir sind die Apokalyptischen Reiter! Friede sei mit Euch in Ewigkeit!“, begrüßte der Frontmann danach die Menge, um mit dem entsprechenden Song „Friede Sei Mit Dir“ die Masse zu begeistern. Während dem einstündigen Set nahmen die Reiter ihre Anhänger mit auf eine wilde Zeitreise in die Vergangenheit und beglückten das Volk mit „Unter Der Asche“. Aber auch in die Zukunft blickte man und zeigte sich als „Boten Einer Neuen Zeit“. Schließlich verkündete Fuchs: „So ihr Lieben, habt ihr Bock zu tanzen? Dann kämpft oder flieht!“ Daraufhin bildeten sich vor der Bühne wilde Circle Pits, die sich letztendlich sogar zu einer Wall Of Death auswuchsen. „Seid ihr noch ganz?“, erkundigte sich der Sänger, bevor er „Nach Der Ebbe“ anstimmte, bei welchem zwei Feuer am Schlagzeug brannten. Auf einmal wurden drei Trommeln auf die Bühne gebracht, die im Folgenden von der gesamten Band, mit Ausnahme von Dr. Pest, der stattdessen eine Pauke schlug, heftigst bearbeitet wurden. Danach betrat der Admiral die Bühne und feuerte mit Hilfe einer Kanone zwei Superman-Kostüme ins Publikum. Mit den Worten „Ich möchte, dass ihr springt!“ feuerte Fuchs im Anschluss die Menge für das folgende „Der Adler“ an, was sich diese natürlich nicht zweimal gesagt sein ließ und das Stück wild abfeierte. Nach „Roll My Heart“ verkündeten die Reiter, dass sie nun zum letzten Song kommen würden. „Das hat grad der Typ neben der Bühne gesagt. ,Verpisst euch!’ Ich glaube, er hat sich gerade zum Arschloch der Nation gemacht!“ Sofort wurden „Arschloch“-Chöre im Publikum laut. Woraufhin sich besagte Person anscheinend – nicht ganz freiwillig – nochmals anders besann, denn Fuchs verkündete die frohe Botschaft „Ok, er hat gesagt, wir dürfen noch. Sonst hätte er auch ein paar auf die Fresse bekommen.“ Somit ging es mit „We Will Never Die“ weiter im Programm, woraufhin plötzlich der Admiral wieder auf die Bühne kam. „Oh, der Admiral ist sehr schussfreudig“, stellte der Frontmann der Reitertruppe fest, denn es flogen auf’s Neue Superman-Kostüme in die Menge. Aber auch, wenn man mit Prügeln droht, irgendwann geht ein jeder Auftritt zu Ende und somit bekamen schließlich alle Leute, die „mindestens zwei Brüste haben“ die Erlaubnis, die Bühne zu entern und dort zum letzten Stück „Seemann“ zu tanzen. Diese Gelegenheit ließen vielen Mädels und auch ein paar Männer nicht ungenutzt verstreichen und sprangen auf die Bretter der Main Stage, um dort mit den Reitern ein grandioses Finale zu feiern. „Vielen vielen Dank. Macht’s gut! Auch vielen Dank an unsere Seemannsbräute!“ Mit diesen Worten beendeten die Apokalyptischen Reiter letztendlich eine wahnsinnig stimmungsvolle Show.

Setlist Die Apokalyptischen Reiter:

01.  Intro

02.  Wir sind das Licht

03.  Revolution

04.  Friede Sei Mit Dir

05.  Unter Der Asche

06.  Es Wird Schlimmer

07.  Boten Einer Neuen Zeit

08.  Adrenalin

09.  Nach Der Ebbe

10.  Der Adler

11.  Der Weg

12.  Roll My Heart

13.  We Will Never Die

14.  Seemann

Zu bereits recht vorgerückter Stunde schickten sich die Schweden von Dark Tranquillity an, die Bretter der Pain Stage zu betreten. „At The Point Of Ignition“ riss das noch lange nicht müde Publikum vom ersten Takt an ordentlich mit. Aber auch die Band um Sänger Mikael Stanne lieferte eine energiegeladene Show, der man sich nur schwerlich entziehen konnte. Diese wurde perfekt untermalt von Videoprojektionen, welche die Atmosphäre der Songs aufgriff und auf wundersame Weise verstärkte. So war es nicht verwunderlich, dass schon nach kurzer Zeit viele Crowdsurfer die Gunst der Stunde nutzten, um sich auf den Händen der übrigen Zuschauer Richtung Bühne tragen zu lassen. Nach „Focus Shift“ bedankte sich Mikael für die großartige Publikumsresonanz: „Vielen Dank, Damen und Herren! This is all I know. Thank you very much!“ Vor dem Stück „Final Restistance” wies der Frontmann darauf hin, dass es vielleicht das letzte Mal für lange Zeit sein wird, dass sie diesen Song spielen würden. Dementsprechend wurde er vom Publikum ordentlich abgefeiert, was selbstverständlich nicht unkommentiert bleiben konnte: „Holy shit! How beautiful! Germany is the place to be for fucking metal!“ Berührungsängste schienen dem Wirbelwind am Mikro ein Fremdwort zu sein, denn er verließ sogar die Bühne, um sich von der Menge auf Händen tragen zu lassen. Und natürlich kann ein richtiger Rocker, auch während er eigentlich mit Crowdsurfen beschäftigt ist, unbeirrt weitersingen. Da die Schweden vor Kurzem ihr neues Album „We Are The Void“ veröffentlich hatten, stammten viele Songs des Sets aus diesem Werk. So auch „Dream Oblivion“, welches der, von der Stimmung im Publikum begeisterte, Mikael mit den Worten „You guys are amazing!“ einleitete. Bei diesem Stück handelte es sich definitiv um eines der Härtesten des gesamten Auftritts der Death Metaller, welches dementsprechend speziell den Headbangern vor der Bühne gewidmet wurde. Als Dark Tranquillity die Pain Stage nach „Terminus (Where Death Is Most Alive)“ verließen, brandeten sofort laute „Zugabe“-Rufe auf, die aber leider aus zeitlichen Gründen nicht erhört werden konnten.

Setlist Dark Tranquillity

01.  At The Point Of Ignition

02.  The Fatalist

03.  Focus Shift

04.  The Wonders At Your Feet

05.  Final Resistance

06.  Therein

07.  Lost To Apathy

08.  Misery’s Crown

09.  Punish My Heaven

10.  Iridium

11.  Dream Oblivion

12.  Terminus (Where Death Is Most Alive)

Obwohl die Jungs von der Letzten Instanz am Freitag bereits um 13.35 Uhr – also für Festivalverhältnisse zu sehr früher Stunde – die Pain Stage betraten, hatte sich dort schon eine beachtliche Menschenmenge versammelt, die, trotz der heißen Sonne, die am dritten Festivaltag noch brennender vom Himmel schien, als am Vortag, mächtig in Feierlaune war. Aufgrund der Hitze bedurften die Feierwilligen der regelmäßigen Abkühlung in Form von Wasser, welches die Security-Leute vor der Pain Stage mit Hilfe von Feuerwehrschläuchen reichlich in die Menge spritzten, sodass Stücke wie „Finsternis“ oder „Komm!“ frenetisch abgefeiert werden konnten. Auch Crowdsurfer gab es reichlich zu beobachten. Das Publikum kam darüber hinaus bereitwillig sämtlichen Aufforderungen von Sänger Holly nach, welcher alles daransetzte, die Menge zum Mitsingen, Mitklatschen und Mittanzen zu animieren. So formte er seinen Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis, welcher einen Lautstärkeregler symbolisieren sollte.

Dann hob und senkte er seine Hand und forderte das Publikum auf, entsprechend dieser Bewegungen lauter oder leiser zu schreien, was auch sehr gut funktionierte. Schließlich erkundigte sich Holly: „Gibt es hier Männer unter euch? Und gibt es Frauen?“ Letzteres wollte er nicht ganz ohne Hintergedanken wissen, denn er fügte hinzu: „Wir haben gleich Schluss. Frauen, ihr wisst, wo ihr uns findet! Wir haben gleich Autogrammstunde!“ Daraufhin ließ er Männer und Frauen noch ein wenig im Wechsel schreien. Nach dem absoluten Live-Knaller „Stimmlein“ verkündete der Sänger dann: „Meine Freunde, ein letztes Lied von der Letzten Instanz! Hände hoch, manche kennen das Prozedere ja schon, haltet euch an den Händen, wenn’s gefällt, Nummern tauschen! Wegen der Hitze geht das nächste Lied nur vier Minuten. Wer es schafft, die Hände vier Minuten hochzuhalten, darf uns gleich bei der Autogrammstunde ein Bier ausgeben!“ Dieser Ansage folgte das obligatorische „Wir Sind Allein“, bei dem Holly in den Fotograben sprang und von dort aus das Publikum singen ließ. Sobald die letzten Takte dieses Songs verklungen waren, brandeten laute „Zugabe“-Rufe auf, die sogar mit einem Medley aus „Rapunzel“ und „Song 2“ (welches im Original von Blur stammt) erhört wurden. Cellist Benni Cellini und Violinist M. Stolz nutzten die Gunst der Stunde, um selbst ein wenig Crowdsurfing zu beitreiben. Bevor die Letzte Instanz dann die Bühne endgültig verließ, verkündete Holly noch abschließend: „Vielen Dank Summer Breeze! Es war uns eine Ehre!“ Den darauf folgenden Rufen nach einer erneuten Zugabe, konnte leider nicht stattgegeben werden.

Wahnsinnig ausgelassene Stimmung herrschte bei Ensiferum von den ersten Takten an. Dies mochte aber kaum jemanden verwundern, denn die Männer mit den entblößten Oberkörpern, den langen Haaren und Röcken rockten sich wie die wilden Vandalen durch ihr Set. So flogen eine geschlagene Stunde lang lange Männer-Mähnen im Kreise, es wurde gesungen, gegrölt und einfach nur gefeiert.

Das Publikum musste gar nicht großartig animiert werden, es rockte von sich aus kräftig mit und es schien, als würden sich Band und Zuschauer bei Stücken wie „Twilight Tavern“ gegenseitig immer weiter aufputschen. „Guten Tag Summer Breeze! How is everyone doing today?“, begrüße Sänger Petri Lindroos schließlich die wilde Menge vor der Main Stage. Auch bei diesem Auftritt kam der Wasserschlauch der Security-Leute kaum zur Ruhe. Immerhin galt es, erhitzte Metaller zu kühlen, damit diese den Aufforderungen des Frontmannes nachkommen konnten, welcher forderte „Let me see those hands in the air!“ und schließlich sogar wissen wollte, ob man bereit für ein Moshpit sei. Aber was ein wahrer Metaller ist, ist natürlich immer bereit zum Moshen. Neben ganz alten Songs vom ersten Album bot die Band auch Nummern vom aktuellen Release „From Afar“ dar. So unter anderem das wild rockende „Stone Cold Metal“. Immer wieder wurden erneute Rufe nach Wasser laut, obwohl eigentlich niemand vor der Bühne noch einen trockenen Fleck am Körper hatte. Aber wer tanzt, braucht auch Abkühlung. Bei „Blood Is The Price Of Glory“ zeigte sich erneut, dass ein richtiges Publikum nicht erst durch die Band zum Mitklatschen gebracht werden muss, sondern dass es auch von ganz allein Stimmung verbreiten kann. Aber auch noch so viel Feierlaune kann das unweigerliche Ende eines Auftrittes nicht vermeiden und so verließen Ensiferum die Main Stage nach einer Stunde, aber nicht, ohne sich richtig verabschiedet zu haben: „Thank you! Have a good day, a good night, what ever! Danke schön!“ Trotz lang anhaltender „Zugabe”-Rufe gab es leider kein Wiedersehen mit den Finnen.

Etwas ruhigere Klänge schlugen die Gothic-Rocker von End Of Green an. Bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es für die Jungs und ihre Fans etwas zu feiern. Nämlich den Release ihres neuen Studio-Albums „High Hopes In Low Places“, welches ab Mitternacht am Metal.de-Stand erhältlich war.

Obwohl somit die Nacht für End Of Green wahrscheinlich recht lang war, zeigte sich das Quintett recht ausgeschlafen und so begrüßte Sänger Michelle Darkness das Publikum vor der Pain Stage mit einem tiefen „Oh yeah!“ und ließ dieses dann eintauchen in seine Welt der düsteren Klänge. Mit Ausnahme des Frontmannes, der eher unbeweglich hinter seinem Mikro stand, rockten End Of Green ordentlich ab und fanden somit auch ziemliche gute Ansprache im Publikum. Leider hätte der Gesang ein wenig lauter sein können, aber nichtsdestotrotz wurden Stücke wie „Dead City Lights“ begeistert aufgenommen. Natürlich aber bildete die Singles „Kill Honey“ eines der Highlights, bei dem sich sehr viele Crowdsurfer zeigten. Besorgt um das Wohlergehen der Menge forderte Michelle Darkness diese auf: „Drink …Water!“ Leider konnte man ihn öfters, obwohl er meist Deutsch sprach, nicht allzu gut zu verstehen, da seine Aussprache ein wenig undeutlich erklang, wodurch leider einige Ansagen untergingen. Stattdessen nahm er sich die Freiheit, während der gesamten Show einige Zigaretten zu rauchen. Und das, obwohl er gleichzeitig Gitarre spielte. Das muss man erstmal hinbekommen … Mit der Frage „Wollt ihr noch einen?“ wurde dann der letzte Song der Düsterrocker eingeleitet, bei welchem es sich um „Death In Veins“ handelte. Unter nicht stattgegebenen „Zugabe“-Forderungen verließen End Of Green anschließend die Bühne.

Einen sehr direkten Einstieg lieferten Hypocrisy. Ohne groß zu zögern, fackelten sie auf der Main Stage von der ersten Sekunde an ein Death-Metal-Feuerwerk vom Feinsten ab.

Dabei tummelten sich nicht nur auf der Bühne so einige Headbanger, die gemeinsam ihre Mähne schüttelten. „Summer Breeze how your fucking doing?”, erkundigte sich Sänger Peter Tägtgren und wunderte sich über die Reaktionen der Menge. „Oh, we got feedback!“ Jedenfalls stellte er fest “I think it’s time to go insane!” Das ließ sich natürlich keiner zweimal sagen und somit wurde „Pleasure of Molestation“ zu einem wahren Headbanger-Fest. Kein Wunder also, dass sich die Band sehr wohl fühlte und sich darüber freute wieder zurück beim Summer Breeze zu sein. Insgesamt vier Mal legte die Band zwischendurch eine kurze Pause ein, in der sie allem Anschein nach die Gitarren stimmen musste. Dies aber tat weiteren Killergranaten wie „Adjusting The Sun“ und „Killing Art“ keinen Abbruch. „Take care of yourself, alright?“, wies Peter Tägtgren die erhitzte Menge schließlich an. Selbstverständlich soll es bei solch einem Event auch keine Verletzten geben. „Let’s see, if we can get a fire in the sky“, wurde daraufhin der folgende Song mit gleichnamigem Titel angekündigt. Während die Schweden ihre Show zelebrierten, brach die Dunkelheit über das Summer Breeze herein. Dadurch kam die Lightshow von Hypocrisy besonders zur Geltung. Nebelmaschinen sorgen für reichlich Dunst auf der Main Stage, welcher in die Nacht hinaus entwisch. Gleichzeitig hüllten Scheinwerfer Bühne mit ihren Strahlen in buntes Licht, welches aufgrund des Nebels sogar recht weit über die Bühnengrenze hinausgetragen wurde und dem ganzen Spektakel eine gigantische Wirkung verlieh. Mit den Worten „Thank you! Got one last for you!“ wurde das Ende der recht langen Spielzeit von 75 Minuten eingeleitet. Im Anschluss an die letzte Nummer bedankte sich Peter Tägtgren nochmals: „Thank you very much! We love you! Let’s take a fucking picture!“ Daraufhin wurden natürlich sofort tausende Hände in die Luft gereckt, was die Band mit einer Kamera festhielt. Unter „Zugabe“-Rufen verließen Hypocrisy im Anschluss daran die Bühne, um nochmals zurückzukommen und Plektren und Drum-Sticks in die Menge zu werfen.

Zu schon recht vorgerückter Stunde betraten Watain die Bretter der im Zelt gelegenen Party Stage. Brennende, auf dem Kopf stehende Kreuze am Rand der Bühne, sowie ebenfalls brennende Dreizacke an der hinteren Bühnenwand ließen bereits, bevor die ersten schwarzen Klänge aus den Boxen rollten, erahnen, dass nun eine schwarze Messe vom Feinsten zelebriert werden sollte. Zunächst wurde die Bühne in dichten Nebel gehüllt, der sich lange über der Band hielt und nur ihre Silhouetten erkennen ließ. Zusammen mit dem schnell flackernden Licht der Bühnenscheinwerfer wurde so der Eindruck vermittelt, sich in einem bösen Albtraum zu befinden. Die Schwarzen Jünger unmittelbar vor der Bühne schienen sich davon auf jeden Fall sehr angesprochen zu fühlen, sah man dort doch beständig Haare fliegen. Wieder andere schienen eher verschreckt und verließen, von den Black Metal-Klängen der Schweden in die Flucht geschlagen, das Zelt. Die Ansagen von Sänger Erik Danielsson waren meist schlecht zu verstehen, da auch Watain unter dem Phänomen litten, dass in Zelten oft der Sound der besonders harten Bands schnell etwas matschig daher kommt. Aber trotz aller Widrigkeiten feierten die wahren Black Metal-Jünger im Publik um ihre Band und deren Songs wie beispielsweise „Wolves Curse“ ab. Leider war trotz der späten Spielzeit die Dauer dieses faszinierenden Spektakels auf gerade mal 45 Minuten begrenzt.

Für Festivalverhältnisse quasi in den frühen Morgenstunden betraten die Italiener von The Foreshadowing die Bretter der Main Stage, um mit ihren schweren Klängen das Summer Breeze aufzuwecken und auf den letzten Festivaltag einzuläuten.

Tatsächlich versammelten sich bereits um 11.35 Uhr einige Leute vor der Bühne, um sich in die düsteren Klanggefilde des Quintetts entführen zu lassen. Davon abgesehen, dass die Menge insgesamt noch recht überschaubar blieb, war die Stimmung schon ganz anständig und so wurden zu den Klängen von „Outsiders“ und „Chant Of Widows“ schon ordentlich die Köpfe kreisen gelassen.

Da die Sonne besonders in den Mittagsstunden erneut erbarmungslos vom Himmel brannte, erklangen vor dem Auftritt der A Capella-Metaler Van Canto laute „Wasser“-Rufe vor der Main Stage. Daraufhin betrat mit Ross einer der zahlreichen Sänger die Bühne und warf dem Publikum einige Wasserflaschen zu. Da diese aber natürlich nicht ausreichten, um jeden der Anwesenden zu erfrischen, griffen die Security-Leute auch an diesem Tag zu ihren Feuerwehrschläuchen, um die Menge nass zu spritzen.

Als sie die Wasserzufuhr abstellten, wurden augenblicklich „Zugabe“-Rufe laut. Zunächst aber begannen Van Canto mit ihrer faszinierenden und mitreißenden Show. Dabei bemerkte Lead-Sänger Sly: „Es ist so geil, hier zu sein! Macht mal Krach!“ Und Lead-Sängerin Inga ergänzte: „Wir werden euch die nächsten Minuten mit gitarrenloser Musik unterhalten. Hier ist eine Anleitung, wie man einen Metal-Song singt.“ Dieser Ankündigung folgte das Stück „To Sing A Metal Song“. Obwohl sich keine einzige Gitarre auf der Main Stage befand, hatten die Metalheads vor der Bühne wahnsinnig viel Spaß. Keiner schien die Saiteninstrumente zu vermissen. Aber kein Wunder, immerhin sind Van Canto in der Lage, allein mit ihren Stimmen Klänge zu erzeugen, die Metal-Bands mit „echten“ Instrumenten in nichts nachstehen. Und so musste Sly feststellen, dass es zwar noch früh am Morgen war, aber sich dennoch, soweit die Augen reichten, wahnsinnig viele Leute vor der Main Stage versammelten. „Das ist großartig! Vielen Dank!“, gab er seiner Begeisterung Ausdruck. Fast schon entschuldigend fügte er hinzu, dass er festgestellt hatte, dass das Banner der Band zu klein für die Bühne des Summer Breeze war. Aber immerhin sind Van Canto es bisher auch „nicht gewohnt, auf großen Bühnen zu stehen!“ Dafür lieferten sie allerdings eine absolut professionelle Show, während der sie neben eigenen Songs wie „The Mission“ auch Coverversionen bekannter Metal-Bands darboten. Unter diesen fanden sich „The Bard’s Song“ von Blind Guardian, mit denen die Band demnächst auf Tour gehen wird sowie ein Stück von Grave Digger oder ein kurzer Ausschnitt von „Master Of Puppets“, welches im Original von Metallica stammt. Aber auch das Publikum wurde in die Pflicht genommen: „Wer sich eine Metal-A Capella-Band anguckt, hat prinzipiell Lust zum Singen!“ Die überwältigenden Reaktionen der Menge beeindruckten die Band offensichtlich und so bemerkte Sly „Geiles Wetter, geile Fans! Großartig!“ um hinterher hinzuzufügen „Wir müssen euch was gestehen: Wir sind voll die eitlen Poser und weil der Ausblick so geil ist, müssen wir ein Foto davon machen! Rückt mal bitte was zusammen und nicht blinzeln! Das sieht doof aus!“ Auch wenn es mit dem Zusammenrücken aus Platzgründen nicht so klappte und bestimmt doch der ein oder andere geblinzelt hat, wird es sicherlich ein sehr beeindruckendes Bild geworden sein. Nach dem letzten Song, bei dem es sich um „Fear Of The Dark“ von Iron Maiden handelte, bedankte sich die Band mit den großzügigen Worten „Vielen dank Summer Breeze. Ihr ward großartig und jetzt dürft ihr euch wieder ins Bett legen!“ Darauf hatte aber keiner mehr so richtig Lust und sofort wurden Forderungen nach weiteren Songs laut, auf welche aber nicht mehr eingegangen werden konnte.

Zu harten Trommelklängen betrat eine der wenigen Frontfrauen des diesjährigen Summer Breeze mit Leaves’ Eyes die Bretter der Pain Stage. Sängerin Liv Kristin und ihre Mannen verstanden es, das Publikum von Anfang an mitzureißen. Besonders Schreihals Alexander Krull befand sich beständig in Kommunikation mit der Menge: „Wo sind eure Hände? Alle nach oben!“ Diese dankte es ihm mit ausgelassener Stimmung. Daher kam der Frontmann nicht drum herum, zu bemerken „Es ist super, hier zu sein!“ Beständig verlangte das schwer rockende Publikum nach Wasser. Daraufhin stellte Liv fest: „Also heute wird es nicht mehr regnen. Ich hoffe, ihr haltet es noch aus in der Hitze. Also ich hab mich schon eingecremt. Diese nordische Haut …“ Die Security-Leute dagegen kamen den „Wasser“-Wünschen auf effektivere Weise nach, indem sie regelmäßig den Wasserschlauch auspackten und die erhitzten Rocker nass spritzten. Die Band hatte auf ihrer gerade beendeten Europa-Tour einen kleinen Wettbewerb gestartet, der natürlich auch beim Summer Breeze fortgesetzt werden sollte. Dabei ging es darum, welches Publikum das Lauteste in Europa ist. „Letztens waren wir in England. Im Fußball haben wir sie schon platt gemacht. Wir können doch nicht zulassen, dass England jetzt gewinnt!“, spornte Alexander Krull die Menge an, die selbstverständlich mit so lautem Geschrei antwortete, dass die Engländer dagegen bestimmt alt ausgesehen hätten.

Aber auch die Songs trugen nicht wenig zur guten Stimmung bei. So gaben Leaves’ Eyes unter anderem „My Destiny“ sowie „Take The Devil In Me“ zum Besten und auch auf der Bühne selbst stand niemand still. Besonders der männliche Teil der Band headbangte, was das Zeug hielt. Da das Verlangen nach Erfrischung, trotz beständiger Bemühungen der Security-Leute, nicht abriss, warf Liv schließlich mit den Worten „Vielen Dank, ihr seid super! Hier ist Wasser!“ dem Publikum einige Flaschen zu. Eines der Highlights der Show bildete der Hit “My Elegy”, nach welchem Liv begeistert feststellen musste: „Breeze, wir lieben euch! We love you!“ Nach einer dreiviertel Stunde mussten Leaves’ Eyes schließlich die Pain Stage räumen. Dies taten sie aber nicht, ohne dass Alex dem Publikum die  Worte „Ich danke euch meine Freunde von ganzen Herzen!“ mit auf den Weg gab und Liv noch hinzufügte: „Vielen Dank! Es war ein wunderbares Heimspiel!“

Auf der Main Stage brach trotz brennender Sonne mitten am Nachmittag eine „Eiszeit“ herein, als Eisbrecher mit Eispickeln bewaffnet die Bühne betraten. Mit ihrem Industrial-Rock stellten sie einen recht großen Kontrast zu den meisten anderen Bands des Summer Breeze dar, aber nichtsdestotrotz kam ihr nicht ganz so harter Sound auch bei den harten Rockern sehr gut an. Es schien, als seien einige Leute im Publikum, die die Band bereits länger kannten, denn Sänger Alexx (der als zweites Standbein eine Serie bei DMAX namens „Der Checker“ hat) las ein Schild vor, welches ein weiblicher Fan hochhielt, und auf dem stand: „Checker, ich will ein Kind von dir!“ Dies konnte natürlich nicht unkommentiert bleiben: „Ich habe Tschernobyl miterlebt, im Sand gespielt und Sand gegessen. Daraus wird nichts. Hab ich ein Glück und ihr ein Pech!“, erklärte der absolut nicht auf den Mund gefallene Frontmann. Weiter ging es mit „Angst“, nachdem Alexx feststellen musste, dass „der Süden rockt. Wir sind in Bayern. Ich hoffe, das macht nichts.“, womit er sich eindeutig gegen das in Bayern herrschende strenge Rauchverbot aussprach. Die Überleitung von „Willkommen Im Nichts“ zum nächsten Song geriet dem Sänger etwas eigenwillig, aber wer ihn kennt, wundert sich nicht über Kommentare wie „Gwar (Headliner der Pain Stage am Vortag) hab ich auch mal gesehen. Die haben größere Schwänze als wir. Leider!“ Da man sich auf einem Metal-Festival befand, warnte der glatzköpfige Frontmann die ganzen harten Rocker vorsorglich vor, als er „Schwarze Witwe“ anstimmen wollte, denn angeblich sollte dieser Song ein Pop-Song sein. Schließlich können Eisbrecher „alles“ spielen: „Rock und Pop!“ Allerdings konnte man kaum sagen, dass dieses Stück wesentlich poppiger war als der Rest des Sets. Dementsprechend gut kam es dann auch an, was Alexx „ja nett“ fand. Immerhin „haben wir schon ganz andere Sachen erlebt. Wir wurden verspottet – manchmal zu Recht …“ Aber Selbsterkenntnis soll ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung sein. Auch missionarische Arbeit ließ sich der Checker nicht verwehren und somit erkundigte er sich: „Wer ist noch in der katholischen Kirche?“ Zu denen, die sich daraufhin meldeten (ja, es gibt auch Metaller, die noch in die Kirche gehen!!!) sagte er: „Ihr müsst austreten!“ Nach dem folgenden „Heilig“ stellte der Sänger das Crew-Mitglied Dodo vor. „Ohne eine Crew ist eine Band nichts wert. So, das waren jetzt deine 15 Sekunden Fame. Jetzt musst du wieder leiden. Aber für seine vier Euro die Stunde macht er das gern. Ihr seht, ich bin gegen Mindestlöhne. Also wählt mich bloß nicht!“ Das sich anschließende „This Is Deutsch“ wurde in einem „typisch Bayrischen“ Outfit mit Lederweste und dazu gehörigem Lodenhut vorgetragen. Für „Amok“ musste die Bühne etwas umgeräumt werden, denn bei diesem Stück trommelte die gesamte Band mit Ausnahme des Sängers auf vier Blechtrommeln. Dieser besondere Einsatz hinterließ aber seine Spuren bei den Musikern, denn einer der Bandmitglieder verletzte sich an der Stirn, als er seine Trommel auf ihren Platz bringen wollte. „Das ist echtes Blut bei ihm auf der Stirn!“, erklärte Alexx, damit auch ja niemand auf die Idee kommen konnte, dass es sich um Kunstblut handelte, welches bekanntermaßen bei manch anderen Bands ganz gerne mal verwendet wird. „Ein letztes Lied. Habt ihr Lust?“, wollte der Checker schließlich wissen. Natürlich hatte das Publikum Lust und somit gab es als Finale der kalten Jungs „Miststück“ auf die Ohren, bei welchem der Sänger von der Bühne sprang und einige Leute aus der ersten Reihe ins Mikro singen ließ. Bei so viel persönlichem Einsatz müssen ja zwangsläufig Rufe nach einer Zugabe laut werden. Aber auch in diesem Fall gab es keine zusätzlichen Songs mehr. Der Fluch der Festivals …

Setlist Eisbrecher:

  1. Eiszeit
  2. Angst
  3. Phosphor
  4. Willkommen Im Nichts
  5. Leider
  6. Schwarze Witwe
  7. Heilig
  8. This Is Deutsch
  9. Amok
  10. Miststück

Dass Sepultura bereits sehnsüchtig erwartet wurden, war unverkennbar, denn, bereits bevor die Brasilianer die Bühne betraten, erschollen laute Chöre, die den Namen der Band ausriefen. Ebenfalls sah man einige Brasilienflaggen im Publikum, welche in freudiger Erwartung geschwenkt wurden. Die Band ließ sich dann auch nicht lange bitten und betrat um 18 Uhr zu den Klängen eines instrumentalen Intros die Main Stage. Auch bei dem ersten Stück, das die Mannen um Frontmann Derrick Leon Green auf ihren Instrumenten spielten, handelte es sich um einen Instrumental-Song, nach welchem schließlich ein Trash-Metal-Feuerwerk der Extraklasse abgefeuert wurde, wie es eben nur Sepultura vermögen. Zu Beginn legte die Band dabei besonderen Wert darauf, die Stimmung im Publikum immer weiter anzuheizen, indem sie exzessiv einen Song nach dem anderen aus den Boxen feuerten und zunächst auf Interaktion mit der Menge relativ verzichteten. Als sich vor der Bühne nur noch eine tobende Menschenmasse befand, begrüßte Gitarrist Andreas Kisser diese schließlich: „Hallo Summer Breeze! This is a wonderful day! I see the Brasilien Flags!“ Diesen Worten fügte er noch etwas auf Brasilianisch hinzu, was aber die meisten Anwesenden wahrscheinlich nicht verstanden haben. Nach der Erklärung der Band, dass der nächste Song mit einem Circle Pit sei, stand fast niemand im unmittelbaren Bereich vor der Main Stage still. Dass ein solches Publikums-Feedback nicht unkommentiert bleiben darf, ist klar. „Danke schön Summer Breeze! Wie geht es dir? Alles gut? Nein, alles sehr gut? Do you like my German? I’m working on it!“ Mit diesen Worten zog Schreihals Derrick Leon Green die Sympathien der Anwesenden ganz klar auf seine Seite. Auch Crowdsurfer dürfen bei solch einem stimmungsvollen Set natürlich nicht fehlen und so zitierte der Frontmann passend zum Festival einen alten Song von Seals & Crofts: „Summer Breeze makes me feel fine, blowin’ through the jasmine in my mind.” Für die positive Publikumsresonanz bedankte er sich schließlich mit den Worten: „Danke schön! You guys are still there and not tired! We make an experiment that you move a bit more, ok?” Auf diese Weise forderte er die Menge zu erneuten Moshpits auf. Einigen Anwesenden aber schien die Sache so langsam etwas zu heftig zu werden, denn man konnte beständig beobachten, dass einige Leute die wilde Meute verließen. Der größte Teil der Anwesenden hatte aber dennoch jede Menge Spaß, sodass Derrick letztendlich verkündete: „Alright people. We have one more song for you.“ Aber bevor die Band mit diesem loslegte, wollte man erst sichergehen, dass die Menge vor der Main Stage auch lauthals mitsingen würde. Um das zu erreichen, ließ Derrick die Anwesenden ganz laut schreien. Mit dem Ergebnis schien er sehr zufrieden zu sein und somit folgte der Kracher „Roots Bloody Roots“, bei dem wirklich niemand mehr stillstand. „Danke schön für alles! You guys are the best!“ Mit diesem Ausruf verabschiedeten sich Sepultura von ihren Anhängern. Sobald die Brasilianer die Bühne verlassen hatten, erhoben sich „Olé oléoléolé Sepultura olé“-Gesänge.

Für 20:10 Uhr war ein mysteriöser Surprise Act in der Running Order vorgesehen. War zunächst das Rätselraten noch groß, wer dies denn sein könnte, sprach sich doch recht bald rum, dass es sich hierbei um einen Künstler der etwas anderen Sorte handeln sollte: Bülent Ceylan, deutsch-türkischer Comedian und selbst bekennender Headbanger. Sollten einige Leute daran gezweifelt haben, ob Comedy auf einem Metal-Festival wie dem Summer Breeze überhaupt funktionieren würde, wurden deren Bedenken bereits zerstreut, bevor Bülent Ceylan die Main Stage betrat, denn es erschollen wenige Minuten vor Beginn seiner Show lautstarke „Wir woll’n den Türken sehn“-Chöre. Als dann die ersten Takte seiner metal-lastigen Auftrittsmusik erklangen, gab es kein Halten mehr und fast jeder im Publikum schüttelte seine Mähne, als würde es sich bei dem Auftritt dieses Künstler ebenfalls um den Auftritt einer Metal-Band handeln. Der Comedian selbst, der ein Shirt mit der Aufschrift „Headbanger“ trug, stellte direkt mal unter Beweis, dass auch Türken wissen, was man mit langen Haaren zu machen hat, bevor er mit den Worten „Dinkelsbühl, ihr seid geil!“ die Menge begrüßte. Obwohl eigentlich jedem bereits klar gewesen sein muss, welche musikalische Vorlieben Bülent Ceylan so pflegt, erklärte dieser vorsichtshalber nochmal: „Ich muss euch warnen, ich bin Rocker und kein Hip-Hopper!“ Dieser Aussage wurde verständlicherweise schallender Applaus gespendet. Daraufhin schlüpfte der Comedian in die Rolle von „Hausmeeschder“ Mompfred Bockenauer, welcher, trotz der guten Publikumsresonanz, „so aggressiv“ war. Aber so kennt man ihn schließlich auch den Mompfred. In seiner zwanzigminütigen Show, zu der er „ohne Band, nur mit CD-Player“ gekommen war, erklärte der „Monnemer“ allen, die es nicht wussten, warum eine Wasserpumpenzange in Wirklichkeit „Pumpenwasserzang“ heißt, dass die Türken bereits vor den Ossis in Deutschland gewesen sind und vor allem stellte er fest, dass „Dinkelbülent“, wie er den Ort des Geschehens spontan umbenannte, eigentlich Hauptstadt von Deutschland werden müsste, da die anwesenden Leute „so geil“ seien. Dabei steigerte sich Mompfred teilweise so sehr in seinen Vortrag, dass er immer mal wieder erschrocken innehielt und zugeben musste, dass „die Tabletten nicht immer wirken“(, die er angeblich gegen seine Aggressionen nimmt). Dennoch war das Publikum wahnsinnig begeistert und forderte plötzlich lautstark im Chor „Wall of Death! Wall of Death!“, was der „Hausmeeschder“ aber mit einem „Halt die Gosch!“ schnell abschmettert, der Menge aber zugestand: „Mir doch scheißegal, wer hier nach kommt, ich mach so lang, bis ich verreck!“ Außerdem verkündete er, dass Bülent Ceylan der erste Türke ist, der ab Februar in seine eigenen Metal-Comedy-Show zeigen wird, dass „ihr Metaller nicht, wie die da draußen denken, aggressiv seid und schlagt die Leut sondern, dass ihr geil seid!“ Diese Aussage gipfelte selbstverständlich in lauten Jubel, der in „Bülent! Bülent!“-Rufe überging, in die Mopfred natürlich reinbrüllte „Ich bin der Mompfred!“, woraufhin, die Rufe sofort in „Mompfred! Mompfred!“ umschlugen. Mit den Worten „Ich hab ein Lied“ und an seinen Techniker gewandt „Hey Pole, ist das mein Mikro?“ schickte sich der „Monnemer“ an, nochmal ausdrücklich zu beweisen, dass er auf einem Metal-Festival definitiv nicht fehlplatziert ist. Und so schmetterte er seinen, teilweise an Rammstein erinnernden Song „Hausordnung“ von der Bühne, womit er eindrucksvoll zur Show stellte, dass Bülent Ceylan, in den er sich nach und nach wieder zurückverwandelte, nicht nur wahnsinnig lustig ist sondern dass er auch singen kann. Für das Publikum war das eine einmalige Gelegenheit, während einer Comedy-Nummer zu headbangen und zu moshen und sogar ein Crowdsurfer ließ sich blicken. Die überwältigenden Reaktionen des Publikums auf seine außergewöhnliche Show, schienen den Comedian immer mehr aus der Fassung zu bringen, sodass aus Mompfred immer wieder ungewollt Bülent Ceylan wurde und dieser schließlich eingestehen musste: „Ihr seid so geil, dass es mir schwer fällt, in der Rolle zu bleiben!“ Zumal er zunächst, wie er zugab, Bedenken hatte, ob eine Comedy-Show auf einem Metal-Festival überhaupt ankommen würde. Als Abschluss seiner Nummer erklärte Bülent, dass er noch einen neuen Charakter entwickelt habe und sich nicht sicher ist, ob er eine Nummer daraus machen soll. Daher wollte er sich dazu gerne eine Rückmeldung vom Summer Breeze einholen. Dieser neue Charakter trägt die langen Haare vor dem Gesicht und eine Brille auf der, durch die Haare nicht sichtbaren, Nase, heißt Günther und hat einen deutschen Vater und einen Yeti als Mutter. Das Urteil des Publikums war jedenfalls eindeutig: „Mach ne Nummer draus! Mach ne Nummer draus!“, erschallte es aus tausenden Kehlen. Bevor der Deutsch-Türke sich schließlich anschickte, die Bühne zu verlassen, überlegte er, dass er doch eigentlich auch mal crowdsurfen müsste, da er dies noch nie ausprobiert habe und das Summer Breeze eine einmalige Gelegenheit dafür bot. Das sah die Menge ganz genauso. Ein wenig ängstlich, da er fürchtete, fallen gelassen zu werden, kletterte Bülent Ceylan aber schließlich wirklich über die Absperrung und ließ sich auf Händen tragen. Das funktionierte auch sehr gut. Zumindest ließ ihn niemand fallen. Aber als er zur Bühne zurück wollte, wurde es etwas schwierig, da ihn niemand in Richtung Main Stage zurückreichen wollte, obwohl er wild in deren Richtung gestikulierte. Daher musste er letztlich selbst die Initiative ergreifen, drehte sich auf den Bauch und schaffte es so, sich zurück zur Bühne zu steuern. Danach verließ er völlig geplättet von der gigantischen Publikumsresonanz die Main Stage.

Ganz ohne Umbaupause kehrt man mit Sick Of It All und ihren Hardcore-Klängen zum normalen Festival-Programm zurück Von Anfang an herrschte gute Stimmung, was aber kaum verwunderlich wahr, immerhin hatte Bülent Ceylan der Meute schon ordentlich eingeheizt. Sofort bildeten sich einige kleine Moshpits und viele Crowsurfer nutzten noch einmal die Gunst der Stunde, um sich auf Händen tragen zu lassen. „Who sees Sick Of It All for the first time?”, wollte Sänger Lou Koller wissen, wobei sich herausstellte, dass es für viele der Anwesenden das erste Mal war, dass sie das Vergnügen hatten, die New Yorker Jungs live zu erleben, was mit „Oh shit, so many!“ kommentiert wurde. Dafür wurden diejenigen, die die Band bereits besser kannten in die Pflicht genommen und dazu aufgefordert, ordentlich mitzusingen, was aber nicht immer so gut funktionierte. Dagegen wurde der Aufruf zum Circle Pit um so begeisterter aufgenommen, sodass die Menge bei „Step Down“ einem wilden Hexenkessel glich. Aber so ganz zufrieden war Lou Koller immer noch nicht, denn er verkündete, dass er mit Sick Of It All bereits seit 1992  auf Festivals spielen würde und dass er es vermisse, dass die gesamte Menge gemeinsam springen würde. Diese kam dem Appell dann auch weitestgehend nach. Abschließend verkündete der Frontmann noch, dass die Band im kommenden Jahr 25-jähriges Bandjubliäum habe und sie die gesamte Zeit bis dahin ohne Unterbrechung aktiv gewesen sei. Diese wahnsinnige Leistung wurde denn auch ordentlich mit einem fetten Applaus honoriert. Als Sick Of It All schließlich die Bühne verließ, hinterließen sie somit ein gut gelauntes Publikum, das sich schon voller Anspannung auf den Headliner der Main Stage freute.

Bei dem Headliner handelte es sich um die Finnen von Children Of Bodom. Diese wurden stilgerecht mit „Bodom“-Rufen frenetisch begrüßt. Mit Melodic Death Metal-Granaten wie „Hatebreeder“ oder „Kissing The Shadows“ brachten sie die Menge zum Toben, sodass die Security-Leute im Sekundentakt Crowdsurfer in Empfang nehmen mussten. Dennoch fragte Alexi Laiho: „Are you having a good time? I can’t hear you!” Dies schien aber dennoch der Fall gewesen zu sein, denn schließlich musste der Finne feststellen: “Thank you so much! You’re amazing, Jesus fucking Christ!“ Vor der Bühne herrschte aber auch der absolute Ausnahmezustand. Hatten sich die Leute bei Sepultura und Sick Of It All noch zurückhalten können, war dies nun absolut nicht mehr möglich und jeder, dem noch ein winziges bisschen Platz blieb tanzte, bangte und pogte. Somit war die Frage „Summer Breeze, wie geht es euch?“, die Keyboarder Janne stellte, eigentlich überflüssig. Aber wenn Finnen Deutsch sprechen, erfüllt das an sich schon das Metaller-Herz mit Freuden. Mit den Worten „I’m fucking happy to play for you!“ erklärte Alexi auf einmal, dass sie nun einen Song spielen würden, den Children Of Bodom normalerweise nicht live spielen. Dabei handelte es sich um „Needled 24/7“, welches entsprechend euphorisch aufgenommen wurde. Eine weitere Überraschung sorgte das plötzlich erklingende Intro des berühmten „Jump“, das aus der Feder von Van Halen stammt. Aber leider wurde dieses nicht weiter ausgeführt, da es stattdessen mit „some old school Children Of Bodom“ weiter gehen sollte. Um die Menge abschließend noch ein wenig zu motivieren, erklärte der Frontschreihals: „ I wanna see you motherfuckers in the motherfucking sky!“ Daraufhin reckte jeder, dem dies noch möglich war, seine Hände in die Luft, was einen wirklich gigantischen Anblick bot. Mit den Worten: „Thank you motherfucking much!“ verließen die Finnen schließlich die Bühne und beendeten damit das Programm auf der Main Stage.

Dies aber bedeutete nicht, dass das Summer Breeze nun zu Ende gewesen wäre. Im Gegenteil. Auf der Pain Stage ging es noch eine Stunde lang mit My Dying Bride weiter während auf der Party Stage im Zelt gerade Eisregen spielten. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, wie schwachsinnig es ist, bei Open Air-Festivals einzelne Bühnen in Zelte zu packen, denn die Location war vollkommen überfüllt. Um das Zelt herum stand eine große Masse an Menschen, die sich wahrscheinlich gerne Eisregen angesehen hätten und sich so lediglich mit den Klängen von Stücken wie „1000 Tote Nutten“ zufrieden geben mussten, welche aber leider auch wieder von der Musik verschiedener Einkaufs- und Essensständen in unmittelbarer Nähe übertönt wurden. Für viele war dies sehr ärgerlich, aber dennoch kein Grund, bereits auf den Zeltplatz zurückzukehren, denn auf der Party Stage wurde schließlich noch bis 4:00 Uhr morgens gerockt. Erst danach ging ein grandioses Festival endgültig zu Ende, welches seinem Namen alle Ehre machte – Summer Breeze!

Bericht:
Kerstin Tschöpe / V.U.

Fotos:
Markus Horne / V.U.

Ein kleines Festival steht den Großen in nichts nach

Am 13. + 14.08.2010 fand auf dem Sportgelände in Villmar das 7. Tells Bells Festival mit einer Reihe von guten Bands statt.
Nachdem im Vorjahr z.b. Sick of it All oder auch Madball die Bühne rockten traten dieses Jahr neben zahlreicher Newcomer Bands aus ganz Deutschland und Europa Raised Fist, 7 Seconds und Smoke Blow in der Rolle der Headliner auf.

Musikalisch gab es eine tolle Mischung zu hören. Von SKA über Funk bis hin zu Metal war alles vertreten und so für jeden die passende Musik dabei.

Die erste Band des Freitag Nachmittag hatte es leider noch ein bischen schwer gehabt mit dem doch noch fehlenden Publikum. Trotzdem überzeugten 3 Tage Tape aus Limburg musikalisch.

Es sollte auch nicht lange dauern bis sich das Festivalgelände füllte. Nachdem die Besucher das Aufbauen ihrer Zelte wohl vollends vollbracht hatten und wohl auch in angemessenem Rahmen vorgeglüht hatten fanden sie auch den Weg auf das Festivalgelände.
Auch hier gab es Getränke sowie Speisen zu humanen Preisen und in vollem Überfluss.
Das Wetter zum Festival war optimal getroffen, so dass das Personal an der Getränketheke alle Hände voll zu tun hatte.
Brauchte man mal eine Pause war es hier auch gut möglich, sich an einer der zahlreichen Bierzeltgarnituren niederzulassen und aus einer passenden Entfernung der musikalischen Untermalung zu lauschen.

Die Bands des Freitags im Überblick:

3 Tage Tape
Carry All
Visions Only
First Blood
Venerea
Smoke Blow

Für weitere Informationen zu den einzelnen Bands einfach den Bandnamen anklicken, ihr werdet dann auf deren Homepages weitergeleitet.

Festivalstart am Samstag war bereits um 11.00Uhr. Wer zu dieser Zeit schon aus dem Zelt gekrochen und halbwegs fit war konnte sich im Partyzelt zum Frühschoppen einfinden.

Ab 13:30 startete dann für diesen Tag die erste Band auf der Bühne. The Golden Ground Alliance hatten das Los der Opener.

Weiter ging es mit den folgenden Bands:

2 Times Wasted
As Seconds become Centuries
VMZT
The Reaction
Mr Irish Bastard
This is a Standoff
7 Seconds
Streetlight Manifesto
Raised Fist

Alles in Allem sprechen wir hier von einem durchaus gelungenem Festival des 2002 gegründeten Vereins „Villmar Kult e.V.“
Ein junger Verein mit nunmehr knapp 60 jungen Mitgliedern, “die es sich in den Kopf gesetzt haben, mit ihrem Verein Alternativen zu den meist einseitigen und kommerziellen Abendveranstaltungen für junge Leute zu bieten.”

Informationen zum Verein findet ihr auf deren Homepage www.villmar-kult-ev.de, in unseren Augen muß eine solche ehrenamtliche Arbeit honoriert und gefördert werden. Die Organisation eines solchen Festivals ist eine große Herausforderung, die die Verantwortlichen super gemeistert haben.

Wir freuen uns schon auf das kommende Jahr, in der Hoffnung, dass der Wettergott wieder auf der Seite des 8. Tells Bells sein wird.

Fotos zum Event findet ihr in unserer Galerie

Bericht:  Maggus
Fotos:  Maggus, Gregor für V.U.

Mittlerweile zum 2. Mal fand auf der Freilichtbühne Lorely am letzten Juli Wochenende 2010 das ursprünglich im Saarland gestartete Rock Area Festival statt und schon im Vorfeld versprach es durch das umfangreiche und starke Billing sehr erfolgreich zu werden…..

Der Do. Abend auf dem Rock Area Festival sollte ein guter Auftakt werden, waren doch mit Axxis,  JBO und dem Headliner Doro Pesch gleich 3 große, namhafte Bands angesagt, die den Fans ordentlich einheizten und schon vor dem Wochenende für gute Stimmung sorgten. Und so kam es dann auch: Das Vorprogramm zum eigentlichen Festival avancierte zu einer rundum gelungen Show – die Altmeister von Axxis gaben wie immer ihr Bestes und konnten voll und ganz überzeugen.

[weitere Fotos in der Gallery]

Wer JBO kennt, weiß das die Loreley unter extremem Partyfieber stand während die JBO Jungs auf der Bühne ihr Feuer abbrannten und Doro Pesch war eine Klasse für sich und zeigte allen Anwesenden was Rock´n Roll und Heavy Metal ist – von den Ursprüngen der Band bis hin zu neuen Songs wurde alles gespielt – eine bessere Warm – up Show konnte es nun wahrlich nicht geben.

Freitag, 29.07.10:

Dies versprach natürlich mehr für den Freitag an dem sich logischerweise eine Vielzahl von Fans mehr einfanden um den Bands volle Unterstützung zu geben.

Resistance of Yield waren es, die sich mit der Rolle der Openers am Freitag anfreunden mussten. Die aus dem Saarland stammende Band hatte den Festivaleigenen Wettbewerb Battle of Metal gewonnen und somit wurde den Jungs die Ehre zuteil, hier aufspielen zu dürfen, was sie mit einer respektablen Leistung taten – Death Metal, sehr straight und kompromisslos vorgetragen wurde hier den Fans präsentiert. Gute Band !!

Weiter ging es mit der aus Regensburg stammenden Kapelle Ingrimm, die den Fans eine Portion Mittelalterlichen Metals bot und schon nach kurzer Zeit die Fans auf ihre Seite brachte….

Mit den zur Musik passenden Instrumenten wie Dudelsack und Drehleier zeigten Ingrimm welch hohes musikalisches Potential in Ihnen steckt und wurden am Ende ihres Sets sogar mit Zugaberufen bedacht, was die Qualität ihrer Darbietungen nochmals unterstrich.

Danach folgten Gama Bomb aus Irland die mit ihren Trash Metal – lastigem Songmaterial einen Großteil der Fans auf ihre Seite brachten und wirklich überzeugen konnten.

Ihr Stageacting war wie das Songmaterial sehr gut und wurde professionell und tight rübergebracht, so dass Gama Bomb ebenfalls mit viel Applaus verabschiedet wurden……

Nach einer Umbaupause von ca. 45 Minuten betraten der Engländer Benediction die Bühne und wie man es von Ihnen gewohnt ist, wurde eine fette Death Metal Walze nach der anderen auf das Publikum losgelassen…..

Unter den Fans ging es aufgrund der druckvollen und tighten Songs der Engländer zum ersten mal an diesem Tage und trotz der widrigen Verhältnisse, die Stagediving nicht unbedingt zulassen, wurde für reichlich Stimmung gesorgt und Benediction wurden grandios abgefeiert…..

Das nächste Highlight folgte mit den schwedischen Melodic Deathern von Dark Tranquility, die mit ihrem neuen, bärenstarken Album „We are the Void“ im Gepäck eine geniale Show boten und durch das Einstreuen von ruhigen, fast melancholischen Stücken auch für die nötige Abwechslung sorgten.

[weitere Fotos in der Gallery]

Die Band wurde mit viel Applaus bedacht als sie nach 45 Min. die Bühne verließ – der bisher beste Auftritt des Tages…….

…..welcher aber direkt im Anschluss gleich wieder getoppt werden sollte, enterten doch nun die Finnen Ensiferum die Bühnenbretter….

Die schon im Vorfeld als die eigentlichen Headliner gehandelten Musiker spielten sich durch nahezu alle Alben der Band und boten eine beeindruckende Bühnenshow. Permanent waren Basser Sami und Gitarrist Markus auf der Bühne unterwegs und es wurde gebangt was das Zeug hielt.

Sänger Petri Lindroos feuerte die Fans unermüdlich an und brachte die Stimmung auf ein sehr hohes Level, welches Ensiferum auf sehr professionelle Art & Weise bis zum Ende ihres Sets hielten. Songs wie „Into Battle“ oder das geile „One More Magic Potion“ wurden abgefeiert ohne Ende und die Band beendete nach einer knappen Stunde einen richtig fetten Gig – die erschöpften Fans sorgten danach in Massen für erhöhte Umsatzzahlen an den Bierständen….

Es tat sich noch viel mehr auf dem Rock Area Festival – so spielten Krypteria auf der Music Rockstage, der 2. Bühne des Festivals,  und die Band um die äußerst attraktive koreanische Frontdame Ji-In Cho, zeigte sich von ihrer besten Seite und hoch motiviert. Die Musiker waren in ständiger Bewegung und Ji-In Cho brachte neben ihrer optischen Attraktivität auch musikalisch nur das Beste.

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Ihre saubere und einprägsame Stimme verlieh den Songs von Krypteria eine ganz eigene exklusive Note und die Band wurde dafür mit viel Beifall bedacht. Auch die anderen Musiker der Band standen ihrer Frontdame in nichts nach und zeigten Song für Song ihre musikalische Vielfältigkeit. Sehr guter Gig der Kölner Formation.

Die nachfolgenden Napalm Death hatten mit dem Verhängnis zu kämpfen, dass wohl viele Fans wegen Ensiferum gekommen waren und spielten so doch vor erheblich weniger Leuten als die Finnen zuvor….

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Der Stimmung tat das insofern einen Abbruch, dass die Zuschauerreaktionen nun doch wesentlich dürftiger ausfielen, aber auch die Musiker wirkten anfangs noch sehr statisch und verhalten. Napalm Death sind ja Urgesteine ihres Genres und ließen sich deshalb nicht aus der Ruhe bringen sondern steigerten sich kontinuierlich von Song zu Song…

Die Songs der Engländer mit brachialer Gewalt in die sich nun langsam wieder füllenden Zuschauerreihen geballert und man erntete doch zufrieden stellenden Applaus als man die Bühne verließ – trotz anfänglicher Schwierigkeiten ein solider Auftritt der Engländer !!

Nun standen die Herren von Sodom auf dem Programm, die mit ihrem bekannten dreckigen Sound Trash Metal Hymnen wie „Outbreak Of Evil“ oder „Remember The Fallen“ zum Besten gaben und die Fans gingen prima mit und unterstützten die Band lautstark.

In der Mitte des Sets gedachte Tom Angelripper den Opfern des Love Parade Unglücks und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Danach konzentrierten sich Sodom wieder voll und ganz auf ihre Musik und mit „Agent Orange“ und dem kultigen „Blasphemer“ verstanden es Sodom die Massen zu begeistern, bevor mit dem Udo Jürgens Cover „Aber bitte mit Sahne“ noch mal richtig einen obendrauf setzen konnten. Das starke „M16“ beendete den nach Ensiferum und  DarkTranquility besten Gig des Tages.

Als Headliner standen nun Apocalyptica auf dem Programm die mit ihrer Besetzung aus 3 Cellisten und einem Schlagzeuger, die Loreley für die nächsten 90 Minuten in Atem hielten und aufzeigten warum sie eine absolute Ausnahmestellung in der Szene genießen.

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Typische Metallica Coversongs wie „Master Of Puppets“ oder „Fight Fire With Fire“ beachten die Menge zum ausrasten und Apocalyptica gerieten in einen wahren Spielrausch und toppten schon während ihres Sets alles bisher da gewesene am heutigen Tage….

Neben den bekannten Coversongs wurden natürlich auch „“Im not Jesus“ und ein nagelneuer Song mit dem Titel„End of Me“, der in Deutschland zum ersten mal präsentiert wurde,  zum Besten gegeben. Hierbei wurden Apocalyptica von einem Gastsänger unterstützt und zeigten sich so von ihrer anderen Seite, da sie ja ansonsten als instrumentales Quartett auftreten.

Nach den 2 frenetisch umjubelten Zugaben „Enter Sandman“ und „Hall Of The Mountain King“ verabschiedeten sich die Finnen von den Fans unter Minutenlang anhaltendem Applaus und beendeten den 1, Tag des Rock Area aus dem sie als klar beste Band hervorgingen aber auch Sodom, Dark Tranquility und Ensiferum räumten heute vollends ab, so dass man sich keinen besseren Auftakt für das Rock Area Festival 2010 hätte wünschen können..

Samstag, 30.07.10:

Der Samstag wurde schon frühzeitig um 12:05 von den Herren von Megaera eröffnet. Viele Fans lagen da noch verkatert in ihren Zelten, denn es war noch nicht wirklich viel los….

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Dennoch bot die Band eine ordentliche Leistung und die zwar wenigen aber lautstarken Fans unterstützten die Band nach Kräften.

Zwar wirkten die Musiker etwas statisch, ihr Death Metal lastiger Sound war aber dennoch ansprechend !!

Weiter ging es mit The Hand Of Glory, die furios in ihren Set starteten aber leider schon nach kurzer Zeit mit technischen Problem zu kämpfen hatten, die erst nach geraumer Zeit wieder behoben werden konnten.

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Die Musiker nahmen es mit Gelassenheit und boten trotz der angesprochenen Schwierigkeiten eine überzeugende Leistung, die auch dementsprechend honoriert wurde.

Mit Mob Rules folgte eine Band, die in dem von Death Metal gespickten Billing eine kleine Ausnahme bilden sollte….die Jungs präsentierten Power Metal vom allerfeinsten.

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Spielerisch versiert und voller Elan zockte die Band ihre Songs herunter und erntete nach 45 Min verdienten Applaus für ihre Darbietungem. Eine sehr hoffnunbgsvolle und talentierte Band !!

Mit Desaster folgte das erste Highlight des Tages – stand doch hier eine renomierte Band auf der Bühne die ihre ganze Erfahrung und Routine mit in den Set nahm und eine mehr als überzeugende Vorstellung bot.

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Die Black Metal Urgesteine hatten eine wahnsinnig guten Sound und waren die ersten, die die Fans zum Stagediven animieren konnten.

Respekt vor Desaster – gute Band !!

Es folgten nun Holy Moses mit Ober – Grunzerin Sabina Classen am Mikro und sie brachten ihre eingängigen Songs doch sehr gut rüber und hatten das Publikum schon nach kurzer Zeit fest im Griff. Man spielte sich durch fast alle Songs der langjährigen Bandgeschichte und agierte sehr spiel und bewegungsfreudig. Vor allem Sängerin Sabina wirbelte über die Bühne und ließ es sich nicht nehmen, nach dem letzten Song, „Finished with the Dogs” ins Publikum zu diven und sich von den begeisterten Fans tragen zu lassen.

Die schwedischen Viking Metaller von Thyrfing waren die nächsten, die mit ihren schon fast Doom Metal lastigen Klängen auf das Publikum losgelassen wurden.

[weitere Fotos in der Gallery]

Und sie machten ihre Sache wirklich gut und wussten ihre emotionsgeladenen Kompositionen auch live gekonnt in Szene zu setzen. Dies wurde von den Fans auch richtigerweise mit viel Beifall für die Schweden honoriert.

Ihre Landslaute von Entombed lockten nun natürlich wesentlich mehr Fans vor die Bühne…..

[weitere Fotos in der Gallery]

Und es ging ab wie dier Feuerwehr, präsentierten Entombed doch vornehmlich Songs aus glorreichen Death Metal Tagen Anfang der 90er von den Alben „Left Hand Path“ und „Clandestine“ .Der Hammer sag ich da nur was urplötzlich für eine Stimmung im Publikum herrschte und mit welcher Intensität die Schweden ihr Songmaterial aus der P.A. hauten war schon mehr als beeindruckend. Ganz klar der beste Gig bis zum jetzigen Zeitpunkt am heutigen Tage……

Die nachfolgenden Südamerika – Thrasher von Sepultura wurden begeisternd empfangen und die Loreley war nun erbrechend voll mit Metalheads, die die Brasilianer vom ersten gespielten Ton an abfeierten ohne Ende und dafür mit Nackenbrechern der Marke „Inner Self“, oder „Escape to the Void“ belohnt wurden.

[weitere Fotos in der Gallery]

Die Musiker waren sehr aktiv und besonders der agile Gitarrist Andreas Kisser überzeugte nicht nur durch das gute Beherrschen seines Instrumentes, sondern bangte was das Zeug hielt und sorgte mit seinen Bandkollegen dafür, dass die Messlatte des Stimmungsbarometers über die gesamte Dauer des Sepultura Gigs ganz oben blieb – obergeiler Auftritt !!

Thrash Metal vom allerfeinsten präsentierten auch die alteingesessenen Amis von Sacred Reich den Fans, von denen einige wohl noch am Bier holen waren…..als die ersten Töne von Sacred Reich erklangen, hatten die Zuschauerzahl doch etwas abgenommen.

Das störte die Band aber keineswegs – man zeigte sich spielfreudig und voller Motivation und genoss die Reaktionen auf die extravagante Mischung aus Amercian Rock und fettem Thrash Metal doch sehr.

Die Band wurde frenetisch abgefeiert und verließ unter großem Jubel nach fast einer Stunde die Bühne.

Arch Enemy waren der Headliner am heutigen Tage und schon bevor der erste Ton gespielt wurde, war hier Party angesagt: die Band wurde lauthals gefeiert und als dann die ersten musikalischen Kracher gespielt wurden, gab es hier kein halten mehr. Sängerin Angela Gossow grunzt besser als mancher Typ und war permanent unterwegs auf der Bühne, brachte so das Publikum total auf die Seite der Band.

[weitere Fotos in der Gallery]

„Apocalyse“ entfachte eine Welle von Stagedivern und brachte die Stimmung auf einen bisher nicht da gewesenen Pegel auf dem diesjährigen Rock Area Festival. Es ging weiter über „Burning Angel“ bis hin zum finalen Song „We Will Rise“ und nachdem die Band ausgiebig bejubelt wurde, gab es dann mit „Nemesis“ noch eine Zugabe und das Rock Area 2010 endete mit einem denkwürdigen Auftritt dieser genialen Band.

Die Tage auf der Loreley waren ein voller Erfolg und ich bin sicher, dass die Verantwortlichen des Rock Area Festivals auch im nächsten Jahr wieder mit einem absoluten Vorzeige Programm am Start sein werden !! See ya´ 2011……..

Bericht:

Hanzi Herrmann / V.U.

Fotos:

Markus Horne / V.U.

Top-Stimmung beim Open Flair Festival 2010!

Veröffentlicht am 24. August 2010 von VisionsUnderground in Festivals, Open Flair
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Beim diesjährigen Open Flair Festival im hessischen Eschwege feierten die Fans bis zu einer Woche lang eine Mega-Party mit tollen Bands.

Bereits am Dienstagabend um 22 Uhr waren auf dem Campingplatz praktisch alle Rasenplätze mit Parkmöglichkeit belegt. Der einzige noch freie Platz war unmittelbar gegenüber der „Camp-Stage“. Dort wurde schon jetzt ordentlich aufgedreht und der DJ grölte in 10 Minuten mindestens 50x „assozial“ ins Mikro. Eine normale Unterhaltung war hier defintiv nicht möglich! Und da uns das nicht ganz unwichtig ist, errichteten wir unser Lager auf dem sehr günstig gelegenen, noch fast freien Rasenplatz und die Autos blieben nach dem Entladen draußen.

Die Zeit bis Donnerstagabend verging wie im Fluge: die Vorräte wurden gefüllt und beim Flunkyball gleich wieder dezimiert. Zum Abkühlen gings an den traumhaften Werratalsee und abends gabs mächtig Party beim legendären Partybus Jutta oder geil was auf die Ohren bei der Camp-Stage.

Mit Mr. Irish Bastard starte die erste Band des Open Flair 2010 auf der Seebühne. Diese Band war der optimale Opener für dieses Festival: bester deutscher Irish-Folk-Punk zum warm tanzen und Spass haben!

Generell nahm ich mir vor meine Kräfte für das lange Open-Flair gut einzuteilen und mich auf die mir wichtigsten Bands zu beschränken, um ansonsten auch den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. Deshalb war ich erst wieder bei Sondaschule am Start. Doch erst mal hinkommen: der Zugangsbereich war total überfüllt und es ging trotz vieler Durchgänge am Einlass nur langsam voran. Es wurde zwar richtig eng, aber die Mehrheit war sehr friedlich und geduldig, obwohl Sondaschule bereits loslegten. Am Durchlass war klar weshalb das so lange dauerte: die Sec durchsuchte gründlichst nach Verbotenem und nahm einen so gefährliche Waffen wie Zahnbürsten ab! Ob das noch der Eindruck von der Love-Parade war? K.A. von wem sie diese bescheuerten „Anweisungen“ bekamen, der Veranstalter schüttelte auf meine Nachfrage jedenfalls nur fassungslos den Kopf.  Es sind zwar letztlich nur Kleinigkeiten, aber gerade wegen solcher „Anweisungen“ gabs für mich ein paar Vorkommisse die einfach nur unnötig waren.

So bekam ich Sondaschule nur von hinten zu sehen. Da hier der Sound nicht besonders gut und meine Stimmung nicht mehr optimal war, fand ich deren Gig diesmal schlechter als sonst. Jedoch gings weiter vorne richtig gut ab und die Jungs von Sondaschule hatten auch jede Menge Spass an ihrem Auftritt. Dies konnte ich dann auch aus der Nähe bei der Autogrammstunde feststellen: super nette Typen, die für jeden Spass zu haben waren.

Den Schlusspunkt setzte am Donnerstag dann Grossstadtgeflüster – und was für einen! Diese Berliner Elektro-Punk-Mischung mit der extrem energiegeladenen Sängerin Jen war der Hammer! Wer da nicht mitging war in irgendeiner Weise Tod. Die frechen deutschen Texte wurden von der Crowd lauthals mitgegrölt „Ich muss gar nix außer schlafen, trinken, atmen und ficken und nach meinen festgeschriebenen Regeln ticken“ – Endgeil!

Als Zugabe gab es für mich nach dem Gig noch ein Interview mit Jen. O-Ton Jen: „die Leute haben mich fertig gemacht!“ Zum ihrem neuen Album befragt sagte sie, dass es nach 2 jährigen „rumschrauben“ zunächst Lampenfieber verursachte, da sie ihre Fans damit nicht enttäuschen wollten. Nun ist sie glücklich und zufrieden wie wahnsinnig gut ihr neues Album angenommen wird. Interessant war, wie ruhig und ausgeglichen sie bereits nach 15 Minuten war.

Am Freitag gings dann auch dem eigentlichen Festivalgelände los! Es begann auf der kleineren Freibühne mit No Use For A Name. Freunde amerikanischen Punk-Rocks kamen bereits jetzt voll auf ihre Kosten. Der Anfang wurde komplett sehr druckvoll bei gleich bleibend hoher Geschwindigkeit hingerotzt.

Dann durften der Bandcontest-Gewinner Liquid Lightning auf die Hauptbühne. Auch sie hielten das Tempo hoch und überraschten zudem mit einer überragenden Spielfreude. Hemmungen das erste Mal vor so einem Publikum auf solch einer großen Bühne zu spielen gabs wohl gar keine, dafür ein geilen Gig.

Nach einer Pause, bei der ich so großartige Bands wie Lagwagon, Therapy? und Skindred verpasste, war ich frühzeitig zu NoFX wieder auf dem Gelände.

So bekam ich noch die letzten Songs von den Evil Cavies mit. Diese mir bis dahin unbekannte Band war richtig geil: tolle Mischung von Spass, druckvollen Songs und Show.

Aber nun stand NoFX nach langer Pause endlich wieder auf der Bühne. Ok, ihre wohl lustigen Ansagen und Spässchen waren nicht jedermanns Sache, da sie kaum jemand verstand. Aber die Songs waren großartig und so wurde es ein eindrucksvoller Gig der alle Anwesenden voll überzeugte.

Doch die größte Überraschung des Festivals sollte nun folgen. Da einige nun zur Abwechslung zum bisher gehörten Punk-Rock was ganz Anderes hören wollten, gingen wir zu einem Geheimtipp auf die Seebühne. Hier gab es die phantastischen K’s Choice mit der tollen Sarah Bettens zu bestaunen. Super abwechslungsreiche Rockmusik auf hohem Niveau mit einer grandios gefühlvollen Sängerin. Gänsehaut pur! Zeitweilig standen sie mit 3 Les Pauls auf der Bühne – ganz großes Kino!!!

Am frühen Samstag-Nachmittag war das erste Mal das leider etwas abseits gelegene Kleinstkunstzelt angesagt. Für viele gab es nur noch ein Platz an dem Zelteingang, aber auch sie blieben bis zum Ende, da das GlasBlasSing Quintett voll zu überzeugen wusste. Was diese Typen auf ihren Flaschen, Gläsern und ähnlichen Equipment rausholten war einfach großartig. Die Songs wurden nicht nur sehr lustig, sondern auch musikalisch recht ansprechend präsentiert.

Im Anschluss waren die sehr beliebten The Gaslight Anthem auf der Hauptbühne angesagt. Die sehr an Bruce Springsteen erinnerten Songs in frischer Form zünden immer. Danach kam Jochen Distelmeyer auf die Freibühne, der besonders durch seine intelligenten Texte besticht. Ich hatte jetzt jedoch einen Interviewtermin mit den von mir besonders geliebten Monsters vor mir.

Zu diesem Interview kamen dann Todde, Burger und Fred von den Monsters Of Liedermaching. Das Open Flair ist ihr Lieblingsfestival, da sie dort seit es sie gibt, d.h. seit 2004, auftreten. Es war ihr erstes großes Festival und sie „haben ihm verdammt viel zu verdanken“. Es sei „wie ein nach Hause kommen, alle Jahre wieder. Wie Weihnachten, nur schöner, ohne Tannenbaum und mit Sonne.“ Ihre Setlist ist immer eine Mischung aus altbewährten und neuen Songs. Bei einer 90 Minuten Setlist, wie beim Flair, kommt dann auf jeden der 6 Monsters 3 Songs die er aussuchen kann. Diese werden dann bunt verteilt und fertig ist die jedes Mal neu gemixte Setlist. Übrigens, die Jungs sind wie auf der Bühne wenns erforderlich ist ernsthaft und konzentriert, ansonsten aber meist chaotisch, spontan, superlustig und immer überraschend. Man muss sie einfach lieben.

Während des Interviews liefen bereits Ska-P, zu denen ich unverzüglich eilte. Wer sie noch nicht gesehen hat, hat wirklich was versäumt. Eine tolle Mischung aus Show und eingängiger, druckvoller Songs wie „Cannabis“, „Gata Lopez“ und „Romero El Madero“ (der Song bei dem Pipi in nem Gorilla-Kostum mit Polizei-Ausrüstung rumhüpft). Die Songs gehen sofort in die Beine: alles was tanzen kann tanzt oder pogt!

Leider wars das zunächst für mich: ziemlich dehydriert und wegen nem Sonnenstich war ich vollkommen im Arsch und lag nun rund 12 Stunden gleichzeitig fröstelnd und schwitzend im Zelt.

Am Sonntag lockten Papa-Roach zur großen Bühne. Seit 2000 begeistern die Jungs mit ihrem druckvollen Crossover-Nu-Metal. Die Rampensau Jacoby Shaddix ist sich für nichts zu schade und sucht ständig den Fan-Kontakt. Natürlich kamen die alten Songs von Infest-Album bei den Fans am besten an und bei „Last Resort“ drehten endgültig alle komplett am Rad.

Nun gabs eine Mischung von Metal, Liedermacher und Punk bei Das Pack auf der kleinen Bühne. Was Pensen und Flozze hier ablieferten ist wirklich einzigartig: voll auf die Zwölf und Spass in einem! Headbangen, moshen, die größte Wall Of Death des Festivals, aber auch einfach Quatsch und Lustiges – alles war möglich und gewollt. Wenn ihr die Möglichkeit habt, seht euch die beiden Live an! Deren aktuelle CD ist zwar auch prima, transportiert aber nicht das rüber, was das Pack live abbrennt. Einfach grandios.

Bela B. machte gleich im Anschluss alles richtig und hatte einen besonders guten Gig hingelegt. Klar fehlte vielen Farin, jedoch davon abgesehen, war dies Konzert noch deutlich besser als von einigen erwartet – vermutlich hatten diese einfach vergessen das aktuelle Album zu hören.

Ganz ehrlich: bei Blood Red Shoes wurden zunächst viele von dem Girl angelockt. Die süße Laura-Mary Carter ist ja auch wirklich ein echter Hingucker. Aber auch musikalisch ist sie mit ihrem Partner Steven Ansell an den Drums ein Knaller. Feinster Alternative-Rock!

Nun kamen die altehrwürdigen Bad Religion auf die Bühne. Zunächst zündeten sie nicht ganz so wie erhofft. Klar, das war auch bereits richtig guter Punk-Rock bester Güte. Aber richtig ab gings erst bei den populären Songs „American Jesus“, „21St Century“ und ganz besonders bei „Punk Rock Song“!

Wir sind Helden waren nach der zweifacher Babypause von Sängerin Judith zurück auf der Bühne! Darauf haben viele gewartet und diese pilgerten nun alle zur Freibühne. Das Konzert bestand im Wesentlichen aus einem Best of der letzten Alben. Kaum zu glauben wie viele Hits Wir sind Helden bereits hatten! Hinzu kamen 2 oder 3 Songs vom kommenden Album, die tendenziell etwas ruhiger ausgefallen sind. Um es kurz zu machen, es war ein begeisternder Gig mit Ohrwürmern und sehr gefühlvollen Songs. Das Größte war jedoch die Freude die von Judith mit ihrem Lächeln und beim Tanzen übersprang. Sie, aber auch ihre Bandkollegen, hatten wahrhaftig sehr viel Spaß an dem Comeback – und das Publikum natürlich auch.

Zum Abschluss waren Fettes Brot auf der Hauptbühne. Sicherlich ein toller Headliner mit einer super Show, einer exzellenten Band und richtigen Partyhits die entsprechend abgefeiert wurden. Da mir noch die letzte Nacht in den Knochen steckte, ging ich bereits nach ein paar Songs.

Fazit: das Open Flair Festival 2010 war wieder klasse, jedoch hat es mir persönlich, als es etwas kleiner war noch besser gefallen. Die Headliner habe ich praktisch kaum gesehen, oft machten die kleineren Bands auch mehr Spaß. Für einige (nach Polizeiangaben derzeit 162) hatte es einen bitteren Beigeschmack, da ihnen am Samstagabend vor der großen Bühne von einer offensichtlich organisierten Bande die Geldbörse geklaut wurde. Nach den Auftritten wurden massenweise Geldbörsen ohne Geld und Persos gefunden. Aber auch für die Betroffene blieb es unter Strich positiv. Und dazu hat auch das besondere Flair von Eschwege und deren Bewohner beigetragen. Wer es nicht glaubt, sollte einfach mal an der Werra entlang gehen und die Altstadt besuchen – natürlich am besten beim nächsten Open Flair 2011!

Papa-Mike für V.U.

Live Review Tuska Festival Helsinki 2010

Veröffentlicht am 14. August 2010 von hanzi666 in Festivals, Tuska-Festival
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Jedes Jahr besticht der kurze, aber intensive finnische Festivalsommer durch viele geniale Open Airs im Land der tausend Seen. Das wohl bekannteste, das Tuska Festival,  liegt in der Metropole Helsinki und hat vom Bekanntheitsstatus her längst zu anderen großen europäischen Events aufgeschlossen und manche sogar übertroffen….

Auch in diesem Jahr war der Kaisaniemi Park im Zentrum von Helsinki wieder Austragungsort dieses Spektakels und füllte die Innenstadt mit Metalheads, von denen manche aus allen Teilen der Welt angereist waren…..

Mitten drin unter all diesen Schwarzheimern – das Visions Underground Team – logisch !!  J

Freitag 02.07.10:

Der erste Festivaltag wurde von den Lokalmatadoren Barren Earth eröffnet, die mit ihrer sehr eingängigen Mischung aus melodischem, druckvollen Metal die Fans schon zu einem frühen Zeitpunkt begeistern konnten und ordentlich Pluspunkte verbuchten.

Wem der Name Barren Earth nicht so viel sagt, der sollte sich die Jungs unbedingt einmal live anschauen . Im Line –up finden sich einige bekannte Musiker wieder, wie z.B. am Bass der Ex – Amorphis 4 Saiter, Olli-Pekka Laine und weiterhin ist Gitarrist Sami Yli – Sirniö ja durch seine Engagements bei Waltari und Kreator eine richtige Szene Größe und verleiht mit  seinem virituosen Spiel den Songs von Barren Earth ein gehöriges Maß an Eigenständigkeit.

Ein sehr guter Auftakt des Tuska 2010 !!

Gleich im Anschluss präsentierten sich Testament auf der Radio Rock Stage in grandioser Spiellaune, zeigten eine mehr als gelungene Bühnenshow und feuern einen Kracher nach dem andern in die Gehörgänge der finnischen Zuschauer.

Vor allem der Sound ist bei dem Amis fast wie von CD und rundet das Gesamtbild gekonnt ab……Mir persönlich gefällt die Darbietung vom Klassiker „More Than Meets The Eye“ sehr gut und ich hoffe bald wieder eine Gelegenheit zu haben, mir die sympathischen Jungs live on stage betrachten zu können…… ein sehr guter Auftritt, der rundum zufriedene Gesichter hinterließ und leider viel zu kurz war !!

Setlist Testament:

  1. The Preacher
  2. More Than Meets the Eye
  3. The New Order
  4. The Persecuted Won’t Forget
  5. Practice What You Preach
  6. Over the Wall
  7. Henchmen Ride
  8. Disciples of the Watch
  9. Into the Pit
  10. D.N.R. (Do Not Resuscitate)
  11. 3 Days in Darkness
  12. The Formation Of Damnation

Ebenfalls direkt im Anschluss spielten Insomnium auf der Sue Stage aber die Jungs bescherten zumindest anfangs den Zuschauern und sich selbst keine große Freude, denn sie wirkten doch sehr statisch und wenig bewegungsfreudig – der Kater vom Vorabend muss hier noch nicht richtig auskuriert gewesen sein…..

Zu allem Überfluss war der Sound nicht der Beste – in der Zeltmitte war es schwierig für den Zuhörer aus dem Brei, der aus der P.A. dröhnte, noch irgendwas rauszuhören…….ein wirklich mieser Mann hinter den Reglern, der das klangliche Desaster trotz geringfügiger Verbesserungen auch bis zum Ende des Sets nicht wirklich in den Griff bekam. Dennoch verbreiteten die Finnen eine düstere Stimmung und machten sehr professionell agierend das Beste aus der vorhandenen Situation…..die wahren Fans der Düsterheimer störte der miese Sound nicht wirklich und so wurde Insomnium nach etwas mehr als 45 Min doch mit ordentlichem Applaus verabschiedet….

Setlist Insomnium:

  1. Equivalence
  2. Down With the Sun
  3. Drawn to Black
  4. Where The Last Wave Broke
  5. The Harrowing Years
  6. The Killjoy
  7. The Gale
  8. Mortal Share
  9. Weighed Down With Sorrow

Tarot waren nun als nächste an der Reihe und die Band präsentierte sich so, wie man sie kennt: melodische und treibende Klassiker wie „Pyre of The Gods“ wurden mit reichlich Spielfreude versehen und sorgten für reichlich Stimmung im Publikum.

Marco Hietala setzte bei dem Heimspiel der Jungs mit seinen sauberen Vocals noch eins obendrauf und das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen.

Ein rundum gelungener Auftritt der sympathischen Finnen !!

Setlist Tarot:

    1. Sleep in the Dark
    2. I Walk Forever
    3. Satan Is Dead
    4. Crows Fly Black
    5. Tides
    6. Calling Down the Rain
    7. Hell Knows
    8. Pyre of The Gods
    9. Rider of the Last Day
    10. Traitor

Aber das Highlight sollte noch folgen, stand doch der Auftritt von Pain auf der Sue Stage unmittelbar bevor, die zeitgleich mit Swallow The Sun ( Inferno Stage ) auftraten.. Zu was die Herrschaften rund um Peter Tägtgren in der Lage sind, zeigen sie ja auf fast jedem Auftritt und auch der auf dem Tuska 2010 wurde mal wieder zu einer rundum gelungenen Darbietung, welche die die Massen begeisterte. Wirklich ausnahmslos jeder an der Sue Stage ging mit der Musik der Schweden mit und die Band wurde lauthals abgefeiert….

Nach einer Stunde Spielzeit gab es dann mit „Same Old Song“ und „Shut Your Mouth“ zwei echte Klassiker aus dem Repertoire der Band als Zugabe und es war nun wirklich nicht schwer zu erahnen, dass dieser Auftritt am heutigen Tage unerreicht bleiben sollte…..Diejenigen, die sich anstelle von Pain lieber Swallow the Sun angesehen haben, haben echt was verpasst – obwohl der Auftritt der Finnen auch sehr gut war wie uns später mitgeteilt wurde.

Setlist Pain:

1. Supesonic Bitch

2. Dancing With the Dead

3. Zombie Slam

4. Walking on Glass

5. It’s Only Them

6. End of the Line

7. I’m Going In

8. Monkey Business

9. On and On

10. Don’t Care

Zugaben:

11. Same Old Song

12. Shut Your Mouth

Wir schafften es gerade noch rechtzeitig zu Satyricon an die Radio Rock Stage , die mit einer guten Bühnenshow aufwarteten und auch spielerisch keine Wünsche offen ließen. Frontman Satyr wirkte sehr agil und bezog das Publikum mit frenetischen Aufforderungen immer wieder in den Set der Band ein, was der Band viele Sympathien einbrachte.

Songs wie das obergeile „Black Crow On A Tombstone” oder “The Pentagram Burns” brachten die Menge zum Abfeiern und als krönender Abschluss durfte natürlich der Kultsong „Mother North“ nicht fehlen und verlangte den Fans noch mal alles ab – geile Show der Norweger !!

Setlist Satyricon:

  1. Repined Bastard Nation
  2. The Wolfpack
  3. Now, Diabolical
  4. Black Crow On A Tombstone
  5. Filthgrinde
  6. The Rite Of Our Cross
  7. The Pentagram Burns
  8. Die By My Hand
  9. Fuel For Hatred
  10. King
  11. Mother North

Nach einer nötigen Abkühlung mit finnischem Bier   waren wir gespannt auf die Florida Deather von Obituary die ja seit den frühen 80´n ihre fetten Kompositionen auf die Leute loslassen. Und das die Mannen um Frontman John Tardy nichts verlernt haben und immer noch ihr Handwerk verstehen, stellten sie auf der Inferno Stage mehr als eindrucksvoll unter Beweis. Das Stageacting der Jungs ist einfach einzigartig und der brachiale Sound tat sein Nötigstes dazu, um den Fans die geballte Ladung der Obituary Songs um die Ohren zu hauen.

Man spielte sich durch alle Alben der Band anfangen von Cause Of Death“ über „The End Complete“ wurden Songs der Marke „Dethroned Emperor“ zum Besten gegeben.

Die Menge nahm die Energiegeladene Show der Amerikaner dankbar an und wurde zum Abschluss des Sets mit dem grandiosen Kultsong „Slowly We Rot“ belohnt, ehe sich Trevor Peres & Co. Mit einem großen Dankschön vom finnischen Publikum verabschiedeten…….Nach Pain und Swallow The Sun der mit Abstand beste Gig am heutigen Tage !!

Der Headliner heute  hieß Devin Townsend – ich persönlich konnte zu Beginn mit dem Sound der Band nicht so viel anfangen aber von meiner Meinung mal abgesehen, sorgte Devin Townsend mit seinen Mitstreitern doch für mächtige Begeisterungsstürme im Publikum und spätestens bei „Kingdom“ stellte sich auch bei mir das Kopfnicken ein und ich passte mich den übrigen Fans an.

Ein Knaller nach dem anderen wurde nun auf die Finnen losgelassen und Devin Townsend wurden ihrem Status als Headliner vollkommen gerecht und das melodische und ausgefeilte „Color Your World“ sorgte dann für Bewegung bis in die hintersten Reihen der Fangemeinde…. Es folgten Hammersongs wie „Planet Smasher“ und „The Greys“ und letztendlich stellte „Deep Peace“ den letzten Song eines denkwürdigen Auftritts dar und die zufriedenen Fans schlenderten nun zu den Aftershowpartys in die Clubs von Helsinki….

Setlist Devin Townsend:

    1. ZTO
    2. By Your Command
    3. Ziltoidia Attaxx!!!
    4. Solar Winds
    5. Hyperdrive!
    6. N9
    7. Kingdom
    8. Mountain
    9. Planet Smasher
    10. Color Your World
    11. The Greys
    12. Deep Peace

Fazit des ersten Festivaltages:  ein bärenstarker Headliner mit Devin Townsend, rundum begeisterte Fans an allen Bühnen und mit Pain die eindeutig beste Kapelle des Tages !!

Samstag 03.07.10:

Der Andrang vor den Toren des Festivalgeländes war heute besonders groß und die meisten bekamen gar nicht mit, dass die ursprünglich als Opener für den heutigen Tag vorgesehenen Sotajumala und Blake die Plätze tauschten und wir somit eine kleine Änderung in der Running Order zu verzeichnen hatten, welche sich aber nicht sonderlich auf das Programm des restlichen Tages auswirkte….

Blake sind bei uns leider nicht allzu bekannt, was sehr schade ist  – aber in Finnland hat die Musik der talentierten Band einen sehr hohen Stellenwert bei den Fans und dementsprechend wurden Blake mit viel Applaus bedacht. Der Job als Opener ist ja nun wahrlich kein einfacher, aber glücklicherweise waren doch schon zahlreich Fans auf dem Gelände die ihre Sympathiebekundungen gegenüber der Band kundtaten und wir so einen optimalen Start in den 2. Festivaltag erwischten.

Der harte, rockige Sound von Blake und die genialen Vocals von Frontman Aaro Seppovaara taten ihr nötigstes dazu, dass Blake hier richtig abgefeiert wurden – sehr guter Gig der Finnen !!

Weiter ging es mit Sotajumala, die einen enorm guten Tag erwischten und richtig abräumten….

Die Band überzeugte durch eine nahezu perfekte Performance und die Musiker demonstrierten eindrucksvoll ihr spielerisches Verständnis.

Ein Death Metal Kracher folgte dem nächsten und leider verging die Zeit viel zu schnell….bleibt nur zu hoffen, dass uns die Finnen noch lange erhalten bleiben und zukünftig weiterhin solche genialen shows wie am heutigen Tag abliefern…..sehr guter Auftritt !!

Setlist Sotajumala:

    1. Syvyydessä
    2. Arkku Vailla Vainajaa
    3. 8:15
    4. Luut Sinusta Muistuttaen
    5. Sinun Virtesi
    6. Kuolleet
    7. Panssarikolonna
    8. Kuolinjulistus
    9. Paratiisin Kutsu

Unser folgendes Interesse konzentrierte sich nun auf Hypocrisy und wie Peter Tägtgren wohl heute die Fans begeistern würde, nachdem er dies ja gestern mit Pain mehr als eindrucksvoll getan hatte…..

Und auch mit seiner Hauptband schaffte er es, die Fans voll und ganz zu überzeugen…vom ersten gespielten Ton an, sprang der Funke zwischen Band und Publikum über und bei „A Coming Race” ging es vor der Bühne richtig zur Sache  – es entstand ein Moshpit vom allerfeinsten der sich dann bei „Roswell 47“ richtig fett entfaltete.

Die Musiker hatten jedenfalls richtig Spaß auf der Bühne und der Sound war wie gestern schon bei Pain wieder mehr als einmalig – es ist schon Hammerhart, wenn auf einem Open Air die Songs wie fast von Konserve rüberkommen – Kompliment da auch mal an die Leute, die man ansonsten nicht sieht, die aber mit den härtesten Job haben…..geiler Gig !!

Setlist Hypocrisy:

( not completed )

Pleasure of Molestation
A Coming Race
Fire in the Sky
Let the Knife Do the Talking
Weed Out the Weak
Warpath
Eraser

Roswell 47

Adjusting The Sun

Devin Townsend, der am Tage zuvor richtig abräumte, war nun heute mit seinem Devin Townsend Project an der Reihe und was alle geahnt hatten, bestätigte sich auf neue – die Fans nahmen die melodischen und unter die Haut gehenden Songs der Band dankbar an und Devin Townsend Project gefiel mir doch um einiges besser als Devin am Tag zuvor und konnte mich sowie andere von Beginn an überzeugen. Kompositionen wie das geile „Earth Day“ wurden mitgesungen und das Tuska stand voll und ganz hinter der Band was die Musiker sichtlich genossen haben…

Trotz der beachtlichen Länge der einzelnen Songs, schaffte es die Band durch ihr agiles Auftreten auf der Bühne den Stimmungspegel sehr hoch zu halten und der gute Devin konnte sich gegenüber dem Vortag noch mächtig steigern – Respekt !!

Setlist Devin Townsend Project:

    1. Addicted!
    2. Supercrush!
    3. Numbered!
    4. Truth
    5. OM
    6. Deadhead
    7. Gaia
    8. Earth Day
    9. Seventh Wave
    10. Life

Eine lange Wartepause wegen einem nicht zustande gekommenen Interview aufgrund der Trunkenheit einzelner Musiker, kostete uns den Umstand die bis zum Overkill Gig auftretenden Bands zu verpassen…….forget about it !!

Wir schafften es dennoch wenigstens pünktlich zum Overkill Auftritt an der Sue Stage zu sein und eins vorweg:  Auch hier gab es wieder voll auf die Mütze….Overkill zeigten ihr ganzes spielerisches Können und brachten das Publikum schnell auf ihre Seite – schon der Opener „The Green and Black“ zeigte auf, wo die Reise in der nächsten folgenden Stunde hingehen sollte…

Man spielte sich durch Highlights wie “Rotten to the Core“ und „In Union we Stand“ und beendete den umjubelten Gig mit 3 aufeinander folgenden Coversongs von The Subhumans und Motorhead, was vielleichtein bisschen zuviel des Guten war. Dennoch entließ man ein zufriedenes Publikum zum Headliner des 2. Festivaltages, Nevermore……

Setllist Overkill:

    1. The Green and Black
    2. Rotten to the Core
    3. Wrecking Crew
    4. Hello from the Gutter
    5. Coma
    6. Hammerhead
    7. Ironbound
    8. In Union We Stand
    9. Elimination
    10. Fuck You (The Subhumans cover)
    11. Overkill (Motörhead cover)
    12. Fuck You (Reprise) (The Subhuman cover)

Nevermore waren um 20:45 auf der Radio Rock Stage diejenigen, auf die sich die Fans nun ordentlich warm getrunken hatten und dementsprechend herrschte ein großes Gedränge vor der Hauptbühne des Tuska Festivals…… Die Amerikaner zeigten sich technisch versiert und ohne Schnörkel und Kompromisse zauberten sie ein Hightlight nach dem anderen aus ihren Instrumenten.

Vor allem das melodische und gefühlvolle „Emptiness Unobstructed” fand großen Zuspruch beim finnischen Publikum und es hätte wahrscheinlich ausgereicht um das Level auf einem hohen Maß zu halten. Die hohen musikalischen Fähigkeiten der Band wurden von einem genialen Sound getragen und die Stimme von Warrel Dane verlieh den Songs ihre ganz eigene Note – sehr guter Auftritt der Amis die verdientermaßen fetten Applaus  erhielten.

Setlist Nevermore: ( not completed )

  1. The River Dragon has Come
  2. The Termination Proclamation
  3. Emptiness Unobstructed
  4. Inside Four Walls
  5. Your Poison Throne
  6. The Godless Endeavor

Sonntag 04.07.10:

Auch am 3. und letzten Festivaltag herrschte vor den Toren des Tuska wieder ein enormer Andrang und die Fanmassen stauten sich wie am Vortag, was aber für die Tuska Verantwortlichen keine Überraschung zu sein schien – war doch das komplette Festival ausverkauft !!

Als erste Band gaben sich Turmiön Katilöt die Ehre, die natürlich ein Heimspiel hatten und das Publikum sofort auf ihre Seite brachten. Wirklich alle gröhlten die melodischen Songs aus vollem Halse mit und so hatte es die Band leicht, gleich zu Beginn des letzten Tages für richtig Stimmung zu sorgen……geile Band, die einen sehr guten Gig auf die Bretter legten und dementsprechend mit Applaus bedacht wurden….

Bei WASP wurde es vor der Hauptbühne mächtig heiß und die Tuska Security sorgte mit Wasser dafür die Menge etwas abzukühlen, was den Fans sichtlich gut tat. .

Die erfahrenen  Metaller verbreiten mächtig Spaß auf der Bühne und man fühlt sich ein wenig zurückversetzt in die 80´er wenn man die Herren auf der Bühne sieht – aber das gehört bei WASP einfach dazu und macht auch richtig Spaß den Jungs beim musizieren zuzuschauen…..

Beim Publikum kommt das gut an und WASP dürfen ihren Tuska Gig getrost als gut gelungen betrachten.

Setlist WASP:

  1. On Your Knees
  2. Love Machine
  3. Wild Child
  4. I Wanna Be Somebody
  5. I Don´t Need No Doctor
  6. Hellion
  7. Sleeping In The Fire
  8. Babylon and The Idol.

Auf der Inferno Stage kündigten sich im Anschluss Warmen an und präsentierten sich von ihrer spielerisch versierten Seite ohne jedoch vollends überzeugen zu können.. Janne Warman, den alle als Keyboarder von COB kennen, hat hier einige prominente Musiker um sich geschart die mit einem Rock ´n Roll lastigen sound versuchen die Fans zu begeistern – zugegebenermaßen sind einige sogar drauf angesprungen, doch die müssen voll gewesen sein und als dann noch Alexi Laihio die Bühne betrat und das Rockwell-Cover “Somebody´s Watching Me” zelebrierte, war für mich der Käse entgültig gegessen….

Da schaue ich mir lieber die Detah Metal Combo Cannibal Corpse an, die hier eine Wall of Death auslösen wie ich sie an diesem Festivalwochenende noch nicht gesehen habe  – ein gewaltiger Moshpit durchstreift den Pulk der Fans und der ultrabrutale Sound der Amis versprüht eine Energie die ihresgleichen sucht….“ Kult Songs der Marke „Hammer Smashed Face“ oder „Devoured by Vermin“ walzen wirklich alles platt…..

Einen Hammer nach dem anderen hauen die Amis den Finnen um die Ohren  und hier ging es richtig ab – hätte ich gar nicht vermutete, dass es Cannibal Corpse so leicht fallen würde die kühlen Finnen so in Emotionen zu versetzen….

Setlist  Cannibal Corpse:

  1. Scalding Hail
  2. Unleashing the Bloodthirsty
  3. Savage Butchery
  4. The Wretched Spawn
  5. I Will Kill You
  6. Devoured by Vermin
  7. Scattered Remains, Splattered Brains
  8. Make Them Suffer
  9. Priests of Sodom
  10. A Skull Full of Maggots
  11. Hammer Smashed Face
  12. Stripped, Raped and Strangle

Erstmal schnell ein Bier und dann weiter zu Nile auf der Sue Stage……die waren die nächsten die ähnlich wie Cannibal Corpse Energiegeladene Brecher aus der PA. feuerten. Nile kann man getrost als eine der führenden Bands aus ihrem Genre bezeichnen und dieser Rolle wurde die Band auch gerecht: Alle Highlights aus der History der Band werden gespielt und zeigen auf, dass Nile ihr Handwerk verstehen…..besonders der geniale Opener „Kafir“ offenbart die musikalischen Fähigkeiten der Band.

Gerade die Gitarren sind sehr versiert, sie prägen die Songs mit ihren filigranen Elementen und das treibende Drumming versetzt die Menge in Ekstase. Das sind Nile auf dem Tuska 2010 und nach einer Stunde Spielzeit beendeten Nile einen viel umjubelten Gig und erspielten sich reichlich Sympathien hier in Finnland…….  J

Setlist Nile:

    1. Kafir!
    2. Sacrifice Unto Sebek
    3. Hittite Dung Incantation
    4. Serpent Headed Mask
    5. Ithyphallic
    6. Papyrus Containing the Spell to Preserve Its Possessor Against Attacks From He Who Is In The Water
    7. 4th Arra of Dagon
    8. Permitting The Noble Dead To Descend To The Underworld
    9. Sarcophagus
    10. Lashed To The Slave Stick
    11. Black Seeds Of Vengeance

Alle warteten nun auf Megadeth, die das Tuska Festival 2010 als würdiger Headliner beenden sollten….und das taten sie mit all ihrer ganzen Klasse – soviel vorweg….

Dave Mustaine und seine Mannen starteten furios in ihren Set und zeigten dem Publikum, dass sie zu 100% motiviert waren und das merkte man der Band auch wirklich an…

Vor allem das tighte Zusammenspiel der einzelnen Musiker beeindruckte von Beginn an die Fans und Megadeth wurden stürmisch abgefeiert – hier gab es bis in die hinteren Reihen keinen der ruhig stehen bleiben konnte – wirklich ausnahmslos jeder war bei „Hangar18“ in Bewegung und auch „Angry Again“ sorgte für enorme Bewegung im Publikum…..

Von druckvollen Passagen bis hin zu melodiösen Gitarrensoli enthalten die Songs von Megadeth einfach alles was das Metallerherz begehrt – pure Lust an der Musik und das Facettenreichtum von musikalischem Können verkörpern die Amis vollends. Zum Ausklang durfte der Kultsong „Symphony Of Destruction“ natürlich nicht fehlen – und es wurde noch einmal richtig Stimmung geamacht unter den Fans…Megadeth  wurden dann nach 1,5  Stunden Spielzeit mit viel Applaus bedacht und wurden ihrem Status als Headliner des letzten Tages mehr als gerecht – sehr guter Gig von Mustaine & Co. !!

Setllist Megadeth:

  1. Wake Up Dead
  2. In My Darkest Hour
  3. Headcrusher
  4. Skin O’ My Teeth
  5. Holy Wars… The Punishment Due
  6. Hangar 18
  7. Five Magics
  8. Poison Was the Cure
  9. Tornado of Souls
  10. Dawn Patrol
  11. Trust
  12. Angry Again
  13. A Tout Le Monde
  14. Sweating Bullets
  15. Symphony Of Destruction

So gingen 3 Tage Party in der Innenstadt von Helsinki auch mehr oder weniger schnell vorüber und zurück blieb der Gesamteindruck, dass sich das Tuska Festival zu einem beachtlichen Event entwickelt hat, für das sich die Reise nach Finnland in jedem Fall lohnt. Im nächsten Jahr wird das Tuska nicht mehr wie bisher gewohnt im Kaisaniemi Park stattfinden, sondern auf dem Festivalgelände „Suvilahti,“ auch im Zentrum der Stadt gelegen und bequem mit der Metro und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar….

Thanks Kaisaniemi for all the years and see ya´ in Tuska 2011 !!!

Bericht:

Hanzi Herrmann / V.U.

Fotos:

Alexandra Krautz / V.U.

special thanks to Jane  for the Obituary and Devin Townsend pictures – you rule !!

Die 3 Tage des 18. Trebur Open Air (TOA) am vergangenen Wochenende waren ein voller Erfolg.

Nach der kurzfristigen Absage von „Ill Niño“ wegen der Verletzung des Sängers Christian Machado und dem Ersatz durch „Caliban“ gab es zunächst ein paar enttäuschte Gesichter bei den Besuchern. Jedoch gaben ganze 5 Besucher deswegen ihre Eintrittskarte zurück, alle Anderen Ill Niño Fans machten genau das Richtige und blieben.

Das Besondere am Trebur Open Air sind die Bands die einen unglaublich bunten Musikstilmix bieten in einem kleinem, fast familiären Rahmen. Und so bringen Eltern ihre kleinen Kinder mit, Metalheads ihre Ska-Freunde und so weiter ….

Auf dem Festivalgelände sorgten die Profis von der Batschkapp-Security und auf dem Campingplatz Security-Jugendliche, die sich in der Ausbildung zu Sicherheitskräften befinden, für Ordnung. Jedoch nicht allein deswegen kam es zu keinen Problemen zwischen den Besuchern, es lag auch an der allgemein tollen Stimmung des Wochenendes. So konnten sich die insgesamt 3000 Besucher und die 1500 Camper ganz relaxt auf die begeisternde Musik und sonstige Vergnügen konzentrieren. Bei erstklassigem Wetter war auch das direkt zwischen dem Campingplatz und Festivalgelände gelegene Freibad sehr gut besucht. Was allerdings kein Wunder war: mit Festivalbändel kam man für 1€ rein, Benutzung der Duschen und Toiletten mit eingeschlossen und dann gab’s dort ja noch den Bauchplatscher-Wettbewerb mit der Band Elfmorgen.

Am Freitag fing es auch gleich mit dieser Lieblingsband des TOA an, allerdings mit deren Akkustik-Set als „Kapelle Ostermann“ Gleich zu Beginn schaffte es die Rampensau Andy Schmaus die für die frühe Uhrzeit relativ zahlreichen Fans mitzureißen. Es gab die ersten Crowdsurfer und die berühmte „Schubkarre Of Death“. Ja ich gebe es zu, ich musste auch mitmachen – und mein Schädel blieb (noch) heil! Besonders die Mitgröl-Klassiker wie „RiBiDiBi DUB“ und „Oberlippenbart“ begeisterten die Fans. Wer bei dieser Band keinen Spaß hat, will keinen Spaß mit Musik haben.

Für mich ging es auf dem Campingplatz mit einem Bier und für ein paar Songs bei den „Wohnraumhelden“ auf ihrem Dreiradminilaster weiter. Zwei super Typen, die einfach ein Hingucker und Hinhörer sind.

Auf dem Festivalgelände gabs dann die Band „Eternal Tango“ aus Luxemburg, die ordentlich rockten und sich zeitweise etwas nach Indie anhörten, jedoch allein optisch keinesfalls zu diesem Genre zugerechnet werden sollten.

Hierzu passte eher die anschließende Band auf der Hauptbühne „The Intersphere“, die aber auch voll überzeugten. Eigentlich sah ich das gesamte Festival keine einzige Band, die mich und schon gar nicht ihre Fans langweilte.

Und so ging es dann weiter mit „Joe Blob And The Sixtyniners“ – der wohl lustigsten Coverband überhaupt, mit der Deutschrockband „Jupiter Jones“ – richtig gute Songs die richtig abgingen und mit der Berliner Band „Budzillus“ – hier wurde es vor der kleinen Bühne zu einer „Oriental Swing Punk Polka“ Party.

Als Headliner des Freitags kamen dann „Itchy Poopzkid“ auf die Hauptbühne, die besonders von den jüngeren Fans extrem abgefeiert wurden, jedoch auch für mich eine überzeugende Show ablieferten.

Als Late-Night-Special kam dann um 1 Uhr der Liedermacher „Götz Widmann“ auf die kleine Bühne. Was dieser Mann abliefert, muss man einfach mal gehört haben: grandiose, geistreiche, lustige Texte über Hasch, Frauen, Fußball und was sonst noch wichtig ist. Songs die sehr eindrucksvoll präsentiert wurden.

Am Samstag gab’s um 12 Uhr, also quasi zum Frühstück, Handkäs! Hiervon wurden 8kg mit 50l Äppler vom „Handkäs Ede und die Brezelmänner“ unter das Volk gebracht. Natürlich mit ordentlich „Mussig“. Diese gab’s doppelt: als Essig-Öl-Zwiebel-Marinade für den Handkäs und in Form von Punk-Cover mit Texten, die fast alle was mit Handkäs zu tun hatten. Sehr köstlich, beides!

Bei „Drowning Fate“ standen ein paar Jungs auf der Bühne die irgendwie nach Schülerband aussahen. Aber als sie loslegten, konnte einen die Kinnlade nach unten klappen: feinster emotionaler Prog-Rock! Ich freue mich auf ihr erstes Album.

Anschließend waren „Flying Eyes“ aus Baltimore, USA zu sehen und man fand sich in den guten alten 70ern wieder. Tolle eigene Songs die immer an irgendwas erinnerten ohne geklaut zu klingen. Dazu das entsprechende Outfit – allererste Sahne!

Bei „Jaya The Cat“ wurde es noch chilliger.  Diese Amsterdamer Band kommt mit einer coolen Mischung aus Reggae, Punkrock und Ska daher – am tanzen kommt keiner vorbei, da sich der Körper wie von selbst bewegt. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal den Song „Closing Time“ anhören – zumindest live der Oberhammer!

Mit „Raya“ ging’s dann richtig zur Sache. Spanischer Metal-Crossover aus der Schweiz mit der zierlichen Sängerin Lore die so derb abging – wow, wo gibt’s solche Drogen? Ne, Witz – die Frau hat einfach so extrem Power, um anschließend im Backstage wieder sehr nett und witzig zu plaudern. Sie war mit dem Gig, dem Festival und der Stimmung sehr zufrieden und deshalb super gelaunt.

Und die Band-Perlen reihten sich weiter:

Der Unterschied zu Raya war gewaltig, deshalb taten sich „Boppin’ B“  zunächst mit ihrem Rock N’ Roll – Rockabilly etwas schwer beim Publikum. Aber auch sie konnten mit einem tollen Programm, welches mit artistischen Einlagen um den superfreundlichen Kontrabasser Didi Beck gespickt war, die Leute begeistern.

Für viele war „Shes All That“ überraschenderweise der geilste Act. Vier Leute mit Altherren-Masken lieferten mit ihrem Mix aus Elektro, Drums, fettem Gitarrensound und einer kraftvollen Frauenstimme allerfeinste Dance-Music und eine fantastische Stimmung.
Berührungsängste oder Hemmungen kannte die Sängerin nicht. Immer im Kontakt zu den Fans, beim Crowdsurfing zeriss dann ihre Hose. Diese wurde einfach auf der Bühne etwas am Hintern getaped – ohne jegliche Pause.

Am vollsten war es jedoch an diesem Wochenende vor der Hauptbühne bei „Caliban“. Diese gingen gewohnt druckvoll zu Werke. Die Fans waren begeistert. Im Pitt wurde gepflegt gemosht und die für Caliban übliche Wall Of Death nahm fast den gesamten Platz vor der Bühne ein.

Am Sonntag ging’s etwas später los.

Diesmal begann mit „Malcom“ eine junge einheimische Band, die auf dem Zeltplatz mit eifrigem Musizieren bereits reichlich Werbung für sich gemacht hatte. Der Funke sprang über – für eine so junge Band eine geile Erfahrung.

Skafield“ war für mich die nächste Band. Der Name war Programm und der Frontmann puschte aufs heftigste, was vom Publikum sehr gut angenommen wurde.

At The Farewell Party“ taten sich erst etwas schwer, konnten sich jedoch steigern. Ihr Indie-Pop ist vielleicht nicht jedermanns Sache, jedoch ist die Musik niemals langweilig und absolut tanzbar.

Bei den „Emil Bulls“ war wieder die härtere Fraktion der Fans am Start. Es war sicherlich nicht das beste Konzert der Bulls, aber auch nicht das schlechteste – und dies ist noch immer eine amtliche Vollbedienung! Die Stimme von Christoph von Freydorf klang zunächst etwas angegriffen, was bei den Songs jedoch praktisch nicht mehr hörbar war. Der Moshpit war heftig aber sozial, auch als ich dabei eins auf die Nase bekam.

Mit „Elfmorgen“ kam mein persönliches Highlight des Wochenendes quasi zum zweiten mal auf die Bühne. Die Musik war druckvoll, spaßig, abwechslungsreich, persönlich und auch emotional. Das Wichtigste ist jedoch die unerhöhte Spielfreude der 3 die sofort auf die Fans überspringt. Andy schwätzte aus dem Nähkästchen, forderte zu echten Stagedives (über den Fotograben) auf. Letztlich war auch erstmalig seine 8 jährige Tochter Lili am Start. Dabei wurde der sonst zu jedem Scheiss bereite Andy erstmalig ängstlich, aber der Stagedive klappte bestens, was den stolzen Vater „Pipi in die Augen“ (O-Ton Andy) trieb. Zum Abschluss gab’s wie gewohnt den Oberlippenbart. Als die Band die Bühne verlassen hatte (musste), sang die Menge „das Leben ist hart ohne Oberlippenbart“ einfach weiter und machte keine Anstalten zur Hauptbühne zu wechseln. Andy kam noch mal kurz auf die Bühne um mitzusingen und die Sache zu beenden, die Menge sang danach trotzdem weiter. Nun kam Stefan Kasseckert, der Cheforganisator des Trebur Open Air, auf die Bühne und versprach dass Elfmorgen auch 2011 wieder auftreten darf, aber man sollte doch den Headliner Theraphy? nicht noch länger warten lassen. Nun ging die Menge endlich, den Oberlippenbart weiter grölend, Richtung Hauptbühne.


Nun war der Headliner des Abends, eigentlich des ganzen Festivals, an der Reihe das Trebur Open Air abzuschließen: „Theraphy?“. Lag es an der begeisternden Vorband oder sind die Jungs etwas in die Jahre gekommen und hatten deshalb etwas Startschwierigkeiten? Auf jeden Fall brauchte es ein paar Songs, bis die Band und die Fans in Stimmung kamen. Als die Klassiker vom Troublegum-Album an der Reihe waren, war jeder von der Klasse dieser Band überzeugt und das Trebur Open Air feierte seinen würdigen Abschluss.

Es bleibt zu hoffen, dass das Trebur Open Air Team sein Weg fortsetzt und das Festival genau so belässt mit dem tollen Genremix und der familiären Stimmung.

Bericht und Fotos von Papa-Mike für V.U.

(Michael Häckl)

Seit einigen Jahren wird es regelmäßig an einem Juliwochenende schwarz in Köln. Und dies liegt nicht etwa an aufziehenden Gewitterwolken. Nein, die Ursache befindet sich am Tanzbrunnen. Dieser zieht auf fast magische Weise große Scharen schwarz gekleideter Menschen an, die sich auf der dem Dom gegenüberliegenden Rheinseite versammeln, um das dort stattfindende Amphi-Festival zu feiern.

Dieses Jahr fiel das schwarze Event auf das Wochenende des 24. und 25. Julis. Bereits Wochen zuvor war das Festival restlos ausverkauft und somit fanden sich 16.000 Goths aus aller Welt am Tanzbrunnen ein, um dort zwei Tage lang unter Gleichgesinnten zu feiern. Dazu gaben sich auf zwei Bühnen insgesamt 34 Bands die Klinke in die Hand. Die Mainstage befand sich im Freien, war aber dennoch überdacht, was sehr zur Freude der Besucher gereichte, die somit vor den Strahlen der teilweise recht warmen Sonne sowie den sonntags nachmittags einsetzenden Regengüssen geschützt waren. Die zweite Bühne war dieses Jahr erstmalig im Staatenhaus untergebracht. In den Vorjahren noch im Theater gelegen, wurde dieses inzwischen zu klein, und nachdem das Festival bereits 2008 zum ersten Mal ausverkauft war, mussten die Konzerte im vergangenen Jahr in die größere Rheinparkhalle verlegt werden, um die Besucherkapazitäten am Tanzbrunnen auszuweiten. Dort verblieb die Bühne aber lediglich einige Stunden, bis zu dem Auftritt von Feindflug, welche mit ihren Industrial-Klängen die Decke der Halle zum Einsturz brachten, woraufhin das restliche Programm wieder zurück ins Theater wanderte. Diesen Vorfall vergessend, befand sich die zweite Bühne dieses Jahr wieder in der Rheinparkhalle, die inzwischen allerdings in Staatenhaus umgetauft wurde.

Wer gerade keine Lust hatte, sich den Klängen diverser Bands hinzugeben, konnte die Autogrammstunden verschiedener Musiker besuchen, welche ebenfalls zahlreich angeboten wurden oder nach Herzenslust die Stände auf dem Gelände abklappern und sich unter anderem mit neuen Outfits, Accessoires oder CDs eindecken. Des weiteren bestand erstmalig die Möglichkeit sich auf den Rheinterrassen zu erholen und sogar ein Beachclub mit Sandstrand bot das Festival seinen Besuchern.

Im Theater fand darüber hinaus zusätzlich ein vielfältiges Rahmenprogramm statt. So bestand die Möglichkeit, sich den von Welle:Erdball produzierten Film „Operation Atahualpa“ anzusehen, der Musik von Oliver Klein’s Rocky Horror Show zu lauschen oder sich den Vortrag von Dr. Mark Benecke sowie die Lesung des Christian von Aster zu Gemüte zu führen. Im Anschluss an diese Darbietungen legten diverse DJs (u.a. DJ Chris von Agonoize, Ronan Harris von VNV Nation) auf und boten allen Tanzwilligen die Gelegenheit, noch bis spät in die Nacht hinein ausgelassen das Tanzbein zu schwingen. Das Programm auf den beiden Bühnen endete zwar bereits vor Mitternacht, im Theater dagegen war aber noch lange kein Ende abzusehen und somit herrschte dort bis vier Uhr morgens ausgelassene Feierstimmung.

Die Türen zum Festivalgelände öffneten sich am Samstag bereits um 10 Uhr in der Frühe. Der erste Festivaltag stand dabei im Zeichen der elektronischen Klänge. Auf beiden Bühnen traten hauptsächlich Künstler aus den Bereichen Electro, Industrial, EBM und Wave auf. Auch das Wetter war ausgesprochen gut. Die Hitze der vorangegangenen Tage hatte sich verflüchtigt, sodass die Temperaturen nun recht angenehm waren.

Im Staatenhaus, welches seine Türen um 11:00 Uhr öffnete, spielte als erste Band des Wochenendes Miss Construction. Vermutlich waren viele Besucher um 12:30 Uhr noch nicht ausgeschlafen genug, um das Tanzbein zu schwingen, denn die Stimmung blieb während der gesamten dreißig Minuten Spielzeit recht verhalten, obwohl Chris Pohl und sein Mitstreiter Gordon (ehemals Terminal Choice) fette Industrial-Salven von der Bühne schmetterten. Die Show selbst wurde von Videoprojektionen untermalt, welche die Atmosphäre der Songs besonders unterstrichen. Stets um Kommunikation mit dem Publikum bemüht, kommentierte Herr Pohl die meisten Stücke. So kündigte er „F**k U Bitch“ mit den Worten „Der nächste Song ist ein Liebeslied“ an. Im Anschluss erklärte er dem Publikum: „Das nächste Lied ist schon was älter. Für uns nicht, aber für euch.“ Es folgte „Totes Fleisch“, welches noch aus alten Terminal Choice-Zeiten stammte. Besonders freute sich der Frontmann darüber, dass die Anwesenden „so zahlreich erschienen“ waren und so erklärte er diesen: „Ich hätte nicht gedacht, dass ihr so früh aus euren Zelten oder Betten kommt.“ Des Weiteren erfreuten die Musiker das leider etwas tanzfaule Publikum mit den Songs „Hass Und Liebe“, „Lunatic“ und „Kunstprodukt“, bevor sich Chris Pohl mit den Worten „Vielen Dank und viel Spaß heute und lasst euch nicht unterkriegen“ verabschiedete.

Um 13:50 Uhr gaben sich End Of Green auf der Mainstage die Ehre. Auch dort blieb die Stimmung recht verhalten, obwohl die Jungs mit qualitativ hochwertigem Gothic Rock aufwarteten.

Dies mag vielleicht daran gelegen haben, dass Sänger Michelle Darkness während des gesamten Auftritts relativ bewegungslos hinter seinem Mikrofonständer stand. Konnte man es bei den ersten Stücken noch verstehen, da er während dieser Gitarre spielte, hätte er sich spätestens in zweiten Teil der Show um etwas mehr Bewegung und Interaktion mit dem Publikum bemühen können. Da dies aber nicht geschah, blieb auch die Menge vor der Bühne größtenteils eher bewegungslos. Da nützten auch Hits wie „Killhoney“ oder „She’s Going Wild“ nicht mehr allzu viel. Darüber hinaus kann man sich wohl darüber streiten, ob es cool wirkt, wenn der Sänger auf der Bühne eine Zigarette nach der anderen qualmt. Dieses Urteil muss aber jeder für sich selbst fällen.

End of Green

Solitary Experiments dagegen gelang es, die Zuschauer im Staatenhaus in relativ gute Stimmung zu versetzen. Ihre Electro-Klänge in Kombination mit einer soliden Show, wussten zu überzeugen. Allerdings war es doch recht auffällig, dass der Song „Seele Bricht“, derjenige war, der beim Publikum am besten ankam, obwohl er nicht von Solitary Experiments selbst stammte sondern von den Kollegen von Feindflug geschrieben wurde. Dies kann daran gelegen haben, dass dieses Stück um einiges beatlastiger und daher tanzbarer war als das restliche Set. Auch bei dem Auftritt dieses Trios gab es Leinwandprojektionen zu bestaunen, die die Show besonders kurzweilig gestalteten.

Bombastische Stimmung herrschte bei Nachtmahr, welche ebenfalls im Staatenhaus auftraten, direkt ab den ersten kalten Hellectro-Klängen. Thomas Rainer feuerte seine Beats am laufenden Band und mit der Präzision eines Maschinengewehres.

Besonders ins Auge stachen die vier Frauen in Uniformen, die während der gesamten 40 Minuten Spielzeit unbeweglich auf der Bühne standen. Auch die inzwischen obligatorische Leinwand, auf welcher Schriftzüge wie beispielsweise „War is not the answer“ eingeblendet wurden, durfte nicht fehlen. Zu Songs wie „Leistung“, „Mädchen in Uniform“, „Boom Boom“ oder „Tanzdiktator“ war die Menge nicht mehr zu halten. Aber dies reichte Thomas Rainer offensichtlich noch nicht und so fragte er das Publikum: „Ihr habt bereits bei „Tanzdiktator“ bewiesen, dass ihr schon um diese Uhrzeit die Halle zum Beben bringen könnt. Aber könnt ihr auch einen Krieg auf der Tanzfläche entfachen?“ Dem folgte „War On The Dancefloor“ und tatsächlich stand dabei kaum noch ein Bein still. Außerdem lieferte Thomas Rainer endlich die Antwort auf eine Frage, die alle interessierte: „Viele Leute fragen immer nach dem Hintergrund, warum wir in Uniformen spielen. Weil ich es kann!!!

“ Klingt überzeugend … Gegen Ende von Nachtmahrs Set wurde das Publikum darauf verwiesen, dass es nicht die Schuld der Band sei, dass die Spielzeit so eingeschränkt war und dass sie ihre Beschwerden diesbezüglich an info@amphi-festival.de senden sollten. Dieser klaren Ansage folgten noch „Feuer Frei“ und „Katharsis“, bevor die Österreicher endgültig die Bühne verlassen mussten.

Bevor mit Skinny Puppy der Samstags-Headliner die Bühne des Staatenhauses betrat, musste sich das gespannte Publikum recht lange gedulden, da es zu einer 25-minütigen Verzögerung im Ablauf kam. Dafür lieferte die Band ein wahres Horrorszenario, das sicher dem ein oder anderen der Anwesenden deftige Albträume beschert haben dürfte. So betrat ein Monster zu elektronischen Industrial-Klängen die Bühne, welches anstelle eines Gesichtes einen Totenkopf besaß und einen langen spitzen Hut trug. Sein gesamtes Erscheinungsbild war komplett weiß. Das Gleiche galt für die Bühne, auf der mehrere Leinwände und Bildschirme, sowie ein großer, betretbarer Kasten und das Mischpult platziert waren. Während der gesamten Show wurden bunte Szenen auf diese weißen Flächen projiziert, wodurch die gesamte Bühne in nervösem Farbenspiel flimmerte. Nach den ersten drei Songs verschwand das seltsame Abtraum-Wesen und tauchte auf einmal in dem Kasten auf, in dem es ganz wild herumtanzte. Als es ihn wieder verließ, entledigte es sich seinem Totenkopf, der offensichtlich nur eine Maske war. Nun sah man einen blutigen Kopf mit einem schwarzen Gitter an der Stelle, an der die Augen sitzen sollten. (Man munkelte, dass es sich dabei ebenfalls um eine Maske handelte.) Schließlich zog das Wesen seinen spitzen Hut wieder auf, aus dessen Spitze plötzlich wilde Rauchschwaden hervorquollen. Dazu wurde die Bühne in Projektionen der amerikanischen Flagge gehüllt. Irgendwann verschwand das Monster wieder und nahm die anderen, sich auf der Bühne befindenden Personen, mit sich. Sofort wurden Rufe nach einer Zugabe laut. Nach einer kurzen Pause erschien das seltsame Wesen wieder, ließ ein gar nicht so böse klingendes „Thank you very much Amphi-Festival“ vernehmen und erneut erklangen Industrial-Klänge bevor Skinny Puppy die schwarze Menge in die noch schwärzere Nacht entließen.

Am Sonntag öffneten sich die Tore des Tanzbrunnens um 11:00 Uhr, also eine Stunde später als am Vortag. Die Temperaturen waren etwas angestiegen, aber eine gewisse Schwüle in der Luft ließ erahnen, dass es nicht den ganzen Tag so sonnig bleiben würde.

Die undankbare Position als erste Band im Line-Up hatten Ext!ze, die den Frühaufstehern unter den Festivalbesuchern mit ihrem Cyber-Industrial von der Mainstage aus bereits ordentlich einheizten und die letzte Müdigkeit vertrieben, sodass man bereits zu dieser frühen Stunde viele tanzende Menschen beobachten konnte.

Während die Band selbst meist an ihren Instrumenten stand, lieferten zwei Tänzerinnen eine heiße Show. Beim letzten Stück hielten Sänger Cyb3rella und Keyboarder Ionic Matrix Schilder hoch, auf denen der Text, der in diesem Song verwendeten Samples geschrieben stand. Dabei handelte es sich um die Worte „jung“, „dumm“ und „bösartig“.

Im Anschluss betraten Mono Inc. die Bühne. Bei ihnen herrschte vom ersten Moment an eine gute Stimmung und der Platz vor der Mainstage füllte sich auch schon beachtlich. Frontmann Martin Engler begrüßte das Publikum mit den Worten: „Amphi, geht’s euch gut? Mir auch!“ Es folgten Songs wie „This Is The Day“, „Temple Of The Thorn“ oder „Bloodmoon”, die regelrecht für Feierlaune sorgten.

Ein bisschen Werbung muss eine Band aber auch machen können und so verkündete Herr Engler, sehr zur Freude seiner Anhänger, dass im August eine neue EP veröffentlicht würde. Natürlich folgte dieser Nachricht der Titelsong dieser Platte namens „Coming Down“. Fast während des gesamten Auftrittes sprang der Sänger ausgelassen über die Bühne und animierte das Publikum zum Mittanzen und Mitsingen. Schließlich stellte er fest: „Es ist verdammt schön, wieder hier zu sein. Wir haben letztes Jahr schon mal hier gespielt und da haben wir noch früher gespielt. Zum Frühstück sozusagen. Aber mühsam nährt sich das Eichhörnchen.“ Diesen Worten folgte „Forgiven“, welches dem aktuellen Album entsprang. Das Highlight der Show aber war, als Martin Engler zur Akustikgitarre griff und mit tatkräftiger Unterstützung des Publikums einen Song akustisch performte. Zwischendurch wies er noch darauf hin, dass der Auftritt für das Mono Inc. Tour-TV aufgezeichnet würde und man ihn somit im Internet ansehen könnte. Im Anschluss an diese etwas ruhigere Darbietung überraschte Drummerin Katha Mia mit einem großartigen Drum-Solo. Es folgte „Voices Of Doom“ und mit dem Hinweis auf die Autogrammstunde am Nachmittag, bei der man, nach Englers Worten, mit der Band „einen zischen“ konnte, verabschiedeten sich Mono Inc. mit dem Song „Get Some Sleep“. Es folgten Zugabe-Rufe, die aber leider unerhört verklingen mussten.

Aufgrund technischer Probleme begannen Leaves’ Eyes ihre Show mit zehnminütiger Verspätung. Davon aber unbeirrt, lieferte die Symphonic Metalband eine energiegeladene Show ab, obwohl sie gerade erst frisch aus Bulgarien angereist waren und somit eine 15-stündige Fahrt hinter sich hatten, wie Sänger Alexander Krull verkündete.

Dennoch war bei der Band keine Spur von Müdigkeit zu verspüren und so rockten Stücke wie „My Destiny“, „Take The Devil In Me“ oder „Elegy“ ziemlich ordentlich. Das Publikum wirkte dagegen vergleichsweise etwas träger. Auch war der Platz vor der Mainstage nicht mehr ganz so gut gefüllt wie bei Rabia Sorda, die zuvor aufgetreten waren.Dennoch veranstaltete die Band einen kleinen Contest mit den Anwesenden, bei dem es darum ging, welches Publikum das Lauteste ist – das Deutsche oder das Bulgarische?

Zu diesem Zweck animierte Alexander Krull die Zuschauer, so laut wie möglich zu kreischen. Natürlich wurde dies auch gefilmt. Am Ende der 50-minütigen Spielzeit verabschiedete sich Sängerin Liv Kristine von ihrem Publikum mit den Worten „Vielen Dank Amphi! Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr wieder. Feiert schön bis in die schwarze Nacht!“.

Nach Coppelius vollzog sich im Staatenhaus ein kompletter Publikumswechsel. Aber auch die Musik von Samsas Traum, die nun die Bühne betraten, unterschied sich in vieler Hinsicht von den Klängen, die Coppelius zum besten gaben. Mit den Worten „Einen schönen guten Abend! Wir sind Samsas Traum!“ Begrüßte ein völlig in weiß gekleideter Alexander Kaschte die doch recht beachtliche Menge in der Halle und eröffnete das Set mit „Ein Name Im Kristall“. Von den ersten Klängen an herrschte eine wahnsinnig gute Stimmung im Staatenhaus. Dies war aber nicht weiter verwunderlich, denn der langhaarige Frontmann tobte wie ein wilder Derwisch über die Bretter, schüttelte seine Mähne und ließ sich ausgiebig vom Publikum feiern. Auch zog er die Anwesenden ein wenig mit Kommentaren auf wie beispielsweise „Wasser? Seit 200 Konzerten dieselbe alte Leiher. Wollt ihr Wasser?“ Wobei er provokativ einen Beutel Wasser hochhielt, diesen aber schließlich ins Publikum warf. Nach Wasser wird sich wohl ein großer Teil der Menge gesehnt haben, denn Songs wie „Tanz Auf Den Spiralnebeln“, „Für Immer“, „Stromausfall im Herzspital“, Endstation Eden“ oder „Heiliges Herz“ wurden wahrlich frenetisch gefeiert. Einen kleinen Seitenhieb auf das diesjährige Wave Gotik Treffen in Leipzig, bei dem Samsas Traum ebenfalls aufgetreten waren und bei dem Alexander Kaschte ein etwas farbenfroheres T-Shirt trug, konnte er sich nicht verkneifen: „Könnte ihr mir mal erzählen, was so schlimm an einem grünen T-Shirt ist? Ich denke, ihr seid tolerant! Aber als ich neulich auf dem WGT so vielen eine gute Zeit beschert habe, folgten nur Beschwerden über mein grünes T-Shirt. Hoffentlich beschwert sich heute keiner über mein weißes Hemd, meine weiße Hose und meine Sandalen. Aber seid ehrlich, ihr habt auch alle weiße Hemden in euren Schränken.“ Schließlich warnte der Sänger: „Ab dem nächsten Lied wird es gefährlich!“ Daraufhin ermunterte er die härter gesottenen Metaller im Publikum dazu, richtig schön zu pogen. Zu „Ein Fötus Wie Du“ rief er dann zu einer Wall of Death auf. Im Anschluss lobt er das Publikum mit den Worten „Vielen Dank Köln, das war ganz großes Kino.“ Dementsprechend folgte bei „Mister Misanthropia“ eine erneute Wall Of Death. Als sich die Show so langsam dem Ende zuneigte, erklangen „Ohne Kugel gehen wir nicht raus“-Chöre. Somit fand ein großartiger Auftritt von Samsas Traum mit einem gut gelaunten Sänger, der sich nach fast jedem Song für die positive Resonanz aus der Halle bedankte, seinen Abschluss mit dem Song „Kugel Im Gesicht“.

Während es im Staatenhaus heiß herging, gab es draußen lang anhaltende Regengüsse, die für reichlich Abkühlung sorgten. Davon ließ sich ASP aber nicht beeindrucken und rockte auf der Mainstage mit „Denn Ich Bin Der Meister“ kräftig gegen den Regen an. Dass sich der Düsterrocker auf dem Amphi ordentlich wohlfühlte, wurde offensichtlich, als er erzählte, dass er den ganzen Tag Backstage gesessen und sich über die Vielfalt an Musik gefreut habe, die von der Mainstage her erklang. „Ihr habt den ganzen Tag mit schönen Menschen auf der Bühne zugebracht. Ich fürchte, damit ist jetzt Schluss!“, witzelte der Sänger. Nach dem frenetisch aufgenommenen „Lykanthropie“ lobte ASP seine Anhänger, indem er feststellte: „Es tut gut, bei euch zu sein!“ Bei „Krabat“ ließ er das Publikum singen, was zunächst nicht so gut funktionierte. „Ich sehe schon, das hätten wir vorher üben sollen. Das machen wir jetzt.“, kommentierte er dies. Nach nur wenigen Anläufen war der Meister offensichtlich zufrieden und gab zu: „Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Vielen Dank!“ Nach „Werben“ war die Menge endgültig am Toben.

Als die Band nach dem anschließenden „Schwarzes Blut“ die Bühne verließ, entbrandeten entsprechend laute „Wir wollen brennen“-Rufe auf dem Platz vor der Mainstage. ASP ließ sich auch nicht lange bitten und kam sehr schnell wieder zurück. Mit einem Schmunzeln gestand er: „Ich muss ehrlich zugeben, dass ich ein bisschen damit gerechnet habe.“ Selbstverständlich folgte „Ich Will Brennen“. Der Auftritt endete dann aber nicht ganz so fröhlich, wie er begonnen hatte, denn ASP erinnerte an den Tod eines großartigen Musikers, der vor einigen Monaten von uns gegangen ist und welcher dem Sänger musikalisch viel bedeutet hat: Peter Steele von Type O Negative. Als Hommage an diesen spielte die Band abschließend den Type O Negative-Song „I Don’t Wanna Be Me“, zu welchen ASP ein T-Shirt trug, auf dem „R.I.P. Peter Steele“ stand. Obwohl dieses Stück sehr gut dargeboten wurde, sah man dem Publikum an, dass viele der Anwesenden mit diesem Song nichts anfangen konnten.

Setlist ASP:

01. Denn Ich Bin Der Meister

02. Kokon

03. Wer Sonst

04. Lykanthropie

05. Sing Child

06. Krabat

07. Ich Bin Ein Wahrer Satan

08. Und Wir Tanzten

09. Werben

10. Schwarzes Blut

11. Ich Will Brennen (Zugabe)

12. I Don’t Wanna Be Me (Zugabe)

Während auf der Mainstage so langsam die Lichter ausgingen, war im Staatenhaus noch lange kein Ende in Sicht. So betraten Letzte Instanz die Bühne in der Halle und bewiesen beispielsweise mit „Engel“ oder „Flucht Ins Glück“, dass sich auch Celli und Geigen perfekt in eine Rockband integrieren lassen. Um die richtige Atmosphäre für etwas getragenere Stücke zu schaffen, erkundigte sich Sänger Holly: „Gibt’s unter euch Nichtraucher? Nichtraucher telefonieren doch ab und zu mal. Könnt ihr eure Handys hochhalten? Wir brauchen euer Licht!“ Es schien, als hätten die guten alten Feuerzeuge bald ausgedient. Eine ganz geschickte Überleitung zum nächsten Song gelang Holly mit den Worten „Wir machen das nur, weil ihr uns hören wollt. Wo wären wir nur ohne dich?“ Dementsprechend folgte ein Stück mit genau diesem Titel – „Ohne Dich“. Aber auch das Publikum einzubeziehen, gelang dem Frontmann sehr gut. So ließ er die Leute jede Menge lang gezogene „Ohs“ singen, formte dabei mit dem Daumen und Zeigefinger einen Kreis und regulierte mit dieser Geste die Lautstärke der Menge, indem er einen Arm auf und ab bewegte. Bei „Komm“ gab es dann absolut kein Halten mehr und die ganze Menge sprang und tanzte. Selbst Geiger M. Stolz schnappe sich Sänger Holly, der sich inzwischen, zur Freude des weiblichen Publikums, seines Oberteils entledigt hatte, und tanzte mit diesem eng umschlungen über die Bühne. Während das Publikum lautstark den Refrain von „Stimmlein“ sang, veranstaltete die Band Laola-Wellen. Zu „Wir Sind Allein“ schließlich sollten sich alle gegenseitig die Hände auf die Schultern legen. Als Letzte Instanz danach die Bühne verließen, wurden sie selbstverständlich wieder mit kräftigen „Zugabe“-Rufen zurückbeordert. Während dessen zeigten sich Geiger M. Stolz und Cellist Benni Cellini ganz mutig und schmissen sich in die Menge, um ein wenig Crowd-Surfing zu veranstalten. Im Anschluss daran, mussten die Musiker die Bühne räumen für die letzte Band des diesjährigen Amphi-Festivals.

Eisbrecher hatten die Ehre, das sechste Amphi-Festival zu beenden. Zum Auftakt betrat Sänger Alexx zu den Klängen von „Eiszeit“ die Bühne mit Eispickeln bewaffnet und mit Schiffchen-Mütze auf dem Kopf, sowie mehreren Oberteilen (quasi im Zwiebellook) und Sonnenbrille bekleidet. Riesige Nebelfontainen verliehen dem Song zusätzlich ein eisiges Flair. Nach aufbrandendem lauten Begrüßungsapplaus bedankte sich der Frontmann sowohl beim Publikum als auch bei den Leuten hinter der Bühne für ihre Ausdauer. „Eigentlich haben wir alle keinen Bock mehr.“ Nachdem er sich von Mütze und Brille entledigt hatte, ging es mit den Worten „Are you fucking ready?“ weiter. Schließlich wurde dem Sänger so warm, dass er sich die Jacke aufknöpfte. Da an dieser Stelle wohl regelmäßig die anwesenden Mädels „ausziehen!“ rufen, imitierte er diese Rufe schon, bevor sie aufkommen konnten. Daraufhin kam jemand aus der Crew auf die Bühne und half ihm, sich der Jacke zu entledigen. Dies kommentierte Alexx mit den Worten „Ab einem bestimmten Level Rockstar kann man sich einen Auszieher leisten.“ Auch stellte er fest, dass „viele schöne Frauen“ beim Amphi-Festival waren. Weiter ging es im Set mit „Leider“. Ganz im Stile der vorherigen Band forderte der Frontmann, bevor die ersten Takte von „Vergissmeinnicht“ angeschlagen wurden, das Publikum dazu auf, die Handys rauszuholen und mit diesen zu leuchten, denn das „spart Gas“. Nach „Schwarze Witwe“ verkündete er dann, dass der Gitarrist einen Song geschrieben hat, von dem Alexx zunächst dachte: „Das kannst du nicht machen, das ist viel zu viel Schlager.“ Aber mit der Begründung, Schlager seien doch modern, fand das Stück namens „Engel“ dann doch seinen Platz in der Setlist. Und das zurecht, wie die Reaktionen des Publikums bewiesen. Zu „This Is Deutsch“ packte Alexx einen bayrisch wirkenden Hut aus und tanzte sogar Schuhplattler. Anschließend verließen die Jungs die Bühne, kamen aber selbstverständlich nochmal für zwei Zugaben zurück. Für die erste Nummer namens „Amok“ wurden auf der Bühne vier Tonnen aufgestellt, auf denen die Band trommelte. Anschließend entledigte Alexx sich seiner Weste und Krawatte, bevor „Miststück“ dann das Ende des Festivals einleitete.

Um Mitternacht endete mit dem Auftritt von Eisbrecher das sechste Amphi-Festival und die 16.000 Besucher strömten in ihre Betten und Zelte oder machten sich nochmal auf den Weg ins Theater, um bis in die frühen Morgenstunden zu den Klängen diverser DJs zu tanzen.

Kerstin Tschöpe/ V.U.